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Donnerstag, 21. September 2017

Ätsch!

Abteilung: Peinliches Geständnis

Ich habe vor kurzem sechs Fuß Mutterboden über diesen Blog gekippt (Serientipp: Six Feet Under).
Im Nachhinein betrachtet, war dies eine Kurzschlussreaktion.
Man kann mir natürlich unterstellen, dass ich der morbiden Phantasie gefolgt bin, Grabreden zu meinem eigenen Begräbnis hören zu wollen.
Ich kann wirklich jeden verstehen, der zu diesem Schluss kommt.

Der Beweggrund war aber ein anderer, aber nicht mal der (selbstreflektierend betrachend) vorgeschobene.
Aber, ich lege großen Wert auf die Feststellung, dass ich Euch Lesern diesen nicht (!) bewußt vorgeschoben habe, sondern erst mal mir selbst...

Sicher, diese Grabenkämpfe, ja Stellungskriege im linken Lager kotzen mich an. Und ich muss auch feststellen, dass es unüberwindbare Brücken gibt. Aber, wenn ich behauptete, dass mich solche Kontroversen (fast schon ein Euphemismus in diesem Zusammenhang) dazu bewegt haben, diesen Blog zu schließen, dann bildet das (wenn überhaupt) nur unzureichend die Realität ab.

Selbstreflektierend betrachtet war der eigentliche Grund für meinen Abgesang vielmehr meine Unzufriedenheit über meine eigene Unzulänglichkeit als Blogger. Was die Taktzahl und die Qualität meiner Postings betraf. Immer seltener lieferte ich immer schlechtere und unzureichendere Beiträge ab. Und dauernd hatte ich ein schlechtes Gewissen deswegen.
Ich lieferte nicht mehr ausreichend. Die Vielzahl der Missstände, die es anzuprangern gilt, überforderte mich.
Übrigens nicht nur in meinem Blogger-Dasein, sondern auch in der Realität. Im gottverdammten Alltag, in dem z.B. eine nette, durchaus symphatische Kollegin für eine Ausweitung der Überwachung von 'Linksextremismus' eintritt, mit dem Verweis, dass sie selbst nichts zu verbergen hätte. Die Tatsache, dass ich sie als Mensch eigentlich mag, macht es verdammt kompliziert...

Diese Anekdote (falsches Wort, aber ich finde kein besseres) könnte meinen Schreibfluss beflügeln, aber zumindest in jüngster Vergangenheit haben mich solche Erfahrungen eher ausgebremst.

Ausgebremst haben mich aber ausdrücklich nicht solche selbstverliebten ... wie Charlie und Flatter. Wobei letzterer eigentlich fast 1:1 meine politische Meinung widerspiegelt, was aber auch nichts daran ändern kann, dass er ein selbstverliebter Narzist ist, der schon bei marginalen Widersprüchen in den Kommentaren die Zensur-Machete schwingt, was ja auch nicht wirklich basis-demokratisch ist. Intellektuell und theoretisch ist das Links. Gelebt ist das was anderes.

Ach, Charlie und Flatter sind meine Lieblingsfeinde. Politsch zu 98% mit meiner Meinung deckungsgleich, aber so narzistisch-selbstverliebt, so diskursverweigernd, ja so pseudo-elitär  und meinungsvorgebend, dass ich auf sie als Gegner nicht verzichten möchte.
Insbesondere macht es mir Angst und Bange, wenn ich mir vorstelle, wenn jene (als Gedankenexperiment) an die Macht kommen würden...

" Paradox wie das Leben so spielt, werde ich weiterhin versuchen, so etwas wie Vernunft in den Diskussionen zu ermöglichen - egal, wer sich dadurch beleidigt fühlt."

Selbstverständlich versteht sich in diesen Worten Flatter als vermeintlich ironisch. Aber die 'Vernunft' definiert er selbst. Und wer in seinen Augen unvernünftig ist, darf sich auch gerne beleidigt fühlen. Zurückgelassene in der Zensur gegenüber auch nur marginal Andersdenkenden sind in seiner Wahrnehmung, lediglich 'Beleidigte', die seiner 'Vernunft' nicht folgen wollen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht bspw. um Holocaustleugner, oder andere rechtsradikal Verblendeten. Es geht hier um marginal Andersdenkende aus dem linken Lager, die seiner Schleimspur (ich wiederhole das ausdrücklich) nicht bis zu ihrem Ursprung auflecken wollen.

Meinungsdiktatur, eine funktionierende, unwidersprochene Gefolgschaft wird hier mit 'Vernunft' begründet, wobei der Verfasser die 'Vernunft' selbst definiert. 'Vernunft' heißt hier, den Argumenten des Blogbetreibers unhinterfragt zu folgen.
Nicht Meinungsaustausch wird hier angestrebt, sondern Gefolgschaft. Widersprechende Äußerungen werden der vermeintlichen Vernunft geopfert.
Und dies wird dann kommuniziert als Mittel um 'Diskussionen zu ermöglichen'.
Die vermeintliche Diskussion ist in dieser Sphäre nur die Zulassung der eigenen Gefolgschaft.
Das ist das genaue Gegenteil von dem, was ich für eine wahre linke Gesinnung halte.

Und diese Kritik kommt nicht von rechts, sondern von links! In der Sache konform, aber in der Umsetzung aufs Äußerste widersprechend!
So schlau und pointiert Deine Ausführungen auch sein mögen, so dogmatisch, selbstgerecht und unhinterfragend ist Deine Haltung, Flatter!
Nenn das Vernunft - ich nenne das vermeintliches Angekommensein in der undiskutierbaren 'Wahrheit'. Ich nenne das egomanische Selbstgerechtigkeit. Ich nenne das zementierte Meinung, die nur zu vermitteln, aber nicht zu hinterfragen ist.

Das selbe gilt übrigens auch für Charlie vom Narrenschiff. Auch, wenn er nicht nur ansatzweise über Deinen Intellekt verfügt.

Das Bildungsproletariat braucht den Duderich in der Opposition zu solch selbstgerechten Säcken! :-D

Eine zümpftige Kleipenschlägerei könnte natürlich auch der Aggressionsabfuhr dienlich sein. Aber sagt mir früh genug bescheid, damit ich mit dem Hantel-Training beginnen kann und mir rechtzeitig alte Bruce-Lee Filme angucke.

Lange, lange Rede: Kurzer Sinn.

Mein Baby fehlt mir. Ich bereue den übereilten Schritt, diesen Blog aufzulösen.
Ich weiß, dass es total albern ist, den eigenen Abgesang zu zelebrieren um danach zu sagen:
"Ätsch", war gar nicht so gemeint.

Es war so gemeint, aber ich habe erkannt, dass es ein Fehler war.

Neben meinen langweiligen, alltäglichen Leben, habe ich feststellen müssen, dass der Duderich immer noch ein Teil von mir ist, der sich Bahn brechen will.

Ja, es ist unbestreitbar peinlich, was hier passiert ist. Und ich neige auch mein Haupt und hoffe auf Verständnis.
Aber andererseits habe ich auch kein Problem damit, dass Kommentatoren, wie bspw. das Murmeltier mich eventuell dafür auseinandernehmen (wollen).
Übrigens: Da dieser Blog ehrenamtlich betrieben wird, bin ich für kostenloses Korrekturlesen natürlich überaus dankbar. ;-)

Vielen Dank übrigens für die vielen solidarischen und verständnisvollen Grüße.

Ich werde hier nicht regelmäßig, aber engagiert weitere Beiträge posten.

Wenn ich halt Bock habe, oder mich der Leidensdruck dazu nötigt.

Erwartet nichts von mir - und ihr werdet nicht enttäuscht werden.

Kommentare:

  1. Hallo Duderich,

    ein sehr,sehr langer, für mich viel zu langer Text.
    Wenn Du mit linken Bloggern wie Flatter und Charlie Probleme hast, dann halte Dich doch ganz einfach von ihnen fern.

    Es gibt keine Verpflichtung dort zu kommentieren.
    Und um den Flatter würde ich mir persönlich auch nicht den Kopf machen. Der ist immerhin in einer recht komfortablen Situation, dass er trennen kann:
    Zwischen der Person, die etwas kommentiert und dem Inhalt.
    Wenn man das persönlich nicht schafft, so wie ich zwischen Person und Inhalt zu trennen, dann verabschiedet sich Mensch eben ganz freundlich und auf nimmer Wiedersehen.

    Was Dir ja immer wieder unbenommen bleibt ist, deren Inhalte auf Deinem Blog auseinander zu nehmen. Allerdings weiss ich dann nicht wo das Problem liegt, wenn Du inhaltlich zumindest mit Flatter doch ziemlich konform bist.

    Was Charlie betrifft, so hat der für mich einen sehr bedrohlichen Charme, der mich an all diese vorweggenommenen Untergangsszenarien aus science fiction Filmen erinnert, diesen Charme einer bürgerlichen Gesellschaft, der es nicht gelingt sich bewusst zu werden, dass sie täglich und unermüdlich an ihrem eigenen Untergang arbeitet.

    Was mich dabei so sicher macht ist, dass sie sich ständig selbst vergewissert und über ihre Medien vermittelt, dass der Menschheit eine unglaublich positive Entwicklung bevorsteht, kein Hunger mehr, keine Krankheiten und ein unendlich langes Leben.

    Na ja, Mensch muss schon ziemlich naiv sein, wenn er all diese Versprechungen, die der Troptard alle schon zu genüge kennt, noch ernst nehmen will.

    Also Duderich, wenn Du Ätsch gemacht hast, dann mach in Zukunft was draus. Es gibt genug Themen, die von Dir bearbeitet werden können.

    Z.B. könntest Du Dich daran abarbeiten, Dir echt den Kopf machen, ob dieses Zukunftsmodell des Sozialismus bzw. Kommunismus, möglicherweise nur eine andere Variante in der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft ist, die Reproduktion von Kapital und Arbeit, durch die Entmachtung der Bourgeoisie und den Organisationen der Lohnarbeit in einen Volksstaat zu überführen.

    Ätsch, Troptard

    Hier mache ich mal Schluss, weil ich selbst keine Lust mehr darauf habe, mir den Kopf zu machen.

    Wenn Du weitermachen willst, dann mach was daraus.
    Mensch, Dein Blog hat doch mal super gut angefangen
    und ist dann immer mehr verfallen.

    Gruss Troptard

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    1. Hallo Troptard,
      vielen Dank zu Deinen kritischen Anmerkungen. Ich werde mir sie zu Herzen nehmen.

      Kurz zu Flatter. Dir wird möglicherweise aufgefallen sein, dass ich eine strikte Trennung mache, zwischen seinen Postings und seiner Moderation in der Kommentarspalte.
      Nicht zuletzt findet dies Ausdruck in der Tatsache, dass ich ihn immer noch in meiner Blog-Roll führe (im Gegensatz zum Narrenschiff).

      Es hört sich übrigens toll an, von sich zu behaupten zwischen Person und Inhalt zu trennen.
      Aber gerade in der Blogsphäre hat man ja in der Regel keine Möglichkeit eine Person kennen zu lernen und ist auf die Inhalte des Verfassers angewiesen. Je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger Sinn macht es für mich. Besonders, weil ja Personen(!) gesperrt werden. Aber egal - es/er ist tatsächlich nicht so wichtig, dass man mehrere Fässer deswegen aufmachen muss.

      Ich bin übrigens ganz Deiner Meinung, dass mein Blog an Qualität nach gelassen hat.
      Oft habe ich wohl mehr aus Pflichtbewusstsein was geschrieben, als aus dem Antrieb heraus mich in einer Herzensangelegenheit auszudrücken.
      Ich kann nicht versprechen, an dem rauhen alten Pioniergeist anzuknüpfen, aber ich kann versprechen dies ernsthaft zu versuchen.

      Kommentatoren, wie Du, sind dabei ein wichtiges Korrektiv für mich. Ich werde Deiner Kritik sicherlich nicht immer 1:1 folgen, aber ich werde mich mit ihr ernsthaft auseinander setzen - eben weil ich mir davon einen Erkenntnisgewinn verspreche, was ja auch der eigentliche Grund zum Betreiben dieses Blogs ist.

      In diesem Sinne würde es mich freuen, wenn Du diesen Blog weiterhin kritisch hinterfragend kommentierst.

      Herzliche Grüße zurück

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  2. Das passt schon, mach dir mal keinen Kopp ...

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    1. Dank Dir!
      Sich nen Kopp machen ist gar nicht so schlimm.
      Selbstzweifel auch nicht.
      Aber, wie Du schon sagtest:
      Passt schon!

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  3. Weisst Du, es gibt schon zu wenig gute Blogs der Linken, Deiner ist definitiv einer, ich lese hier immer wieder gerne. Das ich nicht oft kommentiere, liegt einfach daran, das ich kein grosser Schreiber bin, mir fällt es schwer, mich “präzise“ auszudrücken, ich werde eher missverstanden, als verstanden, aber das hindert mich nicht daran, hier mitzulesen ... also: mach weiter so ...

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