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Donnerstag, 24. Mai 2012

Der eitle Gockel Lafontaine hat schon wieder hingeschmissen!

... so ungefähr der Tenor der Mainstream-Presse. Zitat: "Es ist ein typischer Lafontaine: Erst wollte er noch mal Linken-Chef werden, jetzt hat er abgesagt - weil ein Teil der Partei seine Kandidatur ablehnte (...)
Ein echter Lafontaine eben. Natürlich denkt man sofort an seinen Rückzug 1999 als SPD-Chef und Bundesfinanzminister im Kabinett von Kanzler Gerhard Schröder. Auch damals wurden alle kalt erwischt. Klar, dass es nun jede Menge Häme von Sozialdemokraten und Grünen gibt, die damals zu den Gelackmeierten gehörten. " (nur ein Beispiel unter leider sehr vielen).

Die linke [sic!] TAZ leistet, im Gehorsam vorauseilend, Schützenhilfe.

Aber auch in der (linken) Blogger-Szene wird kräftig in das selbe Horn gestoßen:

Auf spiegelfechter.de wurde ein Gastbeitrag von Thorsten Beermann gepostet, mit folgendem, bezeichnenden Titel: "König Oskar dankt ab." Weitaus erhellender als dieser Artikel ist die Lektüre der darauf folgenden Kommentare (auch bei der TAZ), die einen Eindruck darüber vermitteln, was die Leser- nicht mehr von der gleichgeschalteten Presse - aber (noch) von der Blogger-Szene erwarten.

Der Tenor der verbreiteten Meinungen lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Lafontain ist ein Feigling. Wie damals, als er seinen Finanzministerposten hingeschmissen hat, so verweigert er sich auch heute der Verantwortung.
  • Lafontain's Bedingung, nicht in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz antreten zu wollen, ist undemokratisch, eitel, anmaßend - schlicht fehlgeleitet.
  • Mit seinem strikten Oppositionskurs wird DIE LINKE nie in Regierungsverantwortung kommen, und so nie ihre Forderungen umsetzen können.

Der Duderich sieht das anders:

  • Der Rücktritt als Finanzminister war keine Feigheit und nicht die 'Dolchstoßlegende' zu der sie gerne umgedichtet wird. Lafontaine trat zurück, weil er sich unter Schröder im dortigen Kabinett hätte selbst verraten müssen. Er hätte gegen seine (linken) Überzeugungen argumentieren und handeln müssen!  Ich halte seinen damaligen Rücktritt als Finanzminister für einen Beleg dafür, dass Lafontaine einer der seltenen (und immer seltener werdenden) Politiker ist, der noch einen Werte-Kompass besitzt, und sich zum Preis für >Macht< nicht für jeden Scheiß korrumpieren lässt. (Das sagt Jemand, dessen damalige Stimme von Schröder mit seinem sozialem Wahlkampf abgegaunert wurde. Ich habe die Regierung gewählt, die Hartz IV verbrochen hatte -  was ich der SPD niemals verzeihen werde! Zumal sie an ihrem Kurs festhält.)
  • Welche Kampfabstimmungen um den Parteivorsitz werden denn in Zukunft von anderen Parteien erwartet? Wo es doch demokratischer Usus ist? Kampfabstimmungen sind Gift für die Wählergunst einer Partei. Zumal in Zeiten der kolportierten Personalquerelen und Machtkämpfe innerhalb der LINKEN. Lafontaine weiß das. Man sollte in diesem Zusammenhang auch bedenken, dass diese Partei um ihr Überleben (im 'Westen') kämpft. Vielleicht sieht man dann seine Bedingung in einem anderen Licht...
  • Bartsch wird als 'Reformer' bezeichnet. Das Äquivalent eines grünen Realos. Bartsch will mit den Linken in die Regierung und wäre dafür auch bereit, in der Konsequenz fundamentale Grundsätze der Partei über den Haufen zu werfen um seine Regierungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Man sehe sich die Geschichte der GRÜNEN an und weiß, was ich meine und wohin das führt... Um mit der SPD (und den GRÜNEN/PIRATEN) koalieren zu können, müsste DIE LINKE sich bis zur Unkenntlichkeit verbiegen. Sie wäre als Partei einfach nur noch überflüssig und Mehrheitsbeschaffer für eine Politik des 'Weiter-so-wie-vorher'. Wer würde so eine LINKE wählen wollen? Genau aber das ist das Kalkül all Jener, die Bartsch und seinen sog. "Reformkurs" hochschreiben. Genau an diesem Kurs erkennt ihr Die, die eine oppositionelle Linke nicht im Bundestag haben wollen....

Es kann doch wirklich nicht sein, dass ausgerechnet in Zeiten von Milliarden-Verschiebungen vom Steuerzahler (öffentliches Eigentum) zu den Finanzmärkten (Spekulanten), die FDP wieder Land gewinnt und DIE LINKE 2013 aus dem Bundestag fliegt!

Ja, wo leb' ich denn?

... mein innerer Navi sagt: "Im neoliberalen, kapitalistischen Absurdistan"

Kommentare:

  1. Puh, ich muss zugeben, dass ich im Falle Lafontaines ziemlich zwiespätig bin. Auf der einen Seite sind die Bestrebungen des neoliberalen Establishments, die Linke zu diskreditieren, wo es nur geht, natürlich mit Händen zu greifen. Das zeigt sich, wie du sehr richtig anmerkst, an der Berichterstattung über den momentanen Führungsstreit innerhalb der Linken. Dass Dietmar Bartsch als 'Realo' hochgeschrieben wird, in der Hoffnung auf eine 'reformierte', i.e. domestizierte Linke, passt da ins Bild.
    Andererseits ist es auch schwer zu leugnen, dass Lafontaine, bei allem Sachverstand, den er mitbringt und allem Charisma, sich immer wieder, nicht zuletzt durch seine Eitelkeit, selbst im Wege gestanden ist. Dadurch hat er am Ende oft mehr Schaden angerichtet als alles andere.
    Mich hat jedenfalls der Beitrag von Robert Misik, dem man antilinke Affekte normalerweise wirklich nicht nachsagen kann, ziemlich nachdenklich gemacht:
    http://www.misik.at/sonstige/und-wiedereinmal-zerschlagt-der-kleine-oskar-sein-spielzeug.php

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    1. "Andererseits ist es auch schwer zu leugnen, dass Lafontaine, bei allem Sachverstand, den er mitbringt und allem Charisma, sich immer wieder, nicht zuletzt durch seine Eitelkeit, selbst im Wege gestanden ist."

      Dazu würde ich wirklich gerne ein Beispiel hören, lieber Stefan, damit ich weiß, was Du meinst.

      Hätte er sich nicht in's Spiel bringen sollen - oder hätte er nicht hinschmeissen sollen?

      Oder meinst Du was anderes?

      Grüße, Duderich

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    2. Ich habe, wie gesagt, gemeint, dass ich bei Lafontaine zwiespältig bin. D.h., ich sehe ja durchaus die Tendenzen, die Linke per Medien etc. niederschreiben, domestizieren zu wollen etc. Wenn Lindner den Bettel hinwirft, dann wird das wohlwollend begleitet, wenn Lafo das macht, dann ist er eine beleidigte Leberwurst.

      Ich bleibe aber dabei, dass der Mann zuweilen einfach ungeschickt vorgeht und damit größeren Schaden angerichtet als Nutzen gestiftet hat.

      Beispiele? Gern: Nehmen wir das Hickhack um den Parteivorsitz bei der Linken. Ich finde, da hat jemand agiert nach dem Motto: Entweder der Laden läuft so wie ich das will, oder ihr könnt mich alle mal (er wollte m.E. nur für den Parteivorsitz kandidieren, wenn niemand gegen in antritt - innerparteiliche Demokratie, anyone?). Ich kenne die Hintergründe seiner Entscheidung natürlich nicht, aber er hätte wie jeder andere Kandidat auf dem Parteitag anzutreten können und Chancen gehabt, gewählt zu werden. So dürfte im Ergebnis dürfte der 'Reform'-Flügel um Bartsch gestärkt aus der Sache hervorgehen.

      Es ist auch richtig, dass der Mann in vielem Recht hatte und hat. 1990 zum Beispiel hat er die Lage in der ehem. DDR und die Probleme der Wiedervereinigung am realistischten von allen eingeschätzt und ist damit auf die Nase gefallen. Recht haben allein reicht eben nicht immer. Man kann das bedauern, aber - bitte den Vergleich zu entschuldigen - beim Fußball gewinnt auch nicht die Mannschaft mit den meisten Ballbesitz. Und Kohl hatte, bei aller berechtigten Kritik, das Ohr näher am Puls der Menschen, ob es einem passt oder nicht.

      Nächstes Beispiel: Sein Rückzug 1998. Man kann das so sehen wie H. Rether - das Video ist mir vertraut - dass da jemand konsequent für seine Überzeugungen eingestanden ist. Nur hat er sich andererseits durch seinen Rücktritt schlagartig sämtlicher Gestaltungsmöglichkeiten beraubt. Klar, seine Entscheidung, aber: ob das so klug war? Obendrauf wurden nämlich auch gleich Leute wie Flassbeck geschasst. Will da einer gestalten, was in einer Demokratie eben auch bedeutet, dicke Bretter zu bohren, oder eine persönliche Spielwiese?

      Man könnte ihn auch kompromisslos nennen: Entweder, ich kann meine Überzeugungen umsetzen oder ich lasse es. Ist das bewunderungswürdig oder nicht vielleicht auch eine Form von Eitelkeit? Ich will das gar nicht beurteilen, aber die Frage treibt mich schon um.

      Klarer?

      Grüße
      Stefan

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    3. Erratum: I,m dritten Absatz muss es heißen: m.W. - kleiner aber feiner Unterschied...

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    4. Danke für die Antwort. Sieht so aus, als interpretieren wir Lafos Handlungen unterschiedlich, bedingt durch unsere unterschiedliche Haltung zu ihm.

      Ich glaube beispielsweise, dass L. eine Kampfabstimmung aus parteistrategischen Gründen ablehnte. Dann nämlich hätte sich der Ost/West-Graben der durch die Partei geht noch verbreitert und vertieft - und das in einer Situation in der die LINKE um das politische Überleben kämpft. Abgesehen davon, hätte sich L. den Gewinn der Kampfabstimmung sicherlich zugetraut, ob aus Eitelkeit oder analytischem Sachverständnis mag jeder für sich entscheiden. :-)

      Genauso kann man natürlich geteilter Meinung über sein damaliges Niederlegen seines Finanzministeramtes sein.

      Wie auch immer: Jetzt wo Lafo weg ist, hoffe ich auf Wagenknecht. Bin mal gespannt welche Überraschung sie sich für den Parteitag ausgedacht hat. Da kommt bestimmt irgendwas - da bin ich mir ziemlich sicher...

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    5. "... Ich will das gar nicht beurteilen, aber die Frage treibt mich schon um."

      Hhhm, und ich weiß nicht, ob wir uns nicht viel zu häufig an solchen (eher persönlichen) Einschätzungen festbeissen, dabei zu streng sind (würden wir uns tatsächlich in ähnlichen Situationen alles selbst auferlegen, was wir uns von anderen wünschen?), nach einem strikten Kategorisierung in Entweder-oder suchen und obendrein dabei den Blick für Anderes verlieren.

      Dieses Beispiel herausgepickt:

      "Klar, seine Entscheidung, aber: ob das so klug war? Obendrauf wurden nämlich auch gleich Leute wie Flassbeck geschasst."

      Verantwortlich sind für mich generell erst einmal jene, die Flassbeck schassten.

      Bezweifle auch, dass alle Entscheidungen in unserem Leben immer unter das Kritierium «klug» fallen müssen (und für uns selbst stets dort zu finden sind). Und wer soll (außer wir selbst) für uns entscheiden, was, zu welchem Zeitpunkt eine «kluge» solche ist (hinterher ist einfacher)?

      In erster Linie - so meine Einschätzung - muss ein Jeder seine eigenen Entscheidung für sich selbst als tragbar/lebbar empfinden; dieses Recht sollte man zugestehen.

      Wir wissen nicht, ob Leute wie Flassbeck sich hätten halten können, wäre Oskar nun geblieben (und ob Letzterer sich ebenso hätte halten können, wäre er nicht gegangen). Dass es möglicherweise anders bzw. besser hätte kommen können, ist nur Theorie.

      Wir wissen nicht einmal, ob Oskar der Gestaltungsmöglichkeiten nicht vorher derart beraubt wurde (oder es absehbar soweit gekommen wäre), dass wir selbst (relativ) u.U. ähnlich empfunden und entschieden hätten. Eigentlich weiß man nur, dass es für ihn selbst nicht mehr tragbar erschien, sonst hätte er ja nicht hingeschmissen.

      Und bei einer solchen Entscheidung kann man m.E. nicht auf alle möglichen Entwicklungen Rücksicht nehmen. Sonst fällt man am Ende - früher oder später - keine sich selbst gegenüber verantwortlichen Entscheidungen mehr, weil man es jedem und jeder Situation recht machen möchte.

      Eigentlich gar nicht lösbar (oder ertragbar), finde ich und mir vorgestellt, man würde stets so handelt, kann ich dem potentiellen Ergebnis nicht wirklich viel abgewinnen.

      Und doch sind wir immer schnell dabei (möchte mich mitnichten ausschließen), es bei anderen einzufordern und vergessen, auch Menschen wie Oskar haben ihre menschlichen Befindlichkeiten und dienen nicht ausschließlich nur einem höheren bzw. allgemeinen Zweck (auch nicht per Diät).

      Für den aktuellen Fall sehe ich es ähnlich, wie Der Duderich, denke auch es ist überwiegend eine parteistrategische Entscheidung gewesen, wenngleich seine persönliche Situation sicherlich mit hineingeflossen ist. Insoweit dürften sowohl Der Duderich als auch Stefan Rose irgendwie Recht haben; obwohl ich nicht weiß, ob das jetzt noch von Belang ist.

      Gruss
      Rosi

      PS: ... finde die Kommentar-Struktur ziemlich unübersichtlich, wäre chronologisch nicht einfacher? Zwar technisch nicht so hipp ... abba ;)

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    6. @Rosi: Sehr interessante Ausführungen zum Thema Entscheidungen, deren Legitimität und Auswirkungen.
      In der Öffentlichkeit findet m.E. nur marginal eine Diskussion über Lafontaines Beweggründe statt. Der bloße Umstand wird meist immer wieder nur unreflektiert hervorgehoben um L. (und damit auch seine 'Sache')zu diskreditieren. Meinungsmache, eben.

      Zur Kommentarfunktion:
      Ich bin selbst sehr unzufrieden mit der Kommentarfunktion. Man hat bei Blogger.com leider nicht die Möglichkeit eine Hierarchiestruktur zu etablieren, so dass ersichtlich wird, welche Kommentar sich auf welchen bezieht, usw.. Auch eine von Dir vorgeschlagene chronologische Anordnung ist nicht einstellbar.
      Auch würde ich mir die Möglichkeit des nachträglichen Bearbeitens wünschen, die ich leider auch nicht umsetzen kann.

      So bleibt es mir nur, den Tipp zu geben, sich die Anzahl der Kommentare zu merken, um zu erkennen, ob neue Kommentare eingestellt wurden, die sich ja nicht zwangsweise am Ende des Strangs befinden.

      Liebe Grüße,
      Duderich

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  2. ich sehe Lafontaine auch eher kritisch. ich denke auch, dass es für ihn nichts wichtigeres gibt, als eben Oskar.

    seine weigerung an einer kampfabstimmung teilzunehmen, resultiert wohl auch eher aus seiner angst vor einer niederlage. und gerade WEIL es bei den etablierten parteien usus ist, nur einen kandidaten aufzustellen und dann mit "sozialistischen" ergebnissen wählen zu lassen, wäre es ein deutliches signal für mehr innerparteiliche demokratie gewesen, sich einer abstimmung zu stellen.

    auch kann ich den wunsch der ost-partei gut nachvollziehen, sich nicht durch verordnete fundamental-opposition total isolieren lassen zu wollen. gerade auf kommunaler ebene ist die Linke stark eingebunden und würde sich nur schaden.

    ich denke, dass es dem "linken projekt" nicht schaden würde, wenn mit Bartsch jemand die führung übernähme, der evtl. auch im westen als alternative und nicht nur als sektiererischer general-opponent wahrgenommen werden würde.

    ob er sich dann verbiegen lässt, oder den gleichen weg wie die Grünen ginge, kann man nicht sagen.

    eine chance hätte er für mich verdient. Oskar hatte seine ja bereits.

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    1. Hey, @Don:
      Man muss Lafontaine nicht mögen, sicher, aber er hat sich wacker gegen den Neoliberalismus gestemmt. Gegen Verteilung von Arm zu Reich. Oder sehe ich das falsch?

      Ich bin ein Stammwähler der LINKEN, seit dem Hartz-IV-Desaster unter Schröder. Aber, die LINKE würde unter Bartsch vermutlich nicht meine Stimme bekommen, weil er die Partei sukzessive in die Bedeutungslosigkeit schicken wird/würde. Andere potentielle Linkswähler denken da vielleicht ähnlich. Wähler, die gebraucht werden um die 5%-Hürde 2013 zu schaffen.

      Na, Don, warten wir mal den Parteitag der LINKEN ab, ist zufällig sogar an meinem Geburtstag. :-)

      Dann unterhalten wir uns weiter.

      Ich hoffe ja auf Wagenknecht...

      LG, Duderich

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  3. Na, da werd ich mal eine Fahne für Lafontaine brechen. Wenn man gut über ein Jahrzehnt demagogisiert wird, bekommt man schon eine Elefantenhaut. Und sind wir doch einfach ehrlich. Ohne diese starke Persönlichkeit, gäbe es diese Linke gar nicht. Der Mann hat das vertreten, was anfangs den Wählern entsprochen hat. Und er hat es gerade und anständig vertreten. Bis sich dann parteiintern ein wüster Haufen etabliert hat, - wo jeder einzelne von seiner eigenen Egozentrik lebt. Das geht von ultralinken Systemspinnern, Lagerfeuer-Che-Guevara-Lobhudlern, Ideologen die alles aus dem Buch ablesen, über die mittigen der Mittigen mit ein bisschen was Sozialbewusstsein, - bis hin zu nationalen Fremdbeschwörern. Elfenbeintürmler ohne Ende und ohne jedes wirkliche Gefühl. Dann fingen die Debatten ums perfekte System an, - und die Wähler, und warum es eigentlich geht, hat man immer weiter parteiinternen Kompromissen geopfert. Ich kann bei Lafontaine übrigens nicht mehr oder weniger Egomanie entdecken,als bei anderen Figuren des täglich Polittheaters auch. Wenn man's medial so hin biegt, - klar, dann entsteht ein Mainstream der darauf geeicht ist. Ich kann dem Duderich nur zustimmen. Auch mir ist jemand lieber, der glaubhaft ist, als die hinterhältigen strategischen Praktiken von Bartsch. Der würde sogar noch einer Agenda30 zustimmen. Bei Lafontaine ging es auch darum, dass diese endlos strategischen Operationen, einem Mainstream entsprechen, der immer wieder nur aufgrund der Verstärkung des kleineren Übels, - sich selber erhält. Hat Bartsch erreicht. Prima. Die Linke ist fertig. Nicht mehr glaubhaft. (Sorry, bisschen was emotional, - ich weiß)

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    1. @Eb:
      Bin absolut konform mit Deinen Worten.

      Bis auf das hier:
      "(Sorry, bisschen was emotional, - ich weiß)"

      Das kann gar nicht emotional genug sein! Ich war hier selbst schon sehr emotional!

      Weiter so! :-)

      Grüße vom Duderich

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  4. Auch ich muß sagen, daß ich die Entscheidung von O. Lafontaine, sich aus der Schröder-Regierung zurückzuziehen, damals nicht verstanden habe. Heute hat er dafür meine persönliche Hochachtung, denn er hat sich nicht wie die anderen korrumpieren lassen. Daß er mit vielen, was die Finanzpolitik betrifft und betraf im nachhinein Recht gehabt hat, ist nur das Sahnehäubchen.
    Ich vergleiche den Herrn Bartsch immer mit dem Straßenkämpfer Joschka Fischer. Beiden ist gemeinsam, daß sich aus egoistischen Gründen ihre Parteien unterwandern. Fischer hat aus den Grünen einen CDU-Abklatsch gemacht und mit den Hartzgesetzen und den Finanzgesetzen dem Neoliberalismus in Deutschland freie Bahn geschaffen. Ähnliches erwarte ich auch von Bartsch, Verrat an den Prinzipien der Partei und dem linken Gedankengut zu Gunsten einer Teilhabe an der Macht. Möglicherweise ist er auch schon Mitglied in der Transatlantikbrücke wie Özdemir und andere.

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    1. Deine Befürchtungen bzgl. Bartsch teile ich.

      Ich hoffe wirklich, dass die LINKE sich auch im Westen halten kann. Und 2013 im Parlament bleibt.

      Aber ich denke auch, dass sich linke Widerstandskräfte eher außerparlamentarisch formieren werden. Die APO(Graswurzel-)-Bewegung der 68'er erlebt gerade eine neue Renaissance. Ich hoffe sehr, dass die Occupy- Bewegung weiter an Kraft gewinnen wird - aber auch Organisationen, wie bspw. Attac ihren verdienten Zulauf bekommen werden.

      Eine alternativ-linke Politik wird sich meiner Meinung nach im Parlament nicht durchsetzen lassen, da bin ich mir ziemlich sicher.

      Grüße vom Duderich

      P.S.: Wie wäre es mit einem Pseudonym?
      Von wegen Wiedererkennungswert, und so.

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    2. ich glaub hier kommen wir zu des pudels kern:

      es fragt sich doch immer wieder, wie kommen wir zu einer echten veränderung?

      regierungsbeteiligung? die geschichte von SPD und Grünen sagt eher nein.

      parlamentarische opposition? hat die Linke, werden die Pitaen damit irgendetwas tatsächlich erreicht?

      schließlich apo? und eng damit verbunden: mit gewalt oder ohne? gegen sachen oder vielleicht sogar gegen menschen?

      wohlgemerkt ich stelle diese fragen ernsthaft, ohne vorgefasster meinung.

      ich lehne gewalt zwar prinzipiell ab, erkenne aber auch, dass gewaltloser protest meist folgenlos bleibt und das gewalt oft die nötige vorbedingung für beteiligung war (IRA, PLO etc.).

      die verschiedenen strategien entsprechen dann auch den jeweils dafür stehenden personen.
      es ist ja nicht so, dass ein Dietmar Bartsch - könnte er wie er wollte - nicht auch dinge in die richtige richtung bewegen würde.
      es stellt sich für mich also weniger die frage nach konkreten personen, als nach den konzepten, die damit verbunden sind.

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  5. @eb24. Mai 2012 02:50
    "... Ich kann bei Lafontaine übrigens nicht mehr oder weniger Egomanie entdecken,als bei anderen Figuren des täglich Polittheaters auch. "

    Meiner einer eben auch nicht ... und irgendwie dreht sich alles im Kreis.

    Bei http://feynsinn.org/?p=14041 wird es am negativ bewerteten Personenkult aufgehangen. Das kann man sicherlich machen, dennoch über den Weg des negativen Personenkults, wenngleich sich das erst m.E. in den weiteren Kommentaren so darstellt. Für mich ein weiterer Indikator, dass es weder bei einem Dafür, noch bei einem Dagegen wirklich ohne Personenkult geht und letztlich niemand davon befreit ist.

    @Der Duderich
    "Es kann doch wirklich nicht sein, dass ausgerechnet in Zeiten von Milliarden-Verschiebungen vom Steuerzahler (öffentliches Eigentum) zu den Finanzmärkten (Spekulanten), die FDP wieder Land gewinnt und DIE LINKE 2013 aus dem Bundestag fliegt!

    Ja, wo leb' ich denn?

    ... mein innerer Navi sagt: "Im neoliberalen, kapitalistischen Absurdistan"

    Jow, völlig menschliches Absurdistan, würde ich erweitern ;)


    @Stefan Rose24. Mai 2012 00:43

    "Puh, ich muss zugeben, dass ich im Falle Lafontaines ziemlich zwiespätig bin. ....
    http://www.misik.at/sonstige/und-wiedereinmal-zerschlagt-der-kleine-oskar-sein-spielzeug.php"

    Diesen Ausführungen von Misik würde ich nicht zu viel Bedeutung zumessen, zumindest nicht ohne eine gehörige Portion sachlicher Filter. Zum einen hat @eb m.E. mit seinen Ausführungen Recht: Lafontaine unterscheidet sich mit in seiner Egomanie nicht sehr von den anderen und auf diesem Feld fallen mir ganz spontan viele Gesichter ein, die ihn noch um Längen locker und mit Leichtigkeit den Rang ablaufen (so es eine Disziplin wäre).

    Andererseits gebe ich zu bedenken, der Mensch neigt hin und wieder dazu, sich ganz besonders heftig über Eigenheiten Anderer aufzuregen und auszulassen, die wir selbst am meisten bei uns verleugnen; die Couchologen nennen das Projektion ;). Ob sich Misik mal gefragt hat, wie das, was er da eben gerade schreibt, möglicherweise auf andere wirkt und warum er sich derart heftig abgestoßen fühlt, auf dass er sich derart auslässt? Geht es tatsächlich noch um Inhalte oder eine persönliche Antipathie? Geht das nicht schon weit darüber hinaus?

    Da setze ich doch gleich mal Hagen Rether dagegen:
    http://www.youtube.com/watch?v=SSpVRM47EHI

    und denke, da mag wohl der ein oder andere Prozess greifen, den Hagen Rether zufälligerweise anhand ähnlicher Ereignisse aufgreift.

    Wenn ich mich bemühe, die Urteile von Misik aus den dort aufgeführten Ausführungen von Lafontaine herauszufiltern, klingen die Aussagen von Lafontaine für mich schon wieder ganz anders. Herausgelöst aus der Verpackung (also den Worten Misik's) bleibt da irgendwie gar nicht so viel übrig, mitnichten in solch starker Ausprägung m.E., was eine solche (also die seinige) Einschätzung hätte gerechtfertigt; Misik reibt sich doch schon an Standort und Gestik etc. pp..

    Das können Sie ja spaßeshalber mal machen, Herr Rose, also nur die Zitate von Oskar rauskopieren und anderweitig auflisten. Möglicherweise kommen Sie zu ähnlichen Schlüssen, wie meiner einer.

    Wäre es wichtig oder von Belang (faktisch für mich eigentlich eher nicht, deswegen mehr theoretisch-hypothetisch) mich zu fragen, ob jetzt nun Misik oder Lafontaine mehr der beschriebenen "Fehler", wie Arroganz- Populismus oder Besserwisser aufweisen ... hhhm,... so an seine üblichen youtube Auftritte und kurzen Artikel gedacht ... die zumeist mit anderen hart ins Gericht gehen ... sich m.E. tatsächlich weniger um sachliche Inhalte drehen ... als eben darum, Personen und Charaktere auseinander zu rupfen ... (nicht gar die letzte Zeit eher vermehrt?).

    Wie gesagt, das ist nicht wirklich von Belang für mich, Misik hat seine Aufgabe und die erfüllt er ... wollte den Spieß nicht umdrehen ... nur darauf hinweisen, dass man dies ggf. mit in die Waagschale werfen sollte.

    Gruss
    rosi

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    1. Bist ein helles Köpfchen, @Rosi! :-)

      Misik ist manchmal ganz unterhaltsam. Aber oft auch verrennt und verliert er sich in Animositäten und gefällt sich dabei.

      Er will geliebt werden, für die wohlfeilen Worte, die er in die Kamera spricht. Über seine Eitelkeit vergisst er den Blick auf das Gesamte, in Unkenntnis, dass die Wahrheit - oder der ernsthafte Versuch einer Annäherung daran - viel attraktiver ist als Intellekt.

      Und SO ein (verkanntes) Genie, als das er sich gerne geriert, ist er nun auch wieder nicht...

      P.S.: Würde mich freuen, in Zukunft weiteres von Dir hier lesen zu können!

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    2. In einem liegst Du aber meines Erachtens total falsch:
      "Jow, völlig menschliches Absurdistan, würde ich erweitern ;)"

      Nein, ich denke, dass ist GANZ UND GAR NICHT 'menschlich', nicht human
      - und sicherlich auch nicht die Bestimmung der Menschheit...!

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    3. So gesehen, hast Du völlig Recht ;)

      Doch ich meinte etwas anderes mit menschlich, denn Menschen sorgten dafür, dass wir dort angelangt sind, wo wir stehen. Also nicht so sehr in die Richtung Humanismus, doch ich denke, das war Dir schon klar ;) - so ein Schitt mit den Mehrfachbedeutungen der Begrifflichkeiten ...

      Und für Bestimmung halte es es ebenso nicht, denn es macht der Menschheit ganz offensichtlich mehr und mehr zu schaffen, das vermehrte Fehlen der Menschlichkeit, keine Frage.


      Sicherlich schau ich jetzt hier häufiger rein, bin zufällig bzw. über andere Blogs über den Deinigen gestolpert, doch hab ihn mir direkt festgehalten.

      Und ich freue ich mich, dass Du Dich über meine Anwesenheit freust und über Dein nettes Kompliment natürlich auch (kommt gerade ganz gut ;)).

      Und ich sehe schon ... Misik da sind wir uns einig ... und man sollte ihn nehmen, wie er halt ist.

      Lieben Gruss
      rosi

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