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Mittwoch, 9. November 2016

Unausgegorene Gedanken in der Wahlnacht

Abteilung: Lieber kurzes Sodbrennen als langer Durchfall

Längerfristig betrachtet wäre es wohl besser, wenn Trump gewinnt.
Das klingt bescheuert, und ist es vielleicht auch.

ABER: Wenn man das Szenario durchspielt (Clinton gewinnt), dann - da bin ich mir sicher - wird Trump diese Wahl anfechten. Das KANN eine Eigendynamik entwickeln, MUSS es aber nicht.
Gehen wir also von dem optimistischeren Szenario aus, dass der Aufschrei der Trump-Fans einigermaßen folgenlos verebbt:
Was folgt dann?
Eine Präsidentschaft einer Frau von merkelschem Machtstreben, Härte und inhumanen Pragmatismus (ist unter Männer natürlich noch zahlreicher vertreten).
Außenpolitisch ist sie ein 'Falcon', also Jemand, der für militärische Interventionen nicht allzu überbordende Gewissensnöte überwinden müsste.
Als Außenministerin war sie bereits Teil einer wirtschaftsstrategisch-motivierten imperialistischen Politik.
Dagegen ist Obama ja ein Nobelpreisträger!

satirischer Einschub: 
Upps, ist er ja! 
Merkel wurde ja auch schon als Aspirantin gehandelt. 
Ja, und Schäuble for Bundespräsident
Der würde die korrupte, neoliberale, marktgetriebene Politik der künftigen Regierung ganz sicher kritisch hinterfragen!
Und sowieso: Allein die ganzen Rampen und Treppenlifte, die im Schloß Bellevue installiert werden müssten, ... was das alles kosten würde! 
Den Steuerzahler!!!

Ein schrankenloses Schloß Bellevue?
Großprojekt! 
Elbphillaphonie, gut und schön. 
Aber dann bitte erstmal BER und Stuttgart 21 fertigstellen!

Dann lieber Steinmeier!
Helge Schneider will ja nicht. Oder war es Lammert?



Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass die Leute jeden Scheißdreck wählen (würden), der außerhalb des überbreiten politischen Mainstreams ist.
Einfach nur, um Demokratie zu fühlen!
Um der Illusion zu entfliehen, dass Demokratie etwas anderes ist, als die obligatorische Legitimation des Bestehenden.
Um das Gefühl zu haben, nicht nur ein "weiter so, und mehr davon!" wählen zu können. Um eine Alternative wählen zu können. Da geht es - so empfinde ich das - in erster Linie nicht um politische Interessen (welche Partei setzt die eigenen am ehesten um?), sondern in erster Linie um ein "Nein! " zu bestehenden Verhältnissen und Machtgefügen.

Grundsätzlich ist dies ja urdemokratisch.

Nur, was wird uns aber als 'Alternative' verkauft?
Beispielsweise die Alternative für Deutschland (AfD).
Der 'alternative' Gegenentwurf:
- Mehr Nationalismus (gerne auch: Rassismus)
- Mehr Entlastung der Starken. Mehr Belastung der Schwachen (neoliberaler als die FDP).
- Mehr, also von dem, was man eigentlich abwählen w/sollte.

Trump ist überall (AfD). Aber auch Clinton (CDU, SPD, Die Grünen, FDP).
Populismus ist überall, und das 'weiter so, und mehr davon!' auch.

Unsere Staatsform ist die parlamentarische Demokratie.
Hört sich ja erstmal gut an, und muss auch nicht zwingend verkehrt sein.

Diskussionswürdig wäre, wie man diese besser organisieren könnte.
Auch in den USA.
Überall, wo vorhanden.

Denn weder mit Clinton noch mit Trump wird jemand gewählt werden, der die systemimmanenten Ungerechtigkeiten beseitigen wird - oder auch nur will. Auch unter Clinton bleiben die Abgehängten abgehängt, und die Armen arm. Und Trump gibt ebenfalls einen Scheißdreck auf die Bedürfnisse der Verlierer bestehender Verhältnisse.
Letztendlich wird zumindest innen-/sozialpolitisch alles beim alten bleiben.
Umverteilung von unten nach oben.


Also,
- mehr Abgehängte,
- mehr überbordender Reichtum und schreiende Armut,
- mehr Kriminalität ... und mehr Gefängnisse um die Symptomträger einer krankenden Gesellschaft wegzusperren,
- mehr tickender, sozialer Sprengstoff, der irgendwann explodieren muss.


Clinton könnte unter günstigen Umständen eine Legislaturperiode überstehen.
Der Swing während ihrer Amtszeit würde - so meine Prognose - aber sicher in Richtung der Republikaner gehen.


Trump hingegen würde, sehr schnell über sein Heißluftballon-großes Ego stolpern.

Und, wenn Sanders dann noch fit genug ist, dann könnte sich was bewegen..!?
Neuwahlen - mit anderen Kandidaten - dies ist meine Hoffnung.
Denn beide sind unwürdig für das Amt.

Also hoffe ich dann doch irgendwie, dass ein egomanisches, narzistisches, ausbeutereisches Arschloch zum Präsidenten der mächtigsten Nation gewählt wird.

Krank, ja ich weiß!
Aber ich bin ja auch nur das Symtom.


Meine Parole also:
Trump for President!

.... aber bitte, bitte, möglichst kurz!
Möglichst, bevor irgendein Staatsoberhaupt behauptet, Trump hätte zu kleine Hände.


Nachtrag:
Und in Deutschland?
Merkel gegen Gabriel gegen AfD.

Auf was soll man da noch hoffen?

Rot-Rot-Grün (Schwarz-Rot-Schwarz)?

Nee, Du. Lass mal!

Kommentare:

  1. Bin also mal wieder von der Realität überholt worden.
    Habe gerade ein Brexit-Déjà-vu...

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    1. ... und nicht vergessen: Huch … Wir Männer dürfen (sollen) wieder Machos sein …

      ... und ich werde Dich im FIWUS zitieren ...

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    2. Ich hoffe, da setzt sich jetzt kein neuer Frisurtrend durch... :-)

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  2. Hallo Duderich, prinzipiell kann ich Deine Gedanken durchaus nachvollziehen. Aber Sanders? Wirklich? Der hätte zwar gegen Trump Chancen gehabt aber sonst gegen keinen (im Gegensatz zu Clinton, die vermutlich gegen jeden gewonnen hätte aber gegen Trump nie eine Chance hatte...na ja, führt zu weit). Sanders ist für den Durchschnittsredneckso was wie ein Lenin-Opa.

    Ich setze als neue Präsidentin der Demokraten auf Michelle Obama. Noch in den Besten Jahren (Fünfzig ist das neue Vierzig!) eloquent, intelligent, empathisch, loyal und durchaus gut aussehend <3... und nach VIER JAHREN Trump sind die U.S. of A. auch reif für eine farbige Madame President! :-)

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    1. Hallo Wolfgang!
      "Der hätte zwar gegen Trump Chancen gehabt aber sonst gegen keinen..."
      Aber genau gegen Trump hätte er doch gewinnen müssen. Sanders wäre spannend gewesen:
      Wie gerechter kann ein Präsident einer Weltmacht eine bessere Gesellschaft machen? Denn der 'mächtigste Mann der Welt' ist eben nicht der mächtigste Mann der Welt.
      "Und die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht, doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht."

      Ich stimme Dir zu: Sanders ist alt. Zu alt für diesen harten Job. Ich hoffe halt dass die Erfahrung der Demokraten (blutige Nase) diese dazu bringt, ihre nächste Kandidatenauswahl anders zu gestalten. Der Raubtierkapitalismus wird auch dann nicht abgeschafft werden.
      Der schafft sich irgendwann selbst ab. Allerdings wird dann nur verbrannte Asche übrig bleiben...

      Und dann diese zarte Busenfreundschaft, die sich unter den beiden Alpha-Tieren (Trump/Putin) anzubahnen scheint...
      Da hoffe ich auf einen Klimawandel in Sachen 'kalter Krieg'.
      Allerdings verspeist Putin Trump intellektuell zum Frühstück. Ehemaliger Geheimdienstchef, langjährige Erfahrung als Präsident, usw.
      Das kann auch nach hinten losgehen...

      Wie auch immer, die nächste Zeit wird spannend.

      Habe ja eine längere Schreibpause eingelegt, aber das wird Nektar für die Blogger. Was immer passiert. Und es wird was passieren. Oder man schreibt über die Sensation, dass NICHTS passiert (unter Trump).

      LG
      Duderich

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  3. Die Wahl zeigt auch wieder, wie dumm das amerikanische Wahlsystem ist. Clinton hat tatsächlich mehr Stimmen bekommen als Trump, da aber das "Winner-takes-all"-Prinzip herrscht, bekommt man bei 51% der Stimmen in einem Staat ALLE Stimmen, die diesem Staat entsprechend seiner Einwohnerzahl zur Verfügung stehen. Da kann es dann nunmal reichen, ein paar bevölkerungsreiche Staaten zu gewinnen und am Ende mit weniger als 50% der Gesamtstimmen doch Präsident zu werden. Das hat damals schon Bush den (Wieder)Einzug ins Weiße Haus beschert.
    Was will man zum Ausgang der Wahl sagen? Im Endeffekt ist es für uns wahrscheinlich tatsächlich besser so mit Trump, da wir wenigstens keinen Stellvertreterkrieg mit Russland auf unserem Boden zu befürchten haben. Trump und Putin sind ja anscheinend Buddies. Zumindest nach außen. Wahrscheinlich hat Trump aber einfach nur dick Schulden in Russland bzw. ist abhängig von russischen Investoren. Jedenfalls wird die Nato sicher jetzt mal einen Gang runterfahren müssen. Klar, es war natürlich unverschämt von Russland, sein Land so nah an unsere Militärbasen zu legen, aber irgendwer muss ja aus der Spirale mal aussteigen und anscheinend wird es dank Trump die Nato sein. Also erst mal 4 Jahre kein Atomkrieg. Scheiße, was mach ich jetzt mit den ganzen Vorräten im Keller, die ich auf Anraten der Regierung angelegt hab? Die halten nicht so lange.
    Hoffen wir, dass Trump der Angie nicht an die Mumu packt, dann bleibt hier alles beim Alten.
    Wie gehts in Syrien und dem arabischen Raum weiter? Der Krieg in Syrien diente ja letztlich dazu, Assad los zu werden, um ne Pipeline von Katar nach Europa ziehen und Putin in die Eier treten zu können. Das ist dann ja sicher jetzt auch Geschichte. Ohne amerikanisches Engagement wird Assad (zur Not mit russischer Hilfe) relativ schnell wieder Ordnung herstellen. Vielleicht bombt man den Rest des IS im Irak auch noch weg. Die letzte Bombe wird noch nicht gefallen sein, da werden schon die ersten syrischen Flüchtlinge in den USA aufs nächste Schiff verfrachtet und zurückgebracht. Das wird man dann hier auch fordern. Spätestens dann wird die AfD nochmals Auftrieb bekommen, weil Trump ja zeigt, wie es geht. Wenn die bösen Moslems weg sind, müssen neue Sündenböcke gefunden werden, aber Minderheiten haben wir ja genug auf Halde. Brace yourself, winter's coming.

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    1. Sehr pointierter Kommentar!

      Würde Dich gerne öfter hier lesen.

      LG
      Duderich

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