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Freitag, 22. März 2013

Eine versuchte Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft

Abteilung: Wählende Kälber

Manch einer mag ein wenig stolz sein, dass wir in Europa den Ton angegeben. Mag froh sein, dass er kein Spanier, kein Portugiese, und, so Gott bewahre, kein Grieche ist.
Wenn nicht stolz, so ist man wenigsten froh Deutscher zu sein. Froh, nicht zu denen zu gehören, die die Zeche des Finanzmarktkapitalismus mit den Ängsten um ihre Existenz zu bezahlen haben.
Dumm nur, dass diese Existenzängste auch im europäischen Wirtschaftsmotor Deutschland breiten Raum einnehmen.
Ich rede hier nicht nur von den geächteten Sozialleistungsempfängern. Ich meine auch die Leiharbeiter, Niedriglöhner und wie sie alle heißen. Dies sind wahrlich nicht nur Angehörige 'bildungsferner Schichten', gar 'faule Sozialschmarotzer', nein, es sind Leute, wie Du und ich, die sich, wenn überhaupt, mit prekären Arbeitsverhältnissen begnügen müssen.
Aber auch die, die nicht zu den Aufgezählten gehören, haben Angst.
Die, die nicht der Oberschicht angehören, die Lohnabhängigen, machen die Erfahrung, dass die Preissteigerung nicht ansatzweise durch Lohnerhöhungen kompensiert werden.
Mit Einführung des Euros bekamen wir die Hälfte des D.-Mark-Lohnes dafür aber die doppelte Kaufkraft (sic). Mittlerweile übersteigt der Preis (außer bei technischen Geräten) in Euro denen der damaligen D-Mark  Hat sich entsprechend auch der Euro-Lohn verdoppelt?

Der Reichtum steigt - und die Armut auch. Dank der Statistik, die einen Mittelwert errechnet, geht es uns also nicht schlechter.
Und auch die ganzen Reduzierungen von Arbeitnehmerrechten dienen ja letztendlich dem Wirtschaftsstandort Deutschland und damit dem Wohl aller.
Wer ein Problem damit hat, dass die Armen ärmer werden, und die Reichen reicher (was selbst im geschönten Armut-/ Reichtumsbericht unserer geschätzten Regierung nicht zu leugnen ist), der mag sich verwundert die Augen reiben, ob der Wahlergebnisse und der Zustimmungswerte.

Die Verwunderung relativiert sich aber, wenn man, wie ich feststellen muss, dass geschätzte drei von vier Zeitungslesern, die (dreimal darf geraten werden) BILD-Zeitung liest. Wo im Namen des kleinen Mannes dass Interesse des Kapitals indoktriniert wird.
Es fällt schwer zu glauben, dass in der Biedermeier-Zeit die Deutschen weniger aufgeklärt oder politisch weniger interessierter waren (von anderen Epochen der deutschen Geschichte ganz zu schweigen).

Aber es geht mir ausdrücklich nicht nur um Deutschland!

Weder empfinden wir Deutschen Solidarität in der europäischen Währungsunion, noch, viel weniger, mit dem Rest der Welt.

Wir leben gut damit, andere Regionen auszubeuten. Hungertote auf anderen Kontinenten stören uns nicht. Zumindest nicht mehr, als Pferdefleisch in unserer Billig-Lasagne.

Ein Wadenkrampf eines Bundesliga-Stürmers beschäftigt uns mehr, als Armutsflüchtlinge, die im Mittelmeer verrecken.

Auf den Papst 'der Armen' darf man gespannt sein, ob dieser ähnliches thematisiert.
Es würde mich wundern. Ja, ich würde es als Wunder betrachten!
Als ein größeres Wunder als irgendwelche Tränen einer Madonnen-Figur.

Es bleibt festzustellen:
1.) Deutsche gehen (zumeist) nur auf die Straße um für ihre eigenen Bedürfnisse zu  kämpfen.
Ergo
2.) Solidarität mit Anderen - weder in der EU, noch sonstwo - ist im relevanten Maße von Deutschen nicht zu erwarten.
3.) Die deutschen Kälber werden selber ihre Schlächter wählen (CDUSPDGrüneFDP).
4.) Die Deutschen lassen sich lieber  vor'schreiben' (von Springer, Bertellsman, Burda & Co.) was sie zu denken haben, als selbst zu denken (Kant war gestern).
5.) Im Herbst werden wir die Regierung wählen, die uns weiter knechtet und dem Finanzkapital hörig ist.
6.) Wir haben es wohl wirklich nicht besser verdient. Wir werden dankbar sein, für jeden Brotkrumen, den der andere nicht bekommt. Wir scheißen auf Solidarität, auf Humanität, wir scheißen auf alles, in der Hoffnung, dass es uns Deutsche nicht noch schlechter geht.
7.) Die Angst, den Rest zu verlieren, von dem was wir ehemals besaßen, lässt uns weiterhin die Parteien wählen, die den gesellschaftlichen Reichtum nach oben durchwinkt.

Deutsche, Europäer, Menschenbürger:
Ihr habt echt verkackt, wenn ihr dieses Spiel weiterhin willfährig mitspielt!

Kommentare:

  1. War es denn jemals anders? War jemals eine breite Öffentlichkeit politisch Aktiv und ist bei jedem kleinen bisschen auf die Barrikaden gegangen? Ich würde eher sagen, dass man mitgeschwommen ist. In den 50er und 60er Jahren war die politische Meinungsbildung eher links gerichtet. Jetzt ist sie eher neoliberal. Ob in beiden Fällen wirklich hinterfragt wurde, was die Politiker fordern und fördern, bezweifle ich.

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  2. Öhm... sollte einer eine echte Opposition sichten die ihren Namen wirklich verdient soll er's mir melden. Momentan zuckt ja der tote Gaul sPD wieder recht heftig, also die meine ich nicht denn die haben mit Opposition gar nichts zu tun, nachdem die Verräterpartei in NRW zur Verhinderung des Leistungsschutzrechtes erwartungsgemäß umgefallen ist.
    Übrigens Schwarz-Geld und die Verräterpartei gerade am durchwinken der Handydatenabfragen bei Ordnungswidrigkeiten sind....derweil die LINKE wie gewohnt um sich selbst kreist und selbst wenn nicht, haben die ja keine "Lobby" ( sowas braucht Scheindemokratie heute )
    Na dann "wählt" ma schön die "Opposition" ;-) es ist einfach nur ätzend ....
    Wie heist's so schlecht " Die modernen Demokratien sind die effektivsten am besten versteckten Diktaturen " ..oder so ..cheers aus der real existierenden Realität

    666

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  3. http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=4uVyJJ_0VBI#!

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    1. Sehr sehenswerter Beitrag über die Spaltung von arm und reich in Deutschland.

      Danke für's senden.

      Das nächste Mal vielleicht mit Nickname und einem kurzen Satz.

      Gruß, Duderich

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  4. „1.) Deutsche gehen (zumeist) nur auf die Straße um für ihre eigenen Bedürfnisse zu  kämpfen.
    Ergo
    2.) Solidarität mit Anderen - weder in der EU, noch sonstwo - ist im relevanten Maße von Deutschen nicht zu erwarten. “

    Es gibt auch Ausnahmen, die die Regel bestätigen! :-(

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    1. Wow!

      Traue meinen Augen kaum!

      Schön, dass es so etwas auch noch gibt.

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  5. Lieber Dude, ich werde deinen Zustandsbericht mit einer persönlichen Erfahrung, die ich letzte Woche machen musste, ergänzen.

    Ich habe arbeitsmäßig mit dem Jobcenter (bei uns heißt das KomBA)zu tun und dort berichtete mir ein leitender Mitarbeiter über die neuen, sehr effektiven Methoden der Arbeitsvermittlung. "Die faulen, arbeitsscheuen Hartzer" werden vermehrt zu Ranstad (Zeitarbeitsunternehmen) eingeladen. Dort werden ihnen die prekäre Sklavenjobs angeboten, die sie nicht ablehnen dürfen, sonst folgen Sanktionen.

    Auf meinen Einwand, dass sie ja dann irgendwann keine Arbeitslosen mehr haben werden, kam die lapidare Antwort: "Die kommen immer wieder." Ja klar, dachte ich (Ich kam mir dann auch sehr naiv vor, was aber an meiner völlig anderen Denkweise und Menschenbild liegt), diese Menschen sind ja höchstens 1/4 Jahr bei der Zeitarbeit, dann sind sie wieder arbeitslos.

    Diese Behörde vermittelt also bewusst in Zeitarbeit, weil sie 1. dadurch ihre Vermittlungsquoten erfüllen und 2. sie selbst niemals arbeitslos werden können und 3. können sie weiter vom Fachkräftemangel faseln, weil für diese Sklavenjobs immer Leute gesucht werden.

    Ich kann gar nicht so viel k....
    Diese Menschen merken nicht mal, wie asozial sie sind.

    Sorry, dass ich nicht so gut drauf bin, aber ich habe immer noch Wut.

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    1. Hey Ruby!
      Wenn ich mich jedesmal entschuldigen würde, wenn ich wegen bestehender Zustände schlecht drauf bin, dann käme ich zu nicht anderem mehr.

      Wenn Du noch schlechter drauf kommen willst, dann zieh Dir mal den Youtube Link von 'Anonym' rein!
      Da wird immenser Reichtum dem Dasein von Hartz-IV-Empfängern gegenüber gestellt.
      Sehr sehenswert, wenn auch nicht der Stimmung zuträglich.

      Aber wie Georg Schramm schon feststellte, wir brauchen den Zorn!
      http://www.youtube.com/watch?v=ZtvnVjt5bxo

      Grüße, Dude

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  6. Erinnerst du dich an den schwarzen Montag? ;-)

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