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Donnerstag, 21. Februar 2013

Lohnarbeit aus der Perspektive einer Utopie heraus betrachtet

Abteilung: Was sie schon immer über Lohnarbeit wussten, aber nie zu reflektieren gewagt haben.

Zur Zeit lese ich das Buch 'Morgen' von Robert Havemann, welches '@Ruby' mir dankenswerter Weise empfohlen hat.
Folgender Auszug daraus beschreibt aus einer Perspektive heraus, in der unten beschriebene Zustände längst überwunden sind, unsere Lohnarbeitsverhältnisse.
Nichts steht darin, was wir nicht wissen, aber es schärft den Blick auf das Bestehende, auf die Ungerechtigkeit, den Wahnsinn aktueller Reichtumsverteilung und deren immanenter Funktionsweise durch Zwang.
Auch macht dieser Text noch einmal deutlich, warum dies so nicht tragbar und zukunftsweisend ist.
Er zeigt auf warum es diese dogmatische Konstruktion der ungleichen Machtverhältnisse zu überwinde gilt:

"Schon zu eurer Zeit gab es zwei Arten von Arbeit: erzwungene Arbeit und freiwillige, notwendige Arbeit und nicht notwendige. Die notwendige Arbeit, die getan werden musste, damit die Gesellschaft in der bestehenden Form weiter existieren konnte, musste größtenteils erzwungen werden. Sie beanspruchte auch die Arbeitskraft der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Der Zwang zu dieser Arbeit wurde auf eine sehr einfache Weise ausgeübt: Die Arbeit wurde belohnt, es wurde Geld dafür bezahlt. Und ohne Geld konnte man in Eurer Zeit nicht leben, sondern nur verhungern und erfrieren. Wer leben wollte, musste gegen Lohn arbeiten. Nun gab es aber eine Menge Leute, die hatten Geld, ohne dafür gearbeitet zu haben. Sie waren einfach die Reichen. Die anderen, die arbeiten mussten, waren die Armen. Ich weiß, das ist grob vereinfacht, aber es trifft den Kern der Sache. Die Armen, die Arbeiter, oder wie man sagte, die Lohnabhängigen, sie mussten arbeiten um Geld zu bekommen. Was sie arbeiteten, interessierte sie dabei überhaupt nicht. Was bei ihrer Arbeit herauskommt, gehörte ihnen nicht, es geht sie nichts an. Ihnen gehört nur der Lohn, den sie zum Leben und Überleben brauchten. Die Produkte ihrer auf dieser Weise erzwungenen Tätigkeiten werden ihnen entfremdet, sie sind in keinem Augenblick ihr Eigentum, sondern das Eigentum der Reichen, eben der Leute, die Geld haben, für das sie nicht gearbeitet haben. Sie sind die Eigentümer von allem, die Eigentümer der Maschinen, der Fabriken, aller Rohstoffe und der Häuser, die Eigentümer von Grund und Boden, von allem was der Mensch braucht, vor allem von dem, was die Armen brauchen, um überhaupt arbeiten zu können und den kärglichen Lohn dafür zu erlangen. Ihnen gehören die Arbeitsplätze, ohne die keine Arbeitskraft sich verkaufen kann. Diese erzwungene Arbeit macht den Arbeiter zum Sklaven, weil er nicht für sich, sondern für einen anderen, für dessen Geschäfte und zu dessen Vorteil arbeitet und an dem konkreten Ergebnis seiner Arbeit keinen Anteil hat. Es ist klar, dass zu solcher Arbeit niemand bereit gewesen wäre, wenn er sich ohne Arbeit das für sein Leben unentbehrliche Geld hätte beschaffen können."        
(Seite 81)

Ich werde dieses Buch an anderer Stelle noch ausführlich besprechen...

Robert Havemann
Morgen. Die Industriegesellschaft am Scheideweg. Kritik und reale Utopie
Berlin 2010
ISBN 978-3-8391-3657-7
Edition Zeitsprung


Kommentare:

  1. ...rewind---start-- "Bei der gesamten Produktion von Gütern und Leistungen gibt es keine anderen Kosten als Lohnkosten.Der Rest sind Gewinne, Ansprüche aus sonderbaren Rechten, Zinsen, Pachten, Mieten, also leistungslose Einkommen.! ---repeat----

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    1. Ganz offensichtlich ein Kommentar der Kassettenrecorder-Generation.... :-P
      Jaja, das leistungslose Einkommen, was in unserer 'Leistungsgesellschaft nie angefochten wird.
      Leben in Saus und Braus durch Zinserträge, usw. geht okay, aber die Abgehängten sind Schmarotzer der Gesellschaft.
      Selig sind die geistig Armen / BILD-Zeitungsleser...

      Hauptsache, das richtige (sic!) Feindbild, nämlich die Armen und somit Faulen.

      Der Kontostand als Garant für moralische Integrität.

      Grüße, Dude

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    2. Nicht nur der Kontostand ist für die Lohnsklaven wichtig auch der Sinn ihrer Arbeit. Schauen wir mal nur auf die "mehrwertschaffende" Bundesagentur für Arbeit, die die faule Masse Nichtsnutze aktiviert und orientiert, um sie dann amazon u.ä. zuzuführen. Was würden die nur machen, wenn es keine Arbeitslosen mehr geben würde. Ihr Leben wäre sooo sinnlos.

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    3. Der Duderich23. Februar 2013 02:08

      Jaja, das leistungslose Einkommen, was in unserer 'Leistungsgesellschaft nie angefochten wird.

      Warum eigentlich .. weil die Leute mit dem System zufrieden sind, nur mit ihrem Platz darin nicht ..dazu schrieb ich..noch einer aus der Wiederholungs-Kiste --- wind--- start---

      Da ab einer gewissen Lohnstufe oder einem geerbten Vermögen (Will’s mal so ausdrücken) alles was man zum Leben braucht in einem Haushalt vorhanden ist – Haus oder zwei ,2 Autos, einen tollen Kaffeeautomaten, der beste Staubsauger,Mixer auf dem Markt,2 Urlaube da nie einen Pfennig Miete in fremde Taschen gezahlt usw. – gibt es kaum Konsumnotwendigkeiten mehr. Ab dieser Stufe versucht auch der gemeine Bundesmichel sein Geld "arbeiten" zu lassen. D.H er steckt es z.B. in Aktien, Derivate, Pensionsfonds, Staatsanleihen usw. und entzieht es dem Konsummarkt.Und jammert über die geringen Zinsen die er für seine Vorzugsaktien bekommt ..etc
      Es gibt nicht unbedingt zu wenig Geld in Pesserteutschland oder sonstigen EU Ländern, es ist nur in langfristigen un- oder wenig besteuerten Anlagen gebunden.
      Diese Anlagen wiederum bringen für das BIP kaum Punkte – weil sie keinen Wert schaffen sondern Nullsummen Spiele sind – der eine gewinnt, der andere Verliert. Im Moment verliert auf ganzer Linie der Staat und die Spekulanten in Großen ,Privaten auch die kleinen gewinnen. (Verluste durch CDO´s usw. in Kommunen, die mit der Deutschen Bank gewettet haben) – der so entstandene (entstanden ist das falsche Wort) Profit wird dann z.B. in einer Wette angelegt, das der Benzinpreis in 2 Tagen höher ist als heute, oder das die Zinsen auf Spanische Anleihen in einem halben Jahr in der selben Höhe steigen wie der Preis von Getreide.
      Für die Wirtschaft eines jeden Landes total hirnrissige Investitionen entziehen dem Lohnabhängigen sein ihm eigentlich zustehendes Geld und damit die Existenz..that’s all

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      -- stop--eject --

      der Pfostenmichel will kein anderes System der will dahin wo die " Reichen und Schönen " schon sind, und immer Einen, auf den er noch spucken kann ... das lässt sich nicht schönreden Freunde

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    4. Zu @Ruby (11:53)
      Die Bundesregierung hat übrigens Amazon 2011 zum "besten Arbeitgeber" gekürt...
      http://www.tagesschau.de/wirtschaft/amazon164.html
      #kopfschüttel#

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    5. @Lazarus09:
      "der Pfostenmichel will kein anderes System der will dahin wo die " Reichen und Schönen " schon sind, und immer Einen, auf den er noch spucken kann ... das lässt sich nicht schönreden Freunde "

      Sehe ich nicht so, es fehlt einfach an einer Alternative...
      Die wenigsten haben eine (realistische) Hoffnung, dass sie mal reich (und schon gar nicht schön) werden können.

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    6. Unterschätze nicht die plastische und wiederherstellende Chirurgie :-P

      Und ansonsten sind wir da wohl geteilter Meinung ;-)

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    7. Ach Lazarus09, du bist aber wirklich sehr pessimistisch und hast kein Zutrauen an das Gute im Menschen. Ich glaube das ist ein großer Fehler. Die Mehrheit der Menschen wollen einfach nur friedlich miteinander leben. Ist das nicht Grundvoraussetzung genug?

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    8. The pessimist is never disappointed ;-)

      ...ansonsten sprechen meine Erfahrungen eine andere Sprache

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  2. Ruby

    Nicht nur der Kontostand ist für die Lohnsklaven wichtig auch der Sinn ihrer Arbeit. ..nur wenn man das füllen anderer Leute Taschen als Lebenszweck und Sinn sieht ..dafür bedarf's eines kranken Stücks Religion ...

    Geld ist als erstes für Nichtbesitzende, die da sie einen Platzt zum leben brauchen also zeitlebens Bringschuldner eines Anderen der daraus leistungslos Geld generiert sind , ein Stück Freiheit, die Freiheit überhaupt auf dem Planeten einen platz zu haben .... Ich habe noch kein Tier Miete zahlen sehen ..

    In meinen Augen kann man es drehen und wenden wie man will ..am ende landet man immer wieder bei den geliebten reichen und schönen und deren Eigetumstitel welche von den Idioten widerspruchslos anerkannt werden ..

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    1. "Geld ist als erstes für Nichtbesitzende, die da sie einen Platzt zum leben brauchen also zeitlebens Bringschuldner eines Anderen der daraus leistungslos Geld generiert"

      Und nun stell dir eine Gesellschaft gänzlich ohne Geld und Privatbesitz vor...

      Ich weiß, jetzt kommen wieder die Leuts, die diese Idee als Spinnerei abtun.

      Der Mensch hat das Geld eingeführt, genauso wie den Privatbesitz. Der Mensch kann es auch wieder abschaffen. Viele haben nur nicht die Phantasie, weil sie es nicht anders kennen und das Geld zur Religion aufstilisiert wurde.
      Viele sind nicht in der Lage, sich ein Leben ohne Geld vorzustellen, warum auch immer. Wahrscheinlich sind sie zu bequem oder haben Angst, gesellschaftliche Veränderungen mitzutragen.
      Da ich gelernte Ossi bin, bin ich da völlig angstfrei, denn ich weiß, dass es möglich ist. Etwas Anstrengung und gute Planung ist da schon notwendig. Dafür braucht es kluge Köpfe. Vor der Wende hatten wir die schon mal.

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    2. Das komplette Finanz und Wirtschaftssystem in die Tonne treten wird aus den verschiedensten Gründen auf die Schnelle nichts .. warum, hab ich schon zigfach von meiner Warte erklärt , da bin ich eher bei Jens Berger .

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    3. auf die Schnelle hat auch niemand behauptet.
      Dazu muss der Anfang erst mal gemacht werden und ja, es kann durchaus sein, dass wir das Ende dann nicht mehr erleben. Unser aller Leben ist endlich. Aber wenn alle so denken, werden wir sehenden Auges auf die Katastrophe zusteuern.
      Dazu Robert Havemann: "Wenn in einigen Jahrhunderten die Menschheit noch existieren sollte, ...dann werden die Historiker jener glücklicheren Zeit es schwer haben, ihren Zeitgenossen verständlich zu machen, was die heute Lebenden bewogen hat, bei aller unbezweifelbar vorhandenen Intelligenz derart blind, unbelehrbar, kurzsichtig, habgierig, leichtfertig - und verantwortungslos zu sein..."

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  3. Die Sozialstaatsromantiker wie Berger verdrängen nur allzu leicht, dass sie das Rad der Zeit sowieso nicht zurückdrehen können, sofern es ihnen denn tatsächlich um Veränderung zum Besseren geht und nicht um die eigene journalistische bzw. publizistische Karriere mit dem Alleinstellungsmerkmal ein bißchen weiter links zu stehen als heutzutage in der veröffentlichten Meinung üblich.

    Auch die Rückkehr zu den verklärten Verhältnissen des "Goldenen Zeitalters" (~1950-1980) hat nämlich von heute aus gesehen etwas utopisches an sich. Warum man dann nicht gleich danach trachten sollte, das Übel bei der Wurzel zu packen, erschließt sich mir nicht. Dazu bedarf es womöglich einer langfristigen Strategie. So dachten im Übrigen die Neoliberalen nach 1929 auch, sie waren sehr erfolgreich, hatten aber natürlich bedeutende Kapitalfraktionen (=Geld für PR) auf ihrer Seite.

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    1. sehe ich genauso:

      das ist dieses kleingeistige, sozialdemokratisch-konservative denken, dem tatsächlich der moder- und spießergeruch der 50er/60er anhängt. und das sich am liebsten behaglich unter wolldecke, in filzpantoffeln vorm fernseher heimatfilme gucken sieht.

      ein paar mettbrötchen und ne' flasche bier dazu, dann ist die welt in ordnung.

      "glück auf", genossen!

      lg
      don

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  4. Klingt jetzt nach keiner großen literarischen oder gesellschaftsanalytischen Leistung, was du da zitierst. Das hat Marx vor über 200 Jahren fast wortwörtlich schon so geschrieben. In seinem Namen wurden natürlich menschliche Abgründe von verschiedenen Regimen aufgerissen, trotzdem würd ich doch zum Original raten und jeden einfach auf Marx' Werke verweisen. Die sind auch nicht schwerer zu lesen und üben auf mich gerade aus historischer Sicht eine größere Faszination aus. Was ist einfacher, aktuelle Zustände zu beschreiben oder sie schon zwei Jahrhunderte vorher exakt vorauszusagen? Und seien wir ehrlich, der bei Marx doch immer durchscheinende Optimismus, dass irgendwann die Revolution kommen muss als ganz natürliche Folge der Entwicklung, macht doch schon ein wenig Mut und Hoffnung.

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