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Montag, 21. September 2015

Apokalypsen, und andere Katastrophen

Abteilung: Ein Serienjunkie erklärt die Welt

"wie freiheit beispielsweise aussehen könnte, beschreibt John Rawls:
alles zurück auf anfang: keiner hat was, keiner kann was. dann werden die spielregeln für die gesellschaft festgelegt. und zwar BEVOR jeder weiß, welcher platz der seine sein wird.
nur wenn ich nicht weiß, ob ich später sklavenhalter oder sklave sein werde, werde ich mich für gerechte regeln und maximale freiheit einsetzen."

(Don M. Tingly)


Diese Worte hallen bei mir nach, und ich möchte meine Gedanken dazu, nachfolgend zur Diskussion stellen.

Dieses Szenario ist wohl eher akademischer Natur. Ausschließlich eine Apokalypse, die die Menschheit auf höchstens 1 Promille reduzieren würde, ließe solch ein Szenario als möglich erscheinen. 
Könnte mir gut vorstellen, dass Zombie-Filme, und im aktuellen Fall auch -Serien, sich deshalb so großer Beliebtheit erfreuen...

Könnte solch ein Szenario sich auch über demokratische Willensäußerung herbeiwählen lassen?
Ich denke, ich kann die Frage verneinen, ohne mich dadurch dem Verdacht einer antidemokratischen Haltung aussetzen zu müssen (ausschließen kann ich das aber mittlerweile auch nicht mehr).

Revolution?
Das entstehende Machtvakuum würde rasant schnell wieder gefüllt werden. Und gerade die Machthabenden (egal welcher Coleur) haben naturgemäß ein Problem damit, Machtstrukturen auflösen zu wollen.
Und nach keiner Revolution hatte die Bevölkerung auch nur ansatzweise egale ökonomische Mittel:
Reich blieb reich und arm blieb arm.



Oben genanntes Szenario ist nicht denkbar mit irgendeiner Währung. Denn selbst bei gleich verteilten Geldmitteln, würde diese nach 10 Generationen nicht mehr so gleich verteilt sein. Und dieses Ungleichgewicht der monetären Verteilung würde sich dann auch korrespondierend dazu im Hierarchie-/Machtgefüge ausdrücken.

Die Auflösung einer anerkannten Währung ist tatsächlich nur in in einem apokalyptischen Szenario vorstellbar. Und auch diese Apokalypse müßte derart gestaltet sein, dass bestehende Besitz- und Machtverhältnisse keinen Einfluß auf die eigene Mortalitätsrate haben würden. 
Damit scheidet z.B. ein Atomkrieg aus. 
Es gibt zahlreiche Bunker - aber wer würde da wohl reinkommen?
Obama, z.B.
Putin auch.
Mutter Merkel müsste sich vor einem Atompils auch nicht unter dem Bett verstecken.
Milliardäre werden sich auch einen leisten (können), oder in der Lage sein, sich Zugang in andere zu verschaffen.

Wie groß wäre aber die Chance, dass Lieschen Müller Eintritt erhalten würde?

Tatsächlich würde nur eine biologische Katastrophe (bakteriell oder viral) eine Dezimierung der Menschheit auslösen, vor der Geld/Macht nicht schützen kann (vorausgesetzt es gibt keine erwerbbaren Medikamente dagegen).

Und tatsächlich bin ich ein Fan der Serie "The Walking Dead"
Nicht weil ich auf Zombies stehe, sondern wegen der soziologischen Fragestellung: 
Wie organisieren sich Kleingruppen, nach Zusammenbruch einer Gesellschaft und einer akzeptieren Währung? Wie reagieren diese auf andere organisierte Kleingruppen (für mich eine verkürzte Beschreibung von Anarchie)?
Auch 'Lost' hat diese Serie nicht zuletzt wegen diesem Aspekt, für mich spannend gemacht. 
Der Kult-Roman "Herr der Fliegen" befasst sich genau mit diesen Fragestellungen.

Selbstverständlich kristallisieren sich auch in diesen Szenarien Machtstrukturen heraus. 
Und die damit einhergehende Konkurrenz an Macht. 
Seit der Wiege der Menschheit ist das so.

Ich halte Gleichheit für ein anzustrebendes Ideal, welches zumindest längerfristig nie erreicht werden kann.

Anspruch muss sein, Ungleichheiten (die ja schon qua Natur gegeben sind) in möglichst großen Maße zu minimieren, auszugleichen.

Dagegen werden sich - die, wie auch immer Privilegierten - aber immer wehren wollen. Und diese haben naturgemäß auch immer den größeren Einfluß...

Ein Dilemma! 

Habe ich etwas übersehen, bzw. falsch interpretiert?

Gibt es einen Ausweg?

Ich gebe es zu.
Ich bin verstört.

Denn ich weiß nicht, auf was ich hoffen soll, damit die Welt gerechter wird.

Kommentare:

  1. Lass uns auf den Untergang anstoßen mit deinem "Atompils"!

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    1. Nettes Wortspiel!

      Deine persönliche Haltung, Dein Statement dazu würden mich aber auch sehr interessieren...

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    2. Der Herr 'Obergärig' wollte dich wohl nur darauf hinweisen, dass es immer noch Atompilz heißt und nicht unfreiwillig komisch Atompils...

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  2. Für mich ist das die zentrale Frage.

    Kann man dieses Ideal einer gleichen Gesellschaft überhaupt erreichen? Es scheint keinen gangbaren Weg zu geben. Aber viel wichtiger ist die Frage: Wenn man es erreichen würde, was passiert dann?
    Mein Menschenbild sagt mir, dass wir verschieden sind und wenn diese Verschiedenheit in einer freien Gesellschaft ausgelebt werden kann, führt sie unweigerlich zur Ungleichheit. Machtstrukturen entstehen durch Gewalt oder den bewussten Verzicht auf Freiheiten. An eine Gesellschaftsform, die nicht diesen Prozessen unterliegt, glaube ich nicht. Dass sich in Gesellschaften Ungleichheiten ausbilden, ist für mich daher eine Tatsache.

    Ich halte daher eine andere Frage für entscheidender: Wann wird Ungleichheit zur Ungerechtigkeit? Und diese Frage wird nicht durch die Wahl der Gesellschaftsform oder durch ein ökonomisches Modell bestimmt, sondern kann und wird immer nur durch politische Kämpfe entschieden.

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  3. ich habe das ja schon oft betont: für mich ist die entscheidende frage nicht die nach der vision, sondern die nach der transformation.
    ich bin da auch nicht ganz so pessimistisch. ich denke, dass man schritt(chen)weise schon was erreichen kann.
    eine große erkenntnis des alten Trierer rauschebarts ist für mich nach wie vor zentral: das eigentum an produktionsmitteln ist die materielle kristalisation der ungerechtigkeit. sie müsste als erstes überwunden werden. auch alles übrige ist von den großen geistern bereits 1000-fach geschrieben und gesagt worden: es geht um ein verändertes bewusstsein. um eine rückkehr zum ursprünglichen bewusstsein: das erleben der welt und der mitmenschen als holistisches ganzes.
    erst wenn der (vermeintlich) starke erkannt hat, dass er im anderen auch sich selbst schadet, werden wir einen schritt weiter kommen. mit Kant: echte freiheit entfaltet sich in ihrer freiwilligen (selbst-) einschränkung. selbst Nietzsches übermensch hat religion, gesetze und staat überwunden, weil er sein bewusstsein auf eine ebene gehoben hat, die ihm erlaubt zu erkennen, dass alles im universum zusammenhängt.

    ich weiß, das klingt alles esoterisch und ich sehe die kopfschüttler schon wieder, die vom "gutmenschentum" und utopisten reden.

    aber wenn ich die tausenden von vor allem jungen menschen sehe, die sich bei Syriza, Podemos oder in der flüchtlingshilfe engagieren. wenn ich sehe, was für ein kläglicher haufen, besoffener, verrohter, mittelalter typen dagegen bei Pegida u.ä. mittrotten, dann keimt ein wenig hoffnung.

    es könnte durchaus sein, dass klimawandel, kriege und ungerechtigkeit weltweit eine generation hervorbringen, die den wandel angeht. die verstanden hat, dass die menschen in der gated milliardärs-community oft unglücklicher sind als die in der favela.

    und a propos serien:

    wie mehrfach schon erwähnt: meine lieblingsserie mit utopie-charakter: Startrek! weltregierung, beendigung des materiellen mangels durch technologie für alle, wissen und bildung als höchste ideale, keine rassistischen vorurteile, kein religiöser wahn, kein waren-fetischismus (jeder trägt den gleichen pyjama!).
    eine solche welt ist möglich! wir werden es zwar nicht mehr erleben, aber wir könnten wenigstens qua vorbild dazu beitragen, die kommenden aufs rechte gleis zu setzen.

    lg
    don

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  4. Wie wörtlich Rawls seine Aussage meint , wäre mal interessant. Als Provokation mit einem Korn Wahrheit ist das schon richtig , erst die Drohung , selber zu den Benachteilgten zu gehören , ist effektiv , und sei es durch die schlichte Massakrierung der Reichen.
    Revolutionen als Option aufzugeben , würde dabei heißen , eine wichtige Waffe aus der Hand zu geben , ob sie dann der Optimalfall ist , steht auf einem anderen Blatt.
    Eine ethische Weiterentwicklung ist "alternativlos" , weil das ein Evolutionsprinzip ist , gegen das der Mensch nichts ausrichten kann , die Frage ist nur , in welcher Geschwindigkeit das abläuft und mit wievielen und wie blutigen Rückschlägen.

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  5. "Eine ethische Weiterentwicklung ist "alternativlos" ,"

    Ich halte diese nicht für determiniert...

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    1. Determiniert nicht , aber als Alternative bleibt dann nur der schleichende Niedergang. Irgendwer nutzt die Kraft der ethischen Überlegenheit , ein anderer Kulturkreis , während unserer den Bach runtergeht , oder eine andere Spezies , irgendwann.

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