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Montag, 17. März 2014

Eine Staatsanwaltschaft, die enttäuscht

Abteilung: Feiste Ärsche und feine Roben
Oder: Eine 'ziemlich größere Sache'

Es geht mir hier - wie der Titel wohl andeuten mag, nicht vordergründig um Hoeneß.
Aber das muss ich doch mal dazu loswerden:

Es ist doch wirklich total lächerlich, eigentlich völlig absurd, Hoeneß zu einem Helden zu stilisieren, weil er einen richterlichen Spruch akzeptiert! Das ist normalerweise Standard, aber dass die Lichtgestalt Hoeneß, aber wirklich selbst(!), bereit ist für seine Verfehlungen einzusitzen, gilt ja mittlerweile schon fast als Bundesverdienstkreuz-würdig!
Auch Merkel (immerhin unsere Kanzlerin) ist sich nicht zu schade, einem überführten Steuerbetrüger ihren 'Respekt' zu zollen. Weil er seine Strafe akzeptiert..?

"Die Bundeskanzlerin hat Respekt vor der Entscheidung, die Herr Hoeneß heute in seiner persönlichen Erklärung ausgedrückt hat", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. 
(Quelle: SPIEGEL online)

Eine ähnliche Solidarisierung unseres Staatsoberhauptes mit den Unterprivilegierten, mit den Abgehängten dieses Systems, würde man sich dann doch einmal (in einer Illusion gelebter Demokratie) wünschen!

Es wäre eines eigenen Textes würdig, warum Hoeneß auf eine Revision verzichtet.
Gelebte Reue wird für diese Entscheidung sicherlich nicht das leitende Motiv gewesen sein.

Der Verzicht auf die Revision war strategisch eigentlich zwingend - wenn man wie ich (als Verschwörungstheoretiker - und Gutmensch) davon ausgeht, dass sich noch viel mehr hinter dieser Geschichte verbirgt. Möglicherweise andere illegale Geschäfte namhafter Persönlichkeiten, die im Rahmen erweiterter Ermittlungsarbeiten in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden könnten...

Das Gerichtsverfahren fühlte sich an, wie durchgewunken.

Die hinterzogenen Millionenbeträge überschlugen sich, 70.000(!)-seitige Dokumente wurden lange nach Fristsetzung und kurz vor Gerichtsverfahren der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt.
Wie lange dauerte das Gerichtsverfahren noch mal?

Es geht mir hier nicht um Hoeneß. Wenn dem mal für ein paar Monate jemand sagt, wann er seinen Kaffee trinken darf, dann bin ich schon zu frieden.

Aber:
Sehe ich das falsch, dass es ein öffentliches Interesse zur Weiterverfolgung dieser Spekulationsgeschäfte über die Schweiz (insbesondere im Umfeld von Hoeneß) gibt?

"Wie schaffte es Hoeneß, bis zu 30 Börsentransaktionen täglich abzuwickeln? Reichte dazu ein Pager oder hätte er nicht eher tagtäglich vor mindestens zwei Monitoren sitzen müssen, um den Überblick über Kurs- und Chartverläufe, Transaktionen und Hebelprodukte zum Devisenhandel bewahren zu können? Wie passt das zu einem Uli Hoeneß, der stets damit kokettierte, keinen Computer im Büro stehen zu haben und nichts anfangen zu können mit moderner Technik?

Wurden wirklich alle Hoeneß-Konten in der Schweiz durchforstet, denn er soll nicht nur bei Vontobel Kunde gewesen sein, sondern möglicherweise auch bei der Graubündner Kantonalbank? Was hat er im Mai vergangenen Jahres eine Stunde lang in einer Filiale dieser Bank gemacht? Wieso klagte der Staatsanwalt nur 3,5 Millionen Euro hinterzogene Steuern an und nicht jene 28,5 Millionen, die dann im Prozessverlauf genannt wurden? Hing das mit den verspätet eingereichten Dokumenten der Hoeneß-Seite zusammen oder gab es doch so etwas wie einen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und dem Angeklagten?"

Wäre es dann, möge die Staatsanwaltschaft meine Einschätzung teilen, nicht ihre Aufgabe gewesen, in Revision zu gehen?

Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier eine 'ziemlich größere Sache' unter den Teppich gekehrt werden soll...

Übrigens: Die Staatsanwaltschaft ist weisungsgebunden...

Alles in Allem:
Zumindest für mich ein weiterer Verlust in dem Glauben an die Rechtsstaatlichkeit (insbesondere an deren Unabhängigkeit).

An 'Gerechtigkeit' glaube ich übrigens schon lange nicht mehr...


Euer Verschwörungstheoretiker und Gutmensch
Duderich

Kommentare:

  1. N'abend Dude! Ich würde erstmal abwarten, auch wenn es mal wieder ein Geschmäckle hat - und die StA wohl eine Weisung von Oben bekam, es dabei bewenden zu lassen... Es ging in diesem Prozess aber auch allein um die Straftat Steuerhinterziehung der Person U. Hoeneß - und das Strafmaß. Dass meiner Ansicht nach auch gerne ein paar Jahre höher hätte ausfallen dürfen.

    Das steuerliche Verfahren ist getrennt zu betrachten und auch noch nicht abgeschlossen, da die auch erst im Strafverfahren gewonnenen Erkenntnisse vom Finanzamt berücksichtigt werden müssen (wobei es eigentlich eher umgekehrt ist...) und Hoeneß die "Rechnung" in Form neuer Steuerbescheide bekommt. Die Frage, woher das Geld kam ist ja auch nicht wirklich geklärt. Es wäre durchaus denkbar, dass die Steuerfahndung bzw. Staatsanwaltschaft weiter in andere Richtungen ermittelt. Auch wenn ich mir da (grade angesichts der Vorgänge damals in Hessen oder der Weisungsgebundenen StA) da keine großen Illussionen mache...

    Die Verurteilung von UH selbst ist aber immerhin ein Anzeichen, dass man auch nicht ausnahmslos alles unter den juristischen Teppich kehren kann. Schließlich meinten ja auch sehr viele, dass er am Ende doch wieder mal als unschuldig aus dem Prozess gehen - oder zumindest Bewährung erhalten würde.

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    1. Erstmal Respekt für Deine sachliche Argumentation.
      Ich bin anders gestrickt, aber gerade deshalb ist Deine Argumentationsweise möglicherweise wertvoll.

      Deine letzten Worte aber, fühlen sich doch ein wenig zu versöhnlich an.
      Sollen wir jetzt es echt als Sieg betrachten, dass ein Steuerbetrüger - möge er auch in höchsten Kreisen verkehrt haben - wirklich einsitzen muss?

      'Zumindest Bewährung'?
      Bei zweistelligen Millionenbeträgen hinterzogener Steuerschuld?

      Hallo?

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    2. nicht falsch verstehen... ;) Ist auch nicht "versöhnlich" gemeint. Es wäre aber in einem völlig korrupten Justizsystem ohne weiteres denkbar gewesen, dass er eben völlig straffrei davonkommt - was nicht wenige auch so erwartet haben (er selbst spekulierte ja auf mildernde Umstände wegen "Spielsucht"; dieser arme, kranke Mann...). Es wäre so gesehen auch nicht unbedingt notwendig gewesen, dass die "Wahrheit" (von knapp über 1 Mio zu 3,5 zu 27 Mio hinterzogener Steuern) im Prozess überhaupt ans Tageslicht gekommen ist. Hoeneß war ja schon deshalb angefressen, dass sein Fall überhaupt in die Presse kam (Anzeige wegen Verletzung des Steuergeheimnisses) - ohne die Öffentlichkeit wäre es für alle Beteiligten wesentlich leichter gewesen, die Sache unter den Teppich zu kehren.

      Und ja, in den Zeiten, in denen wir leben ist es eben nicht mehr selbstverständlich, dass einer wie Hoeneß einfährt. Die Frage ist ja doch viel eher, warum es überhaupt so extrem selten prominentere Personen aus der Oberschicht erwischt...?!

      Was mich viel wütender macht ist, dass dieser Mann trotzdem noch von allen Seiten her als "Held" stilisiert wird - grade auch noch von den unterbezahlten Fußballhonks im Stadion "du bist der beste Mann". Die selben Leute, die dann wieder mit Schaum vorm Mund über Hartzer herziehen, welche sich doch gar erdreisten, einen Termin beim Jobcenter oder einer absurden Maßnahme nicht anzutreten...! Man gönnt den Ärmsten nicht das sanktionsfreie Existenzminimum - aber drückt bei zig Mio hinterzogener Steuern mal eben: beide Augen zu!

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    3. @Dennis82
      Habe da wohl was falsch verstanden. Unsere Wahrnehmung und Haltung zu diesem Thema sind weitgehend deckungsgleich.

      Grüße, Dude

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  2. Was ist denn hier eigentlich los, wo sind all die Kommentatoren und Kommentatoren hin, denen Du dich "so nahe" gefühlt hattest?

    Wen interessiert denn heute noch Hoeness - die faschistische Swoboda und der hinterhältige Angriff auf den Fernsehmann ist angesagt!

    Oder wie wär's mit dem Thema "Linke fackeln in Deutschland ein Auto eines Journalisten ab"?
    https://linksunten.indymedia.org/es/node/108776

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    1. Verbreite Deinen Unsinn auf Deiner Seite.
      Hier will ihn keiner lesen.

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    2. Was zu kritisieren wäre, ist das Bedürfnis, die Gerechtigkeitsfrage zu stellen, also nach einem Rechtfertigungsgrund zu suchen, anstatt die Frage zu stellen: Warum ist das so und darauf eine Antwort zu finden, Punkt!

      Das ist auch nicht das Anliegen von einem Herrn Karl!

      Dem Herrn Karl fehlt die Fähigkeit überhaupt Fragen zu stellen, die über das Vorhandene hinausgehen und darauf eine schlüssige Antwort zu finden. Und weil er diese Fähigkeit nicht besitzt, empfindet er es als Anmassung, wenn er diese bei anderen ausmacht.

      Ihm selbst ist wohl noch nicht einmal aufgefallen, dass er seinen Hintern nur dorthin setzen mag, , wo es so schön warm ist.

      @Duderich
      Unsinn?

      Bewusste Provokation in dem Versuch, Rechte und Linke gleichzusetzen. Als Ergebnis kommt dann immer heraus: Kapitalismus ist Segen für die Menschheit, Unsinn zu wagen das anders zu denken, zu prüfen und darauf eine eigene Antwort zu finden.


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    3. Hallo @Troptard:

      Will mich hier gar nicht groß mit dem Phänomen 'dHK' auseinandersetzen. Je mehr Aufmerksamkeit er bekommt, desto mehr Stärke bezieht der Troll daraus.

      Nur noch soviel, von wegen 'Unsinn'. Er ist spalterisch und im schlechtestem Sinne konservativ. Wenn man ihn aber nicht ernst nimmt (was er nicht verdient), dann bleibt nur noch 'Unsinn' übrig, den er auf seiner Seite im ewigen Monolog mit sich ausscheidet.

      So wie ich dHK kenne verfolgte er mit dem Kommentar zwei Ziele:
      1.) Aufmerksamkeit zu erregen
      2.) Zu spalten

      Das erste Ziel hat er - im kleinen Rahmen - erreicht.
      An letzterem beißt er sich auf seiner Seite ziemlich grandios die Zähne aus.

      Liebe Grüße
      Dude

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    4. @Duderich
      Ein "Phänomen" bin ich nicht. Ich versuche nur objektiv zu sein und zu differenzieren. Alleine das reicht anscheinend schon, um Empörung und Wehklagen auszulösen.
      Ich habe darauf aufmerksam gemacht, dass nicht nur Rechtsaussen gegen Journalisten Gewalt anwenden, sondern auch Linksaussen. Das scheint aber niemand in linken Blogs zu interessieren. Anstatt auf das Abfackeln eines Autos eines (zugegeben umstrittenen) Journalisten einzugehen, arbeitest Du Dich wieder einmal an meinem "spalterischen Wirken" ab.

      Es hat sich hier diesbezüglich nichts geändert. Aber wo sind all die Kommentatoren hin...?

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    5. Objektiv, .. differenzieren ?
      Deine Art objektive Differenzierung kommt mit Sicherheit in rechtskonservativen bis radikalbrauenlichen Kreisen so richtig gut an.
      Dein dringlicher Vergleich, den du beim Einstieg als auch weiterhin forderst, bestaetigt deine Absicht als auch deine Basis aus gewohnt rechtslastig, einseitigem Linkenbaeshn um jeden beschissenen Preis.
      Ein armseeliger Troll, der staendigst seine politische Heimat verleugnet.

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    6. Hey Karlchen
      Welche Kommentatoren meinst Du denn, Du Differenz und Objekt?
      Und - ganz unter uns - Blähungen lösen selten bis nie Wehklagen und Empörung aus. Eher Übelkeit und das nicht nur auf »linken Blogs«.
      Übrigens: Ich hätte zur Abwechslung auch mal eine Frage an Dich! Täuscht mich mein Eindruck oder hat Deine Klebstoffschnüffelei Dein Gehirn endgültig in graue Pampe verwandelt? Die Qualität Deiner zusammengestohlenen Beiträge auf Deinem Blog legt es nahe. Also mal ehrlich: Merkst Du das auch oder merkst Du gar nichts mehr?

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    7. Moin Duderich
      Sehe ich nicht so. Daß die Kanzlerin ausnahmsweise einmal den Mund aufmacht – dafür kann das Gericht nun wahrlich nichts (wer konnte damit rechnen?)
      Daß Hoeneß auf eine Revision verzichtet: Auch das hat mit unserem Rechtssystem nichts zu tun. Es ist sein Recht und bedeutet erst einmal gar nichts, wenn er es wahrnimmt.
      Wie durchgewunken kann man so oder so interpretieren. In meiner Wahrnehmung stand die Verteidigung auf dermaßen schwachen Füßen, daß sich der Prozeß mit den paar mageren Einwänden nur schwer in die Länge ziehen ließ. Staatsanwaltschaft und allem voran die Steuerfahndung hatten so erdrückendes Beweismaterial, daß sich die gefühlte Länge des Prozesses durchaus schlüssig erklärt.

      Die Frage, warum die Beweisaufnahme so lange dauerte, welcher Informant (und einen solchen hat es wohl gegeben) im Prozeß keine Rolle spielte – will sagen als Zeuge auftrat – oder wie Hoeneß allein den »Arbeitsaufwand« bewältigte... das ist eine andere Geschichte. Geht es aber um die Rolle der Justiz, so muß man zähneknirschend eingestehen, daß es schlicht nicht ihre Aufgabe war, das festzustellen. Es gab eine klar umrissene Anklage, einen regelkonformen Prozeß und eine Verurteilung. Das Strafmaß bewegte sich im gesetzlichen Rahmen, ohne das es einen erkennbaren Promi-Bonus gab. Wo ist das Problem? Wie Dennis82 ja bereits in seinem ersten Beitrag sagte: Die Steuerfahndung ist noch lange nicht fertig mit der Nummer.

      Es kann nicht Sache des Richters oder der Staatsanwaltschaft sein, dem Gefühl einer »ziemlich großen Sache« nachzugehen. Das ist nicht Rechtsprechung sondern Willkürjustiz. Ich möchte nicht vor einem Richter stehen, der mich zur offiziellen Anklageschrift zusätzlich zu irgend etwas verdonnert, das ihm sein »Gefühl« diktiert.
      Und nebenbei - Was soll denn dieser Unsinn mit »Höchststrafe Lebenslänglich für Steuerhinterziehung«? Ganz im Ernst: Den Glauben an die Gerechtigkeit verlieren, aber so einen Nonsens fabrizieren. Das, lieber Duderich, widerspricht meinen Verständnis von Gerechtigkeit fundamental.

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    8. @Pantoufle
      Du stellst mir hier drei Fragen, obwohl Du beim Doctor folgenden Kommentar gepostet hattest:

      "Wie kann mann mit diesem Abschaum Karl nur ein Wort wechseln?"
      http://schumt3.blogspot.ch/2014/03/zwei-stimmen-der-vernunft-in-gegen-die.html?showComment=1395607024341

      Als Neandertaler, Fascho und Abschaum fühle mich unwürdig, Deine drei Fragen zu beantworten.
      Bezüglich Deiner russischen Grippe wünsche ich trotzdem baldige Genesung...

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    9. @DHK
      Fasse Dich kurz: Also nicht.

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    10. @dHK: Mal wieder alles 100% off Toppic. Wenn Du Dich hier über das Thema(!) austauschen willst - bitte sehr. Ansonsten verbreite Deinen Schmus auf Deiner Seite. Zum Rangeln mit Pantoufle ist dort sicher auch genug Platz.

      Werde in Zukunft alle Kommentare von Dir, die nichts mit dem Thema zu tun haben löschen. Das kannst Du dann gerne Zensur nennen.

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    11. @Pantoufle:
      Antwort folgt in Kürze

      Grüße, Dude

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    12. @Pantoufle:
      Soviel vorab:
      " »Höchststrafe Lebenslänglich für Steuerhinterziehung«? "
      Wo steht das in meinem Text.
      Eine Auswahlantwort in meiner Umfrage lautet:
      'Höchststrafe für Steuerhinterziehung: 10 Jahre(!)
      Dies ist nach meinem Kenntnisstand die tatsächliche Höchststrafe.
      Übrigens: Selbstverständlich gegeben die Auswahlantworten nicht meine Meinung wieder, sondern sollen das Spektrum verschiedener Meinungen abbilden

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  3. Hallo Duderich!

    Ich halte Deine Abfragen insofern für fragwürdig, weil Du es zunächst mal bist, der so eine Bewertungsskala aufstellt und Dich damit nicht ohne weiteres auf einen Freispruch berufen kannst, dass diese nicht Deiner Meinung enspricht.

    Du bist es, der die Messlatten selber vorgibt und daraus ergeben sich auch zwangsläufig die Antworten.

    Ich halte das auch für eine zweifelhafte Sache: " Kopf a... Lebenslänglich!"

    Du musst das für Dich letztendlich selbst entscheiden.
    Ich glaube nur, dass Du Dir selbst damit keinen Gefallen erweist und damit auch einige Deiner Leser verschreckst.

    Gruss Troptard. Denk mal drüber nach, bitte!

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    1. Hallo Troptard!

      Zuerst einmal danke für Deine kritische Reflexion, wenn ich sie auch nicht teilen kann:

      "Ich halte Deine Abfragen insofern für fragwürdig, weil Du es zunächst mal bist, der so eine Bewertungsskala aufstellt und Dich damit nicht ohne weiteres auf einen Freispruch berufen kannst, dass diese nicht Deiner Meinung enspricht."

      Die Bewertungsskala - wie Du sie nennst - soll lediglich die gesamte Bandbreite der Meinungen zum Strafmaß für Hoeneß abdecken. Am oberen und unterem Ende sind jeweils die Extreme gegenpoliger Haltungen/Meinungen aufgeführt. Beide Haltungen sind gefährlich - auf unterschiedliche Art.
      Aber welche Auswahlantwort soll denn meiner Meinung entsprechen? 'Kopf a... Lebenslänglich!"?
      Warum denn nicht 'Olee! OleeOlee! Der Uli is a Pfundskerl!'?

      Mal meinen aktuellen Text gelesen?
      "Es geht mir hier nicht um Hoeneß. Wenn dem mal für ein paar Monate jemand sagt, wann er seinen Kaffee trinken darf, dann bin ich schon zu frieden."

      Hört sich das für Dich wie 'Kopf a... Lebenslänglich!' an???

      Die Scala reicht nicht von 1. 'Meine Meinung'' bis 6 'konträre Meinung', sondern von 1. 'Extrem 1' zu 6. 'Extrem 2'.
      Dazwischen sind zwangsläufig die moderateren Haltungen zu finden...

      Im Übrigen: So bierernst, wie sie von Dir aufgefasst wird ist die Umfrage - und deren Auswahlantworten nicht gemeint.
      Stehe aber nach wie vor zu den Wortlauten von Antwort 1 und Antwort 6 - und denen dazwischen.
      .

      "Du bist es, der die Messlatten selber vorgibt und daraus ergeben sich auch zwangsläufig die Antworten.

      Ich halte das auch für eine zweifelhafte Sache: " Kopf a... Lebenslänglich!"

      Du musst das für Dich letztendlich selbst entscheiden.
      Ich glaube nur, dass Du Dir selbst damit keinen Gefallen erweist und damit auch einige Deiner Leser verschreckst.

      Gruss Troptard. Denk mal drüber nach, bitte!"


      Welche 'Messlatte' gebe ich denn vor? Meinst Du die Auswahlantworten?
      Falls ja, wer soll denn bitte die Antworten zu meinen Umfragen sonst vorgeben???

      Übrigens: Wenn ich Angst hätte Leser zu verschrecken - und diese mein Schreiben beeinflussen würde, dann wäre dieser Blog ein Anderer und damit nicht mehr meine Baustelle...

      P.S.: Diese Worte sollen nicht garstig klingen sondern sind die ehrichen, offenen Worte, zu jemanden den man kennt.

      Liebe Grüße zurück

      Dude

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  4. Was tun in Zeiten von (linker) Stagnation und Regression?

    Guten Abend Duderich!
    Vielleicht sehe ich das auch zu sehr aus meiner eigenen Brille.!?

    Ich habe immer mehr den Eindruck, dass Blogs mit einem linken Anspruch sich kaum mehr als in die Rolle eines Repititors aktueller Nachrichten begeben wollen, ausgestattet mit dem linken kritischen Klageton.

    Der Leser begibt sich auf die Spur, das Thema wird 'ne zeitlang durchgekaut bis es verdaut ist, und dann kommt der nächste Aufhänger aus dem Reich des Schreckens, das Unterhaltungsprogramm für Menschen mit kritischem Anspruch. Erkenntnisgewinn ?

    Natürlich darf es auch mal ein bisschen mehr sein! Da wird die Ohnmacht der Einflussnahme linker Politik gern mal unter den Linken selbst ausgemacht.,z.B. linken Revolutionsträumen nachzuhängen, anstatt sich für eine Erhöhung des Hartz IV-Satzes ins Zeug zu legen.

    Abgesehen davon, dass diese linken Revolutionsträume wohl nur 0,009 % ausmachen, wird nicht weiter nachgefragt woran es wohl sonst liegen könnte und auch nicht nach Antworten gesucht. Hauptsache das Thema ist mal gestellt.

    Andere wiederum finden es als Zumutung, wenn in ihrem Blog zu theoretisch oder abstrakt diskutiert wird, weil doch die "Wirklichkeit" die Antwort auf Fragen schon auf dem Tablett serviert oder empfinden das als Einschränkung der Diskussionskultur.

    Warum schreibe ich Dir das!

    Einerseits, weil ich Dich für eine Person halte, die die Fähigkeit hat, repressions- und vorurteilsfreie Diskussionen ertragen und zulassen zu können. Andereseits vermute ich, dass die Themen, die über das o.g. hinausgehen auch viel mehr Energie mit fraglichem Erfolg beinhalten und, dass Du wohlmöglich mit der linken Diskussionskultur genauso im Unreinen bist, wie ich es bin.

    Ich grüsse Dich, Troptard.




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    1. @Troptard:

      Soll man die Wiese beschreiben, oder den Grashalm?

      Wenn ich den Grashalm beschreibe, verliere ich den Gesamtzusammenhang und wenn ich die Wiese beschreibe übersehe ich das Detail.

      Wenn ich mit den mich umgebenden gesellschaftlichen Zusammenhängen zufrieden wäre, gäbe es diesen Blog nicht.

      Der Motor ist die Unzufriedenheit. Themen, die ich behandle, das sind die Grashalme. Aber ich verweise auch oft auf die Wiese, die diesen speziellen Grashalm wachsen lässt.

      Mit der linken Diskussionskultur bin ich nicht unzufrieden. Unzufrieden bin ich mit dem allgemeinen Desinteresse der Gesellschaft. Und dieses Desinteresse an Politik wird gezüchtet! Immer mehr Informationen stehen uns technisch zur Verfügung und immer mehr steht das eigene Selbst im Vordergrund.
      'Was interessiert mich die Krim? Da bin ich eh nie im Urlaub.'

      Ich schreibe über Themen, über die ich stolpere.
      Diese können selbst banal sein. Letztendlich läuft alles was ich schreibe darauf hinaus, dass hier was gewaltig schief läuft. Nicht nur in Deutschland - überall! An allen Fronten: Ökologisch, ökonomisch, gesellschaftlich. Wir leben in einer Welt, in der die Gesetze des freien Marktes die Entwicklung unserer Gesellschaft dominiert. Und der Mensch ist in diesem Gefüge letztendlich immer mehr gleichzeitig ein Kostenfaktor und eine Humanressource, der möglichst für immer weniger Lohn immer mehr leisten muss. Unsicherheit des Arbeitsplatzes inklusive.

      Nein, diese ist nicht die Welt, die sich die Mehrheit der Bevölkerung wünscht. Diese ist eine Welt, von der wenige profitieren und die meisten darunter leiden.

      Heute gibt es unzählige 'Sonnenkönige' mit unvergleichbar höherem Reichtum.
      Hoeneß mit seinen läppischen dreistelligen Millionenguthaben an Spielgeld ist im Vergleich ein armes Würstchen.

      Der Absolutismus wurde nur vorübergehend mit der französischen Revolution überwunden.

      Der Kapitalismus verhalf ihm letztendlich zu neuer Blüte.

      Grüße zurück!
      Dude

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    2. Hallo Duderich!

      Mein Kommentar, wie wohl immer bei mir im ersten Anlauf nicht ganz verständlich, war nicht gegen Dich und Deinen Blog gerichtet. Er sollte meinem Frust an der linken Blogszene allgemein ein Ventil verschaffen.

      Bin mir inzwischen aber auch unsicher, ob es dafür überhaupt einen Adressaten gibt.

      Ich werde mich dazu noch einmal äussern, damit wenigstens ein wenig davon rüberkommt, was ich eigentlich damit beabsichtigt hatte.

      Heute Abend bin ich dafür zu müde. Und weil das Bett nicht weit von mir entfernt ist, zieht es mich auch noch so magisch an.

      Gruss Troptard.

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    3. @Troptard.
      Ich kenne Dich gut genug, um mich nicht angegriffen zu fühlen. (Grammatikalisch korrekt? Ich bin mir nicht sicher!)

      Ich finde es doch schön, wenn ich Gegenwind kriege!

      Es geht doch nicht um Recht haben!

      Niemand hat die Wahrheit gepachtet.
      Ich nicht.
      Keiner.

      Ich möchte mich einer Wahrheit nähern - im Bewusstsein diese nie zu erreichen.
      Ich möchte ihr einfach so nahe wie möglich kommen.

      Alles was ich schreibe, ist hinterfragbar. Letztendlich bin ich nur EINE Stimme.

      Diese Stimme plaudert. Ich bin nicht meine Texte. Aber teilweise bin ich es doch.

      Es sind Momentaufnahmen von Befindlichkeiten.

      Ich grüße Dich!
      Dude

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    4. Hallo Duderich !

      Worum geht es mir? Schlüssig bestimmen kann ich das nicht! Also wird das nicht mehr sein als ein Versuch.

      Mein Eindruck! In Linken Blogs findet überwiegend nur noch eine Akkumulation von tagespolitischen Ereignissen mit kritischer Begleitmusik statt.

      "Unzufrieden bin ich mit dem allgemeinen Desinteresse der Gesellschaft."

      Damit hast Du mir den Anknüpfungspunkt geliefert, der mir gefehlt hat und der mich beschäftigt. Woraus leitet sich dieses "allgemeine Desinteresse" ab, welche Ursachen kann es haben, wenn es denn ein allgemeines Desinteresse sein sollte und ist dieser Verweis darauf nicht gleichzeitig eine Eigenentlastung.

      Ich habe dazu nur eine vage Idee. Möglicherweise ist dieses Desinteresse dadurch begründet, weil es in unserer Gesellschaft keine gesellschaftlichen Bezugspunkte mehr gibt, keine politischen Ansprechpartner mehr vorhanden sind, die die beschädigten Interessen der Menschen noch aufnehmen und ihnen ein starkes mit gesellschaftsverändernder Potenz ausgestattetes Forum geben.

      Die parlamentarische Linke ist im Gesamtinteresse für die Nation aufgegangen oder versucht sich dort einzubinden.
      Also gebe ich an diesen Verhältnissen der Linken eine grosse Mitschuld und mag nicht auf die Dummheit der Menschen verweisen. Allenfalls sind sie unwissend und diese Unwissenheit haben sie im Elternhaus und in der Schule bereits erlernt.

      Einerseits sehe ich, dass es in der Linken zur Analyse der kapit. Entwicklung brauchbare Ergebnisse gibt, andererseits ist das Versagen in der politischen Praxis nicht zu übersehen.

      Selbstreflexion findet die noch statt? Vielleicht ist es dann nur folgerichtig, dass man wie die Schlange auf Proteste schaut und in diesen allzugern die emanzipatorische Entwicklungen sieht, zu denen man selbst nichts mehr beitragen kann oder will.




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    5. Hallo Troptard!
      Wer ist Schuld am Desinteresse der Bevölkerung an der politischen Partizipation?
      Schuldige sind schnell ausgemacht: Unser Bildungssystem, die etablierten Medien, die einzelnen Individuen selbst - und, ach ja, fast hätte ich es vergessen, die linken Blogger.

      Wobei ich die Relevanz an der Gleichgültigkeit, ja der vollkommenen Interessenlosigkeit nicht in erster Linie auf das Versagen linker Blogger zurückführe.
      Das Individuum ist gefragt! Kants Imperativ sich seines eigenen Verstandes zu benutzen ist für mich das stärkste Momentum.
      In einer Welt des wordwideweb 2.0 kann sich niemand herausreden, dass er keinen Zugang zu oppositionellen Meinungen hätte.
      Ich persönlich finde es dann doch ein wenig zu einfach, die Verantwortung vom Einzelnen zu nehmen. Hat man denn nicht als kritisch hinterfragender Bürger die Möglichkeit sich seine Quellen auszusuchen? Wenn man sich denn selbst die Mühe machen will?
      Sicherlich mag man der linken Blogsphäre so einiges vorwerfen können. Dem medialen Mainstream sowieso.
      Wo aber, bleibt bei dieser Schuldzuweisung das einzelne Individuum?
      Ein Interesse an den politischen Gegebenheiten vorausgesetzt:
      Jedem ist es in der heutigen vernetzten Welt freigestellt, welche Quellen er/sie sich bedient.
      Der Konsumerismus wird nun mal weitläufig als Ersatz für eine eigene politische Haltung gesehen.
      Wer hat die Schuld daran?

      Diese Frage müsste breiter ausdiskutiert werden.

      Mann, Troptard.
      Ich bin ein kleiner Blogger ohne Relevanz. Ich nehme die Kritik auch nicht persönlich.
      Aber das allgemeine Desinteresse an einem Versagen oder einer Fehlleitung oppositioneller linker Gegenbewegungen auszumachen, halte ich dann doch für ein wenig verkürzt.

      Liebe Grüße
      Dude

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    6. Guten Tag Duderich!

      Ich möchte das zum Abschluss bringen!

      Wenn ich hier die Linke ins Visier genommen habe, dann nicht diejenige, die gesellschaftlich kaum wahrgenommen wird, sondern in erster Linie die parlamentarische Linke wie SPD, die Partei Die Linke und auch die Gewerkschaften als Interessenvertretung der abhängig Beschäftigten.

      Diesen gebe ich eine Mitschuld an dem sog. Desinteresse bzw. an der weitgehenden Resignation/Desillusionierung in der Bevölkerung.
      Und ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass sie das als Programm haben. Man könnte das sogar positiv sehen, wenn daraus etwas anderes folgen würde.

      Ich hatte in diesem Zusammenhang die gesellschaftlichen Bezugspunkte genannt. Eine Orientierung auf eine Interessenvertretung in der Gesellschaft.
      Diese sind verloren gegangen. Was dann folgt ist entweder Abstinez und Rückzug oder dieses unbrauchbare herumirren im Wahlangebot.
      Aber auch Proteste, weil der Bezugspunkt dort weitgehend der gemeinsame kleinste Nenner ist ohne eine darüberhinausgehende Perspektive.

      Noch eine kleine Geschichte:

      Ich habe an einer Universität mit gewerkschaftlicher Orientierung studiert. An dieser Universität waren einige Professoren aus der "Neuen Linken" und von der "Kritischen Theorie".
      Es wurden neue Studienkonzepte ausprobiert. Weg vom Klausuren- und Benotungssystem und interdisziplinäres Studieren in Gruppen.

      Dies ging der Landesregierung mächtig auf den Zeiger und so gab es auch keine abgesegnete Studienordnung.
      Diese wollte das, was wir aus der Schule bereits kennen. Prüfungsarbeiten mit vorgegeben Zeitlimit und Benotungen von schlecht bis sehr gut und die Konkurrenz der Studenten untereinander.

      Das interessante war nun, dass die Studierenden selbst zu diesem System zurück wollten. Sie hatten Angst um ihren Berufserfolg, dass sie niemand einstellen würde, wenn da nicht im Diplom eine Note für VWL, BWL, Statistik usw. stehen würde.

      Dass das Kapital von Karl Marx auf dem Lehrplan stand, und nicht nur für angehende Ökonomen, empfanden sie als Zumutung. Das war doch nur unnützer Ballast und welcher Arbeitgeber liest das schon gern.
      Soweit zur sich selbst regulierenden Anpassungsleistung.

      Wo aber bleibt das Individium! Genau! Nicht jeder fügt sich darin und durchschaut .

      Für die meisten Menschen erscheinen die gesellschaftlichen Zusammenhänge jedoch als naturgegeben oder als "alternativlos".
      Obwohl ihr Leben häufig eine Zumutung für sie selbst ist, versuchen sie immer wieder , diesen gesellschaftlichen Verhältnissen gerecht zu werden.

      Aufgabe der Linken, so meine Meinung, wäre Aufklärung und nicht das Interesse des Einzelnen unter ein allgemeines Gesamtinteresse verschwinden zu lassen.

      So ziemlich lang geworden, mein Text. Werde Dich aber mit weiteren Einlassungen dazu verschonen.

      Ich grüsse Dich, Troptard.







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    7. @ Duderich!

      Sh. zu Vorherigem auch meinen Kommentar in "Notizen aus der Unterwelt" zu den Kommunalwahlen in Frankreich und Fritz Güde in "Trueten.de" Le Pen Triumph ist nur von kurzer Dauer.

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    8. Hallo Troptard!
      Will doch gar nicht 'verschont' werden! :-)

      Ich glaube, die meisten inhaltlichen Unterschiede beruhen auf Missverständnissen.

      Aber gerade dadurch, dass durch unseren Dialog Missverständnisse abgebaut werden und Verständnis aufgebaut wird, empfinde ich ihn als wertvoll. Ich könnte ewig so weitermachen... :-)

      Sehr schönes Beispiel, welches Du da anführst.

      Aber auch hier möchte ich Dir, wenn auch in nur in Teilen widersprechen:
      Du sprichst von 'selbstregulierender Anpassungsleistung'.

      Diese ist, von den Wenigen priviliegierten Lohnunabhängigen abgesehen, allgegenwärtig. Wenn man nicht von den Zinserträgen leben kann, studiert man nicht ausschließlich um sein Wissen zu erweitern, sondern in erster Linie, um seine wirtschaftliche Existenz zu gewährleisten.
      Ich hätte gerne den persönlichen (sprich: finanziellen Freiraum) um das zu studieren, was mich interessiert (Phillosophie, beispielsweise). Ohne ein Diplom anzustreben - sondern einzig und allein des Erkenntnisgewinns wegen.

      Ökonomische Zwänge bestimmen die Entscheidungen und Haltungen der Majorität der Bevölkerung. Unter den Bedingungen, die nun mal herrschen, kann man sich nur unter äußerst widrigen Bedingungen von kapitalistischen Anforderungen emanzipieren: Spontan fällt mir nur Obdachlosigkeit, Containern (illegal) und Moos fressen im Wald dazu ein. Ohne Geld auf der Tasche sind selbst die Existenzbedürfnisse nach Maslow schwer zu befriedigen.+
      Sich in der Konkurrenz zu behaupten, brauchen nur die, die Mängel ihres Charakters kompensieren müssen.
      Die Ablehnung, die Du beschreibst, fußt meiner Einschätzung nach nicht auf Überzeugung sondern auf Pragmatismus und wirtschaftlichen Zwängen. Junge Menschen, die Familien gründen wollen und diese auch ernähren.
      Wer würde heute jemanden einstellen aufgrund eines Studienabschlusses ohne Bewertung?
      Welcher Arbeitgeber würde Jemanden einstellen, weil er sich intensiv mit Marx auseinandergesetzt hat?

      Es ist schwer bis unmöglich, seine eigenen geglaubten Werte konsequent zu leben, und sich gleichzeitig sein Auskommen zu verdienen. Dazu bedarf es der Kompromisse und der Anpassung.

      Auch wenn wir beide gerne eine andere Welt mit anderen Weichenstellungen möchten, so gehen wir doch gezwungener Maßen Kompromisse ein, die eigentlich nicht unserer Ideologie entsprechen.
      Zwischen unter der Brücke leben und dem Angepasstsein besteht eine breite Spanne. Irgendwo dazwischen suchen wir unseren Platz.

      Es ist immer schwieriger sich selbst treu zu bleiben und gleichzeitig seine Werte zu leben und kompromisslos dafür einzustehen. Eigentlich ist es bereits heute unmöglich.
      Und das war es auch damals, während Deines Studiums.

      Trotzdem beneide ich Dich um die Erfahrung eines alternativen Studiumskonzeptes.

      Tröstlich ist aber, dass ich aufgrund der Gnade einer frühen Geburt (1967) immerhin während meines Fachabiturs mit dem Konzept des kritischen Hinterfragens vertraut gemacht wurde.

      Und deshalb zitiere ich so gerne Kant: 'Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!'
      Nicht vorgekeute Meinungen übernehmen, sondern sich Quellen zu bedienen um sich dann autonom eine eigene Meinung zu entwickeln.
      Täglich scheitere ich daran, die Ergebnisse wirklich konsequent umzusetzen. Dieses Scheitern ist leider nicht auf mich begrenzt sondern allgegenwärtig und System.

      Freue mich über unseren Gedankenaustausch
      Liebe Grüße
      Dude

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  5. Moin Duderich
    Es ist eigentlich nicht meine Art, Antworten liegenzulassen, aber manchmal eben doch. Weder das Thema Hoeneß noch die Frage der Justiz ist »durch«, aber von der Tagespolitik erst einmal überholt. Es wäre eine Premiere, würde das nach Relevanz und Gerechtigkeit gehen – es ist aber wohl vielmehr der Hunger nach frischen, nichtabgehangenen Schlagzeilen.
    Die Art und Dauer des Prozesses gegen Hoeneß kann man sicher unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Da ist aber ein Widerspruch in Deinen Ausführungen, wenn Du (zu Recht) monierst, daß Steuerfahnder entlassen oder noch schlimmer in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden und auf der anderen Seite ein Prozeß gegen Hoeneß schnell und ohne nachweisbare Einflußnahme zu einem vertretbaren Urteil führte.
    Da war nämlich auch eine Steuerfahnderin, die vor den Schranken des Gerichtes einen höchst bemerkenswerten Auftritt hinlegte. Obwohl Hoeneß trotz wiederholter Aufforderung seine Unterlagen nicht einreichte – und als er es tat, tat er das, um den Prozeß in die Länge zu ziehen und zu erschweren -, waren Steuerfahndung und Staatsanwaltschaft in der Lage, genügend belastendes Material zusammenzubringen. Es ist ein nötiger Akt von Gerechtigkeit, diese Leistung der Steuerfahndung entsprechend zu würdigen. Es reicht nicht und ist auch nicht zielführend, lamentierend auf Fälle zu verweisen, wo das nicht gelang. Das eine hat mit dem anderen schlicht nichts zu tun.
    Am Rande sei angemerkt, daß die Steuerfahnderin mit Sicherheit gegen eine Wand von Ignoranz und Kumpanei ankämpfen mußte, sie als als Hauptgegner den Promi-Bonus und die Machtmittel der wirklich besitzenden Klasse hatte.
    Sie hat trotzdem eine Anklage zurechtgezimmert! Da stelle ich mich doch nicht hin, lamentiere über fehlende Gerechtigkeit und verschwörungstheoretisiere mir einen netten Abend!
    Es gibt nämlich nicht nur Klassenjustiz (ja, auch die gibt es!) und Behördenwillkür – es gibt auch noch Leute, die dem entgegenarbeiten, weil sie an das glauben, was im Grundgesetz und dem BGB steht. Der brillante Anwalt, der Lothar König letzte Jahr rausgehauen hat und die Fadenscheinigkeit der Anklage aufdeckte, Udo Vetter, der deutlich sagt, an welchen Gerichtshöfen Schandurteile gesprochen werden... es gibt genügend Beispiele und diejenigen, die dafür stehen, brauchen unsere Solidarität, kein Herumjammern, daß ja alles bereits verloren ist.
    Wer zum Teufel hat sich die Mühe gemacht, einmal laut zu sagen, daß die kleine, einsame Steuerfahnderin einen klasse Job gemacht hat? Statt dessen wird über die Fälle gejammert, wo das nicht stattfand.
    Das, lieber Duderich: Das ist ungerecht! Das macht diese Leute noch einsamer. Der Mangel an Solidarität und Anerkennung. Man kann auch ein Rechtssystem zugrunde richten, indem man es schlechtredet.
    Ich weiß nicht, wieviele Prozesse, Verhandlungen an diesem Tag und all den anderen des Jahres in diesem Land geführt werden. Bei aller berechtigten Kritik und allen empörenden Fehlurteilen: Die Chance auf ein faires Verfahren ist in diesem Land ausgesprochen groß. Keiner hört es gerne, aber man muß es einfach einmal im Vergleich zu anderen Ländern betrachten.
    Recht ist kein statischer Zustand, sondern muß von allen Beteiligten täglich mitgetragen werden. Das impliziert auch die Solidarität mit denjenigen, die dort täglich gute und wertvolle Arbeit leisten. Und erzähle mir niemand, die würde es in unserem Land nicht geben.

    Es gäbe wünschenswerte Ergänzungen. Als ich mich auf meiner Klitsche mit dem Thema beschäftigt habe, kam auch die Frage auf, welcher Teil des Systems (nicht dieses »böse System«, was wir natürlich alle hassen... Spalter und so) da gedeckt werden soll. Bankleute, Steuer – und Anlageberater – die ganze Mischpoke halt, über so etwas weit vor jeder Steuerfahndung Bescheid weiß. Aber auch das ist nicht Aufgabe dieser Staatsanwaltschaft, nicht die dieses Prozesses.

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    1. Chapeau!
      Ja. es ist kleingeistig sich ein Ziel wie die Staatsanwaltschaft auszusuchen. An was es dieser Gesellschaft krankt ist sicherlich nicht die Staatsanwaltschaft - hier wie dort - verantwortlich.

      Und, wie Du schon bemerkt hast, macht die Staatsanwaltschaft im Ganzen einen guten Job.

      In diesem besonderen Falle hätte ich mir aber schon gewünscht, dass die Staatsanwaltschaft eine Verlängerung des Verfahrens beantragt hätte, um die neuen Beweismittel (70.000 Seiten) auszuwerten. Ich finde das nahe liegend, gar zwingend. Vielleicht übersehe ich ja irgendwas...


      Danke, für diesen Kommentar!

      Grüße,
      Dude

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  6. Hallo Duderich!

    Vielen Dank für Deine Antwort!

    "Ich könnte ewig so weitermachen...:-)"

    Hätte auch nichts dagegen, wenn da nicht der tägliche Kampf um den Fric wäre, um das Geld!

    Seit zwei Wochen hat unsere Nischenproduktion begonnen. Unsere kleine Klitsche muss Geld reinholen, Der ständige Kampf ums Überleben.
    Die Touristen sind hier für uns so eine Art Lebensversicherung. Ohne die könnten wir den Laden schliessen.

    Dann habe ich auch noch meinen Potager, meinen Gemüsegarten. Ein wenig Unabhängikeit von den Preistreibern der Supermärkte.

    Also wird mir wenig Zeit bleiben, um noch Kommentare zu schreiben. Allenfalls mal so eine kurze Einblendung nach dem Motto: Troptard berichtet aus Frankreich.

    Nachdem der Valls hier Premierminister geworden ist, übrigens ein Mann der eine grosse Zuneigung zur deutschen Politik hat und kein Problem damit , seinen Rassismus gegenüber Ausländern offen zu bekennen, besonders dann, wenn die Hautfarbe nicht so ganz passt, werde ich doch mehr als ängstlich.

    Zumal dann, wenn dieser allgemeine Fremdenhass, der hier latent mitschwingt (zumindest hier im Süden), auch auf politischer Ebene noch befördert wird. Ist noch nicht solange her, dass meine Tochter in der Schule an eine Mauer gedrängt und von französischen Schülern mit Fusstritten bearbeitet wurde mit Sprüchen wie , Du bist nicht von hier !

    Falls es Dich interessieret, was wir so treiben, dann schau mal auf Youtube "Anebel & Cie". Da gibts ein kleines Video von TV-Sud.

    Ich grüsse Dich, Troptard.

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