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Donnerstag, 10. November 2016

Trump, also

Abteilung: Küchentischgespräche

Wie beim Brexit lag ich auch mit meiner Prognose falsch, dass Clinton gewinnt - wie mein letzter Post dokumentiert.
Die Tatsache, dass Trump außerhalb einer Simpsons-Folge Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden konnte, musste erst einmal verarbeitet werden. Meine Prognose, dass Trump eine Legislaturperiode nicht überstehten würde, war rückwirkend betrachtet wohl eher ein Pfeifen im Walde.

 














Ich hatte auch nicht gehofft, dass Clinton Präsidentin wird.
Denn, wer hat denn lieber langen Durchfall als (kurzes?) Sodbrennen?
Eben.

Clinton war halt berechenbarer. Die Politik, für die sie stand konnte man schließlich in der Vergangenheit jahrelang beobachten. Genau dies war ihr Problem...

Ich habe alte Fotos und Videos von H.Clinton gesehen - als junge Studentin. Politisch engagiert, eher links als rechts. Feministisch.
Sympathisch, eigentlich. Fast ein bisschen Hippie.
Ich würde gerne den fiktiven Dialog der jungen und heutigen Clinton mitverfolgen. Am Küchentisch.
Bei dieser Phantasie übrigens fällt mir gerade Joschka Fischer ein. Der steinewerfende Joschka am Küchentisch mit dem heutigen Außenminister a. D. Herrn Fischer.
"Verdammt, schlag mich nicht! Ich könnte Dein Vater sein, wenn ich nicht Du wäre!"
Herrlich!

Aber zurück zu Trump:
Wie gesagt, unberechenbar.

Im Wahlkampfmodus übelst rabulistische Entgleisungen gegen Obama und Clinton (auch gegen Merkel, übrigens) und nach der gewonnenen Wahl lammfromm und diplomatisch.
Er dachte sich wohl: "Ich habe die Stimmen, ich muss nicht mehr populistisch sein."

Was ich nicht so ganz verpacken kann:
Dies ist ein rationaler Gedanke und die Dankesrede ist eine konsequente Umsetzung dieses Gedankens.
Und genau in diesem Punkt habe ich den Charakter D. Trumpf falsch gedeutet.
Der narzistisch gestörte Trump wird zum (offiziell!) mächtigsten Mann der Welt gekürt und gibt eine diplomatische, versöhnliche Dankesrede ab, statt masturbierend und schmutzige Lieder singend, mit 24 Edelnutten seinen Sieg zu feiern?


Es bleibt ein tiefes Loch.
Ach, nicht in der Demokratie.
So pathetisch, wie die Qualitätsmedien bin ich nicht.
Wäre ja auch unprofessionell.

Nein, ich meine das Loch in meinen Gewissheiten.

Ich dachte, Trump ist dumm, rassistisch, sexistisch, narzistisch. Küchentisch.
Einer, der seine Emotionen nicht im Griff hat.
Vermutlich alles.
Bei letzterem bin ich mir nicht mehr so sicher.
Bin ich auf eine Rolle reingefallen?

Keine Ahnung.

Wir?/Ich betreten da ein Niemandsland.

Wer eine Prognose wagt, wie Trumpf regieren wird (und der Rest der Welt darauf reagieren wird):
Nur zu! In meiner Kommentarspalte ist viel Platz!

;-)

Kommentare:

  1. Trump wird erst in 3 Jahren gefährlich. Wenn er seine eigenen Leute enttäuscht hat, weil doch keine Mauer steht, weil keine Arbeitsplätze geschaffen wurden, weil am Ende doch alles beim Alten ist. Wenn er merkt, dass das Ende Legislaturperiode naht und all seine korrupten Machenschaften aufgedeckt werden könnten. Dann wird ihm klar, dass er mit allen Mitteln an der Macht bleiben muss. Dann wird er gefährlich. Er mag jetzt plötzlich handzahm und diplomatisch wirken, aber der Tiger kann nunmal seine Streifen nicht ablegen. Er wird dreckige Deals eingehen, er wird für sich den maximalen Vorteil rausholen, in seine eigene Tasche wirtschaften. Er kann gar nicht anders. Er ist so aufgewachsen. Lügen, betrügen, sich nach oben schummeln. Wenn das Ende naht, wird er mit allen Mitteln versuchen, an der Macht zu bleiben, um keine Konsequenzen ausbaden zu müssen. Dann zettelt man halt noch schnell einen Krieg an oder ähnliches oder inszeniert einen Anschlag. Man ersetzt das Oberhaupt nicht, wenn grade die Kacke am dampfen ist. Wenn man wieder ein neues Feindbild parat hat, ist alles vergessen und man will den starken Mann behalten. Mich würde es nicht mal wundern, wenn er sich in die kleine Riege einreiht, die es geschafft hat, mehr als 2 Legislaturperioden zu absolvieren. Das ein oder andere Notstandsgesetz wird es schon richten.

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    1. Ich denke auch, dass die 'Working White Class' sich relativ schnell enttäuscht von Trump abwenden wird. Wie sich der daraus resultierende Frust kanalisieren wird bleibt abzuwarten und zu beobachten.
      Weniger enttäuscht von Trump werden die Privilegierten sein, denen es in erster Linie darauf ankommt ihre Pfründe zusammen zu halten.

      Ich glaube das Trump höchstens eine Legislaturperiode zur Verfügung stehen wird, um sein Ego auf Heißluftballon-Größe aufzublasen.
      Was in diesen vier Jahren passieren wird, weiß keiner so genau (er vermutlich selbst nicht).
      Aber Unwissenheit kann ja auch eine Gnade sein...

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  2. Clinton hat mit ihrem Mann zusammen den Sozialstaat abgeschafft.

    C. ist eine vehemente Verfechterin der Todesstrafe.

    C. steht auch für einen Feminismus, der fortwährend gegen den ungebildeten bösen weißen Mann pöbelt. Wer ist hier sexistisch?

    Die Mauer, die Trump verspricht, steht längst, nur eben als gleichwertiger Zaun (klar, sieht irgendwie "liberaler" aus). Beschlossen im "secure fence act" von 2006. Eine der Befürworterinnen: Clinton.

    C. erhält Gelder von der Waffenindustrie und von der US-Gefängnisindustrie.

    C. verliert krachend ausgerechnet auf den Feldern, wo sie angeblich überlegen war, der moralischen Überlegenheit.

    Kleinere Übel sind das eine.Aber irgendwann ists halt zuviel zum Verdauen.
    Das ist dann nur der Sieg des Tabellensiebzehnten gegen den Achtzehnten. Aber das reicht ja.

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