Follow by Email

Mittwoch, 4. Juni 2014

Die Naivität des Optimismus

Abteilung:  'Die Menschheit hatte von Anfang an nicht das Zeug dazu.' (Bukowski)

Alles weiter wie gehabt. Wird schon gut gehen.
Die wenigsten machen es sich bewusst, aber man kann wohl unwidersprochen konstatieren, das gesellschaftliche Interessen, denen des Kapitals geopfert werden.
Hört sich an, wie eine steile These, oder wie eine Binse - je nach Standpunkt.

Der interessierte Mensch, wird täglich informiert über irreversiblen Raubbau an der Natur - unserer Lebensgrundlage.
Man nimmt überbordenden Reichtum wahr - und auf der anderen Seite himmelschreiende Armut, bis zum Hungertod.

Ist es da so naiv, nach Ausgleich zu fragen? 

Ist man dann 'Gutmensch'?
Kommunist?
Sozialist?
Staatsfeind?

Aber ja!

Die Besitzverhältnisse sind zementiert.

In diesem System werden Reiche reicher und Arme ärmer. Das geht gar nicht anders!

Und das hat dann auch eine natürliche Grenze.
Aber bis dahin werden natürliche Ressourcen im gigantischen Ausmaß Kapitalinteressen geopfert worden sein.

Wäre schön, wenn ich glauben könnte, dass die Vernunft rechtzeitig genug siegen möge.

Ich glaube nicht, dass wir, die Menschheit, noch mal die Kurve kriegen.

Ich gebe der Menschheit noch 100 - 300 Jahre.

Danach wird sich dieser Planet erholen.

Und, wie damals die ausgestorbenen Dinosaurier, werden auch wir Platz machen, für eine nachfolgende (intelligentere?) Spezies.

Viel dümmer können die sich ja auch nicht anstellen...

Kommentare:

  1. "Man nimmt ... 'wahr' - ..."

    AntwortenLöschen
  2. "In diesem System werden Reiche reicher und Arme ärmer."
    Nach 100 Jahren grassierendem Kapitalismus müsste die Armut dann ja langsam die größte der Menschheitsgeschichte sein. Stattdessen klettert die durchschnittliche Lebenszeit immer weiter (Verdoppelung in den letzten 100 Jahren) und sinkt der Anteil der Arbeitszeit an der Lebenszeit auf immer neuen Tiefstwerte - im statistischen Welt-Durchschnitt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. O.K. Anonymus!

      Der statistische Welt-Durchschnitt ist die Grösse, die nichts erklärt, aber sich als Beweis aufbläht.

      Frag mal "Graf Zahl". Der hat echt Ahnung wie das geht. 5+1 =6.
      Durchschnitt = 3.

      Der statistische Durchschnit macht es möglich! Überall Fortschritt. Aber auch nur dann, wenn man die negativen Zahlenwerte erst gar nicht mit einbezieht.

      Löschen
    2. Wie konnte das Kind nur ertrinken?
      Der Teich hat doch lediglich eine Durchschnittstiefe von 0,4 Metern!
      :-)

      Löschen
    3. Das durchschnittliche Vermögen z.B. in Deutschland beträgt ca. 60.000 €. Nur die meisten hier kommen nicht mal annähernd auf diese Summe. Es werden immer mehr Menschen, die täglich Angst haben, sich und ihre Familie zu ernähren, nur weil sie kein Geld haben. Das muss man sich mal reinziehen. Wenn es kein Geld gäbe, bräuchte keiner mehr um seine Existenz fürchten und könnte wirklich frei leben.

      Übrigens steigt die durchschnittliche Lebenszeit schon eine Weile nicht mehr. Unsere Kinder werden im Schnitt nicht mehr so alt wie die heutigen Alten, was übrigens daran liegt, dass wir immer mehr ausgebeutet werden und von allen Seiten Giften (Umwelt, Lebensmittel...) ausgesetzt sind.

      Dass die Lebensarbeitszeit oder besser Sklavenarbeit sinkt, ist auch eine kühne Behauptung.

      Löschen
    4. wieder so ein neoliberales scheinargument:

      weil den menschen zugunsten von pharma-, krankenhaus- und altenheimkonzernen 10 jahre mehr dahinvegetieren in altersarmut, einsamkeit und demenz "geschenkt werden", sollen sie sich gefälligst nicht so haben, wenn sie von der zeit, in der sie halbwegs gesund sind, 3-5 jährchen länger buckeln dürfen.
      hauptsache der shareholder kann den zuwachs an produktivität komplett für sich verbuchen!

      schöne aussichten für otto normalverdiener. da freut man sich doch über jedes zusätzliche lebensjahr, mit dem man die statistik weiter "verbessern" kann.

      lg
      don

      Löschen
    5. @ Ruby
      "Das durchschnittliche Vermögen z.B. in Deutschland beträgt ca. 60.000 €."

      Der Vergleich zieht nicht. Dementsprechend müsste es bei der Lebenszeit wenige Menschen geben, die um mehrere Größenordnungen älter werden als die meisten anderen.
      Die Lebenszeit ist aber nicht so verteilt wie beim Kapital, dass wenige das Tausendfache an Lebenszeit haben als die meisten anderen.

      "Übrigens steigt die durchschnittliche Lebenszeit schon eine Weile nicht mehr."

      Das ist falsch. Siehe die Grafik z.B. der Lebenserwartung bei Geburt auf http://de.wikipedia.org/wiki/Lebenserwartung
      Die Lebenserwartung ist seit 1990 im weltweiten Durchschnitt um sechs Jahre gestiegen - auf 73 Jahre.
      spiegel.de/gesundheit/diagnose/a-969548.html

      Zur Arbeitszeit: www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/2006_01/06_01_nolte/index.html
      "Das Muster des „Oben wenig, unten viel“-Arbeitens der klassischen bürgerlichen Gesellschaft hat sich inzwischen umgekehrt. In den höheren sozialen Schichten, bei den Bestqualifizierten und Gutverdienenden, hat sich Arbeitszeit ausgedehnt – im Tages- und Jahreszyklus wie im Lebensverlauf – in den unteren sozialen Schichten, bei den Geringqualifizierten und Geringverdienern, ist sie verkürzt worden."

      In Europa sieht die Verteilung der Lebenszeit derzeit so aus:
      53 % Freizeit, 33 % Schlaf, 14 % Ausbildung/Beruf. Unerträgliche Zustände, oder?

      @ Duderich
      "Wie konnte das Kind nur ertrinken? Der Teich hat doch lediglich eine Durchschnittstiefe von 0,4 Metern!"

      Zwei Gesellschaftsszenarien angenommen: Im einen beträgt die durchschnittliche Lebenszeit über die ganze Bevölkerung hinweg 50 Jahre, im anderen 100 Jahre.
      In beiden Szenarien gibt es aber Fälle von Totgeburten. Dann wären deinem klugen Beispiel zufolge diese beiden Szenarien also gleichwertig?

      @ Don Tingly
      "weil den menschen zugunsten von pharma-, krankenhaus- und altenheimkonzernen 10 jahre mehr dahinvegetieren"

      Das ist Unfug. Die Menschen werden gerade nicht immer länger krank im Alter, sondern später und weniger.

      Ich finde es ziemlich schlimm, wie hier Unwissen und Unverständnis Hand in Hand gehen, und dies von Euch wahrscheinlich auch noch als besondere Klarsichtigkeit empfunden wird (was ich für die bekannten Daten, die ich hier anführe, nicht beanspruche).

      Löschen
    6. das mit dem unwissen ist halt so eine sache: ich sehe hier einen "anonym", der mit statistischen werten normative aussagen untermauert, die letztlich aber nichts anderes sind, als der versuch, das derzeitige wirtschaftssystem als "gut für alle" zu beschreiben, was es definitiv nicht ist.

      z.b. ein anstieg der lebenserwartung um sechs jahre ist ein nichtssagender wert, wenn man ihm nicht entgegensetzt, was bei gerechter verteilung der ressourcen möglich wäre.

      bzgl. der arbeitsleistung ist 53 % freizeit angesichts einer jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50 % in manchen ländern europas, beinahe zynisch.

      und das "viel vs. wenig arbeiten" ist nunmal auch äußerst relativ: ich persönlich würde einen abwechslungsreichen, körperlich wenig anstrengenden und überproportional dotierten 70-stunden-wochen job, über den politiker und manager so häufig klagen, jedenfalls lieber machen, als sagen wir 40 stunden pro woche stahl zu kochen und dafür ungefähr 0,25 % (!) des gehalts vom chef zu bekommen.

      und zuletzt:
      wenn das altern bei uns so schön ist, wie kommt es dann, dass die zahl der dementen von jahr zu jahr zunimmt? dass ein eklatanter mangel an pflegepersonal herrscht? dass die arbeitnehmer - und nur sie - jedes jahr mehr für das gesundheitssystem aufwenden müssen? dass die zahl der psychisch erkrankten sich seit 2000 verdoppelt hat? etc. etc.

      ja, sie haben recht: bei uns in europa verhungert niemand mehr auf der straße. das überlassen wir 800 mio. menschen in der dritten welt. wenn sie die zustände in der welt aber angesichts geschätzter 600 billionen (!) dollar, die allein in finanzderivaten angelegt sind, in ordnung finden, kann ich ihnen leider nicht im geringsten folgen.
      man sollte die entwicklung nicht an winzigen fortschritten im vgl. zum mittelalter, sondern an den potenzialen messen. und hier war die diskrepanz in der geschichte der menschheit wohl noch nie so groß wie heute.

      lg
      don

      Löschen
    7. Und was Du hier anführst, willst Du ursächlich alles dem Kapitalismus zuschieben?

      Zum Anstieg der Demenzkranken sagt demenz-forum.net
      "Zwei Faktoren sind im Wesentlichen für diese Entwicklung verantwortlich: Zum einen gibt es immer weniger Nachwuchs, zum anderen nimmt die Lebenserwartung zu."

      Bei psychischen Erkrankungen ist die Diagnoseschwelle heute die gleiche wie damals, um Vergleichbarkeit zu haben? Der Kapitalismus der einzige Faktor, der hier Einfluß haben kann?

      Ich vergleiche hier auch nicht "mit dem Mittelalter" - man muss gar nicht weit zurückschauen. Bis 1955/56 galt eine 6-Tage-Arbeitswoche. In der DDR noch 10 Jahre länger.

      Ich sage nicht, dass das System "gut für alle" ist, es geht um die durchschnittliche Entwicklung, und da spielen die paar Reichen keine nennenswerte Rolle.
      Dass es großen Verbesserungsspielraum gibt, sehe ich auch so, aber man muss dazu nicht diese Schwarz/weiß-Malerei betreiben.

      Löschen
    8. "Ich sage nicht, dass das System "gut für alle" ist, es geht um die durchschnittliche Entwicklung, und da spielen die paar Reichen keine nennenswerte Rolle."
      Hast Du Dich schon mal mit der Armut- und Reichtumsverteilung auseinandergesetzt?
      Es geht hier nicht um eine Neiddebatte, sondern um Verteilungsgerechtigkeit. Und von dieser sind wir sehr, sehr weit entfernt. Und warum? Weil es EXTREMEN Reichtum gibt, deren Zinsansprüche auch noch von Anderen(!) erwirtschaftet werden müssen. Wer schreit denn nach freien und unregulierten Märkten? Die Armen?
      Keine nennenswerte Rolle - ich fass es nicht!

      Löschen
    9. Mit dieser Meinung ist anonym leider nicht allein. Die sogenannte Mittelschicht, die sich als Gewinner fühlt und nach unten tritt und sich null für die Menschen interessiert, die vom System aussortiert werden. Sie merken leider nicht, dass ihnen jegliche Menschlichkeit verloren geht. Dass auch sie nur Sklaven der oberen 1% sind und auch ganz schnell nach unten fallen können, egal wie fleißig sie buckeln, bekommen sie in ihrem Koma nicht mit.

      Löschen
    10. Duderich, mit den Reichen, die keine Rolle spielen, meinte ich, dass diese bei der Messung der genannten positiven Entwicklungen, die die Gesellschaft(en) insgesamt betreffen, nicht ins Gewicht fallen.
      Dass die Entwicklungen toller sein könnten und es Verteilungsungerechtigkeit gibt - keine Frage. Die Dunkelschwarz-Malerei ist nur übertrieben.

      Ruby, ich als Vertreter der Mittelschicht, die sich als Gewinner fühlt? Da weißt Du von Gefühlen in mir, von denen ich (noch?) nichts weiß. Ich sehe das Leben als Fülle von Handlungsmöglichkeiten und Optionen. Ich verfolge Projekte, die auf meinem eigenen Mist gewachsen sind, wo ich für niemanden buckele.
      Dass das nicht allen möglich ist, ist mir auch klar.
      Aber es gibt da diesen schönen Spruch:
      "Wer sagt, er sei ohnmächtig, lässt sich bald wirklich hängen."

      Löschen
    11. @ anonym:
      "Zwei Faktoren sind im Wesentlichen für diese Entwicklung verantwortlich: Zum einen gibt es immer weniger Nachwuchs, zum anderen nimmt die Lebenserwartung zu"

      nichts anderes wollte ich ja sagen: was hilft mir eine längere lebenserwartung, wenn ich das mehr an jahren dement in einer windel und ans bett gefesselt verbringen darf?

      die diagnoseschwelle ist sicher ein teil der erklärung für den anstieg. allerdings ist die tatsächliche zunahme speziell bei kindern und berufstätigen augenscheinlich.

      und von kapitalismus habe ich zunächst mal gar nicht gesprochen. ich stelle lediglich symptome fest.

      dass ein system, dass den kampf jeder gegen jeden und um jeden preis zum prinzip erhebt (außer für das obere 1%; die arrangieren sich untereinander friedlich) nicht gesund sein kann, liegt für mich allerdings auf der hand.

      gut finden können das nur die starken, die dummen und die misanthropen, denen jedes mitgefühl mit anderen menschen abgeht.

      wobei Ruby völlig recht hat: die meisten der "starken" glauben nur, sie gehörten zu den siegern. in wirklichkeit merken sie gar nicht, dass sie auch immer näher an den abgrund kommen.

      lg
      don

      Löschen
  3. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Was genau verstieß denn gegen die Nettiquette? Dachte eher, es handele sich um eine reine Feststellung über eine gepostete (nachlesbare) Aussage.

      Das Beispiel mit dem ertrunkenen Kind im Teich ist darauf nicht anwendbar, denn er hält sich weder an korrekte, noch an vergleichbare Werte. (Was haben seine Aussagen überhaupt noch mit Statistik zu tun? Sind Eure Antworten nicht schon zu viel der Ehre auf solch einen Kappes?)

      Was dieser Anonym da schreibt, ist einfach zusammengewürfelter Kappes, wie die Suppe vom Smörrebröd-Koch aus dem Muppetshow und die ist bekanntlich ungenießbar.

      Bin der Meinung, wenn jemand Dummes von sich gibt, dann sollte man ihm das sagen. Tut man das nicht, wird der Schreiber das niemals erkennen können (vermutlich geht er davon aus, er schreibt etwas Wichtiges und u.U. sogar etwas besonders Kluges).

      Doch wahrscheinlich regiert deswegen die Dummheit so erfolgreich diese Welt. Man darf sich ihr so selten erwehren ... Nicht einmal mehr festhalten darf man, dass es sich nur um Smörrebröd handelt und mit Statistik so viel zu tun hat, wie die Muppet-Suppe mit Speisen.

      Löschen
    2. Nettiquette heißt für mich, dass man auch schwache Positionen nicht beschimpft, sondern sich inhaltlich damit auseinandersetzt (oder es halt bleiben lässt).

      Nett wäre auch ein Nickname, wenn ich schon gerade beim wünschen bin.

      Grüße, Duderich

      Löschen
    3. Man kann sich nur inhaltlich mit etwas auseinander setzen, was einen Inhalt hat! Das ist eine Grundbedingung, die jedoch nicht erfüllt wurde.

      Bei solchen Aussagen kann man davon ausgehen, es folgt den Leitlinien der Demagogie. Demagogie ist eine Beleidigung/Verarsche für jeden Verstand. Das letzte was sie interessiert, sind Inhalte.

      Jeder, der darauf mit Inhalten darauf, zappelt bereits im Netz des Demagogen, strampelt sich brav daran ab.

      Löschen
    4. @Anonym:
      Der andere 'Anonym' stellte lediglich Thesen auf, die Dir nicht passen. Mit Demagogie hat das schlicht nichts zu tun.

      Löschen
  4. Antworten
    1. Umso genauer man die Welt betrachtet - umso depressiver wird man. Man könnte sogar, es ist eine natürliche Reaktion...

      Löschen
    2. 'Man könnte sogar sagen', ...

      Löschen
    3. "Umso genauer man die Welt betrachtet - umso depressiver wird man."
      Jeder hat völlige Freiheit in der Deutung aller Dinge.
      Man sollte also natürlicherweise die Deutung wählen, die einen am handlungsfähigsten und in bester Verfassung hält, Wenn Depression dies für Dich am ehesten leistet... dann ist das erstaunlich.

      Löschen
    4. @Anonym

      "Man sollte also natürlicherweise die Deutung wählen, die einen am handlungsfähigsten und in bester Verfassung hält"

      Da kann ich dir nicht Recht geben. Denn das erfordert ja, dass man die realen Zustände ausblenden muss und demzufolge auch die falschen Schlussfolgerungen zieht.

      "Wenn Depression dies für Dich am ehesten leistet... dann ist das erstaunlich."

      Hier gebe ich dir aber Recht. Klar sind Depressionen auf Grund der bestehenden Verhältnisse verständlich aber wir müssen aus diesem Zustand auch wieder rausfinden und Gegenstrategien entwickeln. Sonst haben wir verloren.

      Löschen
    5. "Das erfordert ja, dass man die realen Zustände ausblenden muss und demzufolge auch die falschen Schlussfolgerungen zieht."

      Das ist ein kaputter Glaubenssatz, den Du da pflegst... "Ich muss mich schlecht fühlen, um die richtigen Schlußfolgerungen zu ziehen." - Das kommt aus der Kindheit, aus der Erziehung, was man Kindern einredet.
      Wenn das so wäre, würden ja alle, die sich schlecht fühlen, besser zurechtkommen ohne Hilfe und Input von außen. In Wahrheit hilft der Blick von außen, der nicht durch Emotion und Negativität eingeengt ist, um klarer zu sehen, um die Perspektive zu weiten, wenn man sich Rat holt.

      Löschen
    6. So ein Blödsinn. Hier verwechselst du aber Ursache und Wirkung. "Ich ziehe nicht die richtigen Schlussforgerungen, weil ich mich schlecht fühle, sondern weil ich die bestehenden Zustände erkenne und sie für menschenunwürdig empfinde. Und diese Zustände machen mich zornig.

      Wenn du aber glücklich durch die Welt gehen kannst und das Elend ausblendest, weil es dich ja im Moment nicht persönlich betrifft, reihst du dich ein in die Masse der Ignoranten und unmenschlichen Desinteressierten.

      Ist es dir wirklich egal, dass viele Menschen immer mehr im Elend versinken, weil 10 % der Weltbevölkerung den Hals nicht voll bekommen können?

      Löschen
    7. Dann gibt es für Dich eigentlich nur zwei Möglichkeiten:
      Du nimmst diesen Antrieb, um selber Macht zu gewinnen und damit mehr Einfluss in Deinem Sinne ausüben zu können. Oder aber, wenn Du meinst, man müsse böse werden, um Macht zu erlangen, dann bleibt nur, einen möglichst gesunden Ausgleich zu finden, dass Du nicht mit dem letztlich selbstzerstörerischen Zorn durch's Leben gehst.

      Bekannte von mir haben in der Entwicklungshilfe ihre Erfüllung gefunden, und sie sind erstaunlicherweise entspannter als Leute, die das richtige Elend nur aus Fernsehen und Internet kennen. Auch das wäre also ein Weg.

      Löschen
  5. Angesichts der immer weiter wachsenden, schon jetzt gigantischen Ressourcen Verschwendung; der enormen Umweltzerstörung (Vernichtung der Regenwälder, Versauerung der Ozeane...); dem immer weiteren Aufheizen der Atmosphäre; der Ausbeutung der Armen durch Diebstahl und Versklavung und dem unbedingten Willen der Mächtigen immer noch schneller noch mehr zusammen zu raffen .... schätze ich auch auf 300 Jahre.
    Danach wird es vielleicht noch ein paar umherziehende Sippen geben, ähnlich der Jungsteinzeit. Letztlich wird der Mensch aber ebenfalls Opfer des größten Artensterbens seit hundertmillionen Jahren sein, das er selbst verursacht hat und nun schon fast hundert Jahre mit steigender Tendenz anhält.
    Nix mit "macht euch die Erde untertan". Liebe Gläubige, euer Gott ist schon längst stiften gegangen. Kümmert sich vielleicht gerade um eine neue Schöpfung in irgend einem Paralelluniversum und hat diese Welt schon längst frustriert in den Restmüll gekippt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit Euch sollte man sich wohl eher nicht umgeben, wenn man noch was vorhat im Leben? Jeder kann in seinem Bereich positiv wirken, anderen Menschen etwas geben.
      Wenn man der Meinung ist, dass das alles keinen Sinn hat, sollte man nicht andere runterziehen, die mehr Energie haben.
      Wofür lebt Ihr überhaupt, wenn alles so überwältigend negativ ist?

      Löschen
    2. das siehst du aber jetzt total falsch:
      ich glaube gerade die, die hier schreiben sind von haus aus sehr positive und empathische menschen.
      wir glauben daran, dass der mensch eigentlich und ursprünglich gut ist. dass wir allerdings in einem gesellschaftssystem leben, in dem ihm dieses gutsein mehr und mehr ausgetrieben wird. und zwar auf eine ganz perfide art. in etwa getreu dem motto: wenn jeder nur an sich denkt, ist an jeden gedacht.

      wir glauben auch daran, dass es alternativen gibt, in denen werte wie solidarität, ökologie (im umfassendsten sinn), mitgefühl und nächstenliebe dominieren, anstelle von gier, hass (meist in der form von neid) und konkurrenz bis in den tod.

      ich bin noch nicht mal gegen wettbewerb. wettbewerb wirkt tatsächlich oft belebend und förderlich. aber er sollte dazu auch fair sein.

      und diese fairness kann nur auf der grundlage einer gesicherten existenz entstehen. wenn menschen also nicht um nahrung, kleidung, behausung, medizinische versorgung und bildung kämpfen müssen, sondern diese lebensgrundlagen solidarisch erwirtschaftet und verteilt würden, könnte um alles, was darüber hinaus geht ruhig ein wettbewerb stattfinden.

      jenseits eben von ausbeutung, erpressung und ausnutzung historischer, gewaltsamer besitznahme.

      da würde sicher einiges verschwinden, weil es sich, hergestellt zu fairen bedingungen, keiner mehr leisten wollen würde.
      andererseits würden auch viele neue, kreative dinge entstehen, die jetzt nicht umgesetzt werden, weil sie nicht "marktfähig" sind.

      unter diesem gesichtspunkt, versuche ich mein leben zu gestalten. das ist das gegenteil von depression und aufgabe. jeder tag bietet eine fülle von herausforderungen und möglichkeiten.

      lg
      don

      Löschen
    3. Warum nur glauben, dass der Mensch eigentlich und ursprünglich gut ist? Es gibt bis heute Naturvölker, die ohne den Einfluss unseres Systems existieren. Es muss doch Studien geben, wie es bei denen ist, was deren Güte des Menschseins von unserer unterscheidet?

      Gier, Hass und Konkurrenz bis in den Tod kenne ich aus persönlicher Erfahrung in meinem Leben und meinem Umfeld nicht, insofern kann ich schlecht behaupten, dass diese Eigenschaften prägende Eigenschaften unserer Gesellschaft sind.

      Für Existenzsicherung im von Dir beschriebenen Sinne bin ich auch absolut.
      Die Frage ist, ob die Erfordernisse dafür nicht immer weiter ansteigen, indem das System darum herum hochgepegelt wird.
      Das System gibt z.B. durch die Lebenshaltungskosten vor, was für diese Existenzsicherung zu leisten ist. Wenn diese Lebenskosten aufgrund Angebot/Nachfrage ansteigen, wenn vielen Menschen größere Zahlen gutgeschrieben werden, müsste die Existenzsicherung nachziehen und würde dadurch das Steigen der Preise beschleunigen, worauf wieder mehr für die Existenzsicherung geleistet werden müsste, usw.
      Um dieser negativen Spirale durch Existenzsicherung entgegenzuwirken, müsste der Staat die Preise festlegen. Und das hat - auf eine ganze Volkswirtschaft angewandt - bisher immer schneller zum Scheitern geführt als der Kapitalismus, wie wir ihn kennen.

      Löschen
    4. doch du kennst gier, hass und konkurrenz bis in den tod: jeder von uns kennt das. man nimmt es nur nicht wahr, oder denkt nicht darüber nach, aber an beinahe allen dingen, die wir täglich benutzen oder kaufen klebt blut:
      coltan für unsere handys wird mit bloßen händen aus minen im kongo gekratzt, den profit teilen sich warlords und westliche konzerne. die lebensgrundlagen der menschen im niger-delta sind durch die umweltzerstörung bei ölförderung durch westliche konzerne zerstört worden. unsere kleidung wird vorwiegend von menschen unter sklaven-bedingungen in asien und südamerika produziert, die zu hungerlöhnen arbeiten und reihenweise bei arbeitsunfällen, gebäudeeinstürzen oder durch giftige chemikalien umkommen. der großteil des kakaos wird von kindersklaven, die ihre eltern zb aus Burkina-Faso wegen ihrer armut verkaufen, in der elfenbeinküste geerntet. sie arbeiten wöchentlich 70-80 stunden auch dann, wenn die pflanzen gerade mit pestiziden besprüht werden. dafür erhalten sie keinen lohn, nur essen und schlafstelle. usw. usw. usw.

      all das ist folge unserer gier nach immer mehr konsum, angefacht durch verlogene werbung. dass es uns weitgehend kalt lässt ist ausdruck unseres hasses auf menschen aus anderen kulturen, die wir auch heute noch skrupellos politisch, wirtschaftlich und vor allem militärisch unterdrücken und sie behandeln wie sklaven - z.T. noch schlimmer.
      verstärkt werden diese prozesse noch durch die "marktwirtschaftliche konkurrenz", den kampf um den besten preis und die höchsten profite. wenn es um milliarden geht, spielen mensch und umwelt keine rolle. mit derart viel kapital finde ich immer irgendwo eine korrupte elite, die ich mit bestechung dazu bringe, ihr eigenes volk bis aufs blut auszupressen. (siehe zb. Sambia, Saudi-Arabien, Chile, Äthiopien etc. etc.)

      zu deiner frage bzgl. des ausmaßes der existenzsicherung:
      es wäre eine frage, die im rahmen eines fairen, demokratischen aushandlungsprozesses immer wieder neu gestellt und beantwortet werden müsste.
      bei einer diskussion auf augenhöhe unter gleichen, die sich im idealfall mit grundlegender sympathie statt vorurteilen und misstrauen begegnen, kämen sicher ergebnisse zustande, die im wesentlichen dem alten sozialistischen ideal von "jeder nach seiner fähigkeit und jedem nach seinen bedürfnissen" nahe kommen würden.
      die menschen würden auch schnell merken, dass ein glückliches, gelungenes leben nicht von der anhäufung von gütern oder der steigerung von konsum abhängt, sondern vom eingebettet-sein in eine friedliche, harmonische und stimmige umwelt - also einer intakten ökologie im umfassendsten sinn.

      all das klingt vielleicht nach utopie und schöner heilen welt, aber es ist definitiv besser für eine solche utopie zu leben, als sich im unmenschlichen hamsterrad des neoliberalen kapitalistischen systems aufzuarbeiten.

      lg und genießt pfingsten, das fest des geistes!
      don

      Löschen
    5. Hey Don!

      Das wird ne' Endlosschleife ... .

      Löschen
    6. Schokolade (Kakao) esse ich nicht, habe gerade mein zweites Handy in 13 Jahren, Kleidung kaufe ich mir 1x im Jahr und benutze die Sachen ewig.
      Keine Gier nach immer mehr Konsum. In meinem Umfeld wird sich ähnlich bewusst verhalten.
      Öl ist ein Problem sicherlich, daran komme ich für Mobilität nicht herum.

      Die Lebensbedingungen in der sogenannten Dritten Welt haben sich parallel zur Entwicklung des Kapitalismus' verbessert.
      Längere Lebenszeit, kürzere Arbeitszeit, bessere Versorgung, usw.
      Nicht in dem Maße wie im Westen (Halbierung der durchschnittlichen Arbeitszeit in den letzten Hundert Jahren), aber eben verbessert.

      Es spricht viel mehr dafür, dass sich die Zustände verschlechtern, wenn der Einfluß des Westens (in seiner heutigen Form) in der "Dritten Welt" sinkt, als dass sich die Zustände dort dadurch verbessern.
      Empfehle dazu auch jedes Buch über Entwicklungshilfe: Durch Entwicklungshilfe aufgebaute Strukturen inkl. Ausbildung brechen regelmäßig zusammen, sobald sich "der Westen" zurückzieht.
      Was nicht heißt, dass nicht trotzdem mehr probiert werden sollte, um die Zustände zu verbessern.

      Bei der Frage bzgl. der Existenzsicherung geht es um Grundprinzipien, die jenseits von Aushandlung und gutem Willen liegen.

      Löschen
    7. ich weiß nicht, ob du jetzt partout recht haben willst, oder ob du den wald tatsächlich vor lauter bäumen nicht siehst:

      die produkte, die ich angeführt habe waren beispiele. sage mir, was du konsumierst, dann sage ich dir, wo genau bei diesem produkt, gier (im sinne von billiger!) und hass (im sinne von ausbeutung) zu finden sind.

      über die lebensbedingungen in der dritten welt, solltest du dich genauer informieren: seit den 90ern verschlechtern sich eklatant die umweltbedingungen. allein in diesem jahr sind bereits 40.000 (!) flüchtlinge übers meer nach Italien gekommen. die riskieren alle ihr leben, weil es zu hause laufend besser wird.

      "entwicklungshilfe" ist lediglich ein euphemismus für ausbeutung. es fließt zb jedes jahr mehr kapital aus Afrika in den westen, als dorthin.
      "entwicklungshilfe" wird regelmäßig an sog. wirtschaftsreformen geknüpft, die privatisierungen in großem umfang und liberalisierung des handels vorsehen. folge ist regelmäßig, dass sich globale konzerne die filetstücke für wenig geld sichern und die lokalen märkte zerstört werden. die hilfe ist nicht als hilfe zur selbsthilfe gedacht, sondern um abhängigkeit zu erzeugen. das "zusammenbrechen beim zurückziehen" ist somit durchaus gewollt.

      bei der aushandlung des umfangs der grundbedürfnisse geht es natürlich um demokratische verhandlungsprozesse. oder wer sollte deiner meinung nach festlegen, wieviel jemand an lebensmitteln, kleidung, wohnfläche etc. mindestens braucht?

      lg
      don

      Löschen
    8. Wollte nur deutlich machen, dass man nicht links sein muss, um sich "bewusst" zu verhalten.
      Sogar Egoismus kann Motivation für Antikapitalismus sein: "Was will mir der Kapitalismus für Kram andrehen, den ich nicht brauche?" - "Was soll ich mit dem qualitätslosen Billigheimer-Ramsch?"
      Sowieso frage ich mich, wie weit es mit der Bewusstheit unter Linken her ist, wenn ich z.B. sehe, wie sich andere Blogs, die sich als besonders bewusst darstellen, unhinterfragt dazu entscheiden, am Geschäftsmodell von Amazon zu partizipieren (siehe z.B. Ad Sinistram) - der Konzern, der vom internationalen Gewerkschaftsbund jüngst zum schlechtesten Arbeitgeber der Welt gekürt wurde und wie kaum ein anderer für Zentralisierung und wie kein anderer für aggressives Abtöten des Buchhandels steht.

      Was mir auch nicht gefällt, ist, dass man sich mit Passivität leicht als Betroffener darstellen kann. Dazu reicht "Lähmung vor innerer Betroffenheit" - das muss ja menschlich verständlich sein.
      Wenn aus Passivität des Einzelnen heraus Nachteile entstehen, kann man immer entschuldigen, dass man eben als "Gefangener des Systems" "nicht kann".
      Während man dem Aktiven immer vorwerfen kann, dass dafür Energie aufgebracht werden musste, und wenn daraus direkt oder in Verkettung neben Vorteilen auch Nachteile entstehen, dann kann man immer von "böser Energie" als Triebfeder reden.
      So kultiviert man ein Klima der Passivität.

      Bei den Flüchtlingszahlen wieder die Frage: Wieviel hängt davon mit aktuellen Verschärfungen des Kapitalismus zusammen und nicht etwa mit immer besser organisierten Schleppern und Propaganda, dass im Westen die Lösung aller Probleme liegt? Afrikanische Medien verschweigen gern die Todeszahlen, die will man dort nicht wissen.

      Die Entwicklungshilfe hat die Verantwortung für Entwicklung bei den Gesellschaften in Afrika weitgehend zerstört, weil ausländische Helfer zuviel Verantwortung an sich gezogen haben. Je mehr Verantwortung man für die Entwicklung anderer übernimmt, desto mehr verlernen die Betroffenen eben Verantwortungsübernahme.
      Dass sich China und Indien sehr viel schneller entwickeln konnten in den letzten Jahrzehnten, lag an neoliberalen Reformen von innen und nicht an Hilfe von außen.
      Kaum jemand würde behaupten, es wäre besser gewesen, im schlechteren Zustand vor den neoliberalen Reformen geblieben zu sein.

      Bei der Existenzsicherung ist die Frage, welches Maß die Bedürftigkeit immer weiter verstärkt.

      Löschen
    9. "links" ist ein etikett, das ich mir nicht gebe. ich vertrete bestimmte positionen, die für mich logisch stimmig sind. andere nennen das dann "links", "utopisch" oder ähnlich.

      fakt ist, dass viele der aktuellen entwicklungen der welt eher von Marx und Keynes vorhergesagt worden sind, als von Milton Friedmann und seinen neoliberalen jüngern.
      dass viele "linke" liber wein trinken, als das wasser das sie predigen, ist leider absolut richtig. das thema um Roberto de Lapuente und seine werbung ist hier und anderswo schon oft thematisiert worden. ich finde, jeder sollte erst mal vor der eigenen tür kehren.

      gegen aktives handeln wirst du von mir nie ein wort hören. allein die richtung muß stimmen.

      die flüchtlingszahlen steigen natürlich auch aufgrund der medialen versprechen. aber sind und waren die nicht elementarer bestandteil des kapitalistischen systems? und setzt man sie nicht gerade dazu ein, den menschen in Afrika unseren "way of life" gewinnträchtig anzudrehen?

      entwicklungshilfe soll nicht helfen. sie soll abhängig machen. und das gelingt prima.

      China und Indien haben sich entwickelt? ich sehe nur heerscharen ungebildeter, billiger arbeitssklaven, die mit versprechungen und/oder gewalt gnadenlos ausgebeutet werden, um einer winzigen, feudalen elite, märchnhafte vermögen zu bescheren. korruption, wilkürherrschaft, gewalt für hunderte von millionen. was hilft da ein gestiegenes durchschnittseinkommen?
      sprich mal mit einem indischen oder chinesischen bauern, ob es jetzt besser ist, als vor 40 jahren.

      ein leben in würde bedingt eine gesicherte existenz und angemessene teilhabe am sozio-kulturellen leben. die würde ist ein menschenrecht, dass jeder mensch mit seiner geburt erwirbt. es ist nicht geknüpft an arbeit oder eine andere bedingung.

      warum sollte dem h4-empfänger der nicht arbeitet die leistung gekürzt , dem millionenerbe, der nicht arbeitet aber der rote teppich auf der charity-veranstaltung ausgerollt werden?

      lg
      don

      Löschen
    10. "die würde ist ein menschenrecht, dass jeder mensch mit seiner geburt erwirbt. es ist nicht geknüpft an arbeit oder eine andere bedingung."
      Dazu sollte man unbedingt 'sollte&muesste hinzufuegen, da selbst in den sogenannten reichsten/demokratischsten/sozialsten/menschenrechtlichsten Laendern allzuvielen Menschen diese Wuerde nicht gewaehrleistet wird.
      Und danach kommen dann Milliarden, denen es noch wesentlich dreckiger geht.

      Die zunehmende Gewohnheit des Betrachters als auch der Betroffenen ist ein zusaetzlich beguenstigender Faktor zur Verschaerfung auch dieser Missstaende.

      Löschen
    11. Mit Aktivität vs. Passivität meinte ich: Wer z.B. eine Firma gründet und sich damit dem Wettbewerb stellt, steht praktisch unweigerlich auf der Seite des Bösen. Wer nichts macht, kann sich als "Systemverweigerer" moralisch überlegen darstellen.

      Thema Entwicklungshilfe:
      Wenn sich für den Kapitalist die Investition, der Aufbau von Strukturen lohnt, wieso lohnt sich für ihn zugleich auch deren Verfall? Es handelt sich ja um Produktionsgüter, nicht um Konsumgüter (deren Verfall für den Kapitalist gut sein könnte für mehr Konsum). Die Leute vor Ort stehen dann wie zuvor da, nur kann der Kapitalist nicht mehr profitieren von den von ihm aufgebauten und dem Verfall preisgegebenen Strukturen. Wie macht das Sinn?

      Was die Versprechungen des Kapitalismus angeht:
      Er verspricht nicht Arbeit in Bereichen, in denen kein Bedarf herrscht oder in denen man keine Qualifikation hat.

      Bei der Hartz IV-Diskussion geht es ja wohl um deutlich mehr als Verdoppelung der Bezüge für ein angenommenes würdevolles Leben, und da ist eben die Frage, wie sich das auswirkt, im Positiven wie im Negativen.
      Das Ansinnen ist auch paradox, ein würdevolles Leben in einem System zu ermöglichen, wenn dieses an sich als zu überwinden gilt.
      Es gab schon Streits in Blogs, wo sich Hartz IV-Empfänger gegen den Protest-Claim wendeten, ihnen sei die Würde genommen. Der Begriff ist ja auch leider ein Notbehelf, weil die Sprache nichts Treffenderes hergibt. Denn er ist ja mehrdeutig, schließlich kann man durch schadvolles Verhalten durchaus "würdelos" sein.

      Chinesen unter dem Existenzminimum:
      1981: 52,8 %
      2001: 8,0 %

      Löschen
    12. nur noch eine letzte bemerkung:

      deine statistik am ende passt so richtig in die neoliberale ideologie: vollständig lautet das zitat:

      "Chinesen unter dem Existenzminimum:
      1981: 52,8 %
      2001: 8,0 %

      Die Weltbank definiert das Existenzminimum in China mit einem Einkommen, das einem Jahreseinkommen von 850 Yuan für die Landbewohner und 1200 Yuan für die Stadtbewohner bei den Preisen von 2001 entspricht. Dies ergibt für 2007 ein Jahreseinkommen von ungefähr 95 Euro für die Landbevölkerung und 135 Euro für die Stadtbevölkerung. Dies ist weniger als die oft verwendete Grenze von einem Einkommen von einem Dollar pro Tag.

      Auffallend ist der Anstieg der Armut im Jahr 1989. Es lebte damals fast ein Viertel der Chinesen unter dem Existenzminimum. Dies war neben den Demokratiedefiziten ein Hauptgrund für die Unruhen in Peking, die mit dem Tian'anmen-Massaker endeten. Diese durch Preisfreigaben erzeugte neue Armut konnte, wie die Tabelle zeigt, nur langsam wieder abgebaut werden. Noch 1994 lebten mit 17,0 % der Bevölkerung, prozentual gerechnet, wieder mehr Menschen unter dem Existenzminimum als 1987.

      Nach dem Menschenrechtsbericht der UN lebten im Jahr 2007 34,9 % der Chinesen mit einem Einkommen (bei Kaufkraftparität zu Europa) von weniger als 2 US-Dollar pro Tag und 9,9 % der Chinesen mit einem Einkommen von weniger als einem US-Dollar pro Tag. 300 Millionen Chinesen aus den ländlichen Regionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser."

      in Indien leben 44% der 1,3 milliarden unterhalb der armutsgrenze. und der skandal dabei ist, dass gleichzeitig gilt:

      "Der weltweite Vermögensbestand summiere sich insgesamt auf 111,2 Billionen Euro" (Zeit)

      das ist die ungleichverteilung, für die der kapitalismus verantwortlich ist und für deren kritik man kein stalinist zu sein braucht.

      lg
      don

      Löschen
    13. "Was die Versprechungen des Kapitalismus angeht:
      Er verspricht nicht Arbeit in Bereichen, in denen kein Bedarf herrscht oder in denen man keine Qualifikation hat."

      Nein, er redet uns durch Werbung ein, dass wir den Bedarf haben, alles zu Gunsten seines Profits.


      Vielleicht sollten wir mal darüber diskutieren: 10 Gründe, warum Arbeit Scheiße ist

      http://www.youtube.com/watch?v=lrdiqxuiig4&feature=player_embedded

      Löschen
    14. Don, die absoluten Zahlen sagen ja nichts - entscheidend ist, was Du für das Geld bekommst. Und die Preise in China liegen natürlich nur bei einem Bruchteil der hiesigen. Zudem ging es um die positive Entwicklung, die Du ganz in Abrede gestellt hattest.
      Und was ist nun mit den anderen Themen?

      Ruby, auf z.B. die Arbeitszeit waren wir ja schon eingegangen - ist heute so ziemlich die geringste ever hierzulande.
      Meine Schwester hat 'ne 42-Stunden-Woche, macht zusätzlich Ausbildung für Sachen, auf die sie Bock hat und läuft noch alle Nase lang Halbmarathon und Marathon und fühlt sich super dabei.
      Heißt nicht, dass das für jeden möglich ist, aber die Bedingungen und Möglichkeiten waren wohl nie besser dafür. Oder in welcher Zeit soll das gewesen sein?
      Das heißt wie immer _nicht_, dass alles super und nichts zu verbessern ist.

      Löschen
    15. Das ist jetzt nicht dein Ernst. Ich schreibe von Arbeit und dessen Sinn und du antwortest mit Arbeitszeit. Was soll das? Hast du überhaupt das Video, was ich verlinkt habe, gesehen?

      Auf dieser Grundlage ist eine weitere Diskussion für mich sinnlos. Du scheinst ja sowieso schon im Paradies zu leben. Wer mit solch großen Scheuklappen durchs Leben geht, der ist auch blind für das Elend anderer Menschen. Du willst nicht sehen.

      Löschen
    16. was meinst du mit "absolute zahlen sagen nichts"?
      den 1 $ als armutsgrenze hat die weltbank (eher willkürlich) festgelegt. eine institution, die alles andere als links ist.
      oder meinst du die 300 mio. chinesen, die keinen zugang zu sauberem wasser haben?
      die "positive entwicklung" ist eben nur für einen kleinen teil positiv. die masse vegetiert weiter in armut. und dieser trend ist konstitutiv für kapitalistische gesellschaften. das BIP in China zb hat sich im gleichen zeitraum verhundertfacht. die profite werden aber nicht gleichmäßig verteilt, sondern landen in den taschen weniger.
      (ganz nebenbei: einen weitaus größeren sprung - trotz rückschlägen - haben die Chinesen von 1900 - 1980 gemacht. und in dieser zeit waren sie überwiegend maoistisch regiert)

      entwicklungshilfe ist zunächst keine investition. sie wird allerdings meistens nur gewährt, wenn die "bedingungen für investitionen" geschaffen werden. eben die möglichkeit für westliche konzerne sich die reichtümer der länder unter den nagel zu reißen und im gegenzug subventionierte waren einzuführen und die heimischen märkte kaputtzumachen (siehe zb. geflügelexporte aus der EU nach westafrika).
      es besteht kein interesse an dauerhafter entwicklung, weil dann ja das natürliche bedürfnis entstünde, die eigenen reichtümer auch selbst zu nutzen. länder, die sowas machen, landen schnell auf der liste der bösen wie zb Venezuela oder Ecuador.
      lies zu dem thema mal die "bekenntnisse eines economic hitman" von John Perkins (auch bei youtube).

      bei h4 geht es darum, dass menschenwürde mit geburt erlangt wird und durch kein handeln verloren werden kann. schon gar nicht dadurch, dass man keiner marktfähigen beschäftigung nachgeht.
      dein relativieren von menschenwürde zeigt leider sehr deutlich die nähe der neoliberalen ideologie zum faschismus: menschen, die nicht arbeiten (und zwar im sinne von bezahlter lohnarbeit), sind menschen zweiter klasse.
      im übrigen erwarte ich kein menschenwürdiges leben im jetzigen system: ein beliebtes vorurteil, dass leute, die den kapitalismus kritisieren und für eine bedingungslose grundsicherung eintreten, sich ein faules leben auf kosten der "fleißigen kapitalisten" machen wollen.
      ich leite ein unternehmen mit 50 mitarbeitern, lehne den kapitalismus und die märkte ab und fühle mich in erster linie dem gemeinwohl und nicht dem profit verpflichtet. so viel zum thema aktiv oder passiv.

      es überfodert ein forum wie dieses das thema kapitalismus vs. gemeinwohl umfassend zu diskutieren, deswegen würde ich sagen wir belassen es an dieser stelle.
      ich bedanke mich aber bei dir (anonym) für die qualität der diskussion. man trifft selten menschen, die es trotz unterschiedlicher ansichten schaffen, nicht beleidigend und abwertend zu werden. eine gute diskussionskultur ist für mich erste voraussetzung für ein fortschreiben des projekts menschheit.

      lg
      don

      Löschen
    17. Wäre die Chinesische Kommunistische Partei nicht auf einen wirtschaftsliberalen Kurs geschwenkt, was wäre damit gewonnen gewesen? China war zuvor eines der ärmsten Länder der Erde.
      Wenn von der vielbeschworenen "offenen Schere" der Entwicklung die Rede ist, sollte man nicht vergessen, dass auch das untere Scherenblatt nach oben weist, nur nicht so stark wie das obere.

      Um mal vom Export auf den Import zu kommen: Warum sollte die Konsumschwäche armer Länder kapitalistisch in jedem Fall gut sein? Wenn die Länder möglichst wenig Geld haben sollen, um keine Produkte von den Kapitalisten kaufen zu können?

      "Auslandshilfe untergräbt meist die Selbsthilfe der Empfänger. Es wird nicht deutlich, dass es Hilfe zur Selbsthilfe ist - und ein Ende hat. Es gibt zu wenig Druck, die eigenen Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen.
      Hilfsorganisationen sind zu sehr auf soziale Hilfe konzentriert und wachstums- und wirtschaftsfeindlich eingestellt."
      Volker Seitz, Buch "Afrika wird armregiert, oder Wie man Afrika wirklich helfen kann"

      Dir auch danke für die Diskussion soweit... Ich lese seit Jahren Blogs wie Nachdenkseiten, Spiegelfechter, Feynsinn, Ad Sinistram, etc., und die Widersprüche, Ungereimtheiten und Fragwürdigkeiten werden nicht weniger, je länger ich mich damit beschäftige.
      Kurios ist z.B. auch, dass ein "echter", wohlverstandener Kommunismus den immer geforderten antikapitalistischen Maßnahmen näher käme als für was die Linkspartei steht.
      Dennoch habe ich in all den Jahren in den genannten Blogs noch nie eine Stimme für die Deutsche Kommunistische Partei gefunden. Es scheint so, als existiere sie nicht im linken Spektrum, obwohl sie "die Lösung" sogar in ihrem Namen trägt.

      Löschen
    18. die inkrementalen verbesserungen für die mehrheit - wenn es sie überhaupt gibt - sind doch immer nur das feigenblatt als rechtfertigung für die aberwitzige bereicherung der herrschenden elite:
      wenn du jetzt in China drei $ am tag hast giltst du nicht mehr als arm, hast dein einkommen verdreifacht. so liest sich das in der statistik. gleichzeitig raffen korrupte kader billionen, indem sie ihre bevölkerung als billige arbeitssklaven für den westen prostituieren. uns gefällt das natürlich: erstens kommen wir auf die art an billige konsumgüter und zweitens ist eine kleine oberschicht in einem solchen riesen land eben auch eine millionenschwere käufergruppe für BMW, Porsche, Airbus, Siemens et al.

      arme länder sind in unserer welt eben alles andere als konsumschwach: sie konsumieren entwicklungshilfegüter, die weltweit eine milliarden-industrie ausmachen und sie kaufen (oft sinnlose) infrastruktur. alles mit geldern westlicher steuerzahler, meist über den umweg wwf oder weltbank. da werden gigantomanische staudämme in Afrika finanziert, mit der auflage, die aufträge an firmen aus den geberländern zu vergeben. das geld fließt also vom steuerzahler zur regierung zum wwf zur bank und zuletzt zum konzern. nur dass das arme land jetzt die summe dem wwf schuldet - und zwar in dollar oder euro. um an die ranzukommen und wenigstens die zinsen zahlen zu können, diktiert ihnen der wwf, was für produkte sie produzieren sollen. so entstehet dann der wahnsinn, dass zb in Kenya die leute verhungern, weil das wasser statt auf die felder, für die zucht von rosen verwendet wird, die im winter von Tamlien in Europa auf der straße verkauft werden. in Mali sitzen die leute auf ihrer baumwolle, weil eine weltweite überproduktion dafür sorgt, dass die bauern vom marktpreis nicht leben können.
      so läuft der moderne kolonialismus. so macht man aus den reichsten ländern der welt, die ärmsten völker und so bereichert sich der westen immer weiter auf kosten der ärmsten.
      Seitz' buch habe ich gelesen. es ist platteste kolonialismus-propaganda, die die mär vom "unfähigen, korrupten schwarzen, der nichts selber auf die reihe kriegt" von einem scheinbar befähigten (weil jahrelang diplomatisch in Afrika arbeitend) menschen unters volk bringen soll.
      ich habe mich nur immer gefragt, warum er in seinem buch keinen satz über diejenigen schreibt, die die eliten vor ort bestechen. es lohnt sich doch für Siemens scheinbar immer noch schwarze kassen nur zum zweck der bestechung zu führen. wenn wir der dritten welt wirklich helfen wollten, müssten wir ihnen zeigen, wie sie mit ihren rohstoffen, ihrer arbeitskraft und ihren fähigkeiten so umgehen, dass sie davon leben können. das würde aber unser geld kosten, denn dann müssten als erstes die westlichen konzerne enteignet werden, die sich die rohstoffe mittels bestechung unter den nagel gerissen haben. was aber dann passiert, kann man in Kuba, Venezuela oder jetzt in Argentinien erleben: dann boykotiiert man diese länder, kauft ihnen ihre produkte nicht ab, wirkt aber mittels werbe-propaganda massiv auf die jeweilige bevölkerung ein und erzählt ihnen, sie könnten alle wohltaten des westens genießen, wenn sie nur die "richtige" sprich wirtschaftsliberale regierung hätten.

      und nochmal: ich bin kein kommunist. ich versuche mich von ideologien fernzuhalten. ich bin nur ein menschenfreund, der es unerträglich findet, wenn man den umstand, dass "nur noch" 10.000 kinder täglich an unterernährung und fehlendem sauberen wasser sterben auch noch als erfog ausgibt.

      die liberale wirtschaftspolitik der letzten 40 jahre hat auf ganzer linie versagt. dazu braucht man nur die augen aufzumachen. die demokratie ist nur noch eine theaterveranstaltung. in wahrheit herrscht der industriell-militärische komplex.

      lg
      don

      Löschen
    19. Wir haben es mit einer exponentiell steigenden Kurve zu tun, die auf den vor-neoliberalen Zustand aufaddiert wird.
      Dass die Kurve irgendwann steil nach oben abhaut, ist definitiv schlecht - deswegen exisitert trotzdem das Plus im ganzen Bereich vor diesem steilen Anstieg und macht die Sache nicht zu einem "Versagen auf ganzer Linie".
      Erst recht nicht vor dem Hintergrund des grässlicheren und menschenverachtenderen Scheiterns der versuchten Sozialismen der Geschichte. (Bevor jemand damit ankommt: Nein, den Nationalsozialismus zähle ich nicht zu "Sozialismen".)

      Wenn weniger Kinder verhungern, ist das nun mal faktisch eine Verbesserung. Wenn man Wege nicht danach beurteilen darf, ob sie eine messbare Verbesserung darstellen, wird es absurd. Du forderst damit genau die Funktionspräzision, die hier sonst als unmenschlich und menschenverachtend gegeißelt wird: Du legst unmenschliche Kriterien an, an denen jedes von Menschen geführte System scheitert.

      Arme Länder SIND konsumschwach. Was sie an Entwicklungshilfe "konsumieren" steht in keinem Verhältnis zu dem, was sie konsumieren könnten, wenn sie aufschließen würden. Das macht Deine Argumentation für mich weiterhin nicht schlüssig.

      Und was ist kolonialistisch an Volker Seitz' Fazit? "Die europäische Entwicklungshilfe-Industrie in Afrika hat versagt. Sie hat keine Arbeitsplätze geschaffen, sondern den Reichtum einiger korrupter Cliquen vermehrt."

      Löschen
    20. du gibst dir die antworten ja quasi selbst:

      schlimm ist, wenn ich nur essen für acht kinder habe, aber zehn da sind und somit zwei verhungern müssen. das war die situation über den großteil der menschlichen geschichte. es herrschten mangel, missernten und hungersnöte. es fehlten die technischen und logistischen mittel, immer genügend nahrung zu produzieren und sie auch dahin zu schaffen, wo sie gebraucht wird.

      unmenschlich ist dagegegen, wenn ich essen für zwanzig kinder habe, eines der zehn aber trotzdem verhungert, weil ich lieber den anderen neun so viel gebe, bis sie vor übergewicht platzen, als auch dem zehnten wenigstens so viel zu geben, dass es nicht stirbt.
      in letzterem fall stirbt nur ein kind. so gesehen eine verbesserung. ethisch betrachtet, ist aber der zweite fall zu verurteilen, der erste höchstens zu bedauern.
      und was haben wir heute? wir produzieren weltweit x-mal so viele güter wie vor 50 jahren, während sich die bevölkerung gerade mal verdoppelt hat. theoretisch könnten alle satt werden, es könnten alle zugang zu medizinischer versorgung, sauberem wasser und bildung haben. die plutokraten dieser welt lassen das aber nicht zu, weil sie ihr geld lieber im internationalen finanzcasino verzocken, als es gerecht zu verteilen.

      in wieweit das dann eine "messbare verbesserung ist" hängt einzig von der zugrundegelegten sichtweise ab: für den, der vor hunger stirbt, ist es vermutlich kein großer trost zu wissen, dass es prozentual aber weniger sind, als eine generation davor.

      was heißt "arme länder sind konsumschwach"? du meinst sie sollten noch mehr dieser modernen gadgets kaufen, deren produktion die umwelt zersört und für die sie eigentlich keinen bedarf hätten, wenn nicht westliche werbung sie gezielt beeinflussen und künstliche bedürfnisse schaffen würde?
      und was heißt "aufschließen"? zu uns? das weiß doch wirklich inzwischen jedes kind, dass wir, wenn alle menschen der erde unsere konsumgewohnheiten hätten, mindestens sieben erdkugeln bräuchten, um die ressourcen ranzuschaffen und den müll zu entsorgen.
      oder soll "aufschließen" heißen, sie sollen die dinge, die wir heute produzieren, selbst produzieren? aber was machen wir dann? für wen produzieren wir dann? man stelle sich nur vor, die Chinesen würden plötzlich nur noch autos aus eigener produktion kaufen, weil sie "aufgeschlossen" haben. was passiert dann mit BMW, Daimler und VW? was passiert mit ihren arbeitern?
      nein, wir können gar nicht wollen, dass sie wirklich aufschließen. wir brauchen sie als billige rohstofflieferanten, billige werkbänke für einfache konsumartikel und lebensmittel und die korrupte elite als abnehmer für unsere high-tech produkte.
      wo wären denn Boeing und Airbus ohne die despoten vom golf? genau: schon längst pleite.

      Löschen
    21. das kolonialistische ist natürlich das, was Seitz nicht sagt: nämlich dass diese korrupten eliten nur deswegen reich werden konnten, weil sie sich westlichen konzernen verkauft haben, ihnen zugriff auf rohstoffe und märkte verschafft haben und das eigene volk teilweise mit brutaler gewalt klein halten.
      und all das ist nur möglich, weil es genügend konzerne gibt, die den lokalen eliten gar nicht so viele bestechungs-millionen in den rachen stopfen können, als dass es sich nicht angesichts der milliardenprofite doch lohnen würde. und all das unter den wohlwollenden augen deutscher politiker: schließlich möchte man seinen künftigen arbeitgeber ja nicht verärgern.

      bestes beispiel sind die waffenverkäufe nach Saudi-Arabien. da verdienen sich deutsche konzerne goldene nasen, weil sie wissen, wen sie schmieren müssen, um die aufträge zu kriegen und es interessiert sie einen dreck, ob die Saudis diese waffen anschließend an al-Nusra oder ISIS weitergeben. es ist ein treppenwitz der geschichte, wenn demnächst amerikanische soldaten, rekrutiert natürlich aus dem eigens dazu produzierten prekariat, von islamisten mit maschinenpistolen von Heckler erschossen werden, die Saudis ihren sunnitischen freunden zum kampf gegen Assad geschickt haben.

      aber alles kein problem, solange der rubel rollt.

      lg
      don

      Löschen
    22. Sehr aufschlussreich, die Diskussion hier.
      'Links' und 'Rechts' klingen die Kreuzen - nee, andersrum, und mehr als Funkenschlag bleibt nicht übrig.
      Beide Lager werden sich keinen Jota annähern - es ist letztendlich ein Wettstreit der Argumente.
      Ich habe mich bewusst aus dieser Diskussion rausgenommen.
      Denn - dafür, das jemand rechts-konserativ einzuordnen(?) ist und sich 'Anonym' nennt (haha) ist die Diskussionskultur über den Erwartungen. Glückwunsch an dieser Stelle - obwohl ich kolossal anderer Meinung bin wie Du, und andere Ansichten habe.

      Mein Beitrag zu dieser Diskussion ist kurz:
      Wir könnten alle Menschen dieser Welt ernähren.
      Deshalb sind alle Hungertoten Mord. Motiv: Bereicherung.
      Sind Hungertote, die Opfer der Reichttumsverteilung werden (im falschen Land, in der falschen Klasse geboren, ...) annehmbarere Tote als andere?
      Es geht mir um unfassbaren, perversen Reichtum auf der einen Seite und unfassbarere Armut auf der anderen. Mit vielen Facetten dazwischen.
      Diese Zustande sind systemgeschuldet.
      Fakt.
      In so fern, @Anonym, könnte mich keines Deiner Argumente überzeugen. Und umgekehrt.

      Will ich damit sagen, dass diese Diskussion hier überflüssig ist?
      Keineswegs!
      Interessant, und fast schon exemplarisch die Argumentationslinien. Im besten (und gewünschten!) Falle eine Hilfe zur Meinungsfindung anderer.
      Letztendlich ist es doch eine Glaubensfrage:
      Die einen meinen, dass der Kapitalismus die einzig denkbare Gesellschaftsform ist.
      Die anderen Denken, dass der K. überwunden werden muss, um ein nachhaltiges und selbstbestimmtes Leben für möglichst alle zu gewährleisten.
      Die Lager sind unüberwindbar. Von marginalen Ausnahmen abgesehen.

      Trotz alldem:
      Diese Diskussion ist sehr spannend, erhellend und informativ.
      Weiter so!

      Grüße, Dude

      Löschen
  6. Zur Inspiration:
    OpenIDEO is an open innovation platform for SOCIAL GOOD. We're a global community that draws upon the optimism, inspiration, ideas and opinions of everyone to solve problems together:
    https://openideo.com/content/how-it-works
    Eine Plattform von David Kelley: http://de.wikipedia.org/wiki/David_Kelley_(Ingenieur)
    Sehr zu empfehlen für den Power-Boost auch sein Buch "Creative Confidence", www.creativeconfidence.com

    AntwortenLöschen
  7. "Mit Euch sollte man sich wohl eher nicht umgeben, wenn man etwas vorhat im Leben."

    Eine gute Einstellung!

    Es gibt unter den Menschen für mich eine Widerstandsfähigkeit gegen Argumente, die ihr Fähigkeit beeinträchtiget, sich in einem System behaupten zu können, in den Verhältnissen, die sie sich selbst ja nicht ausgesucht haben, sondern in die sie, per Geburt, hineingeworfen wurden.

    Ich nenne das den "stummen Zwang der Verhältnisse", Keiner wird gezwungen seine Arbeitskraft zu verkaufen. Aber er muss sie dann doch verkaufen, wenn er nicht über Vermögen oder über Produktionsmittel verfügt, um sich fremde Arbeit anzueignen.

    Und die Bedingungen unter denen er sich verkaufen muss, dem Verschleiss seiner Arbeitskraft und seiner Gesundheit, auf die hat er selbst keinen Einfluss.

    Und weil der Staat als Instanz auftritt, die der unbegrenzten Verwertbarkeit der Arbeitskraft durch Sozialgesetze auch im Interesse des Kapitals entgegentritt, findet er auch seinen Staat irgendwann ganz toll und kommt nicht auf die Idee, dass ihm das persönlich und allen Lohnarbeitern in Rechnung gestellt wird in Form von Steuern, Abgaben für die Sozialversicherung und Krankenkasse.

    Er hält dies für eine Fürsorgeleistung seines Staates.

    Das die Menschen immer älter werden halte ich für eine typische These von Marktwirtschaftlern. Und wenn diese auch noch für den ganzen Globus gelten soll für sehr gewagt.

    Vielleicht schaut man sich einfach mal in seinem kleinen Umfeld um. Ich habe hier in sehr kurzer Zeit Ereignisse erlebt, aufgrund derer Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren aufgrund ärztlicher Diagnose-Fehler gestorben sind. Dann tödliche Verkehrsunfälle in jedem Alter.

    Ich kann das zwar nicht belegen, aber im Kapitalismus werden Menschen, wenn ich den Durchschnitt bemühen darf ,etwas mehr als 60 Jahre alt. Ich will nicht abstreiten, dass es heute medizinische und chirurgische lebensverlängernde Möglichkeiten gibt.

    Was für ein Leben diese Menschen dann führen, habe ich selbst an meinem Vater erlebt. Elend! Aber noch gut geeignet, daraus Profit zu schlagen.

    Wie werden die Menschen eigentlich in den statistischen Durchschnitt eingerechnet, die täglich verhungern und in den vielen Kriegen umkommen?

    Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen positiv wirken wollen. Aber das Positive leistet doch keine Statistik. Ich habe eher den Eindruck, dass die Menschen sich verweigern, damit sie weiter funktionieren können und an ihre Zukunft glauben.

    So gerne ich auch daran glauben würde, aber für mich ist das was man Zukunft nennt schon längst verbraucht.

    Habe gestern einen Artikel gelesen, der mich noch weiter runtergezogen hat: Die US- Administration ist in einer Phase abzuwägen, welche Risiken ein nuklearer bzw; konventioneller Krieg gegen Russland und China beinhalten könnte.

    Quelle stelle ich zur Verfügung, sofern Intersse besteht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Das die Menschen immer älter werden halte ich für eine typische These von Marktwirtschaftlern. Und wenn diese auch noch für den ganzen Globus gelten soll für sehr gewagt."

      Es ist keine These, und die Daten stammen nicht von Marktwirtschaftlern, sondern von der Weltgesundheitsorganisation, die eher für Alarmismus bekannt ist.

      "Ich kann das zwar nicht belegen, aber im Kapitalismus werden Menschen, wenn ich den Durchschnitt bemühen darf, etwas mehr als 60 Jahre alt."

      Das ist Unsinn.

      "So gerne ich auch daran glauben würde, aber für mich ist das was man Zukunft nennt schon längst verbraucht."

      Ich stelle jetzt auf einfach mal eine These auf: Die meisten Menschen, die in Zeiten gelebt haben mit Lebenserwartung 30 bis 40 Jahre, hätten sich die Finger danach geleckt, im heutigen Europa zu leben.
      (Was NICHT heißt, dass nicht vieles heute zu verbessern ist.)

      Löschen
    2. @Anonym
      Die Weltgesundheitsorganisation handelt inzwischen auch im Sinne der Marktwirtschaft. Alarmismus wird erzeugt, um Geld in die Kassen der Pharmaindustrie zu spülen.

      "Die meisten Menschen, die in Zeiten gelebt haben mit Lebenserwartung 30 bis 40 Jahre, hätten sich die Finger danach geleckt, im heutigen Europa zu leben."

      Sicher hätten sie das. Es lebt nur niemand mehr von diesen Generationen. Daran kannst du ermessen, wie weit rückwärts du gehen musst, um das Heute aufwerten zu können. Offenbar hast du nicht mitbekommen, dass es für eine Mehrheit statt aufwärts heute längst wieder abwärts geht? Erst recht, wenn du vom gesamten heutigen Europa sprichst. Was derzeit in Griechenland, Spanien etc. passiert, nennt sich in deinen Augen wohl Fortschritt?
      Welch ein scheinheiliges und armseliges Argument.

      @Troptard
      Seh ich genauso. Verlogen das alles und düster die Aussichten trotz des Herbeiredens einer schönen heilen Welt.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.