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Montag, 18. Februar 2013

Die heuschlerische Empörung des 'Homo ökonomikus'

Abteilung: Streitschrift und Wahlempfehlung

Wer nun empört sein sollte, dass Amazon ausbeuterische Arbeitsverhältnisse betreibt, der vergisst, dass ALLE Arbeitsverhältnisse ausbeuterisch sind und sich nur durch die Stufe der Ausbeutung unterscheiden. Kein einziges Arbeitsverhältnis in der freien Wirtschaft existiert aus humanistischen Erwägungen heraus - das Ziel ist es, Gewinne zu erzeugen, und die sind nun mal um so größer, je geringer der Arbeitslohn ist.
Die Anreize dieses Systems fördern Ausbeutung und der Wähler wählt die Parteien, die dieses System fördern. Im Herbst werden wir auf's neue die Erfahrung machen, dass mehrheitlich Parteien gewählt werden, die den Niedriglohn, die Leiharbeit und die Zwangsarbeit eingeführt haben, bzw. diese goutieren.

Wenn ihr Euch über Amazon empört, dann realisiert bitte, dass diese lediglich im legalen(!) Rahmen und im allseits anerkannten kapitalistischen Konkurrenzdruck sämtliche Vorteile (Niedriglohn, Steuerschlupflöcher, ...) nutzt.
Dies ist das, was man euphemistisch unter der gewinnoptimierenden Wirkung des Wettbewerbes und der Konkurrenz versteht.
Würde man einem Tennisspieler den Vorwurf machen, den Ball möglichst an die Begrenzungslinie zu schlagen? Würde man von ihm verlangen, den Ball dem Gegner vor die Füße zu spielen?
Wettkampf bedeutet, innerhalb der gegebenen Spielregeln möglichst effektiv zu sein.
Das ist Konkurrenz und Wettbewerb, und darauf fußt unsere Gesellschaft. Dies kann und sollte man anprangern, aber dann boykottiert dieses System und nicht deren Symptome!
Moralische und ethische Prinzipien sind eben KEIN Wettbewerbsvorteil konkurriender Unternehmen, sondern das genaue Gegenteil davon!

Ihr wollt billiges Fleisch, welches von Tieren stammt, die artgerecht gehalten werden. Dies gibt es nicht - und wer es verlangt ist dumm und naiv. Unser System setzt nun mal marktwirtschaftliche Anreize, mit möglichst geringen Input möglichst viel Fleisch auszubeuten. Wer sich nicht an diese Gesetzmäßigkeit hält ist nicht konkurrenzfähig; dessen Produkt wird vom Homo ökonomikus (weil zu teuer) verschmäht.
Die Tiere werden mit Kraftfutter gemästet um möglichst schnell Fleischzuwachs zu erreichen. Ihnen wird Bewegung untersagt, damit deren (durch Futtermittel) zugeführte Energie in Fleischzuwachs umgesetzt wird. Gleichzeitig werden dem Futter Medikamente zugesetzt, damit die Tiere nicht teilweise unter diesen lebensunwürdigen Bedingungen sterben und deren Fleisch dann nicht mehr verwertet werden kann (Gewinnreduzierung).
Ihr wollt es nicht wissen, verdrängt die Produktionsbedingungen, denn das Tier ist schließlich kein Lebewesen (mehr), sondern eine Ware.
Das stört Euch Konsumenten nicht weiter, solange es billig ist - und kein Pferdefleisch beigemischt wird...

Und wenn eine Reportage über diese 'Produktionsbedingungen' gesendet werden würde, über Massentierhaltung und Mastbetriebe, dann würde der nächste Aufschrei durch diese Republik hallen.
Ihr wärt empört, aber diese Empörung wäre wieder nur ein Symptom für Eure Verdrängungsmechanismen.

Der mahnende Zeigefinger ist auch gegen mich selbst gerichtet!
Ja, auch ich mache mich durch mein Konsumverhalten schuldig. Aber, im Gegensatz zu den Empörten über Amazon und Pferdefleischbeimischung, empöre ich mich über dieses System, welches marktwirtschaftliche Anreize setzt, diese Verfehlungen zu begehen.

Empörung ist nur dann authentisch, wenn die Parteien, die dieses System fördern und umsetzen dann auch nicht mehr gewählt werden. Weder setzt sich die CDU für christliche Werte ein (sondern ist lediglich neoliberal/marktgläubig - und korrumpiert damit christliche Werte), noch ist die SPD sozialdemokratisch. Die GRÜNEN haben keine (mir bekannte) Postion zur Massentierhaltung und die FDP ist nicht liberal. Die PIRATEN lasse ich hier mal außen vor, da ich finde, dass sie sich mittlerweile selbst überlebt haben.

Ausschließlich die LINKE vertritt linke Positionen.
Pazifismus, Umverteilung des Reichtums, Wiederaufbau des Sozialstaates, usw. .
Meiner Meinung nach wäre sie es wert (auch aus Mangel an Alternativen) diese durch Wahlvotum an ihrer Haltung zu messen. Gerade in dem Sinne, auf die die Empörung zielt, kann diese es auch nicht schlechter machen, als die etablierten Parteien. Ein Versuch wäre es wert - in den Ruinen dieser sogenannten Demokratie. Wenn man es mit dieser aufgebrachten Empörung denn ernst meinte...

P.S.: Das 'Ihr' meint nicht die Leser dieser Seite, sondern den Zustand der Republik!
P.P.S: Gysi, Du alter Aparatschnik; wo bleibt jetzt die versprochene Kohle? :-P


Kommentare:

  1. Da gibt es gerade auch in der Schweiz eine interessante Diskussion, die sich mit Arbeit und Geld beschäftigt.
    „Die Definition der Würde des Menschen über die Arbeit ist ein ganz wichtiger Pfeiler unserer Kultur und Gesellschaft. Wir können unsere Kultur nicht über Bord werfen“
    Kommt uns das nicht aus einem anderen Blog bekannt vor?

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    1. Das bedingungslose Grundeinkommen klingt auch für mich sehr attraktiv. Habe nur die Befürchtung, dass sie in der Realisierung als eine Sozialkosten-Flatrate (auf Hartz IV-Niveau) missbraucht würde...

      P.S.: Welchen anderen Blog bzw. Beitrag meinst Du?

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    2. Siehe hier: Sozial ist, was Arbeit schafft
      oder „70 Euro sind ein Mal Ficken. Das, liebe Kinder, ist der Geldfetisch.“ (Weiter unten 20.12.2012) ;-)

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    3. Habe ich auch gerade gelesen, und zwar NACHDEM ich diesen Beitrag verfasst habe!
      Geht aber zugegebener Maßen in die gleiche Richtung.

      Wie Andere auch halte ich die Eingangstexte von Flatter für treffend, seinen Umgang, bzw. die Haltung mit den kritischen Kommentatoren aber für suboptimal...

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    4. @Duderich und Manfred Peters
      Flatters Haltung zum BGE ist mir nicht ganz klar. Beim SF schrieb er:

      "flatter schrieb am 12. Februar 2013 at 14:51
      Sehe ich nicht so, denn beim BGE ist es wirklich ein Problem des Begriffs. Ich weigere mich immer, das ursprüngliche Konzept als in Stein gemeißelt zu betrachten und könnte darunter auch z.B. ein BGE für Bedürftige verstehen, ein soziales Mindesteinkommen quasi, von dem man auch leben kann. Damit wäre ich einverstanden, halte das aber nur für eine leidliche Verbesserung des gegebenen Zustandes – die schon politisch nicht durchsetzbar ist.
      Wir haben einige interessantere Baustellen.


      Andreas schrieb am 12. Februar 2013 at 15:50
      Nö, “bedingungslos” ist doch klar, oder? Und ein GE (für Bedürftige) ist freilch von Nöten, aber du bist Anhänger des BGE, nach Götz Werner. Zumindest hast du auf deiner Seite dafür plädiert – und ich bin eh seit meinem kritischen Kommentar gesperrt, deswegen brauchst du mir die auch nicht zu verlinken.
      Aber bei dem Thema hier, fand ich deine Argumente gut.


      flatter schrieb am 12. Februar 2013 at 16:36
      Nimm doch bitte zur Kenntnis, dass ich kein “Anhänger des BGE, nach Götz Werner” bin. Im übrigen ist bei mir kein Andreas gesperrt, schon gar nicht wegen “kritischer Kommentare”. Bei mir fliegt man raus, wenn man trollt. Genau wie hier."

      http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8910/funktioniert-kapitalismus#comment-228490


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    5. @ dHK
      Karl, 70000 Schweizer haben Dich bereits links überholt! In D gab es "nur" 53000, die sich in einer Petition an den Bundestag für das Thema erwärmt haben.
      Wäre das nicht mal etwas für Deinen Blog?

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    6. @Manfred Peters
      Ich höre das heute zum ersten Mal, da ich fast nur noch DLF höre. Ich habe mich immer (auch bei SF) für ein BGE ausgesprochen und geschrieben, dass das meines Erachtens machbar wäre. (Weil es gescheitere Leute als ich befürworten, wie Bern Senf z.B.)

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    7. "Bernd Senf"
      Ich habe einige Aufsätze von Ihm gelesen und Vorträge gehört. Ich bin skeptisch, wenn jemand ins esoterische abdriftet. Er meint es sicher gut, wird aber spätestens dann nicht ernst genommen.
      Zudem ist seine Zinseszins Logik nicht ganz so sauber wie er vorgibt.

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    8. @endless-good.news
      Bernd Senf war immerhin "Professor für Volkswirtschaftslehre. Von 1973 bis 2009 lehrte er an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin." (Wikipia zu Bernd Senf)

      Klar, er ist Zinskritiker, wie ich auch. Das disqualifiziert ihn schon bei Vielen...

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    9. Bernd Senf war immerhin "Professor für Volkswirtschaftslehre."
      Das sind Raffelhüschen, Sinn und viele andere auch. Das sagt erst einmal gar nichts aus.

      "Klar, er ist Zinskritiker, wie ich auch."
      Dazu hatte ich schon etwas geschrieben. Zinsen würden in meinen Augen erst zum Problem werden, wenn sie Wachstum erzwingen. Da jeder Zeit alle Guthaben und Schulden Null sind, besteht das Problem nicht. Das Zinsen eine gewisse Umverteilung unterstützen bestreite ich nicht. Allerdings bestreite ich Zinsen als Ursache hierfür zu sehen. Wären sie die Ursache, wie oft behauptet, dann hätte es in der Vergangenheit als es keine Zinsgeld gab, keine Probleme gegeben. Das stimmt so einfach nicht.

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  2. "Wer nun empört sein sollte, dass Amazon ausbeuterische Arbeitsverhältnisse betreibt, der vergisst, dass ALLE Arbeitsverhältnisse ausbeuterisch sind"

    Das ist ja blanker Unfug. Ich kriege für meine Arbeit Geld und viel wichtiger: Es zwingt mich keiener dazu.

    "Kein einziges Arbeitsverhältnis in der freien Wirtschaft existiert aus humanistischen Erwägungen heraus - das Ziel ist es, Gewinne zu erzeugen, und die sind nun mal um so größer, je geringer der Arbeitslohn ist."
    Nichts ist falscher als das. Jeder Unternehemer verucht die Bedürfnisse seiner Kundschaft zu befriedigen, den nur dann kauft die auch. In einer freien Marktwirtschaft gibt es keinen Kampf um Profit, sondern um den Kunden. Ohne glücklichen Kunden kein Profit.

    Was mich jetzt interessiert, wenn es nach Ihrer Meinung kein einziges Arbeitsverhältnis in der freien Wirtschaft aus "humanistischen" Erwägungen existiert, was war die Grundlage von Arbeitsverhältnissen in der DDR, UdSSR oder Nord Korea?

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    1. "Es zwingt mich keiener dazu."
      Könnten sie aufhören zu arbeiten und Ihren Lebensstandard halten? Wahrscheinlich eher nicht. Ein gewissen Zwang gibt es schon. Je mehr einem der Beruf den man ausübt gefällt, desto weniger empfindet man Ihn als Zwang.

      "In einer freien Marktwirtschaft gibt es keinen Kampf um Profit, sondern um den Kunden. Ohne glücklichen Kunden kein Profit."

      Das sollte man differenzierter sehen. Natürlich sind Kunden wichtig. Wichtiger sind allerdings die Gewinne die man aus diesen Kunden generieren kann. Jede Luxusmarke hat wenig Kunden und möchte auch nicht mehr. Sie will ihren teueren Kram an wenige vermögende Menschen verkaufen.

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    2. man ist in unserem system nicht nur prinzipiell gezwungen zu arbeiten. es wird einem sogar vorgeschrieben, welche arbeit man zu leisten hat.
      einzig der markt bestimmt darüber, welche arbeit, welchen wert hat. das führt dann dazu, dass die einen für ihr hobby (fußball) millionen bekommen, während andere zum dank dafür, dass sie zuerst ihr kinder erzogen und später ihre eltern gepflegt haben, in altersarmut leben, weil sie nicht genügend rentenanwartschaften erwerben konnten.

      und all das wird mit verweis auf den "markt" gerechtfertigt. ich will aber nicht nach den inhumanen regeln eines marktes leben, sondern nach werten wie solidarität, empathie und nächstenliebe (klingt recht christlich, nicht wahr meine lieben CDU-wähler?).

      erst wenn wir allesamt begriffen haben, dass die ganze gesellschaft an der wirtschaflichen leistung beteiligt ist und, dass ohne den mann am fließband, den kellner im lokal, die erzieherin im kindergarten oder die krankenschwester in der klinik auch das leben des vorstandsvorsitzenden nicht möglich wäre, werden wir zu wahren menschen.

      wir hingegen überlassen zentrale entscheidungen über unser leben einem anonymen system - genannt markt - das seit jahrhunderten nachweislich verantwortlich ist für das elend von milliarden menschen und die unwiderrufliche zerstörung der natur.

      und wofür das alles? damit eine handvoll profiteure, die alle ohnehin schon mehr haben, als sie und ihre nachkommen jemals werden verbrauchen können, noch mehr macht und ressourcen zusammenraffen können.

      wie sie das schaffen?

      unter anderem, indem sie totale hoheit über information und ausbildung gewonnen haben. der "markt" wird den menschen nicht als eine von mehreren alternativen, sondern als naturgesetz eingeredet. Milton Friedman und seine chicago-boys sind mit ihrer doktrin heute das, was bis 1517 der papst in Rom war: die verkünder der einzigen wahrheit. diese galt und gilt es zu glauben bei strafe der exkommunikation (heutiger jargon: marktuntauglichkeit). kritiker sind vom satan (heute Karl Marx) besessen und kommen aus dem reich der finsternis (heute: ex-DDR bzw. UdSSR).

      bleibt die frage: wer macht uns heute den Luther?

      lg
      don

      (p.s.: nur vorbeugend: in meinem leben als Saulus habe ich wirtschaft (unter anderem bei Sinn studiert und ein gutgehendes familienunternehmen geerbt - komme mir also keiner und sage, ich wüsste nicht, von was ich rede.)

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    3. "wir hingegen überlassen zentrale entscheidungen über unser leben einem anonymen system - genannt markt - das seit jahrhunderten nachweislich verantwortlich ist für das elend von milliarden menschen und die unwiderrufliche zerstörung der natur."

      DA muss ich widersprechen. Nicht der Markt ist für die Verelendung verantwortlich, sondern Menschen. Märkte sind weniger anonym als man uns Glauben machen will.

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    4. @EGN:
      Da muss ich Dir wiederrum widersprechen:
      Nicht 'die Menschen' sind für die Verelendung verantwortlich, sondern die wenigen Systemprofiteure, die von den Marktgesetzen profitieren und das Schicksal der Menschheit dem 'Markt' anvertrauen.
      Grundbedürfnisse, wie Wasser, werden dem Markt zum Fraß vorgeworfen. Und damit sind wir dann bei der Verteilungsfrage: Dürfen Menschen Wasser besitzen, während andere verdursten, weil sie sich diese 'Ware' nicht leisten können? Ist es gerecht, dass Menschen Land und natürliche für andere lebenswichtige Ressourcen besitzen dürfen, und andere sich diese nicht 'leisten' können und somit sterben müssen. Kommen wir nicht alle nackt und nur mit dem Recht auf Leben auf die Welt?
      Natürliche Ressourcen sind Allgemeingut und dürfen nicht dem 'Markt' überantwortet werden!
      Der Markt wäre nur dann fair, wenn alle Menschen mit den gleichen Geldmitteln ausgestattet wären um daran teil zu nehmen.
      Dieser Zustand kann niemals erreicht werden.
      Die Menschen sind fairer als der Markt! Nur manche werden mit einem unbootmäßigen Zugang per Erbrecht ausgestattet, ergo mit Macht. Der Markt ist kein Zusammentreffen gleichberechtigter Teilnehmer!

      Macht(-überschuss), wie auch immer dieser erlangt wird, korrumpiert! Und diese Macht beeinflusst die Märkte!

      Und natürlich sind die Märkte anonym! Nenn' mir doch mal eine einzelne Person(!), die bspw. für die Lebensmittelspekulationen und damit für Hungertote verantwortlich gemacht wird und sich dafür vor Gericht verantworten muss!

      Nenn mir bitte eine Namen, eine Person!
      Dürfte Dir ja leicht fallen, da die Märkte ja nicht 'anonym' sind!

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    5. "Nicht 'die Menschen' sind für die Verelendung verantwortlich, sondern die wenigen Systemprofiteure, die von den Marktgesetzen profitieren und das Schicksal der Menschheit dem 'Markt' anvertrauen."

      1. Marktprofiteure sind Menschen.
      2. Wir als Gesellschaft erlauben diesen Menschen zu profitieren.

      "Der Markt wäre nur dann fair, wenn alle Menschen mit den gleichen Geldmitteln ausgestattet wären um daran teil zu nehmen."
      Auch dann wäre er nicht zwangsläufig fair. Es können sich immer noch Gruppen zusammentun, welche die Marktmechanismen beeinflussen können, siehe Libor Skandal.

      "Die Menschen sind fairer als der Markt!"
      Das sehe ich anders. Menschen haben andere Menschen versklavt. Menschen handeln auf Märkten. Menschen tolerieren Ungerechtigkeit. Allerdings halten sich Menschen auch an Regeln. Somit könnten man Regeln für ein besseres zusammenleben erarbeiten.

      "Nur manche werden mit einem unbootmäßigen Zugang per Erbrecht ausgestattet, ergo mit Macht. Der Markt ist kein Zusammentreffen gleichberechtigter Teilnehmer!
      Macht(-überschuss), wie auch immer dieser erlangt wird, korrumpiert! Und diese Macht beeinflusst die Märkte!"
      Kein Widerspruch.

      "Und natürlich sind die Märkte anonym! Nenn' mir doch mal eine einzelne Person(!), die bspw. für die Lebensmittelspekulationen und damit für Hungertote verantwortlich gemacht wird und sich dafür vor Gericht verantworten muss!"
      Das wird nicht so einfach sein, da Lebensmittelspekulation nicht verboten ist. Eine juristische Person die dort handelt ist die deutsche Bank. Die Bank ist eine Aktiengesellschaft. Verantwortung tragen also der Manager und die Hauptaktionäre.

      Den Goldpreis handeln 5 oder 6 Banken untereinander aus. Die Namen der Banken kann man nachlesen. Es gibt nur einige wenige große Ölfirmen. Alle haben Eigentümer in Form von Aktien. Die kann man nachlesen. Wirklich anonym kann ein Markt auch nicht sein, da es sich um den Handel zwischen zwei oder mehreren Parteien handelt.

      Indem man die Anonymität vorschiebt, gibt man den verantwortlichen Unternehmen und Personen einen Schild hinter dem sie sich verstecken können. Es gibt keine geheimnissvolle Macht die Nahrungsspekulationen fordert. Es sind immer Menschen die das fordern. Diese können immer auch Nein sagen.

      Wenn wir behaupten, dass Menschen demokratisch entscheiden sollen, Ihnen aber das Nein absprechen, dann sprechen wir Ihnen eine Meinungsbildung und deren Durchsetzung ab.

      Märkte sind menschgemachte Strukturen. Als solche sollte man sie verstehen. Allzuoft werden sie mystifiziert.

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    6. @ EGN:

      ich glaube, wir reden hie ein bisschen aneinander vorbei, meinen aber das gleiche:

      dem Dude und mir ist es schon auch klar, dass "märkte" als system - wie alle anderen sozialen systeme auch - natürlich von menschen erdacht und betrieben werden. genau darum geht es ja: sie sind eben kein naturgesetz.

      diese "anonyme naturgesetzlichkeit" ist nur eine sprachliche tarnung durch diejenigen, deren interessen der markt dient. und wie gut das funktioniert, kann man an obigem anonymen beitrag wiedermal schön erkennen: da werden die üblichen neoliberalen sprechblasen unter ausschaltung des gesunden menschenverstandes wiederholt.

      und das schlimme daran ist, dass das von menschen heruntergebetet wird, die meistens selber gar nicht zu den profiteuren, sondern vielmehr zu den opfern der märkte zählen.

      das meinte ich eben mit "hoheit über information und ausbildung". die mehrheit glaubt inzwischen tatsächlich, dass es keine alternativen gibt.

      was allerdings auch kein wunder ist - und in dem punkt widerspreche ich auch dem Dude - wenn alle parteien inkl. der Linken die marktwirtschaft inzwischen als gegeben hinnehmen und der streit sich nur noch darum dreht, wie man seine folgen sozial abmildern (vulgo: übertünchen) kann.

      das ist rumdoktern an symptomen, während man das krebsgeschwür markt weiterwachsen lässt.

      lg
      don

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    7. @Don M. Tingly

      Ich gebe dir vollkommen Recht. Auch "Die Linke" doktert nur am System rum, erst mal. Aber sie wäre, um das System zu ändern, anfangs doch eine Alternative, quasi der Beginn. Es wird lange dauern, unsere jetzigen gesellschaftlichen Verhältnisse zu überwinden und wahrscheinlich werden mehrere Generationen daran arbeiten müssen aber ich bin zuversichtlich, dass es passieren wird. Der Kapitalismus hat auf Dauer keine Chance mehr, weil er die Menschen "auffrisst".

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    8. @Ruby
      @Don M. Tingly

      Danke, dass ihr für mich meine Korrespondenz abnehmt! :-)
      Don für Deine Antwort im meinem Sinne (die meine Reaktion überflüssig machte) auf @EGM.
      Danke Ruby, für die Antwort auf Don!
      In diesen Worten finde ich mich selbst wieder (Don), sie könnten schlicht von mir sein! :-)

      Muss ich also in Zukunft nicht alle Kommentare selbst beantworten... (lach)

      Übrigens Ruby: Bin fleißig am lesen....

      Liebe Grüße (auch an: endless.good.news
      Dude

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    9. @Dude
      Ich freue mich schon auf deine Meinung zum Buch und die Ideen von Robert Havemann.
      Ich bin wirklich froh, deinen Blog gefunden zu haben.

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    10. @Rubi: Danke!
      Habe schon mal einen Buchauszug reingestellt...
      Grüße Dude

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    11. @don

      Dann haben wirs ja. Allerdings sehe ich das Problem nicht in der Marktwirtschaft. Handel gab es schon immer und wird es immer geben. Wie jedes System ist sie nur Mittel zum Zweck, um einer Minderheit Macht zu verschaffen. Da es Gott nicht mehr als Legitimator gibt, nimmt man Märkte als Ersatz.

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  3. "Ausschließlich die LINKE vertritt linke Positionen."
    Leider wird auch die LINKE von der Realpolitik eingeholt und befürwortete einen Schuldenstopp. Ich hab vergessen in welchem Landtag das war.

    Generell stimme ich dem Beitrag zu. Das Arbeit immer Ausbeutung ist, kann man so sehen. Allerdings ist es auch so, dass man ab einem bestimmten Einkommen dem Unternehmen mehr Kosten als Nutzen bereitet. Niemand kann ernsthaft glauben, dass man als Mensch mit Personalverantwortung im Vergleich zum Mehrlohn so viel Mehrwert schafft. Je mehr Personal man anleitet, desto eher trifft das zu. Spätestens da wird man dann eigentlich nicht mehr ausgebeutet, sondern nutzt das System aus.

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    1. @EGN:
      "Allerdings ist es auch so, dass man ab einem bestimmten Einkommen dem Unternehmen mehr Kosten als Nutzen bereitet."

      Sorry, aber das ist Blödsinn!
      Ein Unternehmen ist IMMER gewinnorientiert. Wenn sich ein Arbeitsverhältnis nicht rechnet, warum sollte es dann eingegangen werden???

      Betriebswirtschaftlich macht Deine Aussage absolut keinen Sinn.

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    2. "Sorry, aber das ist Blödsinn!"

      Dann rechne in einem Unternehmen mal den Nutzen einer Person aus. Das wird dir wohl nicht gelingen.

      "Betriebswirtschaftlich macht Deine Aussage absolut keinen Sinn."
      Auf dem Papier nicht, da gebe ich dir Recht. Nun mal folgendes Gedankenspiel

      Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz des Umsatzes und der Kosten
      Gewinn=Umsatz-Kosten

      Im einfachsten Fall sind die Kosten = Lohnkosten

      Nun kann man den Umsatz pro Person ausrechnen. Da ein Unternehmen auf Arbeitsteilung beruht, kann der Umsatz nur durch die Mitarbeit aller Personen erreicht werden. Somit ist der spezifische Umsatz

      spezUmsatz= Umsatz / Zahl der Personen

      Der spezifische Gewinn ergibt sich aus

      spezGewinn = spezUmsatz - Lohn der Einzelperson.

      Dabei kann der spezifische Gewinn durchaus negativ sein. Allerdings ist die Summe positiv. Betriebswirtschaftlich macht das dann wieder Sinn.

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    3. Trotz aller Rechnerei:
      Es macht schlicht keinen Sinn Jemanden einzustellen, dessen Nutzen (sollte dieser auch inmateriell sein) nicht mindestens durch die Kosten aufgewogen werden.

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    4. Das würde auf der Ebene vorraussetzen, dass man die Kosten und den Nutzen jeder Person beziffern kann. Das geht nicht und wird in steter Regelmäßigkeit vergessen.
      Es ist schon interessant, dass Akademiker in den meisten Fällen besser bezahlt werden. Akademiker leiten Unternehmen und arbeiten häufig in der Personalabteilung. Bei VW, zum Beispiel, kann man eine bestimmte Ebene nur mit einem Doktortitel erreichen.
      Worauf ich hinaus will, es gibt keine gerechten Löhne. Sie werden irgendwie gebildet. Um Ungerechtigkeiten zu begründen nimmt man eine unsichtbare Marktmacht daher.

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  4. @Duderich
    Sehr guter Artikel!
    Nur in der Schlussfolgerung (Systemfrage) bin ein ein wenig anderer Meinung, wie du ja weisst. Ich habe übrigens deinen Artikel hier erst heute Morgen gelesen...

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  5. ->Gysi, Du alter Aparatschnik; wo bleibt jetzt die versprochene Kohle?

    Hey, der ist Anwalt und fällt bisweilen durch durchdachte Aussagen auf ;-)

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  6. Welche Bedeutung hat das Wort "heuschlerisch"?
    In meinen Breitengraden ist es so nicht bekannt.
    Anm.: Ich hätte die Frage gerne als E-Mail gestellt, jedoch weder hier noch unter "Profil" eine belastbare Adresse gefunden. Hilfe!

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  7. Ein guter Artikel, der den Nagel auf den Kopf trifft. Das traurige ist nunmal, dass der Kapitalismus ein ziemlich ausgetüfteltes System ist, in dem darwinistisch das Recht des Stärkeren herrscht und sich Ideen und Konzepte durchsetzen, die den eigenen Vorteil maximieren und somit andere ausbeuten. Das perfide ist ja nunmal, dass wir Teil dieses Systems sind und mit unseren beschissenen Gehältern nicht in der Lage sind, "fair" zu handeln. Ich hab nicht das Geld, einfach mal woanders ne ganze Schippe mehr zu bezahlen, um die besseren Arbeitsverhältnisse dort zu würdigen. Ich kann nicht das doppelte bezahlen, damit mein Fleisch von einer glücklichen Kuh kommt. Dafür werde ich selbst zu sehr ausgebeutet und genau das hat eben System. So soll es ja auch sein, so ist es von oben gewollt. Jeder kriegt grade so viel, dass es zum Leben reicht, teilweise nicht mal mehr das. Idealerweise ist es grade so viel, dass der Mensch noch was zu verlieren hat. So lange es einem mit Sklavenlohn noch einen Tick besser geht als ohne, hält man die Füße still. Das sind alles Mechanismen, die Marx schon vor 200 Jahren detailliert beschrieben hat. Teilweise glaube ich fast, mancher Industrialist hat sich seine Schriften als Anleitung zur perfekten Ausbeute herangezogen oder Marx ist der Schwippschwager von Nostradamus gewesen.
    Jedenfalls drehen wir uns im Kreis. Wir beschweren uns über niedrige Löhne und Ausbeute von Menschen, verdienen aber selbst nicht genug, um etwas dran ändern zu können. Wurzel allen Übels ist eindeutig Geld und Kapital.
    Schaut man sich die Elite oben an, wird doch deutlich, dass denen Geld an sich nicht mehr viel bedeutet. Es geht nicht wirklich darum, viel Geld für sich zu horten, das können sie eh nie ausgeben. Es geht darum, dieses künstliche Machtmittel anderen zu entziehen und diese somit zu entmachten. MACHT ist das einzige, was denen da oben noch nen Harten verleiht. Geld ist nur Mittel zum Zweck. Klar genießen die ihre Residenz, ihre Autos, das gute Essen, Koks und Nutten, aber das kann man auch alles mit paar Mille auf dem Konto haben, dafür brauch man keine Milliarden. Der Luxus am Reichtum besteht letztlich nur darin, nicht mehr über Geld nachdenken zu müssen, Geld gar nicht mehr als Faktor im Leben haben zu müssen, sich über die Macht des Geldes zu erheben und diese sogar selbst für sich zu nutzen.

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  8. Hier noch etwas zum Thema.:

    MESSIAS und KOMMUNISMUS.
    Survival of the Fittest.
    DER RUN AUF'S EI.
    Zu dem, was weltpolitisch ideologisch laeuft ist der Kommunismus genau betrachtet die einzige wirkliche Alternative, denn er unterbindet die Versklavung, doch das interessiert die kapitalistischen Egoisten im Survival of the Fittest nicht.
    BEI IHNEN DOMINIERT DAS EXISTENZIALISTISCHE MATERIALISTISCHE EGO.
    WER DEN KOMMUNISMUS ALSO ABLEHNT, DER WILL DIE VERSKLAVUNG, DER WILL HERRSCHAFT UND KNECHTSCHAFT ANSTATT FREUNDSCHAFT.
    Der groesste Teil der Kommunisten sind allerdings wie die Religioesen auch nur intellektuelle Schwafelkoepfe (insbesondere die weiblichen), die sich in einem sozialen System ihre Vorteilsposten verschaffen wollen. Und das ist schon wieder verkappter Kapitalismus.

    Wer also den Realkommunismus ablehnt, der ist grundsaetzlich auf Ausbeutung fixiert, der sucht seine animalischen, sinnlichen, materialistischen Vorteile und ist also grundsaetzlich ungeistig, materialistisch.
    weiterlesen hier.:http://phosphoros.over-blog.de/article-messias-und-kommunismus-survival-of-the-fittest-98307482.html

    Gustav Staedtler

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