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Donnerstag, 21. November 2013

Dieter Hildebrandt has left the building

Abteilung: Die Besten sterben jung

Es ist heuer für einen Blogger fast eine Pflichtübung einen Nachruf für Dieter Hildebrandt zu verfassen. Nicht, dass es mir an Motivation fehlte - ich fühle mich schlicht überfordert, angemessene Worte zu seinem Ableben zu formulieren - und dabei Plattitüden zu vermeiden.

Die Nachricht seines Todes erwischte mich wie ein Eselhuf in die Magengrube.
Da starb kein 86-jähriger, kein Greis, sondern jemand, der voller Energie war, der immer noch viel zu sagen hatte - und dem dies auch, bis kurz vor seinem Tod, in unnachahmlicher Weise gelang.

Da starb kein alter Mensch; da starb ein junger und aktiver Geist. Vor allem ein kritische Geist, der die Perversionen seiner Umgebung benannte. Sein Schwert war das Wort und er vermochte es trefflich zu führen.
Es war kein herzliches Lachen, welches er einem entriss, sondern oft ein Lachen über traurige und unmenschliche Zu- und Umstände. Man lachte mit ihm, und diese Lachen machte einen stets ein wenig weiser und kritisch hinterfragender. Manchmal lachte man sich förmlich die Wut herbei.

Hildebrandt war der Godfather des deutschen politischen Kabaretts. Undenkbar, wo das politische Kabarett ohne ihn wäre. Ohne die Inspiration, seinem konventionen-sprengenden Mut, den er vorgelebt hat.

Nun, da er sich nicht mehr spitzzüngig wehren kann, wird er neben Menschen, denen man dies ohne Sodbrennen abnehmen kann, auch u.a. von Marionetten wie Gauck, Seehofer, Gabriel und Westerwelle posthum gelobhuddelt.
Die Replik gegen jene Nachrufer, deren Menschen- und Weltbild ihm zu seinem Schaffen antrieb, werden wir leider nicht mehr zu hören kriegen.
Eine schöne Vorstellung ist es allemal...

Ich hoffe, dass das von ihm mit-initiierte Projekt des Störsenders seinen Geist weiterlebt / überlebt. Denn wir brauchen jede Form von Gegenkultur.

Wir brauchen eine Kultur der Reflexion und des kritischen Hinterfragens bestehender und immer inhumaner und absurder werdenden Zustände.

Dies ist wohl das Erbe, was diese herausragende Persönlichkeit uns hinterlässt.

Nun werden wir, ohne Deinen in's Fleisch der Deutungshoheit getriebenen Stachel, auskommen müssen.
Ich hoffe, dass Deine Saat auch posthum noch Früchte tragen wird.

Wir bräuchten Dich - auch in zehn Jahren noch.
Aber irgendwann holt jeden der Schnitter.

Du aber hast Deine Fußabdrücke in unser Bewusstsein hinterlassen.

In größter Hochachtung und Respekt nehme ich von Dir Abschied.

Schöner Text zu dem Thema

und hier

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