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Dienstag, 26. März 2013

Last Exit - oder: Wohin, wenn nicht gegen die Wand?

Abteilung: Der mangelnde Nährwert von Devisen

Die Zukunft der Menschheit wird sich - meiner Einschätzung nach - über drei Aspekte definieren:

  • Ökologie
  • Ökonomie
  • Sozialer Frieden

Aufgrund meiner Beobachtungen konstatiere ich in allen drei Bereichen eine Tendenz, die nicht wirklich zu einer optimistischen Prognose verleiten. Der letzte Punkt, der 'soziale Frieden', leitet sich dabei im großen Maße von den ersten beiden ab, und lässt sich kaum von diesen entkoppeln. Ich möchte gar behaupten, dass es eine gewisse Hirarchie der Bedeutungszusammenhänge gibt, die sich voneinander ableiten lassen:

Die Ökologie bildet unsere Lebensgrundlage. Wir sind nun mal organische Wesen, die bestimmte Stoffwechselprozesse benötigen, um die pure Existenz zu gewährleisten.
Einfaches Beispiel: Sollte aufgrund der industriell herbeigeführten Emissionen die Luft nicht mehr atembar sein, so wird sich keiner während seines Erstickungstodes Gedanken um Ökonomie oder dem sozialen Frieden machen. 
Der Mensch kann sich nicht von der Natur entkoppeln: 
Wir brauchen Luft zum Atmen, Nahrung und gemäßigte klimatische Bedingungen um als Organismus zu existieren. Maslow nannte das die Existenzbedürfnisse, deren alle anderen B. untergeordnet sind.
Anders ausgedrückt: Wir sind alle mit Gedeih und Verderb mit dem Öko-System Erde verbunden. Erst nachrangig stellt sich die Frage nach dem Wirtschaftssystem und des sozialen Wertegefüges.

Die Ökonomie regelt - um es simpel auszudrücken - die Besitzverhältnisse (respektive die Partizipation an Gütern, die das System Erde bereitstellt). 
Die Ökonomie / die Reichtumsverteilung wird durch politische Weichenstellungen definiert.
Gesetze regeln Besitzverhältnisse über die verschiedensten Stellschrauben, deren Liste schier unendlich ist. Letztendlich geht es hier um die Einzäunung der freien Marktkräfte, da die Menschenrechte, zumindest so kommuniziert und ideologisch vertreten, unveräußerlich sind und nicht den freien Marktkräften unterworfen werden dürfen. 
Ideologisch untermauert - so meine steile These - finden sich aber in allen menschenrechtlichen Maximen - politisch motiviert, Gründe diese Hierarchie in 'Ausnahmefällen' zu brechen. 
Eine beliebte und immer mehr herangezogene Begründung ist der Terrorismus und die Erhaltung der 'freiheitlichen Gesellschaftsordnung'. Mit diesen Begründungen werden 'Kollateralschäden' an Menschenleben, aber auch die Beschneidung demokratischer Grundrechte (Niederschlagung von Demonstrationen) legitimiert und somit 'ad absurdum' geführt.

Der soziale Frieden fußt auf o.g. Bereiche. Auch in der sog. 'Ersten Welt' (z.B. Europa) treiben existenzielle Nöte und der Mangel an gesellschaftlich/demokratischer Partizipation die Menschen auf die Straße. 
In vorgegeben 'demokratischen' Gesellschaften will nicht nur der Bauch gefüllt sein - nein, es besteht auch das Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Zukunftssicherheit. Wer möchte Kinder in die Welt setzen in einer Wirtschaftsordnung mit ansteigender Arbeitslosigkeit, deren ökonomische Bedrohung nach Ablauf einer Schonfrist existenzielle Bedrohungen beinhaltet? Wo Solidarität immer mehr zum Fremdwort verkommt, wo der Graben zwischen Systemprofiteuren und Abgehängten immer breiter und unüberwindbarer wird? 
Diese Entwicklung (das Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten - Stichwort: Armut-/ Reichtumsschere) findet gleichsam innerhalb der BRD, innerhalb der EU und, sowieso, innerhalb der Weltgemeinschaft statt.
Auch innerhalb des 'Wirtschaftsmotors Deutschland', dessen Antriebskraft durch Lohnzurückhaltung und Abbau sozialer Standards gespeist wird, machen sich die existenzielle Ängste im ansteigendem Maße breit.


Die politischen Kräfte und die medial unterfütterte Deutungshegemonie geben in allen der drei aufgeführten Bereichen ein 'weiter so!' vor.
Schweißreich erarbeiteter gesellschaftlicher Reichtum wird umgeschichtet um dieses System trotz immanenter Widersprüche am Laufen zu halten.
Irreversible Schäden unseres Ökosystems werden (im wahrsten Sinne des Wortes) 'in Kauf' genommen. Ansteigende psychische Erkrankungen sind hier ein Indikator für eine beschleunigte Anforderungshaltung gegenüber dem 'Produktionsfaktor Mensch' der immer mehr lediglich als Kostenfaktor wahrgenommen, ja berechnet wird. Eine Entmenschlichung des Arbeitsprozesses, im Sinne des Hungers an Gewinnsteigerung, zehrt immer mehr an der psychischen Gesundheit von Individuen.
Systemübergreifende Denkansätze werden als weltfremd und naiv abgetan.
Wir leben schließlich in einer globalisierten Welt, die, so das Heilsversprechen, nur über Konkurrenz, Wachstum und Abbau humanistischer und sozialer Standarts überlebensfähig ist.
Das Gegenteil, so meine Meinung, ist der Fall.

Es bedarf eines Umdenkens, welches nicht im Konsum Verheißung und Glück sucht. Es bedarf einer allgemeinen Gesinnung, dass der Sonntagsbraten mehr Genuss verheißt als der alltägliche Fleischkonsum. Dass der gemeinsame Waldspaziergang mehr die Sinne kitzelt als der Besuch eines Freizeitparks.
Ich möchte hier nicht dem Mangel das Wort reden. Ich möchte für den Reichtum an sinnlicher Erfahrung eintreten! Die elemantarsten und schönsten Erfahrungen entziehen sich doch - zum Glück! - der kommerziellen  Sphäre! Eine zärtliche Umarmung, das Gefühl verstanden zu werden, rücklings im Gras zu liegen und dem Rauschen der Blätter zu horchen...

Der erste Schritt, ist der, Natur und deren Lebenwesen mehr Respekt gegenüber aufzubringen. Wir sollten anstreben, dass wir die Natur ehren, die uns einen Lebensraum bietet und sie nicht marktwirtschaftlichen Gesetzen unterwerfen, domestizieren und industrialisieren. Ein Schwein, dessen Fleisch wir konsumieren ist immer noch ein Lebewesen! Wenn wir von dessen Fleisch zehren, sollten wir ihm bis zur Schlachtung den Respekt eines lebenswürdigen Lebens erweisen.

Ich plädiere dafür, dass wir unserem Konsumwahn (was kostet die Welt?) mehr Demut entgegensetzen. Dass Glück findet sich nicht in einem noch so hochauflösenden Display unserer Handys, welche zärtlich von uns gestreichelt werden. Das Glück und die Zukunft werden wir nur dann finden, wenn wir unserem Wirt, der Erde, dem ihr zustehenden Respekt gegenüber bringen.

Das wäre, wie gesagt, der erste Schritt. 
Dieser, ins kollektive Bewusstsein vorgedrungen, würde dann auch die Ökonomie, und in der Konsequenz, den sozialen Frieden positiv beeinflussen.

Es hieß mal: 'Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage, was Du für Dein Land tun kannst!'

Ich möchte das aufnehmen und umdeuten:
'Frage nicht, was der Planet Erde (/das uns bewirtende Ökosystem) für Dich tun kann, sondern frage Dich was Du für die Erde (unsere Zukunft) tun kannst!'

Dies wäre die erste Weichenstellung, die uns vor dem Kollaps bewahrt. Viele andere müssten dann konsequenterweise folgen.

Dies ist meine Vision, die uns in eine bessere Zukunft führen könnte. Der erste Schritt, dem andere folgen müssten.

Dem Wachstum der Wirtschaft setze ich dem Wachstum der Natur entgegen. Auf dass sie uns auch in Zukunft speisen möge!



Kommentare:

  1. Hat nicht Volker Pispers mal sinngemäß gesagt:

    "Umweltschutz kostet Arbeitsplätze und das wir einen Planeten überhaupt brauchen ist nicht erwiesen."

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    1. Der ist wirklich gut; kannte ich noch gar nicht!
      :-)

      Die Welt wäre ärmer, ohne Schramm, Rehter, Pispers, usw.

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  2. Es hieß mal: 'Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage, was Du für Dein Land tun kannst!'

    Hahaha J.F.K.'s Ur-US-Variante der verWIRrung .. WTF meint "dein Land", wem gehört denn "dein Land"..?

    Hab' jetzt gerade keine Zeit den Riemen wieder auf die Orgel zu legen ... es ist einfach widerlich dieser Propaganda Müll zum Wohle der immer Gleichen .. da wird einem speiübel

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    1. Oder besser mal in Deutsch

      Frage nie was dein HERR für dich tun kann ..sondern .. so ist's gemeint egal wo ..bis heute ..

      immer nur geben ..immer devot zu Diensten..nichts verlangen sondern Zufrieden sein mit dem was man von Oben für ausreichend erachtet , und ein schlechtes Gewissen haben wenn vom Nutzmenschhalter nicht gebraucht (Attraktivität steigern)..
      ..so ist's gemeint seit Jahrtausenden ..der glücklich geredete Sklave ist der groesste Feind der Freiheit .. !1!

      Jetzt is mir echt der Tag versaut.....

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    2. Der amerikanische Slogan ist natürlich unterirdisch - da hast Du vollkommen recht.

      Ich hoffe, meine Variante hat ein anderes 'Gschmäckle'.

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    3. Deine Umdeutung klingt zumindest schon mal besser, obwohl das "Raubbau an der Natur Thema" viel zu komplex ist und zwar in beiden Richtungen. Die Natur hat über die Jahrmillionen größere Katastrophen überstanden als Homo Sapiens.

      Und ansonsten hat es zivilisatorisch nicht zu mehr gereicht als "Divide et impera" unter ungleichen Voraussetzungen .und immer wieder Pyramidenspiel bis zum crash..

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  3. Duderich,
    du hättest Pfarrer werden sollen..

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  4. Konsumieren heisst ja zunächst einmal nur, dass wir verbrauchen. Und was wir verbrauchen/konsumieren können hängt wiederum davon ab, was uns in Geldform durch Lohnarbeit zugestanden wird,
    sofern wir jemanden finden, der unsere Arbeit gebrauchen will und was er dafür zu zahlen bereit ist.

    Das ganze orientiert sich an den Lebenshaltungskosten. Das ist der Lohn oder das Gehalt, was uns am Leben erhalten soll, nicht mehr und nicht weniger und je nach Stellung im Unternehmen auch unterschiedlich ausfällt. Am Ende des Monats sind die Möglichkeiten fürs konsumtive meist verbraucht.

    Wird Arbeitskraft nicht benötigt, gibt es Lohnersatz, welcher auf das Minimum für's Überleben heruntergerechnet ist.

    Andersherum, und das ist wohl das völlig Neue in der Produktivkraftentwicklung im Kapitalismus:
    Obwohl der stoffliche Reichtum noch nie so gross war, dass alle Lebensbedürfnisse der Menschen ohne weiteres befriedigt werden könnten, gibt es immer mehr Armut.

    Selbst elementare Bedürfnisse nach Unterkunft und Nahrung werden nicht mehr ausreichend befriedigt. Woran liegt das?

    Der Herr Karl: Ja der Pfarrer!

    Ich erinnere mich noch gut daran: Schon Ende der 50ger Jahre nahm uns der Pfarrer zu Weihnachten regelmässig ins Gebet, schimpfte von der Kanzel über die Verwerflichkeit, sich dem Konsum hinzugeben.
    Zu dieser Zeit gab es kaum Autos auf der Strasse und statt einem Kühlschrank in der Wohnung nur 'ne Speisekammer. Die Wäsche wurde noch in der Waschküche gewaschen. Würde er heute noch leben, bekäme er wohl auf der Kanzel einen Herzinfarkt.

    Gruss Troptard




    .






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    1. Wird Arbeitskraft nicht benötigt Allein der Satz ist Hohn ... was meint nicht benötigt ?

      Von wem ..? Wer gibt den Tieren Arbeit ..? Kommen die als Bringschuldner zur Welt wie Menschen ..?

      Wenn du als Habenichts gezwungen bist für andere zu arbeiten nur um deinen Platz auf der Welt zu bezahlen, da unbelehrbare Idioten anscheinend stillschweigend seit Jahrtausenden anerkennen das der liebe Gott oder sonstwer den Reichen und Schönen den Planeten samt allem was da keucht und fleucht zur persoenlichen Bereicherung überlassen hat, bist du nicht frei, du bist Sklave der nur mit dem von seinen Nutzmenschhaltern versorgt wird was gebraucht wird um die Zinspumpe am Leben zu halten.

      Und hinter all dem stehen Menschen ... der Zustand ist weder ein Naturgesetz noch vom Himmel gefallen oder eine unabwendbare Naturkatastrophe .. aber was red' ich ...

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    2. Soll heissen, sie ist für die Verwertung des Kapitals einfach überflüssig nicht mehr profitabel einsetzbar!

      Aus dem Zusammenhang meines Textes sollte wohl hervorgehen, was gemeint ist.

      Gruss Troptard

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    3. Hey war nichts gegen dich ,,und ja ... geht hervor .

      ..ich kritisiere das es so als Argument hingenommen angeführt und verbreitet wird, dieses " nicht mehr profitabel einsetzbar " .

      Das klingt so harmlos wie "gesättigter Markt " was keineswegs meint das jeder alles hat sondern das es sich nicht lohnt.

      Hätte jeder eine angemessene Teilhabe am Planeten wie es jedes Tier hat bräuchte es kein Kapital das den Leuten "Arbeit" gibt ... dann hätte jeder Arbeit, und zwar für sich.

      cheers

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