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Freitag, 31. Oktober 2014

An alle SPD-Wähler

Abteilung: Welcher Sozialdemokrat wählt die SPD?

Die CDU-Wähler (die FDP ist ja kein Thema mehr) kann ich einordnen. Man ist marktgläubig und glaubt an die unsichtbare Hand des Marktes. Für mich ist das ebenso wenig nachvollziehbar wie jedwede Religion.
Nicht meine Welt, aber wer's braucht und dran glaubt...

Neoliberalismus, der Glaube an Wachstum, ist, wie das Christentum (und andere Religionen) unterfüttert vom Glauben an etwas. Hier die Marktgläubigkeit, da der Glauben an eine übergeordnete Instanz, die die schützende Hand über seine Schöpfung (insbesondere die Menschheit als dessen Krone) hält.

Paradoxerweise scheint das Christentum und die Marktgläubigkeit seltsam kompatibel zu sein.

Parteien, wie die CDU und die CSU tragen das 'C' für christlich in ihrem Namen, und interpretieren offensichtlich ihren religiösen Auftrag in der Umsetzung freier Märkte als Gottes Wille, oder zumindest als erstrebendeswertes Gut.

Ich selbst bin unreligiös. Halte die Kirche für einen irdischen Popanz, der sich anmasst, die Instanz zu sein, diesen 'göttlichen Willen' auf Erden in Gottes Namen zu vertreten.

Ich selbst glaube nicht, das Jesus dafür eintrat, dass sich die Menschheit den freien Kräften des Marktes, dem Gewinnstreben, unterwerfen sollte.
Aber, wie gesagt, ich bin Atheist, und habe keine Ahnung.
Ich kenne nur Fragmente der Bibel, die ich en passant mitbekommen habe, ohne mich wirklich mit dem christlichen Glauben auseinander gesetzt zu haben.
Deshalb mag es in meiner Unkenntnis begründet sein, weshalb ich nicht begreife, warum die CDU und die CSU irgendwie christlich sein sollten.

Ebenso wenig begreife ich, wie die SPD (als deren Opposition [sic]) die Arbeitnehmerinteressen vertritt.

Wenn ich da irgendwas übersehen, oder nicht begriffen habe, so bitte ich um Aufklärung!

Ich fühle mich so dumm - ich begreife es nicht!

Wenn es also einen SPD-Wähler unter meinen Lesern gibt, so möge er mir bitte erklären, warum dies ein Votum für Arbeitnehmerinteressen sein soll.
Warum er nicht - je nach politischer Ausrichtung - die Linke oder gleich die CDU wählt.

Ich selbst begreife dies nämlich nicht.

Kommentare:

  1. Bei der Gründung der CDU ging es um eine Union katholischer und evangelischer Christen, die in einer Partei zu vereinigen in den Jahrhunderten zuvor immer wieder problematisch war.
    Das ist nun auch schon lange her.
    Nach dem Theorem von R.J. Lapuente beginnen alle Parteien spätestens nach etwa 25 Jahren, von ihren Gründungsidealen abzukommen.
    Sollen sich Parteien also regelmäßig umbenennen? Das wäre doch die Frage, die hinter den Fragen des Bloggers hier steckt.

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    1. Meine Vorschläge:
      CDU: Marktliberale Partei Deutschlands (MPD)
      SPD: Linksblinker und Rechtsabbieger (LuR)
      Grüne: Ökonomie vor Ökologie (ÖvÖ)
      Linke: (sind noch keine 20 Jahre alt, also weiterhin die) Linke
      AfD: (ebenso) - aber eine Scheißalternative für Deutschland

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  2. CDU = Ökotherische Kirche
    SPD = Ökotherische Scheindemokraten
    Grüne = Ökotherische Alternative
    AfD = Ökotherische Leere
    FDP = Ökotherische Fastdemokraten

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  3. Warum immer noch die SPD gewählt wird? Totschlagargument Nummer eins: Familientradition ("Bei uns in der Familie haben alle schon immer nur die SPD gewählt.")

    Hinzu kommt, dass sich an der Basis in den Ortsvereinen im allgemeinen nur relativ wenige Mitglieder aktiv engagieren. Es gibt etliche SPD-Mitglieder, die sind zwar seit mehr als 40 Jahren mit Parteibuch ausgestattete "GenossInnen", haben in diesen vielen Jahren aber trotzdem noch nicht eine einzige Sitzung ihres Ortsvereins persönlich miterlebt. Da hocken bei den Zusammenkünften dann schon mal auch nur die 3 oder 4 Vorstandshanseln des Ortsvereins rum.
    Diese zahlreichen "pro forma-Genossen" erhalten allerdings per Post regelmäßig ihren "Vorwärts", lesen die dortigen Jubelarien auf die Spitzen-Genossen und sagen sich dann: "Hey, die machen doch eine Super-Arbeit da in Berlin! Na denn wähle ich die natürlich weiter!"!.

    Und dann wären da noch diejenigen an der Basis, die das "Spitzenpersonal" sowie deren Wirken durchaus kritisch sehen, letztlich aber dann doch aus einer Art Zusammengehörigkeitsgefühl heraus ("Finde ich zwar alles nicht so toll, was die da so verzapfen, aber das sind ja trotz allem immer noch welche von uns."), wenn auch mit den berühmten "Bauchschmerzen", ihr Kreuzchen weiterhin brav bei ihren SPD-Kandidaten machen.

    Und so wird die SPD auch zukünftig, zumindest bei Bundestagswahlen, auf Ergebnisse um die 20% und ein wenig + herum kommen. Für eine Juniorpartnerschaft in einer GroKo sowie die damit verbundene weitere Rundumversorgung der "Spitzen-Genossen" reicht das schließlich allemal.


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  4. Vorbildlich konstruktiv...

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  5. Nun, ist eigentlich gar nicht so schwer. Moderne, neoliberale SPD-Wähler sind mehr oder weniger spezialisierte Facharbeiter, Angestellte, Beamte, Freiberufler etc. - kurzum: "Leistungsträger". Politik interessiert ihn nicht wirklich. Er ist Häuslebauer mit Hyothek, deutschem Prestige-Auto im Carport - und der kleine Justus-Friedbert bekommt für teures Geld Klavierunterricht. Sie schuften hart - und haben Spaß an der Selbstausbeutung, sie definieren sich als Mensch nämlich in allererster Linie über ihre Arbeit. Was sie deshalb gar nicht leiden können sind Menschen, die sich nicht in diesem Hamsterrad zutode rennen wollen. Oder aus anderen Gründen arbeitslos sind und es "zu nix gebracht" haben. Spätestens seit Schröder gibt es ja "kein Recht auf Faulheit mehr". Diese Leute liegen dem SPD-Wähler (der auch sehr gerne über zu hohe Steuern jammert) auf der Tasche. Dem Chef muss es auch gut gehen, sonst hat man ja keine Arbeit mehr - und kann sich so nicht mehr nach unten abgrenzen. Da bleibt halt nur die Unterschicht. Und die hat die SPD ja zum Feind erklärt. Folglich wählen sehr viele dieser Mittelschichtszombies die Partei, die sie am besten vertritt. Daher nützt es auch nichts, sich zu erträumen, die SPD würde bei Wahlen irgendwann mal unter die 10% fallen...

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    1. sehe ich genauso:

      die SPD ist die partei für diejenigen, denen die zukunftsangst beinahe die luft zum atmen nimmt. die bloß darauf hoffen, es möge doch alles noch solange gutgehen, solange sie leben.
      dafür tritt man panisch auf die, die unter einem stehen und kriecht in jeden vermeintlich schützenden hintern, der über einem hängt.

      so gesehen ist die SPD die konservativste partei geworden. eine partei der panik und besitzstandswahrung, die sich mit leib und seele an das kapital verkauft hat.

      sie haben auf die krise der 70er und die folgende neoliberale wende nie mehr eine passende antwort gefunden. das gilt für alle sozialdemokratischen parteien Europas: zuerst wurden sie in die opposition geschickt und als sie ender der 90er zurückkamen, haben sie die neoliberalen schrauben noch fester gezurrt, als die rechten.

      lg
      don

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  6. Zitat:
    "Paradoxerweise scheint das Christentum und die Marktgläubigkeit seltsam kompatibel zu sein."

    Warum paradox und warum seltsam? Es ist kein Zufall, dass der moderne Markt nicht von den Buddhisten, Alaviten oder Germanen erfunden wurde.

    Ohne Christen im allgemeinen oder Protestanten, Puritanern, Calvinisten ... im Speziellen gäbe es DAS heute SO nicht!

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    1. Ging es denn den Buddhisten im allgemeinen besser, bevor der christliche Kapitalismus auch Einfluss auf die Regionen nehmen konnte, in denen der Buddhismus vor allem zuhause ist?
      Solange das nicht geklärt ist, sind die Bewertungen doch haltlos,

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    2. das kommt darauf an, was du unter "besser gehen" verstehen willst. wenn du es nur auf konsum und besitz beziehst, dann hat der protestantismus einen großen positiven einfluss.

      laut aktueller studien sind die menschen aber in den ländern am glücklichsten, in denen die grundbedürfnisse gesichert sind (also keine angst vor dem überlebenskamps herrscht) und außerdem die unterschiede zwischen den menschen möglichst gering.

      mit diesem maßstab ist der Buddhismus deutlich im vorteil. er fordert maßhalten anstelle von gier, mitgefühl anstelle von ausbeutung und weisheit anstelle von konsumfördernder werbelüge.
      er ist also mit den regeln des reinen kapitalismus quasi nicht vereinbar. die protestantischen werte von wegen arbeitsethik, disziplin, bestätigung göttlicher auserwähltheit durch irdischen (arbeits-)erfolg, sind dagegen tragende säulen der kapitalistischen wirtschaftsordnung.

      so gesehen waren und sind buddhistische länder durchaus als glücklicher zu bezeichnen. wobei natürlich immer zu berücksichtigen ist, in wie weit tatsächlich der Buddhismus träger der kultur ist und nicht andere einflüsse.

      lg
      don

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    3. oh, wie war das nochmal mit siddharta? okay, lass deine frau mit kind sitzen und begib dich auf den weg der erleuchtung. myanmar ist sicher auch das land der glücklicheren. aber das liegt dann eher am opiumanbau. nur so richtig glücklich werden damit auch nur die clanchefs oder so.

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    4. was soll denn diese halbwahre, aggressive anmache jetzt?
      Siddharta hat Kind und Frau verlassen. "sitzenlassen" ist wohl das falsche wort - immerhin lebten sie mit allem luxus im fürstlichen palast.
      und sie waren darüber so erbost, dass sie sich beide später von ihm zu mönchen haben ordinieren lassen und ihm gefolgt sind.

      und zum thema Bhurma und Buddhismus brauchst du nur nochmal meinen letzten absatz oben zu lesen.

      vielleicht solltest du auch mal aussagen von Aung Sang Suu Kyi lesen, wie sie beschreibt, wie ihr der Buddhismus die kraft gab, jahrzehntelangen hausarest und trennung von der familie zu überstehen - ohne aggression und rachedurst zu entwickeln.

      lg
      don

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    5. aggressiv geht anders. nur weil es mir spaß macht, falsche illusionen zu zerlegen, heißt das nicht, dass das aggressiv ist, also bitte.

      es ist einfach absurd, einzelne lebenswege für gesamtgesellschaftliche angelegenheiten in anspruch zu nehmen. das ist immer viel zu einfach zu widerlegen. schau mal, was aung sang suu kyi erlebt, deckt sich mit martin luther king oder nelson mandela oder anderen personen, auch moslems. es gibt jedoch keinerlei aufschluss über die überlegenheit einer religion über eine andere.

      'der buddhismus' ist nirgendwo 'im vorteil'. es ist auch nicht sein ziel. ich wüsste auch nicht, dass in myanmar die grundbedürfnisse der menschen besser gesichert seien als bei uns. dein ganzes konstrukt ist - völlig aggressionslos - banane. mehr wollte ich eigentlich nicht zum ausdruck bringen.

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    6. es ging doch hier nie um die "überlegenheit einer religion über eine andere". es ging darum, darauf hinzuweisen, dass christliche - insbesondere lutherische und calvinistische - dogmen besonders geeignet sind, als grundlage für die entwicklung eines kapitalistischen systems zu dienen, wenn nicht gar als dessen voraussetzung.
      und das stammt ja nicht vom Dude oder mir, sondern ist spätestens seit Max Weber soziologisches allgemeingut.
      ob die grundbedürfnisse bei uns oder in Bhurma besser abgesichert sind, ist dabei relativ irrelevant, weil weder wir eine dezidiert protestantische kultur (mehr) sind, noch die bhurmesische eine buddhistische.
      es geht in der analyse auch nicht so sehr um das, was real gelebt wird, als um das, was die ursprüngliche lehre ausmacht, weswegen ja auch erst die reformation aus dem Christentum eine kapitalistische religion gemacht hat. die soziallehren Jesus' und Buddhas liegen nämlich ganz eng beieinander.

      würden auf der welt die menschen wieder mehr im geiste ihrer religionsgründer leben, wäre dies ein weit besserer ort. ich glaube, sowohl Jesus, als auch Mohammed und der Buddha würden im grabe rotieren, wenn sie erlebten, was einige "gläubige" heute in ihrem namen veranstalten.
      aber religion wurde leider zu allen zeiten als machtmittel missbraucht.

      lg
      don

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