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Donnerstag, 18. April 2013

Menschenrechte vers. Guantanamo... oder: Hungerstreik

Abteilung: Hunger Strike

Habt ihr's mitbekommen?

Ihr erinnert Euch:
Sie sind potentielle Kombattanten, und das reicht dann auch als Legitimationsgrund. 
Keine Gerichtsverhandlung, keine Anwaltskonsultationen, Folter.
Die Medien sind eh ausgesperrt.

Dort sind keine Menschen inhaftiert, sondern Terrorismusverdächtige. 
Der Verdacht reicht. 
Der Verdacht reicht, den Häftlingen das Mensch-Sein abzusprechen und somit Träger von Menschenrechten zu sein. 
Ohne Gerichtsbarkeit...

Diese Zustände bestehen seit Jahren. Unter dem Vorzeichen demokratischer Ordnung.

Wo aber bleibt der stetige, mahnende Finger der dies anprangert?

Legitimiert Gewohnheit und Bestand?

Sicherlich ist es 'en vouge' Putin zu kritisieren. Und das auch mit Recht! 

Sind westliche  Zustände aber nicht auch genauso kritikwürdig? 

Merkel liefert ihr Pflichtpaket bei Treffen mit Putin ab, um demokratische Zustände (bspw. Pressefreiheit) einzufordern. Soll sie tun - ist okay. 
Wo aber bleibt der (formulierte) Anspruch, die menschenunwürdigen Haftbedingungen der Guantanamo-Häftlinge zu kritisieren? 
Wo Water-Boarding, Schlafentzug und die Verletzung der Würde dazu benutzt wird um Geständnisse herauszupressen? 

Hier versagt die Exekutive, Legislative, Judikative - aber auch weitestgehend die sog. 'vierten Gewalt', die Medien. 
Aber auch das Souverän versagt! 
Weder die bundesdeutsche Bevölkerung, noch die europäische Gemeinschaft, noch die 'Weltgemeinschaft' (die es eigentlich gar nicht gibt) formuliert den Anspruch darauf, diese inhumanen Zustände abzustellen. 
Wo bleibt der Aufschrei? 
Liegt der Mangel an Kritik darin begründet, dass die Inhaftierten einem anderen Kulturkreis, einer anderen Religion angehören?

Wäre unsere Reaktion eine andere, wenn ein Landsmann (Deutscher) in Guantanamo inhaftiert wäre?
Die Menschenwürde, schließt doch ALLE Menschen ein, oder nicht? 
Egal, welcher Religion zugehörig, egal welcher Kultur?

Seit Jahren bestehen Zustände eines rechtlosen Raums, der Missachtung elementarerer Menschenrechte unter demokratischer Deutungshoheit.

Einerseits werden Hungerstreikende zwangsernährt, andererseits verrecken Unzählige an Hunger!
Geht es perverser?
 
Vergegenwärtigt Euch, ab welchem Leidensdruck man den eigenen Hungertod in Kauf nimmt um sich gegen bestehende Haftbedingungen zu wehren!
Reflektiert das (mangelnde) mediale Echo darauf!
Fragt Freunde, Kollegen und Bekannte, ob sie wissen, was da gerade abläuft!

Vermutlich werdet ihr, wie ich, die Erfahrung machen, das Mensch und Mensch nicht gleichwertig sind.
Recht und Recht, auch nicht.

Vielleicht werdet ihr dann, wie ich, zu dem Schluss kommen, dass Menschenleben nicht gleichwertig mit anderen Menschenleben sind, Würde und Gerechtigkeit nicht gleichwertig unter der Weltbevölkerung  verteilt sind.

Mir ist bewusst, es ist ultra-provokant, was ich jetzt anfüge:

Aber, sind Bombenopfer (Boston) bedauernswerter, als die täglichen(!) Hungertoten in der gerne verdrängten 'dritten Welt'???

Es liegt mir fern, Ungerechtigkeiten gegeneinander aufzurechnen, gar zu relativieren.

Mir liegt es daran, aufzuzeigen, wo der mediale Fokus liegt.


Ein westliches, europäisches Menschenleben ist nicht mehr Wert, als ein Leben außerhalb davon.

Jedes (Menschen-)Leben zählt gleich und ist gleichwertig.
Egal, ob wohlhabend, oder arm.
Egal, ob christlich, oder anderer Religion.
Egal, ob europäisch, oder, wo auch immer lebend.

Wir alle sind Erdenbürger, sind Menschen.
WIR ALLE SIND GLEICHWERTIG!

Sicherlich gibt es Interessen, uns auseinander zu dividieren und gegeneinander zu konkurieren,

Wir sollten uns fragen, ob Konkurrenz oder Solidarität unsere Zukunft bestimmen soll.

In Guantanamo wird uns das exemplarisch vorgelebt.

Wäre schön, wenn wir daraus lernen könnten...

.


Kommentare:

  1. Aber, Dude. Die Antwort auf die letzte Frage gibst du doch schon selber: "verdrängte dritte Welt". Tatsächlich krieg ich jedes mal das Kotzen, wenn sich ein deutscher möchtegern Außenminister hinstellt und quakt: Es sind deutsche gestorben, von den dutzenden Toten anderer Länder kein Wort. Und nicht nur da, bei dieser Art von Meldungen läuft im Kopf immer wieder dasselbe Schema ab, was ist mit dem Irak, Mali, Afgahnistan (da wird man General bei der Bundeswehr)und was weiss ich, durch direkte Intervention der Industrienationen. An die Opfer von wirtschaftlicher Ausbeutung kann ich dann schon mehr nicht denken, dafür reicht der Blutdruck nicht aus. Nur eines ist auch klar, das beschränkt nicht nur auf den afrikanischen Kontinent, sondern auch die gewisse Schichten in den genannten Nationen auswirken, Wohnraumverlust in Spanien, Gesundheitssystem in Griechenland, etc, pp. So ich geh wieder den Stein rollen, bergauf. Gruß Werner

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    1. George Orwell:
      'Alle sind gleich, aber manche sind gleicher.'
      (...)

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  2. "Sind westliche Zustände aber nicht auch genauso kritikwürdig?"
    Sind sie. Prangert man das an, dann ist man ein weltfremder Gutmensch und wird angegriffen.

    "Vergegenwärtigt Euch, ab welchem Leidensdruck man den eigenen Hungertod in Kauf nimmt um sich gegen bestehende Haftbedingungen zu wehren!"
    Ich denke es fehlt vor allem an Hoffnung. Niemand weiß wie es weiter geht. In einem Rechtsstaat kann man sich halbwegs darauf verlassen nach einem festen Schema abgehandelt zu werden. Im rechtsfreien Raum Guantanamo ist das leider nicht so.

    "WIR ALLE SIND GLEICHWERTIG!"
    Und manche Menschen sind eben gleichwertiger. Konsequenzen heißt das Zauberwort. Wenn man jemanden in seinen Keller sperrt und ihn missbraucht, dann kommt man ins Gefängnis. Als Staat darf man das. Komisch, dass das Rechtssystem, wenn Konzerne gegen Staaten klagen (selbst wenn das Resultat im Desinteresse der Bevölkerung ist), funktioniert.

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    1. Das Rechtssystem funktioniert lediglich innerhalb der Grenzen, die dieses System vorgibt.

      Auch das Grundgesetz ist nur bindend, solange es keine Kapitalinteressen berührt.

      'Eigentum verpflichtet' bspw ist nur noch eine hohle Phrase.

      Menschenrechte genau dort nicht einklagbar, wo sie am dringendsten benötigt werden.

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    2. "Auch das Grundgesetz ist nur bindend, solange es keine Kapitalinteressen berührt."

      Richtig. Darum ist es in meinen Augen wichtig die Konzentration von Kapital zu minimieren.

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  3. The laughing onion20. April 2013 um 00:00

    ... wenn ein Landsmann (Deutscher) in Guantanamo inhaftiert wäre?
    Noch nie was vom "Bremer Taliban" aka Murat Kurnaz gehört?

    Wäre unsere Reaktion eine andere
    ähem ich sach jetzt mal nix.

    Mir ist bewusst, es ist ultra-provokant, was ich jetzt anfüge:
    Na na jetzt übertreib mal nich...

    Aber, sind Bombenopfer (Boston) bedauernswerter, als die täglichen(!) Hungertoten in der gerne verdrängten 'dritten Welt'???
    Offener Brief an das ARD/ZDF-Morgenmagazin anläßlich des Anschlags in Boston
    Bericht über 1.7 Millionen Tote: Fehlanzeige
    Von Ellen Diederich


    Wir alle sind Erdenbürger, sind Menschen.
    Tja, bleibt uns wohl nix anderes übrig ...solange David Icke uns nicht das Gegenteil beweist.

    In Guantanamo wird uns das exemplarisch vorgelebt.
    ähem ist mir nicht ganz klar was Du mit dem "exemplarisch vorleben" jetzt sagen willst, aber ich verzichte mal lieber, dieZukunft stell ich mir ein klein wenig anders vor.
    .
    .
    Tschüß ich bin dann mal wech

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    1. immerhin, Murat Kurnaz kam wenigstens irgendwann mal frei.

      der Rest der Leute da wird mit "Sicherheit bzw. hoher Wahrscheinlichkeit" bis zum Ende aller Tage verschimmeln.

      Ob das Gefangenen-Lager selbst dicht gemacht wird, kann den Häftlingen dabei ziemlich egal sein, rechtlich ist ja schon vorgesorgt. Und daß man solch riskante Terroristen nicht der regulären Justiz überlassen kann ist auch klar.

      ich wage mal ne Prognose -
      gegen Ende seiner Amtszeit wird Obama das Lager in einem feierlichen Akt schließen. Die (NATO-)Partner in aller Welt werden ihn zu diesem mutigen Schritt beglückwünschen, den Sieg der Gerechtigkeit verkünden, und einen auf die Menschlichkeit heben.
      Über Guantanamo wird der endgültige Schlussvorhang fallen, vllt werden demonstrativ noch 2 Gefangene freigelassen.
      Daß der Rest nur verlegt wird, und v.A. wohin - dafür wird die Sendezeit leider nicht mehr reichen. Aus den Augen aus dem Sinn, vergessen & begraben, das war's.

      ...aber vllt auch nicht. Warum auch, juckt doch schon seit 10 Jahren kein Schwein.

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    2. @ The loughing onion:
      " 'In Guantanamo wird uns das exemplarisch vorgelebt.
      ähem ist mir nicht ganz klar was Du mit dem "exemplarisch vorleben" jetzt sagen willst, aber ich verzichte mal lieber, dieZukunft stell ich mir ein klein wenig anders vor."

      Ich meinte G. als die eine (mögliche) Seite der Medaille.

      Die Zukunft WÜNSCHE ich mir auch anders. Aber, vorstellbar ist das, was in G. läuft auch im größeren Maßstab.
      Entrechtung ohne Gericht und Urteil.

      Wir bewegen uns darauf hin, dass der Besitz Recht beinhaltet und Schulden Schuld.

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    3. @Garfield080:
      Danke für die erhellenden Links!
      Im Übrigen bin ich Deiner Meinung.

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  4. noch was zu GTMO

    Weltkarte mit US-Einrichtungen, Gefangenenlagern & "Reiserouten":

    das hier (via dem hier)

    neben Bildern der Einrichtungen, lassen sich auch die Schicksale einzelner Gefangener nachvollziehn,
    z.B. Maher Arar - unterwegs von Zürich nach Kanada, bei der Zwischenlandung in New York verschleppt und in ein Gefängnis nach Syrien gebracht

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