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Dienstag, 17. Juni 2014

Der Wert eines Menschenlebens

Abteilung: Moralische Dilemmata

Johannes Westhauser. Eine Name, der für eine Person steht. Unbekannt, auch jetzt, wo täglich Meldungen über seine Bergung gesendet werden.

Die Meldungen setzen sich ausschließlich mit der logistischen Herausforderungen der Bergung auseinander. Der überwundenen und zu überwindenden Hindernissen. Man ahnt, wie viel Planung, Man-/Woman-Power, Material, und - vor allem Einsatzbereitschaft und Mut diese Bergung fordert.
Kurz: Das kostet!
Ich nehme mit Genugtuung war, dass die kapitalistische Logik noch nicht in die Riesending-Höhle eingezogen ist. Es wird nicht aufgerechnet und abgewogen.
Ein ganz normaler Mensch (ohne wie immer gearteten Promi/VIP-Status) wird gerettet, koste es was es wolle.
Ich weiß nicht, wer letztendlich die Zeche bezahlt - und das interessiert mich auch nicht. Gerne von meinen Steuergeldern.

Aber trotzdem bleibe ich verwirrt zurück:
Warum wird sich in den Meldungen ausschließlich auf die Bergung konzentriert, und der Mensch Johannes Westhauser bekommt nicht mal eine Statistenrolle?
Erfahrener Höhlenforscher, beruflicher Status, Schädel-Hirntrauma, ähm...
Wurde jemals mehr über ihn geschrieben?
Hätte man mehr über ihn schreiben sollen? Dem Bergungsopfer ein Gesicht geben?
Hat, oder braucht es mich zu interessieren, welche Person denn da genau gerettet wird?
Ganz ehrlich - ich weiß es nicht!

Und weitere Fragen tuen sich da auf, die ich alle nicht beantworten kann:
Was wäre, wenn er ein Kinderschänder wäre, Mörder, Massenmörder, gar Hedgefont-Manager?
Würde ich diesen Aufwand für ebenso gerechtfertigt halten?

Wie viele Menschenleben, in bspw. Somalia, könnten mit dem Kostenaufwand der Bergung gerettet werden?

Und genau hier kommt die kapitalistische Logik um die Ecke:
Alles einpreisen, vergleichen.
Kosten und Nutzen abwägen.

Die ökonomische Vernunft sagt:
Mit möglichst geringem Einsatz, den höchst möglichen Gewinn erzielen.

Angenommen, der Gewinn wäre, Menschenleben zu retten, dann ist die Bergung Westhausers ökonomisch total unvernünftig.
'Ökonomischer' wäre die Rettung hunderter, vielleicht tausender Menschenleben für den Aufwand der Rettung eines Einzelnen.
Fängt Euer moralischer Kompass jetzt auch an zu rotieren?

Und wer seilt sich im Zweifelsfalle ab, um Johannes Westhauser zu verkünden, dass seine Bergung doch zu teuer wäre - im Verhältnis zu einem einzigen Menschenleben. Dass so viele andere viel preiswerter gerettet werden könnten?

Typische loose-loose Situation.

Die Welt scheint mir viel davon...


Kommentare:

  1. Hat, oder braucht es mich zu interessieren, welche Person denn da genau gerettet wird?
    Ganz ehrlich - ich weiß es nicht!


    Wozu?


    Um eine Bewertung fällen zu können, ob dieses oder jenes Menschenleben der Rettung mehr oder weniger wert wäre als ein anderes?

    Dass sich hieraus überhaupt Fragen ergeben können, finde ich befremdlich ...

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    1. Wieso? Dieses Dilemma ist doch klassische Frage. Wenn Sie 1000 Menschen retten können, indem Sie einen Menschen töten (oder zumindest sterben lassen), was ist dann ethisch korrektes Handeln? Nicht wirtschaftlich, nicht politisch, nicht strategisch, ETHISCH.

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    2. Wie Troptard schon anmerkte, haben diese zwei Themen nichts miteinander zu tun.

      Somit zieht die ethische Frage nicht, ob sich nun 1 für 1000 opfert bzw. für wen man sich zu entscheiden hätte. Aus diesem Vorfall sich einen philosophisch-ethischen Ansatz zu konstruieren, halte ich für unstatthaft. Eine derartige Betrachtung ist eine reine mathematische bzw. statistische Betrachtung unter ökonomischen Gesichtspunkten, die nur vorgibt, eine philosophisch-ethische zu sein.

      Es ist eine pure Aufrechnung, die sich unter ETHISCHEN (schreibe das jetzt ebenso in Großbuchstaben) derart simpel beantworten ließe, dass ich nicht beschreiben möchte, wie meine Gesichtszüge entgleisen.

      Es scheint wohl doch offensichtlich nötig zu sein scheint, eine Simplizität aufzuzeigen. Dabei ist die ETHISCHE Antwort so einfach:

      Rettet beide bzw. 1001.

      Zumindest sollte man es versuchen. Die Frage: Entweder-oder ergibt sich erst gar nicht. Doch wenn ich sehe, wie wir schon wieder in Europa die Kriegsvorbereitungen treffen …unser Bundespräsident die Menschheit auf Krieg einlullt:
      https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer?fref=photo

      … wundert mich nichts mehr …!

      NIEMAND würde in Somalia gerettet, wenn man sich den Aufwand (Manpower und finanzieller Einsatz) zur Bergrettung sparen würde. Es geht nicht um eine Episode aus Stargate, in der die Frage auftaucht: „einer oder das ganze Team“ oder gar „einer oder die Menschheit“, sondern um klar getrennte gesellschaftliche und räumliche Vorgänge. Nicht um die klassisch-philosophische Frage (jetzt sofort Entscheidung: 1 oder 1000), denn die Umstände stehen NICHT miteinander in kausalem Zusammenhang. Keine Mutter liegt am Bergkamm, hat jeweils an einer Hand eines ihrer Kinder baumeln und muss sich (auf grausame Art und Weise) entscheiden, weil sie nur eines davon halten kann. Sobald Vorfälle nicht in kausalem Zusammenhang stehen, kann und muss man sie getrennt voneinander betrachten. Das gilt auch für die Umkehrung: Es sterben in Somalia keine 1000 Menschen, weil die Bergrettung sich für den deutschen Forscher entschieden hätte.

      Wenn wir gedanklich beginnen, für jede Lebensrettung im nationalen Raum (egal, ob ein brennendes Haus mit Kindern drin oder ein abgestürzter Höhlenforscher) eine globale Gegenrechnung aufzustellen und dafür andere Unglücks-Szenarien hinzuziehen, dabei auf die Kosten-Nutzenfrage umschwenken und sogar die Anzahl der Menschenleben gegen zu rechnen, gebe ich die Moral und Ethik der Menschheit für verloren (und ja, ich erwarte ein dunkles Szenario für den nächsten Jahrzehnten). Ansonsten könnten wir schließlich auch an jedem Unfall vorbei fahren, denn weiter hinter ist evtl. etwas Schlimmeres passiert, während wir vorne doch nur mit einem einzeln Verunfalltem unsere Zeit verschwenden. Wir helfen nicht mehr, denn es wird sich immer ein schlimmeres Ereignis finden, bei dem wir offensichtlich nicht einmal mehr zur Stelle sein müssen. Das mündet ins Nichtstun (an die Ökonomen: nachhaltig preiswerter wird das auf die Dauer nicht).

      Nationale Rettungsinstanzen, die i.Ü. auch in international bei Katastrophen Einsatz finden – die Bergungsfachleute kommen aus der Schweiz -, sind Errungenschaften der sozial-gesellschaftlich ethisch-moralischen Entwicklung (mannigfaltig sogar im Ehrenamt). Sie infrage zu stellen und/oder gegeneinander aufzurechnen, ist ein Rückschritt.

      Für mich gibt es nur drei Möglichkeiten, die zu solchen Gedanken führen können. 1. Möglichkeit: Die Ausgangslage der eigenen Prägung ist ethisch-moralisch noch nicht so weit entwickelt (wer z.B. inmitten eines Krieges – o.ä - aufwächst, hat aus bekannten Gründen – hoffentlich! - andere Maßstäbe). 2. Möglichkeit: Man ist zwar in einer solch entwickelten Gesellschaft aufgewachsen, doch die Prägung hat (aus welchen Gründen auch immer) ihr Ziel völlig verfehlt; das Sozialverhalten ist als derangiert zu betrachten (lässt sich auf Gesellschaften ausdehnen). Die 3. Möglichkeit: Eine gedankliche Minderleistung, welche die simpelsten und deutlich voneinander getrennten Vorgänge nicht mehr auseinander halten kann.

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  2. Guten Tag Duderich!

    Ich habe mir über Deinen Text Gedanken gemacht, bezweifle aber, dass ich dazu etwas Klärendes beitragen kann. Insofern eine gedankliche Auseinandersetzung mit mir selbst.

    Wenn ich das richtig sehe, sprichst Du zunächst mal eine betriebswirtschaftliche Logik an: Die von Aufwand und Ertrag.

    Wenn es sich um ein Unternehmen zur Rettung von Menschenleben handeln würde, würde dieses wohl ersteinmal klären, ob der zu Rettende auch in der Lage ist, die Kosten dafür abzudecken.
    Wenn nicht, Pech gehabt!

    Diese betriebswirtschaftliche Logik des Kosten/ Nutzen-Kalküls hat sich im staatlichem Handeln ebenso durchgesetzt. Bestes Beispiel dafür ist wohl Hartz IV. Es gibt kein Lebensrecht, wenn dafür nicht auch eine entsprechende, die Kosten abdeckende Gegenleistung erfolgt.

    Ich erinnere noch einmal daran, das vor der Wiedervereinigung die Existenzsicherung der Menschen nicht von einer Verpflichtung zum Arbeitsdienst abhängig gemacht wurde und dies aus den Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus.

    Wenn der Bundespräsident Herr Gauck anmahnt, mehr Verantwortung zu tragen und militärische Einsätze fordert, dann geht es dabei auch nicht um die Rettung von Menschenleben, sondern doch wohl mehr darum, die Opferbereitschaft seines Volkes anzumahnen. Für mich heisst dass, auch sein Leben opfern zu wollen für die Interessen des Staates.

    Und dann bin ich wieder dabei zu fragen für wen, und lande dabei sowohl bei dem einzelnen Unternehmen und seiner betriebswirtschaftlichen Logik, und gleichzeitig bei einem Gesamtinteresse was der Nation, seinen Unternehmen als Gesamtheit und damit das auch als Sinn für die Allgemeinheit rüberkommt, im Interesse Deutschlands.

    Dieses betriebswirtschaftliche Kalkül , worauf Du Dich einlässt, ist für mich ein sehr abstraktes, weil es in dieser Logik bisher nicht angetroffen habe.

    Menschenleben zu retten ist die Aufgabe von Sanitätern, Feuerwehrleuten, Ärzten und Krankenschwestern. Somalia, Nordafrika u.a. Krisengebiete fallen wohl eher unter ein nationales Nutzenkalkül und nicht unter die Kalkulation: Höhlenforscher versus 12 kleine Negerlein!

    Gruss Troptard.






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    1. "Dieses betriebswirtschaftliche Kalkül , worauf Du Dich einlässt, ist für mich ein sehr abstraktes, weil es in dieser Logik bisher nicht angetroffen habe.

      Das trifft man hin und wieder. Steht nur ständig in anderen Kontexten, so erscheint es möglicherweise jeweils für sich als neuer Ansatz. Ist jedoch ganz ähnlich, wie die ewigen Vergleiche der relativen Armut in unseren Breitengraden und der Armut in Entwicklungsländern. So werden aus den Abgehangenen der Gesellschaft auf einmal Reiche und auf höchsten Niveau jammernde Menschen.

      Dahinter stehen die gleichen Aufrechnungs-Procedere, wobei tunlichst vermieden wird, eine Umkehr-Rechnung aufzustellen. Denn niemand hat vor, mit potentiell gesparten Leistungs-Cents irgendwo auf der Welt andere Menschen zu erretten (ganz im Gegenteil).

      Mit Logik hat das m.E. wenig zu tun, dient ihr auch nicht, sondern ganz anderen Prozessen.

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  3. Hallo Toptard! Hallo WR! Hallo Anonym!
    Letztendlich gibt es für ein Dilemma nie die eine richtige Lösung, deshalb wird Klärung gar nicht angestrebt.
    Das Recht auf Leben, bzw. Rettung läuft unter einer anderen Kategorie als monetäre Aspekte - beide sind unvereinbar. Trotzdem ist es nicht sinnlos, jenes unveräußerliche Recht in Verbindung mit Geldwert zu bringen.
    Niemand wird den Wert des Lebens in einer Währung beziffern können. Durchaus aber lässt sich berechnen, wie viel materiellen Aufwand es Bedarf, um ein Kind, einen Erwachsenen vor dem Hungertod zu retten. Da könnte man sich durchaus eine konkrete Zahl vorstellen. Damit ist aber sicherlich nicht unbedingt ein würdevolles Leben gewährleistet. In der BRD wird ja sogar versucht ein 'würdevolles(!) Leben' (GG) zu kalkulieren. Das klägliche Ergebnis wird Hartz IV-Satz genannt.

    Es gibt einige Menschen auf diesem Planeten, die verdienen 10.000.000$ pro Tag. Hedgefondmanager.
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Hedgefonds-Manager-verdienen-Milliarden-article12787231.html

    Ob die dann ein würdevolles Leben haben, darf bezweifelt werden.

    Grüße, Dude

    Anmerkung:
    Weiß auch nicht warum, aber bei diesem Thema kommt man zwangsweise vom Stöckchen aufs Steinchen. Vielleicht gerade deshalb prädestiniert für einen regen Gedankenaustausch... :-)

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    1. "Das Recht auf Leben, bzw. Rettung läuft unter einer anderen Kategorie als monetäre Aspekte - beide sind unvereinbar."

      Dann sollte man das auch nicht tun!

      Was dabei herauskommt, lässt sich doch prima an der sozial-gesellschaftlichen Entwicklung ableiten. Ist der Gedanke einmal in der Aufrechnung, ist es bereits eine finanzielle Kalkulation über ein Menschenleben. Es bleibt dabei und mündet, et voilà:

      " In der BRD wird ja sogar versucht ein 'würdevolles(!) Leben' (GG) zu kalkulieren. Das klägliche Ergebnis wird Hartz IV-Satz genannt"

      Genau:
      "Durchaus aber lässt sich berechnen, wie viel materiellen Aufwand es Bedarf, um ein Kind, einen Erwachsenen vor dem Hungertod zu retten"

      und kommt zu dem Ergebnis: "Zu teuer".

      Würde er nicht zu dem Ergebnis kommen wollen, brauchte er erst gar nicht zu rechnen, man würde es einfach tun. Solche Gedanken sind nur nötig, wenn man für alles bezahlt zu werden wünscht. Unser System basiert darauf.

      Mach ich demnächst am Besten auch so. Sehe einen Unfall, kalkuliere was mich die Hilfeleistung kostet, halte kurz an und frage: "Was zahlste?" Deckt die Antwort meine Kosten-Analyse nicht, fahre ich weiter. Vll. kann es der nachfolgende Verkehrsteilnehmer günstiger (anderer Handytarif ... was weiß ich ) oder der nächste Unfall deckt sich mit meinen Analysen (der hat dann Glück .. oder wie immer man das nennen mag ...).

      Genau so funktioniert das in dieser Welt ... (auch in der Entwicklungshilfe ...).

      Nur so nebenbei, die meisten Helfer helfen auf der Basis von Ehrenamt. Und wenn wir dann schon mal beim Rechnen sind ... Die Ausbildung wird in der Regel aus eigener Tasche finanziert und kostet einen Durchschnittsverdiener mittlerweile ein Vermögen ...

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    2. -@Anonym:
      Ich nenn Dich in Zukunft einfach mal Karl Heinz. Ist irgendwie persönlicher als Anonym.
      Also. Karl Heinz, habe ich propagiert, menschliches Leben betriebswirtschaftlichen oder pragmatischen Kategorien zu unterwerfen?
      Propagiere ich irgendwo, eine Lebensrettung utilitaristisch zu hinterfragen?

      Trotzdem bleibe ich dabei!
      Der Wert des Lebens darf nicht in ökonomische Sphären beurteilt werden - aber er wird es. Tag für Tag.
      Leben wird eben ökonomischen Prinzipien unterworfen - ob man das jetzt nun gut findet oder nicht.
      Wenn in Somalia dringend Arbeitskräfte benötigt würden, dann gäbe es dort auch genügend Nahrungsmittel um diese Arbeitskraft zu sichern.
      Wenn man damit Geld verdienen kann, den Hunger zu besiegen, dann geschieht das. Wenn nicht, dann verrecken eben Menschen an Hunger.
      Es muss sich halt rechnen.
      Den Hunger kann man nicht dadurch besiegen, kapitalistische Gesetzmäßigkeiten und Abhängigkeiten zu verleugnen.
      Möglicherweise bist Du ja letztendlich naiver als ich, Karl Heinz!

      Täglich sterben Kinder und Erwachsene an Hunger. Retten könnten diese Reis für ca. 30 Cent pro Tag (Schätzwert).

      Als Humanist darf man sich nur mit dem der akademischen Frage auseinandersetzen, welchen Wert das Leben hat, aber nicht, wieviel es braucht, um ein Leben zu erhalten?

      Glaubst Du, mir macht es Spaß, in kapitalistischen Dimensionen zu denken, wenn es um das Leben geht?

      Aber, lieber Karl Heinz, wir leben nun einmal im Kapitalismus, und das menschliche, tierische und pflanzliche Leben wird täglich ökonomischen Interessen unterworfen.

      Solange es Milliardäre gibt ist jeder Hungertote systemischer Mord.

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    3. @Duderich
      In dem Moment, in den Du eine ökonomische Kalkulation aufmachst, folgst Du bereits den neoliberalen Kriterien. Es ist ein Grundsatz in der Ökonomie, so einmal ein "Geldwert" für ein "Objekt" festgesetzt, mutiert es zu einem Gut, einer Berechnungseinheit des Marktes. Wenn es vorher auch ein Subjekt gewesen sein mag, danach wird es nicht mehr als ein solches betrachtet. Und genau das ist längst passiert, wird mannigfaltig aus verschiedenen Richtungen beklagt (auch oft genug von Dir).

      Wenn nun die >Gegenseite<, also jene, die sich darüber beschweren, auf die gleiche Art und Weise beginnt mit Neoliberalen zu „verhandeln“, wie wenig es doch Kosten würde, z.B. ein Leben in Somalia zu retten (oder welchen Ansatz zur Argumentation auch immer zum Vergleich heranzieht) befindet sie sich bereits im Labyrinth der neoliberalen Skinnerbox. Und der Spielraum, die Tunnel und Wege die man in einer solchen Box beschreiten kann, sind bekanntlich begrenzt.

      Mir ist klar, dass das System, die Gesellschaften der Welt derart von ökonomischen Prozessen (und von ihren Befürwortern so gewollt) gesteuert werden und so wie es aussieht, ist es Ziel die Menschheit derart zu sozialisieren, dass darüber hinaus kein Anspruch mehr besteht. Es ist nicht nur einfacher, ein solch sozial vereinfachtes Wesen zu berechnen, sondern natürlich auch simpler, es zu steuern.

      Es gehörte stets zur Utopie der Mächtigen, sich ihre Untertanen derart umzuformen (doch niemals konnte man einen solchen Erfolg damit verbuchen, wie mit den aktuellen Systemprozessen). Das hat schon in der Vergangenheit zu den verschiedensten Ansätzen geführt (nicht wenige recht abstrus, andere extrem brutal). Da es hier zu weit führen würde, einen Schwenk auf die vergangenen Ansätze, die gegenwärtigen sowie die Wirkungsweisen (auch auf das Individuum) bis in die Zukunft hinein aufzubröseln, empfehle an dieser Stelle das Buch des kürzlich verstorbenen Publizisten Frank Schirrmachers: http://de.wikipedia.org/wiki/Ego:_Das_Spiel_des_Lebens

      Schirrmacher hat das, m.E. stellenweise etwas langatmig, dennoch mit Verve und sehr anschaulich herausgearbeitet. Und ganz offensichtlich hat er Recht. Stimme ihm zu, wie Gerhart Baum in Wiki zitiert wird:
      „, dass der Mensch immer berechenbarer und manipulierbarer geworden ist.“
      Wie das funktioniert, führst Du quasi exemplarisch vor. Du steigst ein in die neoliberale Skinnerbox (in diesem Falle wissend, dass Du es tust). Um sich darin zu bewegen, musst Du Dich an die dortigen Kriterien (Wege) halten. Innerhalb kürzester Zeit verwechselt man diese Box mit der Welt und hält die Wege für Lösungsoptionen. Überwiegend passiert das, ohne dass unser Bewusstsein das registriert. Und eigentlich basiert das wiederum aufgrund einer nützlichen Eigenschaft des menschlichen Gehirns. Nämlich der Logik Anderer folgen zu können. Es mangelt nur bei den meisten Menschen am Ausgang. Sie vergessen, wo die Türe zum Ausstieg gewesen sein mag. Nach einiger Zeit bezweifeln sie sogar, dass es jemals hätte eine gegeben.

      Habe mich längst damit abgefunden - zurzeit - offensichtlich ist es die einzig aktuelle Sicht auf Mensch, auf Gesellschaft, die einem nicht unwesentlichen Teil von Individuen möglich zu sein scheint. Das ist allerdings m.E. die Steigerung von Naivität. Wie ich schon schrieb, eine unstatthafte Simplifizierung, die erschreckenderweise mit der eigenen Begrenzung des Tellerrandes (fehlende Tür aus der Skinner-Box) einhergeht.

      Naivität, Verleugnung, das steht mir nicht beiseite, doch Dir ist offensichtlich nicht klar, dass Du selbst damit beginnst (ok, ob Beginn kann ich nicht einschätzen), in den gleichen Bahnen zu denken und das hat IMMER Folgen für die eigene Logik.

      …. (K.H.?)

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    4. Fortsetzung:

      Dein Ansatz ist und bleibt somit eine rein wirtschaftliche Sicht auf das Leben von Menschen, welcher sich als unvereinbar mit soziologischen/gesellschaftlichen oder philosophischen Betrachtungsweisen zeigt, erst recht mit dem Humanistischen:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus

      Es ist nicht ein kompatibel mit den Menschen, die innerhalb des System leben (vermutlich steigen deswegen die psychischen Krankheiten rapide), das System wird dem Menschen nicht gerecht. Zumindest das stellen die Menschen in zunehmender Menge fest.

      Teils versteht es sich zu selbst, weil eine wirtschaftliche Betrachtung sich rein mit der Kalkulation von Objekten beschäftigt, während die anderen Betrachtungswinkel sich mit Subjekten auseinandersetzen (davon abgesehen, dass Subjekte weitaus komplexer sind, möchte man sie auch noch so vielfältig wie irgend möglich betrachten. Das ist der Gegensatz zu simpel berechnet).

      Dass eine objektbezogene Betrachtung dem Menschen nicht gerecht wird, gerecht werden kann, das sollte zumindest einleuchten. Warum eine solche Logik auch noch gefährlich ist, welchen Schaden sie anrichten kann, wie es auf das Selbst abfärbt, das wird sich schon schwerer erschließen.

      "Glaubst Du, mir macht es Spaß, in kapitalistischen Dimensionen zu denken, wenn es um das Leben geht? Nein, nein, denke nicht, dass Dir das Spaß macht, befürchte, Dir steht einfach keine andere Betrachtung mehr zur Verfügung. Du bist in dieser Skinner-Box aufgewachsen und letztlich ein Produkt einer dieser Prägung. Den neoliberal Geprägten fällt bei der Betrachtung auf Menschenrettung in der Tat keine andere Art und Weise ein, über den WERT (Wert klassifiziert in diesem Falle lediglich den finanziellen Aufwand) zu sinnieren. Auch dann, wenn sie meinen, es ginge um etwas ganz anderes. Aus dem Labyrinth der neoliberalen Skinner-Box scheint es kein Entrinnen zu gegen.

      So mag es Dir völlig utopisch, abstrus, verrückt oder gar nur naiv erscheinen, wenn ich ausführe: „Es ist überhaupt nicht von Belang, was sich – aus systemischen Zwängen heraus – für Kosten ergeben. Denn das wiederum basiert doch nur auf einer berechneten Luftnummer und zwar dem Finanzsystem. Und wenn schon im neoliberal-Sprech, dann nur so: „Es ist ein Preis, den das System zu zahlen hat“ (hätte, es tut es ja nicht, statt dessen rechnet und berechnet es, ununterbrochen).

      Der humanistische Ansatz ist ein ganz anderer. Er rechnet nicht, es hat einfach gerettet und weiter entwickelt zu werden, was dem Menschen möglich ist (das bezieht sich nicht auf das Finanzielle). Punkt. (Dabei wird nicht selten sogar das eigene Leben riskiert). Bei einer solchen Betrachtung ist völlig einerlei, was das in Luftnummernzahlen kostet, was es den Retter selbst kosten könnte. Dafür interessiert sich nur das neoliberale System oder die „Ratten“, die ihre Gefangenschaft in der neoliberale Skinner-Box für die Welt und die dortigen Wege für die einzigen Lösungen halten.

      Wenn wir das global nicht auf die Kette bekommen, an fehlendem Reichtum, fehlenden Ressourcen liegt es nicht (wozu also rechnen?). Es liegt am Menschen selbst. Natürlich möchte Mensch sich das nicht zugeben. Was böte sich als Erklärung einfacheres an als zu sagen: „Zu teuer“? (Oder es gibt halt nur diese Wege.) Ganz aktuell sehen wir das am neuen Ost-West-Konflikt. Auch dort geht es nicht um Menschen, sondern ausschließlich um ökonomische Interessen. Wie unser Papst schon ausführte, das neoliberale System benötigt Kriege, insbesondere nach oder in Krisen bzw. wenn solche drohen. Den Kriegstreibern ist das egal. Dort trifft zu: „Wer aus der Vergangenheit nicht lernen kann ….“.

      … (K.H.)

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    5. Schluss:

      Wozu, als Steigerung quasi, das Leben eines Forschers auch noch gegen 1000 Leben von Somalier aufrechnen (aus ökonomischer Betrachtung dürfte das in etwa hinkommen, vll. etwas übertrieben, doch ich weigere mich, das nachzurechnen).

      Allerdings hast Du offensichtlich bereits akzeptiert, dass das Leben eines Somalier in der ökonomischen Berechnung weit weniger wert ist, als das eines europäischer Forschers. Stelle Dir die Frage, wie das passieren konnte. Wenn Du die beantworten kannst, findest Du die Türe aus der Skinner-Box vll. doch noch.

      Für mich, das stelle ich erst gar nicht infrage, ist das Leben eines Somaliers genau so viel „wert“, wie das eines Europäers (mich tangiert nicht einmal, was ein solcher geleistet hat … das wäre der nächste Punkt der neoliberalen Gleichung). In meiner Logik hat er das Recht, genauso abgesichert zu leben, wie es in den Gesellschaften der „reichen“ Nationen üblich ist (zunehmend war … doch erzähle mir keiner, dies sei nicht machbar ... und beginne eine ökonomische Rechnung ... ).

      “Aber, lieber Karl Heinz, wir leben nun einmal im Kapitalismus, und das menschliche, tierische und pflanzliche Leben wird täglich ökonomischen Interessen unterworfen.“

      Und Du meinst, wenn Du Dich dieser Logik unterwirfst, dann bestünde die Chance, dass sich etwas verändert? Dass sich zunehmend mehr Menschen damit beschäftigen würden, ob das System für die Menschheit überhaupt zielführend ist? Nein, es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass Du Dich der Logik anpasst (längst angepasst hast), mit der Du Dich beschäftigst. Denn das ist ein natürlicher Prozess unserer Lernstruktur. Es ist Dir also nicht vorwerfbar, dennoch ist es nicht günstig. Wenn Du Dich mit Systemveränderungen tatsächlich ernsthaft beschäftigen möchtest, dann ist es Voraussetzung, zuerst sich selbst zu hinterfragen bzw. auszumachen, auf welchem Weg in der Box man selbst steht. Veränderungen beginnen bekanntlich im Kopf und zwar im eigenen.

      Schau Dich doch nur um. Worüber beklagst Du Dich in Deinem Blog doch recht häufig.…. Däh, wie das nur passiert sein mag. Das sind vermutlich alles böse und unaufgeklärte Menschen … (oder wie immer Deine Erklärung aussehen mag).

      Und am Ende meiner vielen Worte stelle ich simple Fragen:

      1. Was hast Du davon, wenn Du 1 Europäter gegen 1000 Somalier aufgerechnet hast?
      2. Was hat die Menschheit davon, dass Du solches ausgerechnet hast?
      3. Was ändert sich für Dich, wenn Du es ausgerechnet hast?
      4. Was ändert sich für die Menschheit?

      Und zum Schluss:

      6. Verfolgt es überhaupt einen Nutzen und wenn, welchen?

      Die Fragen ergeben sich, denn Du beschreibst zwar, dass es nicht schlimm sei, solche Berechnungen anzustellen. Lehnst Dich sogar aus dem Fenster, in dem Du vorgibst, was ein Humanist alles denken und tun darf (ein Humanist sieht zwar die Skinner-Box. lebt größtenteils in ihr, weiß sie zu beschreiben, doch sein Horizont strebt nach anderen Möglichkeiten).

      Aber Du beschreibst nicht, warum Du es tust, welches Ziel Dein Tun verfolgt und/oder begründest auch nicht, warum ein Humanist eine solche Logik praktizieren sollte bzw. es sogar falsch sei, sich einer solchen Logik zu verweigern (Verweigerung bezieht sich darauf, solches selbst zu praktizieren. Nicht darauf, sie nicht erkennen zu können).

      Wenn es ein (Dein?) humanistischer Ansatz werden soll, dann kannst ich Dir nur als Hinweis mitgeben, dass Du die Wege in der Box schlicht und ergreifend dazu nicht gebrauchen kannst. Sie behindern, sie begrenzen Dich nur. Darüber kannst Du nachdenken, mit meinen Fragen reflektieren, müssen müssen, das musst Du natürlich nicht.

      K.H.

      PS: Und Du nennst mich naiv? Bist Du Dir sicher, dass Deine Einschätzung sich noch als haltbar erweist?

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    6. @K.H.
      Noch einmal: Ich ordne ein Menschenleben nicht einen festgesetzten Betrag zu. Ich kalkuliere nicht den Wert des Lebens, sondern ich sag(t)e, dass man durchaus kalkulieren kann, ein Menschenleben zu RETTEN. Diesen Unterschied scheinst Du nicht begriffen zu haben. Und ein Menschenleben eines Verhungernden zu retten ist KEINESFALLS zu teuer. Bei genannten Beispiel (Somalia) mag eine handvoll Reis/Tag ein Menschenleben retten. Und selbstverständlich halte ich die Rettung des Höhlenforschers nicht für zu teuer, oder unangemessen. Aber gleichzeitig kann man dann auch mal fragen, warum ein Leben in geographischer Nähe und unserem Kulturkreis angehörig soviel mehr wert ist, als unzählige Hungerflüchtlinge, die im Mittelmeer verrecken oder im eigenen Kontinent an Mangel an Nahrungsmittel, Medikamenten usw. sterben.
      Dass soll aber doch nicht heißen, dass ich eine aufwendige Rettung auch nur in Frage stellen will, weil andere Menschen 'preiswerter' gerettet werden könnten!
      Vielmehr möchte ich dafür eintreten, dass auch andere Menschen unserer Unterstützung bedürfen, die zwar weit weg vom Tode bedroht sind - aber nicht desto weniger MENSCHEN sind! Und ist denn nicht per se jedes Menschenleben gleichwertig?
      Egal welchen Kontinent es bewohnt, welcher Kultur es angehört?
      Tatsächlich findet aber nur ein Herr Schumacher und ein Herr Westhauser mediale Beachtung. Und denen gilt dann auch tendenziell unser Mitgefühl und unsere Aufmerksamkeit.
      Diese Diskrepanz (unterschiedliche 'Werte des Menschenlebens') wollte ich zum Ausdruck bringen.
      In dem, was Du aus meinen Zeilen herauszulesen glaubst, kann ich mich nicht wiedererkennen.

      Grüße, Duderich

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  4. zunächst mal muß ich sagen, dass ich absolut für die rettung dieses mannes bin, egal um welchen preis.

    dann finde ich die allgemeine diskussion aber wieder einmal sehr erhellend: es ist schon oft untersucht und auch immer wieder bestätigt worden, dass den menschen das schicksal eines anderen umso kälter lässt, je weiter er von ihm entfernt ist.

    und dieses "weiter" ist dabei wohl geografisch, aber offensichtlich auch kulturell zu verstehen. die anteilnahme ist jedenfalls wesentlich größer, wenn eine überschwemmung einer deutschen familie das häuschen wegreißt, als wenn auf dem Alexanderplatz ein asiatisch-stämmiger jugendlicher totgeschlagen wird.

    sicher spielt auch die technische herausfordeung bei der rettung aus der höhle eine rolle. aber war nicht die rettung dutzender chilenischer bergleute genauso aufwendig?

    es ist doch interessant, dass die weit ja angeblich immer kleiner wird und immer weiter zusammenrückt, dass andererseits ein archaisches "in-sippen-denken" offensichtlich immer noch ganz wesentlich das verhalten lenkt.

    problematisch daran ist, dass zyniker (vulgo: politiker) sich diesen menschlichen wesenszug zunutze machen, wenn es darum geht, machtinteressen in einem entfernten winkel der erde mit roher gewalt durchzusetzen.

    und so schließt sich der kreis bei unserem lieben, christlichen pastor Gauck, dem derzeit nichts wichtiger scheint, als die umsätze von Heckler&Koch, Krauss-Maffei und Rheinmetall auch dauerhaft zu sichern.

    lg
    don

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    1. @Duderich
      Natürlich habe ich begriffen, was Du mir sagen willst. Es hat nur keinen tieferen Sinn, was Du sagst. Du hast immer noch nicht ausgeführt, warum Du meinst tun zu müssen, was Du tust. Was soll sich daraus ergeben? (Gebe Dir im zweiten Teil Berechnungseinheiten an die Hand).

      Aber was hat die Rettung eines Forschers mit Somalia zu tun? Nichts. Wie ich schon ausführte, die Situation in Somalia ist mit einer Unfallsituation nicht vergleichbar. Das passt nicht zusammen, das geht nicht in Kontext. Die Rettung eines Einzelnen ist eine Frage der vorhandenen Möglichkeiten innerhalb eines bestehenden Gesellschaftssystem und es sich auf einen kleinen Kreis von Akteuren. Die Rettung von Somalia ist eine globale Systemfrage, das beträfe sgoar die Entwicklung der gesamten Menschheit (wenn ich das System als ein globales betrachte … und das dürfte nahezu so sein).

      Wenn man Herrn Westhauser im Krankenhaus erfolgreich und nachhaltig auf die Beine stellen kann, ist die Rettung dieses Menschenlebens als vollzogen zu betrachten. Das Leben eines Somalier wäre in derselben Situation mitnichten als nachhaltig gerettet zu bezeichnen. Auch dann nicht, wenn wir im täglich seine Schüssel Reis reichen würden. Also wo genau ist dort der Sinn versteckt?

      “Tatsächlich findet aber nur ein Herr Schumacher und ein Herr Westhauser mediale Beachtung.“

      Ist das so oder empfindest Du persönlich das nur so? Google (separat) „Bergrettung“, „Schumacher“ und „Somalia“ (ohne weitere Spezifika … nur der Richtung wegen). Selbst Schumacher, als international bekannte Persönlichkeit mit jahrzehntelangen Sportkarriere, schlägt Somalia in Form von Schlagzeilen nicht.

      “Und denen gilt dann auch tendenziell unser Mitgefühl und unsere Aufmerksamkeit.“ Von wem sprichst Du, wenn Du „unser“ formulierst? Von Dir?

      Mit"gefühl"? Das, mit Herrn Westhauser, wage ich doch für uns alle zu bezweifeln (selbst für Schumacher stelle ich das infrage. Das hätte zu seiner aktiven Zeit auch nur im Bezug seiner Fahrleistung gegolten. Für den Menschen dahinter interessiert sich in Wahrheit niemand, beliebig austauschbar, wird über die Funktion definiert).

      Mitgefühl (emotionale Empathie) von anderen kann man nicht einzuschätzen, wenn man sich selbst etwas vormacht (oder meint, sich etwas vormachen zu müssen, eine erlernte Umgangsweise … wir drücken unser „Mitgefühl“ aus, auch wenn wir gar keines haben).

      Schumacher und Westhauser sind genau soweit von unserem Mitgefühl entfernt, wie jede einzelne Persönlichkeit ins Somalia. Echtes Mitgefühl schaffen wir nur in unserem engsten Umfeld. Das würde sich ändern, wenn man Westhauser in seinem verletzten Zustand in die Augen schaut oder neben Schumacher am Krankenbett stünde oder aber tagtäglich mit dem Elend persönlicher Kontakte in Somalia konfrontiert wäre (zum Umfeld wird).

      Alles andere ist emotional zu abstrakt. Die Beschäftigung mit solchen Themen geht nur noch kognitive Empathie. Auch wenn wir emotionale Fragmente in uns wahrnehmen. Es ist nicht das gleiche, bezieht sich mehr auf uns selbst.

      Das ist theoretisch nicht weiter schlimm, nicht als menschliches Manko zu bemängeln und man könnte sich jede bigotte Moralisierung (das Vorspielen von Mitgefühl) ersparen. Die menschliche Fähigkeit zur emotionalen Empathie sollte ausreichend sein, weil man davon ausgehen kann, dass jeder einzelne Mensch innerhalb seines Umfeldes agiert, welches das entsprechende Mitgefühl für das jeweilige Individuum mitbringt. Wäre da nicht dieses ökonomische Nationen-Grenz-Macht-Geschachere … nicht selten auch „Unterstützung“ benannt …

      ....
      K.H.

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    2. Fortsetzung:

      “Vielmehr möchte ich dafür eintreten, dass auch andere Menschen unserer Unterstützung bedürfen, die zwar weit weg vom Tode bedroht sind - aber nicht desto weniger MENSCHEN sind!“ Wie genau möchtest Du das bewerkstelligen, also dafür eintreten?

      Unterstützen", "kultivieren" wir nicht schon seit Jahrhunderten? Und "entwicklungshelfen" wir nicht als Folge unseres eigenen Engangements? Und tun wir das heutzutage nicht mit einem solchen Engagement, dass der Preis für die Menschen dort als zu hoch eingeschätzt werden kann? Was hat sich also tatsächlich in der Zwischenzeit geändert? Nicht viel, würde ich schätzen.

      Also ich gewinne eher den Eindruck, wir sollten das mit dem "Unterstützen" sein und besser unsere nimmersatten "Unterstützungs"-Gier-Griffel aus den Entwicklungsländern (an deren "Entwicklung" wir maßgeblich beteiligt waren und bis heute sind) raus lassen (http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Somalias). Vll. haben sie dann eine echte Chance sich zu entwickeln. Doch das lassen wir nicht zu, passt nicht zum System, das braucht diese allumspannende sog. Globalisierung mit stetiger Einmischung.

      Statt tatsächlich zu unterstützen, mischen wir uns ständig ein, liefern Waffen, puschen Diktatoren, die uns gerade in den Kram passen, fahren vor der Küste mit unseren Luxusschiffchen spazieren, fischen ihnen die Nahrungsgrundlagen vor der Nase fort und verkappen unseren Müll, saugen das Öl aus dem Boden und lassen uns jeden "Entwicklungshilfe-Cent" vergoldet zurückschicken. Entwicklungshilfe ist längst big business.

      Unterstützen, das könnten wir vll. irgendwann einmal konstruktiv tun, wenn wir uns selbst zivilisiert hätten, dieses menschenverachtende System mit seinen Grenzen (die Eckpfeiler der Macht, des Besitzes und somit der Gewalt) in den Orkus der Geschichte verbannt hätten.

      Doch davon sehe ich weit und breit nichts:
      http://www.youtube.com/watch?v=QwhZnSQNLDU
      (Für heute gilt, weiter wie bisher)

      Meine feste Überzeugung: Wir, also die sog. entwickelten Industrienation helfen niemandem, nicht einmal uns selbst! Hilflose Helfer, nennt die Psychologie solche recht passend und es ist m.E. übertragbar.

      Wenn Du unbedingt wissen willst, was es kosten würde Somalia zu retten, na dann mach doch:
      http://de.kushnirs.org/makrookonomie/gdp/gdp_somalia.html
      (vll. fällt Dir während Du es tust auf, wie sinnlos das eigentlich ist)

      Neuere Zahlen stehen aufgrund der Bürgerkriegssituation nicht zur Verfügung, doch es wird nicht preiswerter geworden sein … So wird es nach systemischen Gesichtspunkten mittlerweile ein paar Milliarden kosten. Man kann dazu den Durchschnitt der Vergleichsnationen nehmen und aufschlagen (exakte Zahlen spielen dabei eh keine Rolle).

      Eigentlich wäre es komplizierter doch das tangiert niemanden: „Wem gehört Somalia“, das Land, die Bodenschätze und: „Wem gehört das Meer nebst Inhalt“?
      http://www.deutschlandfunk.de/wem-gehoert-das-meer.697.de.html?dram:article_id=76409

      Das wäre alles zurückzukaufen an die somalische Nation zu verteilen. Sie könnte dann selbst entscheiden, was sie damit anstellt (theoretisch natürlich nur):
      http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=37312
      (Ist das nicht toll, wie sie versuchen, sich dem System anzupassen?)

      Nebenbei: Doch damit hätte man den Standard der Industrienationen noch nicht erreicht. Der Durchschnitt der Industrienationen würde sich als Differenz anbieten, die Du noch aufschlagen müsstest und Stabilität (relativ) zu gewährleisten. Wobei die Frage: ab welchem ökonomischen Status eine Nation als gerettet betrachtet werden kann, natürlich dehnbar ist .... kenne Deine Kriterien nicht.

      ... K.H.

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    3. Schluss:

      Und nun?

      Also mir wurde immer noch nicht erklärt, was es für einen Sinn für Dich und die Menschheit (oder die Somalier) haben sollte. Außer in solchen Bahnen zu denken. Und was hat das mit dem geretteten Forscher zu tun.

      Statt dessen erzählst Du, was Du als Selbstverständlich erachtest, Du führst in einem Satz aus, dass Du an die Menschenrettung Anderer appellierst und Du hast unterstrichen, dass Du jedes Menschenleben für gleichwertig erachtest …. Schön, dass wir das geklärt haben. Doch das erklärt die Sinnfrage für eine ökonomische Berechnung nicht.

      Also noch einmal: Wieso sollte man das Leben von 1000 Somalier nach ökonomischen Gesichtspunkten berechnen und diese für eine Gegenüberstellung der Bergrettungs-Kosten nutzen?

      Und wenn ich doch offensichtlich schon nicht in der Lage bin, Deinen geheimen Sinn als einen solchen zu begreifen, wieso erklärst Du ihn mir nicht einfach?

      K.H.

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    4. @K.H.:
      Habe das Gefühl, wir reden aneinander vorbei, bzw. ich kann meine Beweggründe für Dich nicht nachvollziehbar darlegen.
      Letzter Versuch:
      Der Grund des Vergleiches ist folgender:
      Niemand (mir bekannter) zweifelt die Sinnhaftigkeit der Höhlenforscherrettung an - unabhängig davon, welch finanzieller Aufwand dies bedeutet. Gut so!
      Gleichzeitig scheinen wir aber zu akzeptieren, dass minütlich Menschen an Hunger sterben, obwohl diese vergleichsweise einfacher zu retten sind. Und daraus leite ich eben ab, dass unterschiedliche Menschenleben eben auch unterschiedlich gewertet werden. Der Eine wird selbstverständlich gerettet, andere lassen wir selbstverständlich sterben. Für die Einen sind (fast unbegrenzte) finanzielle Mittel der Rettung da, für die anderen nicht.
      Um es noch einmal deutlich zu sagen: Ich kalkuliere keine Menschenleben, sondern ich kalkuliere (symbolhaft) die RETTUNG von Menschenleben. Und die täglichen Hungertoten müssen eben nicht mit hohem technischen Aufwand gerettet werden, sondern lediglich mit Nahrung versorgt.
      Ich ziele ja nicht auf den Schluss, dass man lieber Hungernde retten soll statt einen Höhlenforscher, sondern im Gegenteil, dass wir da wir ja das Menschenleben als unveräußerliches Recht betrachten konsequenterweise auch über Landes- und Kontinentalgrenzen hinweg retten.
      Nochmal zur Sinnfrage ökonomischer Berechnung:
      Wenn ich sagen würde, dass ein Menschenleben für sagenwirmal 1€/pro Tag (Beispielbetrag) gerettet werden könnte, dann kann doch jeder für sich selbst entscheiden, ob dies für ihn eine sinnvolle Information ist, oder nicht - und welche Konsequenzen er daraus zieht.
      Wenn Du dann für Dich entscheiden würdest, dass diese Information sinnlos wäre, dann sei Dir das unbenommen.

      Hoffe, das jetzt mal abschließend geklärt zu haben.

      Grüße, Duderich

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    5. Nein. Die Diskussion zwischen uns begann doch nicht damit, dass ich nicht verstünde, was Du meinst damit verbinden zu können. Sondern mit meinem Einwand, dass ein solcher Ansatz der völlig falsche Weg dahin sei, weil er in eine fest vorgelegte Richtung führt.

      Die Richtung ist deswegen festgelegt, weil wir diesen Weg doch längst (nahezu als gesamt Menschheit) kulturell gegangen sind (Schirrmachers Buch lohnt sich, es liest sich auch ganz nett). Deswegen entscheidet auch niemand mehr (Du nicht und ich auch nicht) über den Einsatzzweck solcher Informationen (das tut längst ein System, das hat einen bestimmten Sinn gefunden).

      Geklärt hast Du nur eines, dass Du den Wirkungsgrad nicht betrachten möchtest, nicht bereits bist, zu hinterfragen. Statt dessen immer wieder dieselben Intention betonst, damit dem Leser auf jeden Fall klar wird, dass Du keine unlauteren Absichten verfolgst.

      Doch das war nicht Tenor meines Einwandes und macht einen solch ökonomischen Ansatz nicht zu einem besseren. Es ist egal, ob ein Gutmensch den Ansatz verfolgt, ein Entwicklungshelfer oder ein Konzernchef. Das mündet alles in Markt bzw. in Transaktionscomputern und damit im System.

      Lästig scheint dem System nur noch eines zu sein, dass dem Menschen (noch) nicht möglich ist, sich auch direkt körperlich in diese Systeme einzuspeisen (die müssen tatsächlich noch atmen, schlafen und essen etc.). Dann zählte nur noch eines: an oder aus.

      Doch was solls, ich gebe es auf. Vll. nimmst Du eines Tages mal Schirrmacher in die Hand und u.U. würde Dir dann später klar, worüber ich eigentlich geschrieben habe ... oder auch nicht ...

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  5. Hier noch ein paar Zutaten zum Unnutzen, die Rettung von Menschenleben in eine strenge betriebswirtschaftliche Logik zu überführen (preisgegeben von meiner Besten beim Morgencafe).

    Sieh schaut sich Fernsehnachrichten an, was ich mir wiederum nicht antun mag.

    In einem Vorort von Paris wurde ein 16jähriger Roma von 12 Männern zusammengeschlagen und dann, als er ohne Bewusstsein war, in einen Einkaufswagen geworfen. Die mediale Aufregung gross, aber wohl wie immer nur von kurzer Dauer.

    Ebenso in Paris: Dort haben zwei jugendliche Tunesier (sans papiers, ohne Papiere) in einem brennenden Haus Menschenleben gerettet.
    Für ihren Einsatz , französisches Leben gerettet zu haben, erhalten sie jetzt die französische Staatsbürgerschaft.

    Auf der einen Seite ein unbeschreiblicher Fremdenhass, der nicht davor zurückschreckt Menschenleben zu vernichten, auf der anderen Seite diese menschliche Eingebung, die nicht erst hinterfragt, sondern spontan handelt und Menschenleben retten will.

    Ich bin weder Philosoph noch Soziologe. Als gelernter Ökonom und unter den Verhältnissen in denen Menschen leben, halte ich die Aneignung eines Kosten-/Nutzendenkens in den gesellschaftlichen Beziehungen für sehr realistisch. Wie wir das aus unserer Geschichte kennen, kann sich die Vernichtung von Menschen auch zu einem kollektiven Wahn entwickeln.

    Darüber nachzudenken, ob dieser Wahn aus wirtschaftlichen Motiven, nationalen Besonderheiten erfolgt und/oder in der inneren Struktur des Menschen bereits angelegt ist, das würde mich selbst in den Wahnsinn treiben.

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    1. "Darüber nachzudenken, ob dieser Wahn aus wirtschaftlichen Motiven, nationalen Besonderheiten erfolgt und/oder in der inneren Struktur des Menschen bereits angelegt ist, das würde mich selbst in den Wahnsinn treiben."

      Da ist was dran ... und selbst einem Humanisten kann während seiner Studien hin und wieder der Atem ausgehen. Doch wenn am Ende letztlich die Analysen dahin führen, dass es sich tatsächlich um so etwas wie "Wahn" handelt, dann ist die Erkenntnis nicht weit, dass der Menscheit ganz andere Wege, weniger "kranke" Wege offen stehen. Sie muss sich nur bemühen und den ca. 10 % Wahnsinnigen, die die Geschicke der Menschheit lenken, zu widerstehen. Es wäre schon mal ein Fortschritt, wenn die Masse den Wahnsinn als solches erkennt.

      Wie man die Ukraine als Negativ-Beispiel für den Wahnsinn heranziehen kann, so kann man auch die Abwehr der Bevölkerung, sich auf militärische Auseinandersetzungen einstimmen zu lassen, als Positiv-Beispiel anführen.

      k.H.

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  6. Aus ehtischen Gründen diskutiere ich über so etwas grundsätzlich nicht.
    Warum dieses Thema? Ergebnisoffen? Oder was? Schämt Euch!

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    1. Duderich regiert auf K.H. wie ein Ertappter, der beim falschen Denken erwischt wurde.

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  7. @Duderich

    Das Durcheinander meiner letzten Beiträge bezüglich Struktur und Reihenfolge bitte ich zu entschuldigen. Mein Browser springt hin und her ... hält seine Position nicht ... und zeigt mir nicht an, ob ein Teil schon gepostet ist oder nicht ... (wieso auch immer)

    K.H.

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  8. Passt gut zu diesem Thema:
    http://duckhome.de/tb/archives/12525-Guido-Westerwelle-hat-Leukaemie-ja-und.html

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    1. Jupp. Und obwohl ich Westerwelle trotz allem noch als Mensch sehe (Hass ist nicht mein Ding), fehlt mir eine persönliche Beziehung, um wirklich Mitgefühl zu haben. Das geht nicht über meine kognitive Empathie hinaus, die kulturelle Prägung, die mir sagt, auch er ist es wert, geheilt zu werden (wenn möglich).

      Habe auch noch einen Link der zum Thema passt ... Mag der Duderich meinen einen anderen Ansatz verfolgen zu können. Doch eher wird es so benutzt:

      http://www.nachdenkseiten.de/?p=22145

      Und da kann er auf seiner eigenen Intention rumdaddeln wie er Lust und Laune hat. Funktionieren tut es halt anders, das System holt sich alles ...

      k.h.

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