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Samstag, 19. November 2016

Die Erosion der Demokratie

Abteilung: Schlächter wählen

Die Demokratie wird solange hochgehalten, so lange sie bestehende Zustände legitimiert. Die Dogmen lassen nur ein 'Weiter so!' zu.
Beim Brexit haben die Wähler in dieser Hinsicht versagt, und jüngst bei Trump.
Aber, was sagt uns das?
Gut, der Brexit ist mir relativ wumpe. Wenn dadurch die nationale Wirtschaftsleistung geschmälert wird, kann ich da gut mit leben. Wenn es der umfallende Mikado-Stein ist, der letztendlich die EU sprengt, auch.

Aber man beschwört den Zusammenhalt. Die Loyalität zu Deutschland. Die Loyalität zur EU. Die Loyalität zur NATO.
Aber die Loyalität zur Weltengemeinschaft wird kaum beschwört. Nicht von den Qualitätsmedien (Gegenbeweise? Immer her damit!), sondern höchstens in hinteren linken Nischen linker Blogger.

Der rechten Opposition ist die Weltgemeinschaft egal. Da zählt nur das Nationale.

Krieg, Hunger, Armut sind solange irrelevant, solange wir deren Folgen nicht direkt zu spüren bekommen.

Solange die Menschen dort verrecken, wo wir aufgrund ökonomischer oder strategischer Gründe intervenieren, ist alles gut.
Solange nicht in gelesenen Publikationen der Medien-Platzhirsche darüber berichtet wird, bleibt es unter der Aufmerksamkeitsschwelle.
Erst, wenn sie es über das Mittelmeer schaffen, rückt ihr Schicksal (im besten Falle) in unsere Wahrnehmung.
Da werden Börsenentwicklungen schnell wichtiger als Hungertote und Kollateralschäden.
Dem DAX gilt unsere mediale Aufmerksamkeit mehr als humanitäre Katastrophen.
Die volkswirtschaftliche Denke bestimmt unser Handeln mehr, als globale Solidarität.
Und, wo ist eigentlich der Anspruch auf Humanität (Aufklärung) geblieben?

Stattdessen wird der Konkurrenz (der Transmissionsriemen der Neoliberalen) alles untergeordnet, auf dem Altar der 'Freien Märkte'.

Wirtschaftswachstum ist der Fetisch.
Global und national.
Damit wird letztendlich alles begründet und entschuldigt.
Der Mensch fällt da leicht durch die groben Maschen des Zeitgeistes.

Der Kapitalismus saugt und saugt und saugt.
Und steuert damit seinem Ende zu.

Ich reibe mir als Linker dabei nicht die Hände.
Sollte diese Entwicklung ungebremst so weiter gehen, ist dies das Schlimmste was passieren kann.

Das tiefe Problem (oder letztendlich die Lösung?) der heutigen Demokratie sind die Desillusionierten.
Wer nichts mehr zu verlieren hat, wählt einen Wechsel. Egal, ob die Argumente stimmen und ob das Versprechen für eine bessere Zukunft eingelöst wird.
Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, dann ist das Versprechen auf Veränderung immer eine Verheißung.

Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, dass die Masse aufbegehrt.

Blöd nur, dass die Linke in der Mobilisierung der Abgehängten den Rechten offensichtlich hinterher läuft.

Warum wählen die Abgehängten Trump, der ihre wirtschaftliche Situation ganz sicher nicht verbessern wird?
Anwort: Weil sie unter Clinton auch nicht mehr an der Reichtumsentwicklung partizipieren könnten.

Warum werden die Abgehängten nächstes Jahr die AfD wählen, statt die LINKE?
Da habe ich keine Antwort drauf.


Irgendwas läuft kolossal falsch.


Dass die Politik (und die dabei flankierenden Medien) in der Interpretation des Zeitgeschehens kolossal falsch liegen, ist eine Binse.
Verleugnung. Pfeifen im Walde. Umdeutung des eigenen Versagens und der Realitäten.

Wie aber (und das ist die Frage an meine Leser) kann die Linke (oder die APO) dieses Protestpotential bündeln?

Die Mehrheit der Abgehängten wählen gar nicht. Und wenn sie wählen, dann wohl in der Mehrheit die AfD. Warum nicht die LINKE, die ja auch Opposition ist?

Pragmatische Gründe scheiden wohl aus, wenn man sich mit der 'Sozialpoltik' der AfD ein wenig auseinandersetzt.

Die Abgehängten fühlen sich anscheinend eher im rechten Millieu zuhause.

Warum ist das so? 

Ich selbst habe darauf keine abschließende Antwort...

Aber die Frage halte ich für wichtig.



Kommentare:

  1. Deine Aussage
    "Der Kapitalismus saugt und saugt und saugt.
    Und steuert damit seinem Ende zu." ist eurozentrisch und unbewiesen. Das Gegenteil ist der Fall. Beispiel: Ende der Verbrennungsmotoren (Öl-Peak?) - Substitution durch Elektrofahrzeuge mit alternativen Antriebsenrgieformen.



    Odere dies hier lesen:
    http://www.rainertrampert.de/artikel/die-linke-endzeittheorie

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    1. Wenn Du glaubst, die Erde kann ökologisch ein 'Weiter so' unbegrenzt aushalten, dann sei Dir das unbenommen. Ich glaube das halt nicht. Und da werden uns Deine Elektrofahrzeuge auch nicht vor retten.

      Und wenn Du außerdem glaubst, dass eine Gesellschaft, die kapitalismusbedingt einer immer größen Spreizung der Reichtums-Armut-Verteilung ausgesetzt wird, das unbegrenzt aushält, dann sei Dir das ebenfalls unbenommen.
      Und dem Autor Deines Artikels auch.

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    2. Ich könnte noch viele andere Beispiele dafür nennen, dass der Kapitalismus unabhängig von Bodenschätzen stets neue Prifitquellen erschließt und innovativ wird. Ich denke z. B. an die Paharmaindustrie. Erfindung von Krnkheiten, Herabsetzung von Blutdruck- und Colersterin-Normwerten, neuerdings Forschung an Demenzkranken. Ein weiteres großes Feld ist die Bio- und Gentechnologie ("Rohstoff Mensch")und die Forschung auf dem Gebiet der KI.

      Gegen den Klimawandel werden in den Niederrlanden Dämme gebaut, während die Küstenbevölkerung Asiens absaufen darf.

      Aber das würde ja jetzt und hier zu weit führen.

      Was die Erschließung neuer Profitnischen mit der Schere zwischen arm und reich zu tun hat, verstehe ich nicht. Dass die armen, ausgesiebten Menschen das Ende des K. bewerkstellligen ist doch nur Deinem Wunschdenken geschuldet.

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    3. "Der Kapitalismus saugt und saugt und saugt.
      Und steuert damit seinem Ende zu.

      Ich reibe mir als Linker dabei nicht die Hände.
      Sollte diese Entwicklung ungebremst so weiter gehen, ist dies das Schlimmste was passieren kann."

      Hört sich das für Dich nach Wunschdenken an? Oder arbeitest Du nur Vorurteile ab, die Du Linken gegenüber hast?

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  2. Hallo Duderich zu Deiner Frage.

    A. externe Wirkung von aussen:

    Alles was ernsthaft LINKS ist wird ohnehin von den "etablierten" Politikern und Medien als kommunistisch oder wenigstens sozialistisch verteufelt. Um Gottes Willen! Denkt doch nur an Honecker oder gar Stalin! Wollt ihr Gulag und Trabi? Stasi und Politbonzen? Eben!

    B. externe Wirkung von innen:

    "Wir als Linke sollten eine Rot-Rot-Grüne Koalition anstreben." Eine Koalition mit denen die zum ersten Mal seit 1945 einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg führten und heute noch dazu stehen? Die mit ihrer Agenda 2010 dem Neoliberalismus endgültig Tür und Tor öffneten? Dann wähle ich auf keinen Fall mehr links. Allein schon der Gedanke daran schreckt mich ab. Dann schon lieber aus Protest die PARTEI!

    C. Zerrissenheit:

    die Linke hat keine klaren, einfachen Ziele. Nichts was in Talkrunden einfach rüber gebracht werden könnte. Alles ist verkopft und komplex. So ist nun mal die Welt, richtig! Aber den desillusionierten gefrusteten Wähler kann man so nicht gewinnen. Es bräuchte eine Linke Propaganda.

    Ausserdem nerven die Grabenkämpfe zwischen linken Positionen ungemein. Da stehen verschiedene ideologische Positionen gegenüber die um jede Kleinigkeit erbittert streiten können. Das schreckt ab. Und so geht es sicher vielen!

    Das fällt mir so spontan ein. Dürfte aber eigentlich jedem ziemlich klar sein. Oder?

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    1. "Dann wähle ich auf keinen Fall mehr links. Allein schon der Gedanke daran schreckt mich ab. Dann schon lieber aus Protest die PARTEI!"

      Geht mir genauso. Das schlimmste aller Übel wäre eine rot-rot-grüne (ich nannte sie ja auch schon schwarz-rot-schwarze) Koalition.

      "Ausserdem nerven die Grabenkämpfe zwischen linken Positionen ungemein. Da stehen verschiedene ideologische Positionen gegenüber die um jede Kleinigkeit erbittert streiten können. Das schreckt ab. Und so geht es sicher vielen!"

      Diese Grabenkämpfe habe ich hier auf meinem Blog schon öfters zum Thema gemacht.
      Ich sage nur "Narrenschiff". Da wird mit einer sprachlichen Brutalität auf Linke eingehauen, als gäbs kein Morgen mehr. Wer auch nur marginal nicht das Weltbild des Blog-Betreibers teilt, ist deshalb zwingend dumm und gehört aufs Übelste beschimpft.

      Ist nur einer unter vielen, aber ein gutes Beispiel für Deine Ausführungen.

      Die Zerstrittenheit der Linken ist sicherlich ein Faktor, erklärt für mich aber nicht das gesamte Phänomen.

      LG, Dude

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    2. Sollte die LINKE gänzlich versagen, wähle auch ich die PARTEI. Sonneborn rules! Sonneborn 4 Bundespräsident!
      Oder Georg Schramm.
      https://www.youtube.com/watch?v=6DeCeV_DyZs

      Man wird ja wohl noch träumen dürfen...
      ;-)

      Steinmeier geht gar nicht. Der ist selbst zu tief verwurzelt, als aus der Außenperspektive kritisieren und mahnen zu können.

      Steinmeier steht für Hartz IV. Für alle damit implizierten Repressionen.

      Steinmeier hat als Außenminister Kurznatz (als unschuldig erwiesen) in Guantanamo
      verraten.

      Bis heute verweigert er Kurnatz eine Entschuldigung!
      https://www.heise.de/tp/news/Frank-Folter-Steinmeier-3492085.html

      Und diese Personalie steht bereits fest!
      Steinmeier wird(!) Bundespräsident.

      Ist halt von den Regierungsparteien so beschlossen.

      Der Bundespräsident soll durch die Macht der Worte (viel mehr Macht hat er nicht) die Regierung und die gesellschaftliche Entwicklung kritisch begleiten.

      Na ja, viel schlechter als Gauck kann er auch nicht werden.

      Trotzdem ist es eine Farce!

      LG
      Dude

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  3. "Ich sage nur "Narrenschiff". Da wird mit einer sprachlichen Brutalität auf Linke eingehauen, als gäbs kein Morgen mehr" sagt der Duderich und schleimt sich wieder beim Feynsinnigen und beim Edelfedrigen ein...
    YMMD

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    1. Mit einer Kritik zum Narrenschiff schleime ich mich also ein. Bei Feynsinn und der Schrottpresse.
      Soso.
      Da hast Du mich ja voll erwischt, Columbo!
      YMMD2

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  4. Willfährig kriecht die Politik
    der Wirtschaft in den Arsch hinein.
    Wer zahlt, für den spielt die Musik:
    so war's und so wird's immer sein.

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