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Mittwoch, 26. September 2012

"Hallo Leute, aufwachen!"

Abteilung: 'Linke' Parteien und Zeitschriften

Ach, wenn's den SPIEGEL nicht gäbe, man müsste ihn glatt erfinden! Ehemals linkes Verkündungsorgan, läuft er nun der Spur der SPD in deren (äußerst flachen!) Fußstapfen hinterher.

Exemplarisch hierfür dieser SPIEGEL-online Beitrag

Der Titel: "Hallo Leute, aufwachen!" Hört sich erst mal schmissig an, verkehrt sich aber sehr schnell in die gegenteilige Stoßrichtung.
Einen überschaubaren Wendekreis hat nämlich der titel-gewordene Appell dieses SPIEGEL-Schreiberlings, da die Pointe so nahe liegt, dass sie schon keine mehr ist:
"Hallo SPIEGEL, aufwachen!"

Aber, lest selbst:
"Peer Steinbrück will die Deutsche Bank zerschlagen. Da kann man nur sagen: Gute Idee. Peer Steinbrück will einen europäischen Bankenrettungsfonds einführen, damit die Banken und ihre Eigentümer für ihre Zockereien selbst bezahlen müssen. Richtig so. Und Peer Steinbrück will den Hochfrequenzhandel verbieten. Bravo. Applaus."

Che Guevara ist reinkarniert (war ja ebenfalls Finanzminister) und heißt jetzt Peer Steinbrück.


'Hallo Leute, aufwachen!'

Obwohl  ich meine Differenzen  mit dem Spiegelfechter (Jens Berger) habe, aber wo er recht hat, hat er recht:

"Die SPD mag Steinbrück damit überzeugt haben für alle Anderen sollte das alte Sprichwort gelten: „Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me”

Dann geht's weiter, nach ein wenig Alibi-Schelte für die SPD bei SPIEGEL-online:

"Dank Steinbrück darf wieder gehofft werden. Es könnte doch noch ein echter Wahlkampf werden, mit unterscheidbaren Lagern, mit einer klaren Wahl also für die Bürger. Auf der einen Seite: die grimmige SPD, die gegen das Großkapital zu Felde zieht, auf der anderen Seite die schwarz-gelbe Koalition als entschlossene Hüterin von freier Wirtschaft und freiem Kapitalverkehr. So muss es sein in der Demokratie."

Unter uns jungfräulichen Pfarrerstöchtern: Ist das jetzt der hochgelobte Qualitätsjournalismus? Bin ich der Einzige, der bei solcher Lektüre Gehirnkrämpfe kriegt? 
Denkt die SPIEGEL-Redaktion, dass deren Leser die Wahrnehmungsspanne einer andauernd gegen das Fenster anfliegenden Motte hat?

Die klare Absetzung der SPD zu linken Themen kann auch der SPIEGEL-Autor sehr gut nachvollziehen:
"Kennt jemand Klaus Barthel? Das ist einer jener Genossen vom linken SPD-Flügel, die glauben, sie könnten den Deutschen trotz einer rapide alternden Gesellschaft für ewige Zeiten das Rentenparadies versprechen. Damit quälen Barthel und Co. seit Wochen die Parteiführung - wider jede Vernunft. Dieser Klaus Barthel hat in seinem Leben noch nie sein Bundestagsmandat direkt gewonnen. Bei der letzten Wahl 2009 kam er gerade einmal auf schlappe 15,8 Prozent der Erststimmen. Und der soll jetzt den Kurs der SPD bestimmen. Lachhaft."

Mit Peer Steinbrück als Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2002 wurde das schlechteste Wahlergebnis seit 1954 für die SPD erreicht. >Und der soll jetzt den Kurs der SPD bestimmen. Lachhaft.< 
Falls Herrn Nelles diese Fakten bekannt sind, scheint er sie in diesem Zusammenhang nicht für erwähnenswert zu halten.
Und von einem 'Rentenparadies' sind wir so weit entfernt, wie vom Andromeda-Nebel. Da braucht unser neoliberales Schreiberlein keine Angst zu haben.

Wir sollen  also die SPD wählen und uns dabei links fühlen. Umverteilung von oben nach unten von denen erwarten, die Umverteilung von unten nach oben organisiert haben.

Der SPIEGEL und die SPD als das linke Gewissen...

Au, weia!


Kommentare:

  1. Der Spügel zeigt das gleiche Psychogramm, wie die Sozen. Kunststück. Als jahrelange Posaunen der Agendaritter und mediale Anschmeichler der linken rechten Trägheitsmitte, hat der Blick in sich selber, - die gleichen Selbstfindungsprobleme. Der Deregulierer, macht den Regulierer. Schaut man allerdings mal rein, macht er das so offen, dass auch wirklich noch jede Option zugänglich ist, um im Zweifelsfalle nichts tun zu müssen. Und vor allen Dingen, - von allem ablenken zu können, an dem man selber Schuld hat, - aber trotzdem Wahlkampfthema zu machen. Strategie in vollendeter Blüte, - welche aber nur aufgrund dieses unglaublichen Kurzzeitgedächtnisses funktioniert. Roland Nelles ist Jahrgang 71, bewegt sich mit 40 Jahren also außerhalb einer möglichen Entschuldigung des Nichtwissens, aber innerhalb der Garde von Politologen, welche fleißig den Grüßaugust gemacht haben. Außerdem, hat er sein Handwerk bei den Springern gelernt. Das bleibt hängen ;-)

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    1. Dazu fällt mir direkt folgender (Satire-)Artikel ein:

      http://www.der-postillon.com/2012/09/agenda-2010-nur-eingefuhrt-damit-spd.html

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  2. Cui bono?

    Was hätte der Spiegel davon, würde man SPD wählen?

    Vll. sollen wir uns genau darüber aufregen. Möglicherweise ist es deswegen so primitiv, damit wir vermeintlich dahinter blicken und statt dessen doch lieber wieder "Angie" nehmen. Nach dem Motto: "Sicher ist sicher, den Sozen konnte man noch niemals trauen und der Spiegel hat eh keine Ahnung".

    Dabei stört das Psychogramm des Spiegels (oder der anderen) nicht im geringsten. Flexibel ist und bleibt da flexibel, keine noch so verdrehte Haltung scheint das Selbstbildnis beflecken zu können.

    Das gilt sowohl für das Glas mit dahinter aufgetragenen, reflektierenden Schicht, als auch für diejenigen, die davor ihre Posen üben. So hat man der Reflexion genüge getan, kann doch jeder sehen, da reflektiert was, eindeutig ;).

    Kunststück, ein Spiegel selbst hat gar kein Selbstfindungsprogramm und jene, die meinen sich dort im Bildnis gefunden zu haben, suchen nicht weiter.

    Dass der Spiegel dabei das Gehirn austrickst, niemals ehrlich spielt, sollte man vll. noch anmerken. So sind sie halt, Spiegel ... passt doch ausgezeichnet.

    Gruss
    Rosi

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    1. Was hätte der Spiegel davon, würde man SPD wählen?

      Nun ja, die Sozen waren und sind immer noch die Hauptklientel und Zielgruppe, bzw. Abnehmer dieses Blattes. (Geschichtlich bedingt, und dies durchaus aus einer ehrlichen Geschichte heraus) Was sich mit Stefan Aust und seiner rechsliberalen Richtung Ende der 90iger stellenweise änderte. Und gerade deshalb eben auch ganz speziell das Kampfblatt von Rot-Grün bei Schröder war. Zudem hat Gruner+Jahr (Töchterchen von Bertelsmann) immer noch mit einem Viertel seinen Daumen drauf. Die Zielgruppe ist schon klar und übersehbar. Der linke Intellekt rechts von der Mitte, der sich mit Rot-Grün gesamtgesellschaftlich nach rechts bewegt hat. (Was man so Intellekt nennen könnte) Heute eiert die Geschichte recht kräftig ziellos rum. Geb ich dir vollkommen recht. Ich seh das aber schon als Selbstfindung. Gerade diese Flexibilität. Die gibt es nämlich erst seit ca. nicht ganz zwei Jahren. Bei der Taz, war und ist die Entwicklung ähnlich. Beides waren über ein ganzes Jahrzehnt hinweg Bertelsmanposaunen und damit schwer mitschuldig am momentanen Zustand. Da hätschelt man seine politischen Kundenbrücken immer noch. Ganz besonders Nelles. Der ist bezeichnend für die Garde der "eingeflossenen" Rechtsliberalen mit linkem Pseudocharme. Er ist seit 2002 beim Spiegel, - also eines dieser echten Agendakinder. So eine Zeitung, ändert sich nicht von heute auf morgen. Sondern mit den Newcomern.

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    2. Hätte gedacht, dieser Wandel sei längst vollzogen und jene, die sich nicht hätten angepasst, längst raus gekickt bzw. geflohen.

      Gruss
      Rosi

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