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Montag, 15. August 2016

Der "Diskurs der Macht"

Abteilung: "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden!"

Ich schrieb ja bereits, dass Kritik an Menschen wie Hinz oder Erdogan sich eigentlich innerhalb dogmatischer Denk- und Argumentationsleitplanken bewegen.
Denn nur eine (natürlich von den Mächtigen diskreditierte) >Fundamentalopposition<, die beispielsweise die Eigentumsfrage neu stellt, kann eine Gegenkraft bestehender Verhältnisse darstellen.

Eine linke Kritik muss sich einer Perspektive außerhalb(!) bestehender 'alternativloser' (sic?) Macht- und Reichtumsverhältnisse bedienen. Denn: Auch bspw. höhere Hartz-IV-Sätze ließen die Ausbeutungsverhältnisse grundsätzlich unangetastet. Es ist recht und billig, sich politisch für dieses Ziel einzusetzen. Dies ersetzt aber nicht die eigentliche linke Daseinsberechtigung, nämlich der, ein alternatives Gesellschaftsmodell zu entwickeln und zu bewerben. Oppositionelle Kritik im Detail lenkt von der allgemeinen etablierten Ungerechtigkeit ab, läuft sogar die Gefahr, sie stillschweigend zu legitimieren.

Sehr schön veranschautlicht dies auch dieser Text von Klaus-Jürgen Bruder, den auch der Blogger-Kollege Klaus Baum gepostet hat.


"Ich sei, gewährt mir die Bitte, In eurem Bunde der Dritte!"

Kommentare:

  1. Ich assoziiere mal den letzten Satz. Gemessen am i.d.R. auch linkem schwer rational geprägtem Systembewusstsein, ist das fast eine Offenbarung, wenn man bedenkt, dass es die Möglichkeit geben könnte, neben Marx und Adorno auch Fromm zu berücksichtigen und damit zumindest mal bei den Dialektikern, ein recht ungewohntes, - aber schwer sinnvolles und auch schwer vernachlässigtes Humanverständnis zu fördern. Ich bin da ganz bei dir, die Art des von dir verlinkten Artikels, - ist, - eigentlich schon sehr lange überfällig.

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    1. Folge Dir soweit.
      Aber den Ausgepressten brauchst Du mit Narx, Ardono und Fromm nicht zu kommen.
      Daran scheiterete bereits die 68'er-Bewegung.

      Die Partei die Linke hat die Verbindung zu ihrem Klientel verloren, genau wie bereits lange zuvor die SPD.

      Wer wählt die Linke?
      Arbeiter?
      Arbeitslose?
      Abgehängte?

      Nein, TAZ- und Junge Welt-Leser.

      Die Partei die LINKE läuft Gefahr, die Entwicklung der GRÜNEN und der SPD nachzuvollziehen.

      Wielange wäre diese Partei noch wirklich Opposition, wenn sie denn wirklich in bundesdeutscher Regierungsverantwortung geriete?

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    2. Hihi, wie bereits erwähnt, ich bin da ganz bei dir. Das mit Marx... etc.usw.usf. war sehr bewusst ( und vielleicht sogar ein wenig bösartig) ein Querbalken an gut über 30 Jahren linker rationaler Dialektit und Diskussionen mit dem Charme von Welterklärungem mit Deja-Vu-Erlebnissen an den Menschen und letztendlich besonders den Betroffendsten davon elegant vorbei. Auch ansonsten, volle Zustimmung.

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  2. Du am 30.07.2016: "Aber alle Kritiker an Wagenknecht vergessen, oder verleugnen, dass sie damit der neoliberalen Sache dienen. Ihr wahres Ziel aus den Augen verlieren, und sich dann noch als links bezeichnen. "

    Und heute stellst Du Dich kritiklos hinter diese Passage (gemeint ist übrigens der von Dir so begeistert verlinkte Gesamttext) des Bruder-Textes:

    "ihre Kritik an „Merkels Flüchtlingspolitik“ unterscheidet sich nicht entschieden genug von den Vorwürfen von rechts, sie kritisiert an der Flüchtlingspolitik der Regierung nicht die Verschärfung des Asylrechts oder den Pakt mit dem mörderischen Regime in der Türkei, das dafür bezahlt wird, dass es die Flüchtlinge von der EU fernhält und sie hat ihren Ruf nach Verstärkung der Sicherheitsorgane und Ausweitung ihrer Befugnisse nicht zurückgenommen. Das genau ist ein Einsteigen in den Diskurs der Macht, dessen Parolen sie dafür vertritt. Auch nicht das erste Mal."

    Würest Du der Leserschaft diesen Gesinnungswandel mal erklären?

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    1. Danke erstmal für Deine Hinterfragung. Ist mir immer willkommen.

      Ich wollte nie Wagenknecht reinwaschen. Und ich finde ihre Aussagen auch suboptimal.
      Aber auch der verlinkte Bruder zweifelt nicht an ihrer linken Gesinnung.

      Es hat kein Gesinnungswechsel stattgefunden.
      Einigen wir uns darauf, dass Wagenknecht sich ungeschickt ausgedrückt hat. Und vielleicht können wir uns darüber hinaus auch darauf einigen, das S.W. nicht in dem Verdacht ist xenophob oder fremdenfeindlich zu sein.

      Unter dieser Premisse, darf dann schon die Aussage, dass es innerhalb der linken Partei bessere Ziele gibt, als ausgerechnet S.W.
      Wenn die LINKE Partei als oppositionelle Gegenwehr antritt, um kapitalistische und neoliberale Zustände anzuprangern und zu bekämpfen, dann sollten auch Systemprofiteure und Lobbysten in das Ziel einer oppositionellen Kritk sein, und nicht die, die den selben Kampf kämpfen.
      Es steht doch außer Frage, das man mit gutem Recht Wagenknecht kristisieren kann - aber gibt es denn nicht bessere Ziele, wenn man neoliberale Strukturen bekämpfen will?
      Und sind denn nicht innerparteiliche, machtpoltische Motive die Intension der Kritik?

      Die Zerstrittenheit, die die Linke prägt (nicht nur in der Partei)ist eben genau die Schwäche derselben. Wer freut sich darüber?
      Eben genau die Neoliberalen, die weiter die Bevölkerung auspressen wollen um auf ihre Kosten zu leben.

      Warum sollte ich eine Partei wählen, die damit beschäftigt ist, über Menschen linker Gesinnung herzufallen?
      Glaubt Du, Wagenknecht ist das Problem unserer Gesellschaft?

      Ich weiß nicht, ob ich eine 'Leserschaft' habe, aber Dir erkläre ich gerne, dass ich absolut keinen Gesinnungswandel vollzogen habe.

      Und, um das auch mal klar zu machen:
      Die Partei Die LINKE ist für mich nicht synonym mit einer linken Opposition.
      Es gibt vieles zu kritisieren an der Partei Die LINKE, auch an Wagenknecht.
      Da rennst Du bei mir offene Türen ein.

      Aber wenn linke Parteimitglieder kein besseres Ziel für ihre Kritik finden, als die Person Wagenkencht, dann läuft da grundsätzlich was falsch...

      LG
      Duderich

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