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Mittwoch, 8. Oktober 2014

Zum Gedenken an Siegfrid Lenz: Müßiggang oder das aktive Nichtstun

Abteilung: 'Ich mache was ich will: Nichts!'

 "... Weil die Arbeitswut eine weitgehend internationale Erscheinung ist und ohne Rücksicht auf politische Systeme besteht, darum ist eine Verteidigung des Müßiggangs heutzutage bereits ein müßiges Unternehmen: Es ist verschwendet, es muß wirkungslos bleiben – eine Feststellung übrigens, die nur von einem Mann getroffen werden kann, der seinerseits von der Arbeit besessen ist.
Denn natürlich wird ein leidenschaftlicher Müßiggänger nicht nach Wirkung und Zweck fragen, nach kalkuliertem Nutzen, vielmehr wird er sich gerade für das erklären, was ihm verschwendet erscheint, er wird das Müßige als das einzig Schätzenswerte ansehen. Und das bezeichnet nun auch die Qualität seines „Tuns“. Es ist nicht blinde Geschäftigkeit, die nur die Zeit füllt oder an einem Zweck gemessen wird, sondern schöpferische Nichtarbeit, produktives Träumen, eben: Müßiggang..."
aus Zeit-Online: Siegfrid Lenz: 'Müßiggang oder das aktive Nichtstun' (1962)

Vorwort von S.L. aus 'Tagebuch eines Müßiggängers' von Ben Witters

Kommentare:

  1. Leider wurde ich durch den Deutschunterricht ein wenig Lenz-geschädigt. Seine Masuren-Erinnerungen fand ich zwar ganz amüsant, aber doch etwas sentimental. Ist mir erst später aufgegangen, wer da jetzt leider nicht mehr ist. Ob seines völlig unauffälligen Daseins kann man annehmen, dass er den im zitierten Text propagierten Lebensstil zeitweise praktiziert hat. Möge er es genossen haben!

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    1. Lenz war mit völlig unbekannt, bis sein Tod durch die Gazetten zog. Im Zuge der Berichterstattung (Dokumentation) bekam ich einen sehr sympathischen Typ zu sehen.
      Am Tage seines Todes stolperte ich zufällig bei meiner Google-Suche nach 'Recht auf Faulheit' von Paul Lafargue über den danach von mir geposteten Text von S. Lenz.

      Kaum dass ich mich posthum mit seiner Person auseinandersetzte, winkte er um die Ecke!

      In so fern war es fast zwingend, obigen Text zu posten.

      Grüße, Dude

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