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Donnerstag, 28. Februar 2013

Italien: Humor ist, wenn man trotzdem wählt

Abteilung: Keine marktkompatible Demokratie

Die Italiener haben gewählt: Monti, die geschaltete Marionette des Austeritätskurses hat kläglich verloren und die Merkel-Opponenten in dieser Deutlichkeit nicht prognostizierte Siege eingefahren.

Da wäre zum einen Berlusconi:
Wenn dieser in einem computeranimierten Film besetzt wäre, würde ich mir wohl dauernd denken, dass man das wohl besser und lebendiger machen könnte, bei dem heutigen Stand der Technik.
Durch seine plastisch-chirurgische Verweigerung zu altern, mutierte er zur Holzpuppe, die, schlecht gerendert, neoliberalen Bullshit von sich gibt. Skandiert von seinem Medium-Imperium, welches die Pressefreiheit als vierte Gewalt ad absurdum führt.
Meiner Einschätzung nach, wurde Berlusconi nicht wegen seiner politischen Inhalte gewählt, sondern wegen seinen Kontra-Kurs gegen Merkel. Die Italiener wählten Bunga-Bunga statt sparen für die europäische Idee der Zockerrettung durch Sozialabbau und diktierte Armut.
Berluskoni ist der gewählte Stinkefinger in Richtung Merkel. Diese sitzt das wahlkampftaktisch geschickt - wie immer - aus, während Steinbrück in die Falle tappt, die gar nicht für ihn aufgestellt wurde.
Ohne Not nannte er die Sieger der Wahl 'Clowns' und verdiente sich damit redlich die Häme, die nun erneut über ihn gegossen wird, dem 'Peerlusconi'.

Aber man gönnt es ihm, dem Steinbrück. Selbst die (und möglicherweise gerade die), die sozialdemokratisch denken und fühlen, freuen sich über die weitere Selbstdemontage von diesem sogenannten Kanzlerkandidaten (sic!), der alles tut und sagt, um bloß nicht gewählt zu werden.
Mittlerweile tritt aber ein gewisser Gewöhnungseffekt ein:
Kein Spruch von Steinbrück ist mittlerweile wahlkampftaktisch zu blöde, um noch Verwunderung auszulösen. Wenn er für eine soziale Idee einstehen würde, wenn er authentische Opposition betreiben würde, ja dann würde man sich die Haare raufen.
So aber, kann man sich freuen, über dessen eigene Demaskierung, die er höchstselbst betreibt.
Denn Steinbrück ist nicht angefressen, weil ein Populist wie Berlusconi Wahlsiege einfährt. Steinbrück ist angefressen, dass die Kräfte, die den Merkel-Kurs fahren wollen, nicht gewählt wurden.

Man muss sich das mal zwischen den Gehirnhälften zergehen lassen:
Der Kanzlerkandidat der SPD äußert seinen Unmut darüber, dass jene Kräfte, die seine Opponentin bekämpfen, Wahlsiege einfahren! Er nennt den, der einen Kurs gegen seine Gegnerin fährt, einen Clown.
Abgesehen davon, dass B. wirklich ein (gefährlicher) Clown ist:
Sollte man in seinen Äußerungen nicht die Kritik gegen seine Opponentin im Wahlkampf aufnehmen? Zumindest als einschränkende Fußnote?

Zwischen den Zeilen von Steinbrücks unreflektierten Verbalausscheidungen kann man herauslesen, dass Steinbrück der selben Ideologie verfällt, wie Merkel. Sparen auf Kosten der Armen um die Gläubigerinteressen der Banken zu befriedigen. Es ist absolut der selbe europäische Kurs, für den er eintritt.
Seine Kanzlerkandidatur dient nur dazu, seinen eigenen Marktwert für zukünftige Redner-Vorträge zu erhöhen. Er macht sich zu einem Abziehbild, der vordergründig (aber absolut unauthentisch) für soziale Gerechtigkeit eintritt. Er demaskiert sich ohne Not (was gut ist!), er zieht sich 'des Kaisers neue Kleider' freiwillig an, er macht sich nackig - entblößt sich.
Steinbrück bringt mich dazu, obwohl ich der sozialdemokratischen Idee nahe stehe, auf seinen Niedergang, auf ein Desaster seiner populistischen Bemühungen zu hoffen.
Kein wirklicher Sozialdemokrat kann und sollte auf den Erfolg dieses Kanzlerkandidatens hoffen.

Aber nach Schröder ist Steinbrück nur die personelle konsequente Weiterführung. Diese Partei sollte mit der CDU fusionieren und ihren Namen aufgeben.
Die SPD ist so sozialdemokratisch, wie die CDU christlich.
Man kann nur noch wählen, unter welcher Führung die Finanzmarktinteressen befriedigt werden.

Und in einer Welt, wo sogar die SPD für die weitere Reichtumsverteilung von Unten nach Oben eintritt, kann ich mir nur verwundert den Kopf kratzen, in der Befürchtung, dass die LINKE die Fünf-Prozent-Hürde überspringen kann.

Der andere 'Clown' (Steinbrück) Grillo, steht für progressive Opposition gegen den Merkel-Sparkurs.
Auch das schmeckt unserem ach so sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten natürlich nicht, dessen Gliedmaßen an den Fäden der Systemprofiteure hängen.

Wer sich darüber noch wundern mag, wird vermutlich auch darauf warten, dass der Osterhase ihm bunte Eier bringt...

Kommentare:

  1. @Duderich
    Da du eingangs einen "computeranimierten Film" mit Berlusconi erwähnst, kommt mir gerade wieder in den Sinn, wie Berlusconi vor fast 10 Jahren Martin Schulz zurief:

    "Signore Schulz, in Italien wird gerade ein Film über die Nazi-Konzentrationslager gedreht, ich schlage Sie für die Rolle des Lagerchefs vor."

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-europa-politiker-schulz-fuer-eine-komische-oper-waere-berlusconi-richtig-a-797022.html

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  2. Tja, Duderich, solange die uninformierte Masse denkt, dass das sozial in der SPD echt ist, sehe ich für die Wahl auch schwarz.
    Meine erste "sozialdemokratische" Wahrnehmung nach der Wende begann mit Schröder, also Sozialabbau im großen Stil. Diese Partei kann man nur fürchten, vor allem, wenn sie das Wort Reformen in den Mund legen. Mich würde es nicht wundern, wenn die Agende 2020 schon in den Schreibtischschubladen liegt, mit freundlicher Unterstützung von Bertelsmann, gesetzesreif ausgearbeitet.

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