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Dienstag, 6. Januar 2015

Die Würde der Demokratie

Abteilung: Schmierentheater, namens Demokratie

Kindheitserinnerungen:
Am Wahlsonntag schmissen sich meine Eltern in Schale. Wären sie katholisch genügend geprägt gewesen, hätten sie ähnlichen Fummel in der Kirche getragen. Der Kirchgang fiel aus, aber der Wahlgang wurde zelebriert.

Daraus sprach der Glaube, ja die Ehrfurcht an die Demokratie - in dem Bewusstsein, dass die Demokratie ein erkämpftes, ja in der Geschichte abgetrotztes Gut in der Überwindung totalitärer Herrschaftssysteme ist.
In dem Bewusstsein, dass Menschen zuvor für dieses Recht demokratischer Partizipation ihr Leben gaben, wurde nicht einfach nur ein Kreuzchen gemacht - nein, durch den Dresscode wurde dem Urnengang auch Würde verliehen.

In der heutigen Zeit mag dies sehr antiquiert wirken. Trotzdem war es Ausdruck des Respekts gegenüber freier, demokratischer Wahlen, der in der Geschichte der Aufklärung (und Überwindung des 3. Reiches) ihren Ausdruck fand.
Diese Erinnerung prägt mich nachhaltig:. Der Glauben an die Mitgestaltung der politischen Stoßrichtung der Politik (es gab damals noch konkurierende Modelle) war wohl die Saat, deren Keim aus mir im späteren einen politisch interessierten und engagierten Bürger machte.

Der Blick auf frühere Zeiten mag verklärt sein. Wer mag behaupten, dass früher alles besser war?
Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass die Wähler damals (noch) den Glauben daran hatten (der Illusion verfingen?), die politische Zukunft mitzugestalten. "Mehr Demokratie wagen", so damals Willi Brandt.
Es sollte dann doch den ein oder anderen Denkanstoß auslösen, wie gestrig dieser Satz in der heutigen Zeit wirkt!

Die von Merkel (unserer geschätzten und allseits beliebten Kanzlerin) brutal offen ausgerufene 'marktkonforme Demokratie' scheint sich mit unserem Verständnis des Souveräns des mündigen Bürgers nicht mehr zu reiben.
Ergebnisse demokratischer Wahlen werden nur solange akzeptiert, bzw. toleriert, solange sie der marktkonformen Hegemonie entsprechen. Man muss sich irgendwann doch schon mal fragen, in wie fern sich die Sachzwänge einer alternativlosen (marktgläubigen) Politik mit dem Geiste der Demokratie vereinbaren lassen.

Verteilungsgerechtigkeit (anders ausgedrückt die Umverteilung von Reich zu Arm) wird nicht mehr akzeptiert als den (nachvollziehbaren) demokratischen Ausdruck von Wählerwillen, sondern als ein zu überwindendes Votum, dass mit aller zur Verfügung stehenden (politischen und medialen) Gewalt zu bekämpfen ist.

VOR den Wahlen wird Einfluss genommen. Vom Bundespräsidenten bzgl. der Wahl in Thüringen, wie auch bei den anstehenden Wahlen in Griechenland (durch unsere medial begleitete Kanzlerin).

Gänzlich kann ich in diesem Gebaren nicht mehr dem Respekt des Wählerwillens erkennen.
Es gibt eigentlich nur noch der Weg der 'marktkonformen Demokratie'.
Alle anderen Wahlergebnisse werden bekämpft, mit der pflichtschuldigen, hofberichtserstattenden medialen Begleitung der 'Qualitätsmedien'.

Wer soll denn noch an die Demokratie glauben, wenn unisono der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin nicht mehr bereit sind, die Ergebnisse anzuerkennen, wenn sie denn nicht ihren Dogmen entsprechen?

Welches Demokratieverständnis mag man jenen noch zutrauen, die als repräsentativen Oberhäupter für die allseits unhinterfragte etikettierte Demokratie stehen?
Zur Fußnote verkommt es unter diesen Umständen, dass auch der Bundestagspräsident einen Gast einlädt, der ungebremst bei einer Gedenkfeier gegen die linke Opposition im 'hohen Hause' pöbeln darf.

Und wie ernst kann man unter diesen Umständen noch das geäußerte Bedauern der politischen Vertreter über mangelnde Wahlbeteiligung nehmen?

Kommentare:

  1. Zufällig habe ich gerade einen artikel drüber geschrieben, was am »vorabend« unserer tollen demokratie los war: währungsreform und wer die leidtragenden dieser tollen idee waren.

    Das volk hatte da, ganz demokratisch, nichts zu melden. In meinem heimatbundesland Hessen hatten sie nach dem krieg per volksabstimmung beschlossen, daß die schlüsselindustrien verstaatlicht gehören, nachdem das in NRW (war es, glaub ich) ebenfalls passiert war, haben die westlichen besatzungsmächte sicherheitshalber keine volksabstimmungen mehr durchgeführt. Trotzdem haben meine altvorderen an die demokratie geglaubt, weil die immer noch besser war als die Hitlerei, die sie ebenfalls erlebt hatten.

    Die demokratie ist schon immer so gewesen, daß am schluß das dabei rauskommen muß, was soll, sonst hätte es nicht ewig den Adenauer gegeben. Der erste angeblich demokratische wahlkampf in der damals noch-DDR 1990 wurde vom westen aus gesteuert. Da hat man nicht gesagt: »toll, die machen jetzt demokratie, schauen wir uns an, was die bürgerbewegungen alles auf die beine stellen!« Die sollten es gefälligst so einrichten wie bei uns, denn andere ideen, wie menschliche interessen berücksichtigt werden können, soll es besser nicht geben.

    Wer an diese tolle demokratie noch glauben soll? Niemand. Allerdings fürchte ich, daß wir, die wir heute leben, eher erleben werden, daß dieser verarschismus einem faschismus neuer prägung weicht, als daß es ein fortschrittlicheres system als das jetzige gibt.

    Liebe grüße,
    Mechthild

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    1. Niemand nach dieser gewaltlosen Revolution wurde damals gefragt, ob er die DDR von innen heraus reformieren wollte, oder sich von der BRD annektieren.
      Aus "Wir sind das Volk!" wurde ganz schnell "Wir sind ein Volk!" umgedeutet (?).
      Volkswirtschaftliche Infrastruktur der DDR wurde Spekulantentum zum Fraß geworfen.
      "It’s the economy, stupid!" ihr dummen Ossis!
      Die im Grundgesetz gebotene Abstimmung nach der Wiedervereinigung über eine allgemeine bundesdeutsche Verassung wurde nicht mal diskutiert! Hätte ja nicht im Sinne der Mächtigen ausgehen können...
      Und das schreibe ich als 'Wessi'.
      Und wir 'Wessi's' werden nicht müde, der Linkspartei das Geständnis abzutrotzen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war, imho, um davon abzulenken, dass die BRD dies immer mehr ist und wird.
      Es gibt vieles an der DDR zu kritisieren und nichts zu beschönigen, aber dies gilt EBEN AUCH für die BRD, insbesondere deren Entwicklung nach dem Niedergang des real-politischen Gegen-Modells der UDSSR.
      Das Siegermachtsgebahren der BRD gegenüber der DDR, deren Bevölkerung für eine Demokratisierung(!) derselben auf die Straße gegangen ist, beschämt mich heute noch!
      Ich will damit gar nicht die Ungerechtigkeit des DDR-Regimes relativieren - aber das wollten die, die sich dagegen aufbegehrten ja schließlich auch nicht.

      Szenenwechsel:
      Ebenso wenig wurde die bundedeutsche Bevölkerung damals befragt, ob sie der europäischen Union beitreten wollten.
      Obwohl deren staatsrechtliche Souveränität damit einer europäischen Gerichtsbarkeit untergeordnet wurde, hatte die deutsche Bevölkerung nicht die Möglichkeit darüber abzustimmen.
      Nicht das ich falsch verstanden werde: Ich halte die AfD ebenso für ein Geschmeiß, wie die Pegida-Bewegung.
      Davon ab, hätte die deutsche Bevölkerung darüber befragt werden müssen, wie auch über eine gemeinschaftliche bundesdeutsche Verfassung, die das provisorische Grundgesetz (welches ich im Geiste für genial befinde - aber immer mehr unterwandert wird).

      Das alles sind Indikatoren dafür, wie wenig die politische Kaste der eigenen Bevölkerung vertraut - in Angst, deren Votum könnte nicht macht-geleiteten Interessen entsprechen.

      Die Krux ist:
      Ich glaube anscheindend mehr an die Demokratie als die Regierung und auch mehr als der Verfassungsschutz - der ja keine Verfassung, sondern ein obsoletes Grundgesetz schützt.

      "Wenn Wahlen etwas verändern könnten, wären sie längst verboten" heißt es so schön.
      Heute müsste man sagen: "Wenn die Wahlen nicht meinungspolitisch genug manipuliert werden können, und deren Auswirkung bestehende Machtverhältnisse gefährdet, dann werden sie verboten, oder gar nicht durchgeführt. Und im Zweifelsfalle wird so oft gewählt, bis das Ergebnis passt.

      Liebe Grüße zurück,
      Dude

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    2. "Niemand nach dieser gewaltlosen Revolution wurde damals gefragt, ob er die DDR von innen heraus reformieren wollte, oder sich von der BRD annektieren."

      Der Deutsche Einigungsvertrag wurde am 20. September 1990 von der Volkskammer der DDR angenommen (299 Ja-Stimmen, 80 Nein-Stimmen, eine Stimmenthaltung).
      Ich weiß nicht, ob es damals Umfragen hab, aber glaubt hier wirklich jemand, dass es keine überwältigende Mehrheit für diese Angliederung gab? Das würde ich gern mal wissen.

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    3. @Menschlichkeit,

      die leute in der DDR sind nicht für den kapitalismus und den anschluß auf die straße gegangen, die wollten mehr mitbestimmung, reise- und pressefreiheit.

      Im dezember 1989 gab es eine umfrage unter DDR-bürgern. Nur 27% sprachen sich für einen gemeinsamen staat mit der BRD aus, 71% wollten die DDR als eigenständigen staat erhalten. Ich glaube nicht, daß es im september 1990 wesentlich anders aussah, allerdings hatte das tolle frei gewählte parlament schon einige unumkehrbare tatsachen geschaffen, daß es zu dem zeitpunkt wohl kaum eine andere möglichkeit mehr gab.

      Die letzten monate der DDR sind ein prima beispiel, wie durch kreuze auf wahlzetteln eben gerade nicht volkes wille geschieht, sondern wie man durch stimmabgabe in freien, demokratischen wahlen eine regierung legitimiert und so auf weitere mitbestimmung verzichtet.

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    4. Doch es gab eine überwältigende Mehrheit !

      Die hat geglaubt, wenn sie sich mit einer neuen Staatsbürgerlichkeit identifiziert "Wir sind ein Volk", dem Wesen nach als Ware Arbeitskraft, dann würde es ihnen besser gehen.

      Was sie nicht bedacht haben, dass es, um an den Konsum zu kommen jemanden braucht, der ihre Arbeitskraft benötigt und sie dafür auch noch einigermassen bezahlt und dass es nicht Sinn und Zweck des Kapitalismus ist, sie aus reiner Menschenfreundlichkeit mit schönen Gütern zu versorgen.

      Darüber sind jetzt viele ganz ungehalten und suchen dafür Schuldige.

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    5. Eben. Es weiß niemand. Und Demokratie ist eben nicht anzunehmen, die Bevölkerung würde so entscheiden. Demokratie ist, wenn gewählt wird. (ich hätte gegen eine Widervereinigung gestimmt...zumindest gegen eine so überhastete).

      Das Problem in einer indirekten, parteipolitisch aufgebauten Demokratie wie der unseren (und der meisten Demokratien der Welt) ist, das jene die gewählt wurden danach einfach tun und lassen können was sie wollen. Problem Nr. zwei: da Parteien notwendig sind und diese auch noch "Prozenthürden" überspringen müssen sind Alternativen meist extrem rar.

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    6. Mechthild, wenn aus einer Umfrage hervorginge, dass eine Mehrheit heute am Kapitalismus festhalten wolle - würdest du dann das Argument gelten lassen, dass Medien = Politik = Wirtschaft die Leute in diese Richtung gehirngewaschen haben über die Jahrzehnte? Wenn ja - was würde das für deine erwähnte Umfrage bedeuten?
      Und wie passt die Umfrage (mit gerade mal knapp über 1000 Befragten) dazu, dass schließlich Millionen DDR-Bürger das Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" gewinnen ließen, das für eine schnelle Wiedervereinigung und keinen eigenständigen DDR-Staat stand?

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    7. @ Menschlichkeit,

      Wolfgang Schäuble gab im mai 2009 in einem interview mit dem ND zum besten, daß Vernon A. Walters ihm bereits im april 1989 gesagt hatte, daß es noch in dieser amtszeit zur wiedervereinigung käme. Weil ich nicht glaube, daß herr Walters ein hellseher war, vermute ich, daß bereits mit herrn Gorbatschow verhandlungen eingeleitet worden waren, dem anschluß der DDR gegen geld zuzustimmen. Das trifft sich auch mit Kohls aussage, daß man nicht so tun solle, als sei der »heilige geist über die plätze in Leipzig gekommen«, sondern Gorbatschow erkennen mußte, »daß er am arsch des propheten war«, weil er halt geld brauchte.

      Die wahl am 18. märz 1990 war eine farce. Ursprünglich hätte erst ende mai gewählt werden sollen und dann konnte plötzlich alles nicht schnell genug gehen. Die parteien, die sich aus der oppositionellen bewegung gegründet hatten und die für die zweistaatlichkeit Deutschlands standen, wurde jede möglichkeit genommen, sich auf einen wahlkampf vorzubereiten. Daß die PDS die wahl nicht gewinnen würde, war leider klar, die sollte ja abgewählt werden. Dann kam - welch zufall, welch zusammenspiel - kurz vor der wahl auch noch raus, daß der SPD-vorsitzende beim MfS gewesen ist und da war die sache klar. Die CDU war ja auch aus dem westen tatkräftig unterstützt worden, damit bloß nichts schief geht. Stefan Heym hat nach der gewonnenen wahl völlig zurecht Helmut Kohl gratuliert.

      An sich mache ich mir wenig gedanken, wie derzeit eine umfrage zur beibehaltung des kapitalismus ausgehen würde, weil das klar ist, wie das ausgehen würde und das hat mit »hirnwäsche« wenig zu tun. Auch wäre die situation heute mit der von 1990 nicht vergleichbar, denn damals gab es zwei unterschiedliche systeme, zwischen denen man hätte wählen können.

      Wer stellt heute noch die frage nach den produktionsbedingungen? Vielen bürgern der DDR war bewußt, was kapitalismus bedeutet und deshalb wollten sie ihn nicht.

      Wer weiß denn noch, was kapitalismus ist? Geschweige denn sozialismus oder gar kommunismus?

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    8. Mechthild,

      meinst du also, dass die Demonstrationen nur Schauspiel der Menschen waren, weil schon bekannt war, dass der Fall der Mauer kommen würde?
      Für wen haben all die Hunderttausenden dann dieses Schauspiel inszeniert? Was war der Vorteil daran? Warum haben sich nicht schon mehr dazu geäußert, dass alles nur Show war?

      Und wenn den DDR-Bürgern also bewusst war, was Kapitalismus bedeutet und sie ihn deshalb nicht wollten, warum hätte es dann eines längeren Wahlkampfes für Alternativen bedurft?

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    9. @Mechthild:
      Mein Tipp:
      Kämpf nicht gegen Windmühlen (aka @Menschlichkeit) an, oder versuche mit gut gemeinten Argumenten Bewusstsein zu erzeugen.
      Fehlgeleitete Energie - davon kommt nichts zu Dir zurück.

      Glaub mir, ich kenn' diese Sorte...

      Liebe Grüße,
      Dude

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    10. Wenn sich etwas nach euren Wünschen verändern soll, muss auch ein Anteil von Menschen eure Einsichten erlangen, der sich viel weniger als ich mit euren Ansichten beschäftigt und viel früher aus der Beschäftigung damit aussteigt, wenn sich offensichtliche Widersprüche auftun, wie das hier bei praktisch jedem Artikel der Fall ist.

      Wenn ihr also schon bei mir aufgebt, der seit 7 Jahren die Nachdenkseiten, Ad Sinistram, Feynsinn und ähnliche Blogs liest und sich dazu Gedanken macht, dann kann sich euer Selbstverständnis nur darin erschöpfen, euch nur gegenseitig selbst zu bestätigen.

      Wie hart müsstet ihr dann erst die allermeisten ankeifen, die nicht so bewandert sind mit euren Thesen und viel mehr Fragen stellen würden?

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    11. @ Dude,
      zu jeder anständigen windmühle gehört auch ein mühlstein. Und mühlsteine sind zufällig meine passion.

      Eine diskussion ist, wie ein richtiger kommunismus, kein tauschhandel bei dem man für die geleisteten beiträge sofort in gleichem maße zurückbekäme. Blödsinnsvergleich, aber wenn man etwas nur tut, weil man dafür von anderen etwas erwartet, sollte man es besser lassen.

      Sofern das kein freundlich formulierter rausschmiss gewesen sein sollte, weil das zu weit vom thema abschweift, tät ich das noch ein bißchen weiterführen, weil mich das amüsiert. Und an den kram mit diesen merkwürdigen »energien« glaube ich ohnehin nicht.

      Liebe grüße,
      Mechthild

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    12. @ Menschlichkeit
      Nirgendwo habe ich behauptet, daß die demonstationen nur »schauspiel« gewesen wären.

      Ein blick zurück in die Deutsche nachkriegsgeschichte: die BRD hat den staat östlich von ihr nie wirklich anerkannt. Auch nachdem Willy Brandt die DDR staatsoffiziell anerkannt hatte, galt, daß jeder bürger der DDR eigentlich bloß ein »verhinderter« bürger der BRD sei. Das dürfte in der geschichte einmalig sein, daß ein staat machtanspruch auf das volk eines anderen stellt. Und das gebiet der DDR hat das westkapital immer als das ihm vorenthaltene rechtmäßite eigentum betrachtet.

      Demzufolge wurde im westen jede kritik am DDR-staat als »eindeutiger wille, die DDR untergehen zu lassen« gedeutet. Damit man im zweifelsfall völlig »im recht« sei, denen notfalls mit waffengewalt beizuspringen.

      Die bürgerrechtsbewegung der DDR gab es schon lange, die leute die, den realsozialimus abschaffen wollten waren dort jedoch eine minderheit. Die meisten wollten einen besseren sozialismus der friedlicher, umweltschonender und menschenfreundlicher sein sollte.

      Nein, von einem längeren wahlkampf habe ich nichts geschrieben, mir ging es um eine späteren wahlkampf.

      Wie sollten denn die neugegründeten bürgerbewegten parteien wie das »neue forum«, »demokratie jetzt«, die »grüne liga« und wen es auch sonst immer noch gab, in weniger als vier monaten ein programm ausarbeiten und gleichzeitig einen wahlkampf führen. Daß man auch ohne programm wahlkampf treiben kann, wie die AfD es tut, konnten die damals nicht wissen, die waren nicht so durchtrieben. Die kannten das »wahltheater« nicht und hatten stattdessen ernsthafte anliegen.

      Am neugegründeten »zentralen runden tisch« (der, wie ich mich genau erinnern kann, eckig war) wurde eine neue verfassung der DDR ausgearbeitet. Ich habe einen originaldruck auf dem tisch liegen. »Schwerter zu pflugscharen« stand drauf. Über diesen entwurf sollten die bürger der DDR diskutieren und abstimmen. Er war im april 1990 fertig, als bereits alle eulen verflogen waren, die neue regierung »gewählt«, die nie wieder ein wort darüber verlor.

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    13. Hallo Dude,

      Ich muss "Menschlichkeit 08. Januar 2015, 23:50" voll Recht geben.
      Ich verstehe deinen und andere Blogs auch als Argumentationsschmiede für Diskussionen in der Realität.

      Ich habe auch nicht das Gefühl, dass Menschlichkeit hier rumtrollen will. Seine Einwände sind durchaus für viele nachvollziehbar.
      Ich freue mich, dass Mechthild darauf eingeht. Die Hintergründe hatte ich nicht mehr so detailliert im Kopf gehabt.

      Gruß Ruby

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    14. @ Menschlichkeit,

      hast Du das gefühl, daß ich Dich »ankeifen« würde?

      Es ist völlig richtig, fragen zu stellen und wenn nicht fortwährend das selbe klischeebehaftete zeug kommt, weil das feindbild »die doofen linken« aufrecht erhalten werden soll, bin ich durchaus diskussionsbereit, sofern ich zeit dazu habe.

      Ich hege gegen niemanden einen groll, daß ich mit ihm nicht mehr reden würde. Ich hatte den eindruck, daß Du nicht diskutieren willst, sondern draufhauen. Sollte das nicht mehr so sein, gut. Ich bin nicht nachtragend.

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    15. Vielen Dank, Mechthild, für die Einblicke! Ich schätze, dass ich auch nicht der einzige hier bin, der bisher nicht im Einzelnen alles auf dem Schirm hatte, was du ausführst.

      Das Ankeifen war auch nicht auf dich gemünzt, es war gemeint als "was wäre hier erst los, wenn Leute (in euren Augen) noch 'dümmere' Fragen stellen würden als ich".

      "vermute ich, daß bereits mit herrn Gorbatschow verhandlungen eingeleitet worden waren, dem anschluß der DDR gegen geld zuzustimmen"

      Das muss ja eine signifikant hohe Summe gewesen sein, die aus dem Etat verschwunden sein muss und von der nichts bekannt und der auch niemand nachgeforscht hat?

      "Demzufolge wurde im westen jede kritik am DDR-staat als »eindeutiger wille, die DDR untergehen zu lassen« gedeutet. Damit man im zweifelsfall völlig »im recht« sei, denen notfalls mit waffengewalt beizuspringen."

      Es gab doch genauso eine Menge westlicher Politiker, die eine Wiedervereinigung als Hirngespinst und die Teilung als für den Frieden in Europa essentiell darstellten.
      Mir kam es sogar so vor, als sei das die Mehrheit, und Politiker, die vor '89 noch offiziell auf Wiedervereinigung setzten, waren nur "einsame Rufer in der Wüste".

      Mir fällt es weiterhin schwer zu glauben, dass die Mehrheit (und dann noch eine 'große') einen Anschluss an die BRD gar nicht wollte. Man wäre dann mit sehr viel weniger "Hurra" über die Mauer geklettert bzw. über die offene Grenze gekommen, hätte mit weniger Enthusiasmus darauf eingehämmert, "Wir sind ein Volk" gerufen, Fahnen geschwenkt, usw.

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    16. @Menschlichkeit
      Im gegensatz zur DDR war die Sowjetunion 1990 tatsächlich wirtschaftlich am ende, was nicht zuletzt am sachverstand des Herrn Gorbatschow lag, der es tatsächlich geschafft hat, mit nur einem fünfjahresplan ein weltreich an die wand zu fahren.

      Horst Teltschik, damals Kohls sprecher, hat später gesagt, daß wenn Gorbatschow 80 milliarden verlangt hätte, sie trotzdem kaum hätten »nein« sagen können. Tatsächlich war es weit weniger. Die Sowjetunion bekam 1990 für etwas über eine milliarde DM hilfsgüter. Lebensmittelhilfe war in der ära Gorbatschow übrigens nichts neues. Bereits Honecker hatte im hungerwinter 1985 hilfe für die bevölkerung geschickt, allerdings ist das meiste davon im hafen von Leningrad vergammelt, weil die Sowjets zu blöd waren, das essen einfach an die leute zu verteilen.

      Damit die Sowjetunion zahlungsfähig bleibt, hat die BRD im frühjahr 1990 einen kredit von 5 milliarden DM gegeben, im laufe des sommers wurden weitere 10 bis 15 milliarden ausgehandelt. Offiziell ist das als kredit für wirtschaftshilfe gelaufen. Es ist anzunehmen, daß die später als uneinbringliche forderungen ausgebucht wurden. Für den abzug der Sowjetarmee zahlte die BRD weitere 300 millionen DM, damit die soldaten in der heimat wohnungen und umschulungen erhalten.

      Als Kohl anfang 1990 mit Gorbatschow bereits über den anschluß der DDR verhandelte, knüpfte die regierung der DDR noch wirtschaftkontakte nach Frankreich. Die wußten nicht, was über ihre köpfe hinweg entschieden wurde. Und in Frankreich war man ohnehin der auffassung, daß es das beste ist, wenn es »zwei Deutschlands« gibt. Reagan war für die vereinigung, wahrscheinlich hat er Mitterrand und Thatcher umgestimmt, die dagegen waren.

      Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den nationalfeiertag der Bonner Republik. Das war der 17. juni, im gedenken an die vorkommnisse im juni 1953. Bezeichnet wurde das als »Tag der Deutschen Einheit«. Die Adenauer-regierung hat die streikenden arbeiter, die nicht gegen die DDR, sondern gegen die verschlechterung ihrer arbeitsbedingungen waren, für die interessen des Westdeutschen kapitals instrumentalisiert. Genau so wurde es 37 jahre später instrumentalisiert, daß einige bürger der DDR ihren urlaub in Ungarn nutzten, über Österreich in die BRD einzureisen. Diese angebliche »massenflucht« bestand aus rund 800 von insgesamt mehr als 200.000 urlaubern, also nicht einmal ein halbes prozent, das die gelegenheit wahrnehmen wollte, in den »freien« westen zu gelangen. Die übrigen rund 199.200 sind nach dem urlaub zurück in die DDR gefahren, um dort etwas zu verändern. Es gab im sommer und herbst 89 auch die parole »wir bleiben hier!« Und das eben nicht, weil sie ihren staat abschaffen wollten, sondern weil sie bessere lebensbedingungen im sozialismus wollten.

      Ja, natürlich sind die leute begeistert über die mauer geklettert. Die wollten ihre verwandten oder freunde im westen besuchen dürfen. Auch hat denen der platz im FDGB-ferienheim nicht mehr gereicht. Der wunsch, mal nach Italien, Frankreich oder auch an die Nordsee, statt immer nur an die Ostsee reisen zu können, ist etwas völlig anderes als der wunsch, an einen kapitalistisch wirtschaftenden staat angegliedert zu werden.

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  2. Hallo Duderich!

    Mit der Demokratie, das sehe ich etwas nüchterner.
    Letztendlich zeigt der jeweilige Zustand der Demokratie, dass es in ihr zugeht wie mit dem Wetter.

    Ist es schlecht, zeigt sich auch Demokratie von ihrer schlechten Seite. Anders ausgedrückt, sie folgt den Verwertungsbedingungen des Kapitals wie man an der jetzigen Wirtschaftskrise gut ablesen kann.

    Marktkonforme Demokratie à la Merkel bedeutet dann, dass die Interessen des nationalen Kapitals Vorrang haben, vor irgendwelchen demokratisch formulierten Einwänden.

    Ganz praktisch lässt sich das auch in Frankreich verfolgen. Hier kommt es zu ganz brutalen Enteignungswellen. Davon sind besonders Landwirte betroffen. Die sollen ihr Land hergeben für neu zu bauende und überdimensionierte Einkaufspaläste, Golfplätze oder Biogasanlagen mit 700 Kühen darin.

    Umweltschutzauflagen und andere Auflagen werden einfach ignoriert.
    Die innere Expansion des Kapitals ist noch nicht abgeschlossen.


    Und immer wieder kommt dabei die Drohung, es würden neue Arbeitsplätze geschaffen.

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  3. für mich ist das hauptproblem, dass eine echte demokratie mündiger bürger bedarf. und die haben wir leider kaum noch.
    mündig kann ich nur sein, wenn ich willens und in der lage bin, mir die informationen, die ich zu einer entscheidung brauche zu besorgen. das setzt neben einer entsprechenden bildung, die uneingeschränkte verfügbarkeit der informationen voraus.
    die unmündigkeit der bürger hat mm zweierlei ursachen: zum einen ist sie von entsprechend interessierten gewollt und zum anderen ist sie selbstverschuldet und zwar durch phlegma und desinteresse.

    unser bildungssystem produziert in erschreckendem ausmaß "funktions-deppen", denen nicht nur allgemeinwissen fehlt, sonder auch die elementaren techniken, sich dieses selbst anzueignen. die leistungen in den bereichen textverständnis und rechnen sind selbst bei abiturienten desaströs.
    es ist somit für werbewirtschaft und medien ein leichtes, sie zu manipulieren.

    schüler werden mit unnützen details so vollgestopft, dass sie zwangsläufig den überblick über größere zusammenhänge verlieren. gleichzeitig werden sie mit einem überangebot von "fun-" und spaßaktivitäten bei gleichzeitiger vollversorgung mit billigen lebensmitteln und alkohol dauerhaft ruhig gestellt.

    wo soll also eine denkende, im besten fall verstehende gesellschaft herkommen? diese wäre aber für eine funktionierende demokratie wichtig.

    so herrschen in den ach so tollen westlichen demokratien zwangsläufig diejenigen, die, die kanäle der manipulation beherrschen. vor ein paar hundert jahren waren das die priester und der adel, heute sind es die plutokraten mit ihren polit-vasallen.

    angesichts viel zu weniger, dazu schlecht ausgebildeter und mies bezahlter erzieher und lehrer, wird sich an diesem zustand auch so schnell nichts ändern.
    das bildungssystem ist der schlüssel, wenn man gesellschaftliche veränderung will. nicht umsonst sichert sich die wirtschaft einen immer größeren einfluss auf die universitäten.

    lg
    don

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    1. Hey Don!

      Immer wieder eine Freude Dich zu lesen!
      Du sprichst mir aus der Seele!

      Ich wurde damals übrigens zum kritischen Hinterfragen in der Schule angeleitet. Und SOLANGE ist das auch noch nicht her.

      Bei meinem Fachabi hatten wir nen genialen Sozi-Lehrer. In jeder seinen Arbeiten kam die Aufgabe: "Nehmen Sie Stellung zu einem aktuell politischem Thema!"
      Wo gibt's sowas heute noch?
      Aufgabenstellungen, die einen politisch Uninteressierten (der ich damals war) dazu brachten, mal die Zeitung in die Hand zu nehmen. Sich mit irgendetwas AUSEINANDERZUSETZEN! Für und wider abwägen. Sich eine Meinung zu bilden.

      Und diese Meinung wurde nicht benotet, sondern der Weg dahin!
      Als Lehrer macht sowas natürlich Mehrarbeit. Ist schwerer zu korrigieren, als Mutitple-Choice-Fragen.

      Es gibt auch heute noch engagierte Lehrer, die aber durch das Korsett, welches der Lehrplan ihnen umlegt, behindert werden.
      Wie viel Zeit hat man denn überhaupt noch als Lehrer, um INTERESSE zu wecken? Um eine Lernsituation herzustellen, die AUFMERKSAMKEIT beinhaltet? Da gehört auch ein wenig Entertainment dazu, langweilige Lehrer machen auch keinen spannenden Unterricht.

      Ein eigenes Thema, die Bildung.
      Aber auch ein sehr wichtiges.

      Liebe Grüße,
      Dude

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  4. "Verständnis des Souveräns des mündigen Bürgers" ... ein nahezu belustigendes Oxymoron, da auch diesbezueglich "VOR den Wahlen wird Einfluss genommen" des Buerger Muendigkeit in Frage stellt.

    "Szenenwechsel:
    Ebenso wenig wurde die bundedeutsche Bevölkerung damals befragt, ob sie der europäischen Union beitreten wollten." Wozu auch, die Politik wusste offensichtlich, was Sache ist: https://www.youtube.com/watch?v=DwlGg8je0Bk und sicherlich wussten auch rund 99% der Buergerschaft ebenso partikular Bescheid(en:)

    Pro-Plebiszit in einem der Laender, ... in welchem das Volk (zugegebenermassen auch durch Alternativlosigkeit gepeinigt) irgendeinen ueblen Scheiss waehlt und der/immerzeit Merkels durchschnittlich 3viertelige Beliebtheit kurzfristig nur durch einen (offensichtlich https://www.youtube.com/watch?v=aZxNejXqypM ... https://www.youtube.com/watch?v=Sb4Qkg0ihlM&NR=1 ) total verbloedeten Guttenberg geschlagen wurde, ... liegt mir so dermassen fern ... http://jakester-express.blogspot.com/search?q=Guttenberg ....

    Wenn ein Volk, mehr denn weniger entscheidend hinter&fuer einen total upgefuckten Mix aus Wirtschaft/Industrie-Politik-Religion-Medien steht, moechte ich mich keineswegs auf Dessen Entscheidungen verlassen wollen.

    Der industrielmilitaerischpolitische Marktwert Demokratie ist real soviel Wert wie seine lieblichen Kumpane Freiheit&Frieden .... NICHTS! ausser Scheisse https://www.youtube.com/watch?v=YlWq6WXIv7M
    und einem kostspieligen, blutigen Preisschild.



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    1. Da spricht eine Menge Frust aus Dir.
      Frust, den ich durchaus Ernst nehme.

      Ernst gemeinte Frage:
      Gibt's noch Hoffnung, was glaubst Du?

      Grüße
      Dude

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    2. Anstatt Frust beziehe ich mich eher auf die Beurteilung eines alten Online-Scheich was meine Schwarzseherei angeht.
      "Realismus klingt oft wie ein traurig pessimistisches Lied"

      Ernst gemeinte Antwort:
      Ich basiere nicht auf Hoffnung (“I felt a lot better once I gave up Hope” ... Woody A.) und ebensowenig auf Glauben.
      Ich kann meine Schluesse fast nur aus diversen Entwicklungen und meiner dementsprechenden Meinung dazu ziehen.
      Menschheit gibt mir Gestern wie Heute keine positiven Anregungen.
      Der Blutrausch durch kompromislose Eskalationsgeilheit laesst nicht nach. Die Gruende dafuer sind im Groben mehr oder weniger bekannt.
      Da seh ich auch weiterhin keine Linderung.
      Mancher sagt, es muesse immer erst noch schlimmer kommen um besser zu werden. Dem gehts dann offensichtlich noch nicht allzu schlecht ...

      Gruss
      Jake

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  5. OT:

    ich weiß, es hat mit der diskussion hier nur wenig zu tun, aber ich muss mich gerade irgendwo ausk....:

    habe gerade ein paar der wutschäumenden, blutlüsternen kommentare unserer werten mitbürger zu den mördern von Paris gelesen:

    ich glaube jetzt haben die terroristen endgültig erreicht was sie wollten, der "aufgeklärte, tolerante, westliche weltbürger" lässt tief in die hässliche nazi-fratze blicken, die er ganz knapp unter der oberflächlichen maskerade trägt.

    bei manchen hat man förmlich den eindruck, sie freuten sich über die taten, weil damit endlich ihre vorurteile gegenüber den muslimen bestätogt werden und sie jetzt ganz ungeniert vom leder ziehen können. todesstrafe, folter, internierungen, sippenhaft etc. etc. wird da gefordert.

    wie vermisse ich einen besonnenen bundespräsidenten. heute wäre der tag, an dem er seiner aufgabe gerecht werden müsste: eine mäßigende ansprache, die versöhnen sollte, trauer und mitgefühl ausdrücken müsste und gleichzeitig den irrsinn der tat benennen (ungeachtet irgendwelcher angeblicher "motive").

    ich habe tatsächlich ein wenig angst vor dem was uns jetzt bevor steht und kann nur hoffen, dass wir nicht den gleichen weg gehen wie die amis nach 09/11.

    lg
    don

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  6. "ich glaube jetzt haben die terroristen endgültig erreicht was sie wollten"

    Damit schieben Sie den Terroristen aber klar die proaktive Schuld an den Entwicklungen zu. Der Kreuzzug 2.0 gegen den Islam ist vom Westen doch seit Jahrzehnten gewollt und langfristig geplant. Die Terroristen reagieren heute doch nur auf Provokation und Demütigung, die die islamische Welt seit Jahrzehnten erleiden muss. Der Hass in der Bevölkerung ist so gewollt und es wird Öl ins Feuer gegossen. Statt der von Ihnen geforderten, mäßigenden Ansprache werden Pegida-Anhänger als ungebildete Idioten hingestellt. Man provoziert seit Jahren Moslems, nun provoziert man noch das Gegenlager und wartet auf den großen Knall in Form eines Anschlags, um dann den harten Polizeistaat durchzuprügeln. Idealerweise bombt man noch gemeinsam mit Amis und Briten die Herkunftsländer der Terroristen und die ganze (westliche) Welt is froh, weil das Benzin auf einmal so billig wird. Das ist lange geplant, aber mit Sicherheit nicht von Islamisten. Die werden diesen "heiligen Krieg" alle teuer bezahlen und ich hoffe, das Kontingent an Jungfrauen geht nicht aus im Paradies. Sonst werden sich paar Gotteskrieger gewaltig ärgern. Die Drahtzieher des Ganzen sitzen im Nadelstreifenanzug ganz woanders und haben lange ihr Paradies schon hier errichtet.

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    1. Bei dem ganzen Scheiß, verliert Jeder.
      Teile und herrsche.

      Die Ausgebeuteten sind den Ausbeutern millionenfach überlegen.

      Deshalb bedarf es einer Unterfütterung der Nutznießer, damit die bestehenden Besitzverhältnisse legitim und unantastbar sind.

      Menschen hungern. Andere fliegen mit dem Privat-Jet zur nächsten Golfrunde.
      Wer glaubt, dass elementares Elend eben so wenig zu überwinden ist, wie überbordender Reichtum, DER ist der Naivling, nicht ein Realist.

      Die 'Teilenden' und 'Herrschenden' sitzen abseits medialer Aufmerksamkeitsspanne im 'Nadelstreifenanzug'. und ziehen die Fäden.

      Mittlerweile glaube ich sogar, dass die Fäden vom Papst wohl länger sind, als die von Merkel.
      Obwohl: Vielleicht reizt er die 'Fadenlänge' nur besser aus?

      Insgesamt wenig Grund für Optimismus.
      Das alles muss wohl noch viel mehr vor den Baum fahren, bevor ein wirkliches Problembewusstsein entsteht.

      Ökonomisch, ökologisch und humanistisch (Reihenfolge nicht nach Wertigkeit).

      Langsam würde es Zeit darüber nachzudenken!

      Liebe Grüße
      Dude

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    2. @WhiteRussian:

      ich gebe dir natürlich recht, wenn du sagst, dass es überall auf der welt ar.... in nadelstreifen gibt, die sich angesichts der meldungen aus Paris die hände reiben.
      es handelt sich für mich um ein großes schachspiel: die damen und könige sieht man nicht, aber die bauern erschießen sich gegenseitig in der ganzen welt.
      insofern meinte ich mit "die terroristen haben erreicht was sie wollten" weniger die beiden bauernopfer, sondern ihre geistigen strippenzieher, denen ein rassistischer aufschrei im "westen" als beleg für ihre hetze gerade recht kommt.

      trotzdem halte ich es mit Deniz Yücel (taz von gestern), wenn er sagt, es darf auf beiden seiten kein ABER geben: auch wenn ich "nur ein bauer auf dem schachbrett" bin, entschuldigt nichts, aber auch rein gar nichts, diese tat. es kann - abgesehen von akuter notwehr und nothilfe - niemals eine entschuldigung dafür geben, wenn ein mensch dem anderen gewalt zufügt. da lasse ich auch keine "jahrzehntelange unterdrückung und demütigung" der moslems gelten. das mag als begründung auf der meta-ebene richtig sein, aber es ist keine rechtfertigung für die taten des einzelnen menschen. es sind immer noch menschen und keine roboter, die die taten ausführen (das gilt üpbrigens auch für die drohnen-piloten irgendwo in den USA). und wenn wir menschen nicht prinzipiell jede schuldfähigkeit absprechen wollen, dann müssen all die täter zur verantwortung gezogen werden, egal, ob sie am schreibtisch sitzen, oder auf der straße stehen.

      lg
      don

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    3. "Wer glaubt, dass elementares Elend eben so wenig zu überwinden ist, wie überbordender Reichtum, DER ist der Naivling, nicht ein Realist."
      Da gehts doch ueberhaupt nicht ums Koennen sondern einzig ums wollen. Und wer will Das schon. Ich sehe keine Massen auf den Strassen, die fuer die unterste Haelfte der Weltbevoelkerung protestiert, welche unter 2$/Stunde malochen und die 2$/Stunde ist die Oberschicht dieser 3+Milliarden. Die Unterschicht derer macht 60$/Monat und weniger und die unter der Unterschicht verhungern zu 10tausenden taeglich. (und gegen/fuer was protestieren die Penner in Dresden&Co nochmal?)

      "Das alles muss wohl noch viel mehr vor den Baum fahren, bevor ein wirkliches Problembewusstsein entsteht."
      Dir gehts wohl auch noch zu gut!
      "Mancher sagt, es muesse immer erst noch schlimmer kommen um besser zu werden. Dem gehts dann offensichtlich noch nicht allzu schlecht ..."

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    4. @jakebaby:
      "Dir gehts wohl auch noch zu gut!"

      Hoffe, Dir geht es auch gut.
      Nein, jakebaby, es geht mir nicht so schlecht, als das ich nichts zu verlieren hätte.Werde auch nicht für irgendwas brandschatzend durch die Strassen ziehen, im Glauben, das ablösende Regime sei besser.
      Wir müssen wieder den Wert des einzelnen Menschen schätzen lernen. Die Kollateralschäden von Drohnenbeschuss sind im selben Maß bedauerlich, wie die erschossenen Zeichner des französischen Satire-Magazins.

      Für irgendetwas auf die Straße gehen, ist m.M.n. auch nicht der Weisheit letzter Schluss um eine Änderung zu bewirken.
      Wie viele Demonstrationen gegen Hartz-IV gab es?
      Unzählige! Nichts hat sich geändert.

      Ziviler Ungehorsam wäre in der Masse viel effektiver als hochgereckte Spruchbänder. Flashmobs, kollektive Weigerung, etc.

      Gerade die, denen es "allzu schlecht" geht, haben aufgesteckt. Wählen nicht mehr, weil sie nicht an wirklicher demokratischer Partizipation der politischen Willensbildung glauben.

      Egal wie schlecht die Umstände auch sein mögen:
      Einzig vom subjektiven Empfinden hängt es ab, ob gegen bestehende Verhältnisse aufbegehrt wird.

      Von diesem 'subjektiven Empfinden' ist die 'kritische Masse' leider sehr weit entfernt.

      Es geht doch nicht darum, ob es einem zu gut geht, oder zu schlecht.
      Es geht darum, ob man mit den bestehenden Verhältnissen zufrieden ist, oder ob man die verändern will.

      Ich will die bestehenden Zustände verändern.
      Entschuldige, dass ich deshalb noch keine Revolution ausgerufen habe.

      Grüße, Dude



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    5. Wesentlich konfuser kontraer polemisch'emotional'euphorisch .. gehts ... vielleicht noch..? :-)

      Was waere?, sollte, will, muesste .. ganzganz unbedingt sein Sollte .... etc. blabla .... IST NICHT!!! ... war wohl, mit absoluter Sicherheit NIE, im grossen Ganzen, und wird wohl, gerade Eben betrachtet und in naehester Zukunft und So blabla ... nicht unbedingt zur pro'humanitaeren? Aussicht gereichen. Wolltest du mir, alleine aus deinen Beitraegen das Gegenteil beweisen, muesstest du die Meisten loeschen. .....

      Um einer gewohnten, und durchaus verstaendlichen Unterstellung von Aufgabe zu widersprechen, bin ich gerade noch hier, schlichtweg einschaetzend ... weiterhin un/gluecklicherweise bestaetigt/froh darueber, dass ich in diesem Land(Europa) nicht mehr leben, als auch nicht mehr (ich arbeite daran mit diversen Aliens) auf dem Rest dieses beschissennen Planeten verbleiben moechte.
      Das magst du jetzt trivialer Weise als Frust bezeichnen. Seit Steinzeit ueber diverse Ming, Aegypter/etc., exLatinos/Afros, Downunders, Muslime/Christians/Hindus/Buddhist/sonstig abgefuckte Goetzenanbeter, Roemer/sonstige Europaeer und diverse Andere ... nur mal addierend diverse Religionen in Bezug nehmend .....Blutrauschende Motherfuckers .... war doch zwischendurch kaum "gutmenschlich"positivhumanes zu verzeichnen.
      Nur ein kuerzliches Beispiel, als "man sich" zwischen 1618-48 noch, als auch weiterhin bis ins 20ste Jahrhundert/.. millionenfach untereinander in Europa/Westen/etc. wegschlachtete,schlachtete man, ausser sich, gewohnt gegenseitig, nebenher, die 10.000jaehrigen Ur/Zivilgesellschaften ganzer Kontinente(z.B AmerikasAusralien), einfach So nebenher weg(und nebenher hatte ich Afrika/Asien/und sonstige Kanaken und So ganz vergessen. (und so einige Kanaken und So sind auch nicht besser drauf) ..... und die paar extrem verschissenen Jahrhundert danach, 2 sogenannte Weltkriege im andauernd menschlichen Weltkrieg unter/gegen Mensch und gegen Alles Sonstige ... und nach all dem Scheiss seit ... Adam/Eva, und dank der, so dermassen intelligenten industrielltechnologischen... humandemokratischen Errungenschaften des letzten Jahrhundert+ ist auch weiterhin, und gerade eben, erwartungsgemaess, keinerlei positivkonstruktive Tendenz in Sicht.
      Auch wenn ich nur ungern sovielen Menschen, welche sicherlich nur gerne sorgenfrei und gluecklich waeren, nicht gerecht bin, muss ich insgesamt Human Nature als kollektiv upgefucked, kontraproduktiv und extrem destruktiv verorten.
      Sollte das Ganze ueber/morgen besser werden, waere ich ganz Ohr und uebergluecklichst.
      ....
      und danke der Nachfrage, mir gehts schon immer recht gut und durchs letzte Jahrzehnt musst ich nicht mal mehr arbeiten und werd jetzt grad mal Schnaps/55 ... so i could give no Shit at All.
      Allzuleider funktioniert das nicht. Fuck Me!

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  7. Hallo Don!

    Natürlich muss ich Dir zustimmen. Es gibt keinen Grund Menschen zu ermorden.

    Hier ein paar Gedanken zu Charlie Hebdo deshalb, weil ich in Frankreich lebe und die politischen Einstellungen über Juden und Nordafrikaner/ Moslems und über Ausländer im allgemeinen doch ziemlich gut kenne.

    Und diese Einstellungen sind nicht unbedingt das, was man von Franzosen vermuten würde.

    Für mich hat diese sog. Satiremagazin in erster Linie rechte Gesinnungen bedient. Manche behaupten sogar, dass es ein rechtslastiges Blättchen ist, Ich selbst würde es nicht dem linken Spektrum zuordnen.

    Ich persönlich könnte mich auch nicht dafür hergeben, Menschen derartig, welchen Glaubens und welcher Ideologie verhaftet, so respektlos zu behandeln. Was die Zeichnungen betrifft, so halte ich diese einfach für schlecht gemacht. Zumindest verletzen diese meinen guten Geschmack.

    Ich finde die taz bzw. der Artikelschreiber macht es sich da sehr einfach wenn er den Lesern hinwirft , es dürfte auf beiden Seiten kein ABER geben.

    Es gibt wohl ernsthaft niemanden, der diese Tat entschuldigt und jetzt würde eigentlich mein ABER kommen.
    Ich lasse es stecken. Ich könnte hier zig Beispiele aufführen wo immer ein ABER von den sog. Gutmenschen kommt, wenn man "selbst" im Blut watet. Dieses Aber soll angenommen werden.

    Für mich fordert die taz dazu auf, seinen Kopf abzuschalten, seine Kritik und seine Zweifel einem kollektiven Konsens zu opfern.

    Übrigens waren die, die die Morde begangen haben französische Staatsbürger. Nur deshalb, weil das gerne unterschlagen wird.

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    1. Interessant , ohne es so genau begründen zu können , so ein wenig mulmig ist mir da auch.
      Charlie Hebdo gilt Vielen als linksradikal ,so zumindest war zu lesen , umso überraschender plötzlich diese Solidarität , gegenüber Linksradikalen , sagen wir mal , sonst eher unüblich.

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    2. Lies mal auf Junge Welt "Viele Fragen bleiben".

      Darunter ein Artikel von Georges Gastaud "Wer profitiert ?"
      Mal etwas aus einer französischen Perspektive!

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    3. hi Troptard,

      ich verstehe genau dein mulmiges gefühl. mir gehts nicht anders. ich empfinde vor allem eine unglaubliche wut gegenüber den ganzen selbstgerechten wohlstandsbürgern (und davon gibt es hier in Bayern wohl weltweit die meisten!) die jetzt mit den üblichen aussagen, von wegen "jetzt seht ihr, wohin toleranz führt" und "wir haben es ja schon immer gewusst" kommen.

      um was es mir geht ist einzig die tatsache, dass auch kein noch so guter grund benutzt werden darf, um die tat auch nur im geringsten zu rechtfertigen, zu "verstehen", oder gar zu entschuldigen.

      würde man das machen, begibt man sich in die selbe spirale aus gewalt und rache, wie sie in Israel seit 70 jahren herrscht.

      genausowenig darf es natürlich ein ABER geben, wenn man die weltweiten umstände anprangert, die letztlich zu solchen taten führen.

      denn, und ich denke hier sind wir uns alle weitgehend einig, religion ist doch überall nur der vorgeschobene grund. eigentlich geht es um ungerechtigkeit, unterdrückung, wirtschaftliche ausbeutung und der damit empfundenen demütigung.

      gewalt ist dann der letztlich hilflose versuch, sich zu wehren oder einen funken würde zurückzubekommen.

      lg
      don

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