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Samstag, 6. Oktober 2012

'Shoppen' war gestern!

Abteilung: Der Duderich Undercover

Seine geistige Gesundheit auf's Spiel setzend, hat der Duderich sich als Fotoreporter in einen jüngst eröffneten Konsumtempel gewagt:

Ach so!
Motto:
"WIR SHOPPEN NICHT - WIR KAUFEN UNS GLÜCKLICH!"

Wohlauf Ihr Glück-Suchenden, Ihr seid endlich gestrandet!

Kauft euch glücklich und hadert nicht!

Nachfolgend noch ein paar Impressionen aus dem 'Glücks-Tempel'















Das Mekka der Glücksritter

Kommentare:

  1. Hallo Duderich

    Klasse Fotos und ein echtes Fundstück der Woche kann man formulieren ;-).

    Von der Marketing-Seite her betrachtet, ein höchst dämlicher Einfall; für jene, die eh schon nicht mehr shoppen konnten, (notwendige Dinge des Lebens besorgen nennt sich "Einkaufen", nicht shoppen, und das hat schon seinen Grund) obendrein noch zynisch.

    Mit dem Wort shoppen wurde doch längst , Spannung, Spaß, Spiel und Fun verbunden und mit Letzteren emotional Glück. Rational wissen wir jedoch, shoppen hat mit Glück nichts zu tun.

    Deswegen nimmt man ja einen anderen Begriff, ein Trägerwort, weil alle wissen, dass man sich "Glück nicht kaufen kann"; egal, in welcher Preisklasse.

    Das vorausgesetzt, dürfte der Spruch nach hinten losgehen. Beraubt er das Trägerwort des kurzfristigen Endorphinschubs mit Katereigenschaften.

    Man hätte auch schreiben können:

    "Shoppen macht nicht glücklich, denn Glück kann man nicht kaufen. Aber die, die nichts haben, sollen draußen bleiben"!!!

    Denn völlig irrelevant ist, was für Worte dort stehen, wichtig ist, was Mensch damit verbindet.

    Wenn man es derart plump noch einmal versucht, gehe ich davon aus, man hat sich längst der Verzweiflung genähert. Da helfen weder Jubelmitteilungen in der Presse oder sonst irgend etwas. Der Binnenmarkt ächzt und stöhnt, kündet regelmässig der Binnenmarkt. Zynisch ausgedrückt:

    "Dieses Land wünscht sich gar nicht mehr glücklich zu sein".

    Lieben Gruss
    Rosi



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    1. Hallo Rosi,

      ist wohl der letzte 'große Sieg' des Systems in unseren Köpfen zu implantieren, dass das Einkaufen kein notwendiges Übel ist um Güter und Waren zu erhalten, sondern einen (Genuss-)Wert an sich darstellt.

      Wobei die Unterscheidung zwischen kaufen und shoppen sehr wichtig ist: Das kaufen (von Lebensmitteln) wird immer schwieriger, weil Lebensmittelläden aus der Innenstadt verbannt wurden/werden. Andererseits kann ich aber kaum ein Stein über die Schulter werfen, ohne einen Handy- oder Bubble-Tee-Laden die Scheibe einzuschmeissen.

      In dem fotographierten Shopping-Center kann man in all der riesigen Verkaufsfläche keine Lebensmittel (außer fertiges 'Fingerfood') erwerben. Stattdessen reiht sich ein hipper Modeshop an den anderen.

      Was mich verwundert, ist, dass es, auch entgegen Deiner Einschätzung, immer noch verfängt. Die Menschen strömen in Scharen in diesen Konsumtempel. Wirken nicht glücklich, scheinen aber tatsächlich dem "Shoppen" innerhalb hektischer Menschenmassen etwas abgewinnen zu können.

      Bin gerade mal auf deren Seite gegangen. Dort werben sie mit dem Slogan
      "Wir shoppen nicht - wir kaufrauschen"
      http://www.forum-mittelrhein.com/home/

      Auch nicht übel, oder?

      Lieber Gruß
      vom verzweifeltem Duderich

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    2. Hallo Duderich

      Brauchst nicht zu verzweifeln ;-) ... sind ja auch nicht wirklich meine Einschätzungen, zumindest nicht alleine, sondern der Handel zweifelt an sich selbst.

      Natürlich schwärmen die Leute dort hinein, viele tun das. Nur die meisten davon kaufen nichts, vom schnellen Futter auf der Hand abgesehen oder sich irgendwo hin setzen Kaffee trinken, Eis essen und schauen. In der Mittagszeit kommen viele aus der Umgebung, um dort ihre Pause zu verbringen. «Lädele» nennt der Schweizer das gemeinhin, gekauft wird eigentlich dabei nichts.

      Diese "Tempel" haben ein Dach, es ist gewärmt, schon hell, es gibt eine Menge anzuschauen. Man trifft sich dort, lässt sich unterhalten, hält sich dort auf. Hab jetzt keine Lust, neu zu recherchieren, doch ich gehe davon aus, die Verkaufszahlen schwinden immer noch, auch in Deutschland.

      Man darf dabei nicht vergessen, solche Tempel sind in erster Linie ein Immobiliengeschäft. Um «Shopper» geht es eigentlich gar nicht, die wären zwar nützlich, betreffen doch nur jene, die nachher auf dem Deal sitzen bleiben.

      Das sind riesige Gesellschaften, die bauen, meistens wieder andere, die vermieten. Achte mal darauf, wenn sie nicht mehr ganz so neu sind diese "Paläste", dann verschwinden die ersten Läden wieder, der Leerstand ist in der Regel enorm hoch.

      Die, die damit das Erstgeschäft gemacht haben, sind längst weiter gezogen; die, die sich durch die Mieten versuchen reich zu machen, können sich nicht immer langfristig halten, häufig wird so ein "Investitionsobjekt" durchgereicht und durchgereicht ... .

      Grosse Filialketten, die dort ihre Zelte aufschlagen, halten sich relativ lange, es gibt immer diese Dauerbrenner. Von der Gastronomie abgesehen ... schau einfach mal, wie lange sich die kleinen Läden halten ... wie hoch die Fluktuation generell ist (auch bei den Größeren) ... die Mietschulden ... die bleiben ... Du verstehst ... :).

      Lieben Gruss
      Rosi

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  2. Wunderbare Fotos und ein Slogan, der es auf den Punkt bringt.
    Auf der Suche nach dem Glück, durch Shoppen das Glück finden.
    Der schöne Schein bestimmt, wieder einmal. Nach außen hin ist alles gut. Und wie sieht es innen aus?

    Beste Grüße
    onlyme

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    1. Gerade vor der Sicht nach Innen soll ja abgelenkt werden, da das Shoppen ja die Kompensation der eigenen Leere ist.
      Selbst aus der Sinnlosigkeit des Konsumismus wird noch Kapital geschlagen.
      Ebenso perfide wie genial.

      Grüße, Duderich

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    2. Hallo Duderich,

      das ist doch auch das Ziel, Kaufen ist Ersatzbefriedigung, also im Sinne von Shoppen gemeint, nicht das Kaufen lebensnotwendiger Artikel des täglichen Bedarfs.
      Man macht daraus ein Event, das hautpsächliche Ziel der großen Malls. Da kommt halt mal ein Vitali Klitschko und gibt Autogramme, das ist es wert. Holt man doch so die Menschen vor Ort und erhofft sich einen erfolgreichen Zugriff auf deren Geldbeutel.
      Und es funktioniert. Mein Sohn arbeitet neben dem Studium in so einem Einkaufszentrum. Da war heute verkaufsoffener Sonntag, sein Kommentar: "Voller als an einem Werktag."
      Dabei hatten wir wunderbares Herbstwetter, und ich hätte den Tag nicht für alles Geld der Welt unter künstlichem Licht zwischen lauter "Verrückten" verbringen wollen.

      Beste Grüße
      onlyme

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  3. Oh yes, übernächstes Jahr wird auch in meiner bescheidenen Heimatstadt so ein Tempel eröffnen. 120 Shops auf tausenden Quadratmetern. Dann wird der arbeitsfreie Sonntag für den Einzelhandel kaum noch zu halten sein.
    Als ich vor einiger Zeit mal zu einer Bekannten meinte, die von ihr so geliebten Einkaufssontage hielte ich für überflüssig, man hätte doch schon sechs Tage pro Woche zum Einkaufen, außerdem sei das für die Mitarbeiter sicher kein Spaß, meinte die nur: Pff, mir doch egal, ich will shoppen! Lemminge...

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  4. "Wir kaufen uns glücklich"? Oh je, da wird wirklich Volksverdummung im großen Stil betrieben. Das vermeintliche "Glück", das manchem beim Kaufen befallen mag, hält auf jeden Fall nicht lange vor, sondern deckt nur kurzzeitig die innere Leere zu. Mir wird in diesen "Konsumtempeln" eher schlecht - viel zu viele Leute, alles bunt und grell und anstrengend und überall wird man von Kaufpropaganda angeplärrt. Und in der Regel kriegt man ja auch nur Sachen von Firmen zu kaufen, die man moralisch eh nicht unterstützen kann.

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  5. Wenn shoppen nicht mehr ist, worüber soll ich denn dann meckern?

    @ Rosi: Bei uns gibt es auch so ein Ding, eigentlich zwei. Und in beiden wird tatsächlich gekauft, was das Zeug hält. Klar gibt es die Flanierer, die ein bisschen durch die Shops tingeln und dann an einer hippen Tränke einen Latte oder Prosecco nehmen. Aber viele, viele laufen da mit ganzen Säcken von Zeug raus. Dass viele Läden wegen der exorbitanten Mieten dort trotzdem nicht auf ihre Kosten kommen, sieht man an der Fluktuation.

    Ich kann nicht nachvollziehen, warum man da freiwillig hingeht. Gut, unser angestammtes Schuhgeschäft ist in die Meile gezogen, deshalb bin ich dort immer mal. Aber immer nur direkt in den Laden und möglichst schnell wieder raus. Zum Flanieren ist es dort zu eng und zu voll. Als Freizeitbeschäftigung wäre das nichts für mich.

    Und glücklich kaufen tut der technikaffine Bürger sich doch sowieso schon seit Jahren im Internet: Amazon und eBay decken doch locker 75% dessen ab, was man außer frischen Lebensmitteln so braucht. Dann noch Globetrotter und Qiero für Kleidung und Schuhe, dann muss man das Haus gar nicht mehr verlassen...

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    1. @gnaddrig

      "Dass viele Läden wegen der exorbitanten Mieten dort trotzdem nicht auf ihre Kosten kommen, sieht man an der Fluktuation."

      Exakt darauf wollte ich hinaus. Es mag dem Betrachter immer noch so vorkommen, als sei die Hauptklientel jene, die fast palettenweise dort Waren heraus schleppt. Wenn man jedoch einfach einmal stehen bleibt und die Menschen mit Ballast und jene ohne vergleicht ... einfach mal am Ausgang stehen bleiben und für einige Zeit schauen.

      Und natürlich sind darunter auch solche, die trotz der mittlerweile verödenden Städte, ganz wie Sie selbst, irgendwie vll. mal ein paar neue Schuhe benötigen und darunter dann halt ein Mensch ist, mit einem Karton, vll. einmal im Jahr.

      Denn was sind viele? Die meisten oder doch eher die Ausnahme? Denn - soweit ich das im Blick habe - ist der wie ein Lastesel bepackte Kunde eher eine aussterbende Spezies; klar, sicherlich auch wegen des Internets.

      Doch wie geschrieben, den Investoren, die die Tempel bauen und verklitschen ... Stockwerkseigentum für Stockwerkseigentum, die tangiert das doch nicht.

      Vermutlich bleibt am Ende eh nur noch das Internet .. wer weiß das schon ... Für mich sind es sterbende Riesen. Sie sterben langsam und die letzten Investoren wissen das noch nicht ... aber sterben, das werden sie ... und was sie dabei alles mitreißen ...

      Glücklich kaufen ... ach ich denke, bis auf die paar Jungen, die sich das noch leisten können und die noch nicht in dem Alter sind, zurückzublicken und sich die Frage nach dem Sinn des bisherigen Lebens zu stellen, die kann man irgendwie außen vor lassen ... kommt noch, Erfahrung macht klug. Bei den meisten Menschen hat sich das längst herumgesprochen ... Weiß der Geier, wie alt der Spruch ist: "Geld allein macht nicht glücklich".

      Paar Träumer gibt es immer ... lange hält das nicht vor, sagt mir die Lebenserfahrung. Gut, ganz seltene Exemplare sind unbelehrbar, also bis es so kurz davor ist, dass sich der Deckel für immer schließt ...

      Die Welt ist so irre ... mach Dir keine Sorgen, Du wirst auch noch anderes zum Meckern finden, da bin ich mir gaaaaanz sischer ;-).

      Gruss
      Rosi

      PS: Der Text gefällt mir *grins*

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    2. @Rosi: Danke! Und zum Meckern finde ich eigentlich immer was, das stimmt. Da mache ich mir nicht wirklich Sorgen drum :)

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