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Freitag, 24. Januar 2014

Petitionen und Petitessen

Abteilung: Lanz ist es nicht ganz

Eins vorweg: Auch ich habe die Petition zur Absetzung von Lanz gegen-gezeichnet. Hat gut getan und mich auch kurzfristig befriedigt.

Sein Gebaren im Dialog (sic!) mit Sahra Wagenknecht war wirklich unsäglich.
Ob ich mit dieser Einschätzung richtig liege oder nicht, soll hier nicht diskutiert werden. Hierzu gibt es genügend Möglichkeiten auf anderen Seiten...

Der Erfolg dieser Petition, liegt meiner Ansicht nach, im dynamischen Miteinander von Emotionen. Deren Reflektion in Foren und Medien - die wiederum auf die Emotionen vieler, vieler Menschen zurückwirken und diese durch Verlinkung auch quantitativ potenzieren. Was wiederum Medien und Blogs beflügelt, dieses dadurch gesteigerte Interesse aufzufangen, um Auflagen und Klickzahlen zu steigern. Was wiederum, ... usw.

Interessant an der Causa Lanz ist aber noch mehr, dass in der Kritik gegen seiner Person, und dieser speziellen Sendung, immer mehr die Zwangsfinanzierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (örF) angeführt wird.
Er (Lanz) steht als ein Symbol für mangelnde Qualität (und der mangelnden Abgrenzung zum kommerziellen Fernsehen) des örF - und zu mehr scheint er auch nicht zu taugen. Geschenkt!

Sicherlich mag es auch Petitionen gegeben haben, die gegen eine Zwangsfinanzierung des örF angingen. Sicherlich auch ebenso berechtigte Petitionen, die sich gegen die Eintreibung der Kirchensteuer durch unseren 'säkularen' Staat aussprachen. Petitionen gegen das Freihandelsabkommen mit den USA, welches Marktliberalisierung und den Abbau sozialer Standards fortschreibt.
Unzählige weitere Petitionen könnte man hier anführen, die weitaus essentieller wären als der Rauswurf von Lanz.
Resonanz in den Medien? Gleich Null.

Vielleicht beerbt dieser Lanz irgendwann den Seibert als Regierungssprecher (geeignet wäre er). Auch das sei geschenkt.

Letztendlich sollten wir unsere Energie nicht darauf richten, WER uns im örF und/oder Regierungsauftrag manipuliert, belügt und betrügt.
Diese, nämlich, können beliebig ausgetauscht werden.
Ein anderes Gesicht - der selbe Inhalt.

Zielgerichteter wäre vielmehr ein Aufschrei gegen die Strippenzieher, als der gegen deren Marionetten und Sprechpuppen.

Zu hoffen, das örF würde ohne Lanz mehr seinem Auftrag entgegen kommen, halte ich für hochgradig naiv.

Die Motivation der Maren Müller kann ich aber sehr gut verstehen - ich war ebenso sauer wie sie, als ich die Sendung (später - per Link) gesehen habe.

Weitergedacht könnte man aber auch Seibert (ehemaliger 'Journalist') anfeinden, weil er uns fast täglich - als Regierungssprecher - mit Scheiße füttert, die das Volk weiterhin an Merkel als Heilsbringerin glauben lassen soll.
Dem, der der nackten Kaiserin verbal ein gefälliges Gewand andichtet.

Vielleicht sollte ich eine Petition zur Absetzung von Seibert verfassen (in der Hoffnung, dass sich unsere Regierung dadurch verbessert)?


UPDATE (25.01.2014)
Lesetipp: Bislang der beste Text, den ich zu diesem Thema gelesen habe (Georg Diez im SPIEGEL)

Kommentare:

  1. An solch einer Runde wuerde ich nur mit einer leicht suizitaer masochistischen Neigung teilnehmen. Ebensolch einer Veranlagung bedarf es wohl auch, sich diese intensionierte Verbloedung staendiger Realitaetsabwesenheit reinzuziehen.
    Das erinnert mich ein wenig an Dawkins, der sich ausgerechnet und natuerlich vollkommen unnuetzerweise bei/mit Bill O'Reilly anlegte und nachdem er es schon zuvor besser haette wissen sollen, sich den Mist dann noch ein 2tes Mal gab.
    Dafuer kann ich kein Verstaendniss aufbringen.
    Andererseits bewundere ich Wagenknecht. Die haelt was aus, sei es auch noch so schebigprimitivst unter der Guertellinie.

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  2. Wenn Lanz ein Journalist ist, ist ein Friseur ein Hirnforscher.

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  3. Der Journalist ist das Joerges und waere der auch nur halb so bloed wie an seinem Blubbern gemessen, waere ein Friseur auch ihmbezueglich ein Hirnforscher.
    Um Fakten etc. ging es aber so gar nicht, sondern nur darum Wagenknecht platt zu machen.
    Um die lausige Primitivitaet dessen noch zu toppen, fehlten nur noch Handgreiflichkeiten.

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  4. Beide sind nur Avatare des Zeitgeistes und der political correctness. Letztendlich war es nur eine Talk-Show und Lanz ist nur eine weitere Handpuppe, die (arg intellektuell limitiert) Leitplanken des Denkens setzen will.

    Wer Sozialabbau innerhalb der südeuropäischen Pheriperie nicht gutheißen will ist europafeindlich - so die plumpe Message, die wir schlucken sollen. Sozialstaatlichkeit ist altmodisch - Wirtschaftskonkurrenz (auch innerhalb der EU) das Gebot der Stunde.

    Diez nennt das 'aggressiven Konformismus' -> Lesetipp
    Die Welt und auch die mediale Landschaft würde wohl nicht besser ohne Lanz und Joerges. Aspiranten, die deren Rolle für Kohle übernehmen wollen gibt es reichlich.
    Übrigens: Die Rabulistik lehrt: Hat dein Gegenüber die besseren Argumente, so lasse ihn nicht zu Wort kommen und versuche ihn auf Dein Niveau herunterzuziehen.
    In so fern alles Lehrbuchmäßig. Funktioniert aber nicht immer, wie Wagenknecht bewiesen hat.

    Abschließend noch einmal ein Verweis zu meinem Lesetipp. Ein herausragender Kommentar, den man im SPIEGEL gar nicht vermuten würde...
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/das-undemokratische-zdf-markus-lanz-und-sahra-wagenknecht-a-945361.html

    Grüße
    Duderich

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  5. Hi Dude,

    Es hat aber wirklich lange gebraucht, bis einer diese, wie will man es nennen, diese "Überheblichkeit" der Presse durchbrochen hat.

    @Anonym25. Januar 2014 09:05 :-)), so isses. Es wurde nichts ausgelassen, um Lanz den Rücken zu stärken.

    Gruß Hades

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  6. Katzenbilder! Das Internet und sein Emotionsgelage erklärt sich von selbst, wenn man die vielen Katzenbilder sieht.

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  7. http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-zeit-erinnert-anti-lanz-petition-an-anti-juden-kampagne-der-nazis/

    "Anti-Lanz-Petition erinnert die »Zeit« an Anti-Juden-Kampagne der Nazis

    Immerhin ist nun der Tiefpunkt der Debatte erreicht. Gesetzt hat ihn ein Mann namens Josef Joffe, und in jeder Kommentardiskussion im Internet hätte er sich dadurch disqualifiziert, dass er die Nazi-Karte gezogen hat. ....
    Blöd nur, dass das Caveman-Projekt eine Satire war, eine »einzigartige Medienhacking Aktion«, wie es die Verantwortlichen inzwischen selbst nennen. Anfang April 2013 haben sie das zugegeben. ....

    Josef Joffe glaubt den Unsinn heute noch und verweist in seiner aktuellen Kolumne sogar auf den Artikel von damals. Er zitiert daraus das Urteil seines Kollegen Peter Kümmel: »Eigentlich handelt es sich beim Shitstorm um eine Steinigungs– und Verwünschungskultur.« Und hatte wohl das Gefühl, noch einen draufsetzen zu müssen. Und so setzte er noch einen drauf:

    " In analogen Zeiten hieß es: »Kauft nicht beim Juden!« Heute ist die Verwünschungskultur digital."

    Mir fällt zu diesem Vergleich nichts mehr ein. "

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  8. Guten Abend Duderich !

    Wo treibst Du Dich rum ? Darfst gerne mal wieder was von Dir absondern !
    Gruss Troptard

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