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Dienstag, 30. Juli 2013

11 Minuten gegen die 'Ich-habe-nichts-zu-verbergen'-Naivität

Abteilung: Surfst Du noch oder agitierst Du schon?

Meine Empörung über die in- und ausländische Überwachung und Verwertung von Daten, die, es sei noch mal erwähnt, gegen das informationelle Selbstbestimmungsrecht, und nicht zuletzt, gegen die Würde des Menschen verstoßen, prallte oft (auch bei intelligenten Menschen) gegen die Haltung an, dass man ja selbst unschuldig sei und insofern nichts zu befürchten habe. [Fünf Euro in das Kettensatz-Sparschwein]

Ich denke, es macht in diesem Zusammenhang Sinn, sich den Begriff 'Schuld' einmal näher anzuschauen:
Es ist überflüssig zu erwähnen, dass jede Existenz Schuld auf sich lädt.
Irgend so ein langhaariger Rebell, der (auch) in der heutigen Zeit sicherlich im Fokus der Geheimdienste und Justiz geraten würde, sagte mal: 'Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.'

Überhaupt ist die Grenze zwischen Schuld und 'Unschuld'  von der Wertegemeinschaft abhängig in der man sozialisiert wurde und vom Zeitgeist. Selbst die Veröffentlichung von offensichtlichem Rechtsbruch wird in unserer Wertgemeinschaft heutzutage verfolgt und geahndet (Manning, Snowden) von einer Weltmacht, die sich als aufgeklärt, freiheitlich und demokratisch bezeichnet. Und keiner der EU-Staaten, die sich die gleichen Werte ebenfalls zuschreiben, gewähren Snowden Asyl gegen die Verfolgung, für Jemanden, der 'Schuld' auf sich geladen hat, unwidersprochene(!) Fakten zu verkünden.

Ich mag mich wiederholen (mein vorhergehender Post), aber die Diskrepanz zwischen propagierter und gelebter Werte ist schon bezeichnend:

Nicht mal eine Solidaritätsbekundung unserer Kanzlerin widerfährt Snowden, dem sie die (vorgegebenen) Erkenntnisse verdankt, derentwegen sie (heuchlerisch) Offenlegung der Ausspähungspraxis der USA verlangt. Ungeachtet der Frage, ob die Regierung schon vorher von dieser verdachtungsunabhängigen Überwachung wusste (und einen regen Handel von illegal erhobenen Informationen betrieb) kann es doch nicht sein, dass einerseits die durch Snowden gewonnenen Erkenntnisse zum Anlass genommen werden, die USA zu kritisieren, aber andererseits kein Grund besteht, diesem kein Schutz der Verfolgung gegenüber eben dieser (USA) zu gewährleisten.
Aufgedoppelte Doppelmoral. Schäbiger geht es kaum.

Aber Moment; wir sind ja im Wahlk(r)ampf.
Bei so einem Gegenkandidaten wie Steinbrück und der Rest-SPD kann man ja auch mal Fünfe gerade sein lassen...
Und selbst wenn innerhalb der CDU nicht genug Fürsprecher für verdachtsunabhängige Überwachung zu finden sind, dann kann man immer noch auf die SPD vertrauen, die paranoide Sicherheitsfanatiker wie Schily unwidersprochen reaktionären Bullshit durchgehen lässt.
Bei solchen politischen Gegnern, wie der SPD, braucht man keine Freunde mehr.

Demokratie, wie ich sie verstehe, ist eine Wahl unter Alternativen.

Die CDU wird wohl auch nach dem Wahlherbst (Mithilfe von opportunistischen Steigbügelhaltern) die Regierung stellen. Selbst wenn man der SPD zutraut eine Konkurrenz zu sein, so bleibt doch nur die Wahl zwischen dem Selben und dem Gleichen.

Wer mag da noch ernsthaft eine stetig sinkende Wahlbeteiligung betrauern?

Zurück zum eigentlichen Thema:

Wer nichts zu verbergen hat (aber doch bei 30+ Temperaturen nicht nackt herumläuft?!) dem sei dieses Video empfohlen:



Kommentare:

  1. Die USA sind besonders spannend. Die Begründung für den Waffenbesitz ist, dass man sich gegen die Regierung zur Wehr setzten müssen kann. Wenn es jemand tut, wird er als Verräter gebrandmarkt. Vielleicht hätte Manning seine Waffe greifen und nach Washington stürmen sollen.

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  2. OT

    Guter Kommentar von Dir bei Feynsinn.
    Der betreibt eine Meinungsdiktatur. Ein blog aber sollte Meinungsvielfalt fördern.
    Der Dr. ist nicht dünnhäutig - er leidet an Selbstüberschätzung.

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  3. Ich verstehe ja den Ansatz, den ihr alle habt, aber um dich mal zu zitieren :
    "Wut auf ... Die deutsche Bevölkerung". Das bin ich, mit 52 Jahren ein ganz aktueller Fall, für alle die was ändern wollen.
    85 % der Leute meines Alters im Bekanntenkreis ist das Internetz als Online-Version von Kicker, Bild und Tagessschau oder aber als Videoschleuder für das Smartphone ein Begriff. Die restlichen 15 % sind gut situiert und sehen überhaupt keinen Bedarf sich den vermeintlich sicheren Ruhestand zu ruinieren. Ich habe schon in den verschiedensten Foren mal die Frage gestellt, was soll sich für mich kleine Wurst, unter welcher Regierung auch immer, denn ändern ?
    Mein Vater war Jahrgang 1932 und als dann 1945 der Zusammenbruch kam war Politik für ihn gestorben. Nicht weil er die Nazis so toll fand, sondern weil Politik einfach Blendwerk war.
    Ich war in den 1970ern Jahren Teenager, Willy Brandt... ("Mehr Demokratie wagen.."), der Alte trieb mich zur Weißglut mit seinem Desinteresse, dann kam Kohl und das Blei. Die Wiedervereinigung und als dann 1997 die "blühenden Landschaften" nicht mehr zu übersehen waren, die einzige Äußerung meines Vaters : "Hab ich dir nicht schon vor 20 Jahren gesagt wir werden nur verarscht ?!"
    Kurzes Zitat von Napoleon:
    "Bei einer Revolution gibt es nur zwei Kategorien von Leuten. Die die sie verursachen und die die von ihr profitieren !"
    Wer aktuell Jahrgang 1930 ist und noch fit im Kopf und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR lebt oder auch als kleiner Rentner im Westen, was wird der wohl seinen Enkeln und Urkenkeln zum Thema Agitation erzählen ?

    Soviel zur Politik, jetzt mal zum Thema.
    Fotos und Videos. Ich bin in einer Zeit groß geworden als man sich zum Gruppenbild aufstellen mußte, die Bilder zum Entwicklen gegeben wurde und man dann erst sah was war. Da zu dem die Bildentwicklung noch relativ teuer war blieb das Foto "großen" Anlässen wie Geburstag oder Urlaub vorbehalten. Eine Videokamera hatten eh nur reiche Leute.
    Und lange vor PRISM und Tempora erscheint das Foto- / Videohandy und gewöhnt die Leute daran permanent abgebildet zu werden. Es dürfte mittlerweile 10 jährige geben deren Leben besser dokumentiert ist als das britischer Royals.
    Ich kann mich noch genau entsinnen als in der Pubertät meine Eltern mich nervten, was für eine süßes Kind ich mal war und es toll fanden, wie ich laufen lernten und die ersten Worte total falsch aussprach. Gott sei Dank konnten meine Eltern mit ihrer Einfachkamera keine Bewegungsbilder knipsen.
    Glaubt hier einer im Ernst ,dass Tante Petra dem 14 jährigen Max das Video aushändigt auf dem er als 3 jähriger die Geburtstorte versehentlich umwirft, nur weil Max das mittlerweile peinlich ist ? Falls Max überhaupt weiß, das die Tante dieses Video hat. Und falls sie es ihm doch gibt haben Hans, Franz und Gott weiß wer noch bestimmt eine Kopie.
    Dermaßen schon im eigenen Umfeld jeder Privatsphäre entblößt stört PRISM doch gar nicht weiter.
    Und wer meint, das manche Sachen manchen Leuten peinlich ist, der sollte einfach mal bei youtube "Fail compilation" eingeben.

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    1. "Und wer meint, das manche Sachen manchen Leuten peinlich ist, der sollte einfach mal bei youtube "Fail compilation" eingeben."
      Darum geht es nicht. Wenn ich bei youtube zeige wie ich mich daneben benehme ist das meine Entscheidung. Wenn ich das nicht möchte dann tue ich es nicht. Die NSA interessiert sich aber nicht für meine Entscheidung. Genau hier liegt das Problem.

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    2. Völlig richtig, nur glaube ich eben nicht, daß jeder der bei Youtube gezeigten Pechvögel sich "freiwillig" gemeldet hat.
      Da wird gerade auch bei Pubertierenden mehr als genug Gruppendruck da sein. "Stell dich nicht so an... usw.". Dazu noch die völlig Durchleuchtung der Kindheitstage durch Verwandte und Eltern. Die finden es normal bei jedem Scheixx gefilmt und veröffentlicht zu werden.
      Auf der anderen Seite meine Altersgenossen. Überwachung hat schon die RAF, die DDR und den Kommunismus an sich besiegt, hält uns alle Terroristen vom Leib und hilft auch bei Verstopfung.
      Wo genau liegt also ein Problem ?
      Alle die gegen PRISM und Co angehen wollen oder ganz allgemein gegen Überwachung sensibilisieren möchten haben ein Riesenproblem. Ihr kämpft gegen 50+ UND gegen 20-.

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    3. @anonym

      Ich würde es dennoch gut finden, wenn Du unter Profil auswählen, "Name/URL" ein Pseudo angeben würdest.

      Weil wir wohl im Alter nicht so weit auseinander liegen, kann ich Deine Einwände gut nachvollziehen.

      Habe mir vor einiger Zeit einen üblen Rüffel eingehandelt, weil ich geschrieben habe, dass ich inzwischen auf Handy und Fernsehen verzichte, sozusagen als selbstkritische Hinterfragung meiner eigenen Person.

      Darauf erhielt ich die Antwort, dass ich ein Miesmacher wäre und mich doch in mein digitales Mauseloch zurückziehen und gefälligst die Klappe halten solle.

      Nun bin ich auch der Meinung, dass sich staatliche Schnüffelei bestimmt nicht unbedingt dafür interessiert, welche Pornos ich mir angesehen haben könnte. Zum versenden privater Nacktfotos fehlt mir die Ambition und auch für tägliches BlaBla.

      endless.good.news geht wohl davon aus, dass der Mensch ein Selbstbestimmungsrecht verwirklichen würde, wenn er eine Wahl hat darüber zu entscheiden, wo und wann er sich daneben benehmen kann und ob er dieses Benehmen veröffentlicht oder nicht.

      Dabei fällt ihm noch nicht einmal auf, dass er dieses Selbstbestimmungsrecht nur auf eine digitale Ebene bezieht. Dieses Selbstbestimmungsrecht liesse sich doch erweitern, z.B. dort, wo der Mensch die meiste Zeit seines Lebens verbringt. Aber das ist nicht Thema!

      Wo die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Menschen weitgehend durch Arbeitsinhalte bestimmt sind oder durch die digitalen Medien selbst, als Ersatz für mangelnde Kommunikation, kann, muss aber nicht, bietet sich der Ersatz in der digitalen Welt an, bis hin zur unkontrollierten, prostituierenden Entäusserung der eigenen Person gegenüber Menschen, die der Mensch selbst nicht kennt.

      Warum sollte dieser Mensch in seiner digitalen Verwahrlosung Angst davor haben, beschnüffelt zu werden, wo er doch freiwillig alles preisgibt, weil er nichts verbergen will, alles von sich zugänglich macht.?

      Ob sich die NSA nun für die menschlichen Niederungen mit grossem Interesse zuwendet bezweifle ich. Von Interesse sind da doch wohl eher Politiker, Banker und Wirtschaftsbosse.

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    4. @Troptard
      "Dabei fällt ihm noch nicht einmal auf, dass er dieses Selbstbestimmungsrecht nur auf eine digitale Ebene bezieht. Dieses Selbstbestimmungsrecht liesse sich doch erweitern, z.B. dort, wo der Mensch die meiste Zeit seines Lebens verbringt."
      Ich widerspreche nicht. Nur es geht im Moment um die Internetüberwachung. Es ist ein großer Unterschied ob digitale Daten ohne Verdachtsmoment überwacht werden dürfen oder nicht. Es darf auch nicht jede Wohnung mit einer Kamera ausgestattet werden, obwohl dort wahrscheinlich die meisten Straftaten geplant werden.

      "Ob sich die NSA nun für die menschlichen Niederungen mit grossem Interesse zuwendet bezweifle ich."
      Normalerweise sicherlich nicht. Genau darum geht es aber nicht. Es geht nicht darum ob sie es machen, sondern das sie es machen können und zwar willkürlich. Willkür passt nicht zur Idee des demokratischen Rechtsstaates.
      Der Punkt ist, dass dieses Überwachungsnetzwerk eine zu starke unkontrollierte Machtkonzentration ist. Die Stasi hat auch "nur" überwacht. Sie hat sicher nicht alle menschlichen Niederungen betrachtet. Wo ist der Unterschied?

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  4. Danke, Duderich

    Das Video ist genial.

    Ich habe übrigens so meine Probleme, die Intelligenz von Menschen anzuerkennen, die nicht kapieren, was hier läuft. Intelligenz hat für mich auch nicht wirklich etwas mit der Schulbildung zu tun, sondern mit Herzenswärme und gesundem Menschenverstand.

    Liebe Grüße Ruby

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    1. Hallo Ruby,
      freut mich, dass es Dir gefallen hat! Ich finde das Video auch klasse gemacht (optisch wie inhaltlich).

      Es gibt Leute (mit denen ich gesprochen habe), die Herzenswärme und auch Menschenverstand besitzen. Wenn man dabei aber relativ politisch uninteressiert ist, dann kann man wohl zu der falschen Erkenntnis kommen, dass man selbst ja zu unwichtig ist - sozusagen durch die Machen fällt.

      Dass Menschen, die sich politisch engagieren sich aber verfolgt fühlen können - dieser Gedanke kommt wohl erst dann, wenn man sich wirklich mit der ganzen Thematik auseinandersetzt. Und auch der Schluss, dass es einem selbst als politisch Desinteressierten dann in der Konsequenz letztendlich selbst schadet.

      Dieses Video eignet sich hervorragend dazu eine gewisse kritische Haltung zu diesem Thema zu initiieren.

      Es sind oft keine dummen Menschen, oder solche denen es an Herzenswärme fehlt - lediglich Unsensibilisierte, denen dieses Video evtl. die Augen öffnen könnte....

      Liebe Grüße zurück
      Dude

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  5. An Duderich!

    " gegen das informelle Selbstbestimmungsrecht, und nicht zuletzt gegen die Würde des Menschen verstossen."

    Und an der Stelle beginnen schon wieder meine Schwierigkeiten. Was bedeutet "informelles Selbstbetimmungsrecht" un die "Würde des Menschen".

    Sind das nicht alles bürgerliche Ideolgiekonstruktionen. Wo finden wir denn ein Selbstbestimmungsrecht vor, wenn wir dieses nicht abtrennen, von der Sphäre wo wir rechtlos sind, in der Produktion.
    Wir beharren dann darauf, dass uns ausserhalb dieser Sphäre ein Recht zugestanden wird, in unserer abgetrennten Privatheit, ein geschütztes Recht auf eine private Sphäre.

    Und wie darf ich die Würde des Menschen verstehen? Was sagt mir dass überhaupt, das Wort 'Würde'. Ich persönlich kann damit überhaupt und nichts anfangen. Wie kann man das füllen, um es zu fassen, für unser Leben greifbar zu machen, das mit Inhalt zu füllen.

    "Die Würde des Menschen ist unantastbar" so heisst das wohl im Grundgesetz. Wieviel davon zu halten ist, kann der Mensch leicht an der Realität verfolgen. AlG II-Empfänger haben da wohl mehr Einblicke und Erfahrungen, als wir Internet-Artisten uns vorstellen können, wie es um diese Würde bestellt ist, eine hohle bürgerliche Phrase, nicht mehr.

    Du musst Dich nicht persönlich angegriffen fühlen. Aber ich bekomme immer mehr Schwierigkeiten damit, wenn Linke ? Demokratie gegen die Realität einzufordern versuchen, diese Demokratie aber nur ein Abbild der Krise des Kapitalismus ist und somit auch eine Krise der Demokratie.

    Warum finden wir keine anderen Ansätze, als uns an dieser Chimäre Demokratie abzuarbeiten. Soll das etwa heissen, das wir den Kapitalismus vor sich selbst schützen wollen ?

    Ich werde immer ratloser und verzweifle an der sog. Linken, die für mich keinen Schritt vorwärts geht, dafür aber zwei zurück.

    Gruss Troptard.

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    1. Hey Troptard,
      nun mach Dich mal locker - ist doch alles nicht so schlimm...

      Nein, Du hast ja recht, es IST schlimm, mit der Tendenz zu schlimmer.

      Selbstbestimmung ist sicherlich kein Wert, der unsere Gesellschaft maßgeblich prägt. Eher das Gegenteil: Fremdbestimmung!

      Und, wie Du schon richtig bemerkst, ist Lohnarbeit (und bis auf zahlenmäßig(!) vernachlässigbare(?) Ausnahmen sind wir ja alle Lohnabhängige) fremdbestimmtes Handeln. Und fataler Weise leitet die Mehrheit diesem fremdbestimmte Handeln einen Sinn ab. Viele können sich ein Leben ohne Arbeit gar nicht vorstellen. Selbstauferlegte Unmündigkeit.
      Selbst innerhalb des kapitalistischen Systems (wenn man mal derzeitigen Machtgefüge absieht) läge schon lange aufgrund des immensen Produktivitätszuwachses eine Wochen- und Lebensarbeitszeitverkürzung an. Und das wäre dann ja eine schrittweise Emanzipation der fremdbestimmten Lohnarbeit. Aber so kann man ja dann nicht die stetig wachsenden immensen Gewinn- und Zinsansprüche generieren des Geldadels generieren, sondern hätte lediglich eine zufriedenere Bevölkerung, die sich auch mal Muße gönnen könnte.

      Nicht mal Gewerkschaften formulieren diesen Anspruch. Arbeit ist heilig - weil die Reichtumsverteilung und bestehende Besitzverhältnisse um jeden Preis erhalten werden müssen.

      Und wenn man das dann in diese Wahrnehmung in dieser Deutlichkeit ausspricht, dann wird man von der gesellschaftlichen Mehrheit, die dieses System - medial unterfüttert - täglich aufrecht erhält (und warum auch immer erhalten will) ganz schnell in eine linksextreme Ecke verortet.

      Wo wird denn heute noch ernsthaft darüber diskutiert, dass Reichtum (der dann ja auch immense Zinsforderungen birgt) nicht irgendwann einmal auch begrenzt werden muss? Ist das linksextrem, wenn man bspw. fordert, dass bei (greifen wir mal in den monitären Himmel) bspw. einer Milliarde Privatvermögen es dann doch auch mal gut sein sollte? Selbst diese sehr, sehr hoch gegriffene Reißleine würde immense Umverteilung bewirken!
      Egal, welche Leistungen man erbracht hat - mit einer Milliarden kann man sich doch zu Lebzeiten JEDEN Wunsch erfüllen, den man mit Geld erfüllen kann! Ab einer gewissen Geldmenge geht es doch nur noch um Macht und längst nicht mehr um Kaufkraft. Und nach dem Tod wird der immense Reichtum dann weitervererbt und das ganze Spiel geht weiter inklusive expotentiell wachsender Zinsforderungen. Und weiterhin fließt gesellschaftliches Vermögen von unten nach oben - eben um diese Zinsansprüche zu generieren.

      Die 'Würde des Menschen' ist sicherlich ein schwammiger Begriff. Aber egal was jeder einzelne sich darunter vorstellt - er wird zu der Erkenntnis kommen, dass sie x-fach, jederzeit und überall verletzt wird. Auch mit 'Rechts'-Staatlicher Legitimation.

      Und das, so finde ich, ist dann schon ein linker Ansatz um bestehende Verhältnisse zu kritisieren. Findest Du nicht?

      Liebe Grüße zurück
      Dude

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    2. ""Die Würde des Menschen ist unantastbar" so heisst das wohl im Grundgesetz. Wieviel davon zu halten ist, kann der Mensch leicht an der Realität verfolgen."

      Genau deshalb muss man für die Umsetzung kämpfen. Man muss immer wieder die Mächtigen daran erinnern, dass sie die Macht nur haben so lange die Masse sie Ihnen überlässt.

      @Duderich
      "ganz schnell in eine linksextreme Ecke verortet."
      Man darf deine Forderungen nicht einmal zur Diskussion stellen. Wenn es Argumente dagegen gibt, schön. Aber so weit kommt man nicht. Ideen werden als Fantasie, unrealistisch, unfinanzierbar abgetan. Belegt wird das dann durch Wirtschaftswissenschaftler, welche vergangene Wirtschaftsvorgänge nicht schlüssig beschreiben können. Gleichzeitig maßen sie sich an die Zukunft zu kennen.

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    3. das ist übrigens ein paradebeispiel, wie tief der neoliberale geist sich in die köpfe und psychen der menscehn gefressen hat (bzw. oktroyiert wurde):

      bereits in den 30ern schrieb Maynard Keynes sinngemäß, daß aufgrund der ständig steigenden produktivität, die wochenarbeitszeit in (seiner) zukunft deutlich sinken werde. er rechnete - glaube ich - mit ca. 20 arbeitsstunden.

      das durfte aud neoliberaler sicht natürlich nicht passieren, denn da hätte der gewinn ja nicht durch die steigende produktivität ins unermessliche steigen können. auch gaben sich unternehmer zu der zeit mit dem 10-12 fachen verdienst ihrer arbeiter zufrieden und bestanden nicht auf das 400-fache.

      trotzdem zeigen dir die menschen den scheibenwischer, wenn du ihnen sagst, dass wir alle viel zu viel arbeiten. das nenne ich mal erfplgreiches brainwashing!

      lg
      don

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  6. @ Don M. Tingly

    Der Ökonom M. Keynes hatte auch bereits eine Ahnung davon, dass der Arbeitsgesellschaft mal die Arbeit abhanden kommen würde. Hat er aber nicht weiter ausgeführt, war aber sicherlich schon gedanklich weiter als seine neoliberalen Kollegen.

    Was ihn entsorgt hat, ist wohl der Umstand, dass seine Rezepte, nicht mehr gegriffen haben, die Arbeitslosigkeit nicht zu beseitigen war und die Inflation nicht zu bremsen war.

    Deinen dritten Absatz solltest Du noch mal überdenken! Steigende Produktivität heisst doch erstmal, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Der Wert der Waren vermindert sich dadurch, weil das Mass des Wertes der Ware durch die dafür aufgewendete Arbeitszeit (abstrakte Arbeit) bestimmt wird.

    Ohne das weiter auszuführen, müssen, um den gleichen Profit zu erzielen, immer mehr Waren hergestellt werden. Das heisst in der Politk dann "Die Wirtschaft muss wachsen!"

    Um einen ausreichenden Profit zu erzielen gibt es dann zwei Möglichkeiten: Verlängerung der Arbeitszeit und Intensität der Arbeit und Verbilligung der Ware Arbeitskraft durch Verminderung des Lohnes oder Verbilligung der Waren, die für seine Reproduktion erforderlich sind.

    Für den Unternehmer macht es keinen Sinn die Arbeitszeit zu verkürzen, weil der Lohnarbeiter in der Zeit des Arbeitstages sich zunächst mal selbst rechnen muss und in der übrigen Zeit Werte schaffen muss, über seine Kosten hinaus.

    Eine Verminderung der Arbeitszeit würde also nur akzeptiert, wenn die Arbeitskraft für einen entsprechenden Abzug seines Lohnes arbeiten würde, was dann aber nicht mehr zu seiner Erhaltung ausreichen würde.

    Gruss Troptard;


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  7. @ Troptard:

    der zusammenhang ist mir schon klar. ich hatte das nur ein wenig abgekürzt:

    um den profit zu steigern bzw. mindestens zu halten, gibt es bei steigender produktivität (ergo tendenziell sinkender preise wg. konkurrenz!) zwei möglichkeiten, die auch beide zu erleben sind:

    erstens: es werden neue märkte aufgetan. entweder räumliche, in denen man bisher noch nicht tätig war, oder indem man neue (via marketing) bedürfnisse für neue (oder leicht modifizierte) (nachfolge-)produkte schafft. von geplanter obsoleszenz als möglicher strategie der nachfragesteigerung spreche ich jetzt mal gar nicht.

    zweitens: die kosten werden gesenkt. dies ist aufgrund fixer oder steigender rohstoff- und energiekosten fast ausschließlich im personalbereich möglich. also entweder via billiglohn bei uns, oder via produktionsverlagerung in billiglohnländer.

    das problem der "nicht sinkenden arbeitszeit" hat also zweierlei ursachen: erstens die fehlende bereitschaft der kapitalisten, die erzielten produktivitätsgewinne in form von profitverzicht an die arbeitnehmer weiterzugeben.
    und zweitens, die scheinbar menschliche eigenart unbeschränkter bedürfnisse. das ganze kann nämlich nur funktionieren, wenn die menschen die zusätzlich produzierten waren auch permanent nachfragen, obwohl sie dafür keinen bedarf im engeren sinne haben.

    ich glaube, besonders letzteres übersteigt bei weitem das ausmaß, in dem Keynes sich das hätte vorstellen können.

    gescheitert ist er in den 70ern für mich deshalb, weil er annahm, dass löhne bei steigenden unternehmensgewinnen auch steigen müssten. er ging von der falschen annahme aus, löhne würden fair am markt ausgehandelt. tatsächlich ist es aber so, dass der kapitalist einfach am längeren hebel sitzt, weil er die arbeitnehmer erstens gegeneinander ausspielen und zweitens buchstäblich aushungern kann. dieser effekt ist durch die globalisierung nochmal überprportional gewachsen.

    lg
    don

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