Follow by Email

Freitag, 13. Mai 2016

Böhmermann zielt nicht dort hin, wo's weh tut

Abteilung: RTL ist scheiße, Monsanto auch?

Der Coup den Böhmermann jüngst nach seiner medialen Auszeit geleistet hat, ist eigentlich keiner, wird aber von der Presse und dem Internetvolk dazu gemacht.

RTL schummelt, das ist die präsentierte Erkenntnis, die jeder zuvor schon hatte, wenn er nicht realitätsverleugnend durch's Leben geht, bzw. Realitäten wahrnehmen und interpretieren kann.
Die etablierten Medien hätten momentan sowieso nicht die Traute etwas anderes zu tun, als Böhmi Beifall zu klatschen. Warum das so ist, ist zu naheliegend, um es noch ausführen zu müssen.

RTL ist ein Scheißverein. Deren Programm ist Müll und die Eigenproduktionen zielen auf die niedrigsten Instinkte. Menschen werden manipuliert und vorgeführt, begafft von einem zahlreichen Publikum, welches den Dreisatz nicht beherrscht und die Legislaturperiode für ein Frauenproblem hält. Die vermeintlich Dümmeren als man selbst, kriegt man von RTL serviert. Da kann man dann drüber ablachen, weil man sich als Hirnentkernter immer noch über andere erheben kann, weil man nicht den ganzen Tag in Gummistiefeln rumläuft und Kühe beim Namen kennt.

Genau so funktioniert übrigens Rassismus:
Man kann ohne Kompass kein Loch in den Schnee pinkeln, aber man ist wenigstens Doitscher und kann auf alle anderen Ethnien herabblicken.

Man kann RTL die Schuld geben, für diesen menschenverachtenden, in den Äther geschickten Schund.

Aber genau da, greift Böhmermann meiner Meinung nach zu kurz.
Viel mutiger (und zielführender) wäre es gewesen, eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen, als die anzuprangern, die unsere niederen Bedürfnisse befriedigen.

Denn IN UNS liegt das Problem.
Die Demokratie verspricht, dass der Volkeswille umgesetzt wird. Unser aller Wohl.
Wir haben also die Wahl, dafür einzutreten, was wir wollen, oder?
In diesem Zusammenhang muss man nicht mal zur Urne laufen. Es reicht ein Fingerzeig auf der Fernbedienung um Ungeliebtes abzuwählen.

Der Neoliberalismus, den man als schlecht, aber schulterzuckend als alternativlos aushält, bricht sich halt in sämtlichen Sphären nieder. Dass kommerzielle, gewinnorientierte Sender dazu gehören, ist kein neuer Erkenntnisgewinn. Wirklich nicht.

Resumee:
Es trifft keinen Falschen, wenn Böhmermann auf RTL zeigt.

Eigentlich aber, hätte er in die Kamera zeigen müssen, und sagen:
"Ihr da, die ihr bequem auf eurem Sofa sitzt und von mir unterhalten werden wollt.
IHR seid es, die RTL Einschaltquaten beschert!
IHR seid es, die entweder nicht wählen geht, oder durch Euer Votum Eure Ausbeuter an der Macht erhalten.
IHR seid es, die politisch nicht interessiert seid und sämtliche Ungerechtigkeiten nicht wahrnehmt, solange ihr nicht unmittelbar betroffen seid (zu oft auch dann nicht).

Unsere Unzulänglichkeiten bewahren Vera Int Veen davor, Pfandflaschen sammeln zu müssen.

Nicht RTL oder diese Person ist das Problem, sonder WIR.


Insofern war Böhmermann's letzte Sendung einfach nur gefälliger Mainstream, die von der eigenen Unzulänglichkeit, der eigenen Verantwortung ablenkt.


Kommentare:

  1. Du hast mit Deiner Gesellschaftskritik ja durchaus recht. (Ich würde es wohl noch etwas zugespitzter formulieren).

    Aber ich denke Du erwartest von Böhmermann zu viel. Er selbst sieht sich wohl als so eine Art Performance Künstler. Sicher ist es auch Aufgabe eines Künstlers den Finger in die Wunde zu legen. Aber ein Spassmacher der ständig mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Gegend gaukelt will auch keiner sehn. Also lass ihm auch mal etwas Luft. Nachdem er es sich mit den Regierungen zweier Länder verscherzt hat. Von einem Präsidenten unter Hilfe einer Kanzlerin durch einen Oberstaatsanwalt verfolgt wird muss er es sich jetzt nicht auch noch direkt im Anschluss mit den Zuschauern verscherzen. Böhmi ist nicht Jesus! Er muss sich nicht für unsere Schuld von uns ans Kreuz nageln lassen. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, da hast Du recht. Bin ja auch froh, dass es ihn gibt.

      Löschen
    2. Ich hab den Beitrag von Böhmermann nicht mehr genau im Kopf, aber ich glaube mich zu erinnern, dass er durchaus den Zuschauer direkt angesprochen hat. Das Problem ist natürlich, dass die Schnittmenge zwischen ZDF Neo-Zuschauern und RTL-Schauern sehr überschaubar sein dürfte. Er spricht also Leute an, die ohnehin diese Scheiße nicht gucken. Er hätte höchstens auf Facebook massiv an RTL-Zuschauer appellieren können. Seine Fans hätten das sicherlich ordentlich geteilt, bis es nicht mehr übersehen werden kann.

      Löschen
    3. @WW:
      Die Richtung der Kritik ging eindeutig an den Sender und nicht an deren Zuschauer.
      Es ist aber weniger riskant einen Medienkonzern anzuprangern, als die aus der Bevölkerung (Vorsicht, Shitstormgefahr!) die den Bedarf für solche Sendungen erst schaffen.
      Fazit: Es wäre mutiger und treffsicherer gewesen, die Zuschauer statt die Macher anzuprangern!
      Wieviele der ZDF-Neo-Zuschauer tatsächlich auch solche Formate sehen ist dabei für mich zweitrangig.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.