Follow by Email

Donnerstag, 13. März 2014

Hohn und Hoeneß

Abteilung: 'Steuergerechtigkeit' heißt mehr, als Strafvollzug

Als ich heute um 14:00h das Urteil per Liveticker erwartete, brach der Server auf SPIEGEL-online wohl zusammen. Ähnlich bei anderen Nachrichten-Seiten. Sowas hatte ich zuvor noch nicht erlebt. Die Seiten wollten sich einfach (wohl wegen Überlastung) nicht aufbauen.
Warum der Fall Hoeneß soviel Aufmerksamkeit erzeugt (in Rückkopplung mit den Medien) hat viele Gründe. Der wirksamste ist wohl, dass es erstmals möglich, sogar wahrscheinlich erschien/erscheint, dass einer von den (Einfluss-)Reichen öffentlichen Persönlichkeiten tatsächlich (ohne Bewährung) einsitzen muss!

Nebenbei wurde bei der Verfolgung der Causa Hoeneß die Dimension des täglichen, systemgeschuldeten Irrsinns, den es 'dort draußen' gibt, bewusst gemacht (zumindest mir ging es so).
Man muss sich nur einmal das Gezappel der Broker an der Börse ansehen - da hat man dann eine visuelle Vorstellung davon, welch' Wahn ansonsten, nur in Bruchteilen von Sekunden, digital vonstatten geht.
Jede Sekunde, millionenfach.

Einer, der immense Summen (Hochrechnungen sehen ein Zocker(!)-Kapital im dreistelligem Millionenbereich) digital von A nach B geschoben hat - um so seinen Reichtum ohne Leistung zu vermehren, ist Ulrich Hoeneß.
Das ist alles legal und auch so gewollt!
Nicht umsonst ist die Kapitalertragssteuer niedriger als die Einkommens- steuer (Steuern sollen steuern).
Man muss sich das mal zwischen den beiden Gehirnhälften zergehen lassen:
In unserer 'Leistungsgesellschaft' wird die Ertragsarbeit höher besteuert, als Spekulationsgewinne!

Zur 'Steuergerechtigkeit' gehört EBEN NICHT nur, dass Menschen wie Hoeneß wirklich mal einsitzen, sondern vielmehr, 'Steuergerechtigkeit' als Anspruch zu verstehen, den Reichtum dieser Gesellschaft gerechter zu verteilen!
Die momentanen Verhältnisse sind nicht mehr 'verhältnismäßig'.
Die Gesellschaft bricht auseinander - nicht nur in Deutschland; auch in Europa und dem Rest der Welt.

(...)

Wie man sieht, kann man sich in der Auseinandersetzung mit dem Fall Hoeneß, munter auf die Meta-Ebenen schwingen...

Die Person Hoeneß selbst ist mir egal. Ein Sack von vielen. Ich mag ihn nicht, zugegeben.

Noch ist er nicht im Knast - aber wenn dann irgendwann einmal tatsächlich die Zellentür hinter Ulrich Hoeneß zufällt, dann falle ich auch nicht entspannt zurück, und wähne mich in einer gerechteren Welt.

Ach ja: Das letztendliche Urteil ist ein El Dorado linker Rechenspiele!
Denn es stellt eine, der Gesellschaft hinterzogenen Summe, einem Strafmaß gegenüber:

27.200.000 € und 3.5 Jahre Haft.

Beispiele?

  • Wie viel Millionen hätte Hoeneß (rechnerisch) hinterziehen müssen, um die Höchststrafe von 10 Jahren zu bekommen?
  • Wie vielen Harz IV-Empfängern könnte man mit 27,2 Millionen ein Weihnachtsgeld von 100€ auszahlen? (Hoeneß betonte während des Verfahrens, er sei kein Sozialschmarotzer)


Weitere Vorschläge? :-)


Letztendlich ist die soziale Frage eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit.
Eine Binsenweisheit, die wir zu oft aus den Augen verlieren.
Überbordender, unverhältnismäßiger Reichtum muss genauso bekämpft werden, wie die Armut.

Beides ist der SELBE Kampf!


Diesen Text widme ich Ulrich Hoeneß, dessen Gier und Dummheit mich zu diesem Geschreibsel inspiriert hat. 
Danke übrigens auch für Dein soziales Engagement.


Kommentare:

  1. Was bei diesem Hype um den Wurstfabrikanten gerne vergessen wird: Hoeneß ist kein Superreicher. Er gehört - auch wenn sein ergaunertes Vermögen für "Normalsterbliche" schon irrsinnig erscheint - allenfalls zu den Kartenabreißern, die die Portokasse der Superreichen bewachen dürfen. Zu einem solchen Bauernopfer, das einmal mehr von den wirklich üblen Schmarotzern in der kapitalistischen Räuberwelt erfolgreich und medienwirksam ablenkt, ist die "Elite" natürlich jederzeit bereit.

    Dass Armut nicht erfolgreich bekämpft werden kann, ohne gleichzeitig den Superreichtum zu bekämpfen, ist zwar ein alter Hut - es ist aber dennoch gut und wichtig, dass Du erneut darauf hinweist, denn in unserer medialen Dauerpropaganda kommen solche Binsenweisheiten selbstverständlich nicht vor. Nicht auf den Kartenabreißern sollte der Fokus liegen (selbst dann nicht, wenn es sich um widerliche Habgierige handelt), sondern auf den Multimilliadären, deren vollkommen absurdes, ergaunertes Supervermögen locker ausreichte, um sämtliche finanziellen/materiellen Probleme der Menschheit auf einen Schlag aufzulösen.

    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Supervermögen sind nicht absurd, die machen durchaus Sinn. Dem Milliardär kann es natürlich grundsätzlich egal sein, ob er 50, 80 oder 200 Milliarden besitzt. Weder er noch seine Kinder, Enkel und Urgroßenkel werden das je ausgeben können. Es geht aber nunmal um Macht. In unserem System entscheidet das Bankkonto über den sozialen Status, über Freiheit oder Abhängigkeit. Die Elite muss so viel wie möglich zusammenraffen, nicht damit es ihnen besser geht, sondern damit es denen unten schlechter geht. Warum sollen die Menschen denn noch wie die Arbeiterameisen morgens in die Fabrik marschieren? Warum Polizisten auf die eigenen Leute knüppeln? Warum Soldaten ihren Arsch riskieren? Weil sie das Geld brauchen. Geld muss einzige Ressource sein und möglichst knapp gehalten werden. Die Leute müssen so viel haben, dass sie weiterhin funktionieren können (also Nahrung etc. bezahlen können), aber nicht so viel, dass sie sich drauf ausruhen oder ein Gefühl der Sicherheit haben können. Idealerweise sollten die Leute sogar noch ein klein bisschen mehr haben als sie brauche. Denn dann hat man etwas, das man ihnen auch wegnehmen kann, sollten sie nicht spuren.

      Löschen
    2. Hey Charlie!
      Bin vollkommen Deiner Meinung!
      Aber man muss den Leuten doch erst mal unser Sonnensystem erklären, bevor man über Galaxien spricht.

      Letztendlich ist die Erkenntnis einfach nur banal:
      Der Reichtum dieser Welt ist immens ungleich verteilt.
      Die, die von dieser Verteilung profitieren (die Systemprofiteure) haben genug Macht/Einfluß dieses System aufrecht zu erhalten.
      Sie sind Teil des Systems!
      Dies ist der Zustand der Dinge, so wie ich ihn sehe...

      Liebe Grüße zurück!

      Löschen
    3. @WhiteRussian:
      Finde mich bei Dir 100% Deckungsgleich in meiner Wahrnehmung.
      War irgendwie schon immer so.

      Die Zustandsbeschreibung passt also, aber welche Konsequenz mündet darin?

      Kann doch nicht sein, dass man sich im Kugehagel über die Barrikaden werfen muss, damit etwas besser und gerechter wird!

      Ich hoffe, das läuft anders...

      Grüße!

      Löschen
  2. Nachdenkseiten-Petition gelöscht. War nicht konform mit den Nutzungsbedingungen.

    AntwortenLöschen
  3. danke Dude,

    dass du als bisher einziger (zumindest habe ich es nirgendwo sonst gelesen) auf den eigentlichen skandal hinweist:
    nicht die steuerunehrlichkeit des Ulrich H. ist das erschreckende, sondern die tatsache, dass es ganz normal ist, dass ein mensch mit ein paar telefonaten und dem handeln von geld (!), mehr geld verdient, als ganze hundertschaften fleißiger arbeiter in einem leben.

    und ich gebe Charlie völlig recht:

    solche fälle kommen unserer elite gerade recht. hier kann man zeigen "wie gut" doch unser rechtsstaat funktioniert. wie "unkorrumpiert" justiz und politik doch sind. und wie überflüssig deshalb jede echte systemkritik.

    es kommt sogar noch besser: U.H. eignet sich mit seiner vita auch ideal dafür, dem (entschuldigung) doofen mittelstand die alte mär vom möglichen aufstieg des armen metzgerjungen zum multimillionär zu erzaählen.
    ganz unter dem motto: seid nur immer schön fleißig, dreht das hamsterrad immer schneller, dann könnt auch ihr es schaffen. am ende dürft ihr nur nicht so böse sachen machen, wie der Uli.

    genau diese geschichten braucht die elite, um der mehrheit immer wieder den sand in die augen zu streuen, dass erfolg und reichtum ausschließlich von fleiß und einsatz abhängig wären und ja rein gar nichts mit geburt und herkunft zu tun hätten.

    unter dem strich bleibt ein nur noch größerer ekel vor unseren sog. eliten. sie sind an heuchelei und scheinheiligkeit nicht mehr zu übertreffen. leider ist die mehrheit auch nicht viel besser, denn noch immer gilt:

    nur das dümmste schaf, wählt sich seinen metzger selber.

    lg
    don

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey, Don!
      Jaja, unsere Eliten!
      Zumwinkel, Guttenberg, Schwarzer und jetzt auch Hoeneß.

      Überhaupt: Wer braucht den 'Eliten'?

      Wer braucht denn Jemanden der einem sagt, wo hin die Reise geht?

      Genau!

      Diejenigen, die selbst nicht wissen, wo sie hinwollen.

      Löschen
  4. Stimme voll zu , es ist jetzt nicht alles Friede,Freude,Eierkuchen , weil sie einen untergeordneten Steuersünder erwischt haben , der sich noch dazu ausgewiesen dämlich angestellt hat.

    Da besteht die Gefahr , daß sich jetzt so mancher bräsig zurücklehnt und wieder brav an die soziale Gerechtigkeit im Land glaubt , die typisch deutsche Nivellierung nach unten , sozial gerecht ist , wenn die bösesten Reichen ein bißchen bestraft werden und ansonsten kräftig eingedroschen wird auf Arbeitslose und anderes Gesindel.

    Die Antwort ist auch nicht der Kult um den fleißigen Arbeiter , der am Ende noch früh aufsteht und sich gerne bei den herrschenden Eliten anbiedert ,der ist nur die andere Seite derselben Medaille.

    Vielmehr geht es geht um ein weniger des bisherigen , fairere Verteilung , weniger Arbeit ,weniger Konsum und weniger des sonstigen täglichen Irrsinns für alle

    AntwortenLöschen
  5. Ich erlaube mir einen Link.
    16-jähriger Schwarzfahrer muss fast drei Jahre ins Gefängnis.

    http://www.derwesten.de/panorama/16-jaehriger-schwarzfahrer-muss-fast-drei-jahre-ins-gefaengnis-id7536572.html

    Es passt halt so schön.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.