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Donnerstag, 31. Oktober 2013

Der kollektive Glaube an imaginäre Werte

Abteilung: Wodka vs. Gold

Es ist eine Binse, wenn ich behaupte, dass Geldnoten nur bedrucktes Papier sind. Der Wert einer Währungs-Note speist sich nicht durch den Eigenwert des Geldscheines, sondern durch das Vertrauen darauf, diesen jederzeit gegen Güter eintauschen zu können.
Das ist eigentlich jedem bekannt, aber nur den wenigsten bewusst.

In den Anfängen der Währung entsprach der Nominalwert dem Sachwert. Es war die Aera der Perlen, Edelsteine, ... und später der geprägten Goldmünzen, deren Materialwert damals noch dem Nominalwert entsprach.
Lange Zeit war der Dollar gekoppelt an den eingelagerten Gegenwert in Gold.
1971 wurde auch das von Nixon aufgehoben, wobei man sich grundsätzlich mal fragen sollte, welchen immanenten Wert Gold eigentlich besitzt...

Sollte das wirtschaftliche Gefüge weltweit kollabieren, würde wohl niemand einen Laib Brot gegen einen Goldbarren eintauschen...

Im momentanen Wertgefüge hat Gold einen Wert, Geldnoten und Aktien, Artefakte und Meißner Porzellan. Rolex-Uhren und gold-bedrucktes Klopapier.
Das ist so, und wird so mit Schwankungen auch bleiben, solange dieses System nicht kollabiert.
Auch das ist nur die oberste Spitze des Eisberges, denn digital (mithilfe von Nullen und Einsen) werden täglich Milliarden von Euros und Dollars spekuliert.
Mäandern von hier noch dort. Lassen Kurse einbrechen und andere explodieren. Kein wirklich neues Phänomen.

Wir betreten die Spähren der Religion: Solange wir an gewisse Werte GLAUBEN, solange funktioniert dieses System und erhält sich selbst.
Es ist eine GLAUBENS-Frage, wie lange dieses System noch funktioniert.

Dieses System muss und wird scheitern!
Ähnlich wie das, der katholischen Kirche.

Ich will den Glauben nicht verdammen.
Ich glaube an Liebe, an Humanität und Solidarität.
Ich Naivling, glaube an die Macht des Guten.
An die Kunst, die Rebellion, an ein selbstbestimmtes authentisches Leben.
Ich hoffe auf Mit- und Andersdenkende.
Ich hoffe auf Mut und Zivilcourage.
Ich hoffe, dass deren Kraft sich Bann bricht und die Versklavung und Ökonomisierung besiegt.

Und ich hoffe dies - aus der Perspektive meiner eigenen Beschränktheit!

Letztendlich hoffe ich auf Vernunft.
Solange Menschen verhungern, während andere Geld kotzen, solange läuft hier was schief.
Ich verweigere mich, dass als zwingende Normalität hinzunehmen!
Ich verweigere mich dieser perversen Logik der (medial unterfütterten) Reichtumsverteilung!

Dafür streite ich.
Dafür schreibe ich, und dafür mache ich mich auch gerne in den Augen Andersdenkender lächerlich.

Niemand müsste den Hungertod sterben, wenn Reichtum gerecht verteilt wäre!
Wenn Solidarität und Humanismus weltweit, und mit der Macht der Masse eingefordert werden würde!

Ich postuliere eine Welt um mich herum - national und golabal - die in ihren Grundfesten zutiefst unmenschlich/inhuman ist.
Wenn diese Wahrnehmung geteilt wird, so möchte ich motivieren gegen diese Weltordnung aufzubegehren. Gerne im Kleinen.
Das Große ergibt sich dann durch die Masse, oder verliert sich in der Lethargie.


Ich möchte keine Apokalypse herbei schreiben.
Sicherlich, ein gewisser Teil von mir sehnt einen Weltenbruch herbei, um das ganze Weltgefüge wieder einzunorden.
Aber das Bewusstsein, dass dabei vermutlich viel, viel Blut derer fließen würde, die diese Zustände am wenigsten zu verantworten haben, lässt mich hoffen, dass ein 'sanften Wandel' stattfinden wird.

Ich bin also gleichsam radikal und naiv. Das Gefühl der Zerrissenheit ist mir nicht neu.
An Angriffsfläche mag es meinen Kritikern also nicht mangeln.

Intension dieses Textes ist es, meinen Lesern noch einmal zu vergegenwärtigen, das Geld, Gold, Aktienanteile, Luxusgüter und Staatsanleihen nur in dem Zustand funktionieren, in dem wir uns momentan befinden (und der äußerst fragil ist).

Wie lange dieses System noch funktioniert und etabliert ist, das wesentlich auf dem Glauben des Weiterbestehens dogmatischer Verteilung basiert, vermag ich nicht einzuschätzen.

Krisenfest, so habe ich von einem Anlageberater via TV mal aufgeschnappt, sei Wodka.

Haltbar, und krisensicher.

Wer also den Kollaps fürchtet, sollte seine momentane Kaufkraft lieber in Alkoholika als in Goldbarren zu retten versuchen.

Zumindest für mich klingt das logisch...

Kommentare:

  1. Die Menschen die Gold als sichere Anlage sehen und dies mit dem steigenden Preis begründen vergessen, dass Wert und Preis nicht gleichzusetzen ist. Weiterhin ignorieren sie, dass der Preis des Goldes künstlich oben gehalten wird. Was würde wohl passieren, wenn die Zentralbanken der Welt alles Gold auf den Rohstoffmarkt werfen würden?

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    1. Oder man stelle sich vor, die Alchemie erreichte endlich ihr Ziel, Blei in Gold zu verwandeln. Wären alle Goldanlagen plötzlich wertlos. Dieses Szenario dürfte auch etwa die gleiche Wahrscheinlichkeit haben, wie das von Ihnen genannte.

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  2. Ich befürchte die dem Geld hinterlegte Logik ist praktisch fest im menschlichen Gehirn verdrahtet. Quasi auf Gen-Ebene manifest.

    Bereits in sehr früher Zeit wurden zB seltene Muscheln als Tausch-Symbol verwendet. Dann kamen die Phönizier, die Römer und die Sesterzen, die wir aus Asterix kennen und so weiter. Das System wird immer komplexer und effizienter. Ein Ende scheint mir aber auch langfristig nicht in Sicht. Selbst die letzten Menschen, die in so einer Art Mad-Max-Fantasie um die letzten Ressourcen kämpfen werden, werden noch mit irgendwelchen Symbolen Handel treiben. So meine Voraussage.

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  3. Geld als Zahlungsmittel ist in unserer Gesellschaft nunmal nicht mehr zu ersetzen. Vor 200 Jahren hat fast jeder noch in irgendeiner Form etwas produziert. Die Jahrhunderte davor konnte man noch auf dem Markt Tauschgeschäfte machen. Was soll denn aber heute die Bürokauffrau auf dem Markt zum Tausch anbieten? "Ich schreib dir einen Geschäftsbrief für 3 Äpfel und 2 Birnen"? Der Dienstleistungssektor wird immer größer, immer weniger sind im produzierenden Gewerbe tätig. Diese Dienstleistungen muss man jedoch auch mit einem Wert versehen und hierfür braucht man Geld. Oder würde hier irgendwer in einen Frisörsalon gehen wollen, in dem die letzte Kundin mit 3 Hühnern bezahlt hat, die dann fröhlich durch den laden flattern und einem auf den Kopf scheißen? Währungen an reale Sachwerte zu koppeln oder die Gesamtmenge zu limitieren sind Ansätze, die dem Verfall des Geldes entgegenwirken können. Alternative Währungen wie Bitcoins haben nur eine Chance, wenn der Endverbraucher Vertrauen dazu entwickeln kann. Ich würde auch nicht unbedingt einer Währung trauen, die nur aus Einsen und Nullen besteht. Das Geld auf meinem Konto ist auch nur digital, aber ich kann mir am Automaten Papier auswerfen lassen, das ich in der Hand halten kann. Das alleine schafft schon Vertrauen. Genügend Leute heute würden ja auch eine DVD jederzeit einer Streaming-Lösung vorziehen, weil sie die ins Regal stellen können. Die kann einem keiner mit dem Druck auf "Delete" einfach wegnehmen. Da ist der Mensch einfach gestrickt. Er brauch was zum Anfassen, auch wenn es nur ein Fetzen Papier ist.

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