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Dienstag, 13. August 2013

Sehr lesenswerte Rede von Günter Wallraff zur SPD und der Arbeitswelt

Abteilung: 'In Gedenken an August Bebel' (zum 100-jährigen Todestag)

... "Mittlerweile arbeitet fast jeder vierte Beschäftigte für einen Niedriglohn. Die Zahl der Leiharbeiter, die in den Betrieben Unterklasse sind, schnellt nach oben. Die Zerstörung gesicherter und dauerhafter Arbeitsverhältnisse bei gleichzeitiger Zunahme prekärer Beschäftigungsformen, die Aufweichung und Entwertung des öffentlichen Rentensystems ... – die Politik hat die Vorschläge der Wirtschaft Eins zu Eins umgesetzt. Die Folgen treten brutal zutage: wachsende Kinderarmut, höhere Bildungshürden, mehr Menschen ohne Kranken- und Rentenversicherung, dauerhafte Abkoppelung der unteren Schichten von kultureller und sozialer Teilhabe, Altersarmut. Bis heute lassen die sogenannten Volksparteien nicht ab von ihrer neoliberalen Politik des sozialen Kahlschlags – ein Prozeß, der rasant um sich greift. Wenn Sie in Deutschlands Städten freundliche ältere Herren, aber auch Damen verschämt in einem Mülleimer an der Straße wühlen sehen, ist das Altersarmut. Und wenn morgen ein Zwanzigjähriger Sie mit großen Zahnlücken anlächelt, dann sehen Sie der Gesundheitsreform ins Gesicht. Die Betroffenen zahlen mit ihrer Würde und mit ihrer Lebenszeit. Das hat die Agenda 2010 erreicht." ...

gefunden bei Ossiezky (Link zum vollständigen Text)

Kommentare:

  1. Hallo Ruby,
    falls Du hier mitliest. Ich habe einen interessanten Artikel von Anne Seeck gefunden:

    Die Stigmatisierung Erwerbsloser
    Ein Ost-West-Vergleich

    Hier klicken!

    Gruss Troptard.

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    1. Danke Troptard für den Link.

      Zur Arbeitslosigkeit in der DDR kann ich ja auch mit eigener Erfahrung beitragen. Mitte der 80-ger Jahre habe ich als Lehrerin selbst gekündigt. Laut Arbeitsgesetzbuch hatte ich damals auch das Recht dazu. Es gab aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass du als selbstkündigende Lehrerin 1 Jahr bei allen Firmen Einstellungsverbot bekommen hast. SV-versichert über den Ehemann, ohne Arbeitslosengeld habe ich aber nach fast 1 Jahr dann eine neue Arbeit gefunden. Außer diesem Einstellungsverbot habe ich keine weiteren Repressalien ertragen müssen. Dafür erntete ich von anderen Lehrern für meinen angeblichen Mut Bewunderung, da die meisten von ihnen der irrsinnigen Annahme erlagen, ein Lehrer dürfe nicht kündigen. Ich habe ihnen das Gegenteil bewiesen. Da mein damaliger Mann aber Arbeit hatte, bestand für mich keinerlei Gefahr, zu verhungern. Außerdem wusste ich ja, dass ich nach diesem Jahr ganz leicht wieder Arbeit finden werde.

      Für mich war nur etwas unangenehm, dass ich in meinem gesamten Umfeld die Einzige war, die dann tagsüber zu Hause verbrachte. Als Asoziale wurde ich von meinem Umfeld auch nicht betrachtet, fühlte mich dadurch auch nicht stigmatisiert. Ich war halt 1 Jahr lang eine Exotin, da es sehr ungewöhnlich war, ohne bezahlte Arbeit zu sein.

      Gruß Ruby

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    2. Hoffentlich hast Du das Jahr ohne Arbeit richtig geniessen können.

      Gruss Troptard.

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    3. Genießen konnte ich die Zeit damals nicht. Ich war ein junges, naives, dummes aber mutiges Ding und fühlte mich wie ein halber Mensch, weil auch damals der Lebenssinn über die Arbeit lief, Aber ich wusste, irgendwann habe ich wieder einen Job. Arbeit hatte ich privat genug, Haushalt, Kindererziehung...halt alles ohne Bezahlung, genau wie heute, wenn man erwerbslos ist. Nur heute sprechen sie dir deine Menschenwürde ab.

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    4. Sagt Frau das so, "Ding"? Dann gebe ich ein "Dong" dazu.

      Ich grüsse Dich!

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  2. Hallo Duderich,

    die Rede von Wallraff bringt die Wahrheit auf den Punkt. Ich bezweifle aber stark, dass irgendein SPDler davon berührt ist. Dafür ist ihr asoziales Menschenbild viel zu verfestigt. Nur profitables Humankapital bestimmt ihr Parteiprogramm, nichts mit sozial und demokratisch, dafür ganz viel DEUTSCH.

    Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit strammen Parteimitgliedern der SPD unterhalten. Haupttenor war jedes mal - ach die armen Unternehmer, wie sollen die denn die hohen Löhne + Lohnnebenkosten bezahlen. Die schaffen doch Arbeitsplätze....bla, bla, bla. Da war null Denke in Richtung Arbeitnehmer.

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    1. Hallo Ruby!

      Auch die SPD verfährt nach dem Credo, dass eine gute Wirtschaftspolitik eine gute Sozialpolitik sei. Anders ausgedrückt: Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann geht es auch den Menschen gut.
      Gesetzesinitiativen werden nicht mit der Verbesserung für Menschen begründet, sondern mit einer Entlastung der Wirtschaft, ergo: Druck auf Löhne und Senkung der Abgaben (Steuern).
      Dass die dadurch verbesserte Gewinnspanne der Firmen nicht irgendwann bei den Menschen (Arbeitnehmern) ankommt (Trickle-down-Effekt) ist wohl mittlerweile hinlänglich bewiesen, aber bei den meisten noch nicht angekommen.
      Unter diesen falschen Annahmen wird also nur noch ökonomisch argumentiert. Humanität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit haben keinen Platz in diesem Argumentationsmuster.
      Deshalb gelingt der SPD auch nicht, sich von der Agenda 2010 zu distanzieren; schließlich habe die Entrechtung der Arbeitnehmer (wird so natürlich nicht ausgedrückt) den Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt.
      Wenn man dieser Argumentation folgt kann man aber ebenso gut die CDU wählen. Die SPD ist keine Opposition, warum sie also wählen?
      Ich glaube mittlerweile, dass diese Partei so verknöchert ist, dass sie noch nicht mal bei einem Wahlergebnis unter 10% umdenken würde.

      Grüße, Dude

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    2. Die SPD ist zu Deutsch, um Links zu sein!

      Gruss Troptard

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  3. Hallo,Dude,
    Danke für den Link.Diese Rede sollte mal auf einem SPD-Parteitag verlesen werden,um der SPD-Linken(so noch vorhanden)klarzumachen,was ihre Seeheimer Führungsspitze da seit zwei Jahrzehnten als "sozialdemokratische Politik" verkauft und worauf sie noch stolz ist,um die verbliebenen wirklichen Sozialdemokraten aufzurütteln.
    Auch im Bundestag würde das Sinn machen,als Kontrast zum "Es-geht-uns-so-gut-wie-nie-und am-deutschen Wesen-soll-Europa-genesen"-Geschwätz der Koalitionäre.
    Lieben Gruß,
    Der Doctor

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