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Montag, 4. Februar 2013

Tod eines Helden

Abteilung: Die Romantik ballistischer Flugkurven

Heute ist ein schwarzer Tag für Demokratie, Gerechtigkeit, christlicher Werte und Heldentum:

Chris Kyle, einer der letzten Helden, der für diese Werte gelebt habt, ist hinterrücks und feige ermordet worden!

Was ihn zum Helden machte?

Nun, diese Ikone amerikanischen Patriotismusses hat über 160(!) Feinde getötet, und war damit Weltmeister und Idol.

Mit dem Sniper-Gewehr: Durch's Zielfernrohr anvisiert, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und ballistische Tabellen auswertend die Flugbahn berechnend, und ZACK, kurzes Tippen auf den Abzug, und ein weiterer 'Hit' für die Quote.

Geht's noch amerikanischer? Wohl kaum!

Vermutlich tippen sich in diesem Moment die Drehbuchschreiber die Finger wund und Künstler entwerfen derweil eine monumentale Statue.

Natürlich hat unser Held ein christlich geprägtes Weltbild und er hat auch immer Gottes Gebot: 'Du sollst keinen Amerikaner töten' beherzigt.

Ein amerikanischer Held definiert sich nicht über die kritische Reflexion seines Handelns, sondern über die Auszeichnungen, die er sich 'verdient' hat.

So hatte er nie Zweifel, dass die 160 Menschenleben, die er genommen hat, (Zitat: "Wenn Gott mich einst mit meinen Sünden konfrontieren wird dann glaube ich nicht, dass es dabei um die von mir Erschossenen gehen wird. Jeder, den ich erschossen habe, war böse. Ich hatte gute Gründe für jeden einzelnen Schuss.") auch nur in einzelnen Fällen ungerechtfertigt gewesen sein könnten.

Über das Zielfernrohr war unser Held stets in der Lage, Schuld zweifelsfrei festzustellen und das somit gerechtfertigte Todesurteil zu vollstrecken.Zugegeben ein Held vergangener Tage, denn diese Vorgehensweise lässt sich mittlerweile viel effektiver mit Drohnen bewerkstelligen
Ja, da schwelgt man ein wenig in Nostalgie...

Denn, wo bleibt die Romantik des Tötens, die sein Buch in die Höhen der Bestsellerlisten erhebte, wenn ein Nerd mit Joystick nun diese heroischen Akte vollzieht?
Umso tragischer, dass einer der letzten großen Helden nicht etwa im Kriegsgeschehen stirbt, sondern durch einen traumatisierten Irak-Veteranen! Dieser hat selbstverständlich mit der Todesstrafe zu rechnen, denn man darf - Kriegspsychose hin oder her - keine Amerikaner töten, schon gar keine Helden, der sich durch die massenhafte Tötung von Irakern, die ihr Land gegen die Invasion verteidigen wollen, verdient gemacht hat.
Amerika, 'land of the brave', wo man noch weiß, was Gut und Böse ist, wo die Grenzen so klar gezogen werden.
Amerika, wir können viel von Dir lernen: Patriotismus, Heldentum und die Durchsetzung von Gott gegebener Werte durch Waffengewalt. Und wir wollen ja auch lernen! Unterstützen willfährig und unreflektiert den Kampf gegen den Terrorismus.
Auch Deutschland bewegt sich zu der Erkenntnis, dass Waterboarding und die Entrechtung politischer, kultureller und religiöser Andersdenkender uns den Weg in eine gerechte Zukunft bahnt. Und mit Waffenexporten lässt sich nebenbei noch ein wenig das Staatsäckel füllen.
Töten für Gerechtigkeit, foltern für die Demokratie. Dies ist die Lektion, die wir zu lernen haben.
Unser Held Chris Kyle symbolisiert diese Werte. Umso tragischer sein Tod.

So zumindest im SPIEGEL zu lesen, auf dem dieser Beitrag fußt. Eine unreflektierte Verherrlichung von amerikanischen Heldentum. Qualitätsjournalismus, der mal wieder kritische Hinterfragung der Kommentarspalte überlässt...

Kommentare:

  1. "Dieser hat selbstverständlich mit der Todesstrafe zu rechnen"

    Das ist der zentrale Widerspruch. Soldaten die Morden sind legitim und Helden. Sie haben einen guten Grund und töten die "Bösen". Wenn der Irakvetran einen Mörder von 160 Menschen tötet, dann kommt er ins Gefängnis.

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  2. So geil...lol...armes Arschloch, ich sag ja, die Amis sind die gefährlichste Nation auf der Welt, aber jetzt haben sie ja bald die Drohnen, die völlig autark die Drecksarbeit für sie erledigen werden...

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  3. Tja, zu Hause hätten sie mich dafür eingesperrt- hier heften sie mir einen Scheiß Orden an die Brust.

    Monty Pythons Flying Circus

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  4. "Jeder, den ich erschossen habe, war böse"

    Mir wird immer wieder übel, ob dieser allgegenwärtigen Einteilung in "gut" und "böse"...

    Guter Artikel!

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  5. Beim Spiegel wundert Einen schon gar nichts mehr.

    "Denn, wo bleibt die Romantik des Tötens, die sein Buch in die Höhen der Bestsellerlisten erhebte, wenn ein Nerd mit Joystick nun diese heroischen Akte vollzieht?"

    Das ist ein interessanter Punkt in Bezug auf Drohnen , es könnte tatsächlich der absurde Effekt entstehen , daß die Drohnen dem Kampf und dem Krieg insgesamt ein Stück Heroismus nehmen , indem sie die kalte , technokratische Seite des Krieges stärker offenlegen.

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    1. "Das ist ein interessanter Punkt in Bezug auf Drohnen , es könnte tatsächlich der absurde Effekt entstehen , daß die Drohnen dem Kampf und dem Krieg insgesamt ein Stück Heroismus nehmen , indem sie die kalte , technokratische Seite des Krieges stärker offenlegen."

      Na, das wäre doch mal zu hoffen!

      Aber, was noch viel geiler ist: Die militärischen Interventionen rechnen sich nicht! In unserer kapitalistischen Gesellschaft das schlimmste was passieren kann! Moral, Ethik? Scheißegal - wie sieht's mit dem Staatsetat aus?

      Der Austeritätskurs (kleiner Sidekick) hat ebenso versagt. Auch er rechnet sich nicht! Blöd, wenn man zuvor wirtschaftspolitisch und marktgläubig argumentiert hat.

      Wenn sich der Rauch der ideologischen Nebelkerzen verzieht wird es spannend werden...
      :-)

      Grüße,
      Dude

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    2. Es würde ja reichen, wirksame Boden-Luft-Waffen gegen Drohnen zu entwickeln. Diese kosten ja weitaus mehr als der amerikanische High-School-Dropout mit Migrationshintergrund, den man im Dutzend in Gefahrenzonen verheizen kann. Noch stellt man sich hin und preist Drohnen als Lebensretter, als Skalpelle, die die (islamischen) Tumore entfernen ohne amerikanische Leben zu riskieren. Sobald die millionenteuren Teile vom Himmel geblasen werden können, wird ganz schnell wieder Miguel oder José mit der M16 losgeschickt. Bevor man dem ein Leben lang Sozialhilfe zahlen muss, lieber ab, paar Auslandserfahrungen sammeln, fremde Kulturen und Menschen kennenlernen... und abknallen.

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  6. Der traurige Witz an der Geschichte ist ja, dass er ausgerechnet von einem Veteran erschossen wurde, der das mit dem Gut und Böse in seinem Kopf anscheinend nicht nicht mehr so richtig sortiert bekam und als "psychisch krank" galt.
    Was für ein grausamer Scherz des Schicksals.
    Gefeierter Kriegsheld, der seinen Bodycount selbstbewusst in Buchform pries und versilberte, erschossen, von jemanden, den der glorreiche Krieg, von dem der Kriegsheld so gerne erzählte, anscheinend zerstört hat.
    So straft die Realität das Pathos Lügen.

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  7. Wie dramatisch Kriegserlebnisse sein können und wie sehr das totgeschwiegen wird , zeigt eine Zahl , die ich neulich in einer Kurz-Doku über den Falkland-Krieg aufschnappen konnte:

    Selbst in Bezug auf den "harmlosen" Falklandkrieg übersteigt die Zahl der späteren , bis heute begangenen Suizide die Zahl der Gefallenen , Ähnliches ist in vielen ehemaligen Vietnam-Einheiten zu beobachten.

    Von wegen Randphänomen , in den Medien dazu kaum ein Sterbenswörtchen , um es mal ein wenig zynisch auszudrücken.

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    1. Der Krieg selbst ist zynisch!

      Wie sagte Wolfgang J. Reus doch so treffend:

      "Es heißt, das erste, was im Krieg stirbt, sind Wahrheit und Anständigkeit..."

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  8. Ich mal wieder völlig “OT” oder auch nicht…jedenfalls findet bei “Spiegelfechter” sowohl als auch bei “Feynsinn” gerade eine wirklich eine gemeinsam, übergreifende und sicher lesenswerte Diskussion zum Thema “Kapitalismus” statt…
    Nur mal so zur Info…;-)

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    1. Ist längst auf 'meinem Schirm'! :-)

      Verspreche mir aber nicht viel davon.
      Grabenkämpfe, die unzählige Male zuvor bereits ausgetragen wurden.

      Jeder hat Recht - und nichts verändert sich.

      In so fern langweilig - zumindest aus meiner subjektiven Warte heraus.

      Man diskutiert über bestehende Zustände und wie diese zu überwinden (flatter) bzw. (Spiegelfechter) einzuzäunen sind.

      Alles wie gehabt - und kein Erkenntnisgewinn.
      Außer vielleicht, als Beleg, warum linke oppositionelle Kräfte sich nie einigen können werden um ein revolutionäres Kräftepotential zu entwickeln.

      Meine These:
      Nie zuvor war die Linke so schlecht organisiert und so zerstritten wie heute.
      Meine Erkenntnis:
      Nicht die Linke wird den Kapitalismus überwinden, sondern dieser sich irgendwann selbst. Aber es wird keine schöne Welt sein, die dieser als Erbe hinterlassen wird...

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    2. Da gebe ich Dir Recht...
      Trotzdem sollte man es honorieren, auch oder gerade desewegen, weil es eine blogübergreifender Versuch einer Einigung ist.

      Gruß nochmal an Dich...:-)

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