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Montag, 22. Oktober 2012

Momentan bin ich leider nur ein 'Handschmeichler'


Abteilung: Alles im Fluss

Ich weiß - ich habe lange nichts mehr gepostet.

Und ich habe auch jetzt nicht wirklich was essentielles zu sagen. Der 'ganz normale Wahnsinn' bricht tagtäglich über mich hinein - ohne das es mich wirklich noch erregt. Ohne dass es mich im Innersten erschüttert.
Ich bin leider momentan gefangen in der Banalität der alltäglichen Absurdität.

Bin ich abgestumpft?

Vielleicht. Möglich. Sehr wahrscheinlich.

Fühle mich zur Zeit, wie ein glatter, abgeschliffener Kieselstein.
Ein Kieselstein, der sich, abgeschliffen durch die permanente inhumane Entfremdung, vielleicht gut anfühlt, wenn man mit den Fingern über ihn fährt. Ein Handschmeichler.
Ich will das nicht sein. Will Ecken und Kanten behalten, bei dem ihr Euch vielleicht blutige Finger holt, wenn ihr darüber fahrt.
Sicher, ich bin immer noch ebenso unzufrieden mit den bestehenden Zuständen wie ihr das von mir kennt.
Aber nichts der momentanen Ereignisse schafft es diese/meine Unzufriedenheit zu kanalisieren und Ausdruck zu verleihen. Gerade die absurde Paradoxie, die mich täglich umschwemmt ist in sich ja doch so 'normal' und 'gewöhnlich'.


Also muss ich mich auf die Meta-Ebene hinaufschwingen um überhaupt etwas sagen zu können.

Es ist die Ohnmacht, die mich so sprachlos macht und die ich hier wortreich verkünde.
Es ist die Ohnmacht, die mich davon abhält mich über 'Nichtigkeiten', wie die SPD, deren Kanzlerkanditaten, über Ergebnisse von Meinungsumfragen, dem Verfassungsschutz, usw. auszulassen während unser Planet langsam vor die Hunde geht, weil wir lediglich in Legislaturperioden denken (sollen).

Alle Nachrichten, die wir tagtäglich konsumieren sind lediglich Mosaiksteine unseres langwährenden Untergangs. Jeder (Mosaikstein) ist einzeln betrachtet eigentlich nicht wirklich relevant; bildet aber im Gesamtbild das Bild jenes Untergangs auf dem wir uns, medial begleitet, zubewegen.

Nichts, und Alles ist es wert darüber zu berichten. Sich darüber zu echauffieren und dagegen anzuschreiben.
Um auf die Metapher zurückzukommen, sind es die einzelnen Wassertropfen, die zusammengeballt den Strom ausmachen, der meinen (unseren) Stein zu einem Handschmeichler abschleift.
Keinem einzelnen Wassertropfen mag man die Verantwortung dafür zuweisen - aber abgeschliffen und glatt ist man dann trotzdem irgendwann.

Es sind so viele (zu viele?) Fronten, an denen wir Blogger uns aufreiben (in der Kieselstein-Metapher: ABreiben).

Kapitalismus, Fiananzmarktspekulationen, Umweltzerstörung, Oberflächlichkeit, Medienmacht, Feigheit, Inhumanität und Egoismus. Die (bei weitem nicht vollständige) Liste der zu überwindenden (Ist-)Zustände ist schier endlos.


Aber hey, der Dude(rich) packt das, ... irgendwie!

Ich grüße alle meine Leser, die mich in meiner alltäglichen Marter begleiten und begleitet haben.
Schön, dass es Euch gibt!



Kommentare:

  1. Dem Duderich ist mal wieder ein Kunstwerk gelungen. Ein Gemälde in vollen Farben das beschreibt, wie die Moral -einst in der Kinderstube einen festen Platz habend- heute ein Fremdwort ist. Noch vor zwei Jahrzehnten wurde Gaunertum spätestens an der zweiten Instanz der Hirarchie in allgemeinen Systemen, sagen wir mal bei Gericht mit Empörung und entsprechenden Konsequenzen bekänft. Heutezutage sitzen die Gauner selbst in solchen Positionen. Jüngstes Beispiel der manipulierte Beitrag über den angeblichen Schlagabtausch zwisch Merkel und Steinbrück indem Trittin sich das Hemd aufknüpfte. Zwangsfinanziertes Staatsfernsehen als Waffe zur Meinungsbildung durch Manipulation. Damals undenkbar. Heute ohne Konsequenzen. Weil sich niemand mehr aufreiben kann. Alle sind schon abgestumpft.

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    1. Vielen Dank für Dein Lob, obwohl ich 'Kunstwerk' als nette Übertreibung empfinde. :)

      Deinen letzten Satz würde ich aber nicht unterschreiben - ich glaube dass der Frust und der Widerstand weitaus größer ist als von Dir angenommen. Ist aber nur eine persönliche Annahme.

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  2. Nachdenklicher Text.

    Manchmal muss man einige Zeit abschalten und geistig abtauchen und warten, bis die mentale Kraft, alle Widersprüche und Ungerechtigkeiten auszuhalten, wieder da ist.
    Alles hat seine Zeit...

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    1. Danke für Dein Verständnis. Diese Zeit der Regeneration habe ich mir wohl genommen.

      Spüre aber auch wieder meine Kräfte steigen. :)

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  3. Kann es sein, daß ein Zuviel an Engagement mit einem Zuwenig an (Er-)Folgen zu heftiger Reaktion führt?? Kenn ich auch, neige dann zum "echauffieren und danach an was anderes denken" statt zum resignieren ;-) Schade isses aber doch- wo ich diesen blog doch gerade erst frisch für mich entdeckt hatte.
    Vielleicht auch mal gute Nachrichten auf sich wirken lassen, auch wenn sie nur Tropfen (auf den heißen Stein) sind!?

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    1. Ich bin viel zu zornig um zu resignieren.

      Der Text stellt auch nur eine Momentaufnahme und nicht meine allgemeine und allgegenwärtige Gefühlslage dar.

      Schön, Dich als neuen Leser begrüßen zu können.

      Der Duderich bleibt Dir erhalten - keine Sorge! :)

      'Gute Nachrichten' sind recht selten. Spontan fällt mir keine ein.

      Dir?

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  4. Najaaaa.... letzte Woche gab's gutes Wetter (selbst hier oben im Norden zwei Tage lang!!) - Wenn DAS keine gute Nachricht ist ;-)

    Nein, jetzt mal im Ernst: freue mich, daß das resignieren keine Option ist. Bin schließlich drauf angewisesn, solche blogs wie den Deinen zu lesen, um nicht im kleinen, privaten Alltag steckenzubleiben.

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    1. "um nicht im kleinen, privaten Alltag steckenzubleiben."
      Die Freude ist ganz auf meiner Seite, wenn ich meinen kleinen, bescheidenen Beitrag dazu leisten kann. :)

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    2. Habe eine 'gute Nachricht' gefunden!
      Guckst Du hier!
      http://www.heise.de/tp/blogs/8/153041

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    3. Na also, es gibt sie! Sag ich doch! Vielleicht ist sowas ja eins der sich derzeit häufiger zeigenden Anzeichen dafür, daß es immer mehr Leuten näher auf die Pelle rückt, was schiefläuft. Und den allermeisten (ich sag nur: kleiner, privater Alltag....) müssen die Dinge erst auf die Pelle rücken, um sie aktiv werden zu lassen. Ich weiß das, ich bin auch so Eine ;-)
      Deshalb sind ja so kleine Piekser hin und wieder, wie sie Dein Blog setzt, so gut für mich.

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  5. hi Dude,

    ich wollte schon lange mal eine frage stellen, die hier - glaube ich - ganz gut reinpasst?

    kann man angesichts des (auch von dir wahrgenommenen) offensichtlichen desinteresses der mehrheit eigentlich noch demokrat bleiben?

    oder müsste man nicht eigentlich Lenin rechtgeben, der ja seine kaderpartei nicht zuletzt deswegen forderte (und später auch gründete), weil er davon überzeugt war, dass die mehrheit einfach zu ungebildet und/oder träge ist, um selbst ihr schicksal in die hand zu nehmen?

    kann das projekt demokratie angesichts der massenhaften, selbstverschuldeten unmündigkeit noch weiter verfolgt werden, oder ist es inzwischen nicht sogar das ideale vehikel für die herrschende elite, um dem volk beteiligungsmöglichkeiten vorzugaukeln, es in wahrheit aber durch "brot und spiele" einzulullen?

    wohlgemerkt: das sind ernstgemeinte, unvoreingenommene fragen. ich selbst mache mir darüber gedanken, ohne bisher zu einer festlegung gelangt zu sein. aber ich finde, man muß es thematisieren.

    lg
    don

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    1. Hey, Don!
      Tja, mit der Demokratie ist das so eine Sache. Wir wir täglich betrachten können läßt sich als 'Staat' die Masse sehr gut beeinflussen, so wie auch politische Mandatträger.
      Eine gangbare Alternative zum momentanten politischen System sehe ich lediglich selbstbestimmte Dezentralisierung (mit eigener Gesetzgebung).
      Ein großes Thema und sicherlich einen eigenen entsprechenden Post wert.
      Wenn Dir das Thema so auf der Seele liegt - würde es mich freuen, wenn Du dies in einem Text verwurstest - den ich hier natürlich (nach wie vor) gerne hier reinstellen würde.

      LG
      Dude

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    2. Hallo Don
      hallo Duderich

      Uhh, ein gefährlicher Gedankengang ;) (ich hoffe es ist recht, dass ich hier mit einer ausführlicheren Antwort einspringe).Es sind die Begründungen der Macht, die sich aus sich selbst heraus begründet. Quasi selbst erfüllende Prophezeiungen und die sich daraus ergebende Kritik an der Masse um die Masse herum errichtet, aus der es kein Entkommen gibt, wie ein fester Raum (eine virtuelle Mauer). Denn man hat ja Recht, die Masse ist Träge, doch wieso ist die Masse so träge? Dafür sorgt schon die Macht. Denn Macht braucht diese Trägheit der Masse um Macht auszuüben, und sie braucht Masse, um die Prozesse der Macht lebendig zu halten.

      So erschafft man gedanklich in sich geschlossene Räume, autopoietische Systeme (sich selbst gestaltende, abgeschlossene Systeme). Die Grenzen dieser Autopoiesis setzt man sich selbst und bleibt innerhalb des Raumes in der Gestaltung frei. Nur über diesen Raum hinaus nicht. Denn die „räumlich begrenzte freie Gestaltung“ (ein Widerspruch in sich *grins*) erschafft die Illusion, völlig frei gestaltet zu haben; den Raum sieht man jedoch nicht. Verführerisch diese Gedanken, naheliegend aus dem Betrachtungswinkel innerhalb eines solchen Raumes. Verlässt man diese in sich geschlossene Dimension jedoch, sieht es schon ganz anders aus.

      Dieser Zustand der "Unbildung" und/oder der sich daraus ergebenden "Trägheit" (auch im Denken) aus Lenins Perspektive, ist ein völlig anderer, mit der heutigen Zeit nicht ganz vergleichbar Umstand ... Und auf der anderen Seite doch schon, denn im Großen und Ganzen beruht es auf der Tatsache, dass bei Lenins Betrachtung, wie auch dem Blick auf die heutige Zeit, die Machtverhältnisse seit ewigen Zeiten bereits verteilt waren und diese autopoietischen Systeme (und ihrer Gestalter) - damals mehr wie heute - dafür Sorge tragen, dass die Verhältnisse geschlossen bleiben.
      Damals wie heute ist die Mehrheit der Leute in erster Linie damit beschäftigt, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sich selbst im Leben zu erhalten. Einst auf dem Feld, richtig per Handarbeit, heute in irgendwelche Räume eingesperrt.

      Lenin blickt auf das Ergebnis straff verteilter Boden-/Grundverhältnisse innerhalb einer Agrarwirtschaft, deren Bewirtschaftungsmodell aus einer Form von Leibeigenschaft bestand, wobei Bildung nicht als Motor der Volkswirtschaft galt, sondern die Arbeitskraft am Boden selbst.

      Heute blicken wir auf das Ergebnis des Arbeitszwangs einer Industrienation (oder Nationen), wobei der Faktor Aus-"Bildung" für diese Volkswirtschaft notwendige Voraussetzung ist.

      Für beides gilt, freies Denken wird nur insoweit gestattet/trainiert/Ressourcen dafür freigestellt, sofern es für die Ausübung der zugedachten Aufgabe der Massen dienlich ist. Das ist heute mehr, wie zu Lenins Zeiten, wird jedoch auch der Grund sein, warum Demokratien zumindest weiter auf dem Globus verteilt sind, als sie es zu Lenins Zeiten gewesen sind.

      ff.

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    3. Teil 2

      Bei der Wahl der zugewiesenen Massenaufgabe greift es hervorragend ineinander, dass die Zwänge für den Lebenserhalt jeweils in Vollbeschäftigung münden, sowohl bei der Agrar-, als auch in Industriewirtschaft und der Bildungsgrad sich jeweils an den vorangestellten Aufgaben orientieren. Bei der Masse demzufolge im autarken Denken. Wer den ganzen Tag mit der Arbeit beschäftigt ist (inkl. der umfangreichen Organisation die darauf folgt und als Rattenschwanz tief in unser eigentlich schon nicht mehr existentes Privatleben hineinreicht), sich mit den alltäglichen Lebenssorgen herumschlägt, der hat nicht mehr viele Kapazitäten frei. Kreativität, auch im reinen Denken braucht Zeit und Ruhe, gleichwohl für dessen Vorbereitung, Informationsbeschaffung bspw..
      Das „Stillhalte-TV“ ist nicht für die beschäftigte Bevölkerung erschaffen worden, sondern als Ersatz für jene, für die in diesem System keine Verwendung gefunden wurde. Wenn man jetzt von der Qualität des „Stillhalte-TV“ zurück schließt auf die Beschäftigung der Arbeit, kann man sich in etwa vorstellen, wie dumpf in der Regel Arbeit sein muss und/oder dass sie uns derart unter Dauer-Alarmbereitschaft hält (als stünde der Beutegreifer Tag für Tag, Sekunde um Sekunde hinter uns), dass sie nur zur Abstumpfung gereichen kann. Ob die jeweilige Tätigkeit sinnvoll ist oder nicht, lasse ich dahingestellt. Betrachte es ausschließlich in Verbindung mit dem Denken, welches als Manko der Massen zur Debatte steht.

      Dazu wird Masse von Kindesbeinen an in die entsprechende Richtung geformt, gebildet. Lenkt man das nicht in den frühen Lebensjahren in die von der Macht "benötigte" Richtung, funktioniert das im erwachsenen Lebensalter nicht mehr (von der jeweiligen Eigendynamik der Lebensumfelder abgesehen). Dazu gibt es eine Menge Erfahrungswerte, auf die die Macht auch tatsächlich zurückgreift (hat nichts mit Verschwörung zu tun, eigentlich ein ganz alltäglicher Prozess). Seien es die Erfahrungen aus der Leibeigenschaft, der Sklaverei oder die Verknechtung der Landbevölkerung zur zwangsweisen Verbringung in die Fabriken zu Zeiten der Industriellen Revolution, oder später, die Kämpfe mit den Gewerkschaften. In die gewünschte Form haargenau einzupassen, dazu eignen sich die bereits unter anderen Voraussetzungen und Lebenszielen erwachsene Bevölkerungsteile überzählig nicht, es kommt (und es kam) immer wieder zu Widerständen (egal, welcher Art, auch einfache Verweigerung).

      Einige diese Prozesse kann man heute „live“ in Indien (oder andere Dritte-Welt-Länder) noch beobachten. Auch dort wird die erwachsene Landbevölkerung in die in diesen Ländern ausgelagerten Fabriken der Industrienationen verfrachtet. Diese als Landbevölkerung erwachsenen Menschen reagieren exakt derart, wie einst bei uns. Und darauf reagieren die AG und AG-Treiber wiederum ähnlich, gerne auch mit dem Stock. An die Arbeit prügeln gehört zur Tagesordnung. Das ist nicht fort, eine solche Praxis, bloß weil sie nicht mehr direkt vor der Haustüre stattfindet, sondern in der Dritten Welt. So wird dort auch schon gesät, was bei uns längst Ergebnis ist:

      Wir kommen aus der Knechtschaft, wir werden erzogen in die Knechtschaft, wir sehen nur Knechtschaft, wir sind die Knechtschaft, wir säen die Knechtschaft. Völlig irrelevant, was man drauf schreibt und wie man das verpackt, was drin ist, das zählt.

      ff.

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    4. Teil 3
      Wenn man das sich selbst gegenüber zugeben würde, wären wir vermutlich schon weiter. Doch heutzutage ist das zumindest in unseren Breitengraden schwieriger, der Stock ist überzählig weggefallen. Man wird auch nicht mehr todgeprügelt, wenn man der Arbeit fort bleibt, doch HartzIV ist ein adäquater Ersatz, der mit pschosozialer Gewalt arbeitet, die im Langzeiteffekt erst in körperliche hineinragt, die Psyche jedoch ununterbrochen angreift. Und man diskutiert bereits wieder öffentlich, ob man sich nicht noch weitreichender deren Kinder bemächtigt, sofern man das noch nicht getan hat.

      Aus diesem Grunde
      kann auch ganz perfide ausdrücken, dass man sich seine eigenen Sklaven von jeher per „Zuchtprogramm“ erschafft und im Nachgang zu dem erzieht
      , was sie sein sollen. Im Zweifelsfall trennt man sie von den Eltern. Dieser Schritt ist in der modernen Welt eigentlich bereits komplett vollzogen, integriert. Merkt nur kaum einer, vor lauter Arbeit und Organisation. Vermutlich mehr instinktiv sinken hierbei die gewünschten Zuchterfolge. Das war damals weitaus offensichtlicher, wie das heute der Fall ist (damit wurde nicht einmal hinter dem Berg gehalten). Doch uns Frau v.d.L. ist mit ihren „Zuchtprämien“ und sonstigen „Programmen“ gar nicht so weit entfernt. Was mich nicht wundert; sie lebt danach, sie sammelte auch Kinder von Anderen. Vermutlich, so ihre Gedankenwelt, um ihnen ein „besseres“ Heim zu ermöglichen.

      Das Ergebnis solch geschlossener Systeme ist auch das, worüber Lenin sich auf den ersten Blick echauffiert, was er jedoch dringend braucht (und gerne nimmt), um eben zu diesem Urteil zu gelangen und daraus seinen eigenen Machtanspruch zu rekrutieren.
      Die heutigen Politiker machen es nicht viel anders. Und man liest überall, dass man das Volk nicht für autonom und fähig genug hält, seine Geschicke selbst zu lenken. Man hat es sogar erfolgreich geschafft, das Volk selbst davon zu überzeugen, da oben lenkten Menschen die Geschicke, die tatsächlich auch fähiger sind und sich damit weit über die Menschheit erheben, fast wie Götter, Ersatz-Götter. Daraus resultiert immer noch der Machtanspruch sowie die Bereitschaft, Macht einzuräumen und man sorgt ununterbrochen dafür, dass es auch so bleibt. Und das nenne ich „selbst erfüllende Prophezeiung“.

      Um diese Kette zu unterbrechen, müsste man der Masse erst einmal gestattet, sich selbst jeweils individuell zu entfalten, anstatt in jungen Jahren für die „höhere“ Aufgabe als Gemeinschaft mit zugewiesenen Plätzen zweckgebunden gesteuert zu werden. Eine Basis zur tatsächlich erwachsenen Autarkie des Individuum erschaffen, also ein echtes Erwachsensein überhaupt zu gestattet. So bleiben wir wie die gezüchteten Haushunde, quasi der ewige Welpe, der sich noch wie ein Welpe benimmt, wenn die Schnurrhaare bereits ergraut sind und sich die Schleier über die Augen senken. Mit des Haushundes Stammvater ginge das nicht. Die sind autark, werden erwachsen und tun innerhalb ihrer Spezies doch das Richtige und Nützliche. Uns Menschen spricht man das einfach ab (als Droh-Szenario, näh, datt kann er nich). Dem Menschen, als doch so hoch dem Tier überlegenes Wesen der Sozialkultur und des Verstandes. Wäre es nicht so irre und traurig, müsste ich glatt ob solcher Paradoxen des angeblich „logischen“ Denkens – oft auch noch so dicht beieinander geführt - mich kringeln vor Hohn und Spott. Doch mir fehlt diese Gefühl völlig und mir gefriert förmlich das Grinsen auf dem Gesicht. Denn das steuert unser aller Sein.

      ff.

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    5. Teil 4
      Würde man diese Fesseln lösen und die Entfaltung des Individuums zulassen und für die nachkommenden Generationen eine Basis erschaffen, folgt darauf erst einmal ein Lernprozess. Der dauert und dazwischen kann schon mal etwas quer laufen und selbst diese zu erwartende Kausalität wird als Droh-Szenario aufgebaut.

      Deswegen haben die Kritiker der direkten Demokratie schon Recht, wie auch Lenin Recht hatte. Sie werden gleichfalls nicht müde, bswp. auf die Weimarer Republik hinzuweisen, die letztlich im Nationalsozialismus mündete. Doch das ist nicht einmal die halbe Wahrheit (vll. ein ein Zehntel davon). Ziemlich zynisch, so man stets dafür im Vorfeld schon sorgte, dass man auf immer im Recht bliebe.

      Und weil das so ist, entwickelt sich die Demokratie m.E. auch ziemlich langsam (vor allen Dingen weiter). Sie ist an einem Punkt angekommen, an dem sie sich eher wieder zurück bildet, wenn sie nicht gerade stagniert. Sich davon ausnehmende Nationen bestätigen die Regel.

      An den Machtverhältnissen selbst hat sich seit Jahrtausenden wenig getan, die sitzt immer noch dort, wo sie immer gesessen hat, bei den Besitzenden. Die Besitzer müssen mitnichten unbedingt die Eigentümer sein, es reicht völlig aus, sich Besitz darüber zu verschaffen (s. bspw. Stalin oder auch Lenin). Dabei ist es egal, ob das Grund- und Boden ist, sonstige Ressourcen, Industrien, Kapital oder die Arbeitskraft selbst. Derjenige, der sich die Macht über den Besitz verschafft, hat die Macht, weil sie eng an Besitz gekoppelt ist. Ein anderes Modell hab ich noch nicht praktiziert gesehen. (Auch nicht innerhalb heute bestehender Demokratien, die Prozesse des Besitzes, insbesondere hier Lebenserhaltung und Faktor Arbeit ist streng hierarchisch).

      Hier noch ein Link auf einen m.E. gut zusammenfassenden Artikel zum Thema „Arbeit und Lebenserhaltung heute“, der sich in nahtlos an meine Sicht anfügt:
      http://le-bohemien.net/2012/10/22/arbeitszwang-und-konsum/

      Konnte ich alle Klarheiten zu Lenins Gedankengängen beseitigen? ;-)

      Gruß
      Rosi

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    6. Hallo Rosi!
      Vielen Dank für Deine vielen beachtenswerten Gedankenausführungen, die wie immer, diesen Blog aufwerten.

      Weiß nicht, ob Du diesen Text (http://le-bohemien.net/2012/10/22/arbeitszwang-und-konsum/) schon gelesen hast - er wird Dich sicherlich auch interessieren.
      Außerdem stellt er, wie ich finde, eine sehr gute Ergänzung zu Teilen Deines Textes dar.

      Der Text beinhaltet eine chronologische Betrachtung vom Arbeitsbegriff und Konsumismus.
      Sehr lesenswert!

      Gruß, Duderich

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    7. Hallo Duderich

      Zuerst, vielen Dank für das Kompliment ... und Du Ei (wenn ich das sagen darf), diesen Text hab ich doch verlinkt, quasi in meinem Schlusssatz vor dem Scherz, wie folgt:

      "... der sich in nahtlos an meine Sicht anfügt:
      http://le-bohemien.net/2012/10/22/arbeitszwang-und-konsum/"

      Dös ist derselbe Link (ich Ei klick auch noch drauf *kicher*) und stimmt, er passt hervorragend als weiter reichende Ergänzung zu meinen Ausführungen und ist sehr lesenswert, eine tolle Zusammenfassung wie ich fand.

      Lieben Gruß
      Rosi

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  6. hallo Rosi, hallo Dude,

    vielen dank, dass ihr auf mein spintisieren so schnell und ausführlich eingegangen seid. wenn ich dich richtig verstehe, Rosi, willst du darauf hinaus, dass die demokratie auch nur eine weitere form des alten knecht- vs. herrspiel ist?
    mir kommt es immer so vor (speziell wenn ich jetzt zb den US-wahlkampf sehe), als hätte die herrschende elite aus der vergangenheit mehr gelernt, als die masse. sie bieten immerhin statt totaler verelendung sozialvericherung (ob immer die den namen verdienen, oder nicht). zum ausgleich für deprimierende, nach wie vor entfremdende arbeit, werden 24h lang soaps geboten und ein vermeintlich hohes konsumniveau auf kosten von umwelt und sklavenarbeit in drittwelt- und schwellenländern.

    das ganze wird von staatsfernsehen und systemtreuen privatmedien flankiert, stabilisiert und glorifiziert.
    irgendwie kein deut besser als Nord-Korea, oder täusche ich mich da?

    müssen wir das für immer akzeptieren? wenn das ganze wirklich ein system, ein raum ohne ausgang ist, muß man das ganze dann nicht einreißen?

    gewinnen die theorien eines Lenin, eines Che und einer Meinhof vor diesem hintergrund nicht zwangsläufig neue relevanz?
    wenn das kapital alte strategien in verfeinerter, "modernerer" form, aber nichts desto weniger brutal einsetzt, muß man dann nicht auch über eine wiederbelebung linker strategien, vielleicht auch in "raffinierterer" form nachdenken?

    ich habe einfach keine lust mehr, als batterie in einer matrix zu funktionieren! wo ist mein Morpheus, der mir einen weg aus diesem irrsinn zeigt?

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    1. Hallo Don

      "Rosi, willst du darauf hinaus, dass die demokratie auch nur eine weitere form des alten knecht- vs. herrspiel ist?"

      Demokratie in ihrer Bedeutung als solches nicht. Die ist der erweiterten Bildung der Massen (also im Gegensatz zur Vergangenheit) und den veränderten Lebensbedingungen geschuldet (die Menschen leben halt inmitten des politischen Geschehens, kann man sagen, nicht alle irgendwo in der Pampa und bekommen überhaupt nichts mit). Man kann sagen, ließ sich nicht vermeiden.

      Das bedeutet aber nicht, dass das Spielchen um die Macht sich erledigt hätte. Ganz und gar nicht, ein ewiges Wettrüsten. Die Macht scheut sich nicht, sowohl mit der Demokratie, als auch innerhalb der Demokratie zu Herrschaftsspielchen zu spielen. Finde, das sieht man aktuell ziemlich deutlich, m.E. hat sich unsere Kanzlerin und viele andere von der "Kanzel" eindeutig genug dazu geäußert.

      Dafür kann die Demokratie selbst natürlich nichts, die wird auch nur benutzt und getreten, wie ein Ball. Demokratie, so meine Meinung, ist eine gute Sache. Doch man darf sich in diesem ewigen Wettrüsten der Mächte nicht zurück lehnen und meinen, man hätte den Status Quo erreicht. Denn die andere Seite rüstet auf, ununterbrochen, klopft das ganze System nach Schlupflöchern ab und findet welche.

      Das hat man gemacht, jetzt haben wir eine sog. wirtschaftskonforme Demokratie. Wirtschaftskonform und Demokratie schließt sich jedoch gegeneinander aus, weil Demokratie demokratisch ist und Wirtschaft streng hierarchisch. Im Großen und Ganzen praktizieren wir keine Demokratie mehr, nur noch Wirtschaftskonformität und das beinhaltet für mich einen kontinuierlichen Abbau der Demokratie.

      Deswegen würde ich formulieren, das, was wir jetzt praktizieren auch nur eine weitere Form des alten Knecht- vs. Herrenspiels ist. Das ist alles, nur keine Demokratie mehr. Denn der Souverän ist weder das Volk, noch die Politik, alleinig die Wirtschaft. Alles wird ihr untergeordnet, schlicht und ergreifend alles, inkl. der Lebens-Rhythmus eines jeden Einzelnen.

      "als hätte die herrschende elite aus der vergangenheit mehr gelernt, als die masse."

      Nöh, das hält sich stets die Waage, meiner Einschätzung nach; ganz wie im Vorbild der Natur, Parasiten gegen Immunabwehr. Das sieht nur auf den ersten Blick so aus. Bis jetzt hat die sog. "herrschende Elite" es noch nicht geschafft, dass es irgendwem nicht doch irgendwann auffallen würde oder dass der Ruck, der irgendwann unweigerlich durch die Masse geht, ausbleibt. Sie sägen immer an dem Ast (was heißt hier Ast, die buddeln direkt den Grund und Boden um, auf dem der Wald steht), auf dem sie sitzen und dabei überspannen sie auch noch den Bogen (das lernen die vermutlich auch nicht mehr anders). Wenn man bei der Betrachtung die Zeitspanne etwas erweitert - unsere letzte deutsche Diktatur ist noch nicht einmal so lange her, dass es die Lebensspanne eines Menschen überschritten hätte - wird das m.E. offensichtlicher. Irgendwie geht das immer hin und her ... mal mehr, mal weniger.

      ff.

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    2. "irgendwie kein deut besser als Nord-Korea, oder täusche ich mich da?"
      Nein, ich glaube nicht, dass Du Dich täuschst, nur weil das meiste, was wir als grausam registrieren würden, nicht mehr vor der eigenen Haustüre stattfindet, sondern man eher fremd-grausam machen lässt. Denn dort (also wieder hier) zählt nur, was unter Strich an Gewinn bzw. Besitz und somit an erweiterter
      Macht herauskommt.

      " muß man das ganze dann nicht einreißen?"

      Doch natürlich, sollte man das. Deswegen schrieb ich, wie ich mir vorstellen kann, wie diese Kette zu unterbrechen sei. Sonst rotieren wir in diesem Spiel noch ewig auf der Kreisbahn.

      "1) gewinnen die theorien eines Lenin, eines Che und einer Meinhof vor diesem hintergrund nicht zwangsläufig neue relevanz?
      2.a) wenn das kapital alte strategien in verfeinerter, "modernerer" form, aber nichts desto weniger brutal einsetzt, 2.b) muß man dann nicht auch über eine wiederbelebung linker strategien, vielleicht auch in "raffinierterer" form nachdenken?"

      1. und 2.b) schließen sich gegeneinander aus, so man einen Kreislauf zu unterbrechen wünscht, denn die Theorien Lenins, Che und Meinhof sind ebenfalls wettgerüstete Theorien der Macht sowie sie Praxen der Macht und der Gewalt waren. Es wechselte lediglich der Besitz und so würde es auch diesmal sein. Diese Lehren sind einfach zu sehr auf Macht und im Folgenden auf Gewalt ausgerichtet (und ausgelebt worden).

      So würde es bei einem gegenseitigen Wettrüsten einfach nur bleiben, Links rüstet auf, Besitzer rüsten dagegen.

      Trotzdem müssen wir über feinere und nachhaltigere Strategien von Links nachdenken, nur von der Wiederbelebung halte ich nichts, weil ich meine Hand dafür ins Feuer lege, dass wiederbelebter alter Kram uns nicht weiter führt, sondern in wieder altem Kram mündet. Das ist so eine Eigenheit von altem Kram. Letztlich ist der Neoliberalismus ja nichts anderes, geht schon los, mit dem Laissez-faire-Kapitalismus der Chicago Boys, eigentlich altes Feudalsystem, frisch verpackt und neu verkauft. Es wäre m.E. völlig falsch, mit eben so einer alten Strategie zu antworten.

      Dem müsste man etwas entgegen setzen, was man als Gegenstück noch nicht kennt. Denn dann dauert es wesentlich länger, ein solch neues System zu unterlaufen, die Löcher zu finden, die Stellen auszumachen, an dem man es wieder anbohren kann.

      Diese Einstellung sorgte für meine eingebildete Erkenntnis, dass wir eine völlig neue Basis brauchen. Eine Basis, die sich tatsächlich mehr auf Humanismus ausrichtet, die niemanden mehr wirklich über das Volk selbst stellt.

      "wo ist mein Morpheus,"

      Nun, Morpheus Weg steht jedem frei, auch zum ähnlichen Preis. Der liegt in Spartanismus, im Kampf und im Tod. So wirklich ein Ende hatte der Film nicht, es wurde nicht einmal geklärt, ob die Massen aus der Matrix-Badewanne ausstiegen. Und Glückseligkeit, Don, war an Morpheus Seite nicht zu erlangen und dabei hatte er auch noch einen Erlöser im Ärmel. Den haben wir nicht, doch man erkennt im dem Gleichnis gut, worauf die Menschheit zu warten bereit ist.

      ff.

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    3. Wie gesagt, fürchte, wir brauchen einen völlig anderen Weg und der liegt schon bei der Erziehung unserer Nachkommen, mehr Humanismus, mehr Individualität erzeugt eben mehr Humanismus und mehr Individualität. Da sollte man etwas tun, was einer humanistischen Bildung schon näher kommt, als das, was wir jetzt praktizieren. Wirtschaft möchte man in die Schulen hier herein tragen, Sozialwissenschaften eher nicht. Unser Nachwuchs kennt doch gar keinen anderen Sinn im Leben, als den Besitzern dienlich zu sein.

      Und trotzdem machen uns andere Nationen schon vor, wie man mit der Demokratie einen Schritt weiter geht, weiter gehen könnte. Die Skandinavier tun es bspw.. Und eben auch dort beginnt man in den Kindergärten, man kümmert sich um individuelle Förderung im Sinne der Anlagen der Kinder.

      Hier läuft alles auf Konformismus, Gleichmacherei heraus. Zwischen Männlein und Weiblein, zwischen Individuen. Und zwar so stark, dass es kein individuelles Ich mehr geben kann, nur noch die Auflösung in einer Gruppenidentität offen steht, vor die sich wieder die Eliten als Steuerköpfe setzen. Lösche das Selbst, dann kann man etwas Neues herein stopfen (das geht schon ziemlich in Richtung Lenin ... doch auch Neoliberalismus). Das hält natürlich auf die Dauer nicht lange ... und wird uns um die Ohren fliegen, weil es wider die Natur des Menschen ist, wider die Natur selbst.

      Gruss
      Rosi

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    4. "irgendwie kein deut besser als Nord-Korea, oder täusche ich mich da?"
      Ähm- hallo?
      Das wird jetzt aber für meinen Geschmack ein ganz winziges Bißchen seltsam hier.
      Man lese mal, was in Nordkorea so abgeht, ganz praktisch gesehen- wie es den normalen Leuten dort geht!
      Hier ist denken immerhin möglich und erlaubt (und nicht-denken ebenso). Und auch Sozialversicherungen finde ich keineswegs des Teufels, sondern sie sind von früheren Generationen hart erkämpfte Verbesserungen, die bitteschön nicht niedergemacht gehören, weil unsereins dazu neigt, sich in der sozialen Hängematte auszuruhen! Und auch, daß hier Niemand hungert empfinde ich als ungefähr mindestens 100% positiv!

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    5. @fjonka:
      Nun, ich finde auch, dass der Vergleich mit Nord-Korea ein wenig hinkt.
      Aber, wer hat denn hier die Sozialversicherungen niedergemacht?
      Dass die sozialen Leistungen im Rahmen der Angenda 2010 im großen Stil abgebaut wurden ist aber wohl unbestritten...

      Gruß, Duderich

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    6. @fjonka:

      der vergleich mit Nord-Korea bezog sich weniger auf die tatsächlichen lebensverhältnisse, als auf die beeinflussung der eigenen bevölkerung. natürlich ist bei uns "denken immerhin möglich und erlaubt". allerdings beruht denken immer auf grundlegenden ansichten, die durch prägungen in kindheit und jugend maßgeblich geformt werden. außerdem auf wahren informationen.

      bei uns wird das denken aber bereits im vorschulalltag neoliberal gleichgeschaltet. und objektive informationen gibt es allenfalls im internet, wenn überhaupt. natürlich haben wir es nicht mit plumper zensur und verboten wie in Pjöngjang zu tun. die methoden sind viel subtiler und weniger offensichtlich. im ergebnis bleiben sie gleich: die masse hat gar kein gefühl mehr, für die tatsächliche situation. entstehung, verlauf und ergebnisse der subprime-krise in den USA incl. der beteiligten personen sprechen bände.

      und die sozialversicherungen? sind nichts als ein narkotikum. geeignet das volk ruhig zu halten:
      krankenversicherung?
      ein system hauptsächlich erdacht und geeignet um ärzten, pharma-industrie, versicherungslobby und apothekern ein ständig größeres stück vom sozialprodukt zukommen zu lassen. die tatsächliche versorgung der menschen wird dabei permanent schlechter (stichwort landärzte, zeitbudgets, transplantations-skandal etc.)
      rentenversicherung?
      trotz extrem gestiegener produktivität, wird unter dem vorwand der demographie das renteneintrittsalter erhöht, was nichts anderes ist, als ein euphemismus für rentenkürzung. wohlgemerkt bei erheblich gestiegener lebensleistung.
      arbeitslosenversicherung?
      wird gerade so hoch gehalten, dass menschen nicht, wie in Indien auf der straße verrecken. aber in jedem fall so niedrig, dass der druck zu menschenunwürdigen bedingungen arbeit anzunehmen ständig steigt.
      pflegeversicherung?
      siehe oben unter krankenversicherung.

      der skandal daran ist, dass all das passiert in einer zeit, in der soviel erwirtschaftet wird, wie nie zuvor. das kapital verdient sich buchstäblich dumm und dämlich, während der staat sich weiter verschuldet (muß er ja - wo sollten die unternehmer sonst ihre horrenden gewinne sicher anlegen?)

      wir haben ein sich zuspitzendes verteilungsproblem. es muß in die köpfe noch hinein, dass am erfolg von zb VW nicht nur ein vorstand Winterkorn seinen anteil hat, sondern auch der fließbandarbeiter, der bauarbeiter, der die straßen baut, der lehrer, der dessen kinder unterrichtet, der bauer, der die lebensmittel für alle produziert etc. etc..
      und alle die tragen zu GLEICHEN teilen zum erfolg des unternehmens bei. warum in gottes namen verdient Winterkorn also ca. 500 mal soviel wie die erzieherin seiner kinder im kindergarten? warum kann er sich nicht, wie noch vor 100 jahren üblich, mit dem 8-10 fachen begnügen?

      lg
      don

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    7. @duderich: "als hätte die herrschende elite aus der vergangenheit mehr gelernt, als die masse. sie bieten immerhin statt totaler verelendung sozialvericherung (ob immer die den namen verdienen, oder nicht)" hörte sich für mich so an.
      @Don: Sicher hast Du in vielem, was Du da so anführst recht. Mich ärgert derzeit zum Beispiel auch sehr, daß die EINNAHMEN den Unternehmern zugute kommen, die AUSGABEN, die Voraussetzungen für diese Einnahmen sind, aber mehr und mehr per Steuern -> Staatsausgaben auf Alle umgelegt werden. Neuestes Beispiel die Energieunternehmen und die Stromleitungs-Investitionen.
      Es ist ja auch zu Recht so, daß die Unzufriedenheit steigt und die Proteste zunehmen (siehe auch des Duderichs "gute Nachricht" ganz oben in den Kommentaren.
      Und doch geht es mir gegen den Strich, wenn ZU arg zugespitzt wird, wenn die Vergleiche (vielleicht aus lauter Frust?) dann aber doch zu weit gehen.
      Ich habe in der Schule durchaus auch noch zu argumentieren, zu diskutieren gelernt. Und gleichgeschaltet worden bin ich auch nicht, es sei denn, man unterstellt mir, zu doof zu sein, um das zu merken.
      Nichtsdestotrotz sehe ja auch ich, daß sehr viel sehr falsch läuft. MIR scheint, daß derzeit nicht mehr Verantwortungsgefühl die Leute motiviet, die Geld oder Macht haben, sondern bloß noch die Sicherung und der Ausbau eigener Vorteile. Das führt zu ganz üblen Entwicklungen, auch da bin ich Deiner Meinung. Lösungen habe auch nicht nicht parat.

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    8. @fjonka:
      Du schriebst: "Und auch Sozialversicherungen finde ich keineswegs des Teufels..." was ja irgendwie impliziert, als hätte dies jemand behauptet. Das Zitat von Don interpretiere ich nicht so, als hielte Don sie für etwas schlechtes (höchstens deren momentane Ausgestaltung - dieser Meinung bin ich insbesondere bei Hartz IV übrigens auch).

      Whatever: Beim Thema "Sozialversicherungen" hast Du Dich mit Don ja mittlerweile anscheinend weitgehend geeinigt.

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  7. nachtrag:

    habe eben den artikel bei le bohemien gelesen. besser könnte man die entwicklung bis zum heutigen tag wohl kaum beschreiben.

    passend dazu auch die beinahe reflexartige abwehrhaltung beim thema BGE von seiten der etablierten volksparteien. ein solches bedingungsloses ("wie schamlos!!") einkommen würde das system gewaltig unterminieren, weil es einen teil der existenzangst der menschen nähme und damit die erpressbarkeit verringern würde, jede form von arbeit zu jedem lohn anzunehmen.

    allerdings: es fehlt mir auch in diesem beitrag die behandlung der frage nach den alternativen. wie solls - verdammt noch mal - weitergehen?

    lg
    don

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    1. Hallo Don

      Nomma ische.

      Meiner einer ist zur heutigen Zeit unter den aktuellen Parametern auch gegen ein BGE. Weil man kann ein BGE so nutzen oder auch anders, ähnlich wie Hartz IV. Und ganz aktuell, Wirtschafts- und Finanzfeudalität ist mitnichten abgeschafft, wir man es so nutzen, wie es der Wirtschafts- und Finanzfeudalität dienen wird.

      Reflexartig war meine Ablehnung dagegen schon gar nicht. Hab mir das sehr lange und sehr gut angeschaut, unsagbar viele Konzepte durchgelesen, die sich - mehr oder weniger - eigentlich alle auf ihre Bezahlbarkeit konzentrieren, weniger auf die Möglichkeiten des Einsatzes.

      Meiner einer hält das BGE für eine Handlung, die das Pferd von der Kuppe her aufzäumen würde, seinen Parametern, die es ermöglichen würden, viel zu weit voraus. Für mich, in einer parlamentarischen Demokratie, mit Delegationsansage auf eine weit von den Menschen und ihren Problemen verlagerte Großreichregierung in Brüssel, überflutet und durchsetzt von den üblichen Verdächtigen, noch weiter entfernt vom Gedanken des Souveräns beim Volk ... undenkbar, brandgefährlich.

      Deswegen, so wurde es zumindest lange Zeit gehandelt (und wird es vermutlich immer noch), waren es ausgerechnet die neoliberalsten Köpfe, inkl. unserer guten alten FDP, die sich ein kurzfristigere Umsetzung vorstellen konnten und befürwortende Schriften dazu fanden. Alleine das würde mich an Deiner Stelle schon stutzig machen. Nicht immer wo Freiheit drauf steht, ist auch Freiheit drin. Die neoliberalen und die Diktatoren dieser Welt, die schreiben das nur überall drauf. Und leider, leider, reicht das häufig, um die Illusion zu erschaffen, dahinter, diesmal ganz bestimmt, dort warte die Freiheit.

      Machen wir das heute uns jetzt, wird die Wirtschaft, also unser Herr und Meister/unser Gott, den Tribut dafür einfordern. Wir hätten quasi das ganze Volk an die Wirtschaft verkauft, wie wir bis jetzt die Leistungsberechtigten verkauften und daraus ein Droh-Szenario erschufen und den Arbeitsmarkt und die Löhne völlig ruinierten. Im weitesten Sinne ruinieren wir gerade damit die ganze EU. Und die werden ihren Preis fordern, die Wirtschaftsherrscher, da bin ich mir absolut sicher.

      Mir wäre es lieber, wir übten erst einmal mit mehr Demokratie, mit mehr Selbstverantwortung (mitnichten meine ich damit die gepredigte Eigenverantwortung), tasten uns vor, zu einem erwachsenen, autarken Menschen. Das haben wir doch noch gar nicht angefangen. Und bevor wir das tun, könnte doch erst einmal ein Mindestlohn nicht schaden sowie die Abschaffung der Sanktionsgesetze der Agenda 2010. Vieles von diesen "Reformen" (eher Sozialabbau) würde ich erst einmal rückgängig machen. Haben wir das geschafft, uns dem sozialen und friedlichen Humanismus und damit vermehrt einer Work-Life-Balance genähert (und gehalten), dann direktere Demokratie, dann BGE. Mittlerweile dürfte dann auch die Technisierung mehr fortgeschritten sein, das auch das noch besser passt.

      Und das sind schon alles Alternativen bzw. Dinge, die in Alternativen letztlich münden, Alternativen erschaffen, wieder ermöglichen. Das passiert dann nicht mit einem Knall und auch nicht spektakulär. Es sind unglaublich viele sog. Kleinigkeiten, an denen es zu schraube gelte .. erst die Gesamtheit der vielen Puzzlestücke ergäbe wieder ein ganzes Bild ...

      Doch eigentlich müsste man für das spätere BGE darüber nachdenken, das ganze Schuld-Geld-System aushebeln ... Aber das führt mir hier zu weit ... weil für mich eindeutig noch zu weit entfernt. Wenn wir mir den m.E. zuerst zu erledigen Dingen nicht zurande kommen, sie nicht zustande bringe ... sehe ich beim BGE mehr als nur schwarz.

      Lieben Gruß
      Rosi

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  8. hallo Rosi,

    vielen Dank für deine erhellenden hinweise.

    ich denke wir sind uns sowohl in der einschätzung des jetzigen (untragbaren) zustands, als auch darin, wohin es in etwa gehen soll, ziemlich einig.

    die interessante frage ist für mich jetzt die, wie man den ist-zustand in den soll-zustand überführen könnte. du sprichst - richtigerweise - von vielen kleinen schrauben die gestellt werden müssen. mein eindruck ist, dass derzeit viel an schrauben gedreht wird - allein in die falsche richtung.

    ich denke auch, dass zur verwirklichung der freiheit der menschen nicht ein einfaches BGE ausreicht, sondern, dass dazu eine tiefgreifende änderung der mentalitäten und denkweisen nötig ist. und zwar dem aktuellen mainstream 180 grad entgegengesetzt. derzeit werden kinder und jugendliche von anfang an auf egoismus, hedonismus, konsumismus und wettbewerb getrimmt.
    also auf die sorte mensch, die nötig ist, das system immer weiter zu erhalten. wir sind uns offensichtlich einig, dass ohne mehr altruismus, humanismus und holistisches weltbild die entwicklung nicht umgekehrt werden kann. mein verweis auf linke radikale bezog sich daher auch weniger auf ihre vorstellungen einer letzten, erstrebenswerten zukunft, sondern mehr auf ihre strategien, die bestehenden machtstrukturen zu verändern.

    kurz: wenn man erkennt, dass ein demokratisches system wie unseres, in einer art und weise degeneriert ist, dass es zu immer größeren verwerfungen (bis zum endgültigen kollaps) führt, sollte man dann weiter an eine lösung innerhalb des systems glauben, oder ist widerstand geboten?
    und wie sollte dieser widerstand aussehen? passiv ala Gandhi? oder aktiv und evtl. sogar gewalttätig?
    ich nehme an, du stimmst mir zu, wenn ich behaupte, die herrschenden würden keine sekunde zögern, gewalt als mittel einzusetzen (wie sie es immer getan haben und auch heute tun).
    auch diese fragen sind wieder ernstgemeint und nicht rhetorisch.

    lg
    don

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    1. Hallo Don

      Sorry, hat etwas gedauert, bis ich wieder die Zeit fand, Dir adäquat zu antworten.

      Don, selten, dass ich mal jemand finde, der sich beim BGE ähnliche Gedanken macht, wie Du, über die die Bezahlbarkeit und die schöne Verpackung hinweg.

      Und in der Tat, wir sind uns einig, der Zustand ist krank, macht krank. Tragbar nur für jene, die sicher sehr darin wohlfühlen, die davon profitieren und das sind nicht einmal wirklich viele. Und völlig richtig, man dreht alle Schrauben in die falscher Richtung, das ist – auf die Historie und die Psychologie bezogen – ein jeweils zu seiner Zeit pathologischer Zustand. Deswegen schreibe ich häufig: die Menschheit rotiert auf ihrer eigenen Kreisbahn in ihrem Universum, welches sie für eine Gerade hält.

      Um Deine Fragen nach der Art des Widerstandes zu beantworten, hole ich mit Blabla ziemlich weit aus *grins*, streife ein wenig den Einwand von fjonka, doch ich hoffe, die Fäden finden nachher wieder in einem Bild zusammen:

      Wenn man sich die Geschichte anschaut, so drängt sich mir der Verdacht auf, je mehr man weiß, dass der Zustand unerträgtlich wird bzw. je deutlicher sich das abzeichnet, je öfter andere Menschen darauf hinweisen, desto schneller und fester dreht man an diesen Schrauben in die falsche Richtung. Als gäbe es auf der menschlichen Umlaufbahn irgendwo einen riesigen Masse-Einfluss, deren Schwerkraft für die Beschleunigung sorgt. (Irgendwie scheint alles den uns bekannten physischen Gesetzen zu gehorchen *grins*). Auf den Menschen bezogen ist es so, dass man sich selbst mit diesem entschlossenen «Weiter» versucht zu überzeugen, schon das "Richtige" zu tun. So als würde die Realität realer, wenn man sich den Irrweg eingesteht. Deswegen fällt eines Tages der Baum um resp. die Schraube aus dem Gewinde, sie wird immer überdreht.

      Wenn man sich mit Individuen beschäftigt, kann man diesen Eigensinn des Selbstbetruges häufig genug beobachten. Manchmal bei sich selbst und rund um sich herum: Ein klassisches Beispiel, wie unhaltbar krank machend der Zustand ist (das ist nur eine Variante) und wie die Individuen fleißig dabei helfen, die Schraube weiter zu drehen, anstatt früh genug die Bremse zu ziehen:
      http://www.youtube.com/watch?v=C13mjSVRdZk

      Würden alle die Bremse ziehen, was jedoch keiner kollektiv tut (und mir ist völlig klar, dann ist das wieder für jeden Einzelnen die Mauer, die er nicht sich zu überwinden traut), wäre das nicht möglich. Und man tröstet sich damit, wie der Exkurs von fjonka deutlich aufzeigt, dass an anderen Orten zu weit heftigeren Mitteln gegriffen wird, die Lebensumstände weit schlimmer sind. In der Zwischenzeit verändern sich die Umstände weiter in die bereits eingeschlagene Richtung und der Faktor „Frosch im heißen Wasser“ entfaltet seinen Effekt. Das verhindert eine tiefe, detaillierte kritische Auseinandersetzung, die in erster Linie dem Selbstschutz dient und suggeriert, dass ähnliche (nicht dieselben) Zustände hier niemals so weit kommen könnten (das Wasser gar nicht so heiß werden könnte). Knapp 70 Jahre zurück geblickt (und das ist ein Staubkorn auf der Entwicklung der menschlichen Kulturen), halte ich das für eine Fehleinschätzung. Nationalsozialismus war auch nicht dasselbe wie in Korea heute, doch man könnte formulieren, es glich sich und man dachte vorher ebenso nicht, dass es so weit kommen könnte. Mir ist kein Fall in der Geschichte bekannt (hab ich einen übersehen?), der eine anstrebende Diktatur auf ihrem Weg vorgreifend verhindert hätte. Kenne nur die Fälle, die im Nachhinein – mit riesigen Verlusten – dagegen kämpfen.

      ff.

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  9. Teil 2

    Dabei fokussiert man im Vergleich auf die Stärke der körperlichen Gewalt (die es zum betrachteten Zeitpunkt noch nicht hat), selbst wenn sich bei uns schon die Entwicklung generell gewandelt hat (dort drüben eben noch nicht). Hier ist das Mittel der Wahl bevorzugt das der psychosozialen Gewalt und man ergreift es als Ersatzmittel. Zumindest seit bekanntem Entwicklungsstand steht jedoch zu Beginn immer eine solche, die erst im weiteren Verlauf zur körperlichen wird. Gestattet man also die Ausbreitung von psychosozialer Gewalt, wird sie automatisch in ein körperliche münden die dann ihrerseits körperlich antwortet. Griechenland (aber auch Spanien/Portugal) ist ein anschauliches Beispiel. Dort hat man den Druck der psychosozialen Gewalt derart hart aufgelegt, dass es weitaus schneller direkt zu körperlichen Folgen kommt, die man mit den Maßnahmen der Troika verknüpfen kann.

    Körperlich, können wir Gewalt wesentlich einfacher als solche identifizieren, klassifizieren, wir empfinden sie als fassbarer, spürbarer. Je näher das Psychosoziale den körperlichen Folgen kommt, desto eher erkennen wir ihr Ziel. Je weiter entfernt, desto schwieriger wird das. Deswegen können die wenigsten Menschen z.B. mit «Passiven Aggressionen» umgehen, so sie ihnen entgegen schlägt. Man spürt zwar den aggressiven Akt, doch man findet wenig Mittel dagegen, doch es liegt ein gewaltiges Macht- und Manipulationspotential in der Passiven Aggression. (Das nur nebenbei ...)

    Hierzu:
    @Don: "mein verweis auf linke radikale bezog sich daher auch weniger auf ihre vorstellungen einer letzten, erstrebenswerten zukunft, sondern mehr auf ihre strategien, die bestehenden machtstrukturen zu verändern."

    Das Problem ist, wie es in diesen Realitätsblasen allgemein aussieht (dass wir solche mit uns herumschleppen*grins*). Aus den Strategien der sog. erstrebenswerten Zukunft rekrutieren sich die Strategien, die die bestehenden Machtstrukturen verändern. Meiner festen Überzeugung nach, kann man demzufolge an den Mitteln und Wegen die tatsächlich geplante Zukunft schon ableiten.

    Das ist keine Einbahnstraße. Eher so, als sei das Spiegelbild der Weg und das Subjekt vor dem Spiegel der eigene, wenngleich auch oft tief verborgene Gedanke an die Zukunft. Dass sich dabei derjenige, der in den Spiegel blickt, selbst oft nicht richtig erkennt – in diesem Fall seine tatsächlichen Beweggründe -, liegt an den Verzerrungen des Lichts (könnte man formulieren) *grins*.
    Am Rande: Je deutlicher sein Bild dem eigenen gleichen würde, desto heftiger wird das abgestritten. (Einer der vielen Gründe, warum sich die Schrauben so schnell in die m.E. falsche Richtung drehen, gegen Ende drehen müssen).

    Greift der Wegbereiter also zu den Mittel der Gewalt, strebt er nach einer Zukunft der Gewalt. Selbst dann, wenn er selbst vom Gegenteil überzeugt wäre. Wobei das nicht einmal nötig ist, denn die Gewalt lässt sich vom Menschen jederzeit schön reden, so spricht man halt von einer notwendigen, gerechten, besseren Gewalt.


    ff.

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    1. Teil 3
      @Don: „kurz: wenn man erkennt, dass ein demokratisches system wie unseres, in einer art und weise degeneriert ist, dass es zu immer größeren verwerfungen (bis zum endgültigen kollaps) führt, sollte man dann weiter an eine lösung innerhalb des systems glauben, oder ist widerstand geboten?“

      Widerstand ist m.E. dringend geboten und Glauben ist grundsätzlich nicht mein Ding. Wenn man innerhalb eines Systems lebt, kann man nicht einfach in ein anderes springen, weil wir kein anderes haben. Weiß gar nicht, wie ich das formulieren soll. Das kommt der Frage nahe: „Was macht man, wenn das Leben auf der Erde unerträglich wird?“. Tja, wir haben keinen anderen Planeten zur Verfügung (zumindest noch nicht). Also müssen wir schon Sorge dafür tragen, das Leben auf der Erde wieder erträglicher zu gestalten. Wir können nur aus dem System heraus das System selbst so verändern, auf dass es erträglicher wird. Und dann werden wir wieder einmal versuchen, es so zu gestalten, dass es sich nicht untergraben lässt. Die Chancen dafür, also dass man es nicht unterwandern wird, stehen nahezu unendlich gering. Doch wir kommen dabei immer einen Schritt vorwärts, wie mir scheint. Und ich hoffe, dass es bei dieser Tendenz bleibt. Egal, wie oft wir auch wieder zurückgehen, von den vielen Schritten bleibt einer übrig, der richtet sich nach vorne.

      @Don: „und wie sollte dieser widerstand aussehen? passiv ala Gandhi? oder aktiv und evtl. sogar gewalttätig?“
      Dass ich gegen den Einsatz von körperlicher Gewalt bin, das hab ich im vorangegangen Absatz sicherlich schon dargestellt.

      Widerstand ist generell niemals passiv, auch nicht der à la Ghandi, nur würde sein Weg hier nicht ganz passen (dort vermutlich auch nicht). Widerstand ist jedoch aktiv (das beinhaltet schon der Wortsinn), denn er ist ebenso ein psychosoziales Mittel und kommt der «Passiven Aggression» sehr nahe, richtet sich jedoch im Widerstand gegen den Aggressor. Vermutlich nennt man es deswegen auch «Passiver Widerstand», obwohl es aktiv ist. Seien es nun vermehrt solche Mittel:
      http://www.youtube.com/watch?v=9wptIeGj2f4
      oder die Abstrafung der ausführenden Verantwortlichen an der Wahlurne bzw. das, was man generell an Verweigerung dagegen setzen kann.

      ff.

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    2. Teil 4

      @Don: „ich nehme an, du stimmst mir zu, wenn ich behaupte, die herrschenden würden keine sekunde zögern, gewalt als mittel einzusetzen (wie sie es immer getan haben und auch heute tun). „

      Völlig richtig. Doch exakt dort würde ich den schwarzen Peter der ausgeübten körperlichen Gewalt auch belassen. Und es hat einen solchen; nicht immer ganz so offensichtlich, aber es ist so. Wäre es anders, so würde man nicht auf solche Ideen kommen, extra staatliche bezahlte und vermummte Provokateure unter die nicht gewaltbereiten Widerständler mischen, damit garantiert ist, dass aus dieser Gruppe auch die Steine fliegen und man das „Recht“ hatte, einzugreifen. Man möchte, dass der schwarze Peter auf von der Staatmacht weg, auf die Widerständler wandert. Denn der mit der offensichtlich offensiv und aggressiv ausgeübten Aggressorposition ist nachher derjenige, mit der Arxxxkarte. Denn dass ein körperlicher Angriff ein der hiesigen menschlichen Kultur nicht mehr angemessener aggressiver Akt ist, dass hat sich mittlerweile in den Gesellschaften gefestigt.

      Insoweit ist es für mich mehr als aus einem Grunde wichtig, ob der Widerstand mit körperlicher Gewalt geführt wird oder nicht. Soweit wie Ghandi würde ich jedoch nicht gehen, weil es einfach nicht hier her passt; ganz andere Mentalitäten.


      @Don: „auch diese fragen sind wieder ernstgemeint und nicht rhetorisch“.

      Davon gehe ich aus.

      Grüße
      Rosi

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