Follow by Email

Samstag, 28. März 2015

150 Menschenleben

Abteilung: Medialer Sinkflug

Das alles verstört. Man begreift es nicht.
Und, wenn es wirklich so war, wie überall kolportiert wird, selbst dann wäre es möglicherweise zu einfach, jenen Menschen einfach nur für ein gewissenloses Arschloch zu halten.

Das ganze Szenario, so gebe ich zu Bedenken, wäre ja auch möglich, wenn Jener in einem (zugegebenermaßen) kleinen Zeitfenster in Bewusstlosigkeit gefallen wäre. Das würde erklären, warum er nicht mehr auf Impulse von Außen reagiert hätte.

Das Szenario, des Selbstmordattentäters ist das wahrscheinlichste - das empfinde ich genauso.
Aber, es bleiben - zumindest für mich - noch marginale Restzweifel, und solange sollte die Unschuldsvermutung greifen.

Es geht mir, für meinen Geschmack, zu schnell, dass die Möglichkeitsform in der Berichtserstattung immer mehr ausgeklammert wird. Aufgrund der Interpretation der Staatsanwaltschaft gerinnen immer mehr Mutmaßungen zur Faktenlage.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich so zugetragen hat, wie es in den Medien zu lesen ist, schätze ich zu 98% als zutreffend an. Aber es bleiben doch Restzweifel.

Exemplarisch möge man sich den Klassiker 'Die zwölf Geschworenen' (noch) einmal anschauen.

Für mich persönlich (ich spreche ja schließlich nur für mich) ist die Beweislage erdrückend, aber nicht zwingend.
Es gibt unzählige Beispiele, wo sich, bei ähnlicher Beweislage, ein Verurteilter im Nachhinein als unschuldig erwiesen hatte.

Eine Bewusstlosigkeit im relevanten Zeitfenster ist zwar unwahrscheinlich, aber immerhin möglich.
Atemgeräusche gäbe es da auch.

Mein Restzweifel speist sich daraus, dass ich nicht glauben kann, dass man nicht willentlich (bei vollem Bewusstsein)  in den Tod rasen kann, ohne ein einziges Wort zu verlieren. Sich diese Schuld aufladen kann, ohne ein letztes Wort an die Eltern, oder an andere nahestehende Menschen zu verlieren.

Nicht mal ein finales 'Fuck!', oder 'Shit!'

Oder ein muttersprachliches 'Leckt mich doch alle!'
... bevor man in den Berg rast.

Acht Minuten ohne Worte - während man die Schuld von 149 anderen Menschenleben auf sich lädt?
Selbst bei einer spontanen Impulshandlung klingt das für mich unwahrscheinlich.

Ich selbst glaube aufgrund der mir vorliegenden Indizien, dass es so war, wie überall beschrieben.
Aber ich WEISS es nicht!

Und solange (es Restzweifel gibt) sollte die Unschuldsvermutung gelten - ein rechtsstaatliches, aber auch ethisches Prinzip, welches wir ohne Not nicht preisgeben sollten.
Auch nicht durch die Medien, die sich maßgeblich nur auf die Aussagen der Staatsanwaltschaft gründen.
Denen offensichtlich ein Bedienen des Voyeurismus wichtiger ist, als die Einhaltung rechtstaatlicher Prinzipien.
Noch hat kein Gericht diesen Menschen für schuldig befunden.
Auch posthum gilt dieser also solange als unschuldig, sofern wir noch an das Prinzip der Unschuldsvermutung glauben..
Da wird sich jeder, unabhängig der eigenen Fassungslosigkeit und Empörung, entscheiden müssen.

Das mag unbequem sein, und den eigenen Bedürfnissen widersprechen. Ist aber so.
Mir fällt das auch nicht leicht.

Unabhängig davon, gilt meine Anteilnahme den Hinterbliebenen.
Auch den Eltern, jenes mutmaßlichen(!) Gestörten, die nicht nur die Trauer über den Verlust ihres Kindes verarbeiten müssen, sondern auch die Anfeindungen derer, deren Wut ein Ziel braucht.

Kommentare:

  1. Voraussetzung für die Schuldunfähigkeit nach § 20 StGB ist, dass beim Täter zur Tatzeit entweder eine krankhafte seelische Störung oder eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung oder Schwachsinn oder eine andere schwere seelische Abartigkeit vorgelegen hat. Weitere Voraussetzung ist, dass der Täter infolge eines der genannten Defekte unfähig war, entweder das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.

    Sollte Andreas L. nach dieser Definition schuldunfähig gewesen sein, gehört er zu den Opfern.

    AntwortenLöschen
  2. "Das ganze Szenario, so gebe ich zu Bedenken, wäre ja auch möglich, wenn Jener in einem (zugegebenermaßen) kleinen Zeitfenster in Bewusstlosigkeit gefallen wäre. Das würde erklären, warum er nicht mehr auf Impulse von Außen reagiert hätte."

    Nein, das ist ausgeschlossen, wie man in vielen Artikeln gelesen hat:
    "Vermutet das Kabinenpersonal einen Notfall im Cockpit, kann die Crew über das Tasten-Terminal einen Notfallcode eingeben. Reagieren daraufhin die Piloten 30 Sekunden lang nicht, wird die Cockpit-Tür für fünf Sekunden geöffnet. Es sei denn von innen wird die Tür aktiv verriegelt gehalten."
    www.zeit.de/wissen/2015-03/flugzeugabsturz-pilot-cockpit-tuer-faq

    Diese aktive Verriegelungsmöglichkeit gibt es für den Fall, dass ein Crewmitglied gezwungen wurde, den Code einzugeben. Der Pilot hat über sowohl Kameras als auch ein Guckloch in der Tür die Möglichkeit, dieses Szenario zu erkennen und dann eben von innen zu verriegeln.

    Wie schon letztens beim Thema "Wo sind die Positionen der EZB-Gegner in der Presse?" - Warum beschäftigst du dich nicht selber mit einer Antwort auf deine Frage? Man hat in den letzten Tagen nicht viel lesen oder TV sehen müssen, um auf diese Info hier zu stoßen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habe Dir in meinem aktuellen Post geantwortet, weil ich vorrübergehend nicht kommentieren konnte.

      Löschen