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Dienstag, 9. August 2016

Systemimmanente Kritik

Abteilung: Hoeneß und andere Präsidenten

Ich habe gegen Erdogan gewettetert und auch gegen Frau Hinz.
Letztendlich sind beide natürlich ein willkommenes Ziel. Man lehnt sich ja nicht weit aus dem Fenster. Gerade aus dem linken Milieu heraus befürchtet man da keinen Shitstorm, der einen entgegenschlagen könnte. Man arbeitet sich an diesen Personen ab, in der Gewissheit, wahrliche ArschlöcherInnen vor sich zu haben.
Bloggerstandart. Man tut halt seinen Job.

Aber diese Kritik auf die dankbaren Ziele ist ebenso bequem wie letztlich angepasst.

Ich zeigte auf Erdogan, und prangerte an, wie undemokratisch er handelt.
Ich zeigte auf Hinz, und war empört, dass sie, bar jeder Schuldeingeständnisse, weiterhin öffentlich finanzierte Allimente kassiert. Für's Nichtstun. Nachdem sie überführt wurde.

Meine, und auch von anderen ausgesprochene Kritik mag berechtigt sein - zielführend ist sie nicht.

Denn die Kritik an beiden impliziert, dass sie Zustände anprangert, die Ausnahmen sind.
Aber dies sind sie nicht.

Ich fange mal mit Erdogan an:
Dieser flirtet mit dem Vorhaben, die Todesstrafe einzuführen.
Dieser setzt Menschenrechte außer Kraft.

Nun, in den USA hat die Todesstrafe in gewissen Staaten eine lange Tradition. Welche EU-Staaten kritisieren dies offen? Da wird auf Trump geschimpft (ein weiteres Arschloch), wie inhuman, undemokratisch er ist, aber über den rechtsfreien Raum in Guantanamo regt sich keiner mehr auf. Folter und inhumane Haftbedingungen ohne Rechtsbeistand sind allgemein tollerierter Standart.
Die untatstbare Würde des Menschen - wird diese auch von 'unseren Freunden' jenseits des Atlantik akzeptiert?

Obama ist ein sympatisches Gesicht hinter diesem System, in dem der Verdacht(!) des Terrorismus sämtliche Menschenrechte aufhebt. Aber wo genau ist da der Unterschied zu Erdogan?
Ist Snowden denn nicht der amerikanische Gülem? Hätte dieser denn eine fairere Reaktion zu erwarten, wenn er denn in die Fänge amerikanischer Rechtssprechung geriete?

Ach ja, und die Hinz.
Wieso muss man eigentlich seine Vita pimpern, um in der Arbeiterpartei (sic) SPD eine politische Karrirere zu erhoffen? Spricht es nicht vielmehr gegen die SPD, als gegen die Einzelperson Hinz, dass sie es für nötig hielt, einen akademischen Abschluss vorzutäuschen, um innerhalb der SPD eine politische Karriere möglich zu machen?
Wie elitär ist diese ehemalige Arbeiterpartei inzwischen?

Die Kritk gegen diese Einzelpersonen lenkt davon ab, dass dieses System gegen die Wand fährt - aber Hauptsache mit demokratischer Patina.

Nicht Erdogan und Hinz sind das Problem, sondern die marktgläubigen / neoliberalen Dogmen.

Nicht einzelne moralische Verfehlungen lassen unsere Gesellschaft kranken, sondern die Akzeptanz alltäglicher schreiender Ungerechtigkeiten in den eigenen Reihen.

Denn wenn man mal begriffen hat, dass dieses System der Ausbeutung der Arbeitskraft und der Manifestierung der Besitzstandsverhältnisse das eigentliche Problem ist, dass es zu bekämpfen gilt, dann lenkt die Kritik gegenüber Einzelpersonen nur ab.

Es liegt in der Natur des Menschen, Verantwortliche benennen zu wollen. Schuldige zu finden.

Aber die Nutznießer bestehender Zustände sind zu zahlreich um sie einzeln zu benennen und anzuprangern.

Einzig eine allgemeine Kritik bestehender Macht- und Reichtumsverhältnisse ist zielführend.

Aber selbst die Oppositon argumentiet lediglich innerhalb bestehender Denkgebote.

Es braucht wohl erst einen wirtschaftlichen Totalkollaps, damit Alternativen zum bestehenden neoliberalen System in der breiten Bevölkerung diskutiert werden. Bis dahin fabuliert auch die sog. Linke über Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.

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