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Sonntag, 3. März 2013

'Weltrevolution in der Szenenkneipe'

Abteilung: Deprimierende Wahrheiten

Der Duderich möchte seine geneigten Leser zu diesem Interview einladen. Habe selten etwas gelesen, was einerseits so viel Zustimmung in der Beschreibung momentaner Verhältnisse auslöste, und andererseits so erhellend war.
Auszug:
"Ich fasse einmal zusammen: die meisten linken Gruppierungen sind Wahlfamilien, die ihre Differenzen zu politischen Nachbarn maßlos überhöhen, um ihre Identitätsbaracken nicht verlassen und in einen solidarischen Klassenkampf ziehen zu müssen – der freilich auch andere, ganz und gar nicht psychologische Nachteile bedeutete. Die Rationalisierung dieser Nesthockerei funktioniert immer nach demselben Muster. Ich zitiere: „Nein, das sind Rassisten / Antisemiten / Sexisten / Feministen / Leninisten / Trotzkisten / Bellizisten / die haben ‚Das Kapital‘ nicht systematisch / nicht historisch / rein akademisch / unakademisch interpretiert / die haben eine autoritäre Diskussionskultur / die pinkeln im Stehen / die mögen keine Zwölftonmusik / die halten Denundden für ein Genie / einen Volltrottel / die interessieren sich nicht für Ökologie / sind Ökofaschisten / essen Fleisch / sind vegane Spinner / haben das Widerstandpotential der Popmusik nicht erfasst / die sehen sich Pornos an / sehen sich keine an / die beziehen sich auf Bücher aus dem Verlag X, obwohl das derselbe Verlag ist, der vor zehn Jahren in einem Sammelband einmal eine Rede von Y abgedruckt hat, der ja erwiesenermaßen ein Rassist / Antisemit / Sexist / Trotzkist / Bellizist / Stehpinkler ist, was man in unserer Clubgazette Z nachlesen kann. Die verstehen also nicht ansatzweise, worum es in dieser ganzen Scheiße eigentlich geht! Was zu tun ist und so. Deshalb kann man mit denen nicht reden oder zusammenarbeiten. Jeder Kompromiss mit denen wäre reaktionär / faschistoid / antisemitisch / rassistisch / sexistisch / trotzkistisch / bellizistisch / wie wenn man erst Fleisch isst und danach im Stehen pinkelt etc. und damit unvertretbar. Das sind Leute, die bekämpft werden müssen!“ Dieses Muster beinhaltet eine vielleicht nicht bewusst, aber akzeptiert unrealistische Forderung nach Reinheit der Lehre, die als Ausrede für mangelnde Praxisorientierung benutzt wird. Nur wenn alle den von der eigenen Gruppe mehr oder weniger einheitlich erreichten Grad an Erkenntnis und dogmatischer Reinheit erreicht haben, kann man erst beginnen, gemeinsam – was in diesem Falle gar nicht mehr hieße ‚gemeinsam‘, sondern eben einfach ‚wie eine Person‘ – gegen den eigentlichen Gegner vorzugehen, nämlich den Kapitalismus, in dessen Analyse sich komischerweise viele unterschiedliche Gruppen in grundsätzlichen Punkten (Scheinpolitik, Krisenhaftigkeit, Verarmung, Umweltzerstörung, globale Ausbeutungszusammenhänge, ideologische Nebenwirkungen, Kriege usw.) einig sind. "

So sieht das dann in der 'Internet-Realität' aus:

Viel Spaß!

Hier noch ein paar sehr intelligente, erhellende Gedanken (allerdings innerhalb der Leitplanken der sogenannten Marktwirtschaft) von anderer Seite via YouTube.


Kommentare:

  1. Die Stossrichtung dieses Artikels ist genial. Ähnliches versuchte ich auch schon zu thematisieren. Werde es wieder einmal versuchen.

    Immer schön dranbleiben...

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    1. @dHK

      Du kannst mich gern korrigieren aber wenn ich auf deinem Blog lese, finde ich, du müsstest dich eigentlich angesprochen fühlen. Anstatt zu vermitteln und Meinungen zusammenzuführen, betätigst du dich auch nur im Linkenbashing.

      Ich kapiere es auch nicht, die Linken haben ein gleiches Ziel, aber sie bekämpfen sich, zumindest erlebe ich es im Internet. Und genauso spielen sie den Neoliberalen in die Hände.
      Was mich aber fast noch mehr stört, ist die hochgestochene Sprache, die die einfachen Menschen kaum verstehen können. Wie soll man diese Menschen denn dann erreichen?

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    2. PS: Und diese Menschen lesen nicht alle die BILD.

      Meistens sehe ich angeblich intelligente Wesen (Abitur, Politiker im Bundestag etc.) dieses BILDerbuch lesen.

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