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Mittwoch, 9. Mai 2012

Dirty Old Man's Kalenderspruch

"Ich liebe Katzen mehr als Hunde.

Und Hunde mehr als Menschen.

Aber, am meisten liebe ich mich ...
... besoffen aus dem Fenster schauend."
(Charles Bukowski)

Kommentare:

  1. Schon wieder was zum Nachdenken...
    Also ich geh da wahrscheinlich immer zu ernst ran. Was mir dazu so einfällt:
    1.
    Ich mag Bukowski nicht sonderlich, weil ist nicht meine Welt, die er widerspiegelt. Er scheint mir außerdem zu typisch "ganzer Kerl", glaub ich.
    2.
    Wer Katzen mag, mag an ihnen wahrscheinlich ihren Freiheitsdrang und ihre Eigenwilligkeit und scheinbare Unergründlichkeit. Sie lassen sich schwerer domestizieren als Hunde. Männer lieben Katzen,denke ich, auch wegen ihrer (trotzdem) Geschmeidigkeit, ihren Bewegungen etc. und weil man sie ebenso wie Mann die Frau nie ganz verstehen kann, hör ich gelegentlich immer mal wieder ;)?
    3.
    Hunde werden gerne mit treuer Ergebenheit in Verbindung gebracht (auch treudoof?). Langweiliger als Katzen wahrscheinlich. Ich mag Hunde (mehr als Katzen). Heißt das jetzt, dass ich ein Mensch bin, der Beständigkeit dem Abenteuer vorzieht oder dass ich jemanden brauche, den ich dominieren darf oder der mich beschützt oder dass ich ne treu Seele bin, weil gleich und gleich ...(nee, ich selbst wär dann wohl lieber ne Katze als ein Hund)? Hm...
    4.
    Wer Hunde (und Katzen sowieso) mehr als Menschen mag, kann Menschen nicht sonderlich mögen. Warum? Weil Menschen weder faszinieren noch einen eigenen Willen zeigen, noch beständig sind, sondern treulos und intrigant und langweilig - enttäuschend auf ganzer Linie? Besser man lässt sich nicht mit ihnen ein? Erinnert mich ein bisschen an Schopenhauer.
    5.
    Da macht sich jemand über sich selbst lustig? Was anfangs wie Egoismus und Selbsterhöhung klingt, wird dann relativiert. Traurig find ich das trotzdem. Muss sich doch ziemlich einsam anfühlen, so als Misanthrop? Wer sich am meisten liebt, wenn er betrunken ist, kann sich nüchtern vielleicht nicht ertragen? Weil er das ganze Elend (in sich und um sich) dann zu klar sieht? Oder nimmt sich selber nicht allzu ernst und will dass ich alles, was vorher kundgetan wird, auch nicht so ernst nehme? Letzteres wäre in meinen Augen noch die angenehmere Variante. Ansonsten ists doch sehr trostlos.
    Darauf einen... ;)

    Cora

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    1. Hallo @Cora:
      Schön, hier immer wieder hier mal was von Dir zu lesen und so an Deinen Gedanken teilhaben zu können.

      Zu dem Gedicht:
      Mir gefällt es sehr gut, weil es so wunderschön gegen den Strich gebürstet ist.
      Bukowski hat sich unter uns Menschen nie wirklich wohl gefühlt. Auf die Frage, ob er die Menschen hassen würde, antwortete er mal: "Nein, aber ich fühle mich wohler ohne sie." (Gedächtnisprotokoll)

      Was dieses Gedicht für mich so wertvoll macht:
      Bukowski war sicher kein Narzist, aber er hat sich in seiner Unzulänglichkeit angenommen und akzeptiert. Er hat seine Schwächen gelebt.
      Gerade sich in dieser Unzulänglichkeit über die Menschheit zu erheben ist schlicht eine Anmaßung oder künstlerischer Akt - je nach Betrachtungsweise. Bukowski vermochte es im Schönen das Häßliche zu sehen und im Häßlichen das Schöne. Es gibt ein anderes Gedicht von ihm (ich glaube das Gedicht hieß 'Das Genie'), wo er eine Zugfahrt beschreibt in der ein Junge auf einen Sonnenuntergang zeigt und sagt: "Das ist nicht schön!" "Da ging mir das erst auf." kommentierte Bukowski im Gedicht.
      Schönheit sah Bukowski eher in einem verkrüppelten Hund als in einem Blumenstrauß. Bukowski liebte die Verrückten und hasste das Banale, den Alltag, das Erwebsleben ('Knochenmühle' wie er das nannte).

      Dieses Gedicht ist ein Fanal dafür, seinen Blick zu schärfen, für die immanente Schönheit, die auch dem vordergründig 'hässlichem' innewohnt.
      In unserer Zeit, werden gerade Menschen nach ihrer Verwertbarkeit, nach ihrer Nützlichkeit beurteilt.
      Warum sollte man jemanden lieben (schon gar, wenn man selbst dies ist) der betrunken aus dem Fenster schaut? Offensichtlich zu nichts nütze. Überflüssig und wertlos. Das gelebte neoliberale Klischee eines Sozialleistungsempfängers.

      Aber genau das ist der wahre Kern der Liebe - in seiner Bedingungslosigkeit... :-)

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    2. So viel "Oders" von mir und darauf bin ich nicht gekommen. Man sollte eben doch ab und zu die Perspektive wechseln. Danke dafür, dass du den Splitter aus meinem Auge entfernt hast. Und schon ist mir Bukowski in dem Punkt ein Stück näher gerückt. Gegen den Strich/Strom ist mutig. Seinen Stil allerdings werde ich nie wirklich mögen. An diesem Gedicht mag ich aber die durchscheinende Selbstironie.

      Ja, Bedingungslosigkeit sollte ein Merkmal von Liebe sein. Findet man nur nicht mehr allzu oft, leider auch nicht Kindern gegenüber. Was da alles zerstört wird...! Sich selbst bedingungslos zu lieben hat dann in meinen Augen aber schon einen ganz kleinen Beigeschmack. Sich selbst so anzunehmen, wie man ist, mit all den Fehlern, die man hat, und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, das ist in meinen Augen tatsächlich eine Kunst. Eine, die man anstreben sollte. Ach... Ideale ... :)
      Danke auch, dass ich hier willkommen bin.

      Cora

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