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Samstag, 26. Oktober 2013

Die Illusion leistungsgerechter Vermögensverteilung

Abteilung: Sch(w)erkräfte

Diese ganze Farce um die Skandalisierung der Merkel-Ausspähung ist einfach nur ein weiterer Mosaikstein des alltäglichen Wahnsinns.

Das Absurde wird zur Regel, die Vernunft zur Ausnahme.

WER regt sich denn genau WORÜBER auf?

Es schien mir, dass Pofalla (und Friedrich) die Volksseele besänftigen konnte. Einzig in der Blog-Sphäre und linken Medien wurde dieses absurde Theater kritisch hinterfragt.

Es ist für mich unbegreiflich, wie sich die Bevölkerung sehenden Auges Tag für Tag verarschen lässt. Hauptsache, der Zirkus geht irgendwie weiter - egal, wie absurd. Alles ist anscheinend tauglich, uns davon abzulenken über Alternativen nachzudenken. Im kleinen, wie im großen.

Die Volkesseele möchte Beständigkeit. Hat Angst vor dem Wechsel - im Denken, wie im Handeln.

Die Realität ist doch wenigstens greifbar, so beschissen sie auch ist.
Lieber 'Sachzwängen' (sic) folgen, auch wenn sie der Vernunft widersprechen, als Alternativen hierfür anzustreben und Neuland zu beschreiten.

Es mangelnd uns an Visionen.
Wir sind so sehr konditioniert fast jeden Kompromiss einzugehen, um dieses bestehende System - mit all seinen immanenten Widersprüchen - aufrecht zu erhalten. Egal, wo uns das ökologisch und ökonomisch hinführen mag.

Im Schleudergang unserer Gehirnwäsche sind wir mittlerweile (oder immer noch) bereit, zu akzeptieren, dass Reiche immer reicher werden, und Arme immer ärmer.
Wir lassen uns einreden, dass dies gerecht, bzw. alternativlos sei.
Wir lassen uns einreden, dass der überbordende Reichtum Einzelner durch deren Lebensleistung gerechtfertigt ist (und vergessen dabei, dass dieser Reichtum nur durch Ausbeutungsverhältnisse anderer realisiert werden konnte).
Wir lassen uns einreden, dass die individuelle Armut jeweils im Versagen des Individuums liegt.

Je niedriger die Löhne der einen, um so größer die Gewinnspanne der anderen.
Mir scheint, dass diese, sich eigentlich aufdrängende Erkenntnis, bislang weder in der Bevölkerung noch in der Politik angekommen ist.

Es wurde unzählige Male beschrieben.
Vielleicht ist es ja zu simpel, um in den Köpfen anzukommen:
Reichtum bedingt Armut. Und Armut ist die Voraussetzung von Reichtum.

Schulden bedingen Forderungen und Zins- und Zinseszinsforderungen (die exponentiell sind).

Ein ökonomischer Mehrwert kann gesamtheitlich gesehen nur realisiert werden, wenn natürliche Ressourcen 'verwertet' werden.
Was die philosophische und humanistische Frage aufwirft:
Wer BESITZT Erdöl? Wer BESITZT Wälder? Wer BESITZT Fanggründe im Meer, usw.
Und WARUM?
Wie legitimiert es sich, dass einzelne Personen und Konzerne die Verfügungsgewalt über natürliche Ressourcen besitzen? Diese zur Gewinnmaximierung ausbeuten zu dürfen.

Worauf begründet sich das Recht, natürliche Ressourcen auszubeuten (um damit persönlichen Reichtum zu generieren) und womit wurde  dieses Recht erworben?

Wie ist es mit einer aufgeklärten (sic), humanistischen (sic) Gesellschaft (Weltgemeinschaft) zu vereinbaren, dass einzelne Profiteure (oder Konzerne) ein individuelles Recht haben, natürliche Ressourcen zur Gewinngenerierung ausbeuten dürfen?

Aber wir haben uns daran gewöhnt.
Die wenigsten hinterfragen bestehende Besitzverhältnisse.
Uns wird vorgegaukelt, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben.
Wer reich ist, hat sich dies 'verdient'.
Wer arm ist auch.

Dabei wird vergessen, dass wir weit davon entfernt sind, mit gleichen Chancen qua Geburt ausgestattet zu sein. Es ist sicherlich kein Zufall, dass keine (mir bekannten) Industriemagnaten in Somalia geboren wurden.

Sicherlich ist es kein Geheimnis, dass in der BRD die Armuts- und Reichtumsschere immer weiter aufgeht. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass dies global in noch größerem Maße geschieht. Dies schreibe ich nicht, um Armut im eigenen Staate zu relativieren. Dies schreibe ich, um bewusst zu machen, dass es nur ein Zwischenziel wäre, im eigenen Land für gerechtere Zustände zu sorgen.

Im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit bewegen wir uns rückwärts - nicht vorwärts.

National, europäisch und global nimmt Armut zu, und dem entsprechend, auch Reichtum.
Überwunden geglaubte feudale Strukturen etablieren sich weltweit immer mehr.

Dies wird als normal und alternativlos hingenommen.

Ich hoffe, ich möge es noch erleben dürfen, dass sich daran etwas ändert...

Ich hoffe, dass sich die Erkenntnis in der (Welt-)Bevölkerung etabliert, dass Zustände immer mehr Raum und Einfluß nehmen, die es solidarisch zu bekämpfen gilt.

Ich hoffe auf ein Ende der Ich-bezogenen Lethargie.

Kommentare:

  1. Aus dem Postillon "Pofalla will wissen, welchen Teil von "die NSA-Affäre ist beendet" Merkel nicht verstanden hat "

    Satire ist in heutige Tagen näher an der Wahrheit als je zuvor.

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  2. Ich glaube tatsächlich, dass die meisten Menschen nicht verstehen, was hier abläuft. Sie sind alle in dieses System von arm und reich hineingeboren und niemand hat ihnen gesagt, dass dies nicht zwangsläufig sein muss. Es muss bei ihnen erst klick machen.

    Folgende Aussagen von Frank Bohner (Pädagoge und Freiwirtschaftler 1961) könnten vielleicht helfen:

    "Die Menschheit hat die Erde umsonst.
    Sie hat nie und an niemanden dafür bezahlt.
    Auch für die laufende Nutzung muss sie kein Entgelt bezahlen.

    Warum, so muss man sich fragen, kommt dieser Vorteil nicht anteilig bei jedem Einzelnen an?

    Es hatten allerdings nur die ersten Besetzer die Erde kostenlos.
    Seitdem ist die Erde besetzt und verteilt und jeder, der danach kommt, erbt entweder oder er muss zahlen.
    Er muss, auch wenn er sich auf einen durchschnittlichen Anteil beschränkt, für seine eigene und unentbehrliche, wie sein Leib zu ihm gehörende Lebensgrundlage an andere zahlen!

    Ein ursprünglich eigenes Recht an Boden und Bodenschätzen müsste dagegen jedem, der sich mit einer durchschnittlichen Nutzung begnügt, in irgendeiner Form zustehen."

    Liebe Grüße Ruby

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    1. Sehr guter und ergänzender Beitrag!
      Nicht umsonst sprechen sich viele dafür aus, dass als Teil des Weges zu globaler Gerechtigkeit eine `Bodenreform' unerlässlich ist.

      Das Bewusstsein dafür ist leider nur äußerst marginal vorhanden.
      Die von Dir beschriebenen gewachsenen Besitzverhältnisse werden kaum hinterfragt.
      Man wird in dieses System hineingeboren und hält es unhinterfragt für normal und alternativlos...

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  3. PR-mäßig doch klasse gelaufen - so einfach wird man vom (Mit-)Täter zum Opfer.

    auch wenn sich das Mitleid in Grenzen hält - immer noch besser als auf der andern Seite zu stehn...
    und daß sie jetzt "eine von uns" ist, wird auch mit Twitter/Facebook/etc-Kommentaren wie "jetzt wo sie selber abgehört wird ... ätschibätsch!" ja immerhin [unbewusst] anerkannt.

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  4. Das Bewußtsein über die ungerechte Verteilung dürfte ziemlich weit verbreitet sein , der Unmut darüber wird immer stärker und ist längst mehrheitsfähig (allerdings nicht bei Wahlentscheidungen).
    Die eigentliche Gefahr besteht darin , daß zu viele Menschen die Lösung in einer Nivellierung nach unten hin sehen und nur diejenigen kritisieren , die sich in Reichweite ihres Horizonts befinden .
    Das sind auf der einen Seite Arbeitslose , Asylbewerber und Co., allerdings nicht bei allen , vielleicht nicht einmal bei der Mehrheit , wohl aber bei erheblichen Teilen des faschistoiden Mittelstandes.

    Und zum anderen Figuren wie Wulff , Tebartz oder Politiker mit irgendwelchen Putzfrauen , sicherlich unerfreulich , aber weit vom eigentlichen Problem entfernt .
    Die wirklich Reichen werden zu sehr verschont ,weil sie meist schlau genug sind , ihren stetigen Raub legal zu betreiben , und auch deshalb , weil man am Montag wieder kuschen geht , um einem solchen weiter die Taschen füllen zu dürfen.

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  5. Wir sind nunmal leider nicht weit von den Tieren entfernt, Humanismus haben sich eine Hand voll Gutmenschen zusammengesponnen, de facto herrscht das Recht des Stärkeren und der Baum gehört dem, der zuerst drangepisst hat. Wir sind keine Hippies oder Indianer, die Erde gehört nicht allen, sondern denen, die die Eier hatten, sie für sich zu beanspruchen und die auch noch clever genug waren, anderen einzureden, dass das alles so seine Ordnung hat und man doch bitte die Fresse zu halten und für alle Ressourcen zu zahlen habe. Allein die Vorstellung, dass ich ein Fleckchen Land kaufen kann und mir dann auch ALLES gehört, was darunter ist, ist einfach lächerlich. Nestle kauft teilweise für nen Appel und ein Ei Land, in dem sich Wasserquellen befinden und beansprucht dann alles Wasser für sich und verkauft es teuer. In den USA nimmt das absurde Ausmaße an. In eher trockenen Staaten dürfen Menschen im Sommer teilweise nur 1x am Tag duschen wegen Wasserknappheit, gleichzeitig schippert Nestle täglich containerweise abgefülltes Wasser nach China. Jeder akzeptiert, dass das Wasser nunmal Nestle gehört, die haben ja das Land gekauft.

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