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Freitag, 9. Mai 2014

Worte, die gemeißelt gehören

Abteilung: Öl, oder Sand?

Kennt jemand Günter Eich
Ich, bis heute (auch) nicht. 
Bin heuer über ihn gestolpert, aber ich strauchelte nicht, sondern tanzte.
Vor mehr als 50 Jahren formulierte er in einem Gedicht 'Träume' folgende Worte:

[Auszug]
"Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!"


Es gibt niedergeschriebene Gedanken, die wohl nie an Aktualität und Brisanz verlieren. 
Die wirken, als wären sie erst gestern formuliert worden um das zu auszudrücken, was einem AKTUELL unter den Nägeln brennt. 
Ich vermute mal, dass diese Zeilen auch in hundert Jahren genauso frisch und zeitgemäß wirken, wie heute, oder damals, als sie geschrieben wurden.

Was dann doch irgendwie traurig ist, weil es Ausdruck der betonierten Machtverhältnisse ist, die seit jeher funktionieren und folgende Doktrin beinhalten:
Seid angepasst und funktioniert! Ordnet Euch unter und akzeptiert das bestehende Machtgefüge!
Wählt, was ihr wollt, aber erwartet nicht, dass Eure ureigensten Interessen vertreten werden.
Glaubt weiter an die Demokratie, respektive, was Euch unter diesem Etikett verkauft wird, von wegen der Macht des Volkes.

Ehrliche Demokratie lebt nämlich auch den Widerstand (und lässt diesen zu).
Ehrliche Demokratie hinterfragt Doktrinen, und lebt von dem stetigen Kampf der Deutungshoheit.
Lebt davon, bestehende Zustände kritisch zu hinterfragen, um eine bessere und gerechtere Zukunft anzustreben und zu gestalten.

Wir leben aber weder in einer demokratischen, noch in einer gerechten Gesellschaft.
In einer gelebten Demokratie wäre ziviler Ungehorsam Bürgerpflicht um bestehende Verhältnisse zu bekämpfen. 
Gewaltloser, ziviler Widerstand aber, wird von staatlicher Seite mit Wasserwerfern und Pfefferspray bekämpft. 
Sitzblockaden gegen Nazi-Aufmärsche werden statistisch als linksextreme Straftaten gewertet!

Letztendlich empfinde ich es so, dass unhinterfragter Gehorsam und Vasallentreue gefordert wird. 

Insofern ist obiges Zitat so aktuell, als wäre es gestern geschrieben worden.

Denn wir sind seit jeher Öl, statt Sand im Getriebe der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Aber haben wir uns je gefragt, ob wir Öl oder (doch nicht lieber) Sand sein wollen?

Kommentare:

  1. Du kanntest bislang allen Ernstes Günter Eich nicht? Dann ist es gut, dass Du das nun geändert hast und Dich mit seinem beeindruckenden Werk nun vertraut machen kannst - auf dass die - hochaktuellen - Warnungen von möglichst vielen Menschen gehört werden:

    Kurz vor dem Regen

    Gleich wird es regnen, nimm die Wäsche herein!
    Auf der Leine die Klammern schwanken.
    Ein Wolkenschatten verdunkelt den Stein.
    Die Dächer sind voller Gedanken.

    Sie sind gedacht in Ziegel und Schiefer,
    gekalkten Kaminen und beizendem Rauch.
    Mein Auge horcht den bestürzenden Worten, -
    o lautloser Spruch aus dem feurigen Strauch!

    Ein Schluchzen beginnt in mir aufzusteigen.
    Die wandernden Schatten ändern den Stein.
    Ein Windstoß zerrt an den flatternden Hemden.
    Gleich regnet es. Hol die Wäsche herein!


    Liebe Grüße!

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  2. @ Charlie
    "Du kanntest bislang allen Ernstes Günter Eich nicht?"

    Was suggeriert diese Frage?
    Wow Dude, wusste gar nicht, dass du so dumm bist.
    Ich weiß alles und bin ein Klugscheißer.

    Charlie, ich weiß nicht, wie alt du bist. Aber an deinen Sozialkompetenzen solltest du noch arbeiten, wenn du mit deinem Wissen nicht Menschen verschrecken willst.

    Es ist ja gut, wenn der Mensch ein gesundes Selbstvertrauen besitzt, aber deins ist ausgrenzend und verletzend.

    Ich finde das insofern schade, als dass du ja wirklich was zu sagen hast.

    Keine Ahnung, ob ich dich in deiner grenzenlosen Eigenliebe erreicht habe, wünsche dir aber trotzdem einen schönen Sonntag
    Ruby

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    1. @Ruby
      Die Frage war nicht böse gemeint - und ist so auch nicht angekommen.
      Die Frage hätte ich auch ähnlich stellen können (ohne mir was böses dabei zu denken):
      Du kanntest allen Ernstes Bukowski nicht?
      Du kanntest allen Ernstes Motörhead nicht?
      (wenn dem so wäre)

      Man wundert sich halt manchmal, wenn Gleichgesinnte etwas nicht kennen, was einem selbst sehr vertraut ist.

      Ihm deswegen mangelnde Sozialkompetenzen zu unterstellen, halte ich für ein wenig vorschnell und in diesem Fall auch für unangemessen.

      Grundsätzlich brauche ich keine Verteidigung meiner Selbst von Anderen. Wenn ich es denn bräuchte, hätte ich keine Legitimation diesen Blog zu betreiben.
      Mögliche Haltungen, die meiner widersprechen, werden selbstverständlich freigeschaltet -sind sogar erwünscht. Ich behalte mir lediglich vor, Anfeindungen gegen Kommentatoren zu zensieren.
      Wer auch immer gegensätzliche Meinungen, als die meine vertritt wird hier freigeschaltet werden. Das ist sogar erwünscht!
      Ich habe auch einen Herr Karl gewähren lassen - bis er sich als unwürdig erwies, hier seine Meinung zu vertreten.

      Gerne gebe ich hier den Freiraum, andere Positionen zu vertreten. Solange andere Kommentatoren nicht angefeindet werden.

      Jeder kann Gülle über mich ausgießen, damit komme ich klar.
      Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, welche Werte ich vertrete.
      Ich kann damit umgehen, wenn Andere dagegen argumentieren.
      Hier aber gilt:
      Du bist ok, und Charlie ist ok.
      Vertraue mir bitte, ihr steht auf der selben Seite!
      Und ich mit Dir, und mit Charlie

      Liebe Grüße,
      Dude

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  3. Guten Abend Duderich!

    Darf ich das so sagen? "Du bist ein Gutmensch !" Vielleicht bin ich das sogar auch, weil ich nicht akzeptieren will, dass der Mensch von Natur aus ein Wolf, ein Mensch sein soll, der Beziehungen zu anderen Menschen nur aus dem Antrieb einer Perspektive des eigenen Nutzens eingeht, dessen Gier dann auch noch zum Gesamtkunstwerk zum Nutzen
    aller geadelt wird.

    Ich hoffe auf Deine Zustimmung wenn ich behaupte, dass diese Ideologien eines Adam Smith und Milton Friedman u.anderen an Schlichtheit und Oberflächlichkeit kaum zu unterbieten sind.

    Und wenn ich feststellen muss, dass auch bei kritischen Menschen ein Bewusstsein sich eingeschlichen hat, dass diese Wolfsnatur, quasi historisch und biologisch unterfüttert, als naturgegeben betrachtet , als unabänderliche Konstante,

    genau dann beharre ich auch auf mein Dasein als Gutmensch, weil ich mir den Glauben und auch das Wissen an die guten Potenzen im Menschen nicht austreiben lassen will.

    Wo ich mit Dir allerdings immer noch querliege sind Deine Adjektive, die Du in den gesellschaftlichen Verhältnissen als notwendige und auch verwirklichte Verhältnisse gerne wiedererkennen willst.

    Z.B. Gerechtigkeit und wie hier, "ehrliche Demokratie". Demokratie aus einer Sicht, die aktuell und auch in der Vergangenheit stets mit Mängeln behaftet ist und war und wo die gesellschaftlichen Kräfte darin verbraucht werden, diese endlich zu ihrem wahren Ursprung zu verhelfen, zur wahrhaftigen Demokratie.

    Für mich ist Demokratie eine unglaublich flexible Herrschaftsform, die fähig ist, alle kritischen Elemente in sich aufzusaugen und für die Stabilität des Systems nutzbar zu machen.

    Ich würde gerne an einer anderen Front kämpfen, aber nicht an dieser!

    Liebe Grüsse Troptard.







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  4. Hallo Duderich!

    Falls Du Dir 'ne Auszeit genommen hast, erhole Dich gut!

    Gruss Troptard.

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    1. Danke!
      Brauche tatsächlich mal ne Blogger-Auszeit. Steckt übrigens kein konkreter Grund oder Ursache dahinter.

      Melde mich bald wieder.
      Nett, von Dir zu hören und dass Du mich im Auge behältst!
      :-)

      Liebe Grüße zurück
      Dude

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