Follow by Email

Mittwoch, 13. November 2013

Der ganz normale Wahnsinn

Abteilung: Eine Kafkaeske, die sich Realität nennt

Wir werden unseren Lebtag darauf konditioniert, was normal und was nicht normal ist. Die Norm, das ist das, was wir alltäglich sehen, hören, lesen, ja sogar schmecken (man mag dafür die Liste der Lebensmittel auf ihre Inhaltsstoffe prüfen).
Aber ist dies denn auch 'normal' im Sinne der Vernunft und des eigenen reflektierten Verstandes?

Wer die gelebte Norm kritisiert, der ist ein Spinner, ein Naiver, ein Gutmensch und Salon-Linker. Naiv sowieso, da die Sachzwänge nicht begriffen werden, die uns doch tagtäglich vermittelt werden.

Es ist auch normal, dass man im Alltagsleben kaum ein Sichtfeld hat (außer man geht in die Natur, was sowieso total out ist - womöglich leidet der Handy-Emfpang darunter) welches nicht von Werbung korrumpiert und perforiert ist. Der urbane öffentliche Raum ist eine Pin-Wand von Werbebotschaften des Konsumwahns.
Wir bekommen permanent oktroyiert, was wir wollen sollen.
Was wir anzustreben haben.
Wir werden täglich darauf zugerichtet nicht unser eigenes, individuelles Glück zu suchen, sondern funktionierender Teil eines Wirtschaftswachstums zu sein, welches anderen dient.

Stichwort Lifestyle:
In einer ansonsten beschissenen Welt, in der unästhetisch und unbemerkt täglich Menschen aufgrund ihrer Irrelevanz - sprich Armut sterben.

Ein alltägliches Beispiel:
Gestern war im staatlichen und zwangsfinanziertem Morgenmagazin Thomas Rath zu Gast. Unreflektiert wurde er vom Moderator (schick mit Sakko, inkl. Lederapplikationen) als Godfather des guten Geschmacks präsentiert.
Während meines morgendlichen Kaffees bekam ich einen Gecken präsentiert, ausstaffiert, wie jemand, der die alten Sachen von Elton John aufträgt.
Sicher, über Geschmack mag man sich streiten. Muss man nicht, kann man aber.
Aber dieser zog dann in einem Einspieler in eine Fußgängerpassage und sagte, was optisch geht - und was nicht.
Vermisst habe ich in der ganzen Chose eine relativierende Bemerkung des öffentlichen Fernsehens. Der Moderator war lediglich Stichwortgeber dafür, was Man(n) zu tragen hat, was Mode ist. Maniküre und Pediküre inklusive. Man(n) ist gepflegt, modisch und auf der Zeit.

Schlimm genug, dass Frauen dem Modediktat hinterhereilen - jetzt muss auch der Mann ran. Denn der gepflegte, modebewusste (kurz: moderne) Mann birgt auch Absatzpotential an Textilien und Kosmetika. Neue Märkte wollen erschlossen werden.

Mir persönlich würde es am eigenen Knackarsch vorbeigehen, wenn irgend ein selbsternannter Modezar mir seinen, mir nicht zugänglichen Geschmack, aufdrücken wollte. Mir erzählen wollte, was 'in' und 'out' ist.

Eigener Geschmack ist 'das neue Schwarz'!

Der wirkliche 'Lifestyle' ist der eigene Ausdruck, wie Ihr Euer Leben lebt! Jenseits irgendwelcher (gar medial vorgegebener) Konventionen!

Das hat nicht mit den Sachen zu tun, die ihr tragt, hat nichts damit zu tun, welchen Duft ihr habt und welchen Joghurt Ihr esst.

Lasst Euch Eure Meinung nicht von irgendwelchen Konzernen korrumpieren!
Drückt Euch nicht über irgendwelche hippen Marken aus - sondern über Eure Haltung!

Betrachtet Werbung (aber auch öffentlich-rechtliche Sendungen - siehe Beispiel) als Gehirnwäsche, Eure Wünsche und Sehnsüchte kommerziell auszubeuten!

Auch wenn es permanent auf Euch einrauscht:
Das Glück liegt im Blick, im Händedruck und im Kuss. Im speziellen Moment.

Dafür braucht es nicht, die Tipps eines selbsternannten Geschmacksdiktartors, keinen speziellen Rassierwassers, keiner neu patentierten Rasierklinge und keines Shampoos.

Das Glück, was wir alle anstreben, lässt sich nicht erkaufen!

Wir werden täglich verführt, dies zu glauben. Dies aber dient ausschließlich dem Kommerz.

Wahre Gefühle sind nicht abhängig davon, welches Produkt man benutzt, oder besitzt..

(...)

Und, um auf die Meta-Ebene hinaufzuschwingen:

Die CDU steht nicht für Sicherheit, und die große Koalition auch nicht.
Beide werden unten nehmen und oben geben.
Aber das ist ein anderes Thema.

Vielleicht ist es das eigentliche Thema...

Vielleicht ist beides, kommerzielle Werbung und Parteigebahren, der manipulative Missbrauch an Sehnsüchten und Wünschen...

Kommentare:

  1. Erich Fromm hat es schon vor Jahrzehnten ganz einfach ausgedrückt. Haben oder SEIN.

    AntwortenLöschen
  2. Leicht runterzubrechen:

    Kleider machen Leute.
    Leute machen Kleider.
    Leute machen Leute.
    Fremdbestimmung und Konformitätszwang.

    AntwortenLöschen
  3. ich möchte sogar so weit gehen zu sagen: erst, wenn webung radikal und komplett verboten wird, können wir wieder zu einer lebenswerten gesellschaft zurückkehren.
    geiz, gier, neid, hass ... alles dinge, die durch die werbung mindestens verfielfacht, wenn nicht gar erst geschaffen werden.

    die werbung ist das haupt-brainwash-instrument des neoliberalismus. sie ist omnipräsent, wirkt unterbewusst und eignet sich, jede beliebige botschaft unters volk zu bringen.

    lg
    don

    AntwortenLöschen
  4. Ohne Werbung kann aber Privatfernsehen nicht finanziert werden und uns bliebe nur noch staatliches Fernsehen. Das Groteske aktuell ist ja, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen eigentlich als einzige regierungskritische Töne anschlagen und qualitativ weit bessere Produktionen liefern als die Privatsender. Trotzdem würde ich nicht wollen, dass der Staat ein Medienmonopol hat. Dann am besten noch das "Deutsche Netz" der Telekom, das uns nach außen "schützt", aber sicher auch gut zur Filterung von Inhalten genutzt werden kann. Dann können wir auch gleich wieder den Volksempfänger ins Wohnzimmer stellen und die Wochenschau gucken. Es muss immer freie Alternativen geben. Momentan sind diese alle für die Füß und betreiben eher Volksverdummung als -aufklärung, aber es gibt sie zumindest. Die müssen nunmal finanziert werden. Gleiches gilt natürlich auch für alle Printmedien. Wenn wir Werbung verbieten, überleben Publikationen wie die Bild, die weiterhin von Lobbyisten gesponsort werden dürfte. Der Rest hätte es schwer, weil nur durch Verkaufszahlen nicht genug eingenommen werden kann. Niemand will 7 oder 8 Euro für seine Zeitung ausgeben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. das Fernsehen selber ist doch zur reinen werbe/ propagandaveranstaltung verkommen.

      Löschen
    2. Ich finde per se Werbung (da folge ich Don) erstmal schlecht, kann aber auch Deiner Argumentationslinie folgen.

      Werbung ist für mich abzulehnen, weil sie ja nun mal unbestritten manipulativen Charakter hat. Niemand würde die immensen Kosten der Werbung in Kauf nehmen, wenn es sich denn letztendlich nicht rechnen ließe. Und Werbung funktioniert nicht wirklich mit rationalen Argumenten, sondern mit Suggestion. Es geht bei Werbung nicht um die argumentative Begründung der faktischen Qualitätsunterschiede zur Konkurrenz, nein, es geht um Livestyle. Das Gefühl des hipp seins und des dazu gehörens wird angesprochen. Cooles Deo, cooles Auto und die Slip-Einlage für die moderne, selbstbestimmte Frau.
      Gerade die Leere der eigenen Existenz ist ein fruchtbarer Acker für Werbebotschaften.
      Spießer und Bürojob? Mit dem richtigen Deo wird man rebellischen Outsider, usw., ohne seine Existenskonstruktion überdenken zu müssen - gar, die Konsequenzen zu ziehen.

      Es gibt staatlich (und zwangsfinanziertes) Fernsehen. Obwohl die Privaten (Fernsehsender) wirklich nicht die Aura haben, progressiv und gesellschaftskritisch zu sein, erfüllen sie eine Funktion - wenn auch nur die der Abschreckung.
      Das kritisch reflektierende Bewusstsein ist aber in der Bevölkerung noch nicht angekommen. Durch die Propaganda, dass Alg II-Empfänger, Täter und nicht Opfer sind, wird dieses System aufrecht erhalten.
      Damals keine Solidarität mit Juden, heute keine Solidarität mit den Auswurf dieses menschen-verachtenden Systems.
      Wir feiern Gedenktage, loben uns staatsbürgerlich der Erkenntnis, den Faschismus überwunden zu haben. Gleichzeitig haben wir kein Problem damit, dass ALG II-Empfänger immer mehr durch das Grundgesetz garantierte Menschenrechte zu verlieren.

      Es fehlt, damals wie heute, an der Solidarität mit den Verfolgten.
      Solidarität, zu denen, denen man sich nicht angehörig fühlt.

      Wir sind immer noch ein Volk der nach-unten-tretern.

      Wir haben nichts gelernt, und wollen das auch nicht.
      Egal, ob öffentlich-rechtliches Fernsehen oder private Sendeanstalten:
      Der Faschismus des Reichtums wird nicht aufgearbeitet und nicht gesehen. Die Feinde sind die Armen und Hilfsbedürftigen. Die Opfer sind die armen Millionäre und Milliardäre, die zu viele Steuern zahlen müssen.

      Hoffentlich sind die, die auf Kosten anderer leben wenigstens gut gekleidet. Wenn schon keine Kritik aufgrund ihrer Verfehlungen im moralisch/ethischen Sinne greifen.
      Thomas Rath schaut nicht hinter, sondern vor die Fassade. Harmoniert die blütenweiße Weste zur weiß-blauen Krawatte?

      Ist eh scheißegal, Hoeneß ist nur ein Millionär und kein Milliardär. Fußvolk im kapitalistischen Gefüge.

      Was rege ich mich eigentlich auf?

      Löschen
    3. Hi Dude, Zustimmung. Nur ein kleines Beispiel, falls du erlaubst. Bitte achtet vor allem auf die ersten vier Kommentare: http://www.br.de/nachrichten/hartz-internet-kontrolle-100.html

      Löschen
  5. Wir leben im Schein und nicht im Sein.
    Solange wir das nicht realisieren, wird sich nichts ändern.

    Beste Grüße
    onlyme

    AntwortenLöschen
  6. bis weit in die 80er gab es nur den öffentlich-rechtlichen rundfunk. ich habe nicht den eindruck, dass wir jetzt deutlich besser informiert wären. eher im gegenteil.
    die werbung als instrument für die Springers, Mohns und Burdas ihre neoliberalen grundsätze ganz subtil in die köpfe der menschen zu meißeln.
    eine welt ohne werbung, wäre höchstwahrscheinlich auch eine welt ohne globale multis, ohne naturidentische aromastoffe und ohne pferdefleich-lasagne zum dauertiefstpreis.
    dafür wäre es eine welt des handwerks, der regionalen produktion und der mund-zu-mund-propaganda.
    kurz: das verbot der werbung käme einer revolution gleich. ergo wird es niemals kommen.

    lg
    don

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.