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Donnerstag, 22. August 2013

'Revolutio... oooh ein Eichhörnchen!'

Abteilung: Lesebefehl des Tages

Ich möchte all meinen Lesern folgenden Text von CARTA (Autorin: Lena Reinhard) wärmstens an's Herz legen. Zumindest mir spricht er voll und ganz aus der Seele und spiegelt auf's Trefflichste die Ohnmacht bestehender Zustände wieder.

Auszug:
"... Wir (und damit meine ich erst mal uns in der westlichen Welt) sind immer noch in einer wahnsinnig privilegierten Lage. Wir sind zwar permanenter Spionage und einer unfähigen Regierung ausgesetzt, aber weder Krieg, noch anderen existenziellen Bedrohungen wie Seuchen oder Nahrungsmittel- und Trinkwasserknappheit.
Doch selbst, wenn das zunächst so bleiben mag, glaube ich, dass das mit dem Einrichten nicht mehr lange funktionieren wird. Und dass bald der Punkt kommt, an dem auch wir uns entscheiden müssen. An dem wir uns nicht mehr einrichten können, sondern klar Position beziehen müssen: ob wir einverstanden sind damit, dass die Welt den Bach hinuntergeht, so lange wir unsere eigene Haut dabei retten. Oder ob wir etwas tun wollen, damit sich etwas für mehr als nur für uns selbst ändert. Wir werden die Entscheidung treffen müssen, in was für einer Welt wir leben wollen..."

Kommentare:

  1. Zunächst mal nur eine simple, fast normale Information aus den französischen Nachrichten.

    "Chinesische Firmen lassen verstärkt in Ethiopien produzieren. Die Löhne in China sind international nicht mehr konkurrenzfähig. In Ethiopien erhalten Arbeiter 40 Euro im Monat, mit Überstunden sogar 42 Euro."

    Schlechte Nachricht für den chinesischen Arbeiter, eine gute für diesen in Ethiopien.

    Für beide eigentlich eine schlechte! Beide sind Lohnarbeiter, die nun wieder mal in Konkurrenz zueinander stehen und von der Lohnarbeit für ihre bescheidene Existenz abhängig sind.

    Frage: Mit welcher Absicht werden solche Nachrichten verbreitet? Werden diese nicht genau deshalb so verbreitet, damit wir uns noch priviligiert fühlen.
    Damit wir den Stossseufzer rauslassen: "Uns geht es ja noch gut."

    Ist es nicht schon immer Taktik des Kapitals gewesen, uns immer mit den schlechteren Verhältnissen zu vergleichen, mit Verhältnissen, die sich gar nicht vergleichen lassen.

    Wenn wir uns Gedanken machen, wie wir in Zukunft leben wollen, dann bitte nicht vor dem Hintergrund dieser Vergleiche.

    Der ökonomische Reichtum ist so in's Unermessliche gestiegen, die Produktivität so enorm gewachsen, die technischen Möglichkeiten für ein Leben ohne Existenznöte noch nie so gross, dass es keinen Sinn macht, sich in einer Rückwärtsbewegung zur verordneten Armut zu bewegen.

    Gruss Troptard.

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  2. "... dass es keinen Sinn macht, sich in einer Rückwärtsbewegung zur verordneten Armut zu bewegen."

    Kurze Rückfrage: Hast Du den Text so interpretiert?

    Grüße, Dude

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  3. Ich habe den ganzen Text nicht gelesen, weil ich schon immer Bauchschmerzen bekomme, wenn ich lese, "wir sollen noch priviligiert sein."

    Unser Privileg besteht wohl nur darin, dass es in den Kernzentren des Kapitals noch eine einigermassen funktionierende Lohnarbeit gibt, deren Substanz aber immer weiter schrumpft und deren Bedingungen immer schlechter werden.

    Was aber nicht dazu führt, das die Menschen die Lohnarbeit grundsätzlich in Frage stellen, sondern sich immer mehr daran klammern, desto mehr diese ihnen abhanden kommt.

    Ich werde den ganzen Text später noch mal lesen und mich dann noch einmal melden!

    Gruss Troptard.






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    1. Mach' das. Ich denke unterm Strich wirst Du Dich mit der Aussage und dem Spirit des Textes anfreunden können...

      Grüße

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    2. Wir sind natürlich im internationalen Vergleich priviligiert. Ich kann ohne Arbeit Essen auf den Tisch stellen, habe ein Dach über dem Kopf und kann jederzeit zum Arzt gehen. Ich darf nicht nur zur Schule gehen, ich muss sogar. Niemand ist existentiell gefährdet und das ist Luxus, wenn man sich große Teile der Welt anschaut. Aber es ist natürlich ganz klar, dass man genau diese Privilegien gegen uns nutzt, sie als Druckmittel und Besänftiger einsetzt. Darüber gibt es sicher keinen Zweifel und andere Zwecke können solche Berichte kaum haben. Würde man helfen wollen, wäre am Ende jeder Meldung ein Spendenkonto zu sehen oder ähnliches. Es werden auch nie medial Projekte vorgestellt, die in der dritten Welt versuchen, irgendeine Perspektive zu schaffen. Es wird immer nur Elend gezeigt. Das hat Methode. Dennoch kann man nicht abstreiten, dass wir priviligiert sind oder möchte jemand in der nächsten Wiedergeburts-Lotterie in Afrika geboren werden? Ich kann drauf verzichten.

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  4. Nein Dude, dass kann ich leider nicht!

    Allein schon das "Wir" gefällt mir nicht, weil mit dem "Wir" wird mir zu viel über einen Leisten gekloppt.

    Dazu ein kleines Beispiel aus der Lebenspraxis. Wenn wir einkaufen gehen, sehen wir viele Menschen, die ihre Einkaufswagen prall gefüllt haben. Daneben gibt es aber auch viele Menschen, deren Einkaufswagen fast leer sind und deren Inhalt hauptsächlich mit Unmengen von Weissbrot (Baguette) gefüllt sind.

    Irgendwie muss man ja die Familie noch satt bekommen. Denen sieht man die Armut auch äusserlich an und diese ist nicht zur Schau getragen.

    Wenn Mann/Frau sich mit dem Gedanken beschäftigt nach Alternativen Ausschau zu halten, um sich ein Stück weit unabhängig zu machen, so habe ich zunächst mal nichts dagegen, mache ich ja selbst auch aber ohne die Illussion, dass das gesellschaftlich tragfähig wäre.

    Das sind halt Ideen, die noch aus den 68ern stammen und vom kleinen Naturkostladen zum grossen Biokommerz geführt haben.

    Und ob der Mittelstandsbürger es auf einem portugiesischen Rübenacker lange aushalten wird, bezweifle ich auch ganz stark.

    Dann meine grosse Bedenken zu den bisherigen Formen des Protests. Selbst in der Linken hat sich inzwischen rumgesprochen, dass diese im Postkapitalismus keine Wirkung mehr entfalten und der Gang zur Wahlurne nur noch als Betätigung des Bürgers für die bisherige Politik gewertet wird und als sein Einverständnis für die Fortsetzung von weiteren Grausamkeiten.

    Ich finde es positiv, wenn sich immer mehr Menschen Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Wenn diese nur daraus resultieren, weil auch die eigene Zukunft gefährdet erscheint, so verbleibt das meistens ohne Substanz und ohne das Bemühen zur Analyse, bei Wut und Zorn.

    Wie wir in Zukunft leben wollen, diese Frage ist für mich einfach zu beantworten: Die Beendigung der Verhältnisse, in denen der Mensch ein geknechtetes, abhängiges und entwürdigtes Wesen ist.

    Mehr lässt sich aus meiner Sicht dazu gar nicht sagen, weil wir das was wir uns von der Zukunft wünschen zwar denken können, aber nicht vorwegnehmen können, welche Anforderungen die Zukunft an uns stellen wird.

    So habe ich irgendwo gelesen, dass es Generationen dauern könnte, den kapitalistischen Müll abzuräumen, wenn er dann überwunden wird.

    Was ich nicht ausschliessen möchte ist, dass die bisherige Geschichte noch einen Wiederläufer für uns parat hält.

    Gruss Troptard.












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    1. "So habe ich irgendwo gelesen, dass es Generationen dauern könnte, den kapitalistischen Müll abzuräumen, wenn er dann überwunden wird."

      Davon muss man wohl ausgehen und hier liegt auch ein großes Problem, da kein Individuum all zu weit über die eigene Existenz hinausschaut und -plant. Wenn wir jetzt alle die sozialistisch-anarchistische Freiheitspartei wählen und der "Umschwung" kommt, ist erst mal so viel Chaos und harte Arbeit angesagt, dass die Leute ziemlich schnell die Schnauze voll haben und lieber wieder alle Verantwortung abgeben und sich beherrschen lassen. Jeder will eine bessere Welt, aber bitte gleich, ich will nicht dran mitarbeiten müssen. Silbertablett bitte. Nicht ohne Grund endete jede sozialistische Revolution in Diktatur. Würde man demokratische Strukturen aufrecht erhalten, wären die Revolutionäre bei der nächsten Wahl wieder weg vom Fenster. Ausnahmen bestätigen die Regel. In Venezuela hat Chavez den Wohlstand durch Enteignung und verstaatlichung von z.B. Öl-Konzernen steigern können. Und selbst hier wurde immer wieder angezweifelt, ob die Wahlen immer mit rechten Dingen abgelaufen sind. Ein Großteil der Menschen ist nicht fähig, "frei" zu leben und will die damit verbundene Verantwortung nicht. Neben dem ganzen kapitalistischen Trümmerfeld, das wegzuräumen ist, muss hier schon langfristig geplante Umerziehung zu mündigen Menschen vollzogen werden, der Egoismus, der teils natürlich, teils in der Leistungsgesellschaft erworben ist, muss aus den Köpfen raus. Alleine das kann Generationen dauern und auch hier ist die Grenze zur Indoktrination ziemlich fließend.

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  5. Hey, Troptard!

    Vorneweg: Ich will natürlich niemanden überreden, diesen Text gut zu finden - das wäre ja auch gequirlter Bullshit.

    Was ich faszinierend finde, ist, wie verschiedenartig ein Text verstanden werden kann.
    Betrachten wir bspw. das Wort 'wir': Man kann dieses wir lesen, als wir sind alle gleich - haben alle die gleichen Probleme. Dieses 'wir' schmiergelt die Individualität nieder, dieses 'wir' vernachlässigt Individuelle Problemstellungen. Dieses 'wir' will abgehängte Existenzen für den Erhalt des eigenen Status Quo missbrauchen.

    Ich lese 'wir' als Kollektiv-bildend, als den selben Feind ausmachend, als vereinend. Dieses 'wir', was ich lese, wehrt sich dagegen, auseinanderdividiert zu werden. Sich in Klassen spalten zu lassen, in Altersgruppen, ... Jenes 'wir' lese ich als Aufforderung das gemeinsame zu sehen und nicht das trennende.
    ... übrigens auch der Ansatz der 99%-Bewegung.

    Auch verstehe ich den Text nicht als Aufforderung portugiesische Rüben zu züchten. Es ist mehr eine Metapher für den derzeit nicht umsetzbaren Wunsch dem Spinnennetz des allgegenwärtigen Kapitalismus zu entfliehen.
    Auch ich habe Kommunenträume eines autarken alternativen Lebens. Das ist naiv, das ist 68'er, das ist eine Träumerei, die aber doch auch wieder Symptom der Ohnmacht ist.

    Mich erinnert der Text in der Aussage an den berühmten Frosch, der im Wasser sitzt, welches nur langsam erhitzt wird und nicht herausspringt, weil die Erhitzung des Wassers zu langsam ist, als dass er es merken würde - bis er zerkocht wird.

    Von wegen: 'UI, dass ist ganz schön warm, aber auch nicht viel wärmer als vor einer halben Stunde. Also bleib ich erst mal hier drin.'

    Dieser Text ist für mich eine Aufforderung, endlich aus dem Wasser zu springen. Zu erkennen, dass die Tendenz in Richtung totalitäre Strukturen (kochendes Wasser) zeigt...

    Grüße, Dude

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    1. Ich möchte mich gern in euer Gespräch reinhängen.

      Den Text habe ich auch gelesen und finde ihn wunderbar. Der Grundtenor stimmt für mich. Es liegt mir fern, jedes einzelne Wort zu analysieren. Das bringt nichts. Ob da nun WIR oder ICH steht ist doch egal.

      Troptard, du bist ein Analyst und studierst jedes einzelne Wort eines Textes und prüfst es auf Richtigkeit. Das zerstört jede Diskussion und lenkt in meinen Augen vom Wesentlichen ab.

      Ist es nicht wichtiger, den Gesamtinhalt zur Diskussion zu stellen als einzelne Worte zu kritisieren?

      Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob ich deinen Kommentar richtig verstanden habe. Bei mir ist eigentlich nur angekommen, dass es dich gestört hat, dass sie ihren Text in der WIRform geschrieben hat.

      Mit welchen ihrer Aussagen kannst du dich denn noch nicht anfreunden? Und warum?

      Liebe Grüße Ruby

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    2. Hallo Ruby!

      Es stimmt für mich einfach nicht, dass die Menschen in der westlichen Welt noch immer in einer "wahnsinnig priviliegierten Lage" sind. Das blendet einfach aus, das im Süden Europas Dritte Welt- Verhältnisse herrschen.

      Armut, Obdachlosigkeit, Selbstmorde und Hunger. Aus Deutschland ist mir diese Armut ja auch bekannt.

      Deshalb halte ich das "Wir" für vollkommen unangemessen.

      Gruss Troptard.

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    3. Hey, Ruby:
      Obwohl ich nicht direkt angesprochen bin:

      Um einen Text auf Richtigkeit zu überprüfen, ist es schon okay, erstmal den Kontra-Standpunkt zu beziehen. Das mache ich auch oft. Man klopft den Text ab, nach Fehlern und Schwächen. Das ist vollkommen legitim und völlig in Ordnung.
      Prinzipiell sollte man erstmal alles kritisch hinterfragen. Eine gute Methode sich dem Kern eines Textes zu nähern und sich mit ihm auseinanderzusetzen.

      Ich habe diesen Text auch (wie alle) erstmal mit dem kritischen Auge gelesen.
      Übrig blieb trotz kritischer Betrachtung aber das Gefühl ihn selbst gerne geschrieben zu haben.

      Das muss aber nicht jedem so gehen.

      Ich finde es gut, dass nicht jeder Applaus klatscht (überspitzt formuliert).

      Genau dieses 'Für' und 'Wider', die Auseinandersetzung mit dem Inhalt, der Intension, ist, so denke ich, dass Beste was einem Text passieren kann.

      Auf die Beantwortung Deiner Fragen bin ich übrigens auch gespannt... :-)

      Grüße an Euch beide.

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    4. @Troptard 22:54

      Der Argumentation kann ich wie Ruby auch folgen. Denke aber, es ist eher eine semantische Ungenauigkeit, als Relativierung des Elends innerhalb der EU-Zone. So bitte auch meinen Kommentar von 23:19 verstehen.
      Es gibt existenzielle Armut auch innerhalb der westlichen Welt - und auch immer mehr in Deutschland. Sicherlich eine Ungenauigkeit der Autorin. Denke aber, keine idealistisch begründete.

      Noch mal Grüße

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  6. Der erste Satz aus dem Text, den Du selbst eingestellt hast, ist für mich aber ziemlich eideutig und nicht missverständlich.

    Nun gut! Ich will mich nicht darum streiten, wie der Leser den Artikel nun zu verstehen hat.

    Ich wünsche Dir eine gute Nacht!
    Troptard


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    1. Troptard:
      Lies diesen Satz bitte im Kontext!
      Aber trotzdem: Trotz Schleifung des Sozialstaates verrecken Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, an Hunger in Entwicklungsländer oder werden Opfer vom Krieg. Das soll doch nicht heißen, das Hartz IV-Empfänger sich nicht zu beschweren haben und schließlich immer noch zur Tafel gehen können!
      Die Tatsache auf irdische Bevölkerungsgruppen hinzuweisen, die aus den verschiedensten Gründen verrecken, soll doch nicht als Argument dienen, dass Hartz IV ausreichend ist! Ich glaube, Du kriegst da was in den falschen Hals.

      Nichts läge der Autorin (so wie ich sie interpretiere) ferner, als das soziale und materielle Elend von Abgehängten unserer Gesellschaft relativieren zu wollen oder gar damit zu entschuldigen.

      Die Solidarität mit den Abgehängten eint uns, Troptard! Aber diese Solidarität sollte sich nicht nur auf Menschen innerhalb unserer Landesgrenze beschränken...

      Auch Dir eine gute Nacht
      Liebe Grüße
      Dude

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  7. Hallo Troptard,

    ich danke dir für deine Antwort.

    Dein Beispiel ist natürlich völlig richtig. Da bist du mit deinen analytischen Fähigkeiten klar im Vorteil. Und jetzt verstehe ich auch, warum du dich so an dem Wörtchen WIR stößt.

    Ich habe den Text noch einmal gelesen und kann deinen Kritikpunkt nun voll und ganz nachvollziehen.

    Mein Fehler ist , dass ich manche Texte mehr überfliege, weil ich noch so viel andere lesen will und mir dann die Zeit fehlt.

    Aber dann bist du ja da und weist auf Ungereimtheiten hin.

    Deshalb nochmal, danke und eine gute Nacht wünscht dir und dem Duderich
    Ruby

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  8. Dem Eingangstext fehlt die Analyse, auf welcher Basis denn diese scheinbar privilegierte Lage der westlichen Welt/nördlichen Halbkugel beruht. "Wir" einschließlich der armen Menschen in den Wegwerfgesellschaften (H4) profitieren von der ökonomischen Unterdrückung der Menschen und der Ressourcenausbeutung in den Entwicklungsländern. Nur aufgrund diesere extremen Ungerechtigkeit in der Weltwirtschaftsordnung kann eine solche Behauptung aufgestellt werden.

    Und was ist die Konequenz?

    Dazu ein Essay von Harald Welzer, das wiederum ich voll unterschreiben kann.
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79408637.html

    Auszug:
    "In den Haushalten finden sich mehrere Flatscreens, eine Klimaanlage, ein amerikanischer Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter (falls mal Dean Martin vorbeikommt) und überhaupt eine sogenannte Landhausküche, mit deren technischer Ausrüstung man auch zwei vollbelegte Jugendherbergen versorgen könnte. Die Menge an gekaufter Kleidung hat sich in der westlichen Welt in nur einem Jahrzehnt verdoppelt. Die Ikearisierung der Welt, also die Verwandlung langlebiger Konsumgüter in kurzlebige, schreitet mit irrsinniger Geschwindigkeit voran. Die Nutzungszeit bei elektronischen Geräten verkürzt sich rasant, den unermüdlichen Steve Jobs und Bill Gates sei Dank, und mittlerweile werden in den USA 40 Prozent und in Europa 30 Prozent der Nahrungsmittel als Dreck entsorgt, weil sie nur noch gekauft, aber nicht mehr gegessen werden."

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  9. Bei einigen Kommentaren hier werde ich echt ratlos. Da verfasst eine junge Frau einen absolut beachtlichen Artikel, den ich in diesem Alter niemals so hätte schreiben können, und manchem fällt dazu nicht mehr ein, als sich an dem Begriff „Wir“ aufzuladen. Prompt dreht sich fast alles nur noch um die Frage, ob der Begriff „Wir“ denn in diesem Zusammenhang überhaupt verwendet werden darf/kann/soll. Ist eigentlich irgendjemandem mal aufgefallen, was die Autorin im „disclaimer“ am Ende ihres Artikels geschrieben hat? Dass sie hier eben keinen Bock hatte, jedes Wort und jeden Satz auf politische Korrektheit hin zu überprüfen und sicherzustellen, dass jede Minderheit sich bei den gewählten Formulierungen zurecht/unrecht eingeschlossen/ausgeschlossen/übergangen fühlt? Für mich (persönlich) ist das in diesem Zusammenhang irrelevant. Und ich hoffe sehr, hier bald auch Kommentare zum Inhalt des Artikels zu lesen (wozu ich augenblicklich noch keine Zeit habe).

    Grüße
    Tilo

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    1. Hallo Tilo,
      ich darf mich wohl angesprochen fühlen! Ein bischen mehr, als mich am "Wir" aufzuladen, habe ich dann doch geschrieben.

      Allerdings kann ich auch wenig damit anfangen, wenn als Reaktion auf einen Text nur "beachtlich und wundervoll" herauskommt.

      Zumindest sollte da doch etwas mehr kommen, z.B. was daran so... ist.

      So fühle ich mich als Animateuer für eine Diskussion, die sonst wahrscheinlich gar nicht zustande gekommen wäre und auch als derjenige der für seine Kritik noch abgestraft werden soll.

      Gruss Troptard.

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    2. @Troptard:

      Hey, Troptard!

      Du klopfst den Text analytisch ab. Das ist okay. Du hast auf Fehler in der Darstellung hingewiesen. Deine Argumente stimmen - zumindest ich (und Ruby) folgen diesen.

      Der Text ist nicht perfekt. Er ist ungenau, mag sein. Ich aber (und wohl auch andere) lesen diesen Text im Fokus der Intension der Verfasserin. Widerspreche mir, wenn Du das anders siehst: Aber atmet der Text, dass er Armut relativieren will? Dass er innerdeutsche/-europäische Zustände besänftigen will?
      Sicher, es gibt auch existenzielle Armut INNERHALB der EU-Zone. Für mich persönlich macht es keinen Unterschied auf WELCHEM Kontinent jemand an Hunger leidet - und der Autorin (so wie ich sie interpretiere wohl auch) ist es wohl auch scheißegal, wo.
      Ein Hungertoter innerhalb der EU wiegt genau so schwer wie ein Hungertoter außerhalb dieser Währungsunion.

      Es geht in diesem Text darum aufzuwachen; zu sagen, dass man diese Zustände nicht mehr mittragen will. Das ist der Kern (so wie ich ihn lese) dieses Textes. Es geht doch nicht darum europäische Armut zu relativieren - mit dem Blick auf Schwellenländer!

      Ich denke schon, dass wir auf gewisse lieb-gewonnene Privilegien verzichten sollten/können/müssten - im Sinne einer globalen Gerechtigkeit.
      Dies aber im Sinne der Reichtumgsverteilung von Oben nach Unten, was konträr gewisser Dogmen wäre...

      Mal ganz provokativ formuliert, um das klar zu machen:
      Einem Hartz-IV-Empfänger geht es besser als einem Kind in sagenwirmal Somalia.
      Das heißt aber doch nicht, dass die Hartz-IV-Sätze zu hoch sind!
      Und das ist auch sicherlich nicht so gemeint!

      Es gibt Geld (Reichtum) wie Dreck! .
      Er ist lediglich falsch/ungerecht verteilt.

      Daran muss die Kritik ansetzen!
      Das ganze globale(!) Gefüge ist zu hinterfragen!

      Und dies führt zwangsweise in eine Systemkritik die unsere (globale) Wirtschaftsordnung hinterfragt.

      Unsere Empathie sollte selbstverständlich die Abgehängten unseres Wirtschaftssystems einschließen. Die aber, die unter eben diesen Wirtschaftssystem global leiden (Schwellenländer), sollten wir dabei nicht vergessen.

      Wenn man die Armut in anderen Regionen dieses Planeten nennt, muss das doch nicht zwangsweise den Grund haben, innerdeutsche und innereuropäische Armut zu relativieren.

      Egal wo man lebt - jedes Menschenleben zählt, ganz gleich wo geboren - und wiegt gleich schwer.

      Liebe Grüße
      Dude

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    3. Das typische, alte Problem der judäischen Volksfront! ;) Selbst wenn man mit jemandem zu 90% oder 95% im Kern einer Meinung ist, reichen meist irgendwelche interpretierbaren Begriffe oder beiläufigen Äußerungen, dem anderen nach Pawlow vorwerfen zu können, er sei es nicht wert; stünde im Wesentlichen nicht auf der eigenen Seite. Das zwanghafte Suchen von Haaren in der Suppe (von Trennendem statt Vereinigendem) - ist ja eine besonders intensiv ausgelebte Leidenschaft, die man "Linken" wohl niemals wird abgewöhnen können. Schließlich ist ja nur man selbst als einziger im Besitz der einzigen, ultimativen Wahrheit...

      Man ist folglich dann auch mit Nichts zufrieden, was von anderen kommt...

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    4. @ Dennis82

      Ich denke eher das Problem der Volksgemeinschaft, das benutzt gerne das "Wir" und stösst sich sofort daran , wenn ihr das "Du" oder das "Ich" entgegengesetzt wird.

      Beispiel:

      "Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt."

      "Nein, ich habe nicht über meine Verhältnisse gelebt, genau das Gegenteil ist der Fall. Ich habe immer weniger Geld zur Verfügung und am Monatsende wird's für mich echt eng."

      "Das ist in der Tat nicht schön. Gut, das kann man aber so nicht verallgemeinern."

      "Ich habe nicht verallgemeinert! Sie haben vom "Wir"
      gesprochen."

      Und dann: judäische/jüdische Volksfront, das ist heftig.

      Ich bin hier jetzt weg!

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    5. Troptard, mann, niemand greift Dich hier an - hier treffen nur Meinungen aneinander, deren Unterschiedlichkeit zum Großteil in gestörter Kommunikation liegt!

      An dem Beispiel des Wortes 'wir' lässt sich das schön erklären, und Du hast auch ein wunderbares Beispiel dafür genannt:

      "Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt." Ein Satz bei dem man sich die Haare herausreißen könnte! Werden als Konsequenz die Diäten gekürzt? Wird überbordender Reichtum reguliert, bei denen, die am meisten 'über ihre Verhältnisse' leben?
      Nein, natürlich nicht! Sozialleistungen werden gekürzt, und denen, die am meisten unter der Umverteilung von unten nach oben leiden werden oberlehrerhafte Spartipps gegeben, damit Hartz-IV wenigstens für die pure Existenz reicht. Und wenn die Entgegnung kommt, dass ALG II kein würdiges Leben garantiert hört man, dass man doch bitte nicht jammern soll, schließlich verhungern anderorts Menschen während wir doch schließlich die Tafeln haben.
      Ich kann Dich saugut verstehen, Toptard!
      Für Dich ist das Wort 'wir' ein Instrument, der Gleichmaierei, ein Instrument um weitere gesellschaftliche Armut zu predigen.

      Aber das Wort 'wir' hat auch positive Aspekte. Es sucht nach Gemeinsamkeiten, es kann auch meinen: Komm zu uns und kämpfe mit uns, gegen Jene unter denen alle leiden, die nicht an der oberen Spitze der Einkommenskette liegen. Und diese Minderheit ist EBEN NICHT die Leistungselite, diese Minderheit sind Schmarotzer und destruktiv. Eine Krankenschwester ist die Leistungselite, Müllmänner, Arbeiter, ...

      Ich habe die Worte von Dennis82 nicht gegen Dich bezogen.
      Das Beispiel der judäischen und jüdischen Volksfront soll doch lediglich beschreiben, wie zerstritten die sind, die doch bloß das gleiche wollen.

      Du willst das gleiche, wie Dennis82, wie ich, wie die fast alle hier!
      Kann man uns dann nicht einfach 'wir' nennen - so hat das Wort die Autorin meiner Interpretation nach auch benutzt.

      Es wäre doch an Paradoxie nicht zu überbieten, wenn die Diskussion über die Bedeutung des Wortes 'wir' auf- und abspalten würde!

      Das wäre dann doch wirklich Monty Pythons..! :-)

      Wenn Du die Äußerungen von Dennis82 nun unbedingt gegen Dich beziehen willst (was nicht zwingend ist) dann hinterfrage die Kritik und argumentiere dagegen.
      Die linke Opposition IST zerstritten. War sie immer schon. Monty Pythons hat dies ziemlich gut karikiert.
      Wir sind ALLE Symtomträger dieses Phänomens.

      Gerade dann, wenn Du jetzt hier den Abgang machst (wegen was eigentlich???) unterstreichst Du dies nur und ziehst Dich deprimiert und desillusioniert in Deine Ecke zurück.

      Soll das die Lösung sein, oder sollten wir über Differenzen streiten aber das Verbindende trotzdem im Auge behalten?

      'Ich bin hier jetzt weg!'
      Nee, das kann ich so nicht akzeptieren!
      Ganz liebe Grüße
      der Dude

      P.S.: Schlaf mal drüber!

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    6. @Troptard: Verwandtes Problem: maßlos überinterpretiert wird auch sehr gerne. ;) Mir ging es in dem Falle nur um den konkreten Text, auf den der Duderich hingewiesen hat. Den man in der Summe größtenteils doch eben so unterschreiben kann. Natürlich - dieses ominöse "wir" oder die konkret von dir kritisierte Passage mit den "Privilegien" - klar, sowas nervt. Aber jeder Text, jede Argumentation hat seine und ihre Schwächen! Diese punktuellen, auch mal sehr groben Widersprüchlichkeiten in Aussagen Anderer - die machen mich auch gerne mal verrückt... Aber man selbst wusste doch zu einem beliebigen früheren Zeitpunkt auch noch nicht all die Dinge, die man jetzt weiß. Und irgendwann mal wissen wird. Und niemand ist völlig frei von Widersprüchen...

      Also sollte man doch einfach bei denen, bei denen eben noch nicht alle Hoffnung verloren ist, drüber hinwegsehen (in der Erwartung, dass der Groschen angesichts der anderen Kritikpunkte noch von selbst fallen wird) - oder einfach kurz drauf hinweisen - und gut ist!

      Und ja, das Problem der judäischen Volksfront, welches so schön in "Das Leben des Brian" in Szene gesetzt wurde taucht im linken Bereich eben immer wieder auf, im Kontext des Filmes eben: seit Jahrhunderten. Und eben auch in dem Falle. Ich freue mich jedenfalls über solche (auch ihre Schwächen habenden) Texte - einfach, weil die Grundrichtung stimmt. Man kann drauf aufbauen! Auch ein Fertighaus braucht ein solides Fundament... ;)

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    7. Ist Dennis82 wirklich ein Troll?
      http://feynsinn.org/?p=19175#comment-77289

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    8. Gute Frage...!? Bin ich ein "Troll"?

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    9. Du sollst den Hausherrn persönlich angegriffen und keinen Bezug zum Artikel oder zur Diskussion genommen haben.

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    10. Eigentlich verspüre ich (im Gegensatz zu altbekannten Trollen, denen er damit wieder ein klein wenig Futter spendiert...) sogar sehr wenig Lust, den Haus"herren" (nachdem er nicht mal die Cochones hatte, meine wenigen Zeilen zum endgültigen Abschied stehen zu lassen...) noch mit irgendeiner Form von Aufmerksamkeit zu beehren. Jeder kann dort (noch) nachlesen, welch ungeheurer "Trollerei" ich mich offenbar ein weiteres Mal "erdreistet" zu haben scheine.

      Viel interessanter ist aber tatsächlich, wie schnell hier personalisiert wird - und man dieses (bequeme) Etikett verpasst bekommt oder mit den "üblichen Verdächtigen" in einen Topf geschmissen wird... Naja, egal; ist nur einer von vielen absolut unbedeutenden "Stammtischen" in den Weiten des Internets!

      Wie gesagt, dass soll es von mir dazu gewesen sein!

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    11. Dennis
      Jeder der eine andere, als des Blogherrn genehme Meinung hat, ist ab einem gewissen Punkt wohl "Troll" ... was regst du dich auf ? Des einen Troll ist der anderen Terrorist ....

      Das Gesellschaftsverändernde Potenzial "unserer" Blogs habe ich schon beleuchtet ,also drauf geschissen ;-) .. Ich geh' wieder und mach was vor der Tür .... solltest du auch machen, bringt mehr

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    12. Du sollst deinem Hausherren nicht widersprechen
      noch ihm unangenehme Fragen stellen.
      Du sollst ihn immerdar loben und
      ihm stets flattieren.

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  10. Hallo Duderich, vielen Dank für Deine Worte!

    Ich möchte Dir einen Artikel von Manfred Sohn, Landesvorsitzender der Linkspartei in Niedersachsen, vorstellen: Vor dem Epochenbruch,erschienen in "Streifzüge". Hier Klicken!

    Dafür hat er sich in seiner eigenen Partei ordentlich Kritik eingefangen. Diese Kritik an ihm wurde im ND publiziert.

    Elmar Fatschart von "Exit" hat zu der Kritik an Manfred Sohn Stellung bezogen: "Am Ende wird Altbekanntes nicht reichen"

    Hier Klicken!

    Falls Du den Artikel bereits kennst, bin ich zu spät. Aber vielleicht kennen ihn andere, die hier mitlesen, nocht nicht.

    Ebenfalls liebe Grüsse Troptard.



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