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Montag, 3. Dezember 2012

Meine Positionierung zur Grundsatzdiskussion: 'Kapitalismuskritik und Verzicht'

Abteilung: Die Kritiker der Kritiker

Habe mir schon gedacht, dass das Thema Kontroversen auslöst und war nicht wirklich überrascht, dass die Kommentare nicht gänzlich emotionsfrei (ist dieser Post wohl auch nicht) blieben. Mir persönlich ging es im Kern um die grundsätzliche Frage in wie fern sich ein 'authentischer' Linker im Verzicht üben muss. Eine Vielzahl der Kommentare setzte sich aber mit der Seite 'ad sinistram' auseinander, was ich aber wohl selbst zu verantworten habe...

Der Verlauf der Diskussion empfinde ich als symptomatisch für die Gräben, die sich durch das 'linke-oppositionelle' Lager ziehen. Für mich ein Indiz dafür, dass die neoliberale Propaganda verfängt (ich nannte ja bereits 'Porsche-Ernst' und 'Hummer-Sarah' als Beispiel). Wenn man dieses Mantra dann aber als Linker folgen würde, würde man die Askese-Erwartungen bei nicht Wenigen nie erreichen können.
Überspitzt formuliert: "Der Jute-Sack, den der da trägt, hat er den denn wenigsten selbst gewebt oder etwa gekauft? Gekauft? Unterstützt also das kapitalistische System, obwohl er dagegen anredet/-schreibt. Soso..."
Wenn irgendeine Person politisch unbequem wird, dann wird man bei JEDER etwas finden, welches von der Auseinandersetzung mit den INHALTEN ablenkt. Ich verlange auch von Lafo nicht, dass er in eine Bretter-Bude einzieht, um glaubhaft linke Inhalte zu vertreten.
Und umso unbequemer Jemand ist, umso genauer sucht man.
Fast ein Adelsschlag für einen linken Oppositionellen, wenn es nicht so traurig wäre.

Aber so lange es verfängt, und sich das linke Lager gegenseitig zerfleischt, solange wird diese erfolgreiche Strategie von Springer und Co. beibehalten werden. Friede Springer würde sich in's Fäustchen lachen, hätte sie die Diskussion gelesen. Ihr >Linken<, die Ihr so asketisch und ehrenwert seid, fragt Euch mal, wem genau ihr mit Eurer Kritik schadet. Und wo ihr gerade dabei seid, fragt Euch mal, wem genau ihr mit Eurer Kritik nützt.

Also, wer da den ersten Stein wirft, der sollte zuvor erstmal sein Glashaus ausmisten!

Und übrigens: Anonym ist KEIN cooler Nickname, sondern einfach nur phantasielose Faulheit/Feigheit?, die es verhindert, verschiedene Kommentare einem entsprechenden Verfasser zuzuordnen. Deshalb werde ich diese zukünftig kommentarlos löschen, da sie sich einer fairen Diskussionskultur entsagen.


Kommentare:

  1. Hey Duderich, stell endlich auch mal dein Wecker richtig ein..das ""NERVT""...;-)
    Ansonsten war es doch eine recht erfrischende Diskussion, zugegeben, wenn auch etwas zerfleischend.
    Auch das erinnert mich an Diskussionen, die ich in ganz jungen Jahren in der Apo-Zeit miterleben durfte.

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    1. Hey PV!

      Sag mir wie, und ich mache es sofort. Mich nervt es nämlich auch. Übrigens: Meine Systemzeit ist MEZ, daran liegt es nicht.

      Grüße, Duderich

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    2. Ich vergaß den Gruß, aber Du nimmst mir das sicherlich nicht übel...;-)
      Ja was weiß ich denn wie deine Homepage funktioniert?
      Wenn Du es nicht weißt, dann frag halt einen der sich damit auskennt.
      Ganz nach dem Motto: "Hier werden sie geholfen...lach...;-)))

      Hast Du alle Einträge zu deinem Lapuente Thread gelesen?

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    3. @Publikviewer:
      "Hast Du alle Einträge zu deinem Lapuente Thread gelesen?"
      Wie meinen?
      Wiesoweshalbwarum?

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  2. Na, weil dort auch zwischendrin welche waren, die sich sehr intensiv mit dem vorgegebenen Thema auseinander gesetzt haben...Darum...mein Freund...:-)

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    1. Nun, intensiv haben sich wohl auch 'Andersdenkende' mit dem Thema auseinandergesetzt.

      Die, die eine ähnliche Position wie ich einnahmen, blieben selbstverständlich von mir auch nicht ungelesen. Rosi sei da als Beispiel genannt.

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    2. Ich hatte sie vorger noch nirgens gelesen.
      Ihre Beiträge haben mich zum Nachdenken gebracht.

      Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos...Loriot...;-)

      Lieben Gruß nochmal

      Der Viewer

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    3. @Publicviewer:
      Rosi, Don, ja auch Du.
      Ihr seid es, die diese Seite überhaupt lesenswert machen! :-)

      Den Loriot-Spruch kannte ich übrigens. Ich finde ihn auch genial, obwohl ich ein sinnloses, mopsloses Dasein friste. ;-)

      Man liest sich.

      Gruß Duderich

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  3. Hallo Dude

    es gibt auch Leute, die keine ID haben (bzw. die durch Firmen-Policy daran gehindert sind, ihre ID zu nutzen) und darum anonym unterwegs sind.
    Kann ich eben nicht mehr bei Dir kommentieren.

    Gruss vom Lautenist

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    1. Es geht natürlich auch in Ordnung wenn man am Ende seinen Nick nennt!
      Gruß, Duderich

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    2. Hallo Lautenist
      hallo Duderich

      Stimmt, mache das auch so, einfach einen netten Gruss darunter setzen. So bin ich bis jetzt einer Anonym-Schimpfung entgangen ;). Drunter oder drüber, scheint völlig einerlei :).

      Duderich, gehe davon aus, dass Deine Zeit für diesen Blog bei Deinem Provider eingestellt wird und unabhängig von Deiner Kiste agiert (weil dort Deine Zeit korrekt ist), agieren muss, weil Kommentatoren ja nicht auf Deiner Kiste sitzen. Weiß nicht genau, wie man einen Blog einrichtet, doch ich denke, irgendwo sind dort Ländereinstellungen etc. pp. Blog-spezifische Einstellungen halt. Ansonsten wird es doch eine Hilfedatei für dieses Blogsystem geben. Oft ein Forum, wo man die häufigen Fragen direkt nachlesen kann ...

      Lieben Gruss
      Rosi

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  4. @Publicviewer:
    @Rosi:
    YEAH! Geschafft! :-))))

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    1. Ja SUPER ... HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

      und dies ist ein Test

      Gruss
      Rosi

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  5. "...und sich das linke Lager gegenseitig zerfleischt, solange wird diese erfolgreiche Strategie von Springer und Co. beibehalten werden..."

    Das sehe ich auch so. Die Linken werden ihrem Cliché immer wieder vollauf gerecht. Ich habe beim Spiegelfechter eben zum x-ten Mal ein Zusammenraufen und die Ausarbeitung eines gemeinsamen Konzeptes linksliberaler Blogger vorgeschlagen...
    Wenn nich DIE, wer den sonst?

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    1. Ja, Sie haben Recht.

      Doch man stößt rund herum überwiegend und möglicherweise ausgerechnet dort, auf völlig taube Ohren, wie mir scheint. Nur die Partei selbst, die scheint ein wenig hellhöriger geworden zu sein (zumindest ein paar Repräsentanten). Doch der Eindruck kann täuschen und nachhaltig muss es auch nicht sein, da lasse ich mich überraschen.

      Gruss
      Rosi

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  6. Hallo zusammen!

    In letzter Zeit habe ich als „Ano12“ einige Kommentare bei „Flatterwatch“ geschrieben.

    Zunächst sorry, dass ich diesen Beitrag bereits irrtümlich im anderen Therad gepostet habe und daher wiederhole.

    Vielleicht ist dieser Beitrag ungewohnt „linkskritisch“. Aber ich glaube sowieso nicht an eine „linke Community“. Die gab es nicht, schon vor über 150 Jahren gab es die verschiedensten sozialistischen Strömungen, die sich keineswegs nur in Freundschaft und Solidarität gegenüberstanden, sondern es gab progressive und reaktionäre Strömungen, die sich auch entsprechend bekämpften. Vgl.
    http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_III

    Die Einheit der SPD zerbrach während des Ersten Weltkrieges zunächst an der Frage der Unterstützung des imperialistischen Krieges, später sah die SPD-Führung in den Kommunisten ihre Todfeinde. So geschah auch die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit Billigung der SPD-Führung unter Friedrich Ebert.

    Die Gleichung
    „links“ = gesellschaftlich fortschrittlich
    gilt schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich traf sie niemals zu.

    Ich finde, es wäre interessant, das Thema „Kapitalismuskritik und Verzicht“ mit „Kapitalismuskritik und Karriere“ zu ergänzen.

    Was ist denn beispielsweise aus den ehemaligen marxistischen Juso-Bundesvorsitzenden geworden?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Jusos-Bundesvorsitzender

    Angefangen mit Karsten Voigt (1969 -1972), über Wolfgang Roth (1972 – 1974), Heidemarie Wieczorek-Zeul (1974 – 1977), Klaus Uwe Benneter (1977), Gerd Schröder (1978 bis 1980) ….?

    Das waren doch die „ganz Roten“, die „Linksaußen der SPD“.
    Gerd Schröder gehörte sogar seit Anfang der 70-er Jahre zu den Göttinger „Antirevisionisten“, den schärfsten Kritikern des kapitalistischen Systems in der SPD, die sich mit ihrer Kritik revisionistischer sozialistischer Theorie und Politik auf Karl Marx und Rosa Luxemburg bezogen.

    Die genannten Juso-Bundesvorsitzenden waren doch in der damaligen Zeit die großen „Linksblinker“ in der SPD, welche der SPD ein linkes Image und damit viele Wählerstimmen verschafften, während der SPD-Kurs von den Parteirechten, den „Seeheimern“, bestimmt wurde. Vgl.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Seeheimer_Kreis"

    Das Gemeinsame an diesen „Linksaußen der SPD“ ist, dass sie alle große Karriere machten, sie alle wurden „rechts und reich“.

    Nun kann man sich im Vergleich dazu die Karrieren von Politikern der „Grünen“ anschauen, z. B. Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, Jürgen Trittin etc.

    Und auch die großen „Linksblinker“ der Linkspartei - wie Lafontaine, Gysi, Wagenknecht etc. - haben als BerufspolitikerInnen für sich selbst hohe Einkommen aus politischen Posten generiert und sind selbst schon längst in die Schicht der Vermögensmillionäre aufgestiegen.

    Aus der Retrospektive könnte man sagen, dass am Beispiel der genannten Personen aufgezeigt werden kann, dass deren Kapitalismuskritik ein erfolgreiches Mittel ihres sozialen Aufstiegs und wirtschaftlichen Erfolges war.

    Linke Parteien benötigen solche Linkspopulisten, um die Stimmen von den mit dem System unzufriedenen Menschen einzufangen, um diese Menschen ans herrschende politische System anzubinden und so politisch zu pazifizieren.

    Der Erhalt des sozialen Friedens ist eine wichtige Funktion von linken Parteien.

    Das kritisiere ich auch nicht, sondern halte dies für politisch notwendig. Denn das jakobinische und leninistische Revolutionsmodell sind längst historisch obsolet geworden. Ein „Klassenkampf“ dieser Art macht sich nur zum Helfershelfer der herrschenden Geld-Oligarchie.

    Wer glaubt, mittels linken Parteien in einer repräsentativen Demokratie zu einer Systemveränderung zu kommen, ist ein realitätsferner Illusionist bzw. Ignorant. Robert Michels hat bereits vor 100 Jahren aufgezeigt, warum dies aus soziologischer Sicht nicht möglich ist.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ehernes_Gesetz_der_Oligarchie

    --> weiter

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  7. --> Teil 2

    Überhaupt bedarf die etablierte linke Parteienpolitik, in deren Mittelpunkt Umverteilungsforderungen stehen, einer kritischen Analyse und Reflexion.

    Denn wohin führt diese Politik?

    Der Soziologe, Prof. Dr. Hartmut Rosa, meint dazu :
    http://www.gegenblende.de/18-2012/++co++4e7c6fe2-38a8-11e2-aecc-52540066f352

    „Ich möchte hier die These vertreten, dass die unheilvolle Konzentration der politischen Linken auf die Frage der Verteilungsgerechtigkeit niemandem anderen als dem neoliberalen Gegner in die Hände spielt und das unheilvolle Spiralsystem, welches jener betreibt, in Gang hält..“

    Die linksliberale Linke, bei der Verteilungsgerechtigkeit und Umverteilung durch Steuerpolitik im Zentrum steht, macht sich zum Helfershelfer der Neoliberalen – so diese These.

    Nach Rosa unterliegt diese Politik einem Irrtum:

    „Auf den ersten Blick scheint die Sache klar zu sein: Die spätmoderne kapitalistische Gesellschaft erzeugt systematisch Gewinner und Verlierer, und sie lässt die Gewinne der Sieger ebenso wie die Verluste und Leiden der Verlierer immer größer werden. Folglich tut die politische Linke gut daran, ebendiese Verteilungslogik zum Hauptgegenstand ihrer Kritik zu machen. Und die faktischen Verhältnisse drängen diese Kritik ja auch unmittelbar auf: Die öffentliche Diskussion konzentriert sich aktuell auf das unbestreitbare Skandalon, dass die Gehälter der Spitzenmanager in Deutschland inzwischen das 400fache des einfachen Angestellten oder Arbeiters betragen – und geradezu explodieren, während die Reallöhne am unteren Einkommensende schrumpfen. Klarer Fall, Attacke?

    Irrtum! Ich möchte hier die These vertreten, dass die unheilvolle Konzentration der politischen Linken auf die Frage der Verteilungsgerechtigkeit niemandem anderen als dem neoliberalen Gegner in die Hände spielt und das unheilvolle Spiralsystem, welches jener betreibt, in Gang hält.“


    Diese These besagt, dass die linksliberale „Verteilungslinke“ sich
    entweder
    a)unbewusst zu Helfershelfern – Lenin würde von „nützlichen Idioten“ sprechen - der Neoliberalen macht, weil sie diesen Irrtum nicht erkennen
    oder
    b) dies bewusst aus zynisch egoistischen Kalkül betreibt, was wahrscheinlich für nicht wenige der JournalistInnen, BerufspolitikerInnen etc. zutrifft, die so zu ideologischen Manipulateuren und Betrügern werden.

    Wie immer spielen auch Feigheit, Opportunismus sowie Dummheit und kognitive Dissonanz eine große Rolle.

    So können sich diese linksliberalen „Verteilungslinken“ sich selbst als „Gutmenschen“ sehen und nach außen darstellen, während sie objektiv Helfershelfer der Neoliberalen sind. Und regelmäßig negiert oder bekämpft diese „Reformlinke“ die anti-kapitalistischen Systemkritiker, während sie zugleich Illusionen über gesellschaftliche Veränderungen auf dem „Reformwege“ mittels Parteipolitik im System der repräsentativen Demokratie entwickelt und verbreitet.

    Eine Annahme wäre, dass das soziologische Verständnis der gutmeinenden Reformlinken nicht ausreicht, um diese komplexen Zusammenhänge zu verstehen, denn sonst würden sie keinen linksliberalen Reformillusionen anhängen.

    Was tun?

    Grüsse
    Ano12

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    1. @Ano12

      Würde Deinen Kommentar gerne als Gastbeitrag posten - Dein Einverständnis vorrausgesetzt.

      Bei Einverständnis, bitte Titelvorschlag senden.

      Außerdem meinte Rosi, Du hättest etwas über Zukunftsvisionen ausgearbeitet?

      Grüße
      Duderich

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    2. @Duderich

      Welchen Kommentar? Diesen hier?

      Okay, obwohl er eigentlich recht spontan als Kommentar geschrieben wurde und noch nicht auf Artikelniveau ausgearbeitet ist.

      Als Titel:
      „Linke als Helfershelfer der Neoliberalen?“

      Der „Gastartikel“ beginnt mit:
      Vielleicht ist dieser Beitrag ungewohnt „linkskritisch“. Aber …

      Warum kann man im Kommentarbereich nicht direkt verlinken?
      Hat jedenfalls nicht geklappt. Bei „Flatterwatch“ funktioniert es (nicht immer).

      Ich wollte so verlinken:

      „verschiedensten sozialistischen Strömungen“
      http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_III

      „ehemaligen marxistischen Juso-Bundesvorsitzenden“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Jusos-Bundesvorsitzender

      „Seeheimern“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Seeheimer_Kreis

      „Robert Michels“
      http://de.wikipedia.org/wiki/Seeheimer_Kreis

      „meint dazu“
      http://www.gegenblende.de/18-2012/++co++4e7c6fe2-38a8-11e2-aecc-52540066f352

      Außerdem meinte Rosi, Du hättest etwas über Zukunftsvisionen ausgearbeitet?

      Ja, bedarf aber noch weiterer Bearbeitung.

      Grüsse
      Ano12

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    3. Als alternativer Titel:
      „Wir fordern 2,5% mehr Lebensfreude!
      Verteilungskampf als systemische Sackgasse
      Linke als Helfershelfer der Neoliberalen?“

      Ano12

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    4. Wenn man deinen angegebenen Link durchgelesen hat, macht dein Beitrag Sinn.
      Erst wenn das System(Kapitalismus) überwunden ist, kommte es zur Verteiler Frage....;-)

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    5. @Ano12:
      Habe Deinen Text gerade gepostet.
      Vielen Dank! :-)
      Grüße
      Dude

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  8. zurück zum thema:

    die frage nach dem lebensstil eines "authentischen linken" ist für mich auch die alte Adorno'sche frage nach der möglichkeit eines richtigen lebens im falschen.

    aber das setzt natürlich ein paar ethische setzungen voraus, deren letzte grundlagen wohl nicht argumentativ, sondern eher persönlich wertend genannt werden müssen. es ist daher müßig, sich darüber zu streiten. toleranz ist mal wieder das gebot der stunde.

    für mich heißt links sein in erster linie zwei dinge: globale gerechtigkeit und generationengerechtigkeit.
    wenn man beides ernst nimmt, heißt das für unseren westlichen im allgemeinen und meinen persönlichen lebenswandel im besonderen, eines: veränderung.

    und zwar veränderung im sinne von: WENIGER !

    mit meinem lebensstil maße ich mir an, ein recht zu haben, auf kosten der menschen in anderen erdteilen, sowie auf kosten der folgenden generationen im überfluss zu leben. in einem überfluss, der noch nicht einmal unbedingt ein mehr an genuss bedeutet, sondern großteils einfach (denk-)faulheit und bequemlichkeit geschuldet ist.

    was bedeutet das für mich konkret?

    es bedeutet nicht, dass ich nur mehr jute trage, keinen meter mehr auto fahre und nur noch fruktarisch esse. aber es bedeutet sehr wohl, dass ich mein leben in jedem moment (insbesondere in denen des konsums) hinterfrage. darauf hin hinterfrage, wie groß der fußabdruck ist, den ich gerade dabei bin zu hinterlassen und ob ich das gleiche ziel nicht auch mit einem kleineren hinterlassen könnte.

    wir unterliegen im westen vielen sozialen und daraus resultierenden ökonomischen zwängen und man kann nicht von jedem verlangen, dass er den mut aufbringt, ohne rücksicht auf familie, ansehen etc daraus auszubrechen. es gibt jedoch viele bereiche, in denen man mit etwas mehr achtsamkeit ohne große einschränkung viel veränderung bewirken und damit vorbild sein könnte.
    aber, es gibt eben auch die entgegengesetze möglichkeit. nämlich gedankenlos das gegenteil dessen zu tun und damit negative signale zu setzen.

    nun. wenn ich das mache - herr T. aus M. - dann habe ich das vorwiegend mit meinem gewissen, aber mit kaum jemandem sonst auszumachen. macht das dagegen eine öffentliche persönlichkeit, vielleicht sogar noch aus einer bekannten linken organisation, ist das geringere übel die häme und der zynismus der politischen gegner. das viel schlimmere übel ist die wirkung auf die eigenen sympathisanten.

    woher rühren denn die probleme bei der mobilisierung der menschen? sowohl bei demos als auch bei wahlen?
    wie kann es denn sein, dass frau Merkel bei 75% zustimmung liegt und die Linke um die 5%-hürde bangen muß? wo es doch jedem halbwegs vernünftigen menschen klar sein muß, wer die interessen der mehrheit vertritt und wer politik für eine kleine klientel macht.

    es liegt mm - und hier komme ich zu des pudels kern - auch an der fehlenden glaubwürdigkeit. man kann über obiges sicher im detail streiten, aber darüber, dass hummer, Porsche und first-class-flug definitiv weder mit globaler, noch mit generationengerechtigkeit vereinbar sind, darüber bestehen hoffentlich keine zwei meinungen.

    und politiker, gewerkschafter und andere linke meinungsführer, die für sich diese dinge glauben, in anspruch nehmen zu dürfen und das noch rechtfertigen mit der (fast schon dreisten) feststellung, dass links- und reichsein doch hand in hand gehen müssten, die haben gerade die nötige glaubwürdigkeit verspielt.

    ein Ernst im Porsche ist nicht besser als ein Steinbrück mit seinen horrenden honoraren von klammen kommunen. beides ist ausdruck von "ich zuerst". und das ist das gegenteil dessen, was ich unter links verstehe.

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  9. Ja, auch ich sehe "Glaubwürdigkeit" als das zentrale Problem an. Tante Merkel kommt schon noch authentisch rüber und schafft es irgendwie (eine genauere Analyse würde zu weit führen), dass eine Mehrheit der Bevölkerung sie als unschuldig in der politischen Misere ansieht und sie im Gegenteil so dasteht als hätte sie noch das bestmögliche herausgeholt. Steinbrück wird nur noch als gieriger Gernegross wahrgenommen, die Grünen als Verräter an ihren eigenen Idealen (die haben aber immer noch einen gewissen Bonus - "Welpenschutz" oder sowas) und die Diffamierung der Linken war erfolgreich. Sie wird als Partei der DDR wahrgenommen, als "Nachfolgepartei der SED" und so sehr viele Bürger den von der Linken vertretenen Inhalten zustimmen mögen - das Image als Verfassungsfeinde und die Partei, welche am liebsten die DDR zurück hätte macht sie für die meisten unwählbar.
    Wobei nach meinem Empfinden einzele Protagonisten gar nicht mal so bedeutend sind sondern eher als Beispiel für die Verkommenheit von "denen da oben" dienen.

    So lange man sich nicht in steinbrück'schen Extremen bewegt dürfte die Notwendigkeit, Geld zu verdienen, von jedem eingesehen werden. So sehe ich Robertos Amazon-Links (dank ad-blocker sehe ich die eh nicht) nicht kritisch. Dass Politiker Nebenjobs haben wiederum sehr. "Wes Brot ich ess', des Lied ich sing" ... So ist für mich unglaubwürdig, dass Steinbrück den Banken distanziert gegenübersteht (da kann er noch so oft mit einem Papier winken, welches er vor Jahren geschrieben hat mit damals schon geringer Aussicht, es auch umsetzen zu müssen). Dagegen glaube ich nicht, dass Roberto dem Internetversandhandel unkritisch gegenübersteht. Soweit ich weiss macht Amazon auch keinen Druck sondern versucht einfach, möglichst umfassend vertreten zu sein, um sein Monopol zu festigen/zu verteidigen. Wieweit er allerdings zu Zugeständnissen bereit wäre, *falls* Amazon Druck ausüben würde weiss ich nicht. Äusserungen in diesem Umfeld verlieren schon Glaubwürdigkeit. Wobei ich Robertos Texten inhaltlich sowieso oft kritisch gegenüber stehe.

    Die Verknüpfung ist also meiner Meinung nach nicht die von Luxus und Glaubwürdigkeit, sondern die von Glaubwürdigkeit und (wirtschaftlicher?) Abhängigkeit. Beides *kann* miteinander zu tun haben, muss es aber nicht (Urvater Engels wirkt glaubwürdig, oder? Und war sicher nicht arm).

    Gruss vom
    Lautenist

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  10. ich denke den Vorteil, den die Turbokapitalisten gegenüber dem linken Lager haben ist, dass sie sich einig sind, einig darüber soviel Geld zu scheffeln wie möglich. Alle anderen werden von ihnen geschmiert, verblendet oder in Abhängigkeit gebracht. Eine linke Richtung als solche gibt es leider nicht. Ebenso benutzen die Kapitalisten zunächst einen rein ökonomischen Filter, sind also politisch nicht gebunden, sonderen passen die politischen Verhältnisse an ihren Filter an, bzw. arrangieren sich geschickt mit ihnen. Ein sogenanntes freiheitlich-demokratisches System ist ihnen natürlich auch gelegen wie man sieht.

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