Follow by Email

Dienstag, 7. Mai 2013

No Exit?

Abteilung: Wer stellt die Weichen? Die Weichen?

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich glaube, dass viele der linken Opposition meine Einschätzung, meine Ängste, ja auch vielleicht meine wachsende Resignation teilen:

Wir, die wir das kapitalistischen System, mit seinen ganzen, immer deutlicher werdenden Auswüchsen, Widersprüchen, Dogmen, usw. als ein zu bekämpfendes Übel ausgemacht haben, scheitern an der Bekämpfung des selben.

Die linken, oppositionellen Kräfte sind zerspalten. Es gibt dort Veganer, die Fleischkonsumenten das wahre Links-Sein absprechen. Es gibt die Diskussion, ob und in welchem Ausmaß und Anlass Gewalt legitimiert ist um der systemimmanenten Gewalt der bestehenden Verhältnisse zu begegnen. Die Frage, ob man wählen soll, oder nicht, spaltet weiter.

Allein der Anspruch, zwei Linke zu finden, die dasselbe mit den gleichen Mitteln erreichen wollen, erscheint illusorisch und naiv.

Bestehendes erhalten zu wollen ist ungleich einfacher.

Man kann die CDU wählen, die SPD, die Grünen und natürlich die FDP. Alles bleibt wie gehabt.
Die Verteilung von arm nach reich wird fortgeführt, Sozialleistungen abgebaut. Die Konsequenz bleibt die gleiche - bei unterschiedlichen Legitmationsargumenten.

Die Presse bewegt sich ohnehin innerhalb der Leitplanken der vorgelebten Dogmen.
Die Presse, die Meinungsmacher, stimmen ein in das Infernal des Konkurrenzdenkens und der Wachstums- und Wirtschaftsgläubigkeit.

Wirtschaftsgeleitete Lobbyorganisationen diktieren Gesetze, die nur mit marginalen Abweichungen übernommen und ratifiziert werden.

Was also tun?

Es reicht längst nicht mehr die FDP scheiße zu finden, und stattdessen die Sozialdemokraten zu wählen.
Es reicht auch nicht mehr, die LINKE zu wählen.

Es gilt außerparlamentarischen Widerstand zu proben.

Flashmobs und Solidaritätsbekundungen.
Ziviler Ungehorsam. Kreativer Widerstand.

Organisiert Euch und verweigert Euch!
Stellt dieses System in Frage und handelt entsprechend!
Es braucht Verweigerung gegenüber bestehender Verhältnisse, um diese nicht durch gewohnheitsmäßige Akzeptanz zu legitimieren.

Inge Hannemann bietet uns dabei ein jüngeres Vorbild und Gandhi ein älteres.
An beiden können wir lernen.

Mögen wir die Kraft haben, ihrem Beispiel zu folgen...

Kommentare:

  1. erst wenn wir den mut zu politischen streiks finden - und seien sie 1000 mal verboten. erst dann, können und werden wir was erreichen.

    leider ist den meisten der nächste Mallorca-urlaub im zweifel doch wichtiger, als die solidarität. das zeigen sie täglich mit ihrem konsum-verhalten.

    ergo wage ich an streiks jenseits von symbolen und schaugefechten mit wirtschaftsfreundlichen spielregeln nicht zu denken.

    lg
    don

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn sich Gesellschaften in der Krise befinden, dann baut sich eine unheimliche Spannung auf. Diese Spannung lässt sich spüren und die Ängste, die aus ihr entstehen.

      Für mich selbst ist spannend, wie diese Ängste abreagiert werden. Sie folgen scheinbar einem historischen Muster, sind aber in den Verhältnissen selbst angelegt.

      Wenn die Gesellschaft die Wirtschaftskrise nicht als Produkt ihres eigenen Handelns erkennen will, dann sucht sie nach äusseren Faktoren, die dafür ursächlich sind. Beispiele gibt es dafür viele, wie gierige Bänker, Spekulanten, faule Arbeitslose, Ausländer usw..

      Die Solidarität untereinander nimmt stark ab und damit auch die Voraussetzungen für solidarisches Handeln.

      In diesen Strudel gerät auch die Linke, die eigentlich davon ausgehen müsste, dass sie von der Krise profitieren kann. Tut sie aber nicht, sondern sie muss mit ansehen, dass eher die Rechten aus der Krise gestärkt hervorgehen.

      Hier liegt für mich auch der Hund begraben. Kritik an den Verhältnissen lässt sich für Linke eben nicht nur in der Krise vorbringen, sondern die Voraussetzungen dafür sind schon immer gegeben.

      Resignation ist dann nur Ausdruck eines allgemeinen Versagens.

      Nun ist es aber auch nicht ausgemacht, dass die Mehrheit der Bürger der sog. Linken überhaupt noch zuhören will, dass das was sie anzubieten hat, für diese weniger attraktiv ist, als sich in den ungemütlichen Verhältnissen durchzumogeln.

      Wenn der Bürger nicht von selbst auf die Strasse geht, eine Linke wird sie dort nicht hinschleifen können.

      Gruss Troptard





      Löschen
  2. Naja, wenn man aus Stuttgart 21 was gelernt hat, dann ja wohl, dass man auch als friedlicher Demonstrant um seine körperliche Unversehrtheit fürchten muss. Und das ist nur natürlich. Nicht jeder kneift aus "Luxusgründen". Ich hab auch eher wenig Lust, mir vom Wasserwerfer die Netzhaut abtragen zu lassen, wie es ja jemandem dort passiert ist.
    Mal abgesehen davon, dass auch die Karriere drunter leiden dürfte, wenn man noch unschuldig einen wegen "Widerstand gegen die Staatsgewalt" aufgebrummt bekommt. Sieht nicht so geil aus im Lebenslauf.

    AntwortenLöschen
  3. Die linken, oppositionellen Kräfte sind zerspalten. Es gibt dort Veganer, die Fleischkonsumenten das wahre Links-Sein absprechen. Es gibt die Diskussion, ob und in welchem Ausmaß und Anlass Gewalt legitimiert ist um der systemimmanenten Gewalt der bestehenden Verhältnisse zu begegnen. Die Frage, ob man wählen soll, oder nicht, spaltet weiter.

    @Duderich

    Ich glaube, du liest zu viel den Blog vom Herrn Karl und hast deshalb den Eindruck der Zerstrittenheit. Ich habe das Gefühl, genau das ist sein Ziel, uns glauben zu machen, dass diese Zerstrittenheit da ist, denn genau diese Beispiele thematisiert er ja stets und ständig.

    Ich sehe das nicht so. Sicher, die linke Szene besteht aus vielen unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten. Aber in der Kritik am System sind sie sich dann doch wieder einig.

    Vielleicht solltest du dir nochmal das von mir empfohlene Buch zu Gemüte ziehen und dich nicht so viel runterziehen lassen. Gesellschaftliche Veränderungen brauchen halt auch ihre Zeit. Ich bin da ganz optimistisch. Selbst in meinem Umfeld spüre ich ein Umdenken in den Köpfen, zwar langsam aber es passiert.

    Eines sollte dir aber auch bewusst sein, wir sind nur die Wegbereiter, die die Früchte höchstwahrscheinlich nicht ernten werden. Das ist traurig aber nicht zu ändern. Hauptsache, du gehst geradlinig deinen Weg, bei dem du dich gut fühlst.

    Das System wird gegen die Wand fahren und dann werden wir ja sehen, was passiert. Entweder die Menschheit wacht dann auf oder sie geht unter. Aber selbst das werden wir wahrscheinlich nicht erleben.

    Also bitte, Duderich lass dich von den Veganern, Reformierern und wie sie noch alle so heißen nicht beirren. Sie wissen es halt noch nicht besser.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Manfred Peters7. Mai 2013 um 23:38

      Wer alleine die Zersplitterung der Partei DIE LINKE betrachtet, da sind die OST/WEST-Animositäten noch gar nicht enthalten, sieht welches Dickes Brett da gebohrt werden muss.
      Oder schon „Ihr habt den Krieg verloren „ vergessen?
      Beim weiter klicken, findest Du das Antieiszeitkomitee das sich, wie der Name schon sagt, mit Kunst beschäftigt, die AG ... Kleingartenwesen nicht zu vergessen. :-(
      Von den Antideutschen gar nicht zu sprechen.
      Da braucht es keinen küstlichen Popanz, den der eine oder andere vielleicht zu ernst nimmt.

      Löschen
  4. @ troptard

    den Grund, daß gerade die Rechte derzeit profitiert, sehe ich v.A. in der Abneigung gegen Europa.
    Erst heute hat auf Phoenix wieder ein Politiker verkündet, die europäische Vereinigung wäre absolut im Interesse der europäischen Bevölkerung... lebt der in ner andern Welt oder ich?

    Dazu muß man sagen, daß die EU von den Nationalregierungen gern als Sündenbock genommen wird, daher wohl ein Teil der Ablehnung - die ich größtenteils aber trotzdem gerechtfertigt finde.

    Die EU hat in meinen Augen nichts mit "Völkerfreundschaft" oder ähnlichen Phrasen zu tun, sondern ist ein reines Konstrukt feuchtester neoliberaler Träume, siehe nur die neue Saatgut-Verordnung - mal als _mildes_ Beispiel.

    Leider geht vielen Linke bei dem Thema Ideologie über allem Rationalen. Wer sich wagt, im BT gg die EU zu argumentieren, sogar als es um den ESM ging, wird in die national-konservative Ecke gestellt - sogar der PDL passiert.

    Glücklicherweise geht auch den meistenn Linke inzwischen auf, daß USEu noch lange nichts linken Idealen zu tun haben muß, nur weil multinational - das sind auch intl. Konzerne...

    Dazu kommt, daß "Links" von Vielen schon grundsätzlich "pro EU" empfunden wird (da die Grünen oder die SPD beim Durchschnitts-Bürger immer noch als "links" gelten, kommt das teils ja sogar hin), während "anti Euro" z.B. als eher "rechts" empfunden wird.

    Auch deshalb kommen die Rechten beim Durchschnittsbürger derzeit vermutlich (gefühlt) besser an.

    würde man SPD & Grüne andererseits als links zählen, wär die Linke eigtl ziemlich gut aufgestellt - und das sind sie in den Köpfen vieler (v.A. Besserverdienender) einfach immer noch, während die PDL für Viele als Schmuddelkind gilt und scheinbar untrennbar mit der SED verbunden wird.

    Das Problem ist MMN auch, daß zu Viele einfach immer noch nicht kapieren wollen, daß SPD & Grüne - Parteien, die Westerwelle wg seinem Nein zu einem Krieg angegriffen haben! - absolut NICHT links sind.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nachtrag - ersetze im letzten Absatz über Grüne & SPD, "NICHT links" durch "KEINE Alternative"

      ich frage mich immer öfter, ob dieses 2D-Schema nicht eh überholt ist. Sind die Antideutschen z.B. "links" - außer in ihrem Selbstverständnis?

      MMN sind die Probleme für Lager- oder Wettkämpfe, wer jetzt der "richtige"/ "Linke_re" ist, auch zu wichtig.

      ich bezweifele auch, daß sich die Bevölkerung überhaupt noch von der "Linken", wie sie die aktuelle Szene (nicht Partei) darstellt, angesprochen fühlt.

      Die Linke Szene hat sich dank einiger Egomanen in den eigenen Reihen, die richtiges Gendern scheinbar für das größte Problem halten, oder unbedingt die Radikalsten in jeder erdenklichen Form sein wollen, MMN ziemlich selbst an die Wand gefahren.

      Löschen
    2. Ich würde die Antideutschen eher als faschistisch bezeichnen. Das wird die ganz gewaltig ankotzen, aber rein von ihrer Weltanschauung und ihrem Auftreten her, stehen sie doch rechten Gruppen in nichts nach und sind genauso fanatisch in ihrem Dogmen gefangen.

      Löschen
    3. @Garfield080, 8. Mai, 3:48

      Mal 'ne doofe Frage: Wann schläfts Du eigentlich, wenn Du in der Nacht schreibst?

      Wahrscheinlich habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Mit den "Rechten" habe ich nicht unbedingt den rechten Rand bezeichnen wollen, der aus nationalem Interesse sich gegen die EU positioniert.

      Was ich ausdrücken wollte ist, dass Politik und Wirtschaft in der Krise nicht weniger Chancen haben ihre marktradikale Politik (eine Mischung aus Keynsianismus und Neoliberalismus) durchzusetzen, sondern eher bessere.
      Hier möchte ich bei NannyOgg07 anknüpfen. Die Menschen sind vom täglichen Kampf ums Überleben müde. Die Menschen, die noch in Arbeit sind haben Angst ihre Existenzgrundlage zu verlieren und wenn sie diese verlieren, in die staatliche Arbeitssimulation zu geraten und dort wie Schmarotzer, potentielle Leistungsbetrüger behandelt zu werden.

      Was Europa betrifft, so kann die Abneigung gegen dieses Europa nicht mehr ignoriert werden. Wer behauptet dieses Europa wäre im Interesse der Europäer sollte auch gefälligst die Argumente dafür liefern und nicht das "Wir" ansprechen, wenn es nur um die eigenen Interessen geht.

      Wie selbstverständlich wird immer vorausgesetzt, dass die Menschen für das kapitalistische Wirtschaftssystem Opfer zu bringen haben.

      Da diese Opfer eher von linken Theoretikern, als von den sog. linken Parteien abgelehnt werden ( diese landen sehr schnell bei den ökonomischen Sachzwängen) bleibt es eher bei einer ohnmächtigen Unzufriedenheit der Menschen.

      Das System Ware / Geld mit dem Überbau Demokratie ist so perfekt organisiert, dass es für den Einzelnen daraus kein entrinnen gibt.

      In den Medien werden dann auch noch Menschen vorgeführt, die sich glücklich äussern, dass sie einen Zeitarbeitsvertrag bekommen haben. Was kaufen sie sich vom ersten Lohn? Endlich einen Flachbilbildschirm. Bravo!

      Ich verzweifle nicht, Nein! Wenn es dann der Lebensinhalt ist, so werde ich mir persönlich keine Mühe geben etwas anderes zu vermitteln.

      Gruss Troptard

      Löschen
  5. @Ruby

    auch wenn das dem was ich gerade geschrieben hab auf den ersten Blick vllt widerspricht, geb ich dir Recht.

    Ich halte auch nicht viel davon, jedesmal von Spaltung zu reden, wenn nicht gerdae Friede-Freude-Eierkuchen herrscht.

    Ich hab nix gg eine Gruppe/Bewegung/Partei/whatever, in der - auch mal energisch - diskutiert wird.
    Ich fänd es dagegen erschreckend, wenn alle wie auf Droge einer Meinung sind und i-welchen Gurus nachplappern würden.

    Eine andere Sache ist, wenn manche nicht zw gesunder Auseinandersetzung & grundsätzlicher Meinungsverschiedenheit trennen können; oder geradezu den Hang zu haben scheinen, andere auszugrenzen.

    Wofür leider gerade die Linke ein besonderes Faible zu haben scheint, wie ich hier schon geschrieben hab.

    Selbstdefinition/ Gruppenbildung läuft immer noch am besten über Feindbilder, das ist bei jedem Menschen so, auch Linke sind da halt keine Ausnahme.

    AntwortenLöschen
  6. Tja, leider funktioniert das Bestehende ja sogar so gut, dass aktiver Widerstand am Zeitmangel scheitert :-(
    Anders ausgedrückt: aufgrund der schwieriger werdenden Lebensbedingungen und dem täglichen Kampf ums Überleben (in meinem Fall für eine fünfköpfige Familie) fehlt es an Kraft.
    Wenn ich sehe wie wenige "von uns" am traditionellen Aktionstag, dem ersten Mai, mitmarschieren, wie viele aber statt dessen lieber beim Maibaumaufstellen einen Biervernichterrekord aufstellen, fühle ich mich einfach nur schwach... Ich bin mir nicht sicher ob echter Widerstand möglich ist wenn wir es noch nicht mal schaffen an diesem einen Tag im Jahr mehr als nur die üblichen Verdächtigen auf die Strasse zu bringen?

    AntwortenLöschen
  7. Was ist links?

    Die einen sagen DPL, die anderen SPD und Grüne.

    Ich sage, das hat nicht viel mit Parteien zu tun. Das ist eine Lebenseinstellung, eine Einstellung, wie man die gesellschaftlichen Verhältnisse haben möchte. Jeder Mensch, der sich eine gerechte Welt wünscht, in der alle die gleichen Chancen und Möglichkeiten zum guten Leben haben, ist für mich links. Ich empfinde mich wesentlich linker als so manches Parteimitglied der PDL und bin und war noch nie in irgendeiner Partei.

    Vielleicht denkt der ein oder andere von euch viel zu sehr in Parteienstrukturen. Keine von den heutigen Parteien wird irgendwelche entscheidende systemverändernde Weichen stellen.

    Es wird eine Menschenbewegung sein, unabhängig von irgendwelchen Parteien, die sich zusammenfinden werden, weil sie die gleichen Ziele zur Veränderung haben werden. Und diese Veränderungen finden zuerst in den Köpfen statt.

    Die Unzufriedenheit grummelt schon ein Weilchen und steckt immer mehr Menschen an und irgendwann wird eine Kleinigkeit ausreichen, um den Widerstand zu beginnen. Es wird anfangs eine kleine Gruppe sein, die immer weiter wachsen wird und auch die Ängstlichsten auf die Straße treiben. Und dann sind sie Viele.

    Und den 1. Mai sollte da niemand als Datum nehmen, denn der wird von den Gewerkschaften organisiert. Ich kenne keinen links denkenden Menschen, der zu diesem "Verein" noch Vertrauen hat und das mit Recht.

    @ Duderich

    Eins wollte ich dir noch sagen. In den letzten Wochen habe ich immer mehr das Gefühl, das du keinen Optimismus mehr hast und deine Visionen dir verloren gehen.
    Das fände ich tatsächlich schade. Ich würde mir wünschen, dass du dich mit gesellschaftlichen Alternativen beschäftigst. Lass uns doch einfach mal rumspinnen, wie jeder von uns sich eine bessere Gesellschaft vorstellt. Daraus könnte man ja eine wirkliche Alternative entwickeln, die man dann auf den anderen Blogs bekannt macht.

    Leute, die langsam wach werden, aber nicht wirklich wissen, warum sie ein schlechtes Gefühl haben, informieren sich in der Regel im Internet auf Blogs wie deinem oder den Nachdenkseiten (war übrigens genau so bei mir). Hintergrundinfos sind sicher wichtig und richtig aber gleichzeitig müssen die Menschen auch wieder Hoffnung bekommen. Und hier sehe ich auch einen Ansatz. Wenn man eine Gesellschaft beschreibt, die für alle lebenswert ist, schleicht sie in die Köpfe und wird zu einem Wunsch, den man irgendwann erfüllt sehen will.

    AntwortenLöschen
    Antworten


    1. @Ruby

      "Die Unzufriedenheit grummelt schon ein Weilchen und steckt immer mehr Menschen an und irgendwann wird eine Kleinigkeit ausreichen..."

      Es liegt mir fern, Dir Deine Hoffnung abzuwerten. Sicher bin ich eher pessimistisch, weil ich schon eine ziemlich lange Lebensstrecke abgelebt habe.
      Als Nachkriegskind, ich bezeichne mich selbst als Generation Milchpulver, meine Ernährungsbasis, habe ich das erlebt, was mir bis heute unverständlich bleibt.

      Meine Eltern, obwohl sie diesen mörderischen Krieg erlebt haben, die Zerstörung jeder Individualität für die Volksgemeinschaft, wie haben sie sich ihre Zukunft gedacht?

      Arbeiten und nochmals arbeiten, für einen Hungerlohn und das sechs Tage in der Woche. Das fanden sie damals ganz in Ordnung, denn auf meine Frage, warum sie das gemacht haben lautete ganz simpel: Wir wollten uns eine neue Zukunft aufbauen.

      Die Zukunft, die sie sich vorgestellt hatten, war greifbar. Im Fernseher, in der Stereoanlage, in der Schrankwand usw.. Dafür haben sie sich krumm gemacht.

      Und was haben sie mehrheitlich gewählt, die Deutschen nach alledem: Die Rechten!

      Ich gehe immer noch davon aus, dass Menschen wie Du und Ich eine zu vernachlässigende Minderheit sind, eine Marginale.

      Die Unzufriedenheit, ich bezeichne diese als Unbrauchbare, orientiert sich leider mehrheitlich an den vorgefundenen Verhältnissen. Diese kann oder will sie nur als naturgesetzlich begreifen und hält sie gegenüber allen anderen Systemen bewiesener Massen für überlegen.

      Es ist durchaus nicht ausgemacht, dass die Menschen, in welche Du Deine Hoffnung setzt, nicht genau das Gegenteil für erstrebenswert halten und sich dementsprechend orientieren, im Ruf nach der nationalen Gemeinschaft über Ausgrenzung, Diffamierung, Diskriminierung, Kriminalisierung bis hin zur Vernichtung. Nicht sehr optimistisch! Wäre ich aber, wenn ich bisher anderes erlebt hätte.




      Löschen
    2. Ich kann durchaus jeden verstehen, der diese systemischen Veränderungen mit den heutigen Menschen nicht für möglich hält. Aber ich habe es selbst erlebt und es vorher auch nicht für möglich gehalten.

      Hier meine ich die Revolution 1989 in der DDR. Noch 1988 hätte dich jeder in der DDR für verrückt gehalten, wenn du ihn die Ereignisse, die 1 Jahr später passiert sind, vorrausgesagt hätte. Die Menschen wurden nach jeder Demo immer mehr,was aber noch niemand erwähnt hat, ist die Tatsache, dass diese Menschen auf der Straße nicht die Mehrheit war und trotzdem haben sie eine Systemveränderung bewirkt (auch wenn das nicht das Ziel der Initiatoren war). Wenn schätzungsweise 1 Millionen auf die Straße gegangen sind, dann habe ich hier großzügig geschätzt. Klingt erstmal viel, ist aber bei 17 Millionen DDR-Bürgern eine Minderheit.

      Wir müssen also nicht alle überzeugen.

      Mein Optimismus hat sich verstärkt, als ich dann das Buch von Robert Havemann "MORGEN" gelesen habe, der beschreibt, warum der Kapitalismus zwangsläufig gegen die Wand fahren muss und eine für alle Menschen (auch für die heute gierigsten Kapitalisten) lebenswerte Alternative beschreibt und sogar den Weg dahin aufzeigt. Seitdem werde ich nicht müde, von diesem Buch zu erzählen. Mein gesamter Freundes- und Bekanntenkreis hat es schon gelesen und empfielt es weiter und träumt von dieser Welt. Und dieser Traum gibt mir Hoffnung, auch wenn ich die Verwirklichung bestimmt nicht erleben werde.

      Löschen
    3. Meine liebe @Ruby:

      Es ist immer schön von Dir zu hören und Deine positive Grundeinstellung ist mir ein Licht im Dunkel.

      Ich oszilliere zwischen Hoffnung und Verzagen. Je nachdem, wann Du mich erwichst, bin ich dem Einen oder dem Anderen näher.

      Wie Du sehe ich auch die potentielle Möglichkeit die Zukunft zum Besseren zu gestalten.
      Ja, es gibt sie, da bin ich ganz Deiner Meinung.

      Aber ich verzweifle an der Masse. Der täglichen Manipulation derselben, die verfängt. Selbst die Eutrophie, die in 'Morgen' beschrieben wird - selbst wenn sie als Alternative bereitstünde, würde von der Mehrheit abgelehnt werden:
      Keine Handys?
      Keine Autos ?
      Keine schicke Mode?

      Die Mehrheit der 'Masse' würde dies als nicht erstrebenswert halten. Wir sind durch Medien, Werbung, Schulbetrieb so zugerichtet, dass es die Mehrheit nicht will.
      Selbst die LINKE (als Partei) hätte es schwer, sich damit zu identifizieren.

      Ich bin mir sicher, dass die Welt, die in 'Morgen' beschrieben wird, die Menschen langfristig glücklicher machen wird. Und ich würde so gerne in dieser Welt leben!

      Aber der Zeitgeist ist - leider noch - dem Konsum verhaftet, der uns Glück verspricht, aber nie einlöst.

      Ich sehe kaum noch junge Menschen, die nicht in ihr Handy starren, die offen für die Welt sind - und diese auch (mit-)gestalten wollen.

      Die Umbruchstimmung, das eine andere Welt möglich, erstrebenswert und vor allem ERKÄMPFBAR ist, gibt es seit den 68'ern nicht mehr.
      Ich sehe auch keine Anzeichen einer Renaissance.
      Lethargie und Fatalismus bestimmt das Denken der heutigen Zeit.

      Auch das politische Geschwätz in Wahlkampfzeiten kann keine Hoffnung in mir auf Besserung entfachen. Außerparlamentarisch tut sich auch keine realistische Hoffnung auf Verbesserung auf.

      Es gibt Lichter im Dunkeln die leuchten. Aber sie werden von dem Schwarz der Ignoranz umschlungen. Mag sein, dass sich das ändern wird.

      Aber ich denke eher, dass wir eine Kapitaldikatur entgegen streben als einer nachhaltigen, humanistischen Zukunft.

      Ich werde weiter gegen die Windflügel der Meinungsmanipulation anreiten. Weil das mein Wesen ist.

      Egal ob es was bewirkt, oder nicht.

      Ich muss es einfach tun, um Ich zu bleiben.

      Auf das Internet - und dessen Möglichkeiten - würde ich jederzeit gerne verzichten, für die Möglichkeit mich allabendlich am Lagerfeuer austauschen zu können.

      Liebe Grüße
      Dude

      Löschen
    4. Lieber Dude,

      Deinen Pessimismus kenne ich. Zu den DDR-Zeiten wollten wir weit weniger verändern. Wir wollten kein System stürzen, sondern nur mehr Demokratie und nicht nur zum Schein wie wir sie heute haben.
      Gleichgesinnte zu finden war nicht ungefährlich. Meist hatte man in einer Firma höchstens einen, der mithalf, die Aufrufe des Neuen Forums zu vervielfältigen und wir hatten keinen Drucker oder Kopierer. Da wurde schön an der Schreibmaschine mit Durchschlagpapier (weiß gar nicht, ob ihr das noch kennt) immer zehn Bögen geschrieben, dann neues Papier eingespannt und wieder 10 Bögen. Das Ganze fand in den Arbeitspausen statt, weil ja niemand zu Hause eine Schreibmaschine hatte und weil man sich auch nicht erwischen lassen durfte.

      Und nun schau dir die heutigen Bedingungen an. Hätten wir damals schon das Internet gehabt, wäre alles viel schneller gegangen und vielleicht würde es die DDR als wirkliche Demokratie noch geben.

      Die Aufrufe zu verteilen war auch ein Risiko. Du wusstest nie, ob nicht ein Stasispitzel darunter war.
      An meinem Ort waren wir ca. 10 Leute, die im Neuen Forum organisiert waren, darunter auch ein Stasispitzel und dann noch einige Bekannte und Verwandte, die halfen. Von dem Stasispitzel erfuhren wir erst nach der Wende, als wir die Stasiakten eingesehen haben. Er hat uns nie verraten, denn er wollte die Zustände in der DDR auch verändern.
      Diese wenigen Menschen haben dann viele Bürger mobilisiert, die auf die Straße gegangen sind und glaub mir, da waren Leute dabei, von denen ich es vorher nie gedacht habe, weil sie so systemtreu waren. Aber selbst das war nur zum Schein.

      Heute ist es wieder so. Die wenigsten Menschen diskutieren in der Öffentlichkeit ihre wahre Meinung, weil es auch hier Meinungfreiheit nicht gibt. Würde mein Arbeitgeber (Öffentlicher Dienst) wissen, wie ich ticke, hätte ich bald keine Arbeit mehr.

      Also, Dude halt dich nicht an den Parteien fest, sondern an den Menschen. Selbst wenn sie den ganzen Tag in ihr Handy starren, auch das kann eine Form des Widerstandes sein um sich den bestimmenden Erwachsenen zu entziehen. Als wir Jugendliche waren, haben wir auch alles getan, was die Erwachsenen ablehnten. Das ist aber kein Indiez dafür, dass die Mehrheit der Jugendlichen nicht mitmachen würden, eine neue Gesellschaft zu gestalten. Denn genau diese Handystarrende Generation klammert sich an den Konsumartikeln, weil es oftmals ihre einzigste Stimulation ist, arbeiten zu gehen. Die Alternative wäre HARTZ IV, also kein Konsum.

      Ich habe beruflich sehr viel mit Jugendlichen und den Menschen allgemein zu tun. Und da bekomme ich in den Unterhaltungen mit ihnen mit, wie sie ticken. Das was du so erlebst, Konsumrausch, Desinteresse ist oftmals nur Fassade. Wenn du ihnen offen und mit Respekt entgegentrittst und auch ganz einfache Fragen zu den gesellschaftlichen Fehlentwicklungen stellst, bringst du die Mehrheit von ihnen zum Überlegen. Beim nächsten Gespräch stellen sie dann die Fragen und irgendwann wollen sie mehr wissen und dann fragen sie mich, wo im Internet sie sich informieren können.

      Sobald die Menschen WISSEN, dass sie hier nach Strich und Faden verarscht werden, findet das Umdenken statt.
      Und hier, lieber Duderich fängt auch dein Beitrag an - die Aufklärung über die Manipulationen und eine Diskussion und letzendlich Entwicklung einer Alternative zum bestehenden System. Denn ohne diese Alternative werden die AUFGEKLÄRTEN Menschen nur depressiv und entziehen sich so gut es geht dem System und warten auf die Rettung.


      Es freut mich, dass du trotz deiner kurzen Depriphase weiter machen willst. Falls du wieder aufmunternde Worte brauchst, ruf mich oder lies bei Robert Havemann.


      Und irgendwann sitzen wir beide mit den anderen am Lagerfeuer.

      Löschen
    5. Warum müssen wir denn eigentlich am Lagerfeuer sitzen? So stelle ich mir mein Utopia eigentlich nicht vor. Klingt alles nach Ur-Sozialismus. Bei Marx dagegen soll sich die Gesellschaft ja eher dahin entwickeln, dass der technologische Fortschritt zum Wohle aller eingesetzt wird und Maschinen die Arbeit machen, während wir uns verwirklichen können. Die moderne Welt sah er nicht als schlecht, sondern nur von den Falschen gelenkt. So sehe ich das auch. Warum sollen wir nicht die Früchte der Moderne genießen? Sie müssen nur allen zugänglich sein. Es ist de facto genug von allem für alle da, die Gier einiger weniger verhindert jedoch, dass alle ein Stück vom Kuchen bekommen. Wir wären sogar in der Lage, weit höhere Lebensstandards zu schaffen und das alles im Einklang mit der Natur. Erneuerbare Energien würden vieles ermöglichen, ohne die Welt zu verpesten, wir könnten wahrscheinlich diverse Krankheiten heilen, wenn Pharmakonzerne kooperieren statt konkurrieren würden. Der Mensch könnte sich ein Paradies schaffen, in dem er nicht zwangsläufig im Lendenschurz am Feuer sitzen muss. In einer idealen Welt sollte natürlich jeder die Freiheit haben, auch diesen Lebensweg zu gehen, aber wir müssen nicht alle zurück zur Stammesgesellschaft, um miteinander fair und gerecht leben zu können. Was die Menschen in den letzten hundert Jahren geschaffen haben, muss einfach nur umverteilt und für das Wohl aller eingesetzt werden. Marx ist 200 Jahre tot, aber seine Schriften kann man heute noch als Leitfaden nehmen, wie es aussehen könnte. Auch entartete Auslegungen, die im Stalinismus oder Maoismus gipfelten, ändern nichts daran, dass seine Ausführungen in ihrem Grundprinzip erstrebenswert wären.

      Löschen
    6. @ anonym

      Meine volle Zustimmung. Mit dem Lagerfeuer hast du vielleicht falsch verstanden. Damit meine ich, dass wir dann wieder Zeit zu dieser Muße haben und genießen. Den wissenschaftlich-technischen Fortschritt lehnen wir nicht ab, aber er wird endlich ressorcensparend und zum Wohle der Menschen eingesetzt. Und da man mit ihm keinen Gewinn mehr erzeugen muss, wird er sich wesentlich schneller und effizienter entwickeln.

      Löschen
    7. Manfred Peters14. Mai 2013 um 19:33

      @ Ruby
      „... wird er sich wesentlich schneller und effizienter entwickeln."
      Das habe ich vor gefühlten hundert Jahren auch mal so gelernt und als 10jähriger zugegebenermaßen auch noch geglaubt.
      Um hier an ein anderes Thema anzuknüpfen: Gott erhalte Dir Deine kindliche Naivität! ;-)

      Löschen
    8. "Gott erhalte Dir Deine kindliche Naivität!"

      Sorry, stehe gerade auf der Leitung.
      Was an meiner Aussage findest du naiv?

      Löschen
    9. Manfred Peters15. Mai 2013 um 13:06

      Hallo Ruby,
      als aktiver Teil eines misslungenen Feldversuchs, der alles Andere als Dein „wesentlich schneller und effizienter“ zum Ergebnis hatte, bekomme ich fast Gänsehaut, wenn mir Parolen, Du magst sie Visionen nennen, angeboten werden.
      Ich mag aber auch keine Dialoge in dieser Sache und da sich niemand weiter hier beteiligt, vorerst nur Lesestoff.
      „Die Wissenschaften befinden sich in einem außerordentlichen Aufschwung. Sie erfassen immer neue Gebiete und durchdringen sich gegenseitig. Die Zeitspannen zwischen wissenschaftlichen Entdeckungen und ihrer industriellen Verwertung verkürzen sich zunehmend. Vollmechanisierung und Automatisierung, verbunden mit dem Übergang zu kontinuierlichen Produktionsprozessen und zu hochproduktiven Fertigungsverfahren, das Eindringen chemischer Produkte und chemischer Verfahrenstechniken in nahezu alle Gebiete unserer Wirtschaft und unseres täglichen Lebens, die Anwendung der Elektronik und Kybernetik, die Erschließung neuer Energiequellen und die Erhöhung des Wirkungsgrades aller energetischen Prozesse und der schrittweise Übergang zu industriemäßigen Produktionsmethoden in der Landwirtschaft sind Grundzüge der sich gegenwärtig vollziehenden technischen Revolution. Sie stellt hohe Forderungen an die Bildung des Menschen der sozialistischen Gesellschaft: ...“
      Das war 1965!!!
      Ja es braucht Menschen, zumindest „sozialistische Persönlichkeiten“ die Deine Visionen verstehen und ihnen folgen mögen. ;-)
      Einen kleinen Beweis, dass wir mit Parolen das „Weltniveau“ vorgaben, soll auch nicht fehlen.
      Bei Bedarf kann ich auch noch eine Übersicht aller DDR-Losungen zur Verfügung stellen.

      Löschen
    10. Wieso kommst du mir jetzt mit DDR?

      Ich weiß selbst, was da alles falsch gelaufen ist. Duderich und ich träumen von einer ganz anderen Welt und die hat so gut wie nichts mit der damaligen Zeit zu tun. Vielleicht ließ der Anfang der DDR da einiges hoffen aber auch hier ist man ja falsch abgebogen.

      Aber ich merk schon, du schreibst auch nur hier, um Frust abzulassen oder irre ich mich?

      Löschen
    11. @Ruby
      Ich weiß auch nicht was das soll.

      @Manfred Peters:
      Man mag ja die DDR als misslungenen Feldversuch sehen. Dann sollte man aber auch den 'Feldversuch' sehen, der momentan(!) und in diesem System(!) gerade läuft. Stasi? Alter Hut und viel zu ineffizient! Mauer? Verbessert durch Lobbyismus und Korruption.

      Da wägst dieses System als soviel besser als das der DDR?
      Lediglich die Kulisse ist schöner - aber der Kaiser ist immer noch nackt!

      Löschen