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Freitag, 29. Juni 2012

Schön, dass wir verloren haben!

Nun sind wir also rausgeflogen. 

Das Ende teutonischer Sieges- und Allmachtsphantasien und schwarz-rot-goldener Glückseligkeit. 

Immerhin bleiben uns so Bilder erspart, von unserer Kanzlerin, in gespielter Spontanität und medial verwertbarer Volksnähe. Hände, die wohl nie eine Bratwurst zwischen die herabhängenden Mundwinkel geführt haben, verzückt gegeneinander geschlagen oder ungelenk in den Himmel gestoßen. Bilder, die sich einbrennen, unliebsam und doch so nachhaltig - ob ihrer schmierig gespielten und Zustimmungswerten generierenden Volksnähe - mit der Authentizität  einer Schüler-Theateraufführung, oder schlimmer noch, einer gescripteten Reality(sic!)-Soap.

Sicher, es ist bitter für die euphorietisierte Masse, die Deutschlandfarben aus dem Gesicht, von Fensterbänken und dem eigenen Pkw entfernen zu müssen und zum eigenen belanglosen Leben zurückzukehren. Zurück zum unterbezahlten, perspektivlosen Job, der doch so viel besser ertragbar war, solange am Feierabend das nächste Deutschlandspiel wartete. WIR, die wir betrogen wurden um das Finale, WIR, der potenteste Wirtschaftsstandort in der EU, WIR, die mit unseren mühsam erwirtschafteten Steuermitteln südeuropäischen Schlendrian finanzieren. WIR, die wir unsere Heroen in keinen Werbespots mehr sehen dürfen, für Produkte bei deren Erwerb wir hoffen durften, dass der deutsche Erfolg auf uns abfärbt.

Ist das etwa fair?

Aber ja!


Keine Spiele mehr - nur noch Brot!


Und, wem haben wir das zu verdanken?

Sekundär, den Italienern, dem traumatischen Stachel in unserer Fußballseele, die es ja wohl nicht anders verdient haben, als bis zur nächsten WM mit Pizza- und Pasta-Boykott bestraft zu werden.

Aber insbesondere dieser, ...ähm, farbigen?, dünkelhäutigen? (wie nennt man ihn, politisch korrekt und stammtischkompatibel?) Antithese eines Italieners.
Dieses unberechenbare Subjekt, welches sich den Jubelstatuten verweigerte, und nach dem 2. Todesstoß seiner nummerierten italienischen Identität entledigte. Viele hätten dafür gerne rot gesehen, statt gelb. Dies für gerechter gehalten! Dafür, dass Dieser nicht seinen Mannschaftskameraden freudentaumelnd entgegenlief um sich kollektiv herzen zu lassen. Diese muskelbewehrte Statue, die sich nicht als Teil eines italienischen Kollektivs präsentierte, sondern mehr als Stinkefinger gegen dem ihm entgegenschlagenden Rassismus. Nicht der integrierte, assimilierte Teil einer italienischen Mannschaft präsentierte sich da, sondern ein unangepasstes Individuum, dessen Image nicht als Werbeträger taugt, der nicht richtig zu vermarkten ist.

Welch erfrischender Kontrast zu unseren angepassten bundesdeutschen Werbeträgern, die ähnlich unserer Politikerkaste, vorher antrainierte Worthülsen reproduzieren! Konturlose, brave Schwiegermütterträume mit telegenen Model-Püppchen an ihrer Seite, die Belanglosigkeiten bei Pressekonferenzen absondern.

Was waren das noch für Zeiten, als Nationalspieler bei der Hymne kaugummikauend das Singen verweigerten und sich nachts aus dem Mannschafts-Camp stahlen?
Wo sind sie, die Charaktere, deren Gebaren sich nicht auf kommerzielle Verwertbarkeit ausrichtet?
Anders ausgedrückt: Welches Maß an Angepasstheit ist nötig, um unter Löw spielen zu dürfen?
Dürfte Balotelli unter ihm auch nur auf der Ersatzbank sitzen? Ich denke nicht.

Und in diesem Kader vermisst man dann den "Killerinstinkt"???!!!

Nein, dieser flachgebürsteten, massen- und somit werbekompatibel angepassten Mannschaft mit dem Charisma von auf einer Stange aufgereihten und festgeschraubten Tischfussballfiguren, gönne ich keinen Titel!

Wie auch in vielen anderen Belangen, so nimmt auch hier die Durchkommerzialisierung die Würze, die Substanz, die Authentizität
des Eigentlichen.

Kommentare:

  1. Duderich wird schon ganz feucht im Schritt, wenn er an Kunta Kinte denkt..

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    1. Was wäre denn in Deinen Augen schlimmer?

      Homosexualität oder die >Rassenschande<?

      Homophobie und Rassismus in einer Person vereint. Welch dumpfer Charakter, der seine Meinung feige hinter der Anonymität verbirgt, mag dieses in sich vereinen?

      Gott, lass es Hirn regnen!
      Zu dumm, einen schützenden Schirm aufzuspannen, mag der Verfasser dieses Kommentars sicher sein...
      :-)))

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    2. Rassenschande, Duderich, ganz eindeutig ;).

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  2. Super Beitrag, spricht mir aus der Seele!!

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  3. Politisch korrekt: Person of colour,kurz: POC, auch noch politisch korrekt und verstädnlich auch am Stammtisch: schwarz.
    Es gibt übrigens auch positiv Rassismus, dazu gehört sowas wie Exotismus, also Schwarze als besonders sportlich und wild darzustellen, als etwas exotisches eben, denn dadurch stellen wir Weiße sie als etwas anderes da - dabei unterscheiden wir uns nur in der Hautfarbe, so wie von andere in der Augenfarbe oder Schugröße. Falls dich das Thema weiter interessiert empfehele ich Noah Sows Buch "Deutschland Schwarz Weiss"

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    1. Nun, Person of colour wurde ich dann in deutsch übersetzen, mit Farbige(r). Diese Bezeichnung aber, kehrt dass Unterschiedliche heraus, nicht das Gemeinsame.
      Positiver Rassismus, ist auch Rassismus. Körperliche Überlegenheit von POC in manchen Belangen geht meist mit der Unterstellung einher, dass diese in anderen Belangen (intellektuell?) uns unterlegen sind. Denn, wenn sie uns sportlich überlegen wären, und sonst ebenbürtig, dann wären sie 'uns' ja per saldo, überlegen...
      Es ist wirklich ein Minenfeld, auf der wir uns bewegen. Alleine, dass die Hautfarbe überhaupt erwähnt wird, könnte man rassistisch interpretieren.
      In einer vorurteilsfreien Welt würde dies keine Rolle spielen und wäre nicht erwähnenswert und schon gar nicht von Bedeutung. Durfte ich mich z.B. über die Wahl eines 'farbigen' US-Präsidenten freuen, wenn doch die Hautfarbe keine Rolle spielt?

      Gehört es auch zur Gleichberechtigung, einzelne(!) Angehörige von unterdrückten Minoritäten (Farbige, Schwule, Behinderte) scheiße finden zu dürfen?

      Ist es nicht auch rassistisch, wenn ich sage, dass Farbige schneller und länger laufen können. Weiter springen und besser tanzen?

      Es ist ein schwieriges Terrain, auf dem ich mich zugegebener Maßen sehr unsicher bewege.

      Mein Blog-Beitrag hat dies nur nebenbei tangiert (sollte dies zumindest). Rassistische Beißreflexe wurden dadurch bereits ausgelöst (siehe ersten Kommentar).

      Einen eigenen Textbeitrag scheint dies allemal Wert zu sein.

      Vielleicht werde ich dem irgendwann mal Rechnung tragen...

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    2. "Ist es nicht auch rassistisch, wenn ich sage, dass Farbige schneller und länger laufen können. Weiter springen und besser tanzen?"

      Ja, weil es pauschal eben überhaupt nicht stimmt.

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    3. Nun, dann schau Dir mal die Ergebnisse internationaler Sprint- und Langlaufwettbewerbe an.

      Das mit dem Tanzen ist natürlich subjektiv, aber meine feste Überzeugung. ;-)

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  4. also beim lesen des artikels tangierte mich fordergündig die angesprochene these des autors, dass es im deutschen team trotz junger spieler,die ja noch zu lernen haben, zu einigen subkorporalen lubla bla bla ba bla bla bla bla.
    spart euch doch generell die verbeitung eures persönlichen senfs. wenn schon senf dazugeben, dann nicht sonen schlaffen mist. senf muss scharf, sonst hat senf keine daseinsberechtigung.

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    1. wer vordergründig mit "f" schreibt sollte vielleicht lieber ganz still sein... oh mann.

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    2. @ Marius:
      Die Jugendlichkeit der Spieler hat in meinem Beitrag meines Wissens keine Erwähnung gefunden.

      Die Verbreitung meines persönlichen Senfs ist übrigens der Grund des Betreibens dieses Blogs. Wenn Dir hier die Schärfe fehlt (die ich argumentativ übrigens auch in Deinem Kommentar vermisse), bitteschön, geschenkt!
      Kritik unter inhaltlicher Bezugnahme wäre hier sicherlich zielführender.

      Der Begriff 'Subkorporal' gehört bislang (noch) nicht zu meinem Wortschatz. Wenn Du diesen Begriff mit Deinen eigenen Worten kurz erklären könntest, wäre ich Dir sehr verbunden.

      Man will ja dazu lernen!

      Gruß, Duderich

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  5. Zum ganzen Artikel, der mir aus der Seele spricht:

    Man will und kann es nicht besser ausdrücken!


    "Der Spiegel" hat in Ausgabe 25/2012 ein ähnlich vernichtendes Zeugnis ausgestellt:

    "Auf dem abgeschirmten Hotelgelände der Nationalmannschaft in Danzig steht das Weiße Zelt. Dort begegnen sich Berichterstatter und das Team des DFB. Es ist ein Ort der Floskeln, der Maskerade – und der Provinzialität."
    Von Dirk Kurbjuweit

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    1. Hallo neothem!

      Hast Du vielleicht den Link dazu?

      Grüße, Duderich

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  6. Ich bin über die taz auf deinen Blog gekommen. Ich war am Donnerstag sprachlos darüber, wie die Leute über Balotellis Trikot-Aktion gejauchzt und gelacht haben – „Na, wenn der sich auch benimmt wie ein Affe!“ – ohne auch nur zu versuchen sich vorzustellen, warum dieser 20/21-jährige das denn eigentlich macht. Es gibt keine Pille gegen Rassismus, weil dieser ebenso wie Sexismus, Klassismus, Normalismus, Leistungsideologie, etc. u.a. wichtige politische Funktionen ausübt und es sich kein westlicher Gleichheitsstaat erlauben kann, ohne Rassismus zu existieren (dafür braucht es eine grundlegende Revolution der Parameter Demokratie und Gleichheit). Aber man selber kann versuchen, im Kleinen anfangend, sich einfach ein bisschen mehr Gedanken über ihn zu machen bzw. sich den Rassismus als Teil auch des eigenen Denkens ein bisschen mehr zu vergegenwärtigen und versuchen, ihn so besser zu verstehen (denn „bekämpfen“ kann man Rassismus m.E. v.a. staatspolitisch nicht, man braucht „demokratische“ Alternativen für ihn), um vielleicht ein paar Dinge doch anders zu denken und zu machen.

    Noch ein paar Anmerkungen: In den USA „black“ zu sagen, ist mit einer anderen Geschichte verbunden als in Deutschland. Der Begriff „person of colour“ bezeichnet alle, von der nicht-„weißen“ Norm abweichenden „sichtbar“ gemachten Menschen und impliziert gleichzeitig schon die rassistischen sozioökonomischen Konsequenzen für jene als „of colour“ bezeichneten Menschen – es ist also eher ein politisches Statement.
    Ich denke, „schwarz“ ist im deutschsprachigen Raum nicht konkret vorurteilsbelegt, „farbig“ hingegen schon.

    Zu der Notwendigkeit schwarz/weiß/etc. zu sagen noch kurz ein treffendes Gedicht (fiel mir gerade ein):

    LaMont Humphreys:

    When I'm born, I'm black.
    When I grow up, I'm even more black
    When I'm in the sun, I'm still black
    When I'm cold, guess what, I'm black.
    And when I die, I'm fucking black, too

    but you -

    When you are born, you're pink
    When you grow up, you're white.
    When you're sick, man, look at yourself, you're green
    When you go in the sun, you turn red
    When you are cold, you turn blue.
    And when you die, you turn purple

    And you got the nerve to call me coloured.

    Es ist wirklich ein Minenfeld mit dem Rassismus. Aber man sollte einfach mal drauf laufen.

    Ahso, übrigens. Dein Kommentar zur deutschen Fußballnationalmannschaft könnte treffender nicht sein. Ich mag die deutsche Elf zwar und spielerisch sind die Jungs top, aber ich habe mich immer gefragt, was mir da fehlt, und ja, es ist Persönlichkeit und ein bisschen mehr Unangepasstheit. Aber gegönnt hätte ich ihnen den Titel trotzdem… ;)

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    1. Danke für Deine Gedanken und Ausführungen zu dem Thema Rassismus!

      Das Gedicht, übrigens, hat mir sehr gut gefallen! :-)
      (Vielleicht wird der Sommer ja noch, und ich bekomme ein wenig >Farbe<! ;-)

      Gruß, Duderich

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  7. Bravo, wahre und angemessene Worte! Mit einer Truppe ganzprima junger Menschen, über die man sich noch freuen kann, wird so was jedenfalls nix. Auch wenn Berufsoptimierer so was nie verstehen werden.
    In der Tat ist es ein großes Glück, dass uns allen die peinlichen Jubelbilder einer Angela "ich war schon immer ganz großer Fußballfan" Merkel erspart bleiben. Man kann wirklich vieles gegen Gerhard Schröder sagen, aber wenigstens seine Fußballbegeisterung schien echt zu sein...

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    1. Danke Stefan!
      Mit Schröder hast Du wohl recht - auch wenn mir spontan keine anderen positiven Aspekte zu ihm einfallen...

      Gruß Duderich

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  8. Was um Himmels Willen soll denn die "Authentizität des Eigentlichen" sein?! Deren Verlust durch die "Durchkommerzialisierung" zu beklagen, geht schnurstracks in Richtung regressiver Liberalismus-/Kapitalismuskritik - von wegen angelsächsischer Krämerseele versus deutscher Tiefgründigkeit. Carl Schmitt lässt grüßen..übrigens habe ich für mich irgendwann einmal beschlossen, konsequent von schwarzen Menschen zu sprechen; mir leuchtet das Argument ein, das "black" eben eindeutig antirassistisch konnotiert ist, da es von der Schwarzenbewegung bewusst umcodiert worden ist: black power, black is beautiful usw. (auch wenn das im Deutschen natürlich nicht so ist)...

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    1. Mit der 'Authenzität des Eigentlichen' meine ich in diesem Zusammenhang Fußball um des Fussballs willen - ohne dass da Millionenbeiträge fließen müssen. Diese Summen sind in den letzten Dekaden explodiert, ohne dass der Fußball dadurch besser, spannender wurde. Eher im Gegenteil, wie ich finde.

      Schwarz und Farbig macht für mich selbst eigentlich keinen Unterschied, wobei mir das Attribut farbig leichter über die Lippen geht - bspw. wenn ich jemanden beschreiben möchte.

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  9. Danke für den Artikel! Gestolpert bin ich nur über den Begriff 'dünkelhäutig': Dünkelhäutig mögen wohl die 'stupid white men' sein, die noch immer den Dünkel vor sich hertragen, aufgrund ihrer Hautfarbe etwas besseres zu sein - und die Pfründe von Krieg, Repression und Kolonialisierung heute als Ergebnis von Humanismus und Rechtsstaatlichkeit zu deuten versuchen. Und jeder, der vom ausbeuterischen System der Nicht-Nachhaltigkeit (a.k.a. 'nach mir die Sintflut!') profitiert und auch ignorant oder dumm genug ist, auszublenden, auf wessen Kosten wir leben, hilft externalisierte, menschliche Verbrechen als Recht erscheinen zu lassen - der einig heuchlerische Kanon der 'westlichen Wertegemeinschaft'.

    PS.
    http://www.youtube.com/watch?v=DkqSnwAKPB4

    Nur, weil es eher wenig Bestrebungen gibt, teutonische Barbaren (Germ-Mans..) über Bildungseinrichtungen mit sich selbst und ihrer individuellen Verantwortung bekannt zu machen, um sie quasi zu domestizieren..

    Im Land unterirdischer emotionaler Intelligenz hat man ja sonst ein Gesetzesbuch, das für einen Verstand hat - Mitmenschliches wie Würde oder Nächstenliebe (vgl. unterlassene Hilfeleistung) wird über Gesetze, also Zwang (!) geregelt. Aber ob 'liebe deinen Nächsten wie dich selbst oder du kommst in Gefängnis!' wirklich zu einem weniger angst- und neidgeprägten Miteinander führt, wage ich zu bezweifeln.

    Nach wie vor ist Deutschland ein fassungsloses Land, das sich selbst immer noch nicht fassen kann - was notwendig wäre, um sich aus Fremdbestimmung lösen und sich in einer _selbstbestimmten_ Verfassung ideell zur einer Gemeinschaft zusammenfassen zu können.

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    1. Nun in der Geschichte der Kolonialmächte war und ist es ja der rote Faden, den Auszubeutenden das Menschsein schon per Definition und Sprache wegen ihrer 'Andersartigkeit' abzusprechen. Egal ob 'Rothaut', 'gelbe Brut' oder eben 'Nigger'.

      Randnotiz: Der 'farbige' Präsident Obama stammt übrigens zur Hälfte von 'Weißen' ab. Seine Mutter hatte irische, britische und deutsche Vorfahren. Man könnte ihn also ebenso als 'Weißen' bezeichnen... ;-)

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