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Samstag, 10. November 2012

Merkel ist empört!

Abteilung: 'Haltet den Dieb Bestohlenen!'

Unserer sachlichen Kanzlerin, der Technokratin, der Pragmatikerin, der kühlen Strategin ... kann aber echt auch mal die Hutschnur platzen!
Sie ist empört!
Hat sie etwa Hessel gelesen?
Nein, wohl eher nicht...

Empört sie sich darüber, dass Wenige, immer reicher werdende Privilegierte, auf Kosten von Vielen leben, deren Lebensstandard immer niedriger wird  - ja existenziell bedroht wird?
Weit gefehlt!
Sie empört sich über das griechische Volk.
Deren Generalstreik, bei denen Zehntausende gegen die europäische Verarmungsdiktatur aufbegehren, stößt bei Merkel auf wenig Verständnis:
»Es ist nicht in Ordnung, daß ich jedes Mal einen Streik mache, wenn eine Privatisierung erfolgen soll; es ist nicht in Ordnung, daß ein Eisenbahnsystem über die Fahrkartenpreise nicht mal soviel einbringt, daß man davon die Beschäftigten bezahlen kann; es ist nicht in Ordnung, wenn man ein Steuersystem hat, aber keine Steuern zahlt.« (Quelle: Junge Welt)
'In Ordnung' ist also immer größere Armut. In Ordnung ist, dass Griechen nur gegen Vorauszahlung medizinisch behandelt werden. Die Existenznot und der Hunger ist in Ordnung.
NICHT in Ordnung, ist nach Merkel, wenn Bürger dagegen protestieren, dass öffentliches Eigentum (steuer-finanziert und daher volkswirtschaftliches Allgemeingut) zu Dumping-Preisen verscherbelt werden soll und wird - was in Zukunft weitere Einnahmeausfälle oder höhere Kosten des Staates verursachen - und damit die Rezession  weiter verstärken wird.
NICHT in Ordnung ist, dass das Volk auf die Straßen geht, um gegen soziale Kürzungen zu demonstrieren, die das griechische Volk auf das elementarste bedrohen, während Milliarden zur Rettung von Banken und Gläubigerinteressen verschoben werden.
Es ist NICHT in Ordnung, wenn öffentliche Bedürfnisse (hier: Mobilität) nicht nach marktwirtschaftlicher Doktrin gewährleistet wird.
Welcher Kinderspielplatz trägt sich wirtschaftlich eigentlich selbst???
Alle dichtmachen, deswegen?


Und dann dieser unsägliche Satz: "... es ist nicht in Ordnung, wenn man ein Steuersystem hat, aber keine Steuern zahlt."
Hallo? Der Staat (Griechenland) hat ein Steuersystem. Er zahlt keine Steuern, sondern die Bürger!
Diese zahlen ihre Steuern; bis auf die Wohlhabenden, die ihre Steuern bspw. über die Schweiz am Fiskus vorbeilenken. DIESE Sozialschmarotzer gibt es aber auch genauso in Deutschland!

Die Regierung Deutschlands hat keine wahrnehmbar größeren Ambitionen diesem Sozialschmarotzertum habhaft zu werden.
'Steuerflüchtlinge' werden sie euphemistisch genannt. Es sind keine 'Flüchtlinge', es sind Verbrecher(!), die am Staat partizipieren aber deren Kosten nicht tragen wollen. Menschen die auf Kosten der Gesellschaft reich wurden und sind. Unmoralische Verbrecher, die auf Kosten der Gesellschaft ihren Reichtum immer weiter vergrößern, aber nicht bereit sind, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.
Diese Vermögenden will Merkel in Griechenland genausowenig zur Kasse bitten wie in Deutschland. Hierzulande besitzen 0,6 Prozent der Bevölkerung zusammen zwei Billionen Euro. Das entspricht fast der Höhe der gesamten deutschen Staatsschulden. Und dieses Vermögen wird faktisch nicht besteuert. (...) Das System besteht gerade darin, daß die Vermögenden keine Steuern zahlen. Vor der großen Finanzkrise gab es in Deutschland 720000 Vermögensmillionäre. Jetzt gibt es 960000. Die Reallöhne sind in dieser Zeit dramatisch gekürzt worden, die Renten stagnieren. Das heißt, das gesamtgesellschaftliche Vermögen, das zudem auch noch ständig wächst, wird umverteilt zugunsten dieser 0,6 Prozent. (Quelle: Junge Welt)
Einmal mehr äußert sich der Wirtschaftsfaschismus unserer Kanzlerin in ihren Aussagen.
Und in der 'Opposition' (sic!) haben wir einen millionenschweren 'sozialdemokratischen' (haha!) Kanzlerkandidaten, der unbelehrbar zu der 'Agenda 2010' (inklusive deren sozialen Verwerfungen) steht.
Einen Steinbrück, der brav mit dem Chor singt, wobei eventuelle Misstöne nicht sozialen Ambitionen geschuldet sind, sondern, wenn überhaupt, parteitaktischer Strategien.

Soviel zur hochgelobten 'parlamentarischen Demokratie'; die ja den Willen der Mehrheit abbilden soll...




Kommentare:

  1. Die etwas linkisch wirkende Formulierung wurde wahrscheinlich bewusst gewählt, um in der Sprache des Durchschnittmichels von ebendiesem gehört zu werden...?

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    1. Welche 'linkisch wirkende Formulierung' meinst Du denn?

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    2. Diese hier von Merkel:
      »Es ist nicht in Ordnung, daß ich jedes Mal einen Streik mache, wenn eine Privatisierung erfolgen soll; es ist nicht in Ordnung, daß ein Eisenbahnsystem über die Fahrkartenpreise nicht mal soviel einbringt, daß man davon die Beschäftigten bezahlen kann; es ist nicht in Ordnung, wenn man ein Steuersystem hat, aber keine Steuern zahlt.«

      Ähnlich tönte es schon von der Kanzlerin:
      "Es geht nicht nur darum, dass wir keine Schulden machen, sondern dann geht's auch darum, dass in Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und anderen man nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern sich alle gleich anstrengen"
      http://www.heise.de/tp/artikel/34/34777/1.html

      Dieser Duktus ist meines Erachtens bemüht "volksnah"...

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    3. Puh, ich dachte schon, ICH hätte etwas linkisch formuliert.
      Dabei war es nur die Kanzlerin. ;-)

      Merkel wird übrigens nie als volksnah durchgehen. Ebenso wenig wie Steinbrück.

      Gruß, Dude

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    4. Ganz bestimmt nicht volksnah, nicht mal gewollt, denke ich. Das ist allenfalls Stammtischniveau (und zeigt,für wie dämlich sie ihr Wahlvolk hält). Nicht nur, dass sie in meinen Ohren/Augen betont nationalistische Töne angeschlägt und sich dikatatorisch aufführt, sie vereinfacht auch nicht "nur" grob,sondern verdreht die Tatsachen. Kurz gesagt: Sie lügt. Ich Kann sie nicht mehr hören und sehen!
      Aber ihre Aussagen und Reden sind bestens für Analysen geeignet.
      Einst werden sie bestimmt genauso bezeichnend für den Niedergang der politischen Sprache und Kultur sein wie die Reden früherer diktatorischer Politiker.

      Grüße, Cora

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  2. @Cora:
    In den Geschichtsbüchern (außer, sie sind vom Bertelsmann-Konzern verlegt) wird Merkel nicht gut wegkommen, da bin ich sicher.
    Die Frage ist, was danach kommt?

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    1. Nach Merkel? Höchstwahrscheinlich wieder Merkel:(
      Und damit auch eine "Bertelsmann-Geschichtsschreibung". Wahrscheinlich so lange, bis alles krachen geht. Irgendwann wird das wohl passieren, aber ich glaube nicht, dass ich das noch erlebe.
      Mir scheint, Geschichte ist zum (um)interpretieren gedacht, nicht, um daraus zu lernen.

      Cora

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  3. Mir stösst der mangelnde Respekt der Tante Merkel übel auf. Sowohl vor dem griechischen Volk als auch der Demokratie an sich.
    Darüber hinaus zeigt eine solche Äusserung einen gewissen imperalistischen Geist. Merkel hat gefälligst die geäusserte Meinung zu respektieren, schon gar in einem anderen Land.

    Wobei die armen Griechen ja schon in einer bedauernswerten Situation sind: Sie haben Samaras gewählt - den interessieren seine Wahlversprechen nun aber nicht mehr. Das Leid der representativen Demokratie wird dort sehr deutlich sichtbar, oder?
    War es nicht Rousseau, der sie "Diktatur auf Zeit" nannte?

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  4. Merkel hat doch Recht! Es ist nicht in Ordnung, ein Steuersystem zu haben, und keiner zahlt Steuern; sie meint ja damit die Hauptnutznießer, oder?
    Selbst Warren Buffet sagt, es sei nicht in Ordnung, dass seine Sekretärin mehr Steuern zahle als er selbst.
    Und weil es nicht in Ordnung ist, das zu Reiche zu wenig Steuern zahlen, wird Mutti gleich morgen anfangen, das zu ändern!

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  5. mit Sicherheit wäre eines in Ordnung:
    die an nen Laternenpfahl aufzubaumeln

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