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Donnerstag, 6. September 2012

Die roten Ampelmännchen in unseren Köpfen


Wenn ich an einer roten Ampel stehe und die sofortige Überquerung der Straße möglich ist, ohne zu riskieren als überdimensionierte Kühlerfigur zu enden - immer dann taucht dieser Satz in meinem Kopf auf; fast wie ein eigener Gedanke:
"Ich geh' meistens bei Rot," denn das macht mir Spaß!

Es muss einen Grund geben, warum ausgerechnet dieser Satz immer wieder von meiner internen Festplatte in den Arbeitsspeicher geladen wird. Vermutlich ist es die Romantik übertretener Grenzen und Konventionen.

Sicherlich bleiben viele von uns (so auch ich) oft vor einer leeren Straße und einem roten Ampelmännchen stehen, um Kindern das richtige Verhalten im Straßenverkehr vorzuleben. Ein vernünftiges Argument, aber genauso leben wir den Kindern vor, dass Regeln nicht zu hinterfragen sind und stiller, unhinterfragter Gehorsam der eigenen Lebenssicherung dient. Ich wette, ziemlich jeder von  uns hat sich nachts um drei vor einer roten Ampel bei dem Gedanken erwischt: "Warum stehe ich  hier eigentlich stupide vor einem roten Lichtsignal?" Kein Auto, kein Kind weit und breit, aber man ist halt so konditioniert. Hat man ja schon als Kind so gelernt.

Viel lustiger wird es dann in den sogenannten Raucherzonen:

Ich weiß nicht, ob es die einheitliche, bundesdeutsche Raucherzonenbegrenzungsfarbe ist, aber hier ist sie neongelb...

Gelb umrissene Zonen, in denen man im Einklang mit der deutschen Gesetzgebung am Gleis unter freiem Himmel rauchen darf. Wobei sich natürlich die rechtliche Frage stellt, ob die Füße oder die Zigarette des Rauchers innerhalb des >Deppenrechtecks<  von ihm selbst einzuzäunen sind? Verstößt es gegen das Hausrecht des Bahnhofs, wenn ich außerhalb neonfarbener Grenzmarkierungen stehe und die brennende Zigarette über die Raucherzonen halte? Oder doch eher, wenn ich innerhalb stehe und die Zigarette raushalte? Beides davon? Weder noch? Man weiß so wenig!
Übrigens möchte ich wetten, das es in der gesamten Bundesrepublik keine Raucherzonen mit Sitzgelegenheiten gibt. Sitzplätze sind für vernünftige, nichtrauchende Bahn-Card-Besitzer vorgesehen.

Wir lassen uns von Schildern sagen, was wir in den Grünanlagen oder am Baggersee dürfen und sehen darin die destillierte Vernunft. Wir brauchen Schilder, Gesetze und Verordnungen um vernünftig zu handeln. Wir wählen ja schließlich die, die uns dann sagen, was wir dürfen und was nicht, was wir tun oder lassen sollen. Gesetze sind nicht anderes. Und die Regierungsarbeit besteht faktisch in der Verabschiedung von Gesetzen.

Sicherlich gibt es Regeln, die durchaus Sinn machen und unser Zusammenleben erleichtern.

Aber man sollte sich bei jeder Regel fragen, ob diese wirklich Sinn macht. Und bei Verneinung dieser Frage auch sein Handeln danach ausrichten.

Man nennt dies auch 'zivilen Ungehorsam'.


Nachtrag:
Dieser Text wurde in meinem letzten Post angekündigt. Den dortigen Kommentaren ist zu entnehmen, dass Harzpeter, das von mir gestellte Rätsel gelöst hat. Glückwunsch nochmal und aus gegebenem Anlaß noch einmal mein ausgesprochenes Mitgefühl.

Zur Textzeile: 
Oben erwähnter Harzpeter, hat meinen jahrelangen Irrtum aufgelöst, dass diese Zeile der Textzeile des Marius-Liedes entspricht. Ich besitze diese CD seit ca. 10-15 Jahren  nicht  mehr. In dieser Zeit habe ich mir die Zeile vermutlich unterbewusst schöngetextet, weil  "scharf" finde ich es jetzt auch nicht unbedingt, bei Rot über die Straße zu gehen.
Manche Frauen und Chilli sind 'scharf'.
(Der Originaltext des Liedes ist HIER zu finden)

Zu Marius Müller-Westernhagen:
Er war das Idol meiner Jugend. Filme, wie 'Theo gegen den Rest der Welt', vielmehr aber seine Musik prägten lange Zeit mein Bild von ihm. Er war rockig, rotzig und schnoddrig. Einfach eine Identifikationsfigur.

Irgendwann überholte ihn wohl sein eigener Erfolg und riss ihn mit. Wurde Armani-Träger und  massentauglich. Ein Musiker ohne Aussage und Botschaft. Ohne politisches Engagement (gelobt sei Konstantin Wecker) für die Schwachen, Abgehängten, für die er eine Identifikationsfigur war und die ihn in die Charts hoben.

Nichts desto trotz: Alte Scheiben von ihm, wie "Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz", "Sekt oder Selters" und "Geiler is'schon" gehören in jede progressive CD-Sammlung. Rockige Musik mit rebellischen, sozialkritischen Texten. Songs mit Verve.

Kommentare:

  1. "Harzpeter bitte ohne "t" vor dem "z"! Danke auch für das Mitgefühl! Bin aber schon wieder einigermaßen obenauf. Deshalb zum Thema "Ampel" ein Uraltwitzchen:

    Ein Taxifahrer heizt nachts mit seinem Fahrgast durch eine Großstadt. Vor jeder roten Ampel an einer Kreuzung beschleunigt er noch mal extra und brettert mit Volldampf über die Kreuzungen hinweg. Dem Fahrgast hinten wird es dabei natürlich recht mulmig zumute und er wird immer kleiner in seinem Sitz.
    Man gelangt nun an eine Kreuzung, an der die Ampel für das Taxi auf "Grün" steht. Der Taxifahrer geht umgehend heftig in die Bremsen und kommt knapp vor der Einmündung zum stehen. "Was soll denn das jetzt?" fragt der erschrockene Fahrgast. "Bei den ganzen roten Ampeln vorhin fahren Sie wie eine besengte Sau über die Kreuzung und hier bei der grünen bremsen Sie wie ein Irrer?" Darauf der Taxifahrer: "Ich musste bremsen, denn von rechts kommt nämlich gleich mein Kollege..."

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    1. Sorry, wg. Deinem Namen - war keine Absicht. Werde es im Post ändern.

      Guter Witz, übrigens. Kannte ich noch gar nicht.

      Gute Besserung, sollst uns ja möglichst bald wieder mit Deinen Texten verwöhnen!

      Was macht eigentlich Dein Zigarettenselbstversuch?


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    2. Das Rauchen hat bestens geklappt, danke der Nachfrage! Allerdings haben die Schwellungen seit gestern nachmittag statt sich zurückzubilden sich noch weiter ausgeprägt. Und die Fast-Schmerzfreiheit von gestern ist seit vergangener Nacht ebenfalls dahin. Ob das alles nun was mit dem Rauchen zu tun hat kann ich allerdings nicht sagen...

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  2. Sicherlich kann man sich bei einigen Regeln an den Arbeitsspeicher fassen, da ich Raucher bin stimme ich dir da zu. Aber, wenn dir schon mal unabhängig von Geschlecht und Alter, jemand vors Auto gerannt ist, trotz roter Ampel, dann findest du diese Regel durchaus befolgenswert. Denn meine Erfahrung, wer nachts meint er muss zivilen Ungehorsam leisten, tut dies auch im größten Kuddelmuddel, und bringt sich und andere in Gefahr. Mir geht es nicht nur um Fussgänger, alle Teilnehmer dieses Kuddelmuddels leben Ihren Frust, Gedankenlosigkeit, etc. auf Kosten anderer aus.
    Gerade dieser erste Schritt nachts um drei ist für mich in diesem Fall nur ein Senken der Hemmschwelle.

    Gruß und schönes WE

    Werner

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    1. Hallo Snuggles,

      natürlich kann man über Sinn und Unsinn von zivilem Ungehorsam streiten. Selbstverständlich auch über Sinn und Unsinn vor einer roten Ampel an einer unbefahrenen Straße zu warten.

      Das Überqueren einer roten Ampel würde ich jetzt auch nicht unbedingt als Musterbeispiel für z.U. sehen, da dabei die politische Intension fehlt.

      Ich finde aber, nach wie vor, dass man oktruierte Regeln hinterfragen sollte und diesen nicht unhinterfragt blind befolgt, weil es sie eben gibt.

      Auch schönes WE

      Gruß, Duderich

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    2. Hallo Duderich,

      beim hinterfragen von Regeln bin ich bei dir und das jeden Tag. Denn, das fängt schon an, wem nützen diese Regeln und zwar allen oder nur wenigen. Und bei wenigen ist gemeint, das das Aufweichen und verändern, so das diese wenigen profitieren. Und da, meine ich, fängt die politische Intension an. Meine Reaktion erfolgte deswegen, weil ich mich aus beruflichen Gründen, um es vorsichtig auszudrücken, häufigst im Kudelmuddel bewege. und es gehört mittlerweile das Zeigen des Mittelfingers zum guten Ton, meinen einige. Nur so als Beispiel.

      Gruß Werner

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