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Mittwoch, 23. Januar 2013

Forum für die Ausgestaltung einer Alternative zu diesem 'Scheiß-Sytem'


Abteilung: Eine andere Welt ist möglich - ... aber welche?

Heute habe ich im Kollegen-Kreis die Meinung vertreten, dass Niemand Grund besitzen sollte. Wälder, Berge, Seen, Meere, ..., existieren seit Tausenden/Millionen von Jahren und NIEMAND sollte sie besitzen können und über diese Verfügungsgewalt ausüben dürfen - diese Verfügungsgewalt sogar an Nachkommen vererben können!

Ich erntete Gelächter und Unverständnis.
Der Zeitgeist lebt, fühlt und denkt heutzutage anders.

Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, denn meine Überzeugungen speisen sich nicht aus dem Verständnis Anderer.

Die linken, oppositionellen Kräfte (gerade auch in ihrer Zerstrittenheit) dürsten nach eine kommunizierbaren Alternative zu diesem System, welches sie kritisieren und überwinden wollen.

Zunächst einmal möchte ich (aus meiner individuellen und subjektiven Warte heraus) folgende Widersprüche am Bestehenden aufzählen:

  • Unser System basiert auf Wachstum. Wachstum ist aber immer endlich, zumal in einem begrenzten System (Erde). Qualitatives Wachstum mag ein Teil der Lösung sein, es kann aber nicht DIE Lösung sein.
  • Dem Planeten Erde werden Ressourcen abgetrotzt (den kapitalistischen Marktgesetzen entsprechend) in einem Tempo in der diese sie nicht regenerieren kann. 
  • Es gibt dafür unzählige Beispiele: Verwüstung (im doppelten und mehrfachen Sinne) durch Abholzung von Wäldern um diese urbar zu machen. Überfischung. Stetig wachsende (und damit ressourcenverschlingende) Bevölkerung dieses Planeten. Emmisionen, die in diesem Maße von 'Mutter Natur' nicht mehr kompensiert werden können, usw. .
  • Wachsendes Auseinandertriften von Armut und Reichtum - und damit (nötiger?) Gefährdung des 'sozialen Friedens'. Innerhalb von Volkswirtschaften, aber auch im Konkurrieren von Volkswirtschaften auf Kosten des allgemeinen Wohlstandes.
  • Obsoletes und überholtes Vertrauen und die Ausrichtung und Unterwerfung auf Marktkräfte, die ihr Scheitern mehrfach und umfassend demonstriert haben.
  • Kampf um fossile Ressourcen mit militärischer Macht, die nur wachstumsbasierende Industrienationen in dafür ausreichendem Maße besitzen.

(Diese Aufzählung ist selbstverständlich unvollständig und kann/soll gerne durch Kommentare ergänzt werden...)

Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen, deren Beantwortung zu einer Entwicklung einer Alternative unumgänglich sind:

  • Wie sind Besitzverhältnisse zu regeln? Kann dies ohne Geld und ohne Zins und Zinseszins gestaltet werden? Wenn ja, wie?
  • Wie ist eine Symbiose mit den natürliche Ressourcen dieses Planeten zu gestalten? 
  • Stichwort: Nachhaltigkeit
  • Wie ist die Überwindung aktueller Macht- und Besitzverhältnisse gewaltlos möglich?
  • Was ist dem Konsumerismus entgegenzusetzen? Wie können Menschen davon überzeugt werden, dass Besitz und Konsum nicht glücklich machen kann; dass dieser nicht der Sinn unserer Existenz ist? Wie kann eine (entschleunigte) Alternative schmackhaft und erstrebenswert gestaltet werden, deren Perspektive über die eigene Lebensspanne hinausgeht? 
  • Anders ausgedrückt: Wie kann eine kritische Masse davon überzeugt werden, Konsumverzicht auszuüben (bspw. reduzierter Fleischverzehr) und den momentanen (konsumbasierten) Status Quo einzuschränken?
Der Versuch einer Beantwortung dieser (und unzähliger anderen) Fragen, die die Kommentatoren bitte hinzufügen mögen, ist der erste Schritt zur Ausgestaltung eines alternativen Gesellschaftsentwurfes.

Ich hoffe, dieser Post ist der Anstoß zu einem Prozess, Ansätze einer Alternative zu Bestehendem zu entwickeln, welcher ja von uns allen Oppositionellen zu recht kritisiert wird.

Ich selbst kann und will keine abschließend Antworten und Lösungen bieten. Meine Intension ist es, einen regen Gedankenaustausch anzustoßen und dafür hier einen Platz zu bieten.

Freue mich auf Eure Gedanken, Ideen und Visionen dazu!

Kommentare:

  1. aus zeitgründen nur kurz eine prinzipielle erwägung zu diesem in der tat entscheidenden thema:

    ich bin der festen überzeugung, dass nicht ein wechsel des "systems" die lösung ist, sondern dass es die individuen sind, die sich ändern müssen. das system wäre dann das ergebnis dieser universellen veränderung der einzelnen menschen.

    alle bisherigen systeme menschlichen zusammenlebens scheiterten letztlich immer an der egoistischen gesinnung des einzelnen. zu viele versuchen für sich das beste rauszuholen, ohne rücksicht auf die anderen. es unterscheidet sich lediglich das niveau, auf dem der egoismus ausgelebt wird:

    der eine hinterzieht eine million steuern mit seiner schweizer stiftung, der andere bezieht H4, lehnt auch gute jobangebote ab und geht lieber zweimal die woche schwarz arbeiten. hinter beidem steht letztlich die selbe denke: ich hole raus was geht.

    beide dienen dann dem jeweils anderen als billige entschuldigung für das eigene handeln.

    natürlich muß auch das system geändert werden, aber ich glaube individuum und system müssen sich parallel entwickeln. dabei wird die veränderung vom einzelnen ausgehen müssen.

    lg
    don

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  2. Sind genau meine Gedanken. Aber wie das in die Bild-geschwängerten Köpfe hineinbringen ?

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  3. "Wälder, Berge, Seen, Meere, ..., existieren seit Tausenden/Millionen von Jahren und NIEMAND sollte sie besitzen können"
    Ich denke du vertauscht Besitz und Eigentum. In meinen Augen sollte jemand einen Wald besitzen können. Etwas besitzen heißt, dass man es bewirtschaften oder darin leben kann. Beispielsweise ist man Besitzer einer Mietwohnung. Sie ist aber kein Eigentum.
    Ansonsten sehe ich das ähnlich. Bei Freitum führe ich eine ähnliche Diskussion. Dort akzeptiert man Eigentum als etwas gegebenes, unantastbares. Gleichzeitig wird zugegeben, dass er aus Diebstahl generiert worden sein kann. Den Widerspruch, dass Diebstahl damals legal und heute illegal ist, wird nicht gesehen.

    "Unser System basiert auf Wachstum. Wachstum ist aber immer endlich, zumal in einem begrenzten System (Erde). "

    Wachstum von was? Ich sehe den Punkt weniger kritisch, da es sich nur um eine Bilanzierung handelt. Ich denke Gütermengenwachstum ist nicht zwingend notwendig. Somit muss der Ressourcenverbrauch auch nicht steigen. Des Weiteren ist der Erde zwar endlich, aber kein geschlossenes System. Es kommt zum Beispiel Energie von der Sonne auf die Erde.

    "Dem Planeten Erde werden Ressourcen abgetrotzt (den kapitalistischen Marktgesetzen entsprechend) in einem Tempo in der diese sie nicht regenerieren kann. "
    Der Kapitalismus führt die Umweltzerstörung auf ein neues Level. Der Realsozialismus war nicht viel besser. Es liegt als besonders am Menschen.
    "Wachsendes Auseinandertriften von Armut und Reichtum - und damit (nötiger?) Gefährdung des 'sozialen Friedens'. Innerhalb von Volkswirtschaften, aber auch im Konkurrieren von Volkswirtschaften auf Kosten des allgemeinen Wohlstandes."
    Das ist Kapitalismus. Allerdings muss man bedenken, dass es auch in anderen Systemen eine kleine Elite und den Restpöbel gab. Also auch hier ist der Mensch das Problem. Macht muss begrenzt werden. Sei es politische oder kapitalistische.

    "Obsoletes und überholtes Vertrauen und die Ausrichtung und Unterwerfung auf Marktkräfte, die ihr Scheitern mehrfach und umfassend demonstriert haben."
    Religionen scheitern regelmäßig. Glauben kommt eben nicht von Wissen und fordert vertrauen.

    "Kampf um fossile Ressourcen mit militärischer Macht, die nur wachstumsbasierende Industrienationen in dafür ausreichendem Maße besitzen."
    Das würde ich auch nicht dem Kapitalismus zuschieben. Von der Antike an wurde Krieg um Ressourcen geführt. Auch hier ist das System egal, der Mensch scheint das Problem darzustellen.

    "Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen, deren Beantwortung zu einer Entwicklung einer Alternative unumgänglich sind:"

    "Wie sind Besitzverhältnisse zu regeln? Kann dies ohne Geld und ohne Zins und Zinseszins gestaltet werden? Wenn ja, wie?"

    Nicht Besitz-, sondern Eigentumsverhältnisse. Geld ist in meinen Augen nicht das Problem und sollte auch nicht im Fokus stehen. Mit dieser Passage verkommen die Ideen auf eine Zinseszinsdiskussion, die wenig Substanz hat. Geld sollte im wesentlichen zum Handeln verwendet werden. Wie man das Geldsystem im Endeffekt organisiert ist wahrscheinlich egal. Die Konzentration von Vermögen und Eigentum muss verhindert werden. Das Geldsystem kann das etwas Unterstützen, ist aber nicht ursächlich daran Schuld. Das sieht man daran, dass es Macht- und Eigentumskonzentrationen schon vor dem Zins und dem Kapitalismus gab.

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    1. "Ich denke du vertauscht Besitz und Eigentum. In meinen Augen sollte jemand einen Wald besitzen können. Etwas besitzen heißt, dass man es bewirtschaften oder darin leben kann. Beispielsweise ist man Besitzer einer Mietwohnung. Sie ist aber kein Eigentum."

      Leider vertauschen aber die BESITZER Besitz mit Eigentum. Sie denken mit diesem machen zu können was sie wollen. Und dazu gehört eben auch zerstörung selbigens. Zudem: Wer ist eigentlich der Eigentümer?

      Mynona

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  4. "Wie ist eine Symbiose mit den natürliche Ressourcen dieses Planeten zu gestalten?
    Stichwort: Nachhaltigkeit"
    Technologie + Umstellung des Verhaltens bezüglich sozialem Status

    "Wie ist die Überwindung aktueller Macht- und Besitzverhältnisse gewaltlos möglich?"

    In meinen Augen ist das der Punkt. Die Machtverhältnisse müssen nicht nur überwunden, sondern von Grundauf geändert werden. Der Einfluss Einzelner sollte reduziert werden. So wird automatisch der Missbrauch reduziert. Eine Möglichkeit wäre es, dass Parlament zu losen. Dann hätte jeder die Chance etwas zu ändern, der Querschnitt der Bevölkerung wäre repräsentiert, das Interesse an politischer Bildung aller Menschen wäre gegeben (jeder könnte ja mal im Parlament sitzen und man will gute Ergebnisse). Ohne Gewalt dauert ein solcher Umbruch lange und muss sich entwickeln.

    "Anders ausgedrückt: Wie kann eine kritische Masse davon überzeugt werden, Konsumverzicht auszuüben (bspw. reduzierter Fleischverzehr) und den momentanen (konsumbasierten) Status Quo einzuschränken? "

    Indem man andere Statussymbole in den Fordergrund setzt. Wenn zum Beispiel ein Ehrenamt gesellschaftlich mehr ansehen hätte als ein IPod, dann würde sich einiges ändern. Soziales Engagement als Statussymbol.

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  5. Missing Link zum Verständnis des Systemes:

    Geld regiert die Welt.
    Geldscheine sind Schuldscheine.
    Schuld ist also die Währung.
    Diese Währung wird von privaten Organisationen emittiert.
    Also beherrschen diese privaten Organisationen tatsächlich die Welt durch ihre Fähigkeit Schulden zu verteilen welche von den Schuldnern angenommen und bedient werden.

    Man stelle sich nur einmal vor man hätte selber die wunderbare Fähigkeit Zahlen auf Papier zu drucken (und das ist noch das geringste) um dann die Affen (oder Staaten) sich darum balgen zu lassen wie sie die Zinsen anschaffen...

    Die Erschaffer und Nutznießer dieses Systemes sind die Besitzer der Privatorganisationen welche die verzinste Schuld (exclusiv natürlich) emittieren.

    Da es sich hierbei selbstverständlich um äussere Projektionen eines inneren Zustandes handelt ist es nötig das System zu verstehen und es dann geistig zu überwinden.Die Geburt eines neuen Bewußtseins. Ein abtrünniger Philosoph aus bezeichnetem Haus hat dazu die notwendigen Tools schon vor langer Zeit geliefert.
    1. Liebe (das Gegenteil von Schuld)
    2. ...Gib dem Kaiser was des Kaisers ist...

    Sie fürchten sich nicht davor dass ihr alle auf die Bank rennt um eure Schuldscheine abzuheben. Ihre Macht würde sofort erlöschen würdet ihr ihnen ihre verdammten Schuldscheine zurückgeben!



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  6. "Diese Währung wird von privaten Organisationen emittiert."

    Jaein. Die EZB ist nicht privat. Sie kann Geld aus dem Nichts schaffen. Privatbanken brauchen Rücklagen vom Zentralbakgeld. Da dies nicht 100% sein muss, können sie über den Multiplikator ordentlich Gewinn machen.

    "sich darum balgen zu lassen wie sie die Zinsen anschaffen..."
    Das ist in der Eurozone so. In den USA spielt das kaum eine Rolle. Da werden Kredite bei der FED genommen und die Zinseinnahmen der FED landen im Haushalt. In der Eurozone funktioniert das nicht, weil Deutschland es nicht will. Wir führen einen Wirtschaftskrieg und nutzen die Währung als Waffe. Das ist kein Automatismus, aus der Währung heraus.

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  7. Um es auf den Punkt zu bringen ... Die besitzenden deren Macht zuallererst auf Landbesitz fußt sollten uns die Urkunde zeigen in denen Gott oder sonstwer ihnen das Land, Fluss,Berg inklusive Fauna und Flora zu persönlichen alleinigen Bereicherung überlassen hat ( Produktionsmittelbesitz).... dann muss der Kreislauf des Generierens aus Land-Kapital --Kapital-Land unterbrochen werden und jeder das Recht auf ein Flecken dieser Welt bekommen statt durch seine bloße Anwesenheit zum Bring-Schuldner auf Lebenszeit für angebliche Eliten von Gottes Gnaden zu sein ....( Bodenrenten )

    Ok und dann käme der Faktor Mensch... spätestens da scheiter's

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  8. Interessantes Thema.
    Meiner Ansicht nach gehören
    1. Schlüsselindustrien verstaatlicht (Energie, Bahn, Strafvollzug, Polizei, Krankenkasse und Spitäler, Bodenschätze)
    2. Boden sollte Allgemeingut sein und einem Landkreis gehören (oder einer noch kleineren Einheit).

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    1. Das sind keine neuen Ideen. Bisher sind sie gescheitert. Das liegt daran, dass diejenigen die diese Ideen umsetzen genauso machtgeil sind, wie diejenigen die die Macht jetzt besitzen.

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    2. So sind wir uns in den Rahmenbedingungen einig auch darin das es am dem Molekülhaufen Mensch scheitert..

      OK...Gaaaandhi ..dein Einsatz : "Die Welt hat genug für jedermann Bedürfnisse aber nicht fuer jedermann's Gier "... Jaja ..*Bäääh..würg*

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    3. @endless.good.news. & Lazarus09
      Ich weiss, es wird ein Traum bleiben.

      Das einzig Machbare wird noch sein, schweren Herzens die SPD zu wählen...

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    4. @der Herr Karl:
      "Das einzig Machbare wird noch sein, schweren Herzens die SPD zu wählen..."

      Meinst Du das ernst? Die Agenda 2010-Konstrukteure?

      Tss. Da träumt man von einer besseren Welt und schlägt hart auf die Realität auf!
      Autsch!

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    5. @Duderich
      Träumen tue ich auch von was anderes: Von einer Art Anarchismus, ähnlich wie es Roberto jeweils formuliert.

      Im REALEN Leben aber sehe ich die einzige Möglichkeit, noch etwas Weniges beizutragen (was auch eine Chance hat, mitbestimmend zu sein, das kleinere Übel sozusagen) in der SPD. Diese sollten einfach bessere Leute bekommen und mit der Linken zusammenarbeiten.
      Was nützt es, eine Splitterpartei mit guten Ideen zu wählen, wenn diese die 5%-Hürde nicht schafft?

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    6. Die Splitterpartei kann die 5%-Hürde nicht nehmen, weil sie nicht gewählt wird. Z.B. von dir? Glaubst du im Ernst, dass plötzlich die SPD neue Leute bekommt und mit den Linken zusammenarbeitet? Wo sollen die Neuen herkommen? Und die SPD tut ja gerade alles, um sich vor allem von den Linken abzugrenzen, dafür umso weniger von CDU und FDP.

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  9. es sind wirklich ganz, ganz dicke bretter, die es zu bohren gilt, wenn wir aus unserer selbstgebauten sch... irgendwann nochmal rauskommen wollen:

    erste, zwingende voraussetzung wäre eine veränderung unseres cartesisch-wissenschaftlichen weltbildes hin zu einer ganzheitlichen betrachtung. die totale verwobenheit alles mit allem und jedes mit jedem nach naturgesetzen, die wir aufgrund ihrer vielfältigen interdependenz wohl nie ganz werden verstehen können, ist ja spätestens mit den ergebnissen der quantenphysik in den 50er und 60er jahren auch in der sog. "harten" wissenschaft angekommen.
    allein wir weigern uns weiter standhaft die konsequenzen daraus zu ziehen. würden wir nämlich ganzheitlich denken, fielen die gegensätze von egoismus und altruismus, von ausbeutung und nachhaltigkeit, von privaten und sozialen kosten uvm. weg.
    wir müssen begreifen, dass wir jeden schaden, den wir einem anderen oder der natur zufügen, wir uns letztlich selbst zufügen. und dass es eben KEINE wissenschaftliche möglichkeit gibt, dies zu verhindern, wie uns interessegeleitete stimmen stets weismachen.

    dieser bewusstseinswandel steht für mich am anfang der debatte um eine lebensfähige und lebenswerte zukunft.

    ist das einmal in den köpfen angekommen, werden die erforderlichem maßnahmen leichter zu verwirklichen sein.

    konkret wären dann ALLE menschlichen handlungen daraufhin zu überprüfen, ob sie nachhaltig sind und ob sie anderen menschen oder der natur einen unverantwortlichen schaden zufügen. was dann jeweils als hinnehmbarer oder unvermeidlicher schaden gälte, wäre sicher regional unterschiedlich und inhalt von lokalen aushandlungsprozessen. (klar ist genaugenommen der regenwurm, den der mexicanische indio beim aussähen von mais zertritt in gewisser weise ein schaden, aber eben unvermeidlich; leben lebt von leben). den nachweis der unschädlichkeit bzw. der nachhaltigkeit, hätte im zweifel immer der produzent zu erbringen; also umkehr der beweislast statt schaden auf den st.-nimmerleins-tag verschieben.

    ff.

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  10. wirtschaftliche tätigkeit würde zunächst wieder auf die existenzbedürfnisse zurückgeführt; d.h. nahrung, kleidung, obdach, medizinische versorgung, sicherheit sowie bildung. auf diese grundgüter haben alle nach ihren bedürfnissen anspruch, es beteiligen sich alle nach ihren fähigkeiten an ihrer produktion. die produktion erfolgt so regional und kleinteilig als möglich. handel und austausch zwischen den regionen findet unter dem vorbehalt der nachhaltigkeit statt (ein transport zb von mineralwasser aus Portugal nach Deutschland hätte sicher keine chance mehr). auf allen stufen der produktion würden sämtliche (erkennbaren) kosten erfasst; eine sozialisation oder externalisierung der kosten (stichwort wahre kosten des atomstroms!) wäre nicht möglich.

    jenseits der produktion von existenziellen gütern, wären die menschen frei zu tun, was sie wollen (immer natürlich unter dem nachhaltigkeits- und schadensvorbehalt). allerdings gäbe es einen höchstverdienst, jenseits dessen 100% der allgemeinheit zukämen. an grundund boden gäbe es kein eigentum mehr. der besitz würde lokal nach allgemeinen interessen zugeteilt.

    zur konkreten umsetzung, sind die (teilweise bereits bestehenden) vorwiegend lokal und regional organisierten grassroot-bewegungen der erfolgversprechendste ansatz. menschen müssen vor ort verantwortung für ihr leben und das ihrer sozialen gruppe übernehmen. dazu gehören gerade in der anfangszeit in erster linie maßnahmen der aufklärung und bildung. vorstellbar sind etwa die entwicklung eigener (regional relevanter) lehrpläne, der freiwillige verzicht auf medien, die werbung verbreiten; stattdessen sollten informative angebote erstellt werden, die etwa in lokalsendern, oder -zeitungen verbreitet werden. bibliotheken sollten gefördert, themenabende durchgeführt und einschlägige dokumentationen gezeigt werden. im einzelfall wird dies sicher auch zivilen ungehorsam erfordern, evtl. (im extrem) auch gewalt gegen sachen, wobei auch hier nachhaltigkeit und schadensminimierung immer oberstes gebot bleiben müssen.

    die vielfalt und lebensqualität, die in der eigenen region zu finden ist, muss wieder mehr gewicht erhalten, gegenüber einer global gleichgeschalteten massenindustrie-kultur.

    all dies wird nur unter der voraussetzung funktionieren, dass die erste bedingung erfüllt wird: die ausbildung eines neuen, ganzheitlichen bewusstseins.
    kann eine solche veränderung gelingen?
    ja sie kann. sogar auf zweierlei arten. zum einen durch reine rationale erkenntnis: der erkenntnis, dass das projekt menschheit keine andere alternative hat, wenn es dauerhaft bestehen möchte. diese einsicht erfordert jedoch eine intellektuelle kapazität, die die mehrheit vermutlich überfordern dürfte. und deswegen braucht ein solches konzept auch eine emotionale unterfütterung. und hier werden meine hunanistischen und freidenkenden freunde natürlich jaulend aufschreien, wenn ich sage: ja, es braucht eine spirituelle unterfütterung.
    ohne einen gewissen transzendenz-gedanken wird es mm unmöglich sein, eine mehrheit der menschen für ein solches - notwendigerweise - weltumspannendes projekt zu gewinnen. in frage kommen dafür aus meiner sicht nur ganzheitliche, integrale weltbilder, wie sie vorwiegend die östlichen philosophien, aber auch schamanische (indigene) vorstellungen u.a. geschaffen haben.

    lg
    don



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    1. Vielen, vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar, dem ich auch inhaltich nur zustimmen kann und der mir eine Inspiration ist.

      Es ist mir eine Ehre, Leser (bzw. Kommentatoren) wie Dich zu haben, das sage ich ganz ohne Phatos!

      Dass ich auch spirituell mit Dir auf Linie bin konntest Du ja im Post 'Mein Evangelium' erkennen...

      Liebe Grüße
      Dude

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  11. *Huestel* Herr Karl wie steht bei dir mit der SPS ..?

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    1. @Lazarus09
      SP Schweiz: 18,7 %
      http://commons.wikimedia.org/wiki/File:W%C3%A4hleranteil_NR-CH_1919-2011.png

      Eine Agenda 201X haben wir noch nicht. Dafür haben wir fast in jedem Dorf 2 Turnvereine: Den bürgerlichen und den SATUS (früher: Arbeiterturnverein)...

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    2. nun tja - die SP ist ja auch ein recht schräger Verein - hier in der Schweiz ist mir aber alles recht, was die Nazis (SVP) verhindert *seufz*

      Gruss vom Lutenist

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  12. Ja ich weiß , ich wollte eher hören was du in der Schweiz wählst ..wo du da politisch stehst. * musst du natürlich nicht an die große Glocke hängen wenn du nicht willst *

    Ich bin hier bei Miliband's Labour Party ..obwohl Dave auch stellenweise vernünftige Ansichten hat ..aber wie du lesen kannst bin ich ein Wähler des geringeren Übels..ansonsten wäre einer Art Anarchismus auch eher meins ;-)



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    1. @Duderich
      Die linken, oppositionellen Kräfte (gerade auch in ihrer Zerstrittenheit) dürsten nach eine kommunizierbaren Alternative zu diesem System, welches sie kritisieren und überwinden wollen.

      Keineswegs.
      Die Mehrheit der Menschen ist auf dieses System fixiert. Was auch die Diskussion in diesem Blog belegt.

      Sie wolllen das „Kleinere Übel“ wählen, sie wollen nur in „kleinen Schritten“ ändern.

      Das „Kleinere Übel“ ist aber immer nur das im System vorfindliche „Kleinere Übel“.

      Wer im System freiwillig ein Übel wählt, akzeptiert dieses üble System.

      Aber dies begreifen diese Menschen nicht.

      Übertragen auf eine Sklavenhaltergesellschaft würde man danach Ausschau halten, wo man das kleiner Übel findet. Und freiwillig den „besseren“ Sklavenhalter wählen. Weil man kann sich die Realisierung einer anderen Welt ohne Sklavenhaltung nicht vorstellen kann, deshalb nimmt man die Sklavenhaltung hin, als sei sie unveränderliche Natur.

      Genau so verhalten sich die systemangepassten Linken.

      Sie schauen sich um und fragen sich, wo oder mit wem geht es uns relativ besse? Und wählen dann, eine Svheixxpartei sogar freiwillig.

      So dachten und denken Sozialdemokraten, so denken Wähler, Sympathisanten und Anhänger der Linkspartei.

      Sie verhalten sich pragmatisch und angepasst, aber träumen vom Anarchismus. Das ist typisch für dieses linke Spiessertum in der Tadition der Sozialdemokratie, in der auch die Linkspartei steht. Da fehlt völlig ein revolutionärer Geist.


      Wer eine neue Gesellschaft will, wählt doch nicht diese Linkspartei, diese Partei Linksspiesser, in der nicht einmal ein Funken von revolutionärem Geist enthalten ist.

      Gruss

      Ano12

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    2. Nicht das du nicht in weiten Teile Recht hättest auch ich bin eher für Anarchie (Solidargemeinschaften als Ordnung ohne Herrschaft)

      "Die Menschheit als ganze hat die Erde umsonst. Sie hat nie und an niemanden dafür bezahlt. Auch für die laufende Nutzung muss sie kein Entgeld bezahlen. Warum, so muss man sich fragen, kommt dieser Vorteil nicht anteilig bei jedem Einzelnen an? Es hatten allerdings nur die ersten Besetzer die Erde kostenlos.Seitdem ist die Erde besetzt und verteilt und jeder, der danach kommt, erbt entweder oder er muss zahlen. Er muss, auch wenn er sich auf einen durchschnittlichen Anteil beschränkt, für seine eigene und unentbehrliche, wie sein Leib zu ihm gehörende Lebensgrundlage an andere zahlen! Ein ursprünglich-eigenes Recht an Boden und Bodenschätzen müsste dagegen jedem, der sich mit einer durchschnittlichen Nutzung begnügt, in irgendeiner Form zustehen.

      Frank Bohner (*1961),

      Nur sollte man auf dem Boden des eventuell vermittel-und machbaren bleiben . Schon die Vermögen neu zu verteilen und zu ordnen dürfte alles machbare übersteigen ... der Rest ist Illusion .

      Erkläre einfach nur wie du Art. 20 Abs. 4 umsetzen willst ... solange das für die Oberen 2 % arbeitende Regime definiert was "Recht" ist ..?

      Und bis jetzt noch keiner eine Bahnsteigkarte oder den Rasen betreten ... dieses System zu beenden wäre ILLEGAL ... Du müsstest deinen Mitstreiter erst einmal erklären das sie nun einer Armee von Landsfriedenbrüchigen Terroristen sind ... HAHAHA wo sich nicht mal Avatare trauen für ihre Meinung einzustehen ..

      face the reality NOW !!!!

      Veränderung geht nur langsam Schrittweise ... finde erst einmal genug Leute die sich subversiv verhalten ... ;-)

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    3. @Ano12:

      Ich kann Deinen Fatalismus in Teilen nachvollziehen, der aus Frust und Ohnmacht gespeist ist (Vermutung meinerseits).

      Musste bei der Lektüre Deiner Zeilen oft an Kant's 'selbstverschuldete Unmündigkeit' denken.

      Aber Deine Argumentation - entschuldige bitte diese Kritik - wirkt auf mich arg grob und undifferenziert:

      "Das „Kleinere Übel“ ist aber immer nur das im System vorfindliche „Kleinere Übel“.

      Wer im System freiwillig ein Übel wählt, akzeptiert dieses üble System."

      Erst einmal möchte ich dazu anmerken, dass es nur noch in sehr limitierten Randnischen möglich ist, IRGEND ETWAS AUSSERHALB DIESES SYSTEMS, zu wählen. Das ist nämlich das perfide an diesem System: Selbst Systemkritiker und die, die eben dieses überwinden wollen stützen dieses System; sind tagtäglich dazu gezwungen.
      Solange man nicht in den Wald zieht und seine natürlichen Bedürfnisse selbst in der Lage ist zu decken (Exitenzbedürfnisse nach Maslow) tritt man als Konsument auf und damit als Stütze dieses Systems. Da kann ich noch so viel im 'Bio-' und 'Fair Trade'- Laden kaufen!

      Auch Du mein lieber Ano12 stützt dieses System, weil auch Du Konsument bist. Dein Internetzugang stützt durch die Beiträge einen Konzern, dein Strom- und Gasverbrauch sowieso. Und essen musst Du ja auch.

      Auch Du wählst das kleinere Übel und manchmal auch ein größeres. Wir wir alle, die in diesem System gefangen sind.

      Und solange Du nur Parteien wählst, die die Revolution in ihrem Parteipogramm niedergeschrieben haben gehörst Du halt zu den Nicht-Wählern, die dieses System gerade auch stützen. Da wähle ich lieber das kleinere Übel, so wie ich es tagtäglich (als Konsument) gezwungen bin zu wählen.

      Du wünschst Dir eine Revolution herbei. Die gab es schon. Viele. Ohne, dass sich nachhaltig was verändert hätte. Die Revolution muss in den Köpfen stattfinden - und dafür gilt es Bewußtsein zu schaffen. Es gilt zu argumentieren und zu überzeugen. Der Meinungsmanipulation argumentativ etwas entgegenzusetzen. Das ist ein wahrlich 'dickes Brett' was es permanent(!) zu durchbohren gilt. Es ist nicht mit einem Putsch, einem Aufstand getan, wenn in den Köpfen nicht angekommen ist, dass wir untrennbar mit der Erde verbunden sind und der daraus resultierenden Erkenntnis, dass wir, wenn wir der Natur schaden uns selbst schaden.
      Don M.T. hat das sehr schön ausgeführt.

      Das geht nicht über Nacht; es ist ein langwieriger Prozess.

      Wir haben die besseren und stichhalterigen Argumente - und müssen darauf vertrauen, dass sie sich deshalb irgendwann etablieren.

      Und so kann man letztendlich auch Egoisten erreichen, die nur auf ihr eigenes Wohl aus sind.

      Denn das eigene Wohl ist untrennbar mit dem Zustand dieses Planeten verbunden.

      Liebe Grüße
      Dude

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    4. @Lazarus09 (20:51)
      Sehe ich auch so!
      Grüße
      Dude

      Löschen
  13. Denke nicht , daß Wachstum an sich das Problem ist .
    Einfach mal vorstellen , wir hätten ein Minuswachstum von 20 % in fünf Jahren.
    Selbst eine solch katastrophale Depression würde nicht ausreichen , um den Ressourcenverbrauch entscheidend zu drosseln.

    Wir müssen unsere gesamte Wirtschaftsweise auf Nachhaltigkeit umstellen , wenn das erstmal richtig läuft - und das ist alternativlos - ergibt sich daraus ein Wachstumsmotor , der sich gewaschen hat.

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    1. @Art V.:
      Nein, da halte ich dagegen!
      Wir brauchen kein Wachstum und schon gar keinen Wachstumsmotor, ob er sich nun gewaschen hat, oder nicht.
      Wachstum bedeutet immer Ressourcenverbrauch, Emmissionen und wachsende Müllberge. Wachstum ist konsumbedingt - und wir müssen uns langsam davon lösen, dass Konsum Verheissung und Sinn ist.
      Wir brauchen Demut, kein Wachstum.
      Wir brauchen Schrumpfung und Entschleunigung.

      Grüße,
      Dude

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  14. Waxtum ist Bullshit ...Ich sage :stelle dir vor jeder weltweit würde einfach weiter machen mit dem was er jetzt macht ,bekommt nur kein Geld und muss auch keines bezahlen ...
    Es gäbe keinen Unterschied außer das es keine Profitstreben und keine Profitraten mehr zu bedienen gäbe ...

    Das es sich RENTIEREN muss ist so fest in den Köpfen verankert das da rechts oder links vorbei gar keiner mehr denken kann ;-)

    Der Glaube an das " Naturgesetz " ,Profit, Zins und Zinseszins sind das Problem

    Ohne das, keine Verschwendung von Produktionsmitteln , keine Überproduktion ..keine keine keine und mit der Zeit würden die Leute auch nur ein paar stunden am Tag arbeiten oder gar nicht ... Wir arbeiten nicht für uns ..wir arbeiten seit Anbeginn für andere für deren Gewinn ....

    Jaja ich weiß "star trek universe " weil, warum sollte einer blablabla ...es musssich doch rentieren...

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  15. @Der Duderich 24. Januar 2013 22:21
    Erst einmal möchte ich dazu anmerken, dass es nur noch in sehr limitierten Randnischen möglich ist, IRGEND ETWAS AUSSERHALB DIESES SYSTEMS, zu wählen. Das ist nämlich das perfide an diesem System: Selbst Systemkritiker und die, die eben dieses überwinden wollen stützen dieses System; sind tagtäglich dazu gezwungen.
    Solange man nicht in den Wald zieht und seine natürlichen Bedürfnisse selbst in der Lage ist zu decken (Exitenzbedürfnisse nach Maslow) tritt man als Konsument auf und damit als Stütze dieses Systems. Da kann ich noch so viel im 'Bio-' und 'Fair Trade'- Laden kaufen!
    Auch Du mein lieber Ano12 stützt dieses System, weil auch Du Konsument bist. Dein Internetzugang stützt durch die Beiträge einen Konzern, dein Strom- und Gasverbrauch sowieso. Und essen musst Du ja auch.


    Ein häufiger Denkfehler!

    Selbstverständlich sind wir in unserer alltäglichen Praxis alle Teile des ökonomischen Systems, eben weil dieses komplexe und hocharbeitsteilige System den menschlichen Stoffwechsel mit der Natur gewährleistet. Aussteigen aus diesem System kann ein Individuum oder ein Kollektiv nur, wenn dieser menschliche Stoffwechsel mit der Natur auf andere Weise erfolgt bzw. erfolgen kann.

    Folglich kann das alte System nur durch ein neues ersetzt werden. So schreibt bereits Marx:
    So sehr sind alle Fortschritte und Inkonsequenzen innerhalb eines falschen Systems der höchste Rückschritt und die höchste Konsequenz der Niedertracht.

    Die sozialdemokratische Reformlinke hat dies in den vergangenen 100 Jahren nicht verstanden. Zugleich sind es ja auch 100 Jahre der Verarschung durch linke Parteiführer und Berufspolitiker.

    Sorry, wenn ich dies in aller Offenheit sage: Die Geschichte der letzten 100 Jahre hat gezeigt, dass meisten Linken nicht in der Lage sind, diese Zusammenhänge zu begreifen.

    Oder gibt es einen andere plausible Erklärung dafür, dass der Mainstream der Linken trotz 100-jähriger Geschichte immer noch den alten Irrtümern und Illusionen anhängt?

    Gruss

    Ano12

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  16. Interessante Gedanken!

    Ich befürchte, es geht gar nicht um Alternativen, zumindest den meisten Menschen. Sie wollen nur ihre Schäfchen im Trockenen und einen vollen Kühlschrank haben. Resignation und Fatalismus ist der herrschende Zeitgeist.

    P:S: Gibt es einen Grund, warum ich nicht mehr in Deiner Blogroll bin?

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    1. Ähm, ... nein?
      Habe Dich nicht rausgenommen. Ich schaue mal nach und behebe das Problem.

      Gruß,
      Dude

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    2. Bist doch drin!
      Warst ganz unten in der Blog-Roll.

      Mag Deine Seite und würde sie nie rausnehmen!

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  17. Ups..."alle anzeigen" übersehen. *mit Kopf gegen Tisch hau* ;-)

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  18. epikur

    Ich schrieb schon ein paarmal :

    " Die Leute finden das System in stillen gut, nur ihren Platz darin finden sie Scheiße "..... OK dafür wurde ich regelmäßig ausgebuht ..aber wie du siehst scheint es so zu sein ;-)

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  19. @Lazarus09 25. Januar 2013 13:19
    Ich schrieb schon ein paarmal :

    " Die Leute finden das System in stillen gut, nur ihren Platz darin finden sie Scheiße "..... OK dafür wurde ich regelmäßig ausgebuht ..aber wie du siehst scheint es so zu sein


    Es scheint so zu sein. Ich meine, dass diese Frage ein ganz entscheidender Punkt ist und es wichtig wäre, dies genauer zu untersuchen.

    Die Systemfrage hat sich doch für Menschen unseres Alters ganz konkret gestellt, denn wir hatten die Wahl, in der kapitalistischen BRD zu bleiben, oder in die sozialistische DDR zu gehen. Und angesichts dieser Alternative war ich froh, in der kapitalistischen BRD und im Westen leben zu können und nicht in der DDR leben zu müssen.

    Und dies erklärt auch, warum die Menschen die SPD wählen, welche in der Tradition des Liberalismus steht, und nicht die Linkspartei, als „SED-Nachfolgepartei“ in der Tradition des Poststalinismus. Selbst einer Sarah Wagenknecht - so erlebe ich sie - haftet noch der SED-Mief an, vielen anderen Führungsfiguren der Linkspartei umso mehr.

    So würde ich den Satz „Die Leute finden das System in Stillen gut, nur ihren Platz darin finden sie Scheiße.“ umformulieren in: „Die Leute finden das System gut, weil sie sich kein besseres vorstellen können, auch wenn sie mit ihrem Platz in diesem System nicht zufrieden sind.“

    Es ist nicht so, dass die Linkspartei im Verhältnis zur SPD als „kleineres Übel“ erlebt wird, genau so wenig wie die DDR im Vergleich zur BRD als das „kleinere Übel“ angesehen wurde.

    Gegenüber der Linkspartei gibt es eine „Kulturschranke“, ein erheblicher Teil der ehemaligen WASG-Mitglieder ist daher nicht in die Linkspartei gegangen. Und die bei der Fusion mit der WASG und geweckten Hoffnungen sind inzwischen enttäuscht, die politisch Intelligenteren haben längst durchschaut, dass in der Linkspartei die Rechten dominieren und die Linkspartei nicht auf Lafontaine-Kurs gegangen ist. Deshalb hat die Linkspartei wie in NDS über 70% ihrer Stimmen verloren und wird politisch im Westen wieder dort landen, wo die PDS vor der Fusion war.

    Auch wenn es nicht zutrifft , dass Leute das System in Stillen gut finden, so sehen sie es als das historisch bislang beste an und glauben nicht, dass es ein besseres System gibt. „Sozialismus“ ist mega-out.

    Parteien in der Tradition des Marxismus-Leninismus spielen in der politischen Praxis der westlichen Gesellschaften keine Rolle mehr, die entsprechenden Organisationen und Parteien – wie z. B. die PCF oder die KPI – sind irrelevant geworden oder existieren nicht mehr.

    Die Linken haben ihren Stellenwert als Träger des gesellschaftlichen Fortschritts völlig eingebüßt, die Intelligenzschichten stehen heute eher „rechts“ und auf Seiten der Linken findet sich keine kulturelle Avantgarde.

    Ano12

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  20. Das System ist eine Frage, nur resultieren fast alle unsere Probleme aus der Überbevölkerung.
    Soll heißen, das die Menschheit so nicht Artgerecht auf dauer (über)leben kann.
    Ich möchte gar nicht weiter auf die ökologischen Schäden hinweisen, die wir bereits irreversibel unserer Erde zugefügt haben, noch auf die Artenvielfalt der Tiere und Pflanzen die wir überall auf der Welt weiterhin dezimieren.
    WWF und Monsanto lassen grüßen.
    Was glaubt ihr, wird erst passieren wenn all die Chinesen, Inder und die Menschen sonstwo in der dritten Welt, wie wir westlich geprägte Bürger sie nennen, einen ähnlichen Lebensstandart für sich in Anspruch nehmen wie wir es schon heute in Europa und in den Staaten vorleben?
    Warst ihr schon einmal in Mexico-City oder in Tokyo, Jakarta, Delhi, Shanghai, Seoul, Mumbai, Sao Paulo oder auch LA, oder New York?
    Hast Du diese unvorstellbare Armut gesehen und ich meine nicht nur die Monetäre, sondern diese Leere in den Seelen der dortigen Einwohner, selbst derer die materiell alles haben und dessen die meisten von uns nur erträumen können?
    Wir sind mitten in einem Prozess der Selbstzerfleischung und werden mehr und mehr kontrolliert von ein paar Lobbyisten, die nur Macht und Profit kennen und die den Rest der Menschheit als Sklavenarbeiter betrachten.
    Das alles solltet Du wohl bedenken.
    Aus diesem Grund glaube ich das es keine lebenswerte Zukunft, so wie noch einige von uns sie kennen, zumindest meiner Einschätzung nach für die kommenden Generationen geben wird.
    Das sind die Gründe warum ich mir schon in meiner Jugend einen völlig anderen Lebensplan zurechtgelegt habe.
    Niemals so egoistisch zu sein und mich auch noch zu reproduzieren.
    Mit fortschreitendem Alter werde ich fast jeden Tag aufs Neue bestätigt.
    Richtig ist auch, das schon die heutige Jugend völlig anders konditioniert ist und sich sicher allem möglichen Unbill künftiger Repressionen anpasst, aber ich bezweifle zutiefst das das ein Segen für sie sein wird.

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  21. Ano12

    Auch in der DDR dem Abschreckungsszenario des Westens gab es Leute die im Umkehrschluss mit und in dem System zufrieden waren ..genau wie in der BDDR 2.0 heute. Eigentlich haben die zufriedenen in der Ex DDR noch nie so viel Gemeinsam mit den Zufriedenen in BRD gehabt .... ein paar "Eliten" ging es gut während der Rest zusehen muss wo er bleibt ..
    Solche Zustände wie heute .. dahinvegetieren auf H4 , Stromabschneider etc soll es in diesem Umfang in der DDR nicht gegeben haben . Also ob dein Argument da so greift Arno12 ... mit dem besten vorstellbaren System .
    Ich glaube mehr an das Lotto-Syndrom ..
    *sie finden Lotto gut, Scheiße. eben nur das sie zahlendes Mitglied sind
    *man klammert sich an die Vorstellung das man ja Millionär werden kann was ja auch hin und wieder bestätigt wird

    Fazit : jeder kann Millionär werden ..aber eben nicht alle und viele müssen zahlen und bekommen nichts das einer Millionär wird ...und der bekommt noch den kleinsten Anteil den Löwenanteil stopfen sich die Veranstalter in die Taschen

    und jeder meint wenn er , sich nur mal anstrengt und Glück hat, ist er der eine Trottel der es schafft ...dabei ist der eine Gewinner nur die Rübe vor'm Maul der anderen ...

    Das kannst du denen erklären so lange du willst ... umsonst ( sie wollen die Kohle nicht sparen und am Ende des Jahren vielleicht 520 € "gewinnen" )

    Zurück zum Thema, hier das selbe, sie hoffen das sie mit Ellenbogen und Glück vom Tellerwäscher zum Millionär werden.... auch hier Fakt ..keine Chancengleichheit .. wer nix erheiratet oder erbt, bleibt eine arme Sau bis das er sterbt ...

    Die Leute sehen im Tunnelblick nur sich ..

    Publicviewer

    Für die Paar Reichen braucht's aber die 3 Klassengesellschaft ..die brauchen den Pool der Arbeitslosen ( Überbevölkerung ) als Drohszenario für die Mittelschicht die sie finanziert das die Arbeit billig bleibt ....

    In den gepriesenen 60'..70' gab's Arbeit und " zuwenig" Arbeitslose ..das machte die Arbeitskraft teuer ..jeder kennt die Geschichten ,heute da gekündigt und morgen hier für 5 DM mehr die Stunde angefangen ...
    Schon damals fingen die Arbeitsämter auf Geheiß der Wirtschaft an im Ausland "Gastarbeiter" anzuwerben für Jobs ,die der Deutsche angeblich nicht machen wollten .. !!!

    Werdet wach die sollten nur die Löhne drücken... und ..hat doch geklappt ..solche Zeiten gab's nie mehr ..

    Solange die Leute nicht gegen ihre Verarscher aufstehen ändert sich nichts ... alles was ihr heute seht ist politisch gewollt und beiregiert ..auf Wunsch des Kapitals . Wer jetzt nicht sieht wer das Problem ist ..dem ist nicht zu helfen .. just my 20p

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  22. @ Duderich

    Nochmal Wachstum.
    Wie weit willst Du es denn runter schrauben? Auf die Hälfte?
    Selbst das würde nicht ausreichen , um den Ressourcenverbrauch nachhaltig werden zu lassen.

    Ich weiß nicht , wo der Punkt ist , aber ab einem gewissen Level ist eine weitere Schrumpfung nur über das Dezimieren der Anzahl der Menschen zu erreichen , über Hunger , Geburtenregelung dauert zu lange.

    Sicher wird mit einer Umdeutung des rein quantitativen Wachstumsbegriffs massiv hinterfragt werden , ob Konsum auf derzeitige Art Sinn macht, zum Glück , Viele stopfen sich regelrecht zu damit.
    Ob das dann als qualitatives Wachstum in Zahlen auftaucht , hängt entscheidend davon ab , wie es in Zukunft definiert wird.

    Ohne Umstellung auf Nachhaltigkeit aber wird die reine Schrumpfung nichts bringen , weil sie genauso vom rein quantitativen Wachstumsbegriff ausgeht und nur in die andere Richtung will.

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    1. Ich will Wachstum entmythologisieren. Wachstum ist kein Wert an sich - der Wert des Wachstums ist eine reine Propaganda um den Wert des Lebens und eines erfüllten Daseins abzuwerten. Uns soll glauben gemacht werden, dass wir unsere eigenen ureigensten Bedürfnisse dem Wachstum unterzuordnen haben, um uns in dieser 'globalisierten Welt' zu behaupten.
      Es geht nicht um Wachstum der Zufriedenheit, es geht nicht um Wachstum der Gerechtigkeit, es geht ausschließlich um Wachstum von Gewinnen, die zwar durch die Masse generiert werden (durch Produktion und Konsum), an der die Majorität aber nicht partizipieren kann. Wir kriegen vorgegaukelt, dass uns ein I-Pad und ein Großbildfernseher glücklicher macht. Diese sind in drei Jahren überholt und wir brauchen dann wieder schneller und größer. Noch hochauflösendere Bildschirme, die die Propaganda abbilden, die wir schlucken sollen. Derweil wachsen die Müllberge und die Ressourcen schwinden. Hauptsache man ist hipp und auf dem neusten Stand der Technik - nur um noch hochauflösender und in 3 D verarscht zu werden.
      Kein Tier, keine Pflanze wächst unendlich, denn das würde das Ende ihrer Spezies bedeuten.
      Die menschliche Spezies glaubt, über diesen Naturgesetzen zu stehen.
      Der Markt aber steht über allem und kann stetig wachsen.
      Bullshit!
      Jetzt schon verbrauchen wir Ressourcen, die in diesem Tempo nicht mehr regeneriert werden können.

      Wer da noch Wachstum von Markt- und Volkswirtschaften herbeisehnt hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt, oder will sie -um den eigenen Status Quo zu erhalten -nicht erkennen.

      Nicht Wachstum, sondern Schrumpfung und Entschleunigung, ist nachhaltig.

      Wenn es so weiter geht, wie in den letzten 100 Jahren - ohne dass ein Bewußtseinswandel entsteht - dann habt die Menschheit nicht mehr lange, bevor sie sich selbst auffrisst...

      Grüße
      Dude

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    2. Daß rein quantitatives Wachstum in der aktuellen Form nicht lebensfähig ist , versteht sich , da stimme ich völlig zu, und ich fürchte , Du verstehst mich so , daß ich einer Fortführung eines solchen das Wort rede.

      Natürlich macht mehr mehr mehr nicht glücklich , die Frage ist nur , was die Alternative ist und ob die rein quantitative Schrumpfung ausreichende Nachhaltigkeit mit sich bringt.

      Genau das bezweifle ich , ohne Veränderung der Wirtschaftsweise , insbesondere der technischen Vorgänge und der Landwirtschaft , wird es nicht funktionieren , "weniger ist mehr" , aber nur zum Teil , treffender wäre "weniger und anders ist mehr".

      Wenn wir nachhaltig wirtschaften wollen , wird es jeder Menge Umstellungen bedürfen , das wird ein ganz automatischer Wirtschaftsmotor sein , etwa durch massive Nachfrage bei nachhaltigen Technologien , und ich sehe nicht , wo das Problem sein soll , wenn wir wachsen in Richtung Nachhaltigkeit, es kommt allerdings darauf an , wie die Kriterien für Wachstum aussehen könnten.

      Natürlich heißt das auch deutlich weniger Konsum in der bisherigen Art.

      Es gibt auch das Gegenteil der Ideologie des Wachstums - das pauschale In-die-böse-Ecke stellen Aller , die sich überhaupt damit beschäftigen.

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  23. @Lazarus09 25. Januar 2013 20:42
    Auch in der DDR dem Abschreckungsszenario des Westens gab es Leute die im Umkehrschluss mit und in dem System zufrieden waren ..genau wie in der BDDR 2.0 heute. Eigentlich haben die zufriedenen in der Ex DDR noch nie so viel Gemeinsam mit den Zufriedenen in BRD gehabt .... ein paar "Eliten" ging es gut während der Rest zusehen muss wo er bleibt ..
    Solche Zustände wie heute .. dahinvegetieren auf H4 , Stromabschneider etc soll es in diesem Umfang in der DDR nicht gegeben haben . Also ob dein Argument da so greift Arno12 ... mit dem besten vorstellbaren System .


    Es gibt heute viele Menschen, denen es unter DDR-Verhältissen materiell besser gehen würde.. Aber mein Eindruck ist, dass sich trotzdem von denen, die im Westen sozialisiert wurden, nur ganz wenige gesellschaftliche Verhältnisse wie in der DDR wünschen.

    Daher auch die Differenz bei den Wählerstimmen in Ost und West für die Linkspartei.

    Ich glaube mehr an das Lotto-Syndrom ..
    *sie finden Lotto gut, Scheiße. eben nur das sie zahlendes Mitglied sind
    *man klammert sich an die Vorstellung das man ja Millionär werden kann was ja auch hin und wieder bestätigt wird
    Fazit : jeder kann Millionär werden ..aber eben nicht alle und viele müssen zahlen und bekommen nichts das einer Millionär wird ...und der bekommt noch den kleinsten Anteil den Löwenanteil stopfen sich die Veranstalter in die Taschen.


    Nun gut, es gibt Lotto-Spieler, die vom großen Gewinn träumen. Aber ein massenhaftes „Lotto-Syndrom“, wo die Menschen glauben, sie könnten von Otto Normalo zum Millionär werden, kann ich nicht sehen.

    Das Gros der Menschen denkt so, wie Du. Den eigenen Arsch retten, das kleinere Übel wählen, die Geschichte als Abfolge des Immergleichen sehen, nämlich dass die einen herrschen und ausbeuten und die anderen sich beherrschen und ausbeuten lassen. Sie verfügen nicht über eine Theorie des gesellschaftlichen Wandels und deshalb auch keine Strategie. Daher sind ihre Handlungen auch nicht historisch wirksam, sondern besitzen nur die Qualität von symbolischen Handlungen. So sammeln die einen Getrenntmüll, andere meiden bargeldlosen Zahlungsverkehr, die dritten fühlen sich als Anarchisten, wenn sie dem Staat aufgrund von Nachbarschaftshilfe oder Schwarzarbeit keine Steuern zukommen lassen. Dann gibt es auch noch die Blogger und Kommentatoren, welche phantasieren, dass ihre Aktivitäten irgendetwas an Bewusstseinsveränderung bewirken.

    Sie alle versuchen, möglichst gut im System zu überleben und erleben das System als Quasi-Natur. Sie glauben, dass alles so weiter läuft und können sich gar nicht vorstellen, dass sich die Welt in 10 Jahren total verändert hat. Mein Großvater (*1875) hingegen hatte die Erfahrung, dass gesellschaftliche Systeme nur eine relativ kurze Dauer besitzen. Er hat in seinem Leben 4 Systeme und 2 Weltkriege erlebt.

    ano12

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    1. @ano12:
      Du begründest sehr stichhaltig, wie beschissen unsere Welt ist. Warum sie beschissen ist und warum sie es auch bleiben wird.

      Hast Du keine Visionen, keine Hoffnung mehr?

      Ist die Menschheit wirklich so scheiße, dass man ihr keine Zukunft mehr anbieten kann?

      Gibt es noch eine Hoffnung, eine Perspektive für Dich?

      Ernst gemeinte Fragen mit der Bitte um Beantwortung.

      Liebe Grüße
      Dude

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  24. Ich schrieb gerade ähnliches bei Klaus Baum, aber da ging es um den neuen Tarrantino.
    Wobei ich das, was Klaus schrieb mal so gar nicht unterschreiben kann?
    http://klausbaum.wordpress.com/2013/01/25/kurzkritik-von-tarantinos-film-django-unchained/

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  25. @Der Duderich 26. Januar 2013 00:26
    @ano12:
    Du begründest sehr stichhaltig, wie beschissen unsere Welt ist. Warum sie beschissen ist und warum sie es auch bleiben wird.


    Der erst Satz stimmt, der zweite nicht.

    Denn ich bin mir sicher, dass die Welt nicht so bleiben wird, wie sie ist. Denn – so paradox es klingen mag – der Kapitalismus schafft den Kapitalismus ab. Der Kapitalismus als System ist ein gesellschaftliches Selbstzerstörungsprogramm.
    Der Kapitalismus fördert zwar die Entwicklung der Produktivkräfte, aber weil der Kapitalismus ein „falsches System“ (Marx) werden die Produktivkräfte zu Destruktivkräften.

    In den 70-er Jahren mussten die Gesellschaftskritier diesen Selbstzerstörungsprozess noch theoretisch ableiten, wer die damalige Literatur kennt, weiss, dass sie voller Warnungen vor zukünftigen Katastrophen – Wirtschaftskrisen, Kriege, soziokulturelle Dekadenz, Barbarei, ökologische Zerstörung – ist.
    Die alles muss man heute nicht mehr theoretisch ableiten, sondern ist empirisch unmittelbar evident. Ganz gleich, wohin man schaut, die Selbstzerstörungstendenzen sind offensichtlich: in den USA genauso wie in Europa. Und sie werden sich in den nächsten Jahren beschleunigen.

    Der historisch und dialektisch geschulte Mensch weiss, dass gesellschaftlicher Wandel die Entwicklung der „Anti-These“ – Krise, Katastrophe, weitgehende Zerstörung der alten Strukturen – voraussetzt.

    Nach der Barbarei des Ersten Weltkrieges mit 17 Millionen Toten wurde die Frage des Zusammenhanges von Gesellschaftssystem und menschlicher Destruktivität zum Forschungsthema einzelner Wissenschaftler. Erforderlich waren dazu sowohl soziologische wie auch psychoanalytische Kompetenzen. So kommen auch die bedeutendsten Forscher aus dem Kontext von Marxismus und Psychoanalyse.

    Namentlich zu nennen sind hier insbesondere Wilhelm Reich und Erich Fromm, später kommt Alexander Mitscherlich hinzu.

    Gemeinsam findet sich bei ihnen die Erkenntnis, dass menschliche Destruktivität durch Pervertierung der Triebstruktur und des Bewusstseins entsteht, wobei kollektive Destruktivität Folge eines falschen und menschenfeindlichen Sozialsystems ist.

    Fromm erkannte, dass die Struktur der kapitalistischen Gesellschaft zu sadomasochistischen Charakteren führt, zu sadistischen Herren und masochistischen Untertanen. Fromm sprach von einer „kranken Gesellschaft“ und einer „Pathologie der Normalität“.

    --> weiter Teil 2

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  26. --> Teil 2

    Hast Du keine Visionen, keine Hoffnung mehr?

    Hier stimme ich Fromm zu:

    „Was wir brauchen, ist eine neue Haltung, fast möchte ich sagen, eine Kombination von zynischem Realismus und Glauben, ein Vermeiden aller Sentimentalität, aller Irrationalität, verbunden mit dem Glauben an die realen Möglichkeiten.“ (Erich Fromm 1970)

    Hoffnungen und Visionen, die auf Wunschdenken basieren, sind irrational und verunmöglichen rationale Lösungsstrategien.

    Ist die Menschheit wirklich so scheiße, dass man ihr keine Zukunft mehr anbieten kann?

    Nein, keineswegs.

    Im Gegenteil, was die heutige Weltsituation betrifft, so ist sie viel besser als zu Zeiten des Kalten Kriegs, insbesondere in den 70-er Jahren, wo ein Atomkrieg unmittelbar durch die sog. Nachrüstung drohte, welche in Wirklichkeit eine Strategie war, Erstschlagkapazität zu erlangen, um das kommmustische System zu besiegen.

    Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sahen einige als Weltperspektive die „One Capitalist World“ und sprachen vom „Ende der Geschichte“.

    Heute haben wir eine ganz andere Weltkonstellation. Es gibt Bereiche der Welt, wo es kontinuierlich abwärts geht und andere, wo es aufwärts geht.

    In der westlich-kapitalistischen Welt geht es beständig abwärts, wir befinden uns leider mitten drin.

    Aber in Asien und in Teilen Südamerikas geht es aufwärts. Auch Russland kann man dazu zählen. Und diese Staaten bekommen immer mehr Einfluss auf das Weltgeschehen.

    Was die Weltentwicklung insgesamt betrifft, so bin ich optimistisch.
    Allerdings drohen den westlich-kapitalistischen Staaten schlimme Zeiten.

    Gibt es noch eine Hoffnung, eine Perspektive für Dich?

    Die Menschheit wird nicht untergehen. Große Katastrophen können einen Bewusstseinswandel induzieren. Wie beim 30-jährigen Krieg, dem ein Zeitalter von Aufklärung und humanistischer Renaissance folgte.

    Mit den Reformlinken verbinde ich allerdings keinerlei Hoffnung und Perspektive.

    Um es ganz klar zu sagen: Ich halte eine Rückkehr zu jenem Kapitalismus aus den 70-er Jahren mit allgemeinem Wohlstand, Freiheit, Demokratie und Sozialstaat für illusionär. Reformlinke, die glauben man könne den Kapitalismus „zähmen“, verbreiten Illusionen und machen eine Politik, die in eine völlig falsche Richtung geht.

    Seit über 100 Jahren haben Sozialdemokratie und Gewerkschaften ein völlig falsches Politikmodell, was weder Weltkriege noch Faschismus aufgehalten hat, sondern ihre Politik war mitverantwortlich, dass die Gesellschaft diese verhängnisvollen Entwicklungen genommen hat.

    Mit Fortschreiten des kapitalistischen Selbstzerstörungsprozesses werden sich die Kräfteverhältnisse sowohl auf globaler Ebene wie auch in den Gesellschaften verändern.

    Grüsse

    Ano12


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  27. Arno 12

    Alles ganz gut und schön ..nur konkret bekommst du keine 100 Leute zusammen . Nicht das ich dich nicht verstehen würde, wie schon geschrieben gebe ich dir in weiten Teilen Recht .

    Nur lebe ich heute, jetzt, und habe jetzt Verantwortung für meine nicht gerade kleine Familie da bringen mich Visionen nur bis zu einem gewissen Punkt weiter ..dann kommt der eigene Arsch ins Spiel was ,und wie schon mal erklärt, meint das nicht nur meinen ,persönlich , sondern auch den meiner Familie, Freunde meinem Umfeld .. obgleich ich subversiv bis zum abwinken bin muss ich doch innerhalb des bestehenden Systems agieren .. verstehste ... ;-)

    Aber ein massenhaftes „Lotto-Syndrom“, wo die Menschen glauben, sie könnten von Otto Normalo zum Millionär werden, kann ich nicht sehen.

    ..beim Lotto siehst du keinen Hype .. haste mal geprüft was die für Umsätze generieren .. wenn die sagen der Jack Pot umfasst 11 Mio.blabla dann kommen die Nasen sogar aus dem benachbarten Ausland.. und der Michel mobilisiert die letzte Kohle ... stell dir mal vor die machen das alle so wie ich und lassen es bleiben .. :D

    Ich meine unter dem Strich wissen die, welche die Zustände wachen Auges betrachten schon was faul ist ... es sind aber zu wenig . Und dem Rest ist es def. egal solange noch genug Discounter Pils und Schnaps sowie Billigzigaretten verfügbar sind ... oder sind seit Generationen so ausgestattet das es sie (noch nicht) interessieren muss ,was auch nicht wenige sind ..wir leben im Zeitalter der Erben ..e'voila ..

    666

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  28. @Lazarus09 26. Januar 2013 11:36
    oder sind seit Generationen so ausgestattet das es sie (noch nicht) interessieren muss, was auch nicht wenige sind ..wir leben im Zeitalter der Erben ..e'voila ..

    In ein paar Jahren wird deutlich sein, dass wir nicht im „Zeitalter der Erben“, sondern im Zeitalter der großen Enteignungen leben. Mangels ökonomischer Kompetenz haben dies die meisten allerdings noch nicht begriffen.

    Wenn die Sozialsysteme zusammenbrechen, ist es aus mit den guten Renten oder Beamtenpensionen. Wenn der Geldwert verloren geht, mindert sich das Erbe entsprechend. Nicht einmal Immobilien sind vor staatlichem Zugriff sicher.

    Wer wissen will, wie es morgen hier aussieht, sollte sich heute in Griechenland umschauen.

    Solange das System politisch stabil bleibt, sind die Vermögen der Superreichen nicht betroffen. Aber wird es stabil bleiben? Bislang funktioniert „die Mitte“ noch als „Pufferschicht“.

    Ano12

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  29. Ja Arno 12 da bin ich bei dir .. deswegen kannst du in den PIIGS Staaten auch massive Kapitalflucht beobachten .. da verlassen die Ratten das sinkende Schiff ... daraus resultieren auch unter anderem die explodierenden Immobilienpreise in D ..man "investiert" in werthaltige Güter ....Luxussanierungen das selbe .. das Geld und die bits and bytes in den Bankrechnern müssen zu Werthaltigen Gütern gemacht werden ...das Wettrennen hat längst begonnen den es gibt mehr Vermögen als Güter ,die Superreichen bräuchten eigentlich eine 2th Erde um ihre Kohle auszugeben ....

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  30. @ Ano 12:

    wenn man deiner dialektischen logik konsequent folgt, ist die konsequenz bewaffneter klassenkampf unausweichlich, oder täusche ich mich da?

    siehst du das so? keine andere chance als bürgerkrieg?

    leider beschleicht mich auch manchmal der eindruck.

    lg
    don

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  31. Bürgerkrieg oder Diktatur, oder erst Bürgerkrieg und dann Diktatur? Jedenfalls wird es sicher nicht zu unseren Gunsten ausgehen, aber trotzdem werde ich noch einmal "Brecht "zitieren:

    "Wer kämpft kann verlieren,
    wer nicht kämpft hat schon verloren".

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  32. @Don M. Tingly 27. Januar 2013 10:14
    wenn man deiner dialektischen logik konsequent folgt, ist die konsequenz bewaffneter klassenkampf unausweichlich, oder täusche ich mich da?

    siehst du das so? keine andere chance als bürgerkrieg?



    „Bewaffneter Klassenkampf“ ist assoziiert mit Namen wie Marx, Engels, Lenin, Trotzki etc. Sie sind Theoretiker des „bewaffneten Klassenkampfes“. Diese Revolutionstheorien stammen aus dem 19. Jahrhundert. Bereits Rosa Luxemburg und hatte ein anderes Konzept von „proletarischer Revolution“ und insbesondere ihr „Schüler“ Otto Rühle, der wohl bedeutendste Revolutionstheoretiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war ein entschiedener Kritiker von Lenin Revolutionstheorie, welche er als historisch obsolet ansah.

    Nun kann man sich fragen, wie man sich eine emanzipatorische Revolution in modernen, technisch hochentwickelten Gesellschaften überhaupt vorstellen kann? Ich selbst spreche in diesem Zusammenhang von Transformationstheorie, weil mit „Revolution“ meist mit Machtergreifung im jakobinisch-leninistischen Sinne assoziiert wird und weniger mit „Strukturrevolution“, also mit grundlegendem gesellschaftlichen Wandel.

    Die Frage ist, welche Wissenschaftler sich heute überhaupt noch mit der Entwicklung mit Transformationstheorie befassen, welche Theorien als am weitesten entwickelt angesehen werden können, auf die man sich dann auch in der Diskussion beziehen kann?

    Wenn wir auf die vergangenen 150 Jahre zurückblicken, so wird deutlich, dass die führenden Theoretiker der sozialistischen Bewegung das höchste gesellschaftliche Bewusstsein repräsentierten. Hier ist offensichtlich ein historischer Bruch eingetreten. Bezog sich die revolutionäre Linken in den 70-er Jahren auf Theoretiker wie Marcuse, Mandel, Fromm, Sohn-Rethel, Krahl etc. und besaß die Linke in Deutschland damals mit dem SDS noch einen „Brain Trust“, der entscheidenden Einfluss auf den wissenschaftlichen Diskurs hatte, so erscheint die heutige Linke als intellektuell verarmt. An Intellektuellen, die entscheidenden Einfluss auf den wissenschaftlichen Diskurs einnehmen können, hat die heutige Linke nichts Entsprechendes mehr aufzuweisen. Die „Denkriesen“ aus der Vergangenheit sind aus der Linken verschwunden, heute dominieren dort Zwerge.

    Was ist eine Sarah Wagenknecht gegen einen Ernest Mandel, geschweige denn eine Rosa Luxemburg?

    Ein Pierre Bourdieu (†2002) und Eric Hobsbawn († 2012)gehörten zu den letzten weltweit anerkannten „marxistischen“ Theoretikern des 21. Jahrhunderts. Mit Abstrichen kann man vielleicht noch Andre Gorz († 2007) hinzuzählen.

    Wen kann man denn heute noch als führenden „linken Theoretiker“ bezeichnen, dessen Schriften einen „Must Read-Impuls“ auslösen, wie beispielsweise Erich Fromm in den 70-ern?

    Die historische Stärke und der gesellschaftliche Einfluss von sozialistischen Ideen basierten auf der Entwicklung des „wissenschaftlichen Sozialismus“.

    Im Gegensatz noch zu den 70-er Jahren ist heute im Wissenschaftsprozess hegemonial das neoliberale Denken, welches entscheidend beeinflusst wird von Intellektuellen aus den neoliberalen Brain Trusts. Die Linken haben dem nichts Entsprechendes entgegenzusetzen und finden sich im Kampf um Ideen und Köpfe in einer Position der Schwäche.

    „Bewaffneter Klassenkampf“ als Transformationsstrategie ist historisch obsolet. Hoffnungen, die einen „Bürgerkrieg als Chance“ sehen, sind irrational. Spielten die „Massen“ in den Revolutionstheorien des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch eine zentrale Rolle, so gibt es heute keinen einzigen renommierten Gesellschaftstheoretiker, der noch Hoffnungen auf das revolutionäre Potential der „arbeitenden Massen“ setzen würde.

    Die Zeiten sind vorbei, wo die „Arbeiterklasse“ noch ein geschichtsmächtiges Potential besaß. Wer Bourdieus Werk „Das Elend der Welt“ kennt, weiß warum.

    Ano12

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    1. Rien a ajouter...malheureusement...:-(

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    2. das fazit ist dann absoluter fatalismus? sich ergeben in die faktizität neoliberaler postdemokratie? nichts was man tun, oder wenigstens erhoffen könnte?

      ich halte auch nichts von gewaltsamer transformation. allerdings sträubt sich mein innerstes gegen die kapitulation.

      das leben als (verzeihung an die gleichgesinnten) einsamer rufer in der wüste, ist ohne alkohol und drogen nur schwer zu ertragen (und ich lebe abstinent!).

      lg
      don

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  33. @Duderich
    Gratuliere zu deinem 50-Tausendsten!

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  34. @Don M. Tingly 28. Januar 2013 15:24
    das fazit ist dann absoluter fatalismus? sich ergeben in die faktizität neoliberaler postdemokratie? nichts was man tun, oder wenigstens erhoffen könnte?

    Mein Fazit ist ein anderes.

    Die Grundfrage ist doch, welches Verständnis – bzw. welche Theorie – vom geschichtlichen Wandel existiert.

    Der Marxismus geht in seinem Klassenkampfparadigma von einer „Revolution von unten“ aus. Und in diesem Denken ist die „Arbeiterklasse“ bzw. sind „die Massen“ das potentiell revolutionäre Subjekt. Diese Revolutionstheorie hat sich historisch erledigt.

    Gesellschaftliche Transformationsprozesse müssen als sozialen Träger nicht unbedingt „die Massen“ oder die „Arbeiterklasse“ haben.

    Selbstverständlich ist auch eine „Revolution von oben möglich“. Die sozialen Träger der 68-er-Bewegung kamen nicht von unten, sondern aus den Intelligenzschichten. Auch die Funktionseliten können Träger einer sozialen Transformation sein. Warum nicht?

    Wenn das System zunehmend dysfunktional wird – und dies wird so kommen – dann stellt sich die Systemfrage.

    ano12

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  35. Rober Kurz schreibt in diesem Zusammenhang:
    Und damit ist auch klar, daß es kein vom Kapitalverhältnis selber konstituiertes Sozialsubjekt sein kann, das ausgerechnet qua seiner objektiven Stellung in diesem Verhältnis dessen Überwindung bewerkstelligen soll. Die Anrufung der "Arbeiterklasse" als "an sich" schon prädestiniertes Aufhebungsssubjekt, das nur noch "für sich" bewußt werden muß, hat sich erledigt. Die arbeiterbewegungsmarxistische Vorstellung von einer "objektiv" durch die kapitalistische Konstitution selber angelegten Emanzipation ist bloß absurd. Der linke aufklärerische Willensidiot blamiert sich mit diesem Konstrukt gerade als blanker Objektivist. Ironischerweise kann die "Willensfrage" erst jenseits des kapitalistisch formbestimmten "Klassenkampfs" in ihr Recht gesetzt werden. Die radikale Kritik des vom Verwertungsprozeß bestimmten subjektlosen Formzusammenhangs ist möglich, weil die davon bedingten Leiden und schreienden Widersprüche praktisch und massenhaft erfahren werden. Die bürgerliche Subjektform ist nicht hermetisch geschlossen. Aber ihre radikale Kritik kann sich auf kein "objektiv" vordefiniertes und abgrenzbares Sozialsubjekt beziehen.
    Eine radikale Gegenbewegung kann sich nur selbst konstituieren, indem sie tatsächlich die bürgerliche Interessenform mit allen ihren irrationalen Implikationen bewußt nicht mehr will. Die Gesellschaft polarisiert sich dann quer durch alle Funktionsträger, Klassen, Gruppen, Schichten usw. in ein Lager, das die herrschende Form mit aller Gewalt erhalten und ein Gegenlager, das sie überwinden will. Der Maschinenarbeiter in der Rüstungsindustrie, die alleinerziehende Mutter, der Langzeitarbeitslose, die Elendsunternehmerin, der Billiglöhner und selbst der Manager usw. können bei dieser einmal in Gang gekommenen Polarisierung hüben oder drüben stehen, das kann gar nicht "objektiv" vorentschieden sein.
    [Hervorh. Ano12]
    http://www.exit-online.org/link.php?tab=autoren&kat=Robert%20Kurz&ktext=Wir%20haben%20ihn%20so%20geliebt%20den%20Klassenkampf

    Ano12

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    1. das liest sich plausibel, läuft aber letztlich doch aufs gleiche hinaus, wie der klassisch Marx'sche klassenkampf. nur mit dem unterschied, dass die front nicht entlang der sozialen schichten verläuft, sondern die entscheidung, auf welcher seite man steht, von jedem einzelnen mehr oder weniger slebstbewusst getroffen wird.

      das szenario erinnert mich ein wenig an den spanischen bürgerkrieg: auch hier waren auf beiden seiten angehörige aller gesellschaftlichen schichten zu finden.

      wenn du aber schreibst, dass eine gruppe "die herrschende form mit aller gewalt erhalten will", dann denke ich, dass das durchaus wörtlich zu nehmen ist:

      wir hatten hier bereits posts, die sich mit dem beobachtbaren aufrüsten der herrschenden gegen die eigene bevölkerung befasst haben. und dann landen wir letztlich doch beim bewaffneten kampf.

      (die gewaltsame niederschlagung des streiks der u-bahn-fahrer in Athen letzte woche ist ein schlagendes beispiel dafür)

      lg
      don

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  36. @Don M. Tingly 28. Januar 2013 17:52
    das liest sich plausibel, läuft aber letztlich doch aufs gleiche hinaus, wie der klassisch Marx'sche klassenkampf. nur mit dem unterschied, dass die front nicht entlang der sozialen schichten verläuft, sondern die entscheidung, auf welcher seite man steht, von jedem einzelnen mehr oder weniger slebstbewusst getroffen wird.

    Der entscheidende Unterschied liegt in der Bündnisfrage. Mit wem kann man erfolgreich kommunizieren und kooperieren?

    Zu diesem Thema habe ich einen Vergleich heutige Linke vs. 68-er-Bewegung geschrieben:

    Der Duderich hat wiederholt die „Zerstrittenheit der Linken“ thematisiert. So mit dem Beitrag „Die Linke ist der Linken größter Feind“, wo er eine Analogie zu den Indianerkriegen in Nordamerika zog.

    Mit der Fusion von PDS und WASG war bei vielen die Hoffnung verbunden, damit würde so etwas wie eine „vereinigte Linke“ entstehen. Dies würde jedoch voraussetzen, dass es im „linken Spektrum“ Gemeinsamkeiten in den Interessen und Kulturen gibt, zumindest keine Inkompatibilität in diesen Bereichen.

    Auch wenn der Wunsch nach „linker Einheit“ und damit verbunden nach Zugewinn an politischer Stärke, verständlich ist, so muss er jedoch als illusionär angesehen werden, wenn er grundlegende Differenzen und Inkompatibilitäten zwischen den verschiedenen linken Tendenzen ignoriert.

    --> weiter Teil 2

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  37. --> Teil 2

    Für mich ist als sog. Alt-68-er offensichtlich, dass die heutigen Linken nicht mehr identisch sind mit den 68-er-Linken, sondern in vielen Punkten sogar das Gegenteil darstellen.

    Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn die Beziehungen zueinander nicht durch Identifikation; sondern durch Gegenidentifikation gekennzeichnet sind. Die 68-er Linken wollen nichts mit den heutigen Linken zu tun haben – und umgekehrt.

    Da hat sich – so meine These - nicht nur etwas auseinanderentwickelt, sondern ist sogar in Inkompatibilität und Widerspruch geraten.

    Die 68-er –Linken verstanden sich als „Neu Linke“, was bereits darauf hinweist, dass sie sich von der „alten“ Linken abgrenzten. Was wurde als „alte Linke“ angesehen? Das war die „moskauhörige“ Linke, sie sich selbst als „kommunistisch“ bezeichnete, also Überbleibsel der stalinistischen KPD und die Sympathisanten und Parteigänger aus dem Umkreis des DKP-Milieus. Also Anhänger des sog. „realen Sozialismus“. Als Kommunisten waren sie gesellschaftlicher Ausgrenzung und Repression ausgesetzt.

    Die „Neue Linke“ rekrutierte sich in großem Umfang aus Mitstreitern der APO, welche eine Gegenbewegung zur Notstandsgesetzgebund war und welche die freiheitliche und demokratische Verfassung – das Grundgesetz - verteidigen und bewahren wollte.

    Diese „Neue Linke“ war gesellschaftlich integriert, ihre Sympathisanten und Unterstützer hatten hohe gesellschaftliche Positionen inne, es waren viele Professoren, wie z. B. Werner Hofmann, Schriftsteller, wie Hans Magnus Enzensberger, führende Mitglieder in der SPD und den Gewerkschaften, wie z.B. Jakob Moneta oder Peter von Oertzen, der sogar niedersächsischer Kultusminister war.

    Sie alle waren Kapitalismus-Kritiker und zugleich Teil des Bürgertums, sie verfügten über gesellschaftlichen Einfluss, über Macht und Geld.
    So war Hannsheinz Porst ein sozialistischer Unternehmer, „Marxist und Millionär. Es gab linke Verlage und der damalige SPIEGEL war zwar nicht „linksorientiert“, aber auch nicht „linksfeindlich“.

    Viele Linksintellektuelle waren Repräsentanten der „Neuen Linken“, sie waren gesellschaftlich integriert, waren in hohen Positionen, besaßen erheblichen gesellschaftlichen Einfluss und verfügten über Macht und Geld.

    Die „Neue Linke“ war liberal orientiert. Am deutlichsten war dies im Bereich der Sexualität. Sie bekämpfte erfolgreich die damals herrschende repressive Sexualmoral und die darauf basierende Strafgesetzgebung, So drohte damals bei Abtreibung eine Zuchthausstrafe bis zu 10 Jahren (http://lexetius.com/StGB/218), unehelicher Geschlechtsverkehr wurde als „Unzucht“ angesehen, wer dies erlaubte, wurde wegen „Vorschubleisten der Unzucht“ wegen „Kuppelei“ strafrechtlich verfolgt, Homosexualität war strafbar.
    Die „Neue Linke“ trat für „freie Liebe“, sie wollte die Monogamie und die monogame Familie überwinden. Im Kontext der „Neuen Linken“ entwickelte sich ein promiskuitives Sexualverhalten. Sie scheiterte allerdings beim Versuch der Entwicklung neuer Lebensformen.

    Wie war das Verhältnis der „Neuen Linken“ zum Konsum? Ein Leben in Wohlstand ohne materiellen Mangel war für die Linken selbstverständlich. Schöne Wohnung, Auto, Ausstauung mit modernen Haushaltsgeräten. Zugleich gab es die Kritik am „Konsumterror“, an der „Wegwerfgesellschaft“, an der Obsolenzproduktion. Man orientierte sich an einem bürgerlichen Konsumniveau. Man strebte nicht nach dem Konsumniveau der Reichen, wie: eigene Yacht, eigenes Flugzeug. Der Erwerb von „kulturellem Bildungsreichtum“ spielte eine wesentliche Rolle.

    Beim Verkehr setzte man auf intelligente Lösungen, wie z. B. kostenloser Nahverkehr, Fahrgemeinschaften etc.

    --> Teil 3

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  38. --> Teil 3

    In diesen genannten drei Punkten unterscheiden sich die heutigen Linken grundlegend von den 68-er-Linken.

    1. Die heutigen Linken gehören mehrheitlich einer anderen Klasse an. Sie sind nicht Teil des Bürgertums, sondern eher von lohnarbeitenden Unterschichten. In den gesellschaftlichen Hierarchien erlangen sie nur höchst selten hohe Positionen (Ausnahme: Karrieren von linken Berufspolitikern), sie gehören nicht zu den gesellschaftlichen Eliten im Bereich Bildung, Wissenschaft und Kultur. Sie verfügen nicht über relevanten gesellschaftlichen Einfluss, nicht über Machtpositionen und nicht über größere finanzielle Mittel. Ihr eigener Lebensstandard ist häufig "armutsnah". Forderte der SDS noch Elitenbildung („Elite tut not!“), so sind die heutigen Linken eher elitenfeindlich und anti-intellektuell eingestellt. Sind daher auch nicht bündnisfähig für die vorhandenen gesellschaftlichen Eliten. Häufig gibt es eine sozialarbeiterische Orientierung: Sozialarbeit statt gesellschaftlicher Strukturrevolution. Armenhilfe statt Abschaffung der Armut. Das ist typisch für die „Reformlinke“, deren Mitglieder und Wählerschaft „prekaritatsnah“ sind.

    2. Die heutigen Linken sind feministisch orientiert. Die Frauenbewegung der 70-er Jahre war eine Gegenbewegung zur 68-er-Bewegung. Der herrschende „Emma“- Feminismus ist ein kleinbürgerlicher Spießer-Feminismus, welcher durch Prüderie und Sexualfeindlichkeit gekennzeichnet ist.
    Anders als zu 68-er-Zeiten ist das linke Milieu wenig attraktiv für Frauen.

    3. Die heutigen Linken sind ökologistisch orientiert. Sie sind anti-industriell eingestellt und idealisieren Konsumverzicht und „ökologisches Verhalten“. Statt strukturelle Lösungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene anzustreben, fordern sie von den Individuen Verzichtsverhalten und erhöhen so die gesellschaftlichen Zwänge.

    Der Vergleich zwischen den heutigen Linken und den 68-er-Linken zeigt die Unterschiede und Gegensätze. Vielleicht kann man sagen, dass die 68-er-Linken eher bürgerlich-emzipatorisch orientiert waren, die heutigen Linken eher kleinbürgerlich-besitzstandswahrend.

    Die heutigen Linken erscheinen im Vergleich als langweilig, lustfreindlich, entmutigt und kraftlos. Gesellschaftlich sind sie marginalisiert und in Richtung Prekariat abgedrängt. Betroffenheits- und Empörungsdiskurse dominieren, viele Forderungen gehen in Richtung „Gleichmacherei“.

    Zündende neue Ideen, welche bei anderen gesellschaftlichen Schichten positive Resonanz oder gar Begeisterung hervorrufen, können sie offensichtlich nicht entwickeln.

    Meine Gegenüberstellung unterliegt sicherlich einem Schwarz-Weiß-Schematismus. Das ist m. E. unvermeidbar, will man die Unterschiede und Gegensätze akzentuiert herausarbeiten.

    Der Vergleich zeigt, dass es die imaginierte „linke Einheit“ nicht gibt und auch aufgrund der kulturellen Inkompatibilität nicht geben kann. Bereits im Beitrag „Linke als Helfershelfer der Neoliberalen?“ hatte ich darauf hingewiesen, dass diese „linke Einheit“ historisch noch nie gab.

    Ano12


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    1. @ Ano12
      Stimmt, ich kann mich auch noch gut an die endlosen Diskussionen zwischen den eher stalinistisch-marxistisch und den maoistisch Orientierten erinnern, ja, sowas gab es auch mal...lächel
      Hast Du schön herausgearbeitet.....:-)

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    2. @Publicviewer
      Stimmt, ich kann mich auch noch gut an die endlosen Diskussionen zwischen den eher stalinistisch-marxistisch und den maoistisch Orientierten erinnern

      Das war wie zwischen Religiösen. Es hat ja auch mit "Glauben" und "Erlösung" zu tun.

      Manche bezeichnen den Marxismus als "Diesseitsreligion". Nach Marx und Engels sollte er jedoch Wissenschaft sein, für die der Grundsatz gilt „de omnibus dubitandum“.

      Ano12

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    3. Mein lieber Ano12:
      Ich reflektiere hier mal, was bei mir angekommen ist und somit nicht als eine Zusammenfassung zu verstehen ist:

      1.) Der Kapitalismus frisst sich selbst.
      Da gebe ich Dir 100%ig recht! Bietet aber für mich keine Perspektive, weil ich befürchte, dass der K. dann irreversiblen Schäden angerichtet hat. Es gilt vorher eine denkbare Alternative bestehen Umständen entgegenzusetzen und somit eine kritische Masse zu rekrutieren.
      Einzig Don hat bislang dazu einen Versuch formuliert.

      2.) Eine revolutionäre Opposition ist nicht mehr in der 'Arbeiterklasse' zu suchen und die Linke ist intellektuellenfeindlich.
      Auch hier bin ich Deiner Meinung.
      Der gemeine Arbeiter liest die Bild-Zeitung, glaubt die Zeitung des 'kleinen Mannes' zu lesen und wird dabei indoktriniert von der Meinungsmanipulation kapitalistischer, feudalistischer Interessengruppen. Auch ich denke, dass die aktuelle Intelligenzia weitgehend versagt. Sicherlich gibt es Ausnahmen, aber es fehlen Figuren wie bspw. Dutschke, der der I. auch nur bedingt zuzuordnen war. Dies ist auch als Versagen der Medienlandschaft festzustellen, die Andersdenkende, Oppositionelle kein Forum bietet. Diskussionen finden nur innerhalb der Leitplanken kolportierten gesellschaftlichen Konsens statt.

      3. Linke Kräfte propagieren Konsumverzicht und sind deshalb in ihrer Vision zu unattraktiv um relevante Kräfte aus der Bevölkerung zu bündeln.
      Hier Widerspruch von meiner Seite:
      Es gilt dem unterschwelligen und subtilem Versprechen, dass Innovation von Produkten gleichzeitig qualitatives Wachstum und Verbesserung der Lebensqualität innehat Alternative entgegenzusetzen und bewusst zu machen. Vielmehr sollte von der Linken Freizeit (Zeit für soziale Kontakte, Familie, etc.), Entschleunigung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen dem zeitgeistigen Konsumerismus entgegengesetzt werden.
      Hier ist eine Alternative bestehender wachstumsorientierter und konsumabhängiger Wertigkeiten zu konstruieren.
      Dies hat nichts mit Verzicht zu tun (und dies gilt es bewusst zu machen) sondern - in der Konsequenz mit Lebensqualitätsteigerung.

      4.) Was ich bei Deinen Ausführungen vermisse, bzw. möglicherweise überlesen habe ist der Pazifismus als klassisches linkes Thema:
      Es gilt (und dass ist ein langwieriger Prozess) bewusst zu machen, dass kein Ressourcenzugang, keine religiösen, humanistischen, moralischen, ethischen, etc. Überzeugungen über Waffengewalt etabliert werden können. Mit Waffengewalt wird man niemals Überzeugungen verändern, sondern im besten (bzw. erwünschten Fall) angepasstes systemkonformes Verhalten erzwingen. Zum Preis der Völkerverständigung und der Koexistenz der Kulturen.

      Liebe Grüße
      Dude

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  39. dass "linke" denker heute kaum noch eine rolle spielen, sie aus "elitären" funktionen verdrängt wurden und dementsprechend ihre theoretischen grundlagen immer mehr in vergessenheit geraten (wer liest heute noch Fromm, Gramsci oder Hobsbawm?), ist mm einfach nur ausdruck des neoliberalen durchmarschs seit den späten 70'ern.

    mit Reagan und Thatcher gelang es dem kapital endgültig zwei willfährige marionetten (allerdings mit ausgeprägtem machtinstinkt) an entscheidender stelle zu positionieren. seither läuft v.a. an unis und in den medien ein gleichschaltungsprogramm, bei dem selbst der strammste nazi vor neid erblasst wäre.
    zugute kam ihnen dabei der zerfall des "real existierenden" sozialismus, der letztlich auch nichts anderem geschuldet war, als der gigantischen westlichen werbetrommel, die allen ostblock-bürgern erfolgreich vorgegaukelt hat, sie würden nach der wende in glück und wohlstand leben.

    was für ein bitteres erwachen!!

    derzeit treiben wir übrigens das gleiche spiel mit der dritten welt und den schwellenländern. auch die gehen gerade brav auf den neoliberalen leim.

    letztlich bleibt die frage nach dem WIE der transformation im raum. keine macht -> keine medien -> keine studenten -> keine professoren -> kein einfluss usw. usw.

    für mich stellt sich immer mehr die frage, ob aus einem "empört euch!" nicht doch ein "erhebt euch!" werden muss. aber, wie hat Lazarus das so schön gesagt: in einem land der bahnsteigkarten-käufer?!?

    lg
    don

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  40. @Der Duderich 29. Januar 2013 00:45

    Hallo Duderich,

    meine Position zu den 4 Punkten ist:

    1. Der Kapitalismus frisst sich selbst.“

    Was ist darunter konkret zu verstehen?
    Doch weniger ein apokalyptisches Katstrophenszenario, als vielmehr ein zunehmendes Systemversagen auf der Ebene der Realökonomie.
    Trotz der Entwicklung der Produktivkräfte müssen die die Menschen immer mehr und länger arbeiten und immer mehr Menschen geraten in Armut und Elend.
    Das Systemversagen zeigt sich nicht in der Zunahme der Arbeitslosigkeit, wie dumme Linke meinen, sondern genau im Gegenteil, nämlich in der Zunahme des Arbeitsvolumens trotz wissenschaftlichen –technischen Fortschritts .
    In diesem Widerspruch manifestiert sich das Systemversagen.
    Das gleiche Phänomen findet sich in vielen gesellschaftlichen Bereichen, z. B. im Gesundheitswesen. Wenn trotz wissenschaftlichen Fortschritts die medizinische Versorgung immer schlechter wird..

    Bietet aber für mich keine Perspektive, weil ich befürchte, dass der K. dann irreversiblen Schäden angerichtet hat.

    Das muss nicht zwangsläufig sein, ist aber z. B. im Rahmen von Kriegshandlungen möglich. Aber diese Prozesse kann niemand aufhalten. Gesellschaftliche Prozesse laufen wie „Naturgewalten“ (Sohn-Rethel) ab.

    Es gilt vorher eine denkbare Alternative bestehen Umständen entgegenzusetzen und somit eine kritische Masse zu rekrutieren.

    Das ist eine typisch linke Illusion. Warnungen bezüglich des gesellschaftlichen Niederganges gibt es schon seit Anfang der 70-er. Was ist in diesen 40 Jahren effektiv geschehen, um dies zu verhindern? Nichts. Das System läuft eigenlogisch weiter, bis es aufgrund von Dysfunktionalität nicht mehr weiterlaufen kann. Das System läuft als „automatisches Subjekt“ (Marx).

    2. Eine revolutionäre Opposition ist nicht mehr in der 'Arbeiterklasse' zu suchen und die Linke ist intellektuellenfeindlich.
    Auch hier bin ich Deiner Meinung.
    Der gemeine Arbeiter liest die Bild-Zeitung, glaubt die Zeitung des 'kleinen Mannes' zu lesen und wird dabei indoktriniert von der Meinungsmanipulation kapitalistischer, feudalistischer Interessengruppen. Auch ich denke, dass die aktuelle Intelligenzia weitgehend versagt. [..]Dies ist auch als Versagen der Medienlandschaft festzustellen, die Andersdenkende, Oppositionelle kein Forum bietet. Diskussionen finden nur innerhalb der Leitplanken kolportierten gesellschaftlichen Konsens statt.


    Egal ob BILD-Zeitung, FAZ, SPEGEL, ZEIT, SZ, FR etc. – mittels dieser Medien ist keine Bildung eines zureichenden gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins möglich. Wer Bourdieu verstanden hat, weiss, dass das Problem in der begrenzten Alltagserfahrung des „Teil-Arbeiters“ liegt. Ein zureichendes gesamtgesellschaftliches Bewusstsein können nur Teile der „geistigen Arbeit“ entwickeln. Aber heutzutage verrichten die meisten der akademisch Qualifizierten auch nur noch „Teil-Arbeit“. Dazu sollte man Sohn-Rethel und Krahl lesen.

    --> weiter Teil 2

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  41. --> Teil 2

    3. Linke Kräfte propagieren Konsumverzicht und sind deshalb in ihrer Vision zu unattraktiv um relevante Kräfte aus der Bevölkerung zu bündeln.
    Hier Widerspruch von meiner Seite:
    Es gilt dem unterschwelligen und subtilem Versprechen, dass Innovation von Produkten gleichzeitig qualitatives Wachstum und Verbesserung der Lebensqualität innehat Alternative entgegenzusetzen und bewusst zu machen. Vielmehr sollte von der Linken Freizeit (Zeit für soziale Kontakte, Familie, etc.), Entschleunigung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen dem zeitgeistigen Konsumerismus entgegengesetzt werden.
    Hier ist eine Alternative bestehender wachstumsorientierter und konsumabhängiger Wertigkeiten zu konstruieren.
    Dies hat nichts mit Verzicht zu tun (und dies gilt es bewusst zu machen) sondern - in der Konsequenz mit Lebensqualitätsteigerung.


    Zustimmung hinsichtlich des Grundgedankens der Steigerung der Lebensqualität.
    Doch wo weist „linkes Leben“ eine höhere Lebensqualität auf?
    Wo ist „eine linke Kultur“ attraktiv?
    Wo repräsentiert diese eine höhere Lebenskunst?
    Wo führt sie zu einem besseren und erfüllteren Leben?

    Das ist doch genau der entscheidende Unterschied zur 68-er-Linken. Da pulsierte das Leben bei den Linken, es gab Happenings, Feten, spannende Diskussionen und Klasse Frauen.

    4.) Was ich bei Deinen Ausführungen vermisse, bzw. möglicherweise überlesen habe ist der Pazifismus als klassisches linkes Thema:
    Das klassische linke Thema ist Emanzipation, also Befreiung. Befreiung ist nur durch Befreiungskampf möglich. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Befreiungskampf ist das Gegenteil von „sozialem Pazifismus“. Echter linker Pazifismus ist Kriegsdienstverweigerung, nicht aber nicht die Meidung eines Befreiungskampfes.

    Wobei „Befreiungskampf“ nicht mit „bewaffneten Kampf“ gleichgesetzt werden darf. Sondern unter den heutigen Bedingungen ist der bewaffnete Kampf objektiv reaktionär. Deshalb wird von Agents provocateurs versucht, Oppositionelle in die Falle des bewaffneten Kampfes zu bringen, sie liefern sogar die Waffen und Sprengstoff, wie die Geschichte des Linksterrorismus zeigt.

    Es gilt (und dass ist ein langwieriger Prozess) bewusst zu machen, dass kein Ressourcenzugang, keine religiösen, humanistischen, moralischen, ethischen, etc. Überzeugungen über Waffengewalt etabliert werden können

    Das ist objektiv falsch. Denn zur Etablierung und Aufrechterhaltung des Rechtsstaates war und ist immer Gewalt nötig. Ohne rechtsetzende Gewalt gibt es kein Recht.

    Mit Waffengewalt wird man niemals Überzeugungen verändern, sondern im besten (bzw. erwünschten Fall) angepasstes systemkonformes Verhalten erzwingen.

    Wenn es ein gutes und menschenfreundliches System ist, dann ist damit doch ein entscheidendes Ziel erreicht.

    Grüsse

    Ano12

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  42. @Don M. Tingly 29. Januar 2013 05:01
    für mich stellt sich immer mehr die frage, ob aus einem "empört euch!" nicht doch ein "erhebt euch!" werden muss. aber, wie hat Lazarus das so schön gesagt: in einem land der bahnsteigkarten-käufer?!?

    Ja, erhebt Euch! Kommt mit dem Arsch hoch! Werdet endlich aktiv, statt nur zu mosern und vor der Glotze oder dem Monitor zu sitzen und die ewig gleichen Betroffenheits- und Empörungsbekundungen in die Tastatur zu hämmern.

    Endlich herauskommen aus der passiven Konsumhaltung, etwas selbst organisieren, kreativ sein!

    Überall wird nur passiv konsumiert, bei Rock-Konzerten, bei den Technoparades, in den Discos usf.

    Wo ist die Spassgueriilla?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spa%C3%9Fguerilla

    Es kann doch nicht sein, dass die Jugend nur noch aus unkreativen, langweiligen Individuen besteht?!

    Grüsse

    Ano12

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  43. Ich habe über den Beitrag nachgedacht. Eigentlich sollten vor der Diskussion die Ziele die man erreichen will ermittelt werden. Erst dann kann man das aktuelle System kritisieren, da es diese Ziele nicht erfüllt und feststellen, was man ändern muss.

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    1. Alles das hat der von mir sehr geschätzte Robert Havemann in seinem Buch "MORGEN" Die Industriegesellschaft am Scheideweg; Kritik und reale Utopie dargelegt. Ich habe noch nie ein so gut durchdachtes und sehr verständlich geschriebenes Buch über unsere gesellschaftlichen Zustände und den Weg daraus gelesen. Sein Gesellschaftsmodell Utopia ist möglich, setzt aber unbedingt voraus, das Geld abzuschaffen. Besorgt euch das Buch im Internet und lest es - ihr werdet viele Antworten auf eure Fragen finden.

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  44. Die Natur des Menschen1. Februar 2013 um 12:21

    Ich finde diesen Blog sehr spannend! Meine Gedanken kreisen dabei jedoch immer wieder um ein spezielles Thema: Woher kommt der menschliche "Egoismus", der alle Ideen zur Verbesserung von Menschengesellschaften zunichte macht? Egal welcher Ansatz in der Vergangenheit gewählt oder für die Zukunft diskutiert wurde, es wird zu wenig berücksichtigt, wie sich Menschen in einer Gruppe individuell verhalten, wie sich Interessengruppen bilden und verändern, welche Eigendynamik Gruppen (Verbände, Parteien, Staaten) entwickeln, warum wir dem Ziel einer (flächendeckend) humanen Weltordnung und einem Leben im Einklang mit der Natur offensichtlich nicht näher kommen. Man hat sich vor Jahrtausenden schon die Köpfe zur Erhaltung der eigenen Lebensgrundlagen eingeschlagen (Revierverteidigung und Eroberung neuer Reviere) und man tut es heute noch! Und wer glaubt, dass dies einmal anders sein wird? Wer glaubt, dass die Gründe dafür, dass der besser ausgerüstete Teil der Menschheit den schwächeren Teil in Schach hält, einmal nicht mehr existieren würden? Sind Geld und Besitz die Ursachen für den täglichen Kampf Reich gegen Arm, Wissend gegen Unwissend, Miesmacher gegen Optimist? Ich vermute, die Ursachen liegen in der Biologie des Menschen. Wir sind aus biologischer Sicht gemacht, um zu überleben, um uns gegen andere (Arten und Artgenossen) durchzusetzen. Jeder versucht mit seinen Mitteln und den ihm zur Verfügung stehenden Bündnissen (Familie, Freunde, Beruf, Partei, Geschäftsbeziegungen, etc. pp.) das für ihn Mögliche zu erreichen. Ein gemeinsames Ziel haben wir nur dann, wenn jeder Teilnehmer einer Gruppe das Gruppenziel als Allianzen, Staatenbündnisse vorteilhaft für sich ansieht. Wenn das nicht der Fall ist, ist ihm das Gruppenziel egal. Wie also soll eine mögliche Idee von einer besseren Weltordnung mit all ihren komplizierten Details mit ca. 7 Mio Menschen realisiert werden? Wenigstens die große Masse müsste ja dann an einem Strang ziehen. Das erscheint mir auf Grund der Natur des Menschen als unrealistisch. Und dass eine kluge Elite diesen Job für alle anderen erledigen könnte gehört wohl in das Reich der Märchen ...

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    1. Ich sehe eher den Egoismus als Kind der Zivilisation. Die Menschheit konnte überleben und sich etablieren, gerade weil(!) es ein soziales Wesen ist. In der Frühzeit der menschlichen Spezies konnte der Mensch nur im Clan überleben. Nicht Egoismus waren überlebenswichtig sondern der Gruppenverband.

      Auch heute noch wirst Du bei indigenen Gruppen kaum Egoismus vorfinden.

      Vielmehr ist es doch so, dass in der heutigen Gesellschaft Egoismus, Wettkampf und Konkurrenz gefördert und belohnt werden...

      Liebe Grüße
      Duderich

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    2. Wir haben uns enfach zuviel reproduziert, "7 Millionen"wären da bestimmt ein gutes Ziel...lächel...;-)

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