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Samstag, 5. April 2014

Bestehendes erhalten oder Neues wagen?

Abteilung: Unpatriotische Gedanken

Es spricht in der Gefühlslage der Majorität der Bevölkerung vieles für ein 'weiter so!' Man hat sich im Kapitalismus eingewöhnt, sich arrangiert. Man kennt das bestehende System. Man weiß, was man hat.
Sicher, den meisten ist aufgefallen, dass es immense Ungleichgewichte gibt. Widersprüche.
Es wird gerne so vorgegeben (und auch gerne geglaubt), dass die Außenpolitik westlicher Staaten der Demokratie und dem Humanismus geschuldet ist. Wer aber ein wenig hinter die propagandistischen Vorhänge schaut, wird schnell feststellen, dass militärische Interventionen letztendlich wirtschaftlichen Interessen dienen. Es geht um Zugang zu wirtschaftlich verwertbaren Ressourcen, es geht um Reichtumsvermehrung der Besitzenden.
Nie, nie, nie, geht es um die Interessen der jeweiligen Bevölkerung. Nicht in Afghanistan, nicht im Irak, nicht auf der Krim, noch irgendwo sonst.

Wie steht es mit den Menschenrechten in Saudi Arabien?
Frauen werden gesteinigt, weil sie es wagten sich vergewaltigen zu lassen. Schwamm drüber - die westliche Welt braucht schließlich deren Öl.

Welche militärische Intervention hat denn jemals für die nicht-privilegierte Bevölkerung irgend etwas Gutes bewirkt?
Humanistische Intension?

Eine Farce, die leicht durchschaubar ist, wenn man sie denn durchschauen will, und sich nicht als Konsument propagierter Hegemonien zufrieden gibt.

Die intervenierenden Staaten treten nicht mal für die eigene Bevölkerung  der Armen, Abgehängten und Entrechtenden ein.
Wer mag da glauben, dass sie ein Interesse an den Armen und Abgehängten in fernen Regionen haben und dafür immense Summen für militärische Interventionen ausgeben?

Jeder Krieg vermehrt den Reichtum der Besitzenden und löst Leid und Tod bei denen aus, die eh schon gebeutelt sind.

Drohnen töten Menschen, die nie vor Gericht verurteilt wurden (Kollateralschäden inklusive). Andere werden im rechtsfreien Raum in Guantanamo gefoltert.

Soll das die ethische Instanz sein, deren wir uns vertrauensvoll unsere Zukunft anvertrauen? Die das Weltgefüge bestimmen soll?

Gibt es noch elementare Rechte, die auch vor Geheimdiensten gelten?

Wenn ich nicht so unbedeutend wäre, müsste ich wohl Angst haben, verfolgt zu werden.

So ganz weit sind wir wohl nicht mehr entfernt von dem, was die Deutschen so gern überwunden hätten.

Alles mündet in diese elementare Frage:
Hat ein sog. 'Terrorismusverdächtiger' (es entscheiden keine unabhängigen Gerichte, wer das ist) mehr einklagbare Rechte, als damals ein verfolgter Jude?

Vielleicht schlage ich den falschen Ton an. Vielleicht auch nicht. Jeder möge das für sich entscheiden.
Die Rechtsstaatlichkeit könnte ich als 'Terrorismusverdächtiger' nicht für mich beanspruchen.

Noch sind wir in der BRD rechtsstaatlich weiter, als in der USA. Hoffentlich bleibt das so - ich bin da nicht sonderlich optimistisch.

Scheint so, als wäre ich ein Systemfeind.

Ich will Friede und Gerechtigkeit.

Vielleicht reicht das schon.

Ist die Freiheit, die Freiheit des Andersdenkenden, oder ist das mittlerweile obsolet?



Kommentare:

  1. "Drohnen töten Menschen, die nie vor Gericht verurteilt wurden "

    Bis vor kurzem war das auch mein Standpunkt. Allerdings töten Drohnen keine Menschen. Die Menschen die den Befehl geben tun es. Raketen sind auch unbemannte Flugkörper die zum Töten geschaffen wurden. Die Diskussion, dass Drohnen töten führt daher ins leere. Wichtiger ist, dass man das rechtsfreie Töten generell verbietet. Verbietet man Drohnen, dann werden halt andere Werkzeuge verwendet.

    Es gab hierzu und zur Intervention in anderen Ländern einige sehr schöne Vorträge beim Deutschlandfunk.

    http://dradiowissen.de/beitrag/drohnen-unbemannte-flugk%C3%B6rper-aus-der-sicht-des-v%C3%B6lkerrechts

    http://dradiowissen.de/beitrag/rechtsphilosophie-der-gerechte-krieg

    Ich fand es sehr erhellend. Es zeigt auf welchem niedrigen Niveau wir alle diskutieren.

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  2. Drohnen entmenschlichen den Krieg aber. Es ist was anderes, einen weißen Fleck auf der Wärmebildaufnahme wegzuballern oder jemanden von Angesicht zu Angesicht zu erschießen und anschließend die zerfetzte Leiche anzusehen. "Drohnenkrieger" fahren morgens ins Büro, ballern 8 Stunden anonyme Flecken weg und gehen abends wieder heim zu Frau und Kindern. So wird Kriegsführung zum einfachen Bürojob, ohne Hemmungen, ohne Skrupel.

    Kurz zum Artikel:
    "Wer aber ein wenig hinter die propagandistischen Vorhänge schaut, wird schnell feststellen, dass militärische Interventionen letztendlich wirtschaftlichen Interessen dienen."

    Da muss ich allerdings fragen, ob Krieg nicht seit jeher wirtschaftliche Interessen verfolgt hat. Es ist ja egal, ob man heute Öl erbeuten will oder ob man vor 500 Jahren das benachbarte Fürstentum angegriffen hat, um deren Gold abzusahnen. Es ging immer um Geld und Macht. Damals hat man nicht mal humanistische Gründe vorgeschoben. Die haben was, was wir wollen, also los, machen wir sie platt. Fertig. Krieg war nie was anderes.

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    1. Stimme Dir weitgehend zu. Als Motiv für Kriege sollte man der Vollständigkeit auch den anführen, welcher Gott denn nun der wahre ist. Die Christen haben sich da ja zeitweise auch sehr mit hervorgetan...

      Grüße, Dude

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    2. aber selbst das dürfte immer nur ein vorwand für die wirtschaftsinteressen gewesen sein, die eigentlich dahintersteckten.
      was heutzutage eben "war on terror" heißt, war früher die "befreiung der heiligen stätten" oder so ähnlicher schmus.

      lg
      don

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    3. Was unterscheidet Drohen von Raketen und Bombern, die Bomben aus mehreren Kilometern Höhe werfen? In meinen Augen ist nicht die Drohne "Schuld" an der Unmenschlichkeit des Krieges, sondern die Menschen. Denn wenn ich sterben muss, dann ist es mir egal ob es ein Mensch tut der mir gegenüber steht oder eine Drohne die über meinem Kopf schwebt. Beides ist inmenschlich.

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    4. Religion ist doch einer der ältesten und lukrativsten Wirtschaftszweige überhaupt. Wenn "meine" Religion mit dem Schwert in der Welt verbreitet wird, bedeutet das letztlich wieder Macht und Geld für mich. Der einzelne Krieger mag glauben, dass er Gottes Willen durchsetzt und sich seinen Platz im Paradies sichert, aber das ist ja nun nicht dümmer, als sich für Öl den Arsch wegballern zu lassen, im Glauben, den "Wilden" Demokratie zu bringen.

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    5. Na ja, so gesehen hast Du natürlich auch wieder Recht! :-)

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