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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Eine coole Sau weniger

Abteilung: Kniefall

Ich finde (momentan) keine Worte, zu dem ganzen Scheiß, der auf dieser Welt abgeht.
Und jetzt poste ich hier einen Nachruf an Lemmy. Ich, der es eigentlich verabscheut, überhaupt Idole zu haben.

Meine erste Platte war 'Albatros' von Fleetwood Mac.
Meine 2. Platte war 'No sleep till Hammersmith'. Meine Mutter schenkte sie mir, weil sie mit einer Freundin unterwegs war, die die gleiche Platte ihrem Sohn schenkte. "Das hören die jungen Leute jetzt so." soll sie gesagt haben.

Ich kann es kaum beschreiben, was in mir vorging, als ich diese Platte zum ersten Mal hörte.
Diese Scheibe hat mir in den Arsch getreten. Mit Anlauf!

Seit diesem Initial-Ereignis bin ich Motörhead immer treuer geblieben.
Vielmehr Lemmy.
Seit Bukowski tot ist (der letzte Todesfall, der mich ähnlich berührt hatte) war Lemmy die erste Wahl mit jemanden die Nacht durchzuzechen.
Nicht weil er eine Ikone war, sondern einfach, weil er die letzte coole Sau auf dem Planeten war.
Neben Snowden, aber mit gänzlichen anderen Habitus.

Ein Typ, der Patronengurte trägt, der Nazi-Krimskrams sammelt, den könnte ich eigentlich nicht ernst nehmen.

Lemmy betete ich an. Der durfte alles.

Wer jemals Interviews mit ihm gelesen hat, der weiß:
Ihm war es letztendlich egal, was andere von ihm hielten.
Und die, die ihn kannten, die hielten (und halten) sehr viel von ihm.
Jenseits des Startums.
Er bestach auch durch Menschlichkeit, blieb irgendwie bodenständig, blieb irgendwie einfach er selbst, trotz des Erfolges der über ihm einbrandete.

Ich werde zum Neujahrsanfang auf ihn anstoßen.
Mit Whiskey, wie es sich gehört.
Okay, er ist auf Wodka umgestiegen.
Aber Lemmy ist der Whiskey-Typ.

Cheers, Lemmy!

EDIT: Freunde, die Abschied nehmen



Wer dem Menschen hinter der Legende gedenken möchte sei diese Doku empfohlen...

P.S.: Guten Rutsch!

Samstag, 5. Dezember 2015

Ein Loblied auf Sahra

Abteilung: Pazifismus als Alleinstellungsmerkmal des >linken Randes<
In der Schrottpresse bin ich auf ein Video von Sahra Wagenknecht gestossen. Dort spricht sie zu 100% aus, was ich zu diesem Bundestagsbeschluss denke.
(Nebenbei: Der verlinkte Blogger-Kollege in seinem Beitrag auch.)
Nein, ich bin nicht blind und folge einem politischen Idol. Ich hinterfrage kritisch alles, was ich sehe, höre, lese.
Aber für alles, was sie in diesem Video sagt, da schreib ich meinen Namen drunter.
Da stehe ich für ein.
Und ich bin bereit über jede Aussage zu diskutieren, wenn jemand gegen die Inhalte dieser Rede argumentiert.

Hier also das Video, mit Gruß an die Schrottpresse:


Freitag, 4. Dezember 2015

Zitat zum Syrien-Einsatz

Abteilung: Völkerrecht - und andere Banalitäten

"Streng genommen wurde Frankreich ganz überwiegend von Franzosen angegriffen - also gerade aus dem Inneren heraus, nicht vom Ausland. Wenn man es sehr überspitzt formulieren würde, müsste man sich fragen, warum die Franzosen nicht mit militärischen Mitteln in manchen der Pariser Banlieues intervenieren. Wir haben hier eben keine eindeutige, einem militärischen Angriff gleichzusetzende Aktion vom Gebiet des Staates Syrien gegen Frankreich. Das ist ein Fall für die Polizei und internationale Rechtshilfe, möglicherweise auch internationale Strafgerichte - und aber nicht für einen Militärschlag."
(Quelle: SPON)
Daniel-Erasmus Khan, 54, ist Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität der Bundeswehr in München

Donnerstag, 19. November 2015

Ist De Maizière inkompetent? Teile dieser Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern

Abteilung: Staatstragende Entmündigung

Ich erwarte ja wahrlich nicht viel, von dieser Kaste, die sich Politiker nennt. Wahrlich nicht. Aber die Performance, die da dilletiert wurde, ließ mich dann doch mit erschüttertem Erstaunen zurück.

Nachdem bekannt wurde, dass das Spiel abgesagt wurde gab es dann auch nur eine Frage, deren Antwort mich interessierte:
In einem Wort: WARUM?

Ich habe mir von der Pressekonferenz (PK) sicherlich keine lückenlose Aufklärung erhofft, aber was mir da geboten wurde, war lediglich eine Ansprache an unmündige Bürger, die sich mit Worthülsen abspeisen lassen.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, Auszüge zu transkriptieren:


[3:38]
DM:
Ich bitte um Verständnis, dass ich aus ganz grundsätzlichen Erwägungen, die Quelle und das Ausmaß des Hinweises und der Gefährdung, nicht weiter kommentieren möchte. Das würde für die Zukunft Rückschlüsse auf unser Verhalten zulassen. Das würde denkbare Hinweisgeber gegebenenfalls dazu veranlassen, keine Hinweise mehr zu geben, und beides dient nicht der nationalen Sicherheit unseres Landes. Wir alle hatten uns auf das Spiel gefreut. Das Spiel war eine besondere Geste - auch des Fußballs, der gastgebenen Stadt und des gastgebenden Landes Niedersachsen äh und Deutschlands. Es war auch eine Geste vom Nationalteam, weit über Kameradschaft und Fußball hinaus. Umso bitterer ist eine solche Entscheidung, und um so schwerer ist sie uns gefallen. Aber in einer solchen schwierigen Lage hat im Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang. Und diesem Zweifel sind wir heute deswegen gefolgt.
(...)

Einschub vom Duderich:
Gut, okay. Folgen wir mal der Argumentation:
Sicherlich ist es nicht hilfreich Quellen als solche zu outen. Zumal, wenn man sich davon verspricht zukünftige Attentate mithilfe dieser Quelle verhindern zu können. Aber mal angenommen, die schützenswerte Quelle hätte gesagt, da und dort könnte deswegen eine Bedrohung vorliegen. Würde man in Kauf nehmen, das Menschen (uninformiert) zu Schaden kommen könnten um eine Quelle zu schützen? Die Frage müsste man (egal wie man sie für sich selbst beantworten würde) bejahen, solange kein anderes Szenario denkbar ist, welches dieses verbale Rumgeeire erklären kann.
Und, was ist mit "Das würde in Zukunft Rückschlüsse auf unser Verhalten zulassen." gemeint?
Schadet es der öffentlichen Sicherheit, wenn Terrorgruppen zu der Erkenntnis gelangen, dass die Bevölkerung vor Bedrohungen gewarnt wird?
Es sind Sätze wie diese, die man unzählig oft lesen oder hören kann, ohne dass sie irgendeinen Sinn machen. Wo bleibt der 'Qualitätsjournalismus', der solche und andere Aussagen nach Sinn oder Unsinn abklopft?

Gleich die erste freigegebene Frage dieser PK bringt das auf den Punkt, was für die Betroffenen von essenzieller Bedeutung ist:

[11:19]
Lutz Neugemann, Osnabrücker Zeitung:
Gibt es denn noch eine anhaltende Gefährdungslage, oder ist sie jetzt beendet?
DM:
Ich, ich fang gleich mal an. Wissen sie ... ich verstehe diese Frage und ich verstehe auch die folgenden Fragen die kommen werden: Was war denn genau der Hintergrund der Gefährdung? Was hätte passieren können? Wovor ... was war der Gefährdungsgrund, warum sie abgesagt wurde. Was war der zeitliche Ablauf, dass die Entscheidung nachher so klar war, die wir sie beide getroffen haben. Ich verstehe diese Fragen. Aber verstehen sie bitte, dass ich darauf keine Antworten geben möchte. Warum? Ein Teil dieser Antworten, würde die Bevölkerung verunsichern. Ein Teil dieser Antworten würde unser Verhalten in Zukunft erschweren - denn wir werden auch in Zukunft solche Entscheidungen zu treffen haben, vielleicht nicht in Hannover, sondern irgendwo anders. Ähm. Zum Teil würden auch die Aussagen, die ich jetzt machen würde, gegebenenfalls den Hinweisgeber dazu führen, dass wir demnächst keine Hinweise mehr bekommen. Das wäre auch nicht im Interesse. Ich bitte einfach die deutsche Öffentlichkeit mal um einen Vertrauensvorschuss gegenüber dem Landesminister, gegenüber mir und gegenüber den Sicherheitsbehörden. Dass wir gute gute Gründe hatten, bittere Gründe, das so zu entscheiden. Dass es aber nicht weiterhilft, die Einzelheiten so darzulegen, ähm, das, ähm, ihre verständliche Neugierde befriedigt wird, aber das Handeln für die Zukunft erschwert wird.

Einschub vom Duderich:
Eine kurze klare Frage, die noch so wortreich nicht beantwortet wurde. DM argumentiert mit Quellenschutz. Dieses Argument greift aber nicht auf die Frage, denn diese hätte man mit 'Ja' oder 'Nein' beantworten können, ohne ein Rückschluss auf die Quelle zu riskieren. 
Dies ist Musterbeispiel dafür, dass berechtigte Fragen von Mandatsträgern nicht beantwortet werden, und für die Nichtbeantwortung der Fragen braucht man dann ganze Textwüsten, die in keinem Verhältnis zu einer einzeiligen Frage stehen. Der Fragende wird, wie meist, zum Stichwortgeber degradiert.
Das schluckt unhinterfragt der 'Qualitätsjournalismus' und weitgehend unhinterfragt auch der Bürger (befürchte ich). Und das ist auch der Grund für meine Polikverdrossenheit und meiner Medienkritik.

Warum hat der Journalist nicht nachgestoßen, und bspw. gesagt:

'Herr Innenminster, Sie haben wortreich erklärt, warum sie anders geartete Fragen nicht beantworten wollen. Beantworten Sie bitte meine Frage, oder begründen Sie, warum deren Beantwortung eine Quelle gefährden oder die Einschätzung zukünftiger Terrorabwehrmaßnahmen erleichtern würde!'
(Oder so ähnlich)

Aber so eine Bullshit-Antwort bleibt im Mainstreamjournalismus unhinterfragt.
Grundsätzlich drängt sich mir sowieso spontan die Frage auf, wofür wir einen Innenminister brauchen, der uns nicht darüber informieren will, ob eine Gefährdungslage besteht oder nicht.

Ist es denn kein Offenbarungseid, wenn der Minister für innere Sicherheit die Beantwortung der Frage verweigert, ob Teile der Bevölkerung (noch) gefährdet sind?
Und müssen wir vom stammelnden Innenminister vor Erkenntnissen beschützt werden, weil sie uns verunsichern könnten? Für wie unmündig muss dieser Mensch uns halten?
Verunsichert werde ich genau dann, wenn man mir etwas verschweigt, um mich nicht zu verunsichern. Und das auch noch ausspricht.

Es ist so grotesk und ich habe (Quelle leider nicht nicht mehr auffindbar) im Internet folgenden Joke dazu gelesen:

Frau: Findest Du, dass ich in diesem Kleid dick aussehe?
Mann: Teile dieser Antwort könnten Dich verunsichern.



Falscher Mann am falschen Platz. Passt.
Fügt sich gut ein, in das Gesamtszenario...

P.S.:
Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen läßt sich das Video der PK hier nicht einbinden sondern lediglich verlinken:

 https://www.youtube.com/watch?v=ltWMA4emq_8

Hier die erhellendere alternative Pressekonferenz eines weitaus kompetenter anmutenden Innenministernachfolgeraspiranten:

http://www.welt.de/kultur/article148968922/Videobotschaft-von-Helge-Schneider-nach-Absage-seiner-Lesung.html

Montag, 16. November 2015

Der Solidaritätstaumel

Abteilung: Wir sind gleicher! (George Orwell) 

Ich habe weniger Angst einem terroristischem Attentat zum Opfer zu fallen, als vielmehr Angst vor der politischen Reaktion auf terroristische Anschläge. Das sei mal vorweg geschoben.

Und ja, selbstverständlich trauere auch ich um die unschuldigen Opfer des jüngsten Terroranschlages (ich befürchte, es wird nicht der letzte bleiben). Unfassbares Leid wurde angerichtet, gar keine Frage.

Und es ist auch schön, mit zu bekommen, dass dies eine riesige Solidaritätswelle ausgelöst hat:
Kerzenmeere, tricolor angeleuchtete Wahrzeichnen, Schweigeminuten.

Europa rückt zusammen.

Und genau da liegt das Problem.

Denn dieses Zusammenrücken impliziert leider auch Ausgrenzung. Es beinhaltet ein 'Wir-Gefühl' welches nicht zu empfinden ist, wenn man nicht ein 'Die Anderen'-Gefühl hat.

Aber 'Die Anderen', das ist nicht nur der IS. Das sind Muslime, das sind Andersgläubige.
Das Fremde, Unbekannte, wird immer mehr das Bedrohende, gegen dass es sich zu wehren gilt.

Und das kommt bekannt vor...

In der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft wird zusammengerückt, aus sicherlich gut gemeinter Solidarität. Aber, dadurch werden auch mentale Grenzwälle hochgezogen.

Den Westen bedroht keine feindliche Macht, die uns den Gefallen erweist, sich qua Uniform oder territorial als Feind zu präsentieren.

Aber es wird wieder Mal ein Krieg ausgerufen. Als hätte 9/11 und die Reaktion darauf (war against terror) nicht die Erkenntnis beschert, dass militärische Interventionen gegen den 'Feind', den Terrorismus, nicht eindämmt, sondern beflügelt.
Die Wurzel des fanatischen Extremismusses kann nicht weggebombt werden. Man erzeugt nur Märtyrer, deren Lücke x-fach geschlossen wird.
Wir versuchen immer noch (wider besserer Erkenntnis), der Hydra Köpfe abzuschlagen, die doppelt und dreifach nachwachsen.

Die Reaktion auf die Attentate wird sein, dass genau jenes, was uns (noch?) von ideologisch fehlgeleiteten Denkweisen unterscheidet, minimiert wird.
Mehr Überwachung (gut, okay, blöder Witz), weniger persönliche Freiheitsrechte; letztendlich ein Offenbarungseid gegenüber der Aufklärung und zurückliegenden Kriegserfahrungen - und nicht zu vergessen - der Vernunft.

Der 'Krieg' gegen den Terror, gegen den IS, wird niemals erfolgreich sein können, wenn wir dem Terror nicht Vernunft und Humunität entgegen setzen.
Denn, wollen wir dem Terrorismus begegnen, indem wir immer mehr unsere Freiheitsrechte einschränken (lassen)?
Kann dies die Antwort sein?


Taliban, al Qaida, IS.
Selbst wenn der IS irgendwie ausgebombt werden könnte (selbstverständlich ohne Bodentruppen) wächst die nächste Terror-Organisation nach.
An neuen Attentätern wird es keinen Mangel geben, solange Kollateralschäden an unschuldigen Opfern zu beklagen sind - und achselzuckend hingenommen werden (sind ja keine Europäer).

Wäre schön (so mein naiver Wunsch) wenn Solidarität nicht nur in unserer sogenannten 'westlichen Wertegemeinschaft' fußen würde, sondern weltweit.
Und wir aufgeklärten, liberalen, demokratischen und humanistischen Menschen müssten doch langsam mal erkennen, dass jedes(!) Leben kostbar ist.

Auch wenn sie (gefühlt) ganz weit weg sind.

Nein, in dieser globalisierten Welt, kommen die Opfer unseres Wohlstandes zu uns.

Und das ist verdammt gut so!
Mag unbequem sein, aber das ist nur fair und die Konsequenz unseres imperativen Handels.

Terror, Klimawandel, ungerechte Verteilung des Reichtums, ökologischer Raubbau.

Aber nein, wir sind nicht schuld. Wir sind doch lediglich mitlaufende Nutznießer.

Aber betrauen die Toten (in Europa, in Frankreich, in Paris).
Nur nicht ebenso die, die anderswo weitaus zahlreicher und ebenso unrecht ihr Leben verlieren.

Denn es ist nicht weniger schlimm, wenn irgendwo ein Kind verhungert. Wenn Menschen in überfüllten Schleuser-Kähnen ertrinken. Oder unschuldig durch Drohnen gekillt oder in Guantanamo gefoltert werden.
Oder in Saudi-Arabien (zu denen wir Deutschen gute Wirtschaftsbeziehungen pflegen) ausgepeischt und gesteinigt werden.

Wo, bleibt die Solidarität zu den zahllosen anderen Toten und Gefolterteten?
Wo bleibt da der Aufschrei?

Wer trauert und solidarisiert sich hier?

Wer sind wir?

Sind wir ausschließlich Europäer, oder nicht auch Erdenbürger?

Montag, 28. September 2015

Der Kapitalismus ist alternativlos

Abteilung: TINA mit Currywurstgeschmack

Der Kapitalismus ist immer und überall.
Die letzten, noch verstreuten 'native people' werden durch den Kapitalismus bedroht. Das war schon früher so (als Beispiel sei die amerikanische Urbevölkerung genannt), und das wird auch in Zukunft so sein. Bis es keine native people mehr geben wird.
Niemanden, außerhalb kapitalistisch geprägter Strukturen.
Es ist nicht pessimistisch, sondern realistisch, dass indigene Völker (die u.A. noch im brasilianischen Urwald zu finden sind) in 50-100 Jahren nicht mehr existieren. Unzählige Tierarten werden bis dahin ausgerottet sein.
Solange sich nachhaltige, oft irreversible Umweltzerstörung ökonomisch rechnen lässt, wird diese auch praktiziert werden.
Wenn der Mensch eine Lebensspanne von, sagen wir, 300 Jahren hätte, würden auch Magnaten möglicherweise andere Entscheidungen treffen.
Aber, so?

(...)

Gibt es Alternativen zu einer kapitalistischen Lebensführung?
Kann ich mich heute noch dem kapitalistischen System gänzlich entziehen?
Eine Alternative, außerhalb kapitalistischer Strukturen leben?
Blockhütte, angeln, jagen und Gemüse anbauen?
Wo sind die autarken Kommunen, denen man sich anschließen kann?
Wo ist das Leben, in einer wählbaren Alternative (nicht wählbar durch Wahlzettel, sondern durch plumpe Entscheidung), in der man kein Giro-Konto braucht?
Keine Lohnarbeit?

Was muss ich tun, um eine lebbare Alternative herbeizuführen, oder zumindest wahrscheinlicher zu machen?
Fair Trade, BIO, veganes Leben, sogar solidarisches Spendenverhalten wurden längst von kapitalistischen Strukuren vereinnahmt. Auch damit werden riesige Gewinne eingefahren, weil es dafür einen MARKT gibt. Und, wo es einen Markt gibt, gibt es immer Profiteure.

Alleine, die Verteilungsrichtung von 'Arm' zu 'Reich' umkehren zu wollen, mutet in der heutigen Zeit wahlweise naiv oder linksextrem an.

Aber selbst mit linker Gesinnungshaltung lässt sich noch eine Menge Geld verdienen!
Wieviel Geld alleine mit der ikonischen Darstellung von 'Che' verdient wurde, mag ich mir gar nicht auszumalen...

(...)

Was zu der Frage führt:
Läßt sich der Kapitalismus aus dem Weltgefüge herausschneiden? Läßt sich eine Gesellschaft konstruieren, in der Besitz nicht in Macht (Einflußmöglichkeiten) mündet?
Das sind elementare Fragen, die leider (für mich) noch nicht zufriedenstellend beantwortet wurden.

Deshalb ist das kapitalistische System 'alternativlos' - schlicht, weil es keine nachvollziehbare, lebbare Alternative gibt.

Eine Vermögenssteuer, Transaktionssteuer, gerechtere Erbschaftssteuer besiegt ja nicht den Kapitalismus.

Ich werde auf absehbare Zeit weiterhin die LINKEN wählen. Aber selbst, wenn diese die absolute Mehrheit erlangen sollten:
Es würde höchstens um justierbare Stellschrauben gehen, aber nie den Anspruch haben, den K. bzw. Machtstrukturen abzuschaffen (ohne sie durch andere zu ersetzen).

Deshalb:
Der Kapitalismus ist alternativlos!

Und jetzt kommt mir bloß nicht mit Revolution!
Erstens wird (zumindest hierzulande) keine 'kritische Masse' in dieser weitgehend medial gleichgeschalteten Bevölkerung rekrutierbar sein.
Und zweitens, selbst wenn, wird der inthronisierte neue Weltenlenker auch nicht den Kapitalismus abschaffen. Da halte ich jede Wette!

Ich will hier keinen Trübsinn verbreiten! Auch keine Hoffnungen zerstören, oder klein reden.
Eine Alternative aber würde 'Opfer' verlangen.
Es ist konstruiert, aber trotzdem:
Wieviele, gerade junge Menschen, wären bereit (auch nur) auf ihr Handy zu verzichten, für eine bessere Welt auf fernen Kontinenten?

(...)

Wie sieht Euer Utopia aus?
Und was können wir tun, um dieses mit realistischem Anspruch anzubahnen?
Wie sieht das Konstrukt Eurer Hoffnung aus; wie wahrscheinlich ist dessen eintreten?

Das sind ganz viele offene Fragen, auf deren Antwort ich gespannt bin!

P.S.: Bei der Entscheidungsfindung pro und contra Kapitalismus gebe ich zu bedenken:
Ausschließlich der Kapitalismus kann das perfekte Getränk verfügbar machen, um seine Pommes runter zu spülen:

Foto wurde von mir selbst geschossen, ist also Teil meiner Erfahrungswelt.

Montag, 21. September 2015

Apokalypsen, und andere Katastrophen

Abteilung: Ein Serienjunkie erklärt die Welt

"wie freiheit beispielsweise aussehen könnte, beschreibt John Rawls:
alles zurück auf anfang: keiner hat was, keiner kann was. dann werden die spielregeln für die gesellschaft festgelegt. und zwar BEVOR jeder weiß, welcher platz der seine sein wird.
nur wenn ich nicht weiß, ob ich später sklavenhalter oder sklave sein werde, werde ich mich für gerechte regeln und maximale freiheit einsetzen."

(Don M. Tingly)


Diese Worte hallen bei mir nach, und ich möchte meine Gedanken dazu, nachfolgend zur Diskussion stellen.

Dieses Szenario ist wohl eher akademischer Natur. Ausschließlich eine Apokalypse, die die Menschheit auf höchstens 1 Promille reduzieren würde, ließe solch ein Szenario als möglich erscheinen. 
Könnte mir gut vorstellen, dass Zombie-Filme, und im aktuellen Fall auch -Serien, sich deshalb so großer Beliebtheit erfreuen...

Könnte solch ein Szenario sich auch über demokratische Willensäußerung herbeiwählen lassen?
Ich denke, ich kann die Frage verneinen, ohne mich dadurch dem Verdacht einer antidemokratischen Haltung aussetzen zu müssen (ausschließen kann ich das aber mittlerweile auch nicht mehr).

Revolution?
Das entstehende Machtvakuum würde rasant schnell wieder gefüllt werden. Und gerade die Machthabenden (egal welcher Coleur) haben naturgemäß ein Problem damit, Machtstrukturen auflösen zu wollen.
Und nach keiner Revolution hatte die Bevölkerung auch nur ansatzweise egale ökonomische Mittel:
Reich blieb reich und arm blieb arm.



Oben genanntes Szenario ist nicht denkbar mit irgendeiner Währung. Denn selbst bei gleich verteilten Geldmitteln, würde diese nach 10 Generationen nicht mehr so gleich verteilt sein. Und dieses Ungleichgewicht der monetären Verteilung würde sich dann auch korrespondierend dazu im Hierarchie-/Machtgefüge ausdrücken.

Die Auflösung einer anerkannten Währung ist tatsächlich nur in in einem apokalyptischen Szenario vorstellbar. Und auch diese Apokalypse müßte derart gestaltet sein, dass bestehende Besitz- und Machtverhältnisse keinen Einfluß auf die eigene Mortalitätsrate haben würden. 
Damit scheidet z.B. ein Atomkrieg aus. 
Es gibt zahlreiche Bunker - aber wer würde da wohl reinkommen?
Obama, z.B.
Putin auch.
Mutter Merkel müsste sich vor einem Atompils auch nicht unter dem Bett verstecken.
Milliardäre werden sich auch einen leisten (können), oder in der Lage sein, sich Zugang in andere zu verschaffen.

Wie groß wäre aber die Chance, dass Lieschen Müller Eintritt erhalten würde?

Tatsächlich würde nur eine biologische Katastrophe (bakteriell oder viral) eine Dezimierung der Menschheit auslösen, vor der Geld/Macht nicht schützen kann (vorausgesetzt es gibt keine erwerbbaren Medikamente dagegen).

Und tatsächlich bin ich ein Fan der Serie "The Walking Dead"
Nicht weil ich auf Zombies stehe, sondern wegen der soziologischen Fragestellung: 
Wie organisieren sich Kleingruppen, nach Zusammenbruch einer Gesellschaft und einer akzeptieren Währung? Wie reagieren diese auf andere organisierte Kleingruppen (für mich eine verkürzte Beschreibung von Anarchie)?
Auch 'Lost' hat diese Serie nicht zuletzt wegen diesem Aspekt, für mich spannend gemacht. 
Der Kult-Roman "Herr der Fliegen" befasst sich genau mit diesen Fragestellungen.

Selbstverständlich kristallisieren sich auch in diesen Szenarien Machtstrukturen heraus. 
Und die damit einhergehende Konkurrenz an Macht. 
Seit der Wiege der Menschheit ist das so.

Ich halte Gleichheit für ein anzustrebendes Ideal, welches zumindest längerfristig nie erreicht werden kann.

Anspruch muss sein, Ungleichheiten (die ja schon qua Natur gegeben sind) in möglichst großen Maße zu minimieren, auszugleichen.

Dagegen werden sich - die, wie auch immer Privilegierten - aber immer wehren wollen. Und diese haben naturgemäß auch immer den größeren Einfluß...

Ein Dilemma! 

Habe ich etwas übersehen, bzw. falsch interpretiert?

Gibt es einen Ausweg?

Ich gebe es zu.
Ich bin verstört.

Denn ich weiß nicht, auf was ich hoffen soll, damit die Welt gerechter wird.