Follow by Email

Montag, 28. Mai 2012

Günter Grass's Griechen-Gedicht

birgitH  / pixelio.de
Grass is back! "Mit nachgefüllter Tinte" wie der SPIEGEL augenzwinkernd titelt, hat Grass ein neues Gedicht ("Europas Schande") verfasst  - veröffentlicht in der Süddeutschen. Diesmal über die Griechen.


Meine Lieblingszeile daraus:
"Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure, doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück."

Wer's lesen möchte, bitte HIER klicken. (Link zur Süddeutschen Zeitung)


Nachtrag:
Auf Telepolis findet man dann auch gleich einen Gegenangriff auf die Inhalte des Gedichtes, der "den Griechen" die alleinige Schuld an ihrer Misere gibt:

"... Jedenfalls haben die Hellenen, die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen, herzlich wenig mit jenen Griechen zu tun, die ihren Staat ruiniert haben und heute am Tropf von IWF und EU hängen. Griechenland ist heute sowohl ein "kaputter" als auch ein "korrupter Staat". Und zwar durch selbstverschuldetes Fehlverhalten..."

Tellerrand-Logik 'par excellence'! Eine völlige Ausblendung der Finanzmarkt- und Spekulationsmechanismen, die bisweilen schon autistisch anmuten.
Denn: Wer profitiert denn von den  finanziellen Mittel des IWF und EU?
'Die Griechen' oder die Finanzmarktspekulanten, die sich verzockt haben und die ihre Verluste solidarisieren wollen?

Ist es einfach nur Dummheit des Verfassers oder bewusste Meinungsmanipulation???

Wie auch immer: BILD-Zeitungsniveau auf Telepolis - das findet man selten!
Hoffentlich bleibt das auch so...

Kommentare:

  1. Hallo Duderich

    Um es noch einmal mit Rethers Worten zu sagen (sie passen ausgerechnet hierzu ausgezeichnet ;-):

    „...Ja, wie haben wir denn die letzten Jahre verbracht? Mit Ablenkungsquatsch, mit Mehdorn, Zumwinkel, Ackermann, Kachelmann, Guttenberg, Wulff, Gauck, Grass, Wallraff. Man beschmeisst Leute auch einfach mal auch erst mal mit Müll und dann bleibt vll. was kleben; ist ganz einfach. Aber wem nützt das? Monatelang hat sich der geballte Volkszorn ...was das Zeit und Energie kostet. ...

    „Wem nützt das? … wie wäre es mit erwachsen werden? … Und wenn wir die Moral den Zynikern und den Moralisten überlassen … dann sind wir verloren, dann sind wir genau da, wo wir nie hinten wollten. Nämlich bei einer mittelalterlichen Hexenjagd auf irgend einem unappetitlichen Privatsender, dann können keine Diskurse mehr geführt werden, weil der Wutbürger nur noch hängt ihn auf ruft ...“
    Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=sJxvKa4ufkU

    Und so scheint mir, man sucht und sucht ... damit man das rufen kann; irgendwo dazwischen wird es schon den/die Richtigen getroffen haben. Den Rest verbucht man unter "Kollateralschäden" und "man sollte niemals zurück blicken". Fehler!

    Diskurse, sind die nicht nahezu schon ausgestorben? Eben im Wirrwarr, im Streit, im Zorn zwischen den Zynikern und den Moralisten, die nur um die Position des Besserwissens, der Rechthaberei untereinander zu kämpfen in der Lage scheinen, dabei alles mitreißen, opfern? Dabei wird jedes nahezu jedes Haar (und jedes Individuum, dessen man habhaft wird), sei es ein Vergleich mit den "kaputten" und "korrupten" einstigen Hellenen, in die Arena geworfen. Passt schon, auch zur Epoche. Nur heute wirft nicht mehr Nero, um wir bekommen es frei Haus, nicht so blutig vor das Angesicht, dennoch die Wirkung in Griechenland ist fatal.

    Wie zynisch muss man sein, wie sehr muss es einem an Verständnis, Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein mangeln (als wären gerade wir so unschuldig daran, bzw. unsere Politik, unsere Wirtschaft, unsere Banken), wie bereit muss man sein, andere Menschen, gar eine ganze Nation, zu verachten. Es scheint mir, wie sind zu einem großen Teil immer noch Sklaven unserer niedersten Beweggründe ...

    Verstehe diese Welt auch nicht mehr, surreal, paradox, absurde, kindisch ...

    Nein, verstehe das alles nicht mehr nicht mehr ... sich die dahinter liegende Psychologie zu erklären, reicht dafür einfach nicht aus.

    Egal, wohin ich auch blicke, fast überall dasselbe (Telepolis ist da m.E. noch recht harmlos, dahinter stehen nun auch Individuen, die nicht frei sind ob eigener Einschätzungen, kann sicherlich mal durchrutschen ... nicht schön ... doch angesichts der sonstigen Artikel ...), in den Medien, selbst in den meisten Blogs/Foren (jene, die felsenfest davon ausgehen, sie würden Ähnliches nicht praktizieren), fast überall das Gleiche. Der Unterschied lediglich, für welche Seite man sich entschied.


    Lieben Gruß
    Rosi

    PS: U.a. aus solchen Gründen empfinde ich diesen, den Ihrigen Blog nahezu als Erholung ;). Man distanziert sich von solchen Gedanken bemüht sich um Diskurs und Objektivität ... und Sie halten sich schon für emotional *grins*. Sie schimpfen zwar, doch Sie geifern nicht, rufen auch mitnichten sofort nach dem Strick. :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Rosi (wollen wir uns Duzen?)!

      Bin beileibe kein Grass-Fan aber hier hat jemand einfach seine Meinung kundgetan (die vielleicht auch 'zufällig' nicht in den sich selbst bestärkenden Mainstream fällt), in Gedichtform. Ich sehe Sarrazin im Fernsehen, neben Steinbrück, sein neues Buch vorstellen - nicht Grass. Das nochmal flankierend zu meinem Post.

      Kann auch über die Titanic-Satire über das Grass-Gedicht herzlich lachen. (http://www.titanic-magazin.de/news.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4980&cHash=b3d5b24010249acf007fed80c7065c48)

      Das Gedicht ist ein wenig holprig und in der Wortwahl sehr narzistisch, von wegen: "Hui, schaut wie toll ich schreiben kann!" Aber wie auch bei dem Israel-Gedicht stimme ich seiner (von mir herausgelesenen) Intention zu.

      Danke übrigens für das Lob! Freut mich um so mehr, da ich noch ein ziemlich frischer Blogger bin (seit Anfang April im Netz) und soviel Lob insgesamt noch nicht zu hören bekommen habe. :-)

      Folgendes impliziert übrigens auch ein Lob:
      Falls Du mal Lust hast einen Gastbeitrag bei mir reinzustellen, klopf bei mir an!

      Liebe Grüße,

      Duderich

      P.S.: Dass Du ein Hagen Rether-Fan bist, ehrt Dich! Dies sind per se keine schlechten Menschen - ähnlich wie bei Schramm... :-)

      Löschen
    2. Hallo Du Duderich ;)

      Können wir so machen, mit dem Du, wenn ich es wieder vergesse, nach längeren Pausen oder so, bitte nicht schimpfen (möglicherweise frühzeitliche Alterserscheinungen ;)).

      Sehe das ganz ähnlich, da ist GG, ein Mensch, der seine Meinung nieder schreibt, die eben nicht unbedingt konform mit dem Mainstream läuft (und das ist nun auch nicht neu, bei GG).

      Günter Grass, fast 85 Jahre alt, sein Lebensweg, seine Werke ... wen wundert, wenn es heutzutage ein wenig holpert und etwas narzisstischer wirkt? (Bin i.Ü. ebenso kein Fan von Grass oder solchen Werken überhaupt).

      Wie eine Meute Haie, die über den Schwächelnden, ehemals Bewunderten her fällt. So vom Sockel gestoßen (oder gefallen), den Hunden zum Fraße vorgeworfen. Und dabei hat er nicht wirklich etwas geäußert, was man verurteilen muss und so wenige, die es ähnlich sehen, dazu gehöre ich auch, sind es nun doch nicht.

      Doch damit sagt man (in aktuellem Falle Grass) der Meute, dass Sie sich benehme, wie der Mob. Und dann geht ein Aufschrei durch die Meute: "Wir doch nicht, böser Schreiberling". Es geht dabei niemals wirklich um Grass oder um die Griechen, sondern stets die Meute selbst; die lässt sich nur höchst ungern ihre Feindbilder nehmen.

      Lieben Gruß
      Rosi

      Löschen
    3. Ja, dass sehe ich genauso wie Du. Meinungen werden an Personen festgemacht. Nicht mir der Meinung wird sich auseinandergesetzt, sondern mit der Person. Die (unbequeme) Meinung wird über die Person bekämpft. Dem Ernst sein Porsche, der Wagenknecht ihr Hummer-Essen. Dem Grass seine SS-Vergangenheit und sein Bedürfnis, nicht abzutreten, ohne als Literat noch mal Duftmarken zu setzen.

      Sicher fällt es leicht, Häme über Grass zu gießen. Und sicher bedient es auch die eigenen, niederen Instinkte, - das Gefühl der kurzfristigen Überlegenheit.

      Genau das ist so erwünscht. Nicht Inhalte werden diskutiert, sondern Personen. Und die haben alle Schwachstellen. Kein Mensch ist ohne.

      Aber oft wollen Menschen was Gutes. Eigentlich alle. (Nur, das die Meinung über das 'Gute' differiert.) Manchmal sagen oder schreiben Menschen auch was Gutes.

      Damit sollte sich auseinadergesetzt werden, und nicht über die Personen, die diese Worte formulieren.

      Ein wenig mehr Sachlichkeit würde ich mir in diesem Zusammenhang oft wünschen...

      Deshalb ist mir auch die Okkupy-Bewegung so sympatisch. Sie versucht basisdemokratisch Inhalte zu transportieren. Fernab von jeglichem Personenkult. Und bietet damit keine Möglichkeit, Ideen und Überzeugungen über Personen zu bekämpfen.

      Graswurzel, eben.



      Liebe Grüße

      Der Duderich

      Löschen
  2. Hallo Duderich

    Wie komme ich denn an Deine Email?

    Gruss
    Rosi

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.