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Mittwoch, 25. Juli 2012

Äpfel und Birnen

  • Amoklauf bei einer Kinopremiere: 12 Tote
  • Hungertote täglich: ca. 37.000 Tote

Dringender Handlungsbedarf:
Wir sollten umgehend die Sicherheitsauflagen bei Kinovorführungen verschärfen..!

Ich benutze (missbrauche?) diesen hanebüchernern Vergleich als Vehikel um auf den Hunger in Teilen dieser Welt (insbesondere Afrika) hinzuweisen. Ist das unlauter? Mag sein.

Wenn es so wäre - ich könnte damit leben..

Jean Ziegler begründet, warum diese Hungertoten vermeidbar sind. (Video)

Jeder vermeidbare und sinnlose Tod ist tragisch und erweckt unser Mitgefühl. Oft aber habe ich den Eindruck, dass das Leben der Mitglieder unseres Kulturkreises in unserer Betroffenheits-Arithmetik schwerer wiegt.

Wir sollten globaler denken, vielmehr fühlen!

In unsere Bestrebungen, vermeidbaren Tod zu vermeiden, sollten Grenzen, geographische Entfernung, Abstammung und Religionszugehörigkeit, etc. keine Rolle spielen.

Unter der Prämisse, dass JEDES Menschenleben GLEICH wertvoll ist, gehört der Kampf gegen den Hunger ganz nach oben auf die Agenda!

Dieser Amoklauf in Detroid ist tragisch. Sicher.

Aber er sollte unseren Blick nicht verschleiern, auf die Not, die sich fernab medialer Aufmerksamkeit tagtäglich(!) und im ungleich größerem Umfang abspielt.

Wir müssen permanenten (politischen) Druck aufbauen, diese Not zu beseitigen!

Wir dürfen unsere Betroffenheit nicht von den Medien steuern lassen, sondern uns (und Andere) darüber informieren, wo Not am größten ist, und wie wir Industrienationen in der Verantwortung stehen, diese Not zu bekämpfen!

Auch und gerade in einer Zeit, in der Dirk Niebel Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Entwicklungsminister) ist...

Kommentare:

  1. ein ganz dicker fetter unterstrich zu diesem beitrag, Dude.

    das thema brennt mir schon lange auf den nägeln und es k.... mich geradezu an, wenn 30 "versehentliche" tote durch eine fehlgeleitete rakete bei einer afghanischen hochzeit randmeldung bleiben, während ein (nicht minder schlimmer) amoklauf in den Staaten tagelang die medien beherrscht.

    keiner will hier irgenetwas relativieren oder aufrechnen, aber verwirrte spinner wird es nunmal immer geben. den systemfehler "hunger und durst" dagegen, könnte man sofort beheben, brächte man nur den politischen mut und willen dazu auf.

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    1. Danke Don, für die positive Rückmeldung! Habe Deinen Kommentar übrigens zum Anlass genommen, den relativierenden Satz hinauszunehmen.

      Im Andenken an die Opfer könnte man ihn als pietätlos missverstehen...

      Sehr betroffen und wütend machen übrigens die Worte von Ziegler (Video), der sich sehr für diese Problematik stark macht. Falls noch nicht geschehen unbedingt anschauen und weiterempfehlen!

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  2. Das scheint aber ziemlich genau der Wahrnehmung vieler Menschen zu entsprechen. Wenn ich im Verwandten-/Freundes-/Bekanntenkreis darauf hinweise, dass an Hunger bzw. allein in D-Land durch Ärztepfusch oder auch im Straßenverkehr jedes Jahr mehr Menschen sterben als durch alle Amokläufe und Terroranschläge in der Geschichte der Bundesrepublik, ist die häufigste Reaktion: "Das kannst du ja wohl überhaupt nicht vergleichen." Die mediale Konditionierung immerhin scheint bestens zu funktionieren...

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    1. Manche Opfer sind mehr Opfer und manche Täter sind mehr Täter.

      Kurz: Manche sind GLEICHER

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  3. Mir scheint, um die Opfer geht es in keinem der beiden "Fälle". Es geht um Vermarktung. Spektakuläre und "wie aus heiterem Himmel über uns gekommene" Gewalt lässt sich prima vermarkten. Und dieses Geschäft wird dann als Informationsauftrag der Presse verkauft. Ganz nebenbei (oder doch eher kalkuliert?) wird das "Bedürfnis" nach Sensationslust all jener bedient, deren Leben so schrecklich langweilig verlaufen würde, würde nicht gelegentlich mal was Aufregenes passieren: Ersatzleben und -fühlen sozusagen (Ich muss in dem Zusammenhang immer an Aichingers vergleichsweise harmlose Kurzgeschichte "Fenstertheater" denken).
    Das Leid am anderen Ende der Welt kann nicht gewinnbringend verkauft werden. Dafür ist es zu gewöhnlich, und zu weit weg.
    Allenfalls jedes Jahr um die Weihnachtszeit entdeckt die "High Society" ihre "humanitäre Ader" und wirbt mit großem Tamtam um Spenden für die armen Kinder (Kinder müssens schon sein) der Welt - werbewirksam, versteht sich. Auch ein gutes Gewissen lässt sich erkaufen.

    Übrigens: Die "gute" Frau Lagarde hat ja vor nicht allzu langer Zeit durchaus auf die hungernden Kinder in Afrika aufmerksam gemacht, nämlich, dass deren Lage doch weitaus schlimmer sei als die der griechischen Bevölkerung.

    Nun, es kommt wohl immer auf die Intention an. Aber wenn die stimmt, dann dürfen auch Äpfel mit Birnen verglichen werden.
    Danke für den Artikel und die Verlunking zur Rede von Jean Ziegler, die sehr zu empfehlen ist.

    Liebe Grüße, Cora

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  4. Den Hungertod sterben ist doch, medial betrachtet, ein völlig langweiliger und öder Vorgang. Ein Amoklauf enthält doch viel mehr Action und Gewalt. Und genau das wollen wir doch (fast) alle, oder? Action, Gewalt und Unterhaltung.

    Hinzu kommt, viele Hungertote gibt es in Afrika. Und die haben eine andere Hautfarbe als wir und leben Tausende Kilometer weit weg, sind also genau genommen Aliens. Interessiert uns also nicht.

    Traurige Welt.

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